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| Credit Bild:© Heavyocity |
Dieser Ansatz hat
zweifellos seine Berechtigung und ist für viele musikalische Anwendungen sogar
unumgänglich. Doch was passiert, wenn man diesen Perfektions-und Reinheitsanspruch
einmal komplett über Bord wirft? Wenn man ein Orchester nicht aufnimmt, um
seinen Soundmöglichst originalgetreu zu konservieren, sondern es als
Rohmaterial begreift – als Ausgangspunkt für etwas völlig Neues? Die Antwort
liefert die New Yorker Sounddesign-Schmiede Heavyocity. Wer das Portfolio der
Entwickler kennt weiß, dass Subtilität nicht zwingend immer an erster Stelle
der Prioritätenliste des Teamssteht. Hier geht es um Blockbuster-Ästhetik und
Sounds, die den Kinosessel durchaus einmal zum Beben bringen dürfen.
Mit Symphonic Destruction Redux wird nun also der orchestrale Klangkörper zerlegt, bearbeitet, verzerrt
und neu zusammengesetzt. Das Ergebnis ist ein hybrides Orchester für modernes
Scoring – irgendwo zwischen klassischer Instrumentierung, Synthese, Sound
Design und brutaler DSP-Bearbeitung.
Destruktion und
Dekonstruktion
Das grundlegende
Prinzip hinter dieser Sample-Library ist jenes der Dekonstruktion – ein
Begriff, der im kulturwissenschaftlichen Diskurs allzu oft bemüht und noch viel
öfter missverstanden wird. Er meint keineswegs den blinden Vandalismus, das
simple Zerschlagen eines Objekts. Im eigentlichen Sinne ist Dekonstruktion
vielmehr eine präzise Obduktion: das Sezieren etablierter Strukturen, um
verborgene Nähte, innere Widersprüche und das rohe Fundament eines Werkes
freizulegen. Erst in der Demontage des Vertrauten offenbart sich das Material
in einer neuen Form.
Übertragen wir diesen
Ansatz auf die Musik, stoßen wir unweigerlich auf eines der unantastbarsten
Monumente der abendländischen Musikkultur: das Symphonieorchester.Ein
gigantischer, auf harmonische Perfektion gedrillter Apparat, dessen
Klangästhetik von makellosen Legati, präziser Intonation und einem hohen Maß an
orchestraler Disziplin geprägt ist. Genau diesen Status quo nimmt Heavyocity
auseinander. Die Entwickler zerren den Klangkörper aus dem plüschigen
Konzertsaal und liefern ihn der gnadenlosen Maschinerie des modernen Sound
Designs aus. Tiefe Streicher, schmetternde Blechbläsermund Percussion werden
nicht einfach konserviert, sondern als formbares Audiomaterial behandelt.
Genau an diesem
faszinierenden Schnittpunkt zwischen Demontage und purer klanglicher Gewalt
positioniert sich Symphonic
Destruction Redux. Das Orchester landet im analogen Fleischwolf – und heraus
kommt ein hybrider Titan für das moderne Scoring.
Die Philosophie des
kontrollierten Chaos
Also nochmal: Wer also
nach lieblichen Streicher-Legati für das nächste romantische Drama sucht,
sollte hier vermutlich eher umkehren (allerdings: selbst wenn diese Sample Library
zu keinem Zeitpunkt puristischere Orchester-VIs ersetzen will, auch softere
Klänge sind mit diesem Plugin problemlos möglich, sie stellen nur eben nicht
den Hauptanwendungsbereich von Redux dar).
Die Entwickler haben
ein komplettes traditionelles Orchester aufgenommen nur um dieses
Ausgangsmaterial anschließend einem rigorosen Sounddesign-Prozess zu
unterziehen. Wir sprechen hier nicht von ein bisschen EQing oder etwas
zusätzlichem Hall. Die Samples wurden durch modulare Synthesizer gejagt, durch
rauschende Bandmaschinen und Tape-Saturators gepresst, mit granularen
DSP-Algorithmen in kleinste Audio-Schnipsel zerlegt und bis über die
Sättigungsgrenze verzerrt. Das Resultat ist eine Library, die zwar noch die
organische, menschliche DNA eines echten Orchesters in sich trägt, klanglich
aber längst in der Welt des modernen dystopischen Cyberpunks, des düsteren
Sci-Fi-Thrillers und des extremen Trailer-Scorings angekommen ist.
Mit mehr als 130
individuellen Sound Sources, 212 kuratierten Presets, 12 Ensembles und einer
reichhaltigen Auswahl von separaten Crescendos,Swells und Motiven liefert Symphonic Destruction Redux den
charakteristischen Hybrid-Orchestra-Sound von Heavyocity in einer auf
Geschwindigkeit, Übersichtlichkeit und unmittelbare Ergebnisse ausgelegten
Form. Denn im Kern ist diese Library eine streamlined Version einer weitaus
umfangreicheren Libary von Heavyocity -
doch hierzu an einem späteren Zeitpunkt mehr.
Das Herzstück von
Symphonic Destruction Redux ist die hauseigene Engine, die innerhalb des Native
Instruments Kontakt Player läuft (dieser ist btw gratis). Wer bereits mit
anderen Heavyocity-Produkten gearbeitet hat, wird sich hier sofort heimisch
fühlen. Das GUI präsentiert sich gewohnt dunkel, futuristisch und vor allem auf
Performance ausgelegt.Der Aufbau ist intelligent in zentrale Bereiche
unterteilt, die sich auf der Master-Ebene zu gigantischen hybriden Texturen
layern lassen. Der Clou der Engine ist die Möglichkeit, die völlig entfremdeten
Orchester-Samples mit synthetischen Wellenformen und Sub-Bässen zu kombinieren
und sich so custom Sounds zu basteln.
Das Orchester als
Ausgangspunkt, nicht als Endpunkt
Die Macher gehen hier nicht von einem orthodoxen Orchester oder von der klassischen Tradition aus. Sie denken ihre Library eher aus der Sicht eines Sounddesigners oder Synth-Players. Das macht Redux aber auch sehr vielseitig. Genau das zeigt sich auch in meinem Praxistest. Selbst in einer relativ dichten Session mit verschiedenen Synthesizern fügt sich Symphonic Destruction Redux erstaunlich gut ein.



















