Charvel- und
Jackson-Gitarren stehen wie keine anderen Instrumente für jenen Moment, in dem das
elektrische Gitarrenspiel Ende der Siebziger und in den frühen Achtzigern noch
einmal neu erfunden wurde. Es war die Zeit, als Rock- und Metal-Gitarristen
spieltechnische Grenzen neu ausloteten und die Geschwindigkeit in bislang
unbekannte Dimensionen trieben. Mit der Weiterentwicklung des klassischen
Stratocaster-Designs von Leo Fender beziehungsweise dem Tuning ebenjener
klassischen Gitarrenform entstand mit der sogenannten Superstrat ein
Instrument, das genau auf diese neuen Anforderungen zugeschnitten war. Die
Gitarren von Charvel und Jackson gehörten zu den Pionierinstrumenten dieser
Entwicklung, sie verbanden ein radikal auf Höchstleistung getrimmtes Design mit
kompromissloser Funktionalität: flache Hälse, heißere Pickups und maximale
Spielbarkeit. So wurden sie zu Symbolen einer Ära – Instrumente, bei deren
Spiel man gefühlt einen Strafzettel wegen Tempolimitüberschreitung riskierte.
Credit Bild: © Christian Métrailler
Die Geschichte von
Charvel und Jackson ist dabei auch eine Geschichte der Internationalisierung.
Ursprünglich Produkte Kaliforniens, verlagerte sich bereits in den
1980er-Jahren ein Teil der Produktion nach Fernost – ein Schritt, der heute
selbstverständlich wirkt, damals jedoch neu war. Während aktuell beispielsweise
viele Charvels und Jacksons in der mexikanischen Produktionsstätte der FMIC in
Ensenada gefertigt werden, entstanden zahlreiche Charvel- und Jackson-Modelle
bereits Jahrzehnte zuvor im Land der aufgehenden Sonne. Genau dieses Kapitel –
Charvel und Jackson Japan – steht im Mittelpunkt eines neuen Sammlerbandes.
Mit „Jackson Charvel Japan – The Untold Story“ legt Gitarren-Aficionado Christian Métrailler einer der bislang umfassendste Arbeiten zur Geschichte Charvel- und Jackson-Gitarren vor und schließt eine bemerkenswerte Lücke in der Guitar-Historiographie. Das Werk entstand aus über 40 Jahren persönlicher Leidenschaft für das Thema sowie rund fünf Jahren intensiver Recherche. Herausgekommen ist eine außergewöhnlich dichte Sammlung aus Zeitzeugenberichten, Archivmaterial und bislang unveröffentlichten Bildern und Dokumenten. Métrailler nähert sich seinem Thema mit der Perspektive eines Kenners, Sammlers und Historikers, der die Bedeutung dieser Instrumente im Gesamtbild der Gitarrenentwicklung präzise einordnet. Das Buch zeigt überzeugend, dass die japanischen Modelle keineswegs bloß preisgünstige Alternativen zu US-Instrumenten waren, sondern eigenständige Qualitätsprodukte mit individuellen Konstruktionsmerkmalen und Designs.
Besonderen
dokumentarischen Wert erhält das Buch durch die Vielzahl an Stimmen, die
Métrailler in seinem Werk zusammenführt. Beiträge und Erinnerungen von Grover
Jackson, Tim Wilson, Paul Gagon, Scott Zimmerman, JoAnn Pieroth, Katsu Takuji,
Gary Kahler, Dave Friedman, Jon „Sully“ Sullivan, Steve Rosen, Steve Vai, Chris
Holmes und weiteren Beteiligten eröffnen einen multiperspektivischen Blick auf
Entwicklung, Produktion und Rezeption der Instrumente..
Strukturell überzeugt
das Buch durch die Verbindung von historischer Einordnung und technischer
Detailtiefe. Es ist ein absolutes Leidenschaftsprojekt, das spürt man auf jeder
einzelnen Seite. Auch gestalterisch setzt das Buch Akzente. Ein Detail mit
besonderem kulturellem Tiefgang findet sich in der visuellen, äußerst
japanophilen Gestaltung. Auf Cover, Kapitelüberschriften und Lesezeichen
verwendet Métrailler sogenannte Wagara-Muster – traditionelle japanische
Ornamentik, deren Ursprünge mehrere Jahrhunderte zurückreichen. Diese Muster
greifen stilisierte Naturmotive auf und transportieren symbolische Bedeutungen,
die tief in der japanischen Gestaltungskultur verankert sind. Bekannt sind
Wagara vor allem aus klassischen Kimonostoffen, Washi-Papier und zahlreichen
traditionellen Kunsthandwerken. Die Integration dieser Designelemente
unterstreicht subtil den kulturellen Kontext der japanischen
Gitarrenproduktion, die im Mittelpunkt des Buchs steht.
Der internationale
Zuspruch für dieses Buch unterstreicht die Relevanz des Projekts eindrucksvoll.
Die auf 300 Exemplare limitierte Erstauflage war kurz nach Veröffentlichung
weltweit vergriffen. Métrailler arbeitet derzeit an einer zweiten Auflage,
während das Projekt bereits Aufmerksamkeit selbst innerhalb des erweiterten Jackson-Führungsriege
geweckt hat.
„Jackson Charvel Japan – The Untold Story“ ist ein außergewöhnlich gründlich recherchierter und hervorragend dokumentierter Beitrag zur Gitarrengeschichte. Das Buch richtet sich nicht nur an Sammler und Markenenthusiasten, sondern an alle, die sich ernsthaft mit der Entwicklung moderner E-Gitarren beschäftigen. Métrailler gelingt es, ein lange unterschätztes Kapitel der Instrumentenentwicklung differenziert, kenntnisreich und nachhaltig nachvollziehbar festzuhalten.
Wer sich ein Exemplar
der geplanten zweiten Auflage sichern möchte, findet alle Informationen zum
kommenden „2nd Batch“ auf der offiziellen Projektwebsite: The Book - Charvel Jackson Japan
Jackson Charvel Japan – The Untold Story von Christian Métrailler, erschienen im Eigenverlag.
Ein Blick ins Buch:
Credit Bild: © Christian Métrailler Credit Bild: © Christian Métrailler Credit Bild: © Christian Métrailler Credit Bild: © Christian Métrailler Credit Bild: © Christian Métrailler Credit Bild: © Christian Métrailler



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