Freitag, 30. November 2018

THE ROLLING STONES – BEGGARS BANQUET 50th Anniversary Edition

Credit Bild: © Universal Music
Als die Rolling Stones im Dezember 1968 ihr Album  „Beggars Banquet“ veröffentlichten, markierte diese LP einen der wesentlichsten Wendepunkte in der Karriere von „Englands Newest Hitmakers“: Mit dem Festmahl der Bettler spielten sie nicht nur ihre für viele Fans beste Platte ein sondern nahmen auch den ersten Eintrag in einer unglaublichen Reihe unumstößlicher, in rascher Abfolge releaseder Klassiker auf. Das geniale Live-Dokument "Get Yer Ya Ya´s Out" sowie die ebenso großartigen Studioalben  "Let It Bleed", "Sticky Fingers", "Exile On Main Street" und "Goats Head Soup" sollten folgen.

Deutlich bemerkbar machte sich auf "Beggars..." vor allem eine Verschiebung im band-internen Machtgefüge: so vollzog sich hier der Shift weg von Brian Jones , der sich zunehmend von der Gruppe entfremdete und nur mehr auf ein paar Songs zu hören ist, hin zum nun dominierenden Songwriter Duo Jagger-Richards. Diese verfolgten eine andere künstlerische Ausrichtung als Jones und so wurde ´68 jenes Jahr, in dem die Stones endgültig ihren eigenen Sound fanden. Die Beatles-esken Psychedelik-Experimente wie noch auf „Their Satanic Majesties Request“ gehörten fortan der Vergangenheit an, auf diesem Meisterwerk der Ausschweifung hörte man eine neue ungleich düsterere Version der einst härtesten Beat-Band der Welt:  Nach wie vor im tiefsten Delta verwurzelt war die Amalgamation von Akustikgitarren und elektrischen Instrumenten, hinzu kam ein stärker werdender Country-Einfluss, der sich auf den kommenden Alben noch deutlicher manifestieren sollte.

Die Songs auf "Beggars" transzendieren das Hitsingle-Format und gleichen beinahe einer Kurzgeschichtensammlung. Short Stories, die bei der Vertonung eines Bacchanals des Verdorbenen geschrieben wurden. Sang Jagger zuvor noch - eh schon unverblümt, für die damals noch weitaus zugeknöpftere Zeit - wie er mit einem Mädl die Nacht verbringen wollte, lud er nun gleich ein Groupie zu sich "upstairs" wie im rasselnden „Stray Cat Blues“. Mit dem zeitgeistigen „Street Fighting Man“ lieferte man quasi den offiziellen Soundtrack zum Straßenkampf im Revoutionsjahr, ungeachtet dessen, dass die Stones selber stets weitaus apolitischer als etwa Dylan oder Lennon waren. 

Passend zum dreckigen Sound sind auch die dunklen, oft resignierten Lyrics:
Pure Hoffnungslosigkeit zum Wehklang der Slidegitarre („No Expectations“) trifft auf
Südstataen-Ausschweifung im expliziten „Parachute Woman“ und ein Hillbilly-Panoptikum bei der Southern Gothic-Erzählung „Dear Doctor“ über ein bevorstehendes unglückseliges „shotgun wedding“, das nur mit reichlich Hochprozentigem zu ertragen ist. Das Säkulare verlassen die Stones mit der Gospel-Ode auf den kleinen Mann bei "Salt Of The Earth". Einen Kontrapunkt dazu setzt der Teufels-Samba beim von Mihail Bulgakov inspirierten "Sympathy For The Devil“ - ein absoluter Jahrhundertsong."Beggars" ist das Paradebeispiel für eine Platte bei der es "all killer, no filler" gibt.

Nun 5 Jahrzehnte nach dem ursprünglichen Release wird diese Meisterwerk zum großen Jubiläum reissued. Die Neuauflage kommt im Schuber, wodurch sowohl das ikonische  "Toiletten"-Cover als auch das 1968 veröffentlichte Artwork bei der Neuauflage reproduziert werden. Das Bild mit den Kloschmieragen  - wo etwa der Traum Bob Dylans  runtergespült wurde - wollte die Plattenfirma in den Sixties nicht, stattdessen kam "Beggars Banquet" in schlichter, beiger Hülle in die Läden: darauf war nur zu lesen "Rolling Stones  Beggars Banquet  R.S.V.P. ;  also „répondez s’il vous plaît“ als höfliche Bitte um Rückantwort an den Gastgeber für das Bankett der Bettler:
Credit Coverbild: © Universal Music
Abgesehen davon merkt man jedoch bei dieser neu erschienenen 2018er Version nicht viel von "Anniversary". Denn auf eine an die Vinyl angelehnte CD-Reissue wie beim jüngst veröffentlichten White Album-Neuauflage oder Sticky Fingers wurde hier verzichtet. Auch ein dickes Booklet oder Bonus Tracks sucht man vergeblich: Obwohl gerade ungesehene Fotos, Demos oder anderes unveröffentlichtes Material von den Sessions in den Olympic Studios  ungemein interessant gewesen wärenDas alles ändert zwar nichts daran, dass dieses Album nach wie vor eines der besten aller Zeiten ist, doch hat der Stones-Fan schon aufwendigere Reissues gesehen.

Mittwoch, 28. November 2018

BREAKING STONES – 1963-1965: Eine Band auf der Schwelle zum Weltruhm

Credit Coverbild: ©Terry O´Neill Emons Verlag

A portrait of the artists as young men….

Der Status Quo der Rolling Stones als dienstälteste Rockband des Planeten ist ja bekanntlich jener von Legenden, deren Antlitze man, so es einen Mount Rushmore des Rock gäbe, in den - ähem - Stein meißeln müsste. Doch dies war nicht immer so: Anfang bzw. Mitte der Sechziger standen die Steine noch ganz am Anfang; Richards war noch nicht das „human riff“ und Jagger noch nicht die Ikone eines Frontmans. Ihr kometenhafter Aufstieg war zwar aufgrund ihrer Hitsongs und dem persönlichen Charisma der Musiker von Beginn beinahe vorprogrammiert, doch noch befanden sich diese jungen Briten erst an der Schwelle zum Weltruhm: Sie waren noch eine hungrige Bluescoverband, die zunehmend eigene Songs in ihr Repertoire brachte und die Antithese zu den Beatles darstellten.
Englands Newest Hitmakers waren die härteste Beatband der Welt und somit natürlich für die Altvorderen noch viel schlimmer als die Jungs aus Liverpool.
Jene Phase – die Jahre 1963-1965 – die mitunter besonders stark von Brian Jones mitgeprägt wurde, steht auch im Zentrum des Bildbandes „Breaking Stones“.

Die Bilder in „Breaking Stones“ stammen von Terry O´Neill und Gered Mankowitz, beides Größen der Rock N´ Roll-Photography, die damals selbst Jugendliche waren und sich somit ganz nahm Puls der Zeit der britischen  Blues-und Rockszene befanden. Diese nicht-existente Distanz zum Swinging´ London merkt man den Aufnahmen auch an, die selbst bei den „staged photos“ einen leichten candid touch aufweisen. Ihre eindringlichen Aufnahmen wirken bisweilen gar intim, man sieht die Steine noch ohne die Superstar-Barriere.

Klar, Stones-Bücher gibt es schon sehr viele, der USP dieses schön gestalteten Bildbandes liegt jedoch darin, dass er sich im Gegensatz zu anderen Publikationen zum Thema nicht auf die gesamte bisherige Karriere sondern rein auf die die ganz frühe Periode konzentriert.
Ähnlich wie Alfred Wertheimers legendär gewordene Aufnahmen des jungen Elvis zeigen O´Neills und Mankowitz Bilder einen besonderen Moment im Leben von (werdenden) Superstars: In den Fotos festgehalten wird hier nämlich genau jene Zeit bevor aus der Beatband „The Rolling Stones“ die ikonenhaften „Stones“ wurden.

Bibliographische Angaben:
Terry O'Neill, Gered Mankowitz: Breaking Stones 1963 – 1965 - Eine Band auf der Schwelle zum Weltruhm
Fotografien von Terry O'Neill & Gered Mankowitz, Mit einer Einleitung von Robin Morgan
Übersetzung aus dem Englischen von Martin Schüller, ca. 200 Abbildungen, Gebunden, 23,7 x 30 cm,240 Seiten,
ISBN 978-3-95451-903-3 Euro 39,95 [D] , 41,10 [AT]

Montag, 26. November 2018

SCHIELE-JAHR 2018: Sämtliche Gemälde 1909-1918

Selbstbildnis mit Lampionblume, 1912
Credit Bild: © Leopold Museum, Vienna
„Nach meinem Tod, früher oder später, werden die Leute mich gewiss lobpreisen und meine Kunst bewundern“

Ein Zitat des im Sterbebett liegenden Egon Schiele, kurz bevor ihn schließlich die spanische Grippe das Leben kostete, das geradezu prophetisch anmutet: Heute ist der österreichische Jahrhundertwende-Maler zwar absoluter Kult, zu Lebzeiten sah er sich jedoch immer wieder mit heftiger Ablehnung und Feindseligkeit gegenüber seiner Person sowie seiner Kunst konfrontiert. In einer Zeit des Umbruchs, in der es zum Widerstreit zwischen modernen wie beharrend-konservativen Kräften in Europa und der Metropole Wien kam, waren drastische Werke wie die seinen geradezu prädestiniert dafür einen Aufschrei in der bürgerlichen Gesellschaft hervorzurufen.
Die Darstellung magerer, nackter Leiber auf seinen Gemälden traf häufig auf Unverständnis und wurde als schlichtweg pornographisch abgestempelt – während aufgeschlosseneren Kunstliebhabern und Mäzenen die neuartige Qualität von Schieles Werken nicht verborgen blieb. Zeitgenossen Schieles wie etwa Gustav Klimt zeigten zwar ebenfalls erotische Darstellungen in ihrer Kunst, blieben jedoch noch am klassisch-schönen Ideal orientiert. Schiele hingegen ging einen anderen Weg -  er brach radikal mit vorherrschenden Sehgewohnheiten, in seinen schonungslosen Körperstudien präsentierte er Malerei als anthropologische Studie des Begehrens: teils verzerrte Gesichter, verrenkte Gliedmaßen, geisterhaft-fahle Haut im starken Kontrast zu einem tiefrot gefärbtem Schambereich, die lasziven Posen seiner Modelle, die Verbindung von Eros und Thanatos  - dass der Maler auch noch oft äußerst  junge Mädchen für seine expliziten Aktdarstellungen einsetzte machte den Skandal perfekt. 
Stehendes nacktes Mädchen mit orangefarbenen Strümpfen, 1914
Credit Bild: © Leopold Museum, Vienna
In seinem kurzen Leben war Schiele, der mit gerade einmal 28 Jahren starb und nichtsdestotrotz ein umfangreiches Werk hinterließ, ein oft unverstandenes Genie - nachfolgende Generationen rezipierten sein einflussreiches Werk (man denke nur an Francis Bacon) jedoch gänzlich anders und erkannten ihn als einen der wichtigsten Vertreter des Expressionismus, der tatsächlich einen neuen Stil prägte – was er ja mit der Gründung der Neukunst-Gruppe einst intendiert hatte. 
Liebesakt, 1915
Credit Bild: © Leopold Museum, Vienna
Passend zum Schiele-Jahr 2018, in dem des 100. Todestages des wegweisenden Malers der Wiener Moderne gedacht wird, ist im Taschen Verlag eine Mammut-Retrospektive erschienen, welche die gesamten 1909 bis 1918 entstandenen Gemälde dieses  Meisters der Fin de Siècle–Kunst vereint: eine ungemein genaue und umfassende Werkschau in einer  äußerst stylischen Schutzkassette mit High Quality- Reproduktionen dieser faszinierenden Werke.
Aufgrund des  Detailreichtums und des schieren Umfangs dieser Retrospektive  kann man mit diesem Band die gesamte Entwicklung des Künstlers nachvollziehen. Von den frühen Arbeiten, die teils noch von Klimt beeinflusst waren über die Aktdarstellungen, die Selbstbildnisse als „Schmerzensmann“ bis hin zu seinen Eindrücken toter Städte.
Doch „Egon Schiele Sämtliche Gemälde 1909 -1918“ ist nicht nur eine beeindruckender Bildband. Herausgeber Tobias G. Natter, österreichischer Kunstexperte,  entwirft in diesem wuchtigen Buch auch eine äußerst gut geschriebene Biographie Schieles. Jedes hier vorgestellte Werk wird überdies en detail beleuchtet und kunstgeschichtlich eingeordnet und selbst weniger bekannte Aspekte des künstlerischen Schaffens Schieles, wie seine Arbeiten als Dichter, werden eingehend beleuchtet.

Eine komplettere und umfangreichere Veröffentlichung über Schiele habe ich bisher noch nicht gesehen. Und obwohl es nicht gerade wenige Bücher über ihn gibt, ist dieses beeindruckende bibliophile Sammlerstück schon jetzt ein kunstgeschichtliches Standardwerk wenn es um die Beschäftigung mit diesem faszinierenden Künstler geht.

Weiterführender Literatur- und Buch-Tip: 2018 ist ja nicht nur das Schiele- sondern auch das Klimt-Jahr. Ebenfalls von Tobias G. Natter und nach dem selben, umfassenden Prinzip aufgebaut ist "Gustav Klimt. Sämtliche Gemälde": Der Mammutband bietet - auch abseits der bekannten Werke wie "Der Kuss" oder der "goldenen Adele" einen Gesamtüberblick über diese Jugendstil-Ikone.
Credit Coverbild: © Taschen Verlag
Egon Schiele. Sämtliche Gemälde 1909-1918
Tobias G. Natter, Hardcover, 29 x 39,5 cm, 612 Seiten

Freitag, 23. November 2018

Ein Trip durch Mexikos geheimes Nachtleben: VIDA von Jesús León


Credit Bild: © Jesús León, Edition Patrick Frey, 2018
Egal ob als normaler Tourist oder als Abenteurer auf Städtetrip, man sieht sich immer mit dem gleichen Problem konfrontiert: Die eigentlichen Hot Spots und "Places To Be" bleiben einem oft verborgen. So wird man jene Orte, an denen der Fotograf José de Jesús "Chucho" León Hernández die interessanten Protagonisten seiner Bilder entdeckte, kaum in einem Baedeker-Reiseführer finden.

Mit dem neu erschienenen Bildband „VIDA“ kann man jedoch zumindest eine faszinierende, bibliophile Reise durch die mexikanische Nacht antreten. Und die kommt einem „Walk On The Wild Side“ gleich. Jesús León - ein Geheimtip kunstaffiner Fotografie-Liebhaber - ist intimer Kenner und Chronist des Nachtlebens der Metropole Mexico City. Er ist eine
"creature of the night", seine bei Streifzügen durch die Clubs entstandenen Bilder sind so exzessiv wie das Nightlife selbst. León interessiert sich nicht für die High Society-Tanztempel sondern für jene Locations weit abseits des Mainstreams, in die sich nur  Eingeweihte trauen. Das Mexiko, das er in seinen grellen Bildern einfängt ist das Mexiko der hemmungslosen Party People.

Chucho schafft es gekonnt den Rausch einer wilden Partynacht in seinen dynamischen Schnappschüssen einzufangen, seine Bilder schaffen den Spagat zwischen Künstlichkeit und naturalistischer Ungezwungenheit. Eine unterkühlte Fashion-Hochglanz-Ästhetik wie aus avantgardistischen Fashion-Magazinen trifft hier auf schmutzigen Realismus, der stellenweise an Terry Richardson gemahnt. Bildschöne Model-artige Girls auf der einen Seite, skurrile Figuren und Paradiesvögel auf der anderen. 
So ausschweifend und exzessiv die harten Nächte in den Discos und LGBTQ-Clubs zu sein scheinen, so ungefiltert, bisweilen beinahe x-rated sind die Bilder Leóns. Von blutigen Hexenritualen am Dancefloor bis zu hedonistischen Intimitäten mitten im Club:  das ist wahrlich das Mexiko abseits ausgetretener Touristenpfade und bekannter Klischees.
Ein Bildband wie ein Disco-Trip um halb 4 Uhr morgens.
Credit Coverbild: © Jesús León, Edition Patrick Frey, 2018
Bibliographische Angaben: 
Jesús León „VIDA“ Hrsg. Thomas Haemmerli,
mit Texten von Thomas Haermmerli, Gestaltung Martina Brassel
Englisch / Spanisch, 19,5 x 27,5 cm, 276 Seiten
253 Abbildungen, Broschur
November 2018, € 52,- [D], CHF 52,-
ISBN: 978-3-906803-74-6
Edition Patrick Frey

Mittwoch, 21. November 2018

STAR-ARCHITEKT REM KOOLHAAS IN BERLIN: Signierstunde und Gewinnspiel

Credit Bild: © Courtesy of OMA / Photography by Fred Ernst
Er ist fraglos einer der prominentesten und einflussreichsten Architekten der Gegenwart, dessen teils futuristisch-avantgardistischen Entwürfe trotz seines etablierten Status als eine Ikone des zeitgenössischen, modernen Gebäudedesigns nach wie vor für Diskussionstoff sorgen: Der Niederländer Rem Koolhaas ist nicht nur ein Superstar sondern auch ein Mann ungewöhnlicher Denkweisen: Architektur ist bei ihm eine Kunstform und folgerichtig der Architekt nicht nur ein ingenuöser Planer und Designer von Lebens- und Wohnraum sondern auch ein mitunter fashion-affiner Künstler.
Bei seinen Projekten - ob sie nun im Stadium eines Entwurfs für einen Wettbewerb bleiben oder wie bspw. die niederländische Botschaft in Berlin oder die Casa de Música in Porto tatsächlich gebaut werden - sieht er immer auch die großen geschichtlichen Zusammenhänge und soziologischen Rahmenbedingungen. Ein sehr spezieller Zugang, der sich auch in seinem neuesten Buch "Elements of Architecture" wiederfindet.

In Zusammenarbeit mit Designerin Irma Boom und Künstler Wolfgang Tillmans ist ein  beeindruckender Mammutband von einer Monographie entstanden, der auch  für Nicht-Architekten ein interessantes Neo-Standardwerk darstellt. Koolhaas beleuchtet darin in seinem typischen Stil all jene Komponenten die letztlich Architektur - die am Schluss mehr als die Summer ihrer Teile ist - ausmachen.
Fenster, Fassade, Balkon, Korridor, Kamin,Stufe, Rolltreppe, Lift & Co: Koolhaas beschreibt die grundlegenden Historie hinter zunächst alltäglich-banal erscheinenden baulichen Details und bettet sie in einen höheren, theoretisch fundierten gesamtgesellschaftlichen  Kontext ein.

Und dieses interessante Buch wird der Pritzker-Preisträger Koolhaas nächste Woche persönlich in Berlin signieren.

Signierstunde mit Archtitektur-Ikone Rem Koolhaas
Donnerstag 29. November 2018, 16:00 Uhr - 18:00 Uhr
TASCHEN Store Berlin
Schlüterstraße 39 (10629 Berlin) 

WIN - WIN WIN
Passend zum Deutschlandbesuch von Koolhaas und dem Release seines neuen Buchs verlose ich in freundlicher Zusammenarbeit mit dem Taschen Verlag ein Exemplar des Luxus coffee table-Werks „Elements of Architecture“

Ihr wollt dieses Buchkunstwerk euer Eigen nennen?

1) Dann schreibt eine E-Mail mit der Betreffzeile „Architektur Koolhaas Gewinnspiel“ und mit dem Hinweis, dass ihr von mir bzw. 6strings24frames kommt und an dem Gewinnspiel teilnehmen möchtet.

2) Schickt die Mail an  c.waiblinger@taschen.com

Der Gewinner oder die Gewinnerin wird dann kontaktiert.
Viel Glück beim Gewinnspiel !

Einsendeschluss ist der 21. Dezember 2018
Keine Barablöse möglich.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
Credit Bild: © Taschen Verlag

Rem Koolhaas. Elements of Architecture
Irma Boom, Wolfgang Tillmans, Harvard Graduate School of Design, Stephan Trüby, James Westcott, Stephan Petermann
Hardcover, 20 x 25,5 cm, 2528 Seiten
ISBN 978-3-8365-5614-9
Ausgabe: Englisch

Dienstag, 20. November 2018

BOB DAISLEY AND FRIENDS - MOORE BLUES FOR GARY

Credit Coverbild: © earMusic
Der irische Gitarrenvirtuose Gary Moore (1952 -2011) war in vielerlei Hinsicht eine schieres Ausnahmetalent: Er hatte die Songs, die Stimme und die "Chops" an der Gitarre, die er mit unfassbarer Präzision bei gleichzeitiger maximaler emotionaler Intensität beherrschte. 
Ein unglaublich kompletter Musiker, der im harten Rock genauso reüssierte wie in der Fusion und im Blues. Dieses Genre, das stets das Fundament in Moores Spiel darstellte und ab den späten 80ern seine Aufnahmen dominierte ("Still Got The Blues") steht auch, wie der Titel bereits vermuten lässt, im Zentrum eines neuen Tribute-Albums, das im siebten Jahr nach dem Tod der nordirischen Legende erscheint.

Initiiert wurde es vom langjährigen Freund und Bassman Bob Daisley (siehe Bild unten) der für diese musikalische Verneigung vor Moore eine Reihe illustrer Musiker versammelte, zu den prominentesten zählen dabei Steve Lukather (TOTO), Doug Aldrich, John Sykes, Steve Morse, Glenn Hughes, Joe Lynn Turner, Don Airey, Stan Webb von den Brit-Bluesern Chicken Shack-sowie die Söhne Moores, Jack und Gus.

Wie soft bei solchen Tributes sind nicht alle Neueinspielungen auf dem gleichen Level, doch insgesamt ist dieses Album ein schöner und in sich stimmiger Tribute an einen Großen, der mit seinem ungemein markanten Spiel freilich unerreichbar bleibt. Doch gerade wenn etwa Steve Lukather das Phrasing Moores zitiert, zaubert das dem Zuhörer ein breites Lächeln ins Gesicht.
Credit Bild: © earMusic

Samstag, 17. November 2018

THOM YORKE - SUSPIRIA SOUNDTRACK

Credit Coverbild: © XL RECORDINGS  INDIGO
Das Fest des gepflegten Gruselns, Halloween, ist zwar schon vorbei, wer dennoch einen kleinen Schauerkick braucht, sollte sich mal die neu erschienene Soundtrack-CD zum 2018er-Remake von Dario Argentos Horrorklassiker „Suspiria“ in den Player schieben und den Schauer-Klanggemälden mit Headphones in der Nacht lauschen....

Komponiert hat diese atmosphärischen Stücke Thom Yorke, seines Zeichens Radiohead-Frontman. Der ist zwar mitunter durchaus für flächig-sphärische Sounds bei seiner Stammband bekannt, als Soundtrackkünstler hatte man ihn aber - zumindest bisher - nicht auf der Liste. Doch was sein Kollege, Gitarrist Johnny Greenwood (der u.a. den Score für den zu Unrecht bei den diesjährigen Oscars übersehenen "The Phantom Thread" schuf) drauf hat, kann Yorke auch; und spielte einen bemerkenswert individuellen Soundtrack ein, der - und das ist ja auch immer ein Merkmal von richtig guter Filmmusik - auch ohne die Bilder vom big screen funktioniert.

Schon die Reinterpretation von Argentos übersinnlicher Story über die mysteriösen Vorkommnisse in einem Tanzschulinternat durch Regisseur Luca Guadagnino steht im Kontrast zum Ursprungswerk des Italienischen Großmeisters: auf Argentos-Signature, die knallige Farbästhetik des Originals wird völlig verzichtet. Und auch Yorkes Score hat nichts mit dem Seventies-Sound der Gruppe Goblin zu tun. Wo bei "Supriria" im Jahre 1977 noch zeitgeistiger Progressive Rock dominierte ,stehen nun alternative Noise-und Klangstrukturen mit dezenter, teils jedoch deutlicher Radiohead-Pop-Nähe im Mittelpunkt.
Zwar fehlt Yorkes Score das catchy-Ikonenhafte der Goblin-Scores , dennoch hat man es hier mit einem der interessantesten Soundtrack der letzten Zeit zu tun, der eine Antithese zum Klangwand-Einheitsbrei des modernen Kinos darstellt.

Freitag, 16. November 2018

CHRIS CORNELL: Die Requiems-Retrospektive

Credit Bild: © Universal Music
Am 18. Mai 2017 schockierte die Nachricht vom völlig überraschenden Tod des sich gerade auf Tour befindlichen Chris Cornell die Fans weltweit. Sein Ableben wurde von den mit der Untersuchung des Falls betrauten Behörden als Suizid eingestuft, die Realität holte somit die oftmals tiefschwarzen, düsteren Songtexte einer Grunge-Ikone ein. Doch um die Tragödie eines der bemerkenswertesten Sänger der Post-Achtziger-Ära des Rock soll es in diesem Review nicht vornehmlich gehen - sondern um das was von ihm bleibt, also sein Vermächtnis: die Musik.

Und diesem beachtlichen Nachlass an Songs wird nun in einem neu erschienenen, äußerst expansiven, „Chris Cornell“ betitelten Boxset ein Denkmal gesetzt.
Es ist eine 4 Discs starke, insgesamt 64 Tracks umfassende Retrospektive auf das gesamte Schaffen dieses so charismatischen wie introvertiert wirkenden Frontmans - von den ganz frühen Aufnahmen mit Temple Of The Dog über die legendären Soundgarden-Recordings und die Audioslave-Phase hin zu prominenten Kollaborationen (etwa mit Guns N´ Roses-Hutmeister  Slash oder Cat Stevens/Yusuf Islam) hin zu den Unplugged-Interpretationen der letzten Jahre. 11 dieser Songs sind „previously unreleased“, besonders berührend darunter ein Duett Cornells mit seiner Tochter Toni bei Bob Marleys „Redemption Song“.
In einen der bislang ungehörten Songs – „When Bad Does Good“ – könnt ihr hier reinhören:

Es ist dies ein Set, das nicht nur 3 Jahrzehnte eines interessanten Karrierewegs Revue passieren lässt sondern durch die exzellente Songauswahl erneut den Facettenreichtum dieses Künstlers unterstreicht. Ähnlich wie die Seattler Grunge-Szene selbst - die sich neben der allumfassenden Schwermütigkeit ja vor allem dadurch auszeichnete, dass keiner ihrer Hauptprotagonisten wie der andere klang -  war auch Cornell enorm vielseitig: Einerseits ein idealtypischer Frontman der 90er, gleichzeitig ein tief in der Classic Rock-Tradition eines Robert Plant verwurzelter Stimmvirtuose und andererseits in späteren Jahren ein Singer/Songwriter-Charakter. 
Credit Bild: © Jeff Lipsky Universal Music
Im Rennen um das am besten designte Boxset 2018 ist dieses Release wirklich ganz vorne mit dabei. Unglaublich, wie liebevoll und stylisch gemacht diese Box ist. Die 4 Discs befinden sich in separaten Slipcases und diese finden wieder wiederum Platz in einem Schuber der von einer Skyline von Seattle und anderen wichtigen Städte in Chris´ Leben umhüllt wird. Die ganze Aufmachung unterstreicht nochmal das Ikonenhafte an diesem Musiker. Das Prädikat „Deluxe“ ist bei diesem Set mehr als angebracht, denn hier hat man es nicht mit einer eilig zusammengestellten Best Of-Compilation zu tun, sondern mit einer künstlerisch großartig umgesetzten Verneigung vor Cornell. 
Supervised wurde dieses Retropektiv-Projekt von Jeff Ament, Bassist von Pearl Jam und Tempel Of The Dog. Sein Kollege Mike McCready, Soundgarden-Gitarrist Kim Thayil, Matt Cameron, Tom Morello und Brendan O´Brien verfassten die Linernotes im 54-seitigen Booklet mit bislang unveröffentlichten Fotos.

So schaffen es die Macher dieser Box eine schlüssige Retrospektive zwischen den ganz großen Hits (Stichwort:“Black Hole Sun“) und selteneren Stücken zu entwerfen: ein würdiger posthumer Tribute an diesen viel zu früh gegangen Musiker. R.I.P. Chris Cornell

THE ROLLING STONES – VOODOO LOUNGE UNCUT


Credit Coverbild: © Universal Music Eagle Vision
1994 meldeten sich die Stones nach längerer Pause mit dem verheißungsvoll betitelten Album „Voodoo Lounge“ zurück. Eine retrospektiv betrachtet durchaus gute Scheibe
mit durchwegs soliden Songs. Zwar vermochten Jagger, Richards, Watts und Ronnie damit nicht an die überragenden Siebziger-Glanztaten anzuknüpfen, doch mit „Love Is Strong“ war ein veritabler Hit dabei und der stampfende Stadionrock-Gegenpol zur Mitt-Neunziger Grunge-Welle „You Got Me Rocking“ bleibt bis heute ein Konzert-Favorit in „Start Me Up“-Manier.

Der nun veröffentlichte, aktuelle Eintrag in der archivarischen „From The Vault“-Serie ist auf der Tour zu diesem Album entstanden – und die alteingesessenen Stonesologen wissen: dieser am 25. November 1994 aufgenommene Mitschnitt wurde schon früher als VHS, Laser Disc und DVD released – allerdings, und jetzt kommen wir auf den Titel dieser 2018er SD Blu ray zurück: noch nie uncut. Bei der diesjährigen Neuauflage können die Fans nun erstmals den vollständigen Gig im Heimkino genießen. Und das lohnt sich bei diesem Konzertfilm wirklich, bietet dieser doch einen in gleich mehrerer Hinsicht bemerkenswerten Gig der rollenden Steine.
Zum einen ist das hier ein wirklich langes Konzert mit insgesamt 27 Stücken.
Zum anderen hört man hier nicht jene bekannte Setlist, wie man sie von unzähligen Gig der letzten Jahrzehnte gewohnt ist, Die Best Of-Phase mit den verdienten Klassikern von „Street Fighting Man“, „Satisfaction“, „Jumpin´ Jack Flash“ & Co. setzt bei „Voodoo Lounge Uncut“ erst ab der Hälfte ein. Davor gibt es eine ganze Reihe an teils selten gespielten Schmankerln: Viel Country mit „Dead Flowers“ von „Sticky Fingers“ und „Sweet Virginia“ von Exile“;  die ewige Breakup-Hymne „It´s All Over Now“ aus der Sechziger-Frühphase oder „Live With me“ mit Jagger im Duett mit Sheryl Crow. Bluesman Robert Cray im Versace-Hemd darf seine Strat bei Robert Johnsons „Stop Breaking Down“ würgen(ein Song, den die Stones auf ihrem legendären „Exile On Main Street“-Album coverten). Und beim thematisch bestens zum Voodoo-Motto der Show passenden „Who Do You Love“ kommt sogar Rhythmus-Ikone Bo Diddley auf die Bühne.

Trotz dieser vielen Pluspunkte muss man konstatieren, dass man  doch einige hier dargebotenen Nummern schon mit mehr Feuer gesehen hat. Auch wenn an Theatralik mitunter nicht gegeizt wird: Bei „Sympathy For The Devil“ kommt Jagger diesmal nicht als
Beelzebub sondern als Reinkarnation eines Voodoo-Hohepriesters aus dem tiefsten Süden Louisianas auf die Bühne. Was diesem Gig phasenweise vom Energielevel her fehlt, wird allerdings durch die immer wieder bemerkenswerte Präzision mit der die Stones über weite Strecken des Florida-Konzerts aufspielen wettgemacht   - auch Käptn´ Keef soliert hier recht ausgiebig und treffsicher.

Als Bonus gibt es noch ein paar Songs eines früheren Gigs der „Voodoo Lounge“-Tour.
Wie schon das Album, das mit dieser Tour promotet wurde ist auch „Voodoo Lounge Uncut“ sehr solide und vor allem für den Stones-Sammler interessant;  zumal hier gerade aufgrund einiger Raritäten in der Songauswahl und den Gastspots nicht „business as usual“ am Programm steht.

Sonntag, 11. November 2018

ROBBEN FORD – PURPLE HOUSE



© Masha Thompson    earMusic
Öffnet man das Slipcase der neu erschienen "Purple House"-CD des us-amerikanischen Blues/Rock/Fusion-Gitarristen Robben Ford erblickt man als erstes eine auffällig gemaserte Sunburst  Les Paul und sieht den sonst eher etwas zurückhaltender gestylten Musiker in Reptillederstiefeln. Das legt natürlich die Frage nahe, ob man es hier mit einer längst überfälligen Rückbesinnung Fords auf die etwas kernigere, härtere Zeit in seiner Karriere  (man denke an “Talk To Your Daughter”-) zu tun hat ? Nicht ganz, aber zumindest teilweise. Die Sessions im lila Haus bergen jedenfalls so einige Überraschungen.

Jener Fusion Jazz, den er einst mit Miles Davis oder "Mr. 335" Larry Carlton zelebrierte tritt auf seiner jüngsten LP in den Hintergrund. Die Platte markiert eine bewusste Veränderung für den an sich längst arrivierten Virtuosen.
Es ist seine erste Veröffentlichung bei seinem neuen Label “ear Music” und gleichzeitig eine LP, bei der er Bekannt-Bewährtes mit einem völlig neuen Approach verband. Der Meister dazu im O-Ton über die Direction seiner jüngsten Veröffentlichung:
 “My concept for the record was to do something with a lot more emphasis on the production than I’ve had in the past”. “I’m always pushing myself with each record. I haven’t made one record that sounded like the one before it and this was going to be no different. ‘Purple House’ was a great opportunity to try something really different.”

Die Blues Roots bleiben das Fundament, besonders wenn Ford ausgiebig mit seinem berühmten flüssigen Gitarrensound soliert, das Songwriting und die Arrangements verlassen jedoch das 12 Takte-Schema“I used to deliberately write blues and rhythm and blues. The Blue Line, that band really focused on blues and rhythm and blues. Traditional. But over the years I’ve really tried to expand that and this new record, more than anything I’ve ever done, is a real departure from tradition in terms of the songwriting.” sagt Ford über seine Herangehensweise bei den 9 neuen Tracks.
Und diesen Zugang merkt man auch beim Zuhören – “Purple House” bietet  arrangement-mäßig noch eine andere Atmospärenschicht, die irgendwo zwischen Pop-Affinität und experimenteller, fast filmischer Soundscape-Gestaltung liegt.

Dass dabei nicht jeder  Song der 9 Tracks vollends begeistert, fällt da nicht so sehr ins Gewicht, da das gesamte Werk sehr stark ist und gerade jenen gefallen wird, die mit den jazzigeren-Fusion-Sachen Fords nicht so viel anfangen konnten: Eine Platte für Freunde erstklassiger Gitarrensounds.
Credit Coverbild: ©    earMusic

Freitag, 9. November 2018

THE BEATLES - THE WHITE ALBUM 50th Anniversary Reissue

Credit Bild: © Universal Music
Wir schreiben das Jahr 1968: Während die Welz langsam aber sicher aus dem kollektiven Rauschzustand des Summer Of Love-Traums erwacht und sich Blumen im Haar und ein alternativer Lebensentwurf zunehmend nicht als die letztgültige Antwort auf grimmige, weltpolitische Krisen herausstellen, stehen auch die musikalischen Sprachrohre einer ganzen Generation - die Beatles - am Scheideweg.
Bandinterne Krisen sollten schließlich dafür sorgen, dass das Ende dieses epochemachenden Kollektivs schneller kam, als es die Legionen von Fans damals für möglich gehalten hätten. Nach dem Trip ins acid-getränkte Pop-Schlaraffenland im den Zeitgeist verkörpernden „Sgt,. Peppers Lonely Hearts Club Band“ von ´67 war der große Hangover beim Aufwachen nun unvermeidlich.
Das schlichtweg „The Beatles“ betitelte Doppelalbum - dem weißen Albumaufgrund seines unifarbenen, vom britischen Malers und Grafikers Richard Hamilton designten Covers  - war ein deutlicher Kontrast zum Vorgänger. Während die andere große Ex-Beat-Band, die Stones auf ihrem im selben Jahr veröffentlichten „Beggars Banquet“ den Traum Dylans die Toilette runterspülten, blickten die Plattenkäufer beim „White Album“ ins Nichts. Was war das ? Ein Peace-Zeichen ? Eine nihilistische Botschaft ? Ein reines Style-Statement? Bis heute ungebrochen ikonisch in jedem Fall, zumal die weiße Leinwand ja eine Projektionsfläche für diverse Interpretationen jedes einzelnen Zuhörers bot.

Musikalisch zeigten sich die Liverpooler so divers wie nie zuvor: War der Vorgänger ein stilistisch kohärentes Konzeptalbum,  bleibt das „White Album“ – die einzige Doppel LP in der Diskographie der ehemaligen Pilzköpfe – ihr eklektischstes Werk. Ein wilder Genre-Mix, der nicht zuletzt aufgrund der vollends fehlenden Pausen zwischen den Tracks, dennoch wie aus einem Guss wirkt. Hier verarbeiten Lennon, McCartney, Harrison und Starr nicht nur pointierten „social commentary“ über die sich ändernden Zeiten (Stichwort: „Revolution “ oder „Happiness Is A Warm Gun“) sondern zeigen auch überdeutlich ihre mannigfaltigen Einflüsse: Bis auf puren Rockabilly als Reminiszenz an ihre Hamburger Star Club Tage fehlt hier so gut wie kein Genre: typischer Brit-Pop, Akustikballaden, Country-Anklänge, angelsächsisch geprägter Blues (Lennons “Yer Blues“), das wohl heavieste Beatles-Stück ever  -das rüde Garagen-Rock-Inferno von „Helter Skelter“ , melancholische Rockhymnen („Harrisons „While My Guitar Gently Weeps mit Eric Claptons ikonischem, flanger-getränkten Gitarrensolo)...
Ja, Insgesamt ist das nicht nur die vielfältigste sondern vielleicht auch die beste Platte der Beatles.

Eine dunkle (musik-)historische Sidenote: Mit dem „White Album“ gelang den Beatles nicht nur das Kunststück in Rekordzeit einen mindestens ebenbürtigen Vorgänger zum einflussreichen „Sgt. Peppers“ einzuspielen, der auch ähnlich erfolgreich war.
Der von den Beatles besessene, berüchtigte Charles Manson war in obsessiver Manier vom weißen Album und insbesondere dem Song „Helter Skelter“ fasziniert, den er – obwohl es in Wahrheit überhaupt keinen Zusammenhang mit den Kompositionen und Lyrics der Beatles gibt - als Bestätigung seiner kruden Theorie eines kommenden „Rassenkrieges“ interpretierte bzw. umdeutete;im Zuge von Mansons irren Plänen kam es 1969 zu den von Mitgliedern der „Manson-Family“ begangenen  Tate-LaBianca-Morden.
Credit Bild: ©  John Kelly Apple Corp Ltd.  
Die 2018er Neuauflage eines Klassikers: 
Nun zum 50th Anniversary wird das „White Album“ reissued – u.a. in einer Limited 3 CD Deluxe Version. Diese verbindet die übliche Digipak-Ästhetik mit Anklängen an die gute alte, kultige Vinyl- Schallplatte: Prägedruck auf der Vorderseite, drinnen Fold-Out-Poster mit Booklet.
Das bekannte Klassiker-Album ist dabei auf 2 Discs aufgeteilt. Der Bonus Content findet sich auf Disc 3, die sog. Esher Demos - frühe Versionen jener Songs, die schließlich am Album landeten. Die ganz große Entdeckung findet man auf dieser Reissue nicht, was sich aber auch als schwierig herausstellt bei einer Band wie den Beatles, deren Karriere derartig gut dokumentiert ist und von denen es schon so viele Boxsets und Neuauflagen gegeben hat. Für die Hardcore-Fans die hier die Entwicklungsstufen der legendären Songs nachvollziehen können, aber sehr hörenswert.
Insgesamt ist dieses Anniversary-Release wieder eine toll klingende, schön gestaltete Reissue – bei der ich persönlich meine alte 60er Vinyl vom White Albums gerne als Museumsstück im Regal lasse und stattdessen diese mehr als gelungene Neuauflage im Player rotieren lasse.

Donnerstag, 8. November 2018

DORO - FOREVER WARRIORS FOREVER UNITED + Tour


Credit Bild: ©  Havlena  Nuclear Blast
Ziemlich genau 35 Jahre nach ihrem Debut mit Warlock legt die nach wie vor unangefochtene German Queen Of Metal Doro Pesch mit „Forever Warriors, Forever United“ ihr neues Album vor, das gleich in mehrerer Hinsicht besonders ist.
Zum einen handelt es sich dabei nicht um ein Album sonder um gleich zwei 😉 es ist nämlich der erste Doppel-Longplayer in der Karriere der Düsseldorferin; und angesichts des schieren Umfangs hat es auch den Touch eines Jubiläums-Releases: Sammleraufmachung mit zwei Digipaks jeweils mit Booklet im Schuber und insgesamt 25 (!) neuen Songs.

So unermüdlich wie bei zahllosen Gigs ist die Ikone deutscher Heavy-Musik auch im Studio.
Dort versammelte sie auch ein Schar illustrer Gäste wie etwa Kreator-Frontman Mille Petrozza, den u.a. von Whitesnake oder den Dead Daisies bekannten Gitarrenvirtuosen Doug Aldrich, Wikinger Death-Metal Shouter Johan Hegg von Amon Amarth, Warrel Dane (R.I.P.), Ross The Boss, Tommy Bolan, Testaments Chuck Billy …. und Helge Schneider...
Der Titel der Platte gemahnt ja an Achtziger-NWOBHM und Judas Priest-Zeiten a la „United“; der große Zusammenhalt der Metal-Community wird hier erneut beschworen. Und klarerweise ist auch „Forever Warriors, Forever United" ein sehr traditionelles bzw. traditionsbewusstes Metal-Album – das jedoch gar nicht unbedingt auf der reinen Retro-Schiene fährt.
Im Gegenteil:  die old school trifft hier auf zeitgenössische Härte. Twin Guitar Harmonies und Scorpions-eske Mitsing-Refrains werden von Double Bass-Gewitter und einer modernen Heavy-Production kontrastiert. 
Credit Coverbild: ©  Nuclear Blast
Überhaupt zeigen die beiden Discs die Vielseitigkeit Doros – vom „Voll Auf die 12“-Rock über augenzwinkernden Party Metal hin zu pathos-getränkten Balladen.  Während CD #1 passend zum Titel „Forever Warriors“ tendenziell eher heavy ausgerichtet ist, zeigt CD #2 „Forever United“ über weite Strecken die softere Seite von Frau Pesch (+ Motörhead-Cover „Lost in The Ozone“, offensichtlicher Tribute an Doro-Freund Lemmy Kilmister). Durchwegs präsent ist jedenfalls ihr Gespür für catchy Hymnen, allein der Manowar-artige Opener „All For Metal“ ist zwar nicht rasend innovativ hat aber nichtsdestoweniger Instant-Ohrwurmqualitäten.

 „Forever Warriors, Forever United“ ist zwar nicht das stilistisch überraschendste Release im Jahr 2018, aber ein richtig gutes Doppelalbum für die Fans, die nicht nur in Wacken „united“ hinter der Queen of Metal stehen.

Die Platte(n) werden natürlich auch mit einer Tour ausgiebig promotet - siehe Dates unten; diesmal by the way auch in Wien.
Credit Bild: ©  Nuclear Blast