Mittwoch, 10. Juni 2026

UJAM HANS ZIMMER´S SYMPHONIC ELEMENTS: Das klassische Orchester als kreative Sandbox und Sounddesign-Spielwiese

Credit Bild: © UJAM
Es gehört zu den interessantesten Entwicklungen der modernen Filmmusik, dass sich die Grenzen zwischen klassischem Orchesterdenken unf elektronischem Sounddesign zunehmend auflösen. Gerade Hans Zimmer hat diese Evolution in den letzten Jahrzehnten entscheidend mitgeprägt. Seine Scores dachten das Orchester nie als museales Klangobjekt, sondern als formbares, hybrides Wesen – irgendwo zwischen Mahler, Modularsystem und brachialem Sounddesign. Mit UJAM Symphonic Elements wird nun genau dieser Gedanke konsequent weitergeführt. Das moderne Hollywood-Orchester wird hier quasi in seine elementaren Bestandteile zerlegt und jeweils als kompaktes Plugin digitalisiert.

Grundsätzlich bietet Symphonic Elements bewährte Standards orchestraler Natur – also Streicher, Blechbläser, Chöre, Drums und Percussion. Gleichzeitig macht das trotz dieser Vertrautheit vieles ganz anders als klassische Orchester-Libraries – und zwar fundamental. Wer hier das reinste orchestrale Reinheitsgebot erwartet,  puristischste Detailversessenheit der eine möglichst „klassische“ Emulation von im Konzertsaal gespielten akustischen Instrumenten , wird nicht unbedingt fündig. Denn hier geht es um etwas anderes: darum, den hochkomplexen Vorgang des modernen Scorings so seamless und intuitiv wie möglich zu gestalten.

Elementar

Die GUI aller Plugins ist bewusst reduziert gehalten und hat vergleichsweise wenig mit traditionellen Symphonic-Libraries zu tun. Statt verschachtelter Menüs, seitenlanger Artikulationslisten und technischer Überfrachtung setzt UJAM auf eine moderne, sleake Oberfläche mit leichtem Synth-Touch – was durchaus zu Hans Zimmer passt, der bekanntlich selbst tief in der Welt elektronischer Instrumente verwurzelt ist. 

Die Presets sind konsequent auf maximalen Impact und cineastische Direktheit ausgelegt. Man merkt sofort: Hier wird nicht nur ein Instrument simuliert, sondern bereits die fertige Szene mitgedacht. Die aufs Nötigste reduzierten Regler dürften gerade auch Synthesizer-Fans gefallen, die lieber performativ und intuitiv arbeiten, anstatt sich durch kilometerlange Menüs zu klicken. 

Articulation Switches sind hier bereits intelligent in die geschlossenen Patches integriert. Manche Presets triggern sogar komplette musikalische Phrasen, rhythmische Patterns oder Ostinati. Natürlich komponiert das Plugin nicht „von selbst“ – die musikalische Idee, harmonisches Verständnis und dramaturgische Kontrolle müssen weiterhin vom Anwender kommen. Doch gerade Sketching, Ideenfindung und das schnelle Ausarbeiten atmosphärischer Entwürfe funktionieren mit Symphonic Elements bemerkenswert schnell. 

Hinzu kommt ein weiterer entscheidender Faktor: Trotz enorm breitwandiger Sounds arbeiten die Plugins erstaunlich CPU-freundlich. Anstatt sich durch gigantische Multi-GB-Libraries zu kämpfen , liefert UJAM hier einen deutlich direkteren oder streamlined Zugang zu modernen Orchester-Sounds. Gleichzeitig muss man betonen, dass es sich trotz dieser Zugänglichkeit keineswegs um  Einsteigerprodukte handelt. Der Name Hans Zimmer steht nicht nur im Bereich zeitgenössischer Filmmusik für oberste Qualitätsklasse. Auch seine bisherigen Software-Kollaborationen – etwa mit u-he oder Synapse Audio – zeigen, dass man es hier mit ernstzunehmenden Werkzeuge für professionelle Produktionen zu tun hat.

Zimmer selbst beschreibt den Ansatz hinter Symphonic Elements folgendermaßen:“With Symphonic Elements, we’re giving you something that I’ve been playing with for many years, so you can go make your own music, go crazy, tear it all apart and make something new out of it that knocks our socks off.”  

Und genau darin liegt letztlich die eigentliche Stärke dieser Serie: eine bewusst unorthodoxe Herangehensweise an das Thema Sample-Library – und dadurch umso erfrischender.

STRIIINGS

Bereits der bewusst stilisierte Name deutet an, dass hier keine nüchterne Konzerthaus-Rekonstruktion angestrebt wird. STRIIINGS denkt Streicher weniger als klassische Orchestersektion, sondern vielmehr als emotionales Cinematic-Tool.

Die Sounds sind breit, groß, unmittelbar filmisch und bewegen sich ständig irgendwo zwischen melancholischer Schönheit und maximalem Drama. Gerade moderne Trailer-Ästhetiken, Neo-Hollywood-Emotionen oder bittersüße Sci-Fi-Flächen gelingen hier nahezu mühelos. Was dabei sofort auffällt ist wie stark diese Presets bereits in Richtung fertiger Filmmusik „gedacht“ sind. Viele klassische String-Libraries liefern Rohmaterial, das erst durch aufwendiges Layering, komplexes Mixing und zahlreiche zusätzliche Bearbeitungsschritte seine volle Wirkung entfaltet. STRIIIINGS hingegen klingt bereits beim ersten Anschlag erstaunlich „record ready“. Der Raum ist da, die Tiefe ist da, die Größe ist da. Man landet sofort mitten in jener emotional aufgeladenen Klangwelt, die man eher mit aktuellen Blockbuster-Scores verbindet als mit trockenem Orchester-Sampling.

Besonders beeindruckend ist die Geschwindigkeit, mit der sich inspirierende Ergebnisse erzielen lassen. Statt sich erst mühsam durch endlose Artikulationslisten, Keyswitches und technische Untermenüs zu arbeiten, landet man hier innerhalb weniger Sekunden mitten im eigentlichen kreativen Prozess.  Gerade die Art wie hier Dynamik umgesetzt wird erinnert stellenweise eher an modernes Sounddesign als an klassische Sample-Programmierung. Die Übergänge wirken fließend, die Texturen lebendig und die Klangentwicklung besitzt oft jene cineastische Sogwirkung, die man von zeitgenössischen Hans-Zimmer-Produktionen kennt. Manche Presets entwickeln beim Spielen eine regelrechte Eigenbewegung und erzeugen dadurch beinahe automatisch emotionale Spannungsbögen. Das kann gerade für Sketching-Sessions extrem inspirierend sein.

Teilweise erinnern die Klangfarben an großformatige David-Lean-Epen – dieses Gefühl von Weite, Pathos und emotional aufgeladenen Horizonten wohnt dem Plugin spürbar inne. Gleichzeitig finden sich aber auch modernere Assoziationen: die melancholisch-schwebenden Sci-Fi-Texturen eines Denis-Villeneuve-Scores, die bittersüßen Neo-Noir-Streicher aktueller Prestige-TV-Produktionen oder jene fragile Emotionalität moderner Coming-of-Age-Dramen. STRIIIINGS deckt erstaunlich viele emotionale Register ab ohne dabei beliebig zu wirken.

Bemerkenswert ist außerdem wie stark die Library bereits in Richtung Hybrid-Scoring gedacht ist. Die Presets besitzen oftmals eine subtile synthetische Aura, die sie sofort kompatibel mit modernen elektronischen Produktionen macht. Das ist keine rein klassische Orchestersektion im traditionellen Sinne, sondern vielmehr eine zeitgenössische Interpretation orchestraler Emotionalität. Genau dadurch funktionieren die Patches auch hervorragend in Kombination mit Synthesizern, Pulses, Ambient-Texturen oder modernem Sounddesign.

BRAAASS – Monumentale Bläser zwischen Nolan und Monumentalfilm

BRAAASS liefert genau jene monumentalen Low-End-Bläserwände, die man unweigerlich mit modernem Blockbuster-Scoring verbindet. Massive Brass-Hits, drückende Swells, apokalyptische Akzente und heroische Klanggebirge dominieren hier das Klangbild. Bereits nach wenigen Sekunden wird klar, dass diese Library keine Zurückhaltung kennt. BRAAASS denkt Blechbläser nicht primär als traditionelle Orchestersektion, sondern vielmehr als physische Kraft – als cineastische Druckwelle, die sich durch den gesamten Mix schiebt.

Gerade moderne Trailer-Musik hat die Rolle orchestraler Brass-Sektionen massiv verändert. Wo früher eher klassische Fanfaren oder orchestrale Eleganz dominierten, geht es heute oft um Wucht, Präsenz und maximale kinetische Energie. Genau diese Ästhetik verkörpert BRAAASS nahezu exemplarisch. Viele der Sounds wirken weniger wie traditionelle Aufnahmen eines Orchesters, sondern eher wie hybride Konstruktionen aus klassischen Blechbläsern, analogem Sounddesign und postproduzierter Hollywood-Massivität. Die Presets besitzen enorme Durchsetzungskraft und sitzen praktisch sofort im Mix. Auch hier merkt man wieder wie konsequent UJAM den Gedanken des beschleunigten kreativen Workflows verfolgt. Statt stundenlang Layer aufzubauen oder einzelne Brass-Sektionen mühselig miteinander zu kombinieren, erhält man hier sofort diesen gigantischen „wall of sound“-Effekt, der moderne Scoring-Produktionen oft definiert.

Besonders eindrucksvoll ist dabei die Tiefe der Low-End-Regionen. Manche Presets besitzen eine derartige Wucht, dass sie beinahe schon in den Bereich von Sounddesign übergehen. Gerade tiefe Brass-Cluster oder aggressive Swells entwickeln eine fast physische Qualität. Man spürt diese Sounds teilweise mehr als man sie bloß hört. Das erinnert nicht selten an die brachialen Klangarchitekturen aktueller Christopher-Nolan-Scores oder an jene monumentale Hybrid-Ästhetik, die moderne Blockbuster zunehmend prägt.

Gleichzeitig verliert BRAAASS trotz aller Massivität nie völlig den orchestralen Kern aus den Augen. Unter der Oberfläche dieser gigantischen Klangwände bleibt immer noch jene organische Bewegung hörbar, die echte Brass-Instrumente so faszinierend macht. Gerade in den dynamischen Übergängen und Modulationen steckt erstaunlich viel Leben. Die Sounds atmen, wachsen an, kollabieren wieder und entwickeln dadurch eine enorme dramaturgische Wirkung.

Interessant ist auch wie stark manche Presets bereits narrative Assoziationen erzeugen. Manche Hits klingen wie der Beginn einer dystopischen Schlachtsequenz, andere wiederum erinnern an Monumentalfilme alter Schule oder an jene überlebensgroßen Sandalenepen, bei denen das Orchester selbst zur architektonischen Struktur des Films wurde. Teilweise fühlt man sich fast an die Kombination aus klassischem Monumentalkino und moderner Zimmer-Schule erinnert – also an einen Ort irgendwo zwischen „Lawrence Of Arabia“, „Gladiator“ und „Dune“.

Auch für Produzenten außerhalb klassischer Filmmusik dürfte BRAAASS interessant sein. Die aggressiveren Presets funktionieren teilweise hervorragend in modernen Industrial-, Dark-Ambient- oder sogar elektronischen Produktionen. Gerade durch die bereits stark designte Klangästhetik überschreiten viele Sounds bewusst die Grenze zwischen traditioneller Orchesteraufnahme a la Korngold oder Williams und moderner Klangmanipulation.

CHOOOIR

Das neueste Plugin im Symphonic Elememts- Bunde, CHOOOIR, bewegt sich irgendwo zwischen sakraler Gravitas, dunkler Sci-Fi-Atmosphäre und modernen Hybrid-Texturen.Besonders spannend ist dabei, wie stark die Sounds bereits „designed“ wirken.

Schon nach den ersten gespielten Akkorden wird klar, dass auch hier nicht primär versucht wird einen klassischen Konzertchor möglichst naturgetreu abzubilden. Vielmehr interessiert sich dieses Plugin für die emotionale und cineastische Wirkung menschlicher Stimmen innerhalb moderner Score-Ästhetiken. Das Plugin denkt weniger in isolierten Chorstimmen als vielmehr in emotionalen Klangräumen. Viele Presets besitzen bereits eine enorme cineastische Tiefe und funktionieren praktisch sofort innerhalb eines Scores. Instant -Erhabenheit und dystopischer Atmosphäre

Gerade Chöre besitzen im Filmkontext seit jeher etwas zutiefst Archaisches. Sie können Spiritualität transportieren, Bedrohung erzeugen, Größe suggerieren oder Szenen beinahe metaphysisch aufladen. CHOOOIR nutzt genau diese emotionale Mehrdeutigkeit sehr geschickt aus. Die Sounds oszillieren ständig zwischen Schönheit und Unheil, zwischen sakraler Erhabenheit und dystopischer Dunkelheit.

Besonders spannend ist dabei, wie stark die Sounds bereits „designed“ wirken. Das Plugin denkt weniger in isolierten Chorstimmen als vielmehr in emotionalen Klangräumen. Viele Presets besitzen bereits eine enorme cineastische Tiefe und funktionieren praktisch sofort innerhalb eines Scores. Man merkt deutlich, dass hier nicht bloß ein Chor gesampelt wurde, sondern dass diese Sounds bereits mit einer konkreten filmischen Funktion im Hinterkopf entwickelt wurden.

Teilweise erinnern die Texturen an moderne Sci-Fi-Scores, in denen menschliche Stimmen weniger als traditionelle Chorsätze fungieren sondern vielmehr als atmosphärische Erweiterung des Sounddesigns. Manche Patches wirken fast geisterhaft, andere besitzen eine bedrohliche Monumentalität, wieder andere erinnern an sakrale Klangwelten irgendwo zwischen Kathedrale, Traumsequenz und Endzeitvision.

Viele der Sounds erzeugen beinahe automatisch Bilder im Kopf. Verlassene Megastädte, religiös aufgeladene Science-Fiction-Welten, mystische Traumlandschaften oder jene typischen „ancient future“-Ästhetiken moderner Prestige-Produktionen drängen sich hier regelrecht auf.

Interessant ist zudem wie stark die Presets bereits mit Bewegung arbeiten. Zahlreiche Patches entwickeln subtile rhythmische Veränderungen, harmonische Verschiebungen oder dynamische Entwicklungen, wodurch schnell eine enorme emotionale Sogwirkung entsteht. Das Plugin fühlt sich dadurch weniger statisch an als viele traditionelle Choir-Libraries.Gleichzeitig bleibt CHOOOIR erstaunlich vielseitig. Neben den offensichtlichen „epischen“ Anwendungen funktionieren viele Presets auch hervorragend für subtilere emotionale Texturen. Gerade melancholische Ambient-Flächen oder fragile atmosphärische Layer profitieren enorm von diesen Stimmen.

Wie bei den anderen Symphonic-Elements-Plugins steht auch hier weniger technische Komplexität als vielmehr unmittelbare Inspiration im Vordergrund.

PERCS

PERCS konzentriert sich auf jene perkussiven Elemente, die moderne Scores oft erst wirklich antreiben. Denn gerade Rhythmus hat sich in der zeitgenössischen Filmmusik massiv verändert. Wo orchestrale Percussion früher primär unterstützende Funktion hatte, bildet sie heute oftmals das eigentliche Rückgrat eines gesamten Scores. Gerade Trailer-Musik, moderne Action-Soundtracks oder Hybrid-Kompositionen funktionieren längst nicht mehr nur über Melodien oder Harmonien, sondern über kinetische Energie, rhythmische Spannungskurven und jene permanente Vorwärtsbewegung, die den Zuschauer beinahe körperlich erfasst.Genau hier setzt PERCS an.

Hier trifft orchestrale Percussion auf Hybrid-Ansätze, Sounddesign und zeitgenössische Trailer-Ästhetik. Die Sounds besitzen Punch, Energie und enorme Präsenz. Gleichzeitig fällt sofort auf, dass diese Library nicht versucht ein traditionelles Schlagwerk-Ensemble möglichst neutral abzubilden. Vielmehr wird Percussion hier als cineastischer Motor begriffen – als Werkzeug zur Erzeugung von Spannung, Dynamik und dramatischem Momentum.

Viele der Presets erinnern weniger an klassische Orchesteraufnahmen als vielmehr an jene gigantischen Rhythmus-Layer, die man aus modernen Hollywood-Trailern kennt. Tiefe Toms, aggressive Impacts, pulsierende Percussion-Texturen und brachiale Ensemble-Hits erzeugen sofort dieses Gefühl von Größe und Bewegung. Teilweise klingen die Sounds wie eine Mischung aus orchestraler Percussion, Industrial-Sounddesign und elektronischer Trailer-Musik. Gerade diese Hybrid-DNA macht PERCS so zeitgemäß.

Bemerkenswert ist außerdem wie stark die Presets bereits dramaturgisch „gedacht“ sind. Manche Patches erzeugen praktisch automatisch Spannungsaufbau, andere liefern sofort dieses typische „build and release“-Gefühl moderner Trailer-Strukturen. Die Sounds funktionieren dadurch nicht bloß als einzelne Percussion-Hits sondern oftmals bereits als halbfertige rhythmische Szenen.

Besonders gelungen ist erneut der Workflow-Gedanke: Statt langwieriger Programmierung entstehen sofort musikalisch brauchbare rhythmische Strukturen. Genau das dürfte gerade für Komponisten interessant sein, die schnell arbeiten müssen oder Ideen möglichst unmittelbar festhalten wollen. Statt sich stundenlang mit komplexem MIDI-Programming aufzuhalten, landet man hier sehr schnell in einem kreativen Flow-Zustand.

Das bedeutet allerdings keineswegs, dass die Plugins „von selbst komponieren“. Auch hier bleibt musikalisches Verständnis entscheidend. Wer harmonisch, rhythmisch oder dramaturgisch nicht weiß wohin die Reise gehen soll, wird auch mit den intelligentesten Tools keinen überzeugenden Score schreiben. Doch PERCS beschleunigt den Weg von der Idee zum tatsächlich funktionierenden musikalischen Resultat enorm.

Gerade beim Sketching entfaltet das Plugin enormes Potential. Viele moderne Scores entstehen heute nicht mehr klassisch auf Papier oder durch detaillierte Orchestrierung von Beginn an, sondern zunächst über Atmosphären, rhythmische Strukturen und emotionale Klangräume. Genau für diese Arbeitsweise scheint PERCS beinahe maßgeschneidert.

Hinzu kommt die enorme physische Präsenz vieler Sounds. Die Percussion besitzt Punch, Druck und ein beeindruckendes Low-End ohne dabei undefiniert oder matschig zu wirken. Die Mix-Ready-Qualitäten dieser Reihe zeigen sich auch hier sehr deutlich. Viele Presets sitzen praktisch sofort an der richtigen Stelle im Arrangement ohne dass man stundenlang nachbearbeiten müsste.

Interessant bleibt außerdem wie flexibel sich die Sounds einsetzen lassen. Natürlich drängen sich zunächst Assoziationen zu modernen Action-Trailern oder Sci-Fi-Blockbustern auf. Gleichzeitig funktionieren viele der perkussiven Texturen aber auch hervorragend in Ambient-Produktionen, Dark Electronica, Industrial-Kontexten oder experimentellerer Production Music.

Gerade die Verbindung aus organischer Percussion und subtilen Sounddesign-Elementen erzeugt dabei jene moderne Hybrid-Ästhetik, die zeitgenössische Filmmusik heute oft definiert. Die Grenze zwischen klassischer Orchesteraufnahme und elektronischer Klangmanipulation verschwimmt zunehmend – und PERCS macht aus genau diesem Grenzbereich seine größte Stärke.

Auch atmosphärisch besitzt die Library enorme Bandbreite. Manche Presets klingen tribal-artig und archaisch, andere wiederum futuristisch, kalt und maschinell. Wieder andere erzeugen beinahe automatisch Bilder von dystopischen Verfolgungsjagden, gigantischen Schlachtsequenzen oder postapokalyptischen Landschaften. Genau diese Fähigkeit sofort cineastische Assoziationen hervorzurufen macht die gesamte Symphonic-Elements-Serie so interessant. 

MIXWAVE BENSON MONARCH & CHIMERA Collection Test – Edler Boutique-Ton im digitalen Raum

Benson Monarch Collection
Credit Bild: © Mixwave
Amps, die sowohl sparkling Cleans beherrschen als auch im kritischen Edge-of-Breakup-Bereich zu glänzen vermögen und voll aufgerissen nur so vor harmonischen Distortion-Schattierungen bersten. Reverbs, die wirklich „wet“ sind, körniger Fuzz mit Charakter– das sind die Qualitäten, die Gitarristen seit jeher lieben und zugleich jene Disziplinen, die sich im Digitalen notorisch schwer abbilden lassen. Viele Hersteller sind daran gescheitert, manche haben sich dieser Magie zumindest angenähert.

Zu den absoluten Klassenbesten in jenem Reich der klanglichen Nuancen zählt fraglos Mixwave, die mit ihren digitalen 1:1-Nachbildungen der Boutique-Amps aus dem Hause Benson eindrucksvoll demonstrieren, wie hochklassige Sounds im digitalen Zeitalter klingen können – beziehungsweise klingen müssen und dass die eingangs beschriebenen Sounds mittlerweile sehr wohl im Plugin-Format umsetzbar sind. Die neu erschienene Benson Monarch & die jüngst upgedatete Chimera Collection sind der Beweis dafür und verstehen sich dabei nicht nur als klassische Amp-Simulation, sondern als vollständige Produktionsumgebung inklusive hochwertiger Pedale, Effekte und eines ausgesprochen durchdachten Studio-Workflows.

Oregon's Finest – Benson Amps zwischen Tradition und Innovation

Der kleine Boutique-Hersteller aus dem US-Bundesstaat Oregon genießt seit Jahren einen exzellenten Ruf unter Gitarristen und Produzenten. Gründer Chris Benson verfolgt dabei einen bemerkenswert eigenständigen Ansatz: Statt legendäre Schaltungen schlicht zu kopieren, entwickelt er Verstärker, die sich zwar hörbar am reichen Erbe britischer und amerikanischer Klassiker orientieren, daraus jedoch etwas Eigenständiges formen.Genau diese Balance versucht Mixwave hier nicht nur einzufangen, sondern konsequent in die digitale Welt zu übertragen.

Bemerkenswert ist dabei auch die Optik. Die Hardware-Amps aus Oregon gehören fraglos zu den attraktivsten Boutique-Verstärkern des aktuellen Marktes. Doch noch wichtiger ist ihre klangliche Identität. Benson baut keine weiteren Fender-, Vox- oder Marshall-Klone, sondern Instrumente mit unverwechselbarer Persönlichkeit.

Klanglich schimmern zwar immer wieder Referenzen an frühe Led-Zeppelin-Aufnahmen durch, an Jimmy Pages angezerrte Gitarrensounds auf Led Zepplein I und II, an Supro-Amps, Vox-Schaltungen oder amerikanische Vintage-Cleans – letztlich bleibt das Resultat jedoch eigenständig und damit unverkennbar Benson. Auch im inzwischen hervorragend bestückten Markt der Amp-Simulationen nehmen diese Verstärker so eine Sonderstellung ein. Es gibt schlicht keine andere Software, die genau diese Sounds liefert.

Zwei Amps – zwei Philosophien

Monarch und Chimera sind zwei unterschiedliche Interpretationen desselben Boutique-Gedankens. Während der Chimera deutlich länger im Clean-Bereich verweilt und größereHeadroom-Reserven bietet, geht der Monarch wesentlich früher in eine musikalische Sättigung über und lebt geradezu von seinem dynamischen Übergangsbereich zwischen Clean und Overdrive.

Diese unterschiedlichen Charaktere ergänzen sich hervorragend und decken gemeinsam eine enorme stilistische Bandbreite ab – zumindest dann, wenn man sich im Vintage-orientierten Kosmos bewegt. Americana, Blues, Indie, Alternative oder Roots Rock -  wer in diesen Gefilden spielt, fühlt sich hier sofort zuhause. Modernes High Gain sucht man dagegen bewusst vergeblich. Diese Collection will keine eierlegende Wollmilchsau sein, sondern ein Boutique-Spezialist für Old School-Sounds.

Monarch – ein royaler Sound

Der Monarch bewegt sich klanglich irgendwo zwischen Supro, Fender und Vox, ohne jemals wie eine bloße Kopie zu wirken. Ein spezieller Voice-Switch erlaubt es, zwischen britischen und amerikanischen Klangcharakteristika. Dadurch entsteht eine faszinierende Grauzone aus Vox-artigem Chime, amerikanischer Offenheit und der leicht rauen Direktheit klassischer Supro-Schaltungen.

Auch das integrierte Reverb verdient besondere Erwähnung. Es gehört zweifellos zu den überzeugendsten digitalen Federhall-Implementierungen, die derzeit in einer Amp-Suite zu finden sind. Es klingt nicht bloß nach Hall, sondern nach einem tatsächlich schwingenden Federkasten mit eigener Persönlichkeit, der dem Grundsound zusätzliche Tiefe verleiht, ohne ihn zu verschleiern.

Gerade für Roots Rock, Americana, Country oder Blues entfaltet der Monarch enormes Potenzial. Gleichzeitig funktioniert er ebenso hervorragend für Indie, Alternative oder klassische Singer-Songwriter-Produktionen.

Besonders beeindruckend ist jedoch jener berühmte Edge-of-Breakup-Bereich. Kein steriles HiFi-Clean, sondern ein lebendiger Grundsound, der unmittelbar auf Anschlagdynamik reagiert und sich organisch sättigt. Dreht man den Amp weiter auf, landet man exakt in jenem Sweet Spot, der sich über Plektrumanschlag und Volume-Poti der Gitarre modellieren lässt – ein Verhalten, das viele Modeling-Systeme versprechen, aber nur wenige tatsächlich überzeugend umsetzen.

Chimera – ein Name mit Programm

Benson Chimera Collection
Credit Bild: © Mixwave
Bereits der Name ist ein gelungenes Wortspiel. Die Chimäre ist in der Mythologie ein Mischwesen aus mehreren Kreaturen – und genau das beschreibt auch den klanglichen Ansatz dieses Verstärkers.

Der Chimera vereint unterschiedliche Vintage-DNA zu einer völlig neuen Identität. Er besitzt mehr Clean-Headroom als der Monarch, wirkt offener und kontrollierter, ohne dabei jemals steril oder klinisch zu erscheinen. Pedale nimmt er hervorragend an und eignet sich dadurch exzellent als Plattform für komplexe Effektketten.

Seine größere Dynamikreserve macht ihn insbesondere für komplexe Akkordarbeit, Ambient-Produktionen oder moderne Studio-Setups interessant, bei denen maximale Transparenz gefragt ist. Hinzu kommt eine gewisse Exklusivität: Aktuell wird der Chimera von Benson selbst nicht mehr angeboten, was diese digitale Rekonstruktion zu einem umso reizvolleren Zeitdokument macht.

Die Effekte – weit mehr als bloßes Zubehör

Die enthaltenen Effekte stehen sowohl in der neu erschienenen Monarch Collection als auch in der jüngst überarbeiteten Chimera-Version zur Verfügung. Mixwave liefert hier nicht einfach ein paar nette Zugaben mit, sondern schließt gezielt Lücken.

Besonders erfreulich ist dabei, dass sämtliche Effekte nicht nur innerhalb der Amp-Suite genutzt werden können, sondern zusätzlich als eigenständige Plugins vorliegen. Dadurch lassen sie sich problemlos mit Simulationen anderer Hersteller kombinieren oder in bestehende Studio-Workflows integrieren.Gerade dieser modulare Ansatz erhöht den praktischen Nutzen der Collection enorm.

Pre-Amp – Charakter beginnt vor dem Verstärker

Anstatt lediglich zusätzliche Lautstärke bereitzustellen, verändert dieses Pedal die harmonische Struktur des Eingangssignals auf ausgesprochen musikalische Weise. Sein Charakter erinnert deutlich an legendäre Echoplex-Preamp-Schaltungen und liefert alles vom kaum wahrnehmbaren Sweetening bis hin zu einer überraschend kernigen Vorstufenzerre.

Je nach Einstellung entstehen zusätzliche Wärme, eine subtile Verdichtung der Transienten oder jene leichte Kompression, die Singlecoils mehr Fundament verleiht, ohne ihre Transparenz einzubüßen. Humbucker wiederum gewinnen an harmonischer Komplexität und entwickeln eine fast röhrenartige Dreidimensionalität.

Bemerkenswert ist dabei, wie sensibel der Pre-Amp auf unterschiedliche Gitarren reagiert. Er nivelliert den Charakter des Instruments nicht, sondern arbeitet ihn vielmehr heraus. Dadurch eignet er sich nicht nur als klassischer Booster vor den Benson-Amps, sondern ebenso hervorragend als eigenständiges Klangwerkzeug vor völlig anderen Amp-Simulationen.

Germanium Boost – musikalische Verdichtung statt bloßer Lautstärke

Der Germanium Boost ist ein weiteres kleines Unikum und bringt jene begehrte Germanium-Färbung ins Plugin-Format, die man bislang meist nur von kostspieligen Boutique-Pedalen kannte. Die Bedienung könnte kaum einfacher sein, doch klanglich passiert erstaunlich viel. Statt das Signal lediglich lauter zu machen, fügt der Boost harmonische Obertöne hinzu und verdichtet den Ton auf ausgesprochen musikalische Weise.

Sololinien erhalten mehr Sustain, Cleans gewinnen an Präsenz und leicht angezerrte Sounds beginnen förmlich zu leuchten. Besonders schön: Der Charakter der verwendeten Gitarre bleibt vollständig erhalten. Der Boost überdeckt nichts, sondern hebt lediglich hervor, was bereits vorhanden ist. In Verbindung mit dem Monarch oder dem Chimera entstehen so herrlich lebendige Edge-of-Breakup-Sounds, die auf jede Nuance der rechten Hand reagieren.

Montag, 8. Juni 2026

SYNAPSE AUDIO DUNE 3 Test: Der Hybrid-Synthesizer für EDM, Sounddesign und cineastische Klangwelten

Credit Bild: © Synapse Audio
Die Welt der Software-Synthesizer ist heute so überfüllt wie nie zuvor. Moderne Kreationen, Vintage-Klassiker, Wavetable-Monster, granulare Klangmaschinen – für jeden Produktionsstil existieren mittlerweile zahlreiche spezialisierte Instrumente. Der Dune 3 aus dem Hause Synapse Audio verfolgt jedoch einen anderen Ansatz. Statt sich klar zwischen Retro und Zukunftsmusik zu entscheiden oder einer einzelnen Syntheseform zuzuordnen, verbindet dieses Instrument mehrere Konzepte miteinander: virtuell-analoge Oszillatoren, Wavetable-Techniken, FM-Elemente und eine extrem leistungsfähige Unison-Architektur. Das Ergebnis ist ein Synthesizer, der gleichermaßen für elektronische Musik, Sounddesign und cineastische Produktionen geeignet ist.

Neues vom Planeten Dune

Der Name „Dune“ kommt natürlich nicht von ungefähr. Er weckt sofort Assoziationen zur großen Leinwand, zu Science Fiction im Epos-Format, zu gigantischen Sandwürmern, fremden Welten und monumentalen Klanglandschaften. Und genau diese Assoziationen sind gar nicht weit von dem entfernt, was die mittlerweile dritte Generation dieses Synthesizer-Powerhouses tatsächlich liefert. Wenn Bässe nicht einfach nur wummern sollen, sondern klingen müssen, als würde ein gigantisches Raumschiff im Sinkflug auf einer unerforschten Welt zur Landung ansetzen, dann ist man beim Dune an der richtigen Adresse. Wenn Leads Vintage-Charakter besitzen sollen, ohne dabei bloß eine weitere Kopie eines Minimoogs oder Oberheims zu sein, dann liefert Dune überzeugende Antworten. Und wenn Pads nicht bloß Flächen sein sollen, sondern ganze Räume öffnen, Atmosphären erschaffen und Geschichten erzählen, dann spielt dieser Synth seine Stärken voll aus. Oder wenn einzelne Noten gleichzeitig die Charakteristika mehrerer Instrumente – von perkussiven Elementen bis hin zu tiefen Bassfundamenten – in sich vereinen sollen und dabei auch noch anschlagsdynamisch auf das Spiel reagieren, wird schnell klar, warum Dune seit Jahren zu den beliebtesten Synthesizern anspruchsvoller Sounddesigner gehört.

Vom Geheimtipp zum Produktionsstandard

Als die erste Version von Dune erschien, entwickelte sich das Instrument relativ schnell zu einem Geheimtipp unter Produzenten elektronischer Musik. Der Grund dafür war vor allem sein charakteristischer Klang: breit, modern und erstaunlich druckvoll. Mit jeder neuen Generation wurde das Konzept weiter ausgebaut. Der Dune 3 stellt dabei die bislang ausgereifteste Version dieser Architektur dar.

Das Herzstück des Instruments ist die sogenannte Differential Unison Engine – kurz DUNE. Während viele Synthesizer mehrere Stimmen übereinanderlegen können, treibt Dune dieses Prinzip auf ein extremes Level. Jede einzelne Stimme kann aus zahlreichen leicht gegeneinander verstimmten Substimmen bestehen.

Dadurch entstehen besonders breite und dichte Klangstrukturen. Pads wirken beinahe orchestral, Leads besitzen enorme Präsenz und selbst einfache Akkorde entwickeln eine beeindruckende räumliche Tiefe. Gerade im Kontext moderner EDM-Produktionen, Trailer-Musik oder Hybrid-Scores spielt diese Fähigkeit eine zentrale Rolle. Wo andere Synthesizer zusätzliche Layer benötigen, erzeugt Dune bereits aus sich heraus eine erstaunliche Klangfülle.

Oszillatoren zwischen Analogwärme und digitaler Präzision

Der Dune verfügt über eine enorme klangliche Bandbreite. Von warmen Vintage-Pads über aggressive Bass-Sounds bis hin zu futuristischen Sounddesign-Texturen lässt sich praktisch jede moderne Klangästhetik realisieren. Besonders beeindruckend ist dabei, wie sauber sich diese Sounds im Mix behaupten. Selbst komplexe Patches bleiben transparent und definiert, ohne dabei jemals steril oder klinisch zu wirken. Genau hier zeigt sich die Stärke von Synapse Audio. Der Dune klingt modern, besitzt aber dennoch eine gewisse organische Wärme, die vielen rein digitalen Instrumenten fehlt.

Sonntag, 7. Juni 2026

FREQPORT FREQTUBE FT1-EMU Test – Analoge Röhrensättigung neu gedacht

Credit Bild: © FreqPort
Es gibt wohl kaum einen Begriff im modernen Audio-Marketing, der derart inflationär verwendet wird wie „analogue warmth“. Praktisch jedes Saturation-Plugin verspricht heutzutage „true tube tone“, „authentic analogue character“ oder irgendeine Form von magischer Vintage-Alchemie, die sterile In-The-Box-Produktionen plötzlich in Abbey-Road-Gold verwandeln soll. Das Resultat: ein Markt voller Plugins, die oft erstaunlich ähnlich klingen. Genau hier versucht Freqport mit dem neuen FreqTube FT1-EMU einen anderen Weg einzuschlagen. Und zwar nicht bloß durch eine weitere algorithmische Röhren-Emulation sondern durch einen vergleichsweise ambitionierten technischen Ansatz: eine SPICE-basierte Component-Level-Modellierung des hauseigenen FreqTube FT1-Hardware-Prozessors.

Spicey

SPICE, ursprünglich entwickelt für die Simulation elektronischer Schaltungen, erlaubt theoretisch wesentlich präzisere Nachbildungen tatsächlicher analoger Komponenteninteraktionen. Anders formuliert: Hier wird nicht bloß versucht den Klang analoger Hardware oberflächlich zu approximieren sondern deren physikalisches Verhalten mathematisch nachzubilden. Das Ergebnis: FT1-EMU klingt auffallend organisch. Besonders bei moderaten Drive-Einstellungen entsteht jene schwer greifbare Mischung aus harmonischer Verdichtung, leichter Kompression und subtiler Tiefenstaffelung, die man von guten analogen Röhrenschaltungen kennt.

Interessant ist dabei vor allem die Dynamikreaktion. Manche digitale Saturation-Plugins wirken bei stärkeren Einstellungen relativ statisch oder „flach“. FT1-EMU reagiert dagegen spürbar lebendiger auf Transienten und Pegelschwankungen. Gerade auf Drums, Synth-Bässen oder Vocals entsteht ein angenehm elastisches Verhalten, das tatsächlich eher an Hardware erinnert als an klassische DSP-Sättigung.

Besonders gelungen ist die Möglichkeit unterschiedliche Röhrentypen zu verwenden, nämlich E83CC und 12AT7. Während eine Konfiguration aggressiver und dichter klingt, liefert die andere eher weichere harmonische Färbungen mit subtilerem Obertonspektrum. Das Plugin bewegt sich dadurch klanglich irgendwo zwischen klassischer Röhrensättigung, harmonischem Exciter und Tone-Shaping-Tool.

Filtersektion: Fast schon ein Sounddesign-Plugin

Was FT1-EMU zudem deutlich von simpleren Saturation-Plugins abhebt, ist die umfangreiche Filterarchitektur. Hier merkt man schnell, dass Freqport nicht bloß „Vintage Mojo“ liefern wollte sondern ein ernstzunehmendes Klangbearbeitungswerkzeug.

Die Kombination aus Wet- und Dry-Filterpfaden erlaubt bemerkenswert präzise Eingriffe. Lowpass-, Highpass-, Peaking- oder Bandpass-Charakteristika können separat auf unterschiedliche Signalanteile wirken, wodurch sich sehr gezielt bestimmte Frequenzbereiche sättigen oder harmonisch anreichern lassen.

Gerade im Parallelbetrieb entstehen dadurch extrem musikalische Ergebnisse. Man kann beispielsweise lediglich die oberen Mitten aggressiv sättigen während die Tiefen kontrolliert und sauber bleiben. Oder umgekehrt gezielt Sub-Bereiche andicken ohne den Rest des Signals komplett zu verschmieren. In Verbindung mit den verschiedenen Filterflanken und Resonanzoptionen entwickelt FT1-EMU stellenweise fast schon den Charakter eines experimentellen Sounddesign-Tools statt bloß eines klassischen Mixing-Prozessors.

Donnerstag, 4. Juni 2026

NEWFANGLED AUDIO FIXATE: MIDRANGE Test: Mitten im Mittelpunkt

GUI von Newfangled Audio Fixate Midrange
Credit Bild: © Newfangled Audio /Eventide
Mids – also die mittleren Frequenzen – zählen zu den wichtigsten Bereichen eines Mixes. Gitarren leben im Midrange-Bereich. Synthesizer, Pianos, Snares oder orchestrale Elemente konkurrieren häufig genau dort miteinander. Vocals oder zentrale harmonische Elemente setzen sich überhaupt erst durch die Mitten im Arrangement durch. Genau in diesem EQ-Bereich spielt sich der eigentliche Charakter vieler Produktionen ab.

Doch gerade diese Frequenzbereiche können beim Mixing und Mastering schnell zum Problem werden. Überbetonte Mitten lassen einen Track harsch, nasal oder boxy wirken, während fehlende Midrange-Energie einen Mix flach und leblos erscheinen lässt. Besonders in modernen Produktionen, in denen sich zahllose Layer um denselben Frequenzraum streiten, wird das präzise Management dieses Spektrums zur echten Herausforderung.

Abhilfe schaffen soll hier das neue Plugin Fixate Midrange von Newfangled Audio. Das Unternehmen, das sich mit innovativen und oftmals ungewöhnlichen DSP-Konzepten bereits einen Namen gemacht hat, verfolgt dabei einen interessanten Ansatz: Statt eines klassischen chirurgischen EQs setzt man auf ein intuitives, spektral fokussiertes Utility-Tool, das gezielt problematische Midrange-Bereiche kontrollieren soll – schnell, musikalisch und ohne den kreativen Flow zu zerstören.

Warum die Mitten so entscheidend sind

Während Subbässe und brillante Höhen oft sofort Aufmerksamkeit erzeugen, sind es die Mitten, die darüber entscheiden, wie präsent, direkt und emotional ein Mix wahrgenommen wird.

Das Problem: Je dichter ein Arrangement wird, desto schneller entsteht Frequenzmaskierung. Einzelne Elemente beginnen sich gegenseitig zu überlagern. Der Mix verliert an Klarheit, Transparenz und Durchsetzungskraft. Gerade im digitalen Produktionsalltag führt das oft zu einem beinahe endlosen Kreislauf aus EQ-Korrekturen. Man boostet hier, cuttet dort, öffnet ein weiteres dynamisches EQ-Band – und irgendwann verliert man mehr Zeit mit Problemverwaltung als mit Musik.

Genau an diesem Punkt setzt Fixate Midrange an, das kein klassischer EQ sein will. Wer also beim Öffnen des Plugins eine traditionelle Equalizer-Oberfläche erwartet, wird überrascht sein. Fixate Midrange verfolgt einen anderen Ansatz.Das Tool arbeitet weniger wie ein chirurgischer Channel-EQ und eher wie ein intelligentes Fokus-Werkzeug für problematische Mittenbereiche. Statt sich in komplexen Kurven oder unzähligen Parametern zu verlieren, konzentriert sich das Plugin bewusst auf Geschwindigkeit und musikalische Bedienbarkeit.

GUI von Newfangled Audio Fixate Midrange
Credit Bild: © Newfangled Audio /Eventide
Newfangled Audio bleibt damit seiner Philosophie treu. Schon frühere Releases des Herstellers zeichneten sich dadurch aus, klassische Mixing-Tools neu zu denken und mit modernen DSP-Ideen zu kombinieren beziehungsweise einen unorthodoxen Weg zu gehen. Man denke etwa an das herrlich „out of control“ wirkende Grainsynth-Monster „Generate“ aus dem gleichen Hause.

Dynamische Midrange-Kontrolle

Klanglich erinnert der Workflow teilweise an eine Mischung aus dynamischem EQ, Resonanzkontrolle und spektraler Bearbeitung.Problematische Mitten lassen sich schnell einfangen, ohne dass das Material dabei künstlich oder steril wirkt. Besonders auffällig ist, wie musikalisch das Plugin arbeitet. Viele dynamische Resonanz-Tools neigen dazu, Transienten abzuwürgen oder Signale leblos wirken zu lassen.

Fixate Midrange vermeidet genau diese Falle erstaunlich gut.Gerade bei Vocals zeigt sich die Stärke des Plugins schnell. Nasale Frequenzen, harsche Präsenzspitzen oder unangenehme Resonanzen lassen sich kontrollieren, ohne dass die Stimme ihren Charakter verliert. Ähnliches gilt für verzerrte Gitarren, dicht geschichtete Synth-Flächen oder aggressive Drums.Das Tool arbeitet dabei angenehm transparent. Man hat selten das Gefühl, dass der Sound „zerstört“ wird – vielmehr wirkt es oft so, als würde lediglich unnötiger Ballast entfernt.

Mittwoch, 27. Mai 2026

GFORCE SOFTWARE ODDITY 3 Test: Die digitale Rückkehr eines Synthesizer-Rebellen

Credit Bild: © GForce Software
 „Oddity 3“ – nein, hier geht es nicht um David Bowies „Space Oddity“, Auch wenn sich der hier rezensierte Synthesizer eindeutig für abgespacete Klänge empfiehlt. Hinter dem „seltsamen“ Namen verbirgt sich eine allseist egfierte digitale Emulation des gelinde gesagt ikonischen ARP Odyssey.

Die Klänge des kultigen Droiden R2-D2 aus Star Wars stammen ebenfalls von einem ARP – GForce hat hier netterweise gleich ein passendes Preset inkludiert.
Schon der „Init“-Patch evoziert einen legendären Sound: den ABBA-„Gimme! Gimme! Gimme!“-Lead-Synth.
Trent Reznor ist schon seit Jahren bekennender Fan dieser Emulation. Schon nach kurzem Anspielen weiß man auch warum. Dieser Odyssey knarzt ungehobelt und düster – genau so, wie man es sich wünscht.

ARP Legacy

Während viele klassische Synthesizer der 1970er-Jahre darauf ausgelegt waren, möglichst „saubere“ Klänge zu erzeugen, hatte der Odyssey immer etwas Ungezähmtes. Sein Sound konnte aggressiv sein, schmutzig, manchmal sogar leicht chaotisch – und genau deshalb liebten ihn Generationen von Musikern.

Mit dem Oddity3 bringt die britische Softwarefirma GForce Software eine moderne Softwareinterpretation in die DAWm die sich nicht nur als  Emulation, sondern als umfassende digitale Weiterentwicklung eines der spannendsten Synthesizer der Analogära versteht.

Die Geburt eines Rivalen zum Minimoog

Um zu verstehen, warum dieses Instrument bis heute Kultstatus genießt, lohnt sich allerdings zunächst ein Blick in seine Geschichte.Anfang der 1970er-Jahre befand sich die Welt der Synthesizer noch in einer Art experimenteller Frühphase. Firmen wie Moog Music hatten mit Instrumenten wie dem Minimoog Model D bereits Maßstäbe gesetzt. Doch ein Unternehmen wollte zeigen, dass es auch anders ging: ARP Instruments.Der ARP Odyssey erschien 1972 und war in vielerlei Hinsicht eine direkte Antwort auf den Minimoog. Beide Instrumente waren kompakte, monophone Performance-Synthesizer – gedacht für Live-Musiker, nicht nur für Studios.Doch während der Minimoog für seinen warmen, runden Klang bekannt war, besaß der Odyssey einen deutlich bissigeren Charakter. Seine Architektur erlaubte extreme Modulationen, aggressive Filterfahrten und eine sehr flexible Klanggestaltung.

Ein Synth für Experimentierer

Technisch bot der Odyssey zwei Oszillatoren, ein resonanzfähiges Filter, Ringmodulation, Sample & Hold sowie eine ungewöhnlich flexible Modulationsmatrix. Besonders der Ringmodulator machte das Instrument für experimentelle Sounds interessant. Metallische Texturen, Sci-Fi-Effekte und radikale Klangverformungen waren damit problemlos möglich.

Auch das Sample-&-Hold-Modul eröffnete neue Klangwelten. Zufällige Tonfolgen, rhythmische Modulationen oder chaotische Filterbewegungen gehörten schnell zum typischen Repertoire vieler Odyssey-User.

Gerade diese Mischung aus musikalischer Spielbarkeit und klanglicher Wildheit machte den Synthesizer für viele Künstler attraktiv.

Im Laufe der 1970er- und 1980er-Jahre tauchte der ARP Odyssey in zahllosen Produktionen auf. Musiker schätzten vor allem seine Fähigkeit, sich im Mix durchzusetzen.Seine Leads konnten schneiden, seine Bässe hatten Punch und seine Effektsounds klangen oft futuristisch. Gerade in Progressive Rock, Funk und früher elektronischer Musik fand das Instrument schnell seine Nische.

Der Odyssey wurde außerdem mehrfach überarbeitet. Verschiedene Revisionen unterschieden sich vor allem im Filterdesign – ein Detail, das unter Synthesizer-Fans bis heute leidenschaftlich diskutiert wird. Diese unterschiedlichen Filtervarianten spielen auch in modernen Emulationen eine wichtige Rolle.

Third Encounter

Bereits frühere Versionen der Oddity-Reihe galten als sehr überzeugende Softwareinterpretationen. Die dritte Generation geht nun noch einen Schritt weiter. Zum einen wurden die unterschiedlichen Filterrevisionen des Originals modelliert. Nutzer können damit verschiedene historische Varianten des Odyssey nachbilden – von früheren, etwas raueren Filtern bis hin zu späteren Versionen mit etwas kontrollierterem Verhalten .Zum anderen erweitert die Software das Instrument um moderne Funktionen, die im analogen Original nie existierten.

POYLFREQ PHONON Test – Präzisionslabor für granulare Klangalchemie

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Wo einst die historische Kinoorgel versuchte, ein ganzes Orchester  in ein einziges Gehäuse zu pressen, und frühe Synthesizer die Atome des Klangs mittels Oszillatoren neu ordneten, da setzt die granulare Synthese an der ultimativen Mikrogrenze an: der Zerlegung von Audio-Material in winzige Fragmente, in sogenannte „Grains“. Genau in diesem hochspannenden, kreativen Grenzbereich zwischen präziser Laborarbeit und unvorhersehbarem Spielplatz verortet sich das Debüt-Plugin der britischen Edelschmiede PolyFreq. Mit „Phonon“ schickt der in Bristol ansässige Boutique-Hersteller ein Werkzeug ins Rennen, das sich selbst selbstbewusst als „Präzisionslabor für klangliche Alchemie“ versteht. Nun denn…

Klang-Konzept

Ein Phonon ist allgemein die elementare Anregung (Quant) einer harmonischen Schwingung. Dieser wissenschaftliche Konnex offenbart sich auch beim spielen dieses ganz im spartanischen Retro-Look gehaltenen Sofstsynth-Plugins

Das grundlegende Konzept hinter Phonon unterscheidet sich wohltuend von vielen Mitbewerbern auf dem Markt. Wo andere granulare Synthesizer allzu oft auf den reinen Zufall, unkontrollierte Randomisierung oder die mathematische Schichtung multipler Audioquellen setzen, bricht Phonon eine Lanze für die absolute Kontrolle.

Das Herzstück seiner Engine ist ein extrem hochwertiger Sample-Granulations-Algorithmus, der mit einer Sub-Sample-Grain-Planung operiert. Durch die getrennte Steuerung von Grain-Rate und Grain-Dichte eröffnen sich dem Anwender völlig neue Horizonte, um Klangfarbe und Tempo sowohl im Makro- als auch im Mikrobereich absolut wiederholbar und präzise zu formen. Unterstützt wird diese Herangehensweise durch eine automatische Grundton-Erkennung (Root Note Detection) sowie vier clevere Keyboard-Follow-Modi inklusive Legato-Funktion. Das Ergebnis? Phonon fühlt sich auf Anhieb wie ein echtes, ausdrucksstarkes Instrument an und verkommt nicht zur bloßen Drone-Maschine für Ambient-Flächen. Die Bandbreite reicht hier nahtlos von klassischen, diffusen Texturwolken bis hin zu extrem formbaren, messerscharfen Wellenformen. Es ist, um im Bild des Herstellers zu bleiben, zu gleichen Teilen ein analytisches Labor und ein inspirierender kreativer Spielplatz.

„Phonons Entwicklung wurde von der enormen Kreativität früher granularer Arbeiten von Komponisten wie Trevor Wishart und Curtis Roads sowie dem Deep Listening einer Pauline Oliveros inspiriert. Unser Wunsch war es, dieses wilde, kreative Territorium für die elektronische Musikproduktion und das Sounddesign zugänglicher zu machen – ohne ihm das wegzunehmen, was es so seltsam und inspirierend macht.“ Erzählt Nick Mariette, Gründer von PolyFreq.

Workflow: Komplexe Synthese, intuitiv gelöst

Man merkt dem Plugin an jeder Ecke an, dass hier ein Entwickler mit tiefer Verwurzelung in der Audiotechnologie am Werk war. Nick Mariette hat über zwei Jahrzehnte an vorderster Front der modernen Raumklang-Forschung verbracht – seine Vita reicht von einer Promotion im Bereich Audio Augmented Reality bis hin zu wegweisenden Arbeiten in den Teams hinter Industriestandards wie Audinate Dante, Dolby Atmos und Lake Technology. Diese fundierte Expertise spiegelt sich glücklicherweise nicht in einem überladenen, kryptischen Interface wider, sondern in einem angenehm geradlinigen Workflow.

Das vollständig skalierbare Interface setzt auf maximale Übersichtlichkeit: Die meisten Features sind sofort sichtbar, verschachtelte Menüs oder versteckte Unteroptionen sucht man hier vergeblich. Modulationen werden ganz intuitiv via Drag-and-Drop zugewiesen. Dahinter schlummert ein beachtliches Arsenal an Modulationsquellen, die mit Audio-Rate operieren und dafür sorgen, dass Patches lebendig reagieren und organisch evolvieren.

Klanglich abgerundet wird das Signal durch eine Charakter-getriebene Effektkette. Ein sättigendes Drive-Modul sorgt bei Bedarf für analogen Schmutz und harmonische Oberschwingungen, während ein resonantes Filter den Frequenzraum aufräumt oder dramatisch zuspitzt. Ein extrem musikalischer Utility-Reverb dient schließlich als klanglicher Klebstoff und verleiht den granularen Fragmenten die nötige räumliche Tiefe, ohne den Mix zu matschen.

Besonders praxisnah zeigt sich Phonon auch bei der Verwaltung der eigenen Kreationen: Dank des integrierten Preset-Managements inklusive Sample-Embedding lassen sich Sounds mitsamt dem Ausgangsmaterial kinderleicht exportieren und teilen. Über ein cleveres Snapshot-System können zudem bis zu acht verschiedene Klangzustände innerhalb eines Presets eingefroren und miteinander verglichen werden – ein unschätzbares Feature für das vertiefte Sounddesign im Studio-Alltag.

PSP LEXICON PSP42 Test – Vom Rack ins Plugin

Credit Bild: © PSP 
Sieht man sich historische Aufnahmen von Session-Hero Michael Landau aus der großen 80s- und 90s-Studiozeit – der Rack-Ära –- an, fällt einem immer wieder ein ganz spezielles Modul in den Kühlschrank-Setups und Bradshaw-Racks der Session-Ikonen auf: ein blau schwarzes Kästchen mit roten Knöpfen – das Lexicon  PCM 42 Delay. Heute schwer zu bekommen, seinerzeit ein State-of-the-Art-Delay, das es nun von den polnischen Developern PSP Audioware für das eigene Rack… äh, die eigene DAW gibt.

Zwischen Digitalpräzision und analogem Gefühl

Was den Reiz des ursprünglichen PCM 42 ausmachte, war nie bloß die Delay-Zeit oder die reine Funktionalität – es war dieses schwer greifbare „Feel“ und ganz eigenem sound diese Mischung aus digitaler Klarheit und organischer Unschärfe. Genau hier setzt das PSP42 an.Die Emulation bildet nicht nur die grundlegenden Parameter des Originals ab, sondern geht einen entscheidenden Schritt weiter: Features wie erweiterte Delay-Zeiten, Tempo-Sync, interne Modulationen und zusätzliche Klangformungsoptionen erweitern das Konzept behutsam, ohne den Charakter zu verwässern.

Gerade diese Balance ist bemerkenswert. Das Plugin fühlt sich nie wie ein steriles, überoptimiertes Modern-Tool an, sondern eher wie ein Stück Vintage Studio-Hardware, das zufällig in die Gegenwart gefallen ist.

Klang: Dichte, Tiefe, Bewegung

Klanglich spielt das PSP42 genau dort, wo man es sich erhofft – und vielleicht sogar ein Stück darüber hinaus. Die Delays sind präsent, aber nie aufdringlich. Sie sitzen im Mix, ohne ihn zuzukleistern, und entwickeln mit zunehmendem Feedback eine fast dreidimensionale Tiefe.

Besonders auffällig ist die interne Modulation: Subtile Pitch-Schwankungen, leichte Instabilitäten im Zeitverhalten – all das sorgt für Bewegung im Signal. Das Resultat sind Delays, die leben. Keine statischen Wiederholungen, sondern organische Echos, die sich ständig minimal verändern.Dreht man die Feedback-Schleifen weiter auf, bewegt man sich schnell in Richtung Selbstoszillation – ein Bereich, den das Plugin kontrollierbar, aber nie komplett zähmt. Genau diese leicht unberechenbare Komponente macht den Reiz aus.

Bedienung & Workflow: Old School trifft DAW-Komfort

Die Oberfläche orientiert sich stark am Original – inklusive jener leicht kryptischen Logik, die man von Vintage-Geräten kennt. Wer Plug-and-Play erwartet, wird hier nicht sofort abgeholt. Wer sich jedoch einarbeitet, wird belohnt.Parameter wie Delay Time, Feedback, Input Level oder die charakteristische „Infinite Repeat“-Funktion sind direkt zugänglich, während zusätzliche Features wie Filtering und Modulation dem Sound gezielt Form geben.Der Workflow fühlt sich dabei erstaunlich „hands-on“ an – fast so, als würde man tatsächlich an einem Rackgerät drehen. Ein nicht zu unterschätzender Faktor in einer Welt, in der viele Plugins eher wie sterile Interfaces als wie Instrumente wirken.

BECOMING LED ZEPPELIN – Die Geburt einer Rocklegende in 4K

 

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Musik-Dokus feiern nicht unbedingt immer auf der großen Filmfestival-Bühne Premiere. Bei Led Zeppelin und dem Kurator des Vermächtnisses dieser stilprägenden Rockband, Jimmy Page himself, ist dies jedoch anders. So erblickte eine Work-in-Progress-Fassung unter großem Medienecho und Standing Ovations bei den 78. Filmfestspielen von Venedig im Jahr 2021 das Licht der Öffentlichkeit. Bis der Film schließlich international in die Kinos kam und später auch auf Netflix landete, dauerte es allerdings noch einige Jahre.Nun ist er Film bei Plaion Pictures in einer luxuriösen Sammleredition erschienen, die die Dokumentation sowohl in kristallklarem 4K als auch im herkömmlichen Blu-ray-Format enthält – inklusive hochwertigem Sammlerschuber und allerlei cooler Goodies für Zeppelin-Aficionados und Sammler.

Regisseur Bernard MacMahon, der sich bereits für die allseits gefeierte Roots-Doku „American Epic“ verantwortlich zeichnete, widmet sich in „Becoming Led Zeppelin“ den frühen Jahren der Band. Es ist eine Origin-Story oder auch ein Entwicklungsroman im Doku-Format. Denn MacMahon beleuchtet die Kindheit und Jugend von Robert Plant, John Paul Jones, Jimmy Page und John Bonham und zeichnet nach, wie aus vier völlig unterschiedlichen Musikern jene kreative Explosion entstand, die den Rock und weite Teile der modernen Popkultur nachhaltig verändern sollte.  Die  Nachkriegskindheit der Musiker hierbei eine große Rolle und wie amerikanischer Blues und Rock ’n’ Roll zum Kontrastprogramm zur Tristesse eines teils noch zerstörten Englands nach 1945 wurden. Bevor jedoch die Treppe zur Hymne „Stairway To Heaven“ erklommen wird, ist hier Schluss – trotz der beachtlichen Überlänge von mehr als zwei Stunden. Die eigentliche Transformation steht im Zentrum: Wie aus den New Yardbirds Led Zeppelin wurden. Der Film für musikalische Sozialisation, kulturelle Einflüsse und die DNA dieser Band.

Obwohl Led Zeppelin für Experimentierfreude und Progressivität bekannt sind, ist diese Doku zwar edel produziert, aber eher konventionell inszeniert. In gewohnter Talking-Heads-Manier gibt es Interviews mit den verbliebenen Mitgliedern, die reflektiert und analytisch über die Entstehung ihres Sounds sprechen.Eine besondere emotionale Wirkung entfalten die Bonham-Passagen. Der 1980 verstorbene Drummer kommt in O-Tönen aus dem Off selbst zu Wort.

Konventionell ist „Becoming Led Zeppelin“ also durchaus. Wer experimentelle Formen oder dekonstruktive Musikdokumentationen erwartet, wird hier nicht fündig werden. MacMahon ist fraglos ein guter Dokumentarfilmer, dass diese Doku jedoch nicht von Martin Scorsese umgesetzt wurde, merkt man trotzdem. MacMahon setzt vielmehr auf einen sehr klassischen Aufbau mit chronologischer Struktur, restauriertem Archivmaterial und einem starken Fokus auf Musik und Atmosphäre.

Interessant ist, dass diese Doku weniger bekannte Anekdoten offenbart und bislang ungesehenes Bildmaterial verwendet. Gerade die frühen England- und US-Tourneen entwickeln durch die seltenen Fotografien und Backstage-Aufnahmen eine enorme Sogwirkung. Nur in Sachen Live-Videos gibt es etwas weniger Material, als manche Fans vielleicht erwartet hätten. Zwar sind die restaurierten Konzertsequenzen audiovisuell beeindruckend und besitzen enorme Kraft, allerdings hätte man sich stellenweise noch mehr vollständige Performance-Passagen gewünscht. Aber gut – die gibt es offenbar schlicht nicht. Und die vor über 20 Jahren veröffentlichte Led-Zeppelin-DVD bleibt in Sachen Konzertmitschnitte ohnehin das Nonplusultra.

Außergewöhnlich für eine Doku ist jedoch die Aufmachung der umfangreichen Collector’s Edition: Die Blu-ray kommt in einem attraktiv hochwertigen Sammlerschuber daher. In einer Steelbook-Blu-ray-Hülle befinden sich sowohl die kristallklare 4K-UHD- als auch die reguläre Blu-ray-Version des Films. In einer zweiten Box befinden sich zudem allerlei Goodies für Sammler: ein Brief vom Regisseur, vier Fotokarten, ein Patch, Sticker sowie zwei Plektren.

PINK FLOYD SHINE ON: Die ganze Geschichte in O-Tönen

Credit Coverbild: © Hannibal Verlag
Wenige andere Band haben es geschafft, über derart unterschiedliche Generationen hinweg gleichzeitig Kultstatus, Mainstream-Relevanz und elitäre Aura zu bewahren. Von den psychedelischen Londoner Underground-Tagen über die gigantomanischen Stadiontourneen der Siebziger bis hin zur ewigen Popkultur-Kanonisierung von „The Dark Side Of The Moon“ oder „The Wall“: Pink Floyd sind längst kein bloßer Rock-Act mehr, sondern ein kulturelles Monument. Ein eigenes audiovisuelles Universum zwischen Progressive Rock, Kunstinstallation, philosophischer Melancholie und Größenwahn.

Genau dieser Mythos steht im Zentrum von Mark Blakes monumentaler Oral History „Shine On“, erschienen im Hannibal Verlag. Und schon nach wenigen Seiten wird klar: Hier geht es nicht um eine gewöhnliche Musikerbiografie. Blake verfolgt vielmehr einen Ansatz, der frappierend an die erzählerische Dynamik moderner Oral-History-Formate erinnert – irgendwo zwischen klassischen Rockdokumentationen, den besten Musikjournalismus-Texten und der literarischen Dramaturgie von Daisy Jones & The Six. Bloß dass hier keine fiktionalisierte Bandgeschichte erzählt wird, sondern eine der faszinierendsten realen Musik-Sagas überhaupt.

Der britische Rockjournalist und Pink-Floyd-Spezialist Mark Blake hat über Jahre hinweg Interviews, Archivmaterial und Originalzitate zusammengetragen und daraus ein schillerndes Mosaik konstruiert. Zu Wort kommen dabei nicht nur die Musiker selbst – also etwa Roger Waters, David Gilmour oder Nick Mason – sondern auch Produzenten, Wegbegleiter, Techniker, Fotografen, Designer und kreative Mitstreiter. Gerade dadurch entsteht jene spezielle Unmittelbarkeit, die Oral Histories von klassischen Biografien unterscheidet.

Man liest „Shine On“ nicht wie ein lineares Sachbuch, sondern beinahe wie einen gigantischen Dokumentarfilm in Textform. Stimmen greifen ineinander, widersprechen sich, ergänzen sich oder entlarven alte Legenden als Halbwahrheiten. Genau darin liegt einer der größten Reize dieses Buchs. Denn die Geschichte von Pink Floyd war immer auch eine Geschichte konkurrierender Narrative. Wer hatte wann die kreative Kontrolle? Wie groß war der Einfluss Syd Barretts wirklich? War Roger Waters visionärer Auteur oder destruktiver Egomane? Und wie viel von der Melancholie und Isolation der Band war genuine Emotion – und wie viel kalkulierte Mythologie?

Blake versucht erfreulicherweise nie, diese Fragen endgültig „aufzulösen“. Stattdessen entsteht ein vielschichtiges Gesamtbild, das die internen Spannungen der Band ebenso sichtbar macht wie ihre kreative Genialität. Genau dadurch wirkt „Shine On“ oft ehrlicher als klassische Musiker-Biografien, die allzu häufig einer glattpolierten Meistererzählung folgen.

Besonders stark ist das Buch immer dann, wenn es Atmosphäre einfängt. Die frühen Kapitel über das Swinging London der Sechziger besitzen stellenweise beinahe etwas Filmisches. Man spürt den Rauch der Clubs, die experimentelle Aufbruchsstimmung jener Zeit und die eigentümliche Mischung aus Kunsthochschul-Avantgarde und psychedelischem Chaos, aus der Pink Floyd hervorgingen.

Gerade Syd Barrett schwebt dabei wie ein tragischer Geist über dem gesamten Buch. Seine kreative Vision, sein mentaler Zerfall und seine Abwesenheit werden fast zur unsichtbaren Hauptfigur der gesamten Erzählung. Ähnlich wie in den besten Musikdokumentationen entwickelt sich daraus ein permanentes Echo: Barrett ist weg – und doch irgendwie immer präsent. Selbst die gigantischen Erfolgsjahre der Band wirken oft wie der Versuch, diesen Verlust künstlerisch zu verarbeiten oder zu übertönen.

Blake zeichnet dabei eindrucksvoll nach, wie sich Pink Floyd Schritt für Schritt von einer experimentellen Underground-Band zur globalen Stadion-Institution entwickelten. Der Weg führt von improvisierten Acid-Happenings über die Konzeptalbum-Revolution der Siebziger bis hin zu den monumentalen Bühnenshows, die Musik, Filmprojektionen, Architektur und Performance-Art verschmelzen ließen.

Gerade diese Entwicklung macht „Shine On“ auch zu einem spannenden Buch über die Transformation des Rock selbst. Denn kaum eine Band steht derart exemplarisch für den Wandel von den utopischen Sechzigern zur zunehmend gigantomanischen Mega-Entertainment-Kultur der späten Siebziger und Achtziger.

CROW HILL ABSURDLY QUIET PIANO Test – Lo Fi und Ambient-Klavier zwischen David Lynch, Tape Dust und kontrollierter Dekonstruktion

Credit Bild: © Crow Hill Company
Es gibt Libraries, die versuchen, möglichst viele Anwendungsbereiche gleichzeitig abzudecken: zig Presets, aufwendige GUIs und „Ultimate Composer Tools“, die für breitwandige Anwendungsbereiche eine möglichst große Bandbreite abdecken. Und dann gibt es virtuelle Instrumente wie „Absurdly Quiet Piano“ von Crow Hill – eine Sample-Library, die sich bewusst der radikalen Reduktion verschreibt. Kein musikalischer Marvel-Film, sondern eher ein obskurer Arthouse-Streifen um drei Uhr morgens, den man zufällig entdeckt und der einem danach tagelang im Kopf herumspukt – oder auch das ideale Tool für Lynch-artige Sounds.

Wenn Stille plötzlich enorm laut wird

Genau darin liegt die besondere Qualität dieses ungewöhnlichen Instruments. Das „Absurdly Quiet Piano“ schafft maximalen Impact mit leisen Tönen. Es will nicht vordergründig beeindrucken, indem es nach einem Concert Grand im Wiener Konzerthaus oder gar „episch“ klingt. Wer einen transparenten Bösendorfer-Hochglanzsound erwartet, der Delta Goodrem beim ESC begleitet merkt schnell, dass Crow Hill bewusst eine ganz andere Richtung einschlägt. Stattdessen setzt die Library auf Fragilität, Intimität und jene kleinen Unsauberkeiten, die man bei High-End-Piano VSTs bewusst vermeidet. Das Resultat ist ein Instrument, das weniger nach klassischer Sample-Library klingt als nach einer verlorenen Tonbandaufnahme aus einem alternativen Universum zwischen Jóhann Jóhannsson, Harold Budd, Nils Frahm und den melancholischen Momenten eines Angelo-Badalamenti-Scores.

Die Grundidee klingt zunächst fast simpel: ein extrem leise gespieltes Upright Piano, aufgenommen mit maximalem Fokus auf Resonanzen, mechanischen Artefakten und intime Dynamikabstufungen – ohne dabei die Soundcharakteristik typischer „Felt Pianos“ zu übernehmen (wenngleich gewisse klangliche Verwandtschaften nicht abzustreiten sind). Doch gerade diese konzeptionelle Einschränkung wird hier zur eigentlichen kreativen Stärke. Für das Sampling (Stichwort Noise Floor und Noise Reduction) war all das eine große Herausforderung, denn derart subtile Sounds zu capturen ist alles andere als einfach. Das Resultat ist jedoch ein wirklich einzigartiges Instrument im virtuellen Werkzeugkasten.

Klangästhetik: Lo-Fi-Lyrik statt sterilem Perfektionismus

Das „Quiet Piano“ besitzt einen weichen, gedeckten und stellenweise beinahe geisterhaften Charakter. Die Transienten sind zurückgenommen, die Höhen niemals aggressiv, und die Dynamik bewegt sich in den subtilsten Abstufungen. Klingt das nun nach Herzschmerz auf Tasten oder nach Noir um Mitternacht? Beides – und genau darin liegt der Reiz dieses leisen Pianos, das sich in meinem persönlichen Scoring und Recording Projekten rasch bei allem bewährt hat, dass zwischen Ambient, Horror und melancholischer Cineastik angesiedelt ist. Dieses Piano liebt Raum, Stille, langsame Akkordwechsel, Drones und die Addition von Tape Echoes. Reverbs ziehen wie Nebelschwaden durch den Mix.

In Kombination mit granularen Texturen oder analogen Synth-Flächen entsteht schnell jene fragile Cinematic-Ästhetik, die momentan zahlreiche moderne Scores prägt – von A24-Melancholie bis hin zu introspektiven Indie-Game-Soundtracks. So funktioniert das „Absurdly Quiet Piano“ nicht nur als klassisches Harmonieinstrument, sondern beinahe als Sounddesign-Element. Einzelne Töne wirken wie akustische Objekte im Raum. Manche Presets erinnern eher an präparierte Pianos oder Tape-Manipulationen als an traditionelle Klavieraufnahmen.

Sound of Silence

Das „Absurdly Quiet Piano“ ist mit seiner zarten Subtilität so etwas wie ein Nachfolger des unlängst erschienenen „Crystal Piano“, das ebenfalls einen sehr eng abgesteckten Bereich des Piano-Domains abdeckte und operiert an der Schwelle zur Stille.

FRANCIS KÉRÉ SIGNIERSTUNDE IM TASCHEN STORE BERLIN

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Das Zusammenspiel von traditionellem Wissen, moderner Innovation und sozialer Engaiertheit prägt seit Jahrzehnten das Werk des burkinisch-deutschen Architekten Francis Kéré. Ob Schulen in Afrika oder internationale Prestigeprojekte wie das Las Vegas  Museum of Art.– mit seinen Entwürfen schafft Kéré Räume, die Geschichten erzählen und Gemeinschaften zusammenbringen. Dass Kéré Architektur als kollektiven Prozess versteht, spiegelt sich in jedem Detail seiner Arbeit wider: Seine Bauten sind keine elitären Monumente, sondern lebendige Instrumente des Austauschs.

Nun ist im Taschen Verlag mit der umfassenden Monografie „Building Stories“ eine beeindruckende Werkschau auf das Schaffen dieses ersten afrikanischen Pritzker-Preisträgers erschienen. Die Monografie öffnet den Blick auf 26 zentrale Projekte, ergänzt durch bislang unveröffentlichte Skizzen, Zeichnungen und fotografische Dokumentationen, die den Entstehungsprozess seiner Architektur nachvollziehbar machen.

Begleitet von Essays aus unterschiedlichen Perspektiven wird deutlich, wie stark Kérés Praxis zwischen poetischer Vorstellungskraft und pragmatischer Bauwirklichkeit oszilliert. Kérés persönliche Ich-Erzählung über seine bedeutendsten architektonischen Werke nimmt den Leser mit auf eine faszinierende Reise. Fragen nach Materialität, lokaler Tradition und ökologischer Verantwortung treten dabei ebenso in den Vordergrund wie die politische Dimension gemeinschaftlicher Bauprozesse. Diesen Band zu lesen ist, als würde man in Kérés Notizbuch blättern, das vollgeschrieben ist mit seinen Anmerkungen zu den beeidnruckenden Werken. Gestaltet wurde das Buch vom renommierten Amsterdamer Grafikdesignstudio Irma Boom, was dem Band eine ganz eigene visuelle Dynamik verleiht. 

Am Dienstag, den 9. Juni, wird Francis Kéré dieses Werk gemeinsam persönlich vorstellen signieren – um 18 Uhr im Taschen Store Berlin (Schlüterstraße 39).

Mit Aino Laberenz ist an diesem Abend zudem eine zentrale Figur der internationalen Kunst- und Kulturszene präsent: Die Kuratorin, Bühnenbildnerin und langjährige Lebensgefährtin Christoph Schlingensiefs verwaltet nicht nur dessen künstlerischen Nachlass, sondern leitet bis heute das von Schlingensief initiierte Operndorf Afrika in Burkina Faso – jenes außergewöhnliche Kultur- und Bildungsprojekt, dessen architektonisches Konzept von Francis Kéré stammt. Die Signierstunde mit Drinks wird also nicht nur ein Sommerfest sondern eine weit über das Thema Architektur hinausgehende Buchpräsentation.

 Wann & Wo: 

 

Signierstunde

Dienstag, 09.Juni, ab 18 Uhr

im Taschen Store Berlin (Schlüterstraße 39)