Dienstag, 21. April 2026

TWO NOTES GENOME SUITE Test: Die DNA des guten Tons

Two Notes Genome Suite GUI Interface am Laptop
Credit Bild: © Two Notes Audio Engineering
Die Konzeption und Zusammenstellung eines richtig erstklassigen Gitarren-Rigs ist fraglos eine Kunst für sich – und war bis vor gar nicht allzu langer Zeit ein äußerst schwieriges, bisweilen fast unmögliches Unterfangen. Kleinere Amps und Setups klangen meist kraftlos und eindimensional, Digitallösungen wirkten oft wie ein lebloser Abklatsch des angestrebten analogen Sounds. Heute ist das längst anders. Trotz der durchaus gerechtfertigten Glorifizierung von Vintage-Sounds und Röhren-Fetischismus leben wir right now wahrlich in einem goldenen Zeitalter erstklassiger digitaler Gitarrensounds. Amp-, Effekt- und Lautsprecher-Simulationen sind längst mehr als salonfähig geworden – mehr noch, sie sind aus modernem Recording nicht mehr wegzudenken und haben eine Qualität erreicht, bei der Software praktisch nicht mehr von analogen Sounds zu unterscheiden ist und häufig das Zentrum des gesamten Setups bildet.

Entsprechend heiß umkämpft und mittlerweile gesättigt ist der Plugin-Markt – in diesem Umfeld noch echte Begeisterung hervorzurufen, ist schwierig. Der renommierte französische Hersteller Two Notes, bekannt für seine Lautsprecher-Simulations-Soft- und Hardware, versucht es dennoch und wirft mit der komplexen Plugin-Suite Genome seinen Hut in den Ring – und das nicht halbherzig. Denn der Anspruch, der hier verfolgt wird, ist ebenso groß wie überaus ambitioniert.

Genome soll nicht weniger als eine umfassende All-in-One-Lösung für Gitarristen (und Bassisten) sein, mit der die gesamte Signalkette abgedeckt wird – und die mit Expansion Packs sowie künftigen Updates kontinuierlich erweitert wird. Während die meisten Amp-Sims eine klar umrissene Aufgabe erfüllen – ein Genre, ein paar Amps, ein paar Effekte – und andere Komplettlösungen nicht selten „jack of all trades, but master of none“ sind, hat Two Notes einen anderen Weg gewählt: nicht nur ein einzelnes Glied der Signalkette abzubilden, sondern dem Player ein gesamtes Ökosystem zur Verfügung zu stellen – genreübergreifend. Von Pedals über Amps, hauseigene DynIRs, Studio-Effekte bis hin zu Postproduktions-Tools.

Der Versuch, alles zu vereinen – kann so etwas gelingen? Finden wir es heraus.

The Theory of Everything

Credit Bild: © Two Notes Audio Engineering
Beim ersten Start des Programms begrüßt den User der Screen „Loading Your Dream Rig“. Ein selbstbewusster Claim – denn wie dieses Dream Rig aussieht, variiert stark von Gitarrist zu Gitarrist sowie von Genre zu Genre. Der Blueser braucht ein völlig anderes Setup als der Metal-Spieler, der Classic-Rocker andere Amps als der moderne Pop-Gitarrist. Genome macht hier (und insbesondere mit den jüngsten Updates, die die Flotte an verfügbaren Amps und Effekten drastisch erweitert haben) keine halben Sachen.Von vergleichsweise simplen „Straight-in-the-Amp“-Setups bis hin zu komplexen Dual-Amp-Rigs mit Studioeffekten ist hier alles möglich. Die Architektur folgt einer klaren Logik: Preamp, Poweramp, Pedals, Cabinet, Studio FX – alles ist vorhanden, alles ist kombinierbar, alles lässt sich flexibel neu anordnen. Und hier zeigt sich schon: Genome ist alles andere als generisch.

Im übersichtlichen Interface kann man sich seinen eigenen Signalstrang aus unterschiedlichen Komponenten zusammenstellen. Die klanglichen DNA-Experimente können dabei durchaus „Jurassic Park“-artige Dimensionen erreichen. Denn Multi-Amp-Setups sind bei Genome kein Problem. Zehn Slots stehen dabei unmittelbar zur Verfügung. Zudem kann man das Signal stereo splitten – was die Anzahl der Klangformungs-Slots effektiv verdoppelt. Gerade die optionalen Dual-Lanes eröffnen Möglichkeiten, die über Standard-Amp-Setups hinausgehen – etwa für Layering, Stereo-Designs oder komplexe Hybrid-Sounds.

Amps, Amps, Amps

Credit Bild: © Two Notes Audio Engineering

Credit Bild: © Two Notes Audio Engineering

Credit Bild: © Two Notes Audio Engineering
Die meisten Anbieter liefern heute überzeugende Amp-Modelle – am Ende ist es Geschmackssache, und es kommt auf Details an. Denn wie im Spitzensport, wo Millisekunden entscheiden, ist auch beim Amp Modeling der Punkt erreicht, an dem es nur noch um Qualitätsunterschiede im Mikrobereich geht. Genome ist hier fraglos eine jener Lösungen, die das gewisse Etwas haben und zu den Eigenständigeren am Markt zählen.

Vom ultracleanen California-Modell über britische Rock-Standards bis hin zum US-High-Gain-Monster ist alles vertreten. So weit, so konventionell. Das Spezielle an Genome ist jedoch, dass es Klasse und Masse vereint. Neben den üblichen Verdächtigen – Blackface-, Clean- und britische Plexi-/JCM-inspirierte Sounds – gibt es auch speziellere und seltenere Modelle, alle optisch äußerst ansprechend umgesetzt.Die schiere Anzahl ist schlichtweg beeindruckend – hier gibt’s nicht nur einen Plexi-Style-Amp, sondern gleich mehrere Varianten, ebenso wie etwa einen Super Bass oder auch eine digitale Interpretation des Marshall Astoria. Auch Metal-Fans kommen auf ihre Kosten: So ist etwa eine Version von Ola Englunds Satan-Amp vertreten sowie eine Reihe von Mesa-Amps. Hinzu kommen Eigenkreationen von Amps, die so nicht außerhalb von Genome existieren – und einfach großartig sind.

Montag, 20. April 2026

GFORCE SOFTWARE MINIMONSTA 2 Test: Die moderne Evolution eines Synthesizer-Mythos

GForce Software MiniMonsta2 MiniMoog GUI
Credit Bild: © GForce Software
Der Minimoog Model D – erstmals 1970 veröffentlicht ist bis heute der Archetyp des kompakten, analogen Synthesizers. Drei Oszillatoren, kompromissloser Sound, ikonischer Charakter. Entworfen von Bob Moog selbst, wurde der Model D zur Blaupause zahlloser Synth-Designs und ist bis heute einer der beliebtesten und meist-emulierten Klassiker überhaupt. Sein Sound – warm, druckvoll, unverkennbar analog – tauchte in unzähligen Produktionen auf und definierte über Jahrzehnte hinweg das Klangbild ganzer Genres. Mit dem Plugin Minimonsta 2 legt die britische Softwareschmiede GForce Software eine moderne Neuinterpretation dieses legendären Instruments vor – und erweitert das klassische Konzept dabei um zahlreiche zeitgemäße Funktionen.

Vom modularen Monster zum portablen Klassiker

Um zu verstehen, warum der Minimoog bis heute Kultstatus besitzt, lohnt sich ein Blick zurück in die späten 1960er-Jahre. Vor seiner Entstehung bestanden Synthesizer aus großen modularen Systemen. Geräte von Moog Music füllten ganze Wände aus Modulen, Kabeln und Patchfeldern. Diese Instrumente waren leistungsfähig, aber schwer zu bedienen und praktisch unmöglich auf eine Bühne zu transportieren – wenn man nicht gerade so viele Roadies zur Verfügung hatte wie Emerson, Lake & Palmer.

Der Minimoog änderte genau das. Er brachte wesentliche Module eines großen Moog-Systems in ein kompaktes, fest verdrahtetes Instrument. Oszillatoren, Filter, Hüllkurven und Mixer waren übersichtlich angeordnet und sofort spielbar. Der typische Minimoog-Sound wurde damit portabel. Seine drei Oszillatoren liefern einen massiven Grundklang, während das berühmte 24-dB-Ladder-Filter für jene charakteristische Wärme sorgt, die Synth-Fans bis heute fasziniert. In den 1970er-Jahren tauchte der Synthesizer schnell in den Produktionen zahlreicher Künstler auf. Musiker aus Progressive Rock, Funk, Jazz-Fusion und später elektronischer Musik machten den Minimoog zu einem festen Bestandteil ihrer Klangpalette. Bässe mit enormem Druck, singende Lead-Sounds und experimentelle gefilterte Fanfaren - der Minimoog ist fraglos einer der einflussreichsten Synthesizer der Musikgeschichte und GForce haben diesen Klang, da muss man ohne Übertreibung sagen, perfekt emuliert.

Zwischen Vintage-Charakter und moderner Flexibilität

Klanglich bewegt sich der Minimonsta 2 sehr nah am historischen Vorbild. Die Oszillatoren liefern jenen satten analogen Grundklang, den man von klassischen Moog-Synthesizern erwartet. Das Filter reagiert musikalisch und organisch, besonders bei langsam fahrenden Resonanzbewegungen oder aggressiveren Sweeps. Gerade bei Bass-Sounds zeigt sich schnell, warum der Minimoog bis heute als Referenz gilt. Schon wenige Handgriffe genügen, um massive Bässe, singende Leads.

Die Software-Hommage, die mehrere Schritte weitergeht

Der Grundaufbau orientiert sich zwar klar am klassischen Minimoog-Layout. Drei Oszillatoren, Mixer, Filtersektion und Hüllkurven sind sofort wiederzuerkennen. Wer jemals mit einem analogen Moog gearbeitet hat, findet sich im Interface praktisch sofort zurecht. Doch unter der Oberfläche steckt deutlich mehr. Denn mehr Stimmen sorgen für gänzlich neue Klangräume. Während das historische Instrument strikt monophon war, erlaubt der Minimonsta 2 polyphones Spiel. Dadurch lassen sich mit der klassischen Moog-Architektur plötzlich auch Pads, Akkordflächen oder komplexe Layer erzeugen. Gerade in modernen Produktionen eröffnet das völlig neue Möglichkeiten. Zusätzlich bietet das Plugin eine relativ umfangreiche Modulations- und Reverb-Sektion.

GForce Software MiniMonsta2 MiniMoog Preset Browser
Credit Bild: © GForce Software

GFORCE SOFTWARE MK II Test: Die digitale Wiedergeburt der Mutter aller Mellotrons

Mellotron MKII GForce GUI
Credit Bild: © GForce Software
Was haben Prinzessin Margaret, König Hussein von Jordanien, Scientology-Gründer L. Ron Hubbard sowie Bands wie The Moody Blues oder King Crimson gemeinsam? Sie alle besaßen und nutzten eines der ultra-raren Mellotron-Modelle der frühen 1960er-Jahre. Ein eigentümliches Instrument, das mit seinen mechanischen Tonbändern eine faszinierende Mischung aus technischer Fragilität und klanglicher Magie erzeugte. Mit dem MkII bringt die britische Softwareschmiede GForce Software nun eine digitale Hommage an genau dieses Instrument auf den Markt – genauer gesagt an das legendäre Mellotron MkII, eines der seltensten und begehrtesten Modelle der gesamten Mellotron-Familie.

Vom Wohnzimmer-Entertainment zum Sound der Rockgeschichte

Was ursprünglich als luxuriöse Home-Entertainment-Konsole gedacht war, entwickelte sich völlig unerwartet zu einem der prägendsten Instrumente der Rockgeschichte das die Klangästhetik des Progressive Rock, psychedelischer Popmusik oder früher Filmmusik-Experimente entschieden mitprägte. Um zu verstehen, warum dieses Instrument bis heute Kultstatus genießt, lohnt sich ein kurzer Blick zurück. Die Grundidee entstand Anfang der 1960er-Jahre in Großbritannien. Technisch gesehen ist das Mellotron kein Synthesizer, sondern ein elektromechanisches Sample-Instrument – lange bevor der Begriff Sampling im modernen Sinne überhaupt existierte. Unter jeder Taste befindet sich ein kurzer Magnetband-Loop. Drückt man eine Taste, wird das Band abgespielt und gibt eine vorher aufgenommene Klangquelle wieder – etwa Streicher, Chöre, Flöten oder Orchester-Hits.Die Technik geht auf das amerikanische Instrument Chamberlin zurück, aus dem später das britische Mellotron hervorging. Das Mellotron MkI und später das MkII erschienen 1963 und waren eigentlich als luxuriöse Heimorgeln gedacht. Die Geräte verfügten über zwei Manuale mit jeweils 35 Tasten: Das linke Manual spielte vorbereitete Rhythmus- und Begleitpatterns ab, während das rechte Manual verschiedene Lead-Instrumente wiedergab.

Die Vorstellung war, dass ein einzelner Spieler damit ganze Arrangements erzeugen konnte – eine Art analoger Vorläufer moderner Arranger-Keyboards. Die Realität entwickelte sich allerdings völlig anders…

Wie Rockmusiker das Mellotron entdeckten

Während wohlhabende Privatkunden das Instrument als Unterhaltungselektronik betrachteten, entdeckten Musiker schnell dessen eigenwilligen Charakter.Bands  wie die  Beatles, Genesis oder The Rolling Stones begannen, die leicht instabilen Bandklänge kreativ einzusetzen.

Das Instrument versetzte einst die Musikerunion der BBC in Rage: Man fürchtete die Überlegung, dass dieses neuartige Gerät – das ja „Orchestersounds auf Knopfdruck“ lieferte – die arrivierten Musiker des Orchesters arbeitslos machen würde.Tatsächlich sind die Klänge jedoch kein Ersatz fürs klassische Orchester, sondern haben ihren ganz eigenen Charme.Streicher klingen wie aus der Zwischenwelt – eine kleine Elegie.Songs wie „Strawberry Fields Forever“, „Nights in White Satin“ oder „The Court of the Crimson King“ machten den typischen Mellotron-Sound weltberühmt: leicht körnig, organisch, manchmal etwas unberechenbar – aber immer atmosphärisch. Gerade diese Imperfektion wurde zu seinem Markenzeichen.  Mit dem MkII widmet sich GForce Software nun genau jener Urversion des Instruments, die oft als „Mutter aller ‘Trons“ bezeichnet wird.  Den Developern ist hier das (Klang-)Kunststück gelungen jenen charakteristischen Sounds vollends ins Digitale zu portieren.

Mellotron MKII
Origiales Mellotron MK II
Credit Bild: © GForce Software

NORMAN FOSTER: Works & Networks – Werkschau und Architektur-Manifest

Norman Foster, der Stararchitekt bei der Arbeit
Credit Bild: © Nigel Young / Foster + Partners 
Millennium Bridge, der „Gherkin“, der Apple Park und der Berliner Reichstag: Dies sind nur einige der Monumente, mit denen Architektur-Superstar Norman Foster, aka Lord Foster of Thames Bank OM, seine Vision einer zukunftsträchtigen, innovativen und nachhaltigen Gestaltung von Raum verwirklicht hat. Mit den zwei neu erschienenen Taschen-Bänden „Works“ und „Networks“ liegen nun zwei Bücher vor, die jeweils für sich genommen bereits gewichtige Abhandlungen über und von einem der bedeutendsten Architekten der Gegenwart darstellen. Im Zusammenspiel jedoch sind sie weit mehr als die Summe ihrer Teile. Als Diptychon dokumentieren sie nicht nur Fosters Werk, sondern legen zugleich seinen ganz eigenen Zugang zur Architektur offen: als Disziplin, die sich im Spannungsfeld von Technologie, Ökologie, Infrastruktur und Humanismus permanent neu verortet – und in der biografische Prägungen einen wesentlichen Einfluss auf die Raumgestaltung haben. Wer hier lediglich eine chronologische Abfolge ikonischer Bauten eines Pritzker-Preisträgers erwartet, wird zwar nicht enttäuscht, kratzt aber nur an der Oberfläche dessen, worum es eigentlich geht: um die systemische Durchdringung von Raum, Technologie und Gesellschaft.

Works

Credit Coverbild: © Taschen Verlag
Beginnen wir mit „Works“, jenem Band, der auf den ersten Blick klassischer erscheint: eine Chronologie realisierter Projekte – von frühen High-Tech-Ikonen bis zu den globalen Großstrukturen der Gegenwart. Doch dieser Eindruck täuscht. Was hier verhandelt wird, ist weniger eine lineare Werkschau als die Evolution eines Denkens, das sich in gebauten Manifesten widerspiegelt. Von der Millennium Bridge bis zum Apple Park spannt sich Fosters Werk wie eine architektonische Weltkarte des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts. Die vorliegende XXL-Monografie nähert sich diesem Œuvre mit der gebotenen Grandezza: Über 2000 Fotografien, Skizzen und Archivmaterialien verdichten sich im ersten Band zu einer umfassenden Bestandsaufnahme seiner zentralen Bauten.

Freitag, 10. April 2026

CROW HILL COMPANY PREHISTORIC STRINGS Test: Prähistorische Klangwelten als Zukunft orchestraler Texturen

Credit Bild: © Crow Hill Company
Es gibt zahllose Software- und Sample-Hersteller, die immer wieder dieselben klassischen Instrumente abbilden – solide, zweckmäßig und oft klanglich auf hohem Niveau. Und doch haftet vielen dieser Produkte eine gewisse Austauschbarkeit an. Kaum Innovation, dafür zunehmende konzeptionelle Stagnation. Detailverliebte Emulationen ohne Zweifel – jedoch selten mit einem wirklich kreativen Ansatz. Und dann gibt es Ausnahmen wie die Crow Hill Company. Mit Prehistoric Strings haben sie in einem gesättigten Markt zwar nicht das Rad neu erfunden – aber sie haben das Rad der Zeit radikal zurückgedreht. Und zwar nicht als bloße Klangspielerei, sondern als konzeptionellen Gegenentwurf zur etablierten Orchester-Library-Logik.

Von der BBC-Dokumentation zur Klangbibliothek

Entstanden ist die Library in Zusammenarbeit mit dem Klangkollektiv Bleeding Fingers – ein Joint Venture, an dem auch Soundtrack-Ikone Hans Zimmer beteiligt ist. Für die groß angelegte BBC-Dokumentation „Prehistoric Planet“ wurden einzigartige, maßgeschneiderte Instrumente mithilfe von Hörnern, Zähnen und uralten Knochen geschaffen. So entstehen hybride musikalische Konstrukte, die Klänge hervorbringen, die gleichermaßen unheimlich, urtümlich und in ihrer rohen Ursprünglichkeit schlichtweg faszinierend sind. Mit dem Crow Hill Plugin lassen sich diese Sounds – gewaltig wie der Schrei eines T-Rex – nun direkt in die eigene DAW holen.

Man lädt hier keine Strings im klassischen Sinne – man integriert vielmehr ein klangliches Konzept als funktionalen Bestandteil eines audiovisuellen Narrativs in das eigene Projekt. Dieses ist übrigens zu keinem Zeitpunkt auf Dokumentationen im BBC-Stil beschränkt. Bleeding Fingers stehen für grenzenlose Klangexperimente – genau wie die Crow Hill Company. Entsprechend vielseitig ist auch diese Library, die von Horror über Sci-Fi bis hin zu Prog Rock nahezu alles abdeckt, wo atmosphärische und verfremdete Streicher gefragt sind. Der Kontextbezug zur Dokumentation ist dennoch entscheidend und unterscheidet die Library fundamental von der Konkurrenz: Sie denkt nicht vom Instrument her, sondern vom potentiellen (experimentellen)  Einsatzgebiet.

Streicher neu gedacht – zwischen klassischem Instrument und Synth

Was eine String-Library leisten kann – und vor allem, wie sie klingen kann – wird hier komplett neu definiert.

FABFILTER TIMELESS 3 Test: Vintage, zeitlos und zugleich modern

FabFilter Timeless 3 Highend Delay Plugin mit flexiblem Routing, Filtern und Modulationsmatrixmodi
Credit Bild: © FabFilter
Delay gehört zu jenen Effekten, die auf den ersten Blick simpel erscheinen mögen – und auf den zweiten ein nahezu unbegrenztes Klanguniversum eröffnen. Denn in der Praxis kann ein Delay weit mehr leisten als bloß die Wiederholung eines Signals: Es erzeugt Räumlichkeit, Bewegung und Rhythmus und wird – richtig eingesetzt – selbst zum integralen Bestandteil des Sounds. Genau an dieser Schnittstelle positioniert sich FabFilter Timeless 3. Das Plugin zählt nicht nur zu den derzeit klanglich überzeugendsten Delay-Lösungen am Markt, sondern entpuppt sich – mit etwas Einarbeitung – als regelrechtes Chamäleon. Und: Eine versteckte Einstellung macht es sogar zum Geheimtipp für Fans klassischer 80s-Gitarren-Delays.

Interface & Workflow: Komplexität ohne Reibungsverlust

Wie bei FabFilter üblich, gehört das Interface zu den großen Stärken des Plugins. Das spacige Design unterstützt den hochwertigen Klangcharakter. Trotz enormer Funktionsdichte bleibt Timeless 3 bemerkenswert zugänglich – vorausgesetzt, man ist bereit, sich auf das vom klassischen Delay-Layout abweichende Konzept einzulassen. Die Lernkurve ist vorhanden – aber sie wird belohnt. Das vollständig überarbeitete GUI bietet: eine klare Visualisierung von Delay-Zeiten, Feedback und Mix, interaktive Filter-Displays und eine coole Visualisierung der Taps.

Vintage-Charakter oder digitale Präzision

Klanglich lässt sich Timeless in vollkommen unterschiedliche Richtungen steuern. Über verschiedene Sättigungs- und Charakterparameter kann das Delay bewusst analog gefärbt werden – etwa im Stil klassischer Band- oder BBD-Echos. Alternativ bleibt das Signal extrem sauber und transparent und erinnert so an Rack-Units der Eighties oder modernste Delay-Pedale. Diese Flexibilität macht das Plugin interessant für sehr unterschiedliche Produktionsstile: Ob Gitarren-Delays im Ambient- oder Post-Rock-Kontext, rhythmische Echo-Strukturen in elektronischer Musik, subtile Vocal-Delays in Popproduktionen oder experimentelles Sounddesign für Film oder Games – Timeless 3 kann alles.

Cool Hand Luke

Die Firma selbst beschreibt Timeless 3 als „analoges Tape Delay“ – so weit, so klassisch. Dies stimmt zwar natürlich, ist jedoch nur ein Teil dessen, was Timeless 3 eigentlich zu leisten vermag bzw. sein kann. Denn – kleiner Reminder – wir haben es hier mit einem regelrechten Delay-Chamäleon zu tun. Eigentlich ein Modeler für Echos – denn letztlich kann dieses Delay eine Vielzahl von berühmten Echos nachstellen. Die Emulation ist dabei so clean oder so dirty, wie man möchte. Dezidierte Vintage-Tape-Echos mag das nicht nur im Design sehr cleane Timeless 3 vielleicht nicht ersetzen, obwohl es sehr gut als Slapback oder Bread-and-Butter-Delay für Roots Rock etc. fungieren kann.

Dafür kann man – so man die nötige Geduld mitbringt – mit dem FabFilter Delays erstellen, die es bislang gar nicht als Plugin gibt (!). Richtig gelesen, es geschehen auch im übersaturierten Pluginmarkt noch Zeichen und Wunder. Wer dieses Plugin „nur“ für Vocals verwendet, für den mag dies sekundär sein. Den Gitarristen unter den Lesern sei nur Folgendes gesagt: Steve Lukathers Circular Delays.

Donnerstag, 9. April 2026

EMERSON, LAKE & PALMER: Tarkus, Tasten, (Prog-)Titanen

Buch Cover ELP
Credit Bild: © Hannibal Verlag
Eine gediegene Bildband-Retrospektive gehört bei den meisten großen Rockbands längst zum guten Ton. Entsprechend angewachsen ist die einschlägige Bibliothek der letzten Jahre – und doch existieren sie noch, jene vergleichsweise wenigen Formationen, bei denen ein derartiges Kompendium bislang eine auffällige Leerstelle markierte. Emerson, Lake & Palmer – die erste echte Prog-Supergroup, die ab 1970 die Grenzen des musikalisch Vorstellbaren nicht nur auslotete, sondern nachhaltig verschob – zählten lange Zeit dazu. Mit dem hier rezensierten, im Hannibal Verlag erschienenen Band liegt nun eine opulent aufbereitete Gesamtschau vor, die sich diesem Ausnahme-Trio in angemessener Tiefe widmet: eine Oral History, angereichert mit seltenem, visuell eindrucksvollem Archivmaterial.

Inside-Perspektive: Die Geschichte von Emerson, Lake & Palmer

Nach dem Tod von Keith Emerson und Greg Lake lag die kuratorische Verantwortung bei Carl Palmer. Die hier versammelten Stimmen – aus unterschiedlichen Phasen der Bandgeschichte – fügen sich zu einem vielschichtigen Porträt, das kreative Höhenflüge ebenso beleuchtet wie die internen Spannungen innerhalb der Gruppe. Fotografien, Faksimiles und Zeitdokumente verschränken sich mit ausführlichen Interviewpassagen zu einem dichten Mosaik, das die Karriere von Emerson, Lake & Palmer nicht nur chronologisch nachzeichnet, sondern zugleich eine echte Inside-Perspektive eröffnet. Der Band zeigt, wie zentrale Werke wie „Tarkus“ oder „Pictures at an Exhibition“ entstanden und wie die Band ihre komplexen, genreübergreifenden Kompositionen entwickelte. Ein Fest für Prog-Fans.

Der Sound einer Ära: Progressive Rock zwischen Klassik und kreativem Exzess

Wer sich mit Emerson, Lake & Palmer beschäftigt, betritt zwangsläufig ein Spannungsfeld: zwischen E- und U-Musik, zwischen kompositorischem Anspruch und exzessiver Bühnenperformance. Keith Emersons Einsatz des Moog-Synthesizers war dabei nie bloß technischer Natur, sondern Ausdruck eines künstlerischen Selbstverständnisses – verortet zwischen Virtuose, Grenzgänger und Performer. In seiner physischen Spielweise erinnerten seine Auftritte mitunter ebenso an Jerry Lee Lewis wie an Jimi Hendrix – mit dem Unterschied, dass sich seine Klang-Eskapaden vor allem an Synthesizern und der Hammond-Orgel entluden. Carl Palmers Schlagzeugspiel oszillierte zwischen nahezu mathematischer Präzision und eruptiver Energie, während Greg Lake als stimmlicher wie kompositorischer Gegenpol fungierte. Es war ein fragiles Gleichgewicht das einerseits virtuose Höhenflüge bedingte, andererseits jedoch auch die Volatilität dieses Zusammenschlusses dreier Ausnahmekünstler befeuerte.

Dienstag, 24. März 2026

FABFILTER Pro-C 3 Test: Präzision, Punch und Kontrolle

FabFilter Pro-Q 4 Equalizer Plugin Interface mit spektraler Analyse und parametrischen EQ-Bändern
Credit Bild: © FabFilter
Kompression ist ein unverzichtbarer Bestandteil jedes Mixes. Egal ob glossy Pop-Produktion, drückender Heavy Rock, filigranes Orchester-Arrangement oder knallender EDM: Dynamikkontrolle gehört zu den fundamentalen Werkzeugen klassischer wie moderner Musikproduktion. Der Grund ist relativ simpel: Roh aufgenommene Signale besitzen oft eine enorme Dynamik. Einzelne Peaks springen aus dem Mix regelrecht heraus, während andere Passagen viel zu leise sind. Ohne gezielte Kontrolle entsteht schnell ein vollkommen unausgewogenes Klangbild. Genau hier kommen Kompressoren ins Spiel. Sie sorgen dafür, dass Signale kontrollierter, dichter und oft auch druckvoller wirken. Gleichzeitig können sie einem Instrument mehr Präsenz verleihen oder es besser in den Gesamtmix integrieren.

Mit dem Pro-C 3 liefert die niederländischen Soundtüftler von FabFilter, nicht nur einen modernen Software-Kompressor, der ungemein vielseitig ist, sondern auch ein Referenzprodukt in Sachen digitaler Kompression (die btw äußerst analog klingt).

Ein Kompressor für praktisch jede Anwendung

Das Interface ist – typisch FabFilter – klar strukturiert, modern und „very graphic“, sprich visuell wird hier alles versucht um den komplexen Vorgang der Kompression abzubilden (siehe Bild oben). Hinter der eleganten Oberfläche verbirgt sich ein extrem flexibles Dynamikwerkzeug mit einer ganzen Reihe verschiedener typischer Kompressionsstile, die jeweils über deutlich unterschiedliche klangliche Charakteristiken verfügen. Dazu gehören unter anderem:

Freitag, 20. März 2026

FABFILTER PRO-Q 4 Test: Der vielleicht kompletteste Equalizer im modernen Mixing-Workflow

FabFilter Pro-Q 4 Equalizer Plugin Interface mit spektraler Analyse und parametrischen EQ-Bändern
Credit Bild: © FabFilter
Jeder Musiker, der selbst auch im (Home-)Studio aufnimmt, kann davon ein Lied singen: Stunden-, manchmal tagelang sitzt man am Recording, feilt an jeder klanglichen Nuance, positioniert Instrumente im Stereofeld, achtet auf Dynamik, Raum und Timing. Zunächst scheint alles zu stimmen. Doch dann, beim anschließenden Mixing: Audio-Matsch.Das sorgfältig gemalte Klangbild verschwimmt plötzlich zu einem diffusen Brei. Details gehen verloren, Solospuren verschwinden unter Rhythmusgitarren-Wänden, Kick und Bass kämpfen um denselben Raum. Das Arrangement wirkt plötzlich undifferenziert, obwohl jede einzelne Spur für sich genommen gut klingt.

Nicht umsonst hat Recording sowie Mixing und Mastering viel mit Malerei zu tun. Frequenzen funktionieren wie Farben auf einer Leinwand: Komplementäre Bereiche müssen bewusst gesetzt werden, damit ein Mix Tiefe, Transparenz und Durchsetzungskraft bekommt. Genau hier kommen Equalizer als essenzielles Tool ins Spiel.

Einer der komplettesten Retter in der Not ist fraglos der professionelle Equalizer Pro-Q 4 aus der niederländischen Softwareschmiede FabFilter, der in Sachen Funktionsumfang in wirklich jedem Metier reüssieren kann

Ein Equalizer wie ein chirurgisches Werkzeug

Der Pro-Q gehört zu jener seltenen Kategorie von Plugins, die zugleich extrem mächtig und erstaunlich elegant umgesetzt sind. Im Kern handelt es sich um einen voll ausgestatteten parametrischen Equalizer mit bis zu 24 Bändern – doch diese nüchterne Zahl beschreibt nur einen kleinen Teil dessen, was dieses Tool tatsächlich leisten kann.Man könnte ihn am ehesten als chirurgisches Instrument im Mix beschreiben. Ein EQ-Plugin wie ein Skalpell: Frequenzen lassen sich präzise beschneiden, betonen oder formen – von subtiler Korrektur bis hin zu radikaler Klanggestaltung.

Dabei bleibt der Pro-Q nie bei der klassischen EQ-Logik stehen. Das Plugin erweitert das Konzept des parametrischen Equalizers um eine ganze Reihe moderner Funktionen, die man früher nur aus komplexen Studio-Setups kannte.

Dynamischer EQ, Spektralbearbeitung und intelligente Analyse

Zu den zentralen Features gehört zunächst der Dynamic-EQ-Modus. Hier reagieren einzelne EQ-Bänder dynamisch auf das eingehende Signal – inklusive einstellbarer Attack- und Release-Zeit. Problematische Frequenzen werden also nur dann abgesenkt, wenn sie tatsächlich auftreten. Das Ergebnis: mehr Transparenz, ohne dem Signal dauerhaft Energie zu entziehen.

Noch einen Schritt weiter geht der Spectral-Dynamic-Modus, der speziell für harsche oder instabile Frequenzbereiche gedacht ist. Statt statischer Filter arbeitet dieser Modus spektral und kann störende Resonanzen deutlich natürlicher kontrollieren.

Hinzu kommt eine ganze Reihe intelligenter Analyse-Tools. Besonders praktisch ist die Spectrum-Grab-Funktion: Das Plugin zeigt automatisch die wichtigsten Peaks im Frequenzspektrum an, die man anschließend direkt greifen und bearbeiten kann. EQ-Korrekturen werden so visuell-intuitiv – ein Workflow, der gerade beim schnellen Mixen enorm hilft.

KIT PLUGINS: NOIZ 80s LUSH Test: Zurück in die Achtziger

Plugin-Oberfläche des Kit Plugins NOIZ 80s Lush mit lilafarbenem Preamp-Design, Reglern für Bass, Treble, Chorus, Delay und Ambience zur Erzeugung klassischer 80er-Jahre Clean-Gitarren- und Synth-Sounds.
Credit Bild: © Kit PLugins
Die Eighties sind zurück – und eigentlich waren sie nie wirklich weg. Von den Charts bis zur Subkultur, von globalen Popstars wie Sabrina Carpenter bis zu den im Mainstream unbekannten Protagonisten des Synthwave. Vom Comeback jener Sounds, die Session-Größen wie Michael Landau, Dann Huff oder Steve Lukather prägten, bis zu „Stranger Things“-Synth-Reminiszenzen: Der Klang der Achtziger befindet sich in einer geradezu immerwährenden Renaissance.

Das neue Gitarren- und Synth-Plugin (ja, richtig gelesen – dazu später mehr) Noiz 80s Lush aus dem Hause Kit Plugins bedient genau diese Sehnsucht nach jener Ära. Anders als die meisten Plugins, die historische Eighties-Gear emulieren, richtet sich dieses dezidiert nur an Clean-Sounds. Keine Distortion, kein Overdrive, nada – clean, cleaner, Lush ist die Devise. Hier geht es ausschließlich um den kristallklaren Sound, der Platin-Album-Sessions dominierte und sich an elaborierten, kühlschrankgroßen Rack-Setups der Profis orientiert.

Die Rack-Ära

Bei einem lilafarbenen Plugin im Preamp-Look denkt man zunächst an Mike Soldanos X88R-Einheit. Trotz dieser kosmetischen Ähnlichkeit orientiert sich das NOIZ-Plugin jedoch an zwei anderen „Eighties-Staples“: dem Roland Jazz Chorus sowie dem Rockman Rack II. Erstere wurde von Andy Summers oder James Hetfield eingesetzt, letzteres ist ein klassischer Vertreter der „Plastik-Cleans“ à la Def LeppardIm Plugin kann man zwischen diesen Sounds stufenlos blenden oder sie nach Belieben mischen. Mehr DI oder mehr Amp-Body? Kein Problem. Alternativ lässt sich das DI-Signal des 80s-Lush-Plugins parallel in eine Amp-Simulation routen.