Es ist eine grundlegende Wahrheit im weiten Feld der Musik: Der
Bass bildet meist das unumstößliche Fundament, die architektonische Basis, auf der
viele gelungene Produktion ruhen - und das gilt ganz besonders im modernen „Synth
Land“. Die Bandbreite dessen, was der tieffrequente Bereich heute leisten muss,
ist gewaltig. Sie reicht von den federnden Basslines bis hin zu den dräuenden, von tiefem Unheil
kündenden Akzenten des modernen Satzbettes im zeitgenössischen Scoring. Denken
wir nur an John Carpenters minimalistische, unter die Haut gehende Pedal Tones,
die pure Paranoia evozieren, oder im krassen Gegensatz dazu an jene
markerschütternden Subs und rhythmischen Breaks, welche die aufgepeitschte
Menge auf einem hippen Dance Festival zur Ekstase treiben. Bass und Synthesizer
— das ist seit jeher eine symbiotische Verbindung, eine Liebesbeziehung der
organischen Urgewalt.
Credit Bild: © UVI
Genau hier setzt die
französische Softwareschmiede UVI mit ihrem neuesten Wurf Rumble an. Ein
Instrument, das dezidiert dafür entwickelt wurde, den vielschichtigen
Ansprüchen moderner Low-End-Ästhetik gerecht zu werden. Es geht um jenes
physische Gewicht, den Punch, die messerscharfe Artikulation und die subtile
Bewegung, die bassgetriebene Musik heute zwingend verlangt.
Um dieses Versprechen einzulösen, geht UVI architektonisch einen extrem
ambitionierten Weg: Jedes Frequenzband wird strukturell als eigenständige,
vollkommen autarke Synthesizer-Engine behandelt. Drei parallele Kraftwerke
speisen hier am Ende einen einzigen, absolut monumentalen Gesamtsound.
Let’s get ready to
RRRumble
Ähnlich sonor und
markerschütternd wie Michael Buffers legendäre Intros im Boxring tönt auch das,
was diese spezialisierte Bass-Maschine aus den Studiomonitoren drückt. Rumble ist kein Allrounder, sondern ein hochgradig fokussiertes, mächtiges
und massives Werkzeug. Unter der elegant gestalteten Haube
verbirgt sich ein beachtliches Arsenal an klangformenden Elementen: Neun
hochentwickelte Oszillatormodelle treffen auf sechs hochpräzise
Filterschaltkreise, flankiert von zehn flexiblen Effektketten und sage und
schreibe 33 Modulationsquellen.
Das klangliche Gehirn
dieses Plugins basiert auf einer dreigeteilten Architektur, die Frequenzen
konsequent trennt und formt. Die drei Sektionen „Body“, „Character“ und „Air“
verfügen jeweils über ihren ganz eigenen Oszillator, einen dedizierten Waveshaper
sowie maßgeschneiderte Effekte. Erst nach dieser individuellen Bearbeitung
konvergieren die Signale im finalen Signalfluss und durchlaufen eine gemeinsame
Filterstufe, einen präzisen Multiband-Kompressor und einen Master-EQ. Das
Ergebnis dieses aufwendigen Layerings von Sub-, Mitten- und
Hochfrequenzanteilen ist eine ungemein druckvolle, perfekt zusammengeschweißte
klangliche Stimme, die sich im Mix sofort behauptet.
Rumble in the
Jungle
Ob man nun im
staubigen Untergrund des Deep Drum & Bass und Jungle operiert oder
hochglanzpolierte Tracks für den kommerziellen House-Mainstream schraubt —
*Rumble* erweist sich in fast jeder elektronischen Spielart als absoluter
Budget-Tipp mit Premium-Charakter. Der Synth besitzt eine bemerkenswerte
klangliche Modernität. Sounddesigner, die epische Scores für das Breitwand-Kino
realisieren müssen, werden hier mit Leichtigkeit Patches kreieren, die von der
bedrohlichen Ankunft eines außerirdischen Monsters in einem Sci-Fi-Spektakel
künden. Die Attack-Zeiten sind knackig, das Low-End bleibt auch bei extremen
Frequenz-Exkursionen stabil und verwaschene Phasenprobleme sucht man hier
vergebens. Gleichzeitig zeigt sich das Plugin flexibel genug, um auch die
urbanen Genres der Clubmusik mit der nötigen Portion Schmutz und
Durchsetzungskraft zu bedienen.
Lieben Sie Braaams?
Der berühmte Romantiker hätte angesichts dieser Bassgewalt wohl schockiert das Weite gesucht, doch für den modernen Connaisseur feingetunter Verzerrung ist die integrierte „Fuzz Control“ ein wahres Fest. Wenn der Grundsound nämlich einmal nicht bissig oder „gnarly“ genug sein sollte, lässt sich das Signal über diese Sektion wunderbar anknuspern oder komplett in ein harmonisches Sättigungs-Nirwana treiben. Überhaupt lädt die Benutzeroberfläche dazu ein, das Feld der Bass-Sounds bis ins kleinste Detail zu customizen und zu tweaken. Die Modulationen greifen präzise, und dank der klugen Aufteilung der Frequenzbänder verliert man selbst bei drastischen Klangexperimenten nie das tonale Fundament im Frequenzkeller.









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