Ein entscheidendes
Wesensmerkmal des Kinos im Allgemeinen und visionärer Filmkunst im Speziellen
war immer, dass die Grenzen des Mediums permanent verschoben wurden. Einer der
größten Pioniere dieser Entwicklung war zweifellos Fritz Lang, dessen Todestag
sich 2026 zum 50. Mal jährt. Mit Meisterwerken wie „Dr. Mabuse, der Spieler“,
„M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ und „Metropolis“ prägte der
österreichisch-deutsche Regisseur nicht nur die visuelle Grammatik des
Films, sondern erschuf ganze visuelle Welten, deren ästhetischer Einfluss
bis heute nachwirkt.
Credit Bild:© Orchestral Tools
Der Film Metropolis war dabei
weit mehr als ein spektakuläres Science-Fiction-Monument der Stummfilm-Ära.
Langs Dystopie einer gigantischen Zukunftsstadt, in der monumentale
Maschinenarchitektur, soziale Klüfte und menschliche Abgründe
aufeinanderprallen, verlangte nach einer ebenso exzessiven wie neuartigen
musikalischen Sprache. Der Komponist Gottfried Huppertz schuf damals ein
gewaltiges, spürbar von Richard Strauss und Richard Wagner inspiriertes
spätromantisches Orchesterwerk voll von Leitmotiven und überwältigender
Orchestrierung – im Zusammenspiel mit den Science-Fiction-Bildern war das ein
retro-futuristisches Spektakel: Das Orchester transportierte den Maschinen-Klang
der Großstadtmechanik, Bedrohung und menschliche Zerbrechlichkeit
gleichermaßen. Es war ein Sound, der das Publikum schlichtweg übermannen sollte
– klassisch verwurzelt, in seiner Wirkung absolut "larger than life".
Genau dieses
Klangideal – die Synthese aus klassischem Erbe, monumentaler Architektur,
emotionaler Tiefe und futuristischer Vision bei maximalem „sonic impact“ –
steht auch im Zentrum der Metropolis Ark Collection von Orchestral Tools.
Die Berliner Sample-Edelschmiede, selbst tief in der Tradition europäischer
Klangkultur verankert, hat mit der Ark-Serie moderne Libraries konzipiert,
die klanglich äußerst unique sind. Es geht hier nicht um das x-te brave und
letztlich uninteressante Konservatoriums-Ensemble, sondern um ein radikales,
dramaturgisch durchdachtes Werkzeugkasten-System für klassisches wie
zeitgenössisches Scoring.
Monumentale
Klangwelten
Im Intro war von der
klanglichen Überwältigung in der Weimarer Zeit die Rede, doch natürlich ist
auch die Evolution der modernen Filmmusik untrennbar mit dem stetig wachsenden
Bedürfnis nach maximaler akustischer Intensität verbunden. Das zeitgenössische
Cinema – und nicht zuletzt das Segment der Trailer-Musik – verlangt nach dem
Hans Zimmer-Faktor, nach akustischer Wucht. Es ist eine Welt, in der die
Dynamik nicht selten erst im dreifachen Forte () beginnt.
Genau an diesem
Extrempunkt setzt Orchestral Tools an. Das Konzept hinter der Ark-Serie ist
faszinierend analog zu Fritz Langs Filmepos: Es ist einerseits retro, klassisch
und tief vintage-geprägt, andererseits kompromisslos futuristisch für
hochmodernes Scoring designed. Das Sampling wurde mit sprichwörtlicher
deutscher Gründlichkeit in den legendären Berliner Teldex Studios durchgeführt
– jenem akustischen Raum, der für seine transparente Tiefe und seinen
legendären Raumklang weltweit geschätzt wird. Das Ergebnis: Die Libraries klingen unglaublich
dreidimensional, organisch und lebendig – das ist Sampling auf höchstem Niveau. Einen dementsprechen leistungsstarken Rechner sollte man also sein Eigen nennen wenn man mit diesem "Fritz Lang-Orchester" experimentieren möchte.
Anzumerken ist auch,
dass hier bei weitem nicht nur brachial gewerkt werden kann: Alle 6 Collections
der Metropolis Ark-Serie verfügen über einen enormen Dynamikumfang. Der
Composer kann beim Spielen dieser Libraries somit mühelos zwischen subtilsten
Texturen und extremen Klangexplosionen changieren. Der Kerngedanke ist es
ARK 1 – Wucht und
Wahnsinn
Unter dem Diktum „The
new fortissimo“ schlägt ARK 1 das erste Kapitel dieser Monumentalserie auf. Wer
nach dem ultimativen Trailer-Sound und maximaler Durchsetzungskraft sucht, wird
mit dieser Allround-Library unweigerlich fündig. Metropolis Ark 1 widmet sich
konsequent der lauten, imposanten Seite des Spektrums – von mezzo-forte bis hin
zu einem erderschütternden . Das Instrumentarium ist umfangreich, inklusive einer Überraschung, die
man so sonst garantiert nirgends im Orchestergraben findet. Orchestral Tools
nennt die einzelnen Kategorien hier Districts:
District I umfasst Gewaltige Sections aus Streichern,
Holzbläsern und Brass-Instrumenten
District II ist die Choir-Abteilung mit wuchtigen Männer-
und ätherischen Frauenchören für epische Sakral- und Dramatik-Momente.
District III liefert brachiale Drums und massive
Percussion-Ensembles.
District IV ist schließlich eine Metal-Band – ganz
richtig gelesen: E-Gitarren, E-Bass und ein schweres Drumset für den direkten
Crossover-Sound.
Die Streicher von ARK
1 bilden das emotionale, extrem durchsetzungsfähige Fundament. Sie liefern
genau jene filmische Breitwand-Dramaturgie, die sowohl in der stummen Frühzeit
des Mediums Film usus war als auch in modernen Produktionen verlangt wird. Das
brillante Konzept liegt jedoch nicht in reiner Lautstärke, sondern in der
organischen Durchsetzungskraft und dem Vibe, der bei den Aufnahmen eingefangen
wurde. Gerade im Hybrid-Scoring, wo das Orchester gegen tiefgestimmte
Heavy-Gitarren oder massive analoge Synth-Wände ankämpfen muss, setzt sich ARK
1 mühelos durch. Ark 1 (wie auch die anderen Arks) kann so klassisch oder so
progressiv klingen, wie das der User möchte - Letztlich kann man in einem
Hybrid-Ansatz sogar etwas vollkommen Originäres erreichen – hier gibt es wieder
einen Parallel zu Metropolis, und zwar zu Giorgio Moroders Mittachtziger
Neudeutung des Scores für den Lang´schen Filmklassiker.
ARK 2 – Rolling in
the Deep
Während der erste Teil
den orchestralen Vorschlaghammer schwingt, taucht Metropolis Ark 2 in die
tiefsten und dunkelsten Register ab. Es ist das Yin zum Yang des Vorgängers:
Hier regiert das Subtile, das Düstere, das bedrohliche Flüstern in den unteren
Frequenzbereichen.. Alle Instrumente und Stimmen konzentrieren sich auf die
leisen, intensiven und unheimlichen Schattierungen der unteren Dynamikbereiche
(bis 
Credit Bild:© Orchestral Tools ). immens. Auch dieses Kapitel unterteilt sich in vier charakterstarke
Distrikte:
District I
(Orchestra): Tiefe Holz- und
Blechbläser (inklusive Kontrabass-Klarinetten) sowie ein sehrtiefes
Streicher-Ensemble.
District II
(Choir): Kinderchor,
Frauenchor, engelsgleiche Soprane und abgründige Basso Profondo-Chöre.
District III (Epic
Low Percussion):
Erdbebenartige, tieffrequente Schlagwerke und subsonic Booms.
District IV (Keys): Intimes Klavier, Harmonium und eine
historische Positif-Orgel.
Neben ungewöhnlichen
Besetzungen und Kombinationen (Percussion Synths!) erweist sich ARK 2 als praktischer
Texturgeber für düstere Thriller, Dystopien und archaische Spannungsmomente
inkl. Wagner Tuba für die Vertonung des besonders Epischen.
ARK 3 – Die
Architektur der Bewegung
Von Taiko bis Timpani:
Ist es eine Percussion-Library? Oder ist es ein Orchester? In Wahrheit ist es
beides: Metropolis Ark 3 fusioniert mächtiges Schlagwerk mit Streichern, Holz-
und Blechbläsern zu einem ziemlich einzigartigen, perkussiven Orchesterapparat.
Credit Bild:© Orchestral Tools
Der Klang entspricht
dem Dröhnen der Maschinenstadt: Langs Vision lebte von industrieller Präzision,
Zahnrädern und unerbittlicher Bewegung. ARK 3 greift diese Idee auf und
behandelt das gesamte Orchester als gigantische Rhythmusgruppe. Gigantische
Taiko-Ensembles – laut Orchestral Tools die lauteste Recording-Session, die je
im Teldex Studio durchgeführt wurde – treffen auf perkussive String-Hits,
Staccati und Brachial-Cluster.
In ihrer
kompromisslosen Dynamik und physischen Präsenz erinnert die Energie mitunter an
die rohe Performance-Wucht der Blue Man Group. Ob für treibende Chase-Sequenzen
oder komplexe Action-Cues: ARK 3 liefert eine Rhythmus-Maschine mit enormem
Attack, die organische Schlagkraft perfekt mit elektronischem Sounddesign
verbindet.
ARK 4 – Radikale
Kontraste
Hier geht es vor allem
um die Nuancen von sog „blended ensembles“ die in ihren klanglichen Kontrasten interessante
Synergie-Effekte schaffen.
Credit Bild:© Orchestral Tools
10 Ensembles aus Holz-
und Blechbläsern, Männer- und Frauenchöre und ein Streichorchester sind keine reinen
Repetitionen der früheren Arks sondern liefern wiederum neue Nuancen. Bei den
Blasinstrumenten reicht die Dynamikspannweite reicht von hauchzartem bis zu überblasener Brutalität
auf
mit extremen Artikulationen wie
Overblown- und Overpressure-Effekten. Das passt nicht nur perfekt zu „Babylon
Berlin“-artigen Produktionen sondern ergänzt die bisherigen Ark-Volumes um subtile
und gleichzeitig extrem interessante Klangfarben. Die Sounds die mit dieser
Library möglich sind fügen sich nahtlos in die breiten Klangflächen der anderen
Arks ein und schenken dem Arrangement jenes präzise „Top-End“, das im Mix für
sofortige Wiedererkennung sorgt – oder eine Lead-Melodie zum Schweben bringt.
















