Donnerstag, 10. September 2026

NOUVELLE VAGUE: Richard Linklaters Hommage an eine filmische Revolution

Credit Coverbild: © Plaion Pictures

„Alles was man für einen guten Film braucht ist ein Mädchen und eine Knarre“ – Jean-Luc Godard

Es gibt Filme, bei denen bereits die Entstehungsgeschichte selbst zum Mythos geworden ist. Und dann gibt es Filme, deren Entstehungsgeschichte so eng mit der Geschichte des Kinos verwoben ist, dass eine Rekonstruktion derselben zwangsläufig auch zu einer Reflexion über das Medium Film wird. Jean-Luc Godards „Außer Atem“ (Originaltitel „À Bout de Souffle“, 1960) gehört gleich in beide dieser Kategorien.  Es ist ein Film, einen ganzen Stil (mit-)begründete und als intertextuell stark verwobenes Werk Elemente großer Film aufgriff - ein Meta-Werk über das Kino. Zudem beeinflusst er ganze Generationen von Filmemachern und überzeugte sie davon, dass man die Regeln des etablierten Kinos nicht zwangsläufig befolgen muss.

Richard Linklater, selbst ein Regisseur dessen Karriere maßgeblich von Unabhängigkeit und der Ablehnung von Konventionen geprägt ist, widmet sich mit dem leidenschaftlichen Film „Nouvelle Vague“ genau diesem Moment der Kinogeschichte in einer dokumentarisch anmutenden Hommage. Nun ist dieses ausschließlich für Hradcore-Cineasten geeignete Werk auf Blu-ray erschienen – zum Immer-Widersehen und anschließendem ausgiebigem Diskutieren, am besten wie einst Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg im Bett…

Obwohl der kettenrauchende Visionär Godard fraglos im Zentrum dieses Streifens steht ist „Nouvelle Vague“ keineswegs einfach ein klassisches Biopic über den Regisseur geworden. Linklater fokussiert vielmehr auf die interessante Genesis des Kultfilms „Außer Atem“ und die Hand in Hand damit einhergehend  Entstehung der titelgebenden „neuen Welle“, die auch die Geburtsstunde eines neuen filmischen Denkens war.

Was ist eigentlich die Nouvelle Vague?

Der Begriff „Nouvelle Vague“ bezeichnet streng genommen nicht einfach ein bestimmtes Genre, einen einheitlichen visuellen Stil. Vielmehr handelt es sich um eine miteinander verbundene Gruppe junger französischer Filmemacher, die Ende der 50er Jahre begann, die bis dahin geltenden Konventionen des französischen Kinos radikal in Frage zu stellen.

Die Nouvelle Vague bezeichnet die französische Filmbewegung der späten 1950er- und frühen 1960er-Jahre, die sich bewusst von den etablierten Produktions- und Erzählkonventionen des französischen Kinos absetzte und mit Regisseuren wie François Truffaut, Jean-Luc Godard, Éric Rohmer oder Claude Chabrol eine neue, persönlichere und formal freiere Filmsprache entwickelte. Ihr Einfluss reicht weit über das französische Kino hinaus: Handkamera, natürliche Schauplätze, improvisiert wirkende Dialoge, Sprünge in der Montage und ein bewusster Bruch mit klassischen Erzählmustern wurden zu stilprägenden Mitteln eines modernen Kinos, das den Film nicht länger nur als perfekt konstruiertes Produkt, sondern als unmittelbaren Ausdruck einer persönlichen Haltung verstand.

Die maßgeblichen Regisseure waren allesamt Autoren, die zunächst als Filmkritiker für die legendären „Cahiers du Cinéma“ schrieben, bevor sie selbst hinter die Kamera wechselten. Ihr gemeinsamer Ausgangspunkt war also nicht die klassische Filmhochschule, sondern die leidenschaftliche Auseinandersetzung mit bereits existierendem Kino.

Die jungen Cineasten der „Cahiers“ entwickelten in ihren Texten eine radikal neue Vorstellung davon, wie Filme betrachtet und bewertet werden sollten. Anstatt primär das Drehbuch, die literarische Vorlage oder die technische Perfektion einer Produktion zu beurteilen, rückte zunehmend die Handschrift des Regisseurs in den Mittelpunkt.

Besonders wichtig war dabei die Wiederentdeckung amerikanischer Regisseure, die vom damaligen französischen Kulturbetrieb teilweise als kommerzielle Unterhaltungsfilmer abgetan wurden. Alfred Hitchcock, Howard Hawks, Nicholas Ray, Robert Aldrich oder Samuel Fuller wurden von den jungen französischen Kritikern nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer persönlichen Handschrift zu Auteurs erhoben. Das Kino wurde damit endgültig vom anonymen Produktionsprodukt zum Ausdruck einer individuellen künstlerischen Persönlichkeit.

Dass ausgerechnet amerikanische Genre-Regisseure zu den geistigen Paten einer französischen Kunstfilmbewegung wurden, ist dabei mehr als nur eine filmhistorische Fußnote. Die Nouvelle Vague war auch eine Rebellion gegen die sterile Perfektion des etablierten französischen Kinos. Die jungen Regisseure empfanden dieses Kino zunehmend als künstlich, akademisch und vom wirklichen Leben entkoppelt. Sie wollten raus aus dem Studio und hinein auf die Straße. Gedreht wurde in Paris, mit kleinen Crews, leichtem Equipment und teilweise improvisierten Dialogen. Die technische Improvisation wurde dabei nicht als notwendiges Übel verstanden, sondern konnte selbst zum ästhetischen Prinzip werden.

„Außer Atem“ (ein Film, der im Kern ganz nach dem Prinzip des Intro-Zitat funktioniert) ist dafür das vielleicht berühmteste Beispiel. Godard filmte die Amour Fou zwischen Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg auf den Straßen von Paris, arbeitete mit einer vergleichsweise kleinen Crew und ließ die Kamera teilweise wie ein unsichtbarer Beobachter durch die Stadt gleiten. Die berühmten Jump Cuts zerhackten die klassische Kontinuität des Filmschnitts und verliehen dem Film einen nervösen, modernen Rhythmus. Was aus heutiger Sicht längst zur filmischen Grammatik gehört, wirkte 1960 wie ein Affront gegen die etablierten Regeln des Filmemachens.

Die Nouvelle Vague war damit nicht nur eine französische Filmbewegung, sondern ein entscheidender Schritt auf dem Weg zum modernen Autorenkino. Ihr Einfluss reicht von New Hollywood über das europäische Arthouse-Kino bis zum Independent Cinema der Gegenwart. Regisseure wie Martin Scorsese, Brian De Palma, Francis Ford Coppola oder später Quentin Tarantino wurden von jener Vorstellung geprägt, dass ein Film die unverwechselbare Handschrift seines Regisseurs tragen kann.

Und damit schließt sich auch der Kreis zu Richard Linklater. Denn wenn dieser in „Nouvelle Vague“ heute auf Godard und seine Generation zurückblickt, blickt hier ein Auteur auf andere Auteurs zurück. Ein Filmemacher, dessen eigene Karriere ebenfalls von unabhängiger Produktion, langen Dialogen, improvisatorischen Elementen und einer gewissen Skepsis gegenüber den Konventionen des Mainstream-Kinos geprägt ist, erzählt von einer Generation, die das gleiche Grundprinzip bereits einige Jahrzehnte zuvor realisiert hatte.

Für Cineasten

Um Linklaters Film wirklich vollständig genießen zu können, ist filmhistorisches Vorwissen unbedingt notwendig. Der Film ist voll von Referenzen und cineastischen Easter Eggs. Wer die entsprechenden Filme kennt, wird immer wieder mit kleinen Deja-Vu-Momenten belohnt. Wer sie nicht kennt, bekommt zumindest einen Eindruck davon, wie radikal cineastisch diese Generation sozialisiert war.

Der Film selbst funktioniert dadurch beinahe wie eine audiovisuelle Fußnote zur Geschichte der Filmkritik. Die vielleicht schönste Idee des Films besteht darin, dass Linklater Godards Film nicht einfach nacherzählt, sondern versucht, dessen Entstehungsprozess formal spürbar zu machen. „Nouvelle Vague“ ist schwarzweiß gedreht, im klassischen 1,37:1-Format und mit einer bewusst analogen Anmutung. Selbst die kleinen Cue Marks am oberen rechten Bildrand, die einst den Rollenwechsel im Kino signalisierten, fehlen nicht.Das ist natürlich Fanservice. Aber es ist verdammt guter Fanservice für Eingeweihte.

Der Cast ist ausgezeichnet, allen voran die hinreißende Zoey Deutch als Seberg. Guillaume Mrabeck als Godard schafft es den Godard nahbarer wirken zu lassen. Nur Aubry Dullin hat die schwierige (sprich: undankbare) Aufgabe den französichen Nationalhelden und Über-Charismatiker Belmodno zu spielen – er macht seien Sache solide kommt aber nie an die ikonische Qualität die „Bébel“ 1960 ausstrahlte heran.

DARIO ARGENTO – THE STENDHAL SYNDROME Mediabook: Wenn Kunst zum Albtraum wird

Credit Coverbild: © Plaion Pictures
Das Stendhal-Syndrom bezeichnet ein psychophysisches Phänomen, bei dem die unmittelbare Konfrontation mit außergewöhnlich intensiven Kunstwerken oder einer als überwältigend empfundenen ästhetischen Umgebung zu einer regelrechten Überforderung der Wahrnehmung führen kann. Der Begriff geht auf den französischen Schriftsteller Henri Beyle, besser bekannt unter seinem Pseudonym Stendhal, zurück, der 1817 während seines Aufenthalts in Florenz beim Anblick der Kunstschätze der Stadt von Herzklopfen, Schwindel, Erschöpfung und emotionaler Erregung berichtete. Was zunächst wie eine besonders dramatische Form der Kunstbegeisterung klingt, lässt sich damit als eine Art ästhetischer Kurzschluss verstehen: Das Gehirn registriert nicht mehr lediglich ein Kunstwerk, sondern wird von dessen Wirkung geradezu körperlich erfasst. Die Grenze zwischen Betrachten und Erleben beginnt sich aufzulösen; man sieht nicht mehr nur ein Bild, sondern befindet sich gewissermaßen innerhalb des Kunstwerks – und ist damit seiner Wirkung ausgeliefert.

Und genau diese Vorstellung ist für Horror-Mesiter Dario Argento natürlich geradezu prädestiniert. Denn wo andere Regisseure Kunst als dekorativen Hintergrund benutzen, interessiert Argento seit jeher der Moment, in dem das Schöne ins Bedrohliche kippt, in dem Farbe nicht mehr lediglich Farbe, sondern psychologischer Reiz wird, in dem ein Bild seine scheinbare Zweidimensionalität verliert und zu einer Falle für den Blick wird. Schon Alfred Hitchcock – eine der großen Inspirationen Argentos -  hatte sich immer wieder mit der Frage beschäftigt, wie sehr Wahrnehmung manipuliert werden kann; Argento treibt diese Idee jedoch noch weiter und macht den Blick selbst zum eigentlichen Schauplatz des Horrors.

In „The Stendhal Syndrome“ von 1996 verfolgt der Meister des italienischen Genrekinos genau diesen Gedanken – und verwandelt ausgerechnet die Kunstbetrachtung in einen psychologischen Ausnahmezustand. Nun ist der Film in einer ebenso schönen Sammleredition bei Plaion Pictures erschienen, die dem Werk jene aufwendige Präsentation zukommen lässt, die man sich bei einem Argento-Film wünscht.

Der Plot

Die junge italienische Polizistin Anna Manni reist nach Florenz, um eine Reihe brutaler Sexualmorde zu untersuchen. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Marco betritt sie eine Kunstgalerie, in der sich einige der bedeutendsten Werke der Renaissance befinden – und bereits hier beginnt sich ihre Wahrnehmung auf unheilvolle Weise zu verändern. Während Anna die Gemälde betrachtet, verliert sie zunehmend die Kontrolle über ihre Sinne. Die Bilder sind plötzlich nicht mehr bloße Bilder. Sie entwickeln eine geradezu physische Sogwirkung.

Plötzlich wird aus dem Museumsbesuch ein Albtraum. Anna erleidet einen Anfall des sogenannten Stendhal-Syndroms, verliert das Bewusstsein und erlebt Halluzinationen, in denen sie regelrecht in die dargestellten Bilder hineinzustürzen scheint. Was normalerweise als Inbegriff kultureller Bildung gilt – die Betrachtung großer Kunst – verwandelt sich bei Argento in eine existenzielle Bedrohung. Der Museumsraum wird vom Ort der Kontemplation zum psychologischen Minenfeld. Doch damit beginnt erst die eigentliche Hölle. Anna wird in der Folge mit einem Serienmörder konfrontiert, der sie nicht nur körperlich bedroht, sondern ihre Wahrnehmung selbst zu manipulieren scheint. Realität, Erinnerung, Halluzination und Einbildung beginnen immer stärker miteinander zu verschwimmen. Was hat Anna tatsächlich erlebt? Was hat sie lediglich gesehen? Und was davon ist überhaupt noch zuverlässig?

Im Bann des Unheimlichen

Der Beginn von The Stendhal Syndrome, gedreht in den Uffizien, Argento hatte hier eine „Special Permission“, gehört zu jenen Momenten, in denen selbst Neulinge verstehen werden, weshalb dieser Regisseur einer der ganz großen Meister des Kinos ist. Die Uffizien erscheinen nicht nur als Museumsräume, sondern als eine Art übernatürlicher Resonanzraum, in dem Gemälde, Architektur und menschlicher Körper miteinander verschmelzen. Angetrieben vom Score Ennio Morrciones gleitet die Kamera durch die Räume und wie in der verzerrten (?) Wahrnehmung von Anna – gespielt von Argentos Tochter Asia – verschmelzen Bilder und Realität. Ein Fiebertraum von einer Intro-Sequenz. Der Zuschauer weiß irgendwann selbst nicht mehr genau, ob er gerade eine Halluzination, eine Erinnerung oder eine reale Situation sieht. Das ist keine technische Spielerei, sondern die eigentliche Dramaturgie des Films. Es ist beinahe so, als würde Argento den Zuschauer dazu zwingen, selbst am Stendhal-Syndrom zu erkranken.

ROLLING STONES – FOREIGN TONGUES

Credit Coverbild: © Universal Music
Ein neues Album der Rolling Stones – das ist immer etwas Besonderes. Selbst dann, wenn die letzte wirklich große Stones-Platte bereits einige Jahrzehnte zurückliegt. „They keep on rolling“ – oder, um das alte Sprichwort zu bemühen: A rolling stone gathers no moss. Und tatsächlich wirkt „Foreign Tongues“ weniger wie ein bloßes Alterswerk als wie eine weitere Etappe einer erstaunlichen Karriere, die sich inzwischen über mehr als sechs Jahrzehnte erstreckt. Das 14 Songs umfassende Album folgt auf Hackney Diamonds von 2023. Erneut saß Andrew Watt an den Reglern, erneut geht es um eine Celebration jener ganz speziellen Stones-Songwriting-DNA, die sich über all die Jahrzehnte erstaunlich resistent gegenüber musikalischen Moden erwiesen hat.

Schon mehrfach hatte es in der jüngeren Vergangenheit so ausgesehen, als könnten die Rolling Stones tatsächlich aufhören. Blue & Lonesome, die vermutlich beste Stones-Platte seit den Siebzigern, war ein regelrechter Full-Circle-Moment: eine Band kehrt zu jenem Blues zurück, durch den sie selbst musikalisch sozialisiert wurde. Dann starb der unersetzliche Charlie Watts. „Hackney Diamonds“ war anschließend eine Überraschung und ein erstaunlich erfolgreiches spätes Comeback-Statement – Grammy inklusive. Und nun also „Foreign Tongues“.

Der Titel klingt zunächst beinahe nach einem Stilwechsel. Doch die Veteranen sprechen hier keineswegs plötzlich in fremden Zungen. Dass mit „You Know I’m No Good“ ein Song der vergleichsweise jungen Amy Winehouse gecovert wird, ist neben einem kurzen Gastauftritt von Goth-Meister Robert Smith vermutlich das Ungewöhnlichste an einem Album, das ansonsten erstaunlich konsequent auf vertrautem Terrain bleibt. Und gerade darin liegt eventuell seine Stärke. Die Stones versuchen nicht, nach 2026 zu klingen. Sie klingen wie die Rolling Stones im Jahr 2026. Das ist ein kleiner, aber entscheidender Unterschied.

Zwar ist Foreign Tongues keine museale Rekonstruktion der eigenen Vergangenheit, dennoch funktioniert diese Platte wie eine selbstreferenzielle Pastiche, in der sich die verschiedenen Phasen des Stones-Oeuvres gegenseitig zitieren. Für die meisten Fans ist das wohl genug. Analog zum Cover mit den vermischten Gesichtern der drei verbliebenen Stones ist auch die Musik ein musikalisches Composite Image: Bekanntes wird neu kombiniert, vertraute Stilmittel werden in andere Konstellationen gebracht, und immer wieder blitzen Momente auf, die unmittelbar an die große Ära der Band erinnern.

Schon der Opener „Rough And Twisted“ macht klar, wohin die Reise geht. Ein dreckiger Blues-Rocker, ein Shuffle, wie ihn eigentlich nur die Stones spielen können. Kein Hochglanz-Rock, keine sterile Studioarchitektur, sondern Riff, Groove, Mundharmonika. Stellenweise ist Foreign Tongues deutlich rauer und roher als Hackney Diamonds, obwohl Andrew Watt wieder für eine sehr glatte, moderne Produktion sorgt.

Obwohl das Album auch Material von der letzten Session mit Charlie Watts aus dem Jahre 2021 enthält, fehlt er schmerzlich. Seine Abwesenheit bleibt eine jener unsichtbaren Leerstellen, die man auch musikalisch wahrnimmt, der Tod des Gentleman-Drummers hat den Sound der Band spürbar verändert. Steve Jordan ist inzwischen als Nachfolger hinter dem Schlagzeug etabliert und ein Könner an den Fellen, doch Watts’. Jordan macht seinen Job keineswegs schlecht – im Gegenteil. Aber Charlie Watts war eben nie nur ein Schlagzeuger, der den Takt vorgab. Er war Teil der inneren Statik der Stones. Sein Spiel konnte gleichzeitig lässig und präzise, zurückgenommen und treibend sein; häufig bestand seine Kunst gerade darin, nicht zu zeigen, wie viel er eigentlich konnte.Auf "Foreign Tongues" ist diese Veränderung deshalb permanent präsent.

Vom Songmaterial her liegt die neue Platte liegt näher an jener Stones-Ästhetik, die man von „Some Girls“ und „Black And Blue kennt. Diese Alben waren schließlich auch deshalb so spannend, weil die Band nie völlig in einer einzigen stilistischen Schublade steckte. Blues, Funk, Soul, Country, Rock’n’Roll, Disco – die Stones konnten Einflüsse aufnehmen, ohne ihre eigene Identität dabei aufzugeben. Auch die Gastauftritte sind keine Fremdkörper als Erweiterungen dieses musikalischen Universums. Paul McCartney, Steve Winwood und Robert Smith liefern subtile Beiträge die amn wenn man es nicht wüsste vermutlich nicht erkennen würde. McCartney ist auf „Covered In You“ am Bass zu hören, während Robert Smith Backing Vocals beisteuert.

METALLICA – RELOAD(Remastered)

Credit Coverbild:© Universal Music
ReMastered and ReLoaded: Vieles war 1997 bei „ReLoad“, dem Follow-Up zu „Load“, dazu angetan, konservative Hörer unter den Metal-Fans zu verstören. Ein Cover, das der Kunstleidenschaft von Drummer Lars Ulrich geschuldet war, kurze Haare, Flirt mit Androgynität, Riffs, die eher bluesig als thrashig waren, James Hetfields immer stärker durchscheinende Liebe zur Country-Musik – und dann noch ein Gastauftritt von Sixties-Ikone Marianne Faithfull im artsy Video zu „The Memory Remains“. „ReLoad“ war zwar kommerzielle erfolgreich, zählte jedoch  rasch zu den kontroverseren Einträgen in der Diskografie der Metal-Heroen aus San Francisco – zumindest bis „St.-Anger“ nach dem Beinahe-Split der Band für Verwunderung sorgte.

Nach der 2025 erschienenen Deluxe-Neuauflage von „Load“ folgt nun konsequenterweise „ReLoad“. Das Album wurde von Reuben Cohen bei Lurssen Mastering neu gemastert, wobei Greg Fidelman die Produktion überwachte. Erhältlich ist das Album in mehreren Formaten, u.a. einer 3CD Expanded Edition. Klanglich ist der Unterschied dieser neuen Version natürlich keine Revolution – und das soll er vermutlich auch gar nicht sein. Das ohnehin gut klingende Album wirkt in der remasterten Version jedoch gefühlt noch etwas druckvoller, ohne dass dabei die charakteristische, leicht düstere und teilweise bluesige Klangästhetik des Originals verloren geht. Gerade im direkten Vergleich mit vielen späteren Metal-Produktionen fällt auf, wie wenig „ReLoad“ eigentlich nach klinischem, modernen Metal klingt. Das ist eine Platte, die atmet.

Tracks wie „Fuel“, „The Memory Remains“ oder „The Unforgiven II“ zählen längst zu den wiederkehrenden Evergreens im Setlist-Kanon der geradezu liturgischen Konzerte der Band. Und überhaupt wirkt vieles, was Ende der Neunziger noch als Abkehr vom Metallica-Mythos wahrgenommen wurde, heute deutlich weniger radikal. „ReLoad“ ist ein ausgesprochenes 90s-Album – und genau darin liegt mittlerweile auch ein Teil seines Reizes.„ReLoad“ ist kein „Master of Puppets“ und will es auch gar nicht sein. Vielmehr steht das Album für jene merkwürdige Zwischenphase, in der Metallica bereits Superstars des Mainstream waren, sich musikalisch aber noch immer nicht damit abfinden wollten, auf einen bestimmten Sound festgelegt zu werden.

DARREN ALMOND – FULLMOON: Wenn die Nacht zum Tag wird

Credit Coverbild: © Taschen Verlag
Vom Mond und seinem Licht geht eine eigentümliche Faszination aus. Seit jeher zieht er den Blick auf sich – nicht nur, weil er bloß die finstere Nacht erhellt, sondern weil er die Welt um uns herum geradezu verändert. Landschaften, die uns bei Tageslicht vertraut erscheinen, bekommen unter dem Mond plötzlich etwas Fremdes, Entrücktes, manchmal sogar Unheimliches….man denke nur an Robert Eggers mondlichtgetränkten „Nosferatu“-Film aus dem Vorjahr.

 Konturen lösen sich auf, Farben verschwinden, Schatten werden zu Flächen und selbst bekannte Orte scheinen für einen Moment einer anderen Zeit anzugehören. Gerade der Vollmond besitzt dabei eine besondere Kraft: Er macht die Nacht sichtbar, ohne ihr ihre Dunkelheit vollständig zu nehmen. Darren Almond nimmt diese besondere Qualität des Mondlichts zum Ausgangspunkt für seine Werke. Im Taschen-Bildband Fullmoon sind nun seine Fotosafaris verein: eine fotografische Reise, in der nicht nur Landschaften, sondern auch Zeit und Wahrnehmung eine zentrale Rolle spielen und der Betrachter Zeuge einer Zwischenwelt aus Sichtbarem und Verborgenem wird.

Dieses besondere Licht wird in Fullmoon zum eigentlichen Protagonisten. Almond begibt sich  auf eine nächtliche Reise rund um den Globus, bei der Landschaft plötzlich nicht mehr nur Ort, sondern auch Erinnerung, Zeit und Projektion wird.

Denn obwohl es sich bei den mehr als 370 Fotografien in diesem Buch um Berge, Flüsse, Küsten, Wiesen, Eisfelder und Wälder handelt, ist dies kein klassischer Bildband über spektakuläre Natur. Almond interessiert sich weniger für das Postkartenmotiv als für den Moment, in dem sich Landschaft, Zeit und Wahrnehmung gegenseitig auflösen. Der Vollmond ist dabei nicht einfach eine Lichtquelle, sondern so etwas wie ein fotografisches Werkzeug

Genau hier liegt die eigentliche Faszination von Fullmoon. Almond arbeitet mit extrem langen Belichtungszeiten von mehr als einer Viertelstunde; dadurch entstehen Bilder, die auf den ersten Blick fast wie Aufnahmen im Morgengrauen wirken. Doch irgendetwas stimmt nicht. Das Licht ist zu weich, die Schatten zu präsent, der Himmel gleichzeitig von feinen Sternenlinien durchzogen. Wasser bekommt eine beinahe neblige, schaumartige Struktur, während Felsen, Wiesen und Berge ihre normale fotografische Materialität verlieren. Die Landschaft wirkt dadurch weniger dokumentiert als erinnert – als hätte jemand versucht, sich einen Ort vorzustellen, an dem er einmal gewesen ist, ohne noch ganz sicher zu sein, wann.

Und natürlich ist genau das kein Zufall. Almond beschäftigt sich als Konzeptkünstler seit vielen Jahren mit Erinnerung, Kulturgeschichte und Zeit; Fullmoon verbindet diese Themen auf ausgesprochen elegante Weise mit einer romantischen Vorstellung von Natur. Allerdings ist diese Romantik nicht einfach rückwärtsgewandt. Almond fotografiert keine idyllische Welt, in der der Mensch noch im Einklang mit der Natur lebt, sondern untersucht vielmehr, wie wir Landschaft heute überhaupt noch wahrnehmen. Zwischen Nationalpark, Reisefotografie, Naturdokumentation und romantischer Malerei entsteht ein eigenartiger Schwebezustand. Man erkennt die Orte – und erkennt sie gleichzeitig nicht wieder.

Das macht auch die geografische Spannweite des Buches so interessant. Von Yosemite über Patagonien und die Alpen bis zur japanischen Küste und der englischen Heide reicht diese nächtliche Reise rund um den Globus. Es gibt majestätische amerikanische Berglandschaften, karge arktische Eisfelder, Felsen am Meer und immer wieder die vergleichsweise unspektakulären, vertrauten Landschaften Großbritanniens. Gerade diese Mischung verhindert, dass Fullmoon zu einem simplen Best-of spektakulärer Naturaufnahmen wird. Almond interessiert sich offensichtlich nicht nur für das Monumentale. Ein Stück Wiese, ein dunkler Hang oder ein stiller Küstenabschnitt kann ihm genauso wichtig sein wie ein Bergmassiv. Entscheidend ist nicht die Größe des Motivs, sondern seine Fähigkeit, im Mondlicht eine andere Identität anzunehmen.

Samstag, 5. September 2026

FREDDIE MERCURY 80th BIRTHDAY

 

Credit Coverbild: © Peter Hince  Hannibal Verlag

Am heutigen Tage wäre Farrokh Bulsara, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Freddie Mercury, 80 Jahre alt geworden. Unvergessen sind bis heute die progressiven Aufnahmen mit Queen, die legendären Auftritte und der unglaubliche Starappeal des 1991 gestorbenen Musikers. Auch das Throwback-Review des heutigen Tages steht anlässlich des Birthdays ganz im Zeichen Mercurys und führt durch die Karriere des Jahrhundert-Frontmans. Happy Heavenly Birthday Freddie: the world is still rocked by you.

Queen Hautnah

Freddie Mercury, der die Bühne „owned“ und zum treibenden Drum N´ Bass-Rhythmus Roger Taylors und John Deacons die Treppe herunterstolziert um seinen Kollegen Brian May, optisch beinahe ein Wiedergänger Ludwig XIV., vor seiner Wand von Vox-Verstärkern  zu treffen. Dazu noch oft extravagante Outfits und als Klimax die britische Nationalhymne sowie Mercury mit Krone und standesgemäßem Hermelin-Mantel…Der Pomp und die Theatralik waren ein wesentlicher Bestandteil der Band Queen. Ihre damit einhergehende Fotogenität machte sie zum beliebten Motiv für Rock Photographers, die nicht lange darauf warten mussten, bis sich Diva Freddie wieder in eine Pose für die Ewigkeit warf.

Dementsprechend gut sind die knapp zwei Jahrzehnte, die zwischen dem selbstbetitelten Debütalbum und dem frühzeitigen Tode Mercurys liegen dokumentiert. Als geneigter Fan kann man also durchaus meinen, schon so gut wie alles von dieser Band gesehen zu haben. Doch weit gefehlt! Ein neu erschienener Hochglanz-Bildband belehrt einen eines Besseren. Darin öffnet der britische Fotograf Peter Hince sein extensives Bild-Archiv und zeigt seitenweise rare, bislang ungesehene Aufnahmen aus jener Zeit, in der er Queen so nah kam, wie es der Titel dieses Buchs andeutet.

Montag, 17. August 2026

U-HE DIVA Test: Softsynth-Klassiker ohne Allüren

u-he Diva GUI
Credit Bild:© U-he
Obwohl die ganzen großen klassischen Synthesizer regelrechte Klang-Chamäleons sind und mit den nötigen Programming-Fähigkeiten in viele Richtungen gebogen werden können, gibt es klarerweise unumstößliche Fixsterne am Sound-Himmel elektronischer Klangerzeugung. Es sind jene tonalen Signaturen, die sich tief in das kollektive Gedächtnis der Pop-, Rock- und Filmmusik eingebrannt haben: Die unerreichten, markerschütternden Referenz-Bässe des Minimoog, die majestätisch schwebenden Pads und prägnanten Brass-Sounds von Oberheim, die unverkennbaren, Chorus-getränkten Plucks eines Roland Juno oder diese ganz spezielle, düstere Schwere und unheimliche Dichte eines Prophet-5. Wer diese unterschiedlichen Klangfarben in seiner Digital Audio Workstation (DAW) reproduzieren wollte, musste lange Zeit entweder auf eine ganze Phalanx spezialisierter Plugins zurückgreifen oder horrende Summen auf dem Vintage-Markt für anfällige Hardware-Originale hinblättern.

Das mittlerweile mit Fug und Recht selbst als Klassiker zu bezeichnende Synthesizer-Plugin Diva aus dem Hause u-he vereint genau diese unterschiedlichen, legendären Welten unter einer einzigen, eleganten Oberfläche. Dabei macht Diva (das steht für Dinosaur Impersonating Virtual Analogue Synthesizer) vieles von dem, was archaische Geräte von Moog bis Roland berühmt gemacht hat, geht jedoch gleichzeitig völlig eigene, progressive Wege. Das Konzept bricht mit der Philosophie klassischer 1:1-Replikas: Anstatt nur ein einziges historisches Gerät zu kopieren bzw. zu modeln, erlaubt Diva eine beispiellose, intertextuelle Kombination einzelner Epochen.

Ein Synth mit vielen Facetten

Im Kern hat Diva zwei große Stärken: da wäre zum einen der  extrem authentische analoge Klang (will man diesen in all seinen Facetten genießen empfiehlt sich ein entsprechend starker Rechner!). Und dann die Möglichkeit sich in bester Mix & Match-Manier quasi seinen eigenen Frankenstein-Synth zu basteln.

Gekonnt fängt Diva den wahren Geist diverser analoger Hardware-Ikonen ein, indem sie dem User eine extrem flexible, modulare Struktur zur Verfügung stellt. Die Oszillatoren, Filter und Hüllkurven-Module orientieren sich bis ins kleinste Detail an den realen Schaltungskomponenten der geschätzten monophonen und polyphonen Synthesizer-Klassiker von gestern.  Die Möglichkeiten sind hier wirklich mannigfaltig: So lassen sich beispielsweise raue Moog-Style-Oszillatoren mit Filter-Charakteristika, die man in ihrer aggressiven Resonanz eher aus dem Hause Yamaha kennt, nahtlos miteinander kombinieren. Es entsteht so eine faszinierende Sandbox für Klangexperimente, bei der historische Anachronismen nicht nur erlaubt, sondern als kreativer Katalysator ausdrücklich erwünscht sind.

Das Interessante daran: Obwohl die einzelnen Module deutlich erkennbare historische Referenzen besitzen, entsteht durch ihre Kombination eben nicht zwangsläufig ein weiterer Klon eines bekannten Klassikers. Man kann sich vielmehr einen Synthesizer bauen, den es als Hardware so  nie gegeben hat.

Schaltungssimulation statt bloßer Analog-Illusion

Ein wesentlicher Grund für Divas bis heute bemerkenswerte Klangqualität liegt in der verwendeten Technologie. Diva war der erste native Software-Synthesizer, der Methoden industrieller Schaltungssimulatoren, wie man sie sonst eher aus der akademischen Elektronikentwicklung kennt, in Echtzeit auf die digitale Audioebene übertrug. Virtuell werden dabei die Eigenschaften elektronischer Komponenten wie Kondensatoren und Widerstände berechnet. Das ist erheblich rechenintensiver als eine simple Annäherung an das Verhalten analoger Hardware.

Der Aufwand hat allerdings einen hörbaren Effekt. Diva klingt nicht statisch oder steril, sondern besitzt diese gewisse organische Bewegung, die man mit analoger Hardware verbindet. Der Klang hat Fundament, Charakter und eine natürliche Sättigung, ohne dass man ihn erst durch eine ganze Kette aus EQ, Saturation und weiteren Prozessoren schicken muss, damit er interessant wird.

Wer Diva mit niedrigerem Qualitätsmodus betreibt, kann CPU sparen. Wer jedoch die klanglich anspruchsvolleren Modi verwendet, sollte entsprechend Rechenleistung im Computer haben.

Praxis-Workflow

In der täglichen Studiopraxis erweist sich das Plugin schnell als ausgesprochen vielseitiger Allrounder. Das liegt auch daran, dass sich diese Diva nicht lange bitten lässt: Bässe, Pads, Arpeggios, Sequenzen, Leads, Noises und ungewöhnliche Lo-Fi-Texturen gehören gleichermaßen zu seinem Repertoire.

Die Mannschaft um Urs Heckmann hat hier ein Instrument geschaffen, das in erstaunlich vielen Bereichen reüssieren kann, ohne dabei seine eigene klangliche Handschrift zu verlieren.

Auch die integrierten Effekte tragen dazu bei. Besonders der Chorus, der sich klanglich deutlich an den klassischen Juno-Chorus anlehnt, ist ein ausgesprochen nützliches Werkzeug, um Sounds sofort in Richtung Achtzigerjahre, Synth-Pop oder atmosphärischer Filmmusik zu bewegen. Dazu kommen Reverb- und Delay-Sektionen sowie ein Arpeggiator, die aus einem bereits charaktervollen Grundsound schnell einen deutlich größeren und räumlicheren Klang machen.

Gerade im modernen Film- und Hybrid-Scoring spielt Diva seine Stärken aus. Auch in einem dichten Arrangement, in dem sich Synthesizer und ein großes orchestrales Tutti gegenseitig behaupten müssen, lässt sich das Instrument gut platzieren. Die analoge Präsenz hilft dabei, dass Pads, Sequenzen oder Bässe nicht einfach im Orchester verschwinden.

Natürlich schadet etwas Erfahrung im Synth-Programming nicht, wenn man die tieferen Ebenen der Modulationsmöglichkeiten wirklich ausreizen möchte.

Presets, Soundsets und die erstaunliche Tiefe von Diva

Bei u-he lassen sich zusätzliche Soundsets erwerben. Gerade weil Diva mittlerweile seit einigen Jahren auf dem Markt ist, existiert hier ein entsprechend umfangreiches Ökosystem (u-he Diva Soundsets). Die zusätzlichen Preset-Sammlungen sind dabei keineswegs nur „More of the same“. Klangwelten Packs mit klingenden Namen wie Automata oder Defotm zeigen, wie weit sich das Instrument abseits der klassischen Analog-Referenzen treiben lässt.

Damit stehen schnell Hunderte zusätzliche Klangmöglichkeiten zur Verfügung – von klassischen Synth-Sounds bis zu deutlich experimentelleren Settings und tiefgreifenden Customizations.

Das unterstreicht erneut, wie vielseitig Diva tatsächlich ist: Die historische DNA ist klar erkennbar, aber sie definiert nicht die Grenzen des Instruments.

Sonntag, 16. August 2026

HEAVYOCITY SYMPHONIC DESTRUCTION Redux Test: Die Anatomie des orchestralen Verfalls

Credit Bild:© Heavyocity
Es gibt in der modernen Musikproduktion, insbesondere im Film und TV-Scoring, einen etablierten Ansatz, wenn es um orchestrale Libraries geht: die möglichst realistische Abbildung des klassischen Ideals. Große Sample-Libraries setzen entsprechend auf detaillierte Aufnahmen, zahlreiche Velocity-Layer, Round Robins und eine möglichst authentische Wiedergabe der einzelnen Instrumentengruppen. Das Ergebnis soll vor allem eines sein: natürlich, präzise, makellos, pur und möglichst nah am Klang eines realen Orchesters.

Dieser Ansatz hat zweifellos seine Berechtigung und ist für viele musikalische Anwendungen sogar unumgänglich. Doch was passiert, wenn man diesen Perfektions-und Reinheitsanspruch einmal komplett über Bord wirft? Wenn man ein Orchester nicht aufnimmt, um seinen Soundmöglichst originalgetreu zu konservieren, sondern es als Rohmaterial begreift – als Ausgangspunkt für etwas völlig Neues? Die Antwort liefert die New Yorker Sounddesign-Schmiede Heavyocity. Wer das Portfolio der Entwickler kennt weiß, dass Subtilität nicht zwingend immer an erster Stelle der Prioritätenliste des Teamssteht. Hier geht es um Blockbuster-Ästhetik und Sounds, die den Kinosessel durchaus einmal zum Beben bringen dürfen.

Mit Symphonic Destruction Redux wird nun also der orchestrale Klangkörper zerlegt, bearbeitet, verzerrt und neu zusammengesetzt. Das Ergebnis ist ein hybrides Orchester für modernes Scoring – irgendwo zwischen klassischer Instrumentierung, Synthese, Sound Design und brutaler DSP-Bearbeitung.

Destruktion und Dekonstruktion

Das grundlegende Prinzip hinter dieser Sample-Library ist jenes der Dekonstruktion – ein Begriff, der im kulturwissenschaftlichen Diskurs allzu oft bemüht und noch viel öfter missverstanden wird. Er meint keineswegs den blinden Vandalismus, das simple Zerschlagen eines Objekts. Im eigentlichen Sinne ist Dekonstruktion vielmehr eine präzise Obduktion: das Sezieren etablierter Strukturen, um verborgene Nähte, innere Widersprüche und das rohe Fundament eines Werkes freizulegen. Erst in der Demontage des Vertrauten offenbart sich das Material in einer neuen Form.

Übertragen wir diesen Ansatz auf die Musik, stoßen wir unweigerlich auf eines der unantastbarsten Monumente der abendländischen Musikkultur: das Symphonieorchester.Ein gigantischer, auf harmonische Perfektion gedrillter Apparat, dessen Klangästhetik von makellosen Legati, präziser Intonation und einem hohen Maß an orchestraler Disziplin geprägt ist. Genau diesen Status quo nimmt Heavyocity auseinander. Die Entwickler zerren den Klangkörper aus dem plüschigen Konzertsaal und liefern ihn der gnadenlosen Maschinerie des modernen Sound Designs aus. Tiefe Streicher, schmetternde Blechbläsermund Percussion werden nicht einfach konserviert, sondern als formbares Audiomaterial behandelt.

Genau an diesem faszinierenden Schnittpunkt zwischen Demontage und purer klanglicher Gewalt positioniert sich Symphonic Destruction Redux. Das Orchester landet im analogen Fleischwolf – und heraus kommt ein hybrider Titan für das moderne Scoring.

Die Philosophie des kontrollierten Chaos

Also nochmal: Wer also nach lieblichen Streicher-Legati für das nächste romantische Drama sucht, sollte hier vermutlich eher umkehren (allerdings: selbst wenn diese Sample Library zu keinem Zeitpunkt puristischere Orchester-VIs ersetzen will, auch softere Klänge sind mit diesem Plugin problemlos möglich, sie stellen nur eben nicht den Hauptanwendungsbereich von Redux dar).

Die Entwickler haben ein komplettes traditionelles Orchester aufgenommen nur um dieses Ausgangsmaterial anschließend einem rigorosen Sounddesign-Prozess zu unterziehen. Wir sprechen hier nicht von ein bisschen EQing oder etwas zusätzlichem Hall. Die Samples wurden durch modulare Synthesizer gejagt, durch rauschende Bandmaschinen und Tape-Saturators gepresst, mit granularen DSP-Algorithmen in kleinste Audio-Schnipsel zerlegt und bis über die Sättigungsgrenze verzerrt. Das Resultat ist eine Library, die zwar noch die organische, menschliche DNA eines echten Orchesters in sich trägt, klanglich aber längst in der Welt des modernen dystopischen Cyberpunks, des düsteren Sci-Fi-Thrillers und des extremen Trailer-Scorings angekommen ist.

Mit mehr als 130 individuellen Sound Sources, 212 kuratierten Presets, 12 Ensembles und einer reichhaltigen Auswahl von separaten Crescendos,Swells und Motiven  liefert Symphonic Destruction Redux den charakteristischen Hybrid-Orchestra-Sound von Heavyocity in einer auf Geschwindigkeit, Übersichtlichkeit und unmittelbare Ergebnisse ausgelegten Form. Denn im Kern ist diese Library eine streamlined Version einer weitaus umfangreicheren Libary von Heavyocity -  doch hierzu an einem späteren Zeitpunkt mehr.

Das Herzstück von Symphonic Destruction Redux ist die hauseigene Engine, die innerhalb des Native Instruments Kontakt Player läuft (dieser ist btw gratis). Wer bereits mit anderen Heavyocity-Produkten gearbeitet hat, wird sich hier sofort heimisch fühlen. Das GUI präsentiert sich gewohnt dunkel, futuristisch und vor allem auf Performance ausgelegt.Der Aufbau ist intelligent in zentrale Bereiche unterteilt, die sich auf der Master-Ebene zu gigantischen hybriden Texturen layern lassen. Der Clou der Engine ist die Möglichkeit, die völlig entfremdeten Orchester-Samples mit synthetischen Wellenformen und Sub-Bässen zu kombinieren und sich so custom Sounds zu basteln.

Das Orchester als Ausgangspunkt, nicht als Endpunkt

Die Macher gehen hier nicht von einem orthodoxen Orchester oder von der klassischen Tradition aus. Sie denken ihre Library  eher aus der Sicht eines Sounddesigners oder Synth-Players. Das macht Redux aber auch sehr vielseitig. Genau das zeigt sich auch in meinem Praxistest. Selbst in einer relativ dichten Session mit verschiedenen Synthesizern fügt sich Symphonic Destruction Redux erstaunlich gut ein.

Freitag, 14. August 2026

EVENTIDE TEMPERANCE PRO Test: Der musikalischste Hall der Gegenwart?

Credit Bild:© Eventide
Der Nachhall einer Aufnahme ist nicht nur technisches Beiwerk, sondern kann ebenso charakterprägend sein wie ein Instrument. Die Welt der Hall-Effekte ist dementsprechend vielfältig und gespickt mit Klassikern: vom Spring Reverb über Plate, Room und Hall. Mittlerweile gehört auch Shimmer Reverb längst zum festen Vokabular moderner Effektgeräte und Plug-ins. Die Grundprinzipien künstlicher Räumlichkeit sind so seit langem etabliert – von Vintage bis modern, von archaischen Echokammern und mechanischen Systemen über die großen digitalen Reverb-Klassiker der Eighties bis hin zu hochkomplexen algorithmischen und Convolution-Systemen.

Doch was passiert, wenn man Reverb nicht länger nur als möglichst überzeugende Simulation eines akustischen Raumes betrachtet, sondern als musikalisches System? Genau hier setzt Eventide Temperance Pro an. Das neue Reverb-Plug-in des legendären Effekt-Pioniers versucht nicht einfach, den nächsten noch größeren, schöneren oder realistischeren Hall zu bauen. Stattdessen geht Eventide einen bemerkenswert anderen Weg: Der Hall selbst wird hier zum musikalischen Werkzeug.

Eine völlig neue Idee von Räumlichkeit

Temperance Pro basiert auf einem sogenannten Modal Reverb, bei dem der Hall aus Tausenden unabhängig steuerbaren Resonatoren aufgebaut wird. Diese reagieren nicht nur auf Frequenzen, sondern lassen sich gezielt an den zwölf Tönen der chromatischen Tonleiter ausrichten. Das klingt zunächst ziemlich theoretisch, in der Praxis bedeutet es jedoch etwas erstaunlich Einfaches: Der Hall kann auf die Musik reagieren – bzw. er reagiert auf den harmonischen Gehalt des Eingangssignals und ermöglicht es, gezielt zu bestimmen, welche Frequenzen und Töne im Hall aufblühen. Für den User heißt das: Nun kann man den tonalen Charakter der Hallfahne wesentlich präziser formen als bisher. Und genau darin liegt der eigentliche Reiz von Temperance Pro, das von subtil bis experimentell viele Anwendungsbereiche abzudecken vermag.

Eventide bezeichnet Temperance Pro als „The World's Most Musical Reverb“. Das ist selbstverständlich eine große Ansage. Interessant wird sie allerdings dadurch, dass das Plug-in tatsächlich ein Konzept verfolgt, das sich deutlich von klassischen Reverb-Ansätzen unterscheidet. Eben weil es nicht auf einem typischen Raum wie einer Konzerthalle oder einer Technik wie dem Plate Reverb basiert.Schon zuvor hat Eventide die Boundaries von Hall gepusht, etwa mit dem Ansatz des Blackhole. Dieses legendäre Reverb steht gewissermaßen für die andere Seite des Eventide-Ansatzes: riesige, schwer greifbare, geradezu spacige Räume, die mit klassischer akustischer Realität nur noch bedingt etwas zu tun haben. Temperance Pro geht ebenfalls weit über die bloße Abbildung eines natürlichen Raumes hinaus – allerdings nicht primär über schiere Größe, sondern über musikalische Kontrolle.

Das Resultat fühlt sich tatsächlich weniger wie ein klassischer Effekt und mehr wie ein musikalischer Mitspieler an

Konsequent Innovativ

Mit dem integrierten Sequencer kann der Hall selbst rhythmische und harmonische Bewegungen ausführen. Noten lassen sich über Akkordfolgen, Skalen, Modi oder Intervalle organisieren und im zeitlichen Verlauf verändern. Aus einem Reverb wird damit plötzlich ein Element, das beinahe wie ein Synthesizer oder eine Sequencer-Spur behandelt werden kann.

Die Grenzen liegen entsprechend weniger in der technischen Funktion als in der eigenen Vorstellungskraft.

Um das Prinzip hinter Temperance Pro zu verstehen, hilft ein ungewöhnliches Bild: Man stelle sich einen Raum vor, der aus Tausenden von Stimmgabeln besteht. Jeder dieser Resonatoren ist auf eine andere Frequenz abgestimmt. Gemeinsam erzeugen sie den komplexen Nachhall eines Raumes. Genau auf diesem Prinzip basiert das Modal Reverb. Eventide modelliert einen Hallraum als Sammlung von Tausenden unabhängigen Resonatoren, deren Frequenz, Lautstärke und Abklingverhalten in Echtzeit beeinflusst werden können.

Wie zuvor angedeutet: Damit unterscheidet sich der Ansatz grundlegend von klassischen Algorithmus- und Convolution-Reverbs. Temperance Pro simuliert nicht einfach nur Reflexionen oder faltet ein Eingangssignal mit einer Impulsantwort, sondern behandelt Räumlichkeit als ein System einzelner Resonanzen. Das eröffnet Möglichkeiten, die bei einem herkömmlichen Reverb so nicht existieren.

Insgesamt stehen 29 Spaces zur Verfügung – von kleinen und fokussierten Räumen über große Halls und mechanische Reverbs bis hin zu experimentellen synthetischen Umgebungen. Der eigentliche Star ist allerdings nicht die Anzahl der Räume. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen, denn Temperance Pro macht zwar vieles neu, bleibt aber trotzdem ein Reverb. Und dieser kann mitunter ausgesprochen räumlich, organisch und geradezu spektakulär klingen.

Temper, Range und Target – Dirigenten der musikalischen Bewegung

Die Regler „Temper“ und „Range“ bilden dabei einen wesentlichen Teil des Konzepts. Temper bestimmt, wie stark die ausgewählten Noten hervorgehoben oder zurückgenommen werden, während Range festlegt, auf welchen Frequenz- beziehungsweise Oktavbereich sich die Bearbeitung erstreckt. Man könnte sagen: Der Anwender wird hier zum Dirigenten des Musical Movement.

Mindestens ebenso interessant sind die Target-Parameter. Mit „Early“, „Late“ oder „All“ lässt sich bestimmen, wann innerhalb des Hallverlaufs die tonale Bearbeitung greift. Soll die Veränderung bereits beim Einsetzen des Halls stattfinden? Erst in der Ausklingphase? Oder über den gesamten Verlauf?

In Kombination mit dem Position-Regler ergeben sich entsprechend sehr weitreichende Möglichkeiten. Position verändert das Verhältnis zwischen frühen und späten Reflexionen und damit auch die wahrgenommene Entfernung zur Klangquelle.

NoteScape und Spectrum: Kontrolle über das Unsichtbare

Bei einem derart ungewöhnlichen Konzept ist es hilfreich, nicht völlig im Blindflug zu arbeiten. Zwei Visualisierungen unterstützen deshalb die Kontrolle über das Geschehen.

Der NoteScape Visualizer zeigt in Echtzeit, welche Noten innerhalb des Hallfeldes hervorgehoben beziehungsweise zurückgenommen werden und wie diese Resonanzen ausklingen. Das sieht zunächst spektakulär aus, ist aber auch praktisch, weil die ansonsten eher abstrakten musikalischen Prozesse visuell nachvollziehbar werden. Der Spectrum Analyzer zeigt wiederum die im Modal Response verwendeten Resonatoren und ermöglicht eine präzise Kontrolle über die tonale Balance des Halls.

Gerade bei komplexeren Einstellungen ist das hilfreich. Denn Temperance Pro kann sehr viel – und ohne entsprechende Visualisierung wäre nicht immer sofort ersichtlich, warum ein bestimmter Raum gerade so reagiert, wie er reagiert.

NEWFANGLED AUDIO GENERATE Test: Synth-Wahnsinn mit Methode

Credit Bild:© Newfangled Audio
Die Kamera bewegt sich langsam durch einen dunklen, verlassenen Korridor. Zunächst ist kaum etwas zu hören, nur die Schritte des Protagonisten im endlosen Schwarz. Dann setzt ein tieffrequenter Ton ein, zuerst dumpf, dann immer präsenter werdend. Kein Orchester, keine Gitarre – ein Klang zwischen dem Ächzen von Metall und einem überirdischen Dröhnen. Langsam verändert er seine Textur und gewinnt an Intensität. Musikalisch passiert eigentlich wenig – und dennoch entsteht aus ein paar Noten sofort das Gefühl, dass etwas Unheilvolles bevorsteht. Szenen wie diese sind in der Film- und TV-Geschichte meist untrennbar mit Synthesizern verbunden.

Die für derlei Stimmungen notwendigen klassischen Braams und bassigen Noises kann man mit den meisten Synths erzeugen. Dass ein Plugin sich jedoch bewusst  und überaus konsequent in Richtung musikalischer Destruction bewegt, ist dann aber doch etwas Neues. Enter „Generate“ aus dem Hause Newfangled Audio – ein Plugin, das sich selbst als „Cinematic Synth“ versteht und einen der eigenwilligsten und ungewöhnlichsten Instrumente der letzten Jahre darstellt, verschreibt es sich doch konsequent der chaotischen Synthese.

Unberechenbarkeit als Prinzip

Im Maschinenraum von Generate schlagen keine herkömmlichen, berechenbaren Herzen. Im Zentrum operiert die Engine mit acht sogenannten „Chaotic Oscillators“ – mit Titeln wie Double Pendulum, Vortex, Pulsar, Discharge, Turbine, Helix, Crescent und Magma. Schon die Werks-Presets machen klar, weshalb diese ihre Namen tragen.

Sie  basieren auf mathematischen Modellen nichtlinearer Systeme. Anstatt einer sterilen Tonhöhe zu folgen, driften sie, eiern und interagieren miteinander in einer Form, die sich nie restlos bändigen lässt. Man muss sich das so vorstellen, dass die Oszillatoren ein furchteinflößendes Eigenleben entwickeln.

Genau diese permanente, mikrotonale Schwankungen erzeugen eine unterschwellige, hochgradig organische Spannung. Das menschliche Ohr registriert unweigerlich: Hier stimmt etwas nicht. Es ist exakt jene Dissonanz, die die klaustrophobischen und unheimlichen Atmosphären erschafft, nach denen Sounddesigner suchen. Dank der komplexen Engine von Generate, die sich zwar recht intuitiv bedienen lässt (zumindest für Synth-Profis) dabei aber dennoch die tiefgehende Manipulation zahlreicher Parameter erlaubt, lässt sich fließend von einer simplen Sinuswelle in das absolute Unbekannte überblenden. Pads beginnen im Hintergrund schwer zu „atmen“, Bässe zittern nervös vor sich hin, und Leads kippen urplötzlich ins Unberechenbare – und dann gibt es da noch Sounds, die an den Balrog aus „Der Herr der Ringe“ gemahnen…

West-Coast-DNA für die Postmoderne

Im Kern ist Generate von der Philosophie der West-Coast-Synthese beeinflusst und orientiert sich an den legendären Designs von Don Buchla – gewissermaßen hat man es hier mit einem Buchla-Synth auf Steroiden zu tun. Dies ist jedoch nur der Ausgangspunkt. Von dieser Basis ausgehend, erkundet Generate ganz neue Welten. Es ist tatsächlich ein durchaus innovatives und ungewöhnliches Synth-Design, das einem hier in die DAW gegeben wird – eines, das letztlich keine direkte Entsprechung in einem Hardware-Vorbild findet.

Statt eine klassische Oszillatorarchitektur lediglich um weitere Wellenformen, Modulationsmöglichkeiten oder Effekte zu erweitern, wird bei Generate ein dynamisches System selbst zum Ausgangspunkt der Klangerzeugung. Die daraus entstehenden Bewegungen sind nicht vollständig vorhersehbar und lassen sich dennoch gezielt beeinflussen. Genau aus diesem Spannungsverhältnis zwischen Kontrolle und Kontrollverlust bezieht Generate einen wesentlichen Teil seines Charakters.

Credit Bild:© Newfangled Audio
Analoge Brutalität

Ein Low Pass Gate – eine tiefe Verneigung vor dem Buchla 292 – dämpft den Sound nicht bloß ab, sondern verleiht ihm Charakter. Durch spezifische Pole- und Resonance-Parameter erhält das Signal eine derart perkussive, organische Schlagkraft, dass Generate an keiner Stelle nach einem klinischen Digitalprodukt klingt. Der Synthesizer besitzt eine analoge Brutalität – dass ein Limiter mit an Bord ist, ist daher dringend nötig. Hier flattern die Monitor Boxen – man sollte also bezüglich der Volume-Einstellungen behutsam vorgehen. Dieser Synth zählt zu den brachialsten, die es am Markt gibt. Wer hier auf der Suche nach klassischen schöngeistigen Sounds von manch Eighties-Synths ist, ist hier an der falschen Adresse.

Wem aber der Sinn nach musikalischer Gefahr steht, nach jener rohen, unheimlichen Spannung, die einen modernen Cinematic-Score auszeichnet, wird Generate lieben. Dieser Synthesizer weigert sich schlichtweg, formelhaft und brav zu klingen. Er begreift Synthese nicht als lineares Abarbeiten statischer Wellenformen, sondern als ein bedrohlich wucherndes Netzwerk aus Instabilitäten.

Samstag, 8. August 2026

ORCHESTRAL TOOLS METROPOLIS ARK Series Test: Vom Fritz Lang-Orchester zum modernen Hybrid Score

Credit Bild:© Orchestral Tools
Ein entscheidendes Wesensmerkmal des Kinos im Allgemeinen und visionärer Filmkunst im Speziellen war immer, dass die Grenzen des Mediums permanent verschoben wurden. Einer der größten Pioniere dieser Entwicklung war zweifellos Fritz Lang, dessen Todestag sich 2026 zum 50. Mal jährt. Mit Meisterwerken wie „Dr. Mabuse, der Spieler“, „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ und „Metropolis“ prägte der österreichisch-deutsche Regisseur nicht nur die visuelle Grammatik des Films, sondern erschuf ganze visuelle Welten, deren ästhetischer Einfluss bis heute nachwirkt.

Der Film Metropolis war dabei weit mehr als ein spektakuläres Science-Fiction-Monument der Stummfilm-Ära. Langs Dystopie einer gigantischen Zukunftsstadt, in der monumentale Maschinenarchitektur, soziale Klüfte und menschliche Abgründe aufeinanderprallen, verlangte nach einer ebenso exzessiven wie neuartigen musikalischen Sprache. Der Komponist Gottfried Huppertz schuf damals ein gewaltiges, spürbar von Richard Strauss und Richard Wagner inspiriertes spätromantisches Orchesterwerk voll von Leitmotiven und überwältigender Orchestrierung – im Zusammenspiel mit den Science-Fiction-Bildern war das ein retro-futuristisches Spektakel: Das Orchester transportierte den Maschinen-Klang der Großstadtmechanik, Bedrohung und menschliche Zerbrechlichkeit gleichermaßen. Es war ein Sound, der das Publikum schlichtweg übermannen sollte – klassisch verwurzelt, in seiner Wirkung absolut "larger than life".

Genau dieses Klangideal – die Synthese aus klassischem Erbe, monumentaler Architektur, emotionaler Tiefe und futuristischer Vision bei maximalem „sonic impact“ – steht auch im Zentrum der Metropolis Ark Collection von Orchestral Tools. Die Berliner Sample-Edelschmiede, selbst tief in der Tradition europäischer Klangkultur verankert, hat mit der Ark-Serie  moderne Libraries konzipiert, die klanglich äußerst unique sind. Es geht hier nicht um das x-te brave und letztlich uninteressante Konservatoriums-Ensemble, sondern um ein radikales, dramaturgisch durchdachtes Werkzeugkasten-System für klassisches wie zeitgenössisches Scoring.

Monumentale Klangwelten

Im Intro war von der klanglichen Überwältigung in der Weimarer Zeit die Rede, doch natürlich ist auch die Evolution der modernen Filmmusik untrennbar mit dem stetig wachsenden Bedürfnis nach maximaler akustischer Intensität verbunden. Das zeitgenössische Cinema – und nicht zuletzt das Segment der Trailer-Musik – verlangt nach dem Hans Zimmer-Faktor, nach akustischer Wucht. Es ist eine Welt, in der die Dynamik nicht selten erst im dreifachen Forte beginnt.

Genau an diesem Extrempunkt setzt Orchestral Tools an. Das Konzept hinter der Ark-Serie ist faszinierend analog zu Fritz Langs Filmepos: Es ist einerseits retro, klassisch und tief vintage-geprägt, andererseits kompromisslos futuristisch für hochmodernes Scoring designed. Das Sampling wurde mit sprichwörtlicher deutscher Gründlichkeit in den legendären Berliner Teldex Studios durchgeführt – jenem akustischen Raum, der für seine transparente Tiefe und seinen legendären Raumklang weltweit geschätzt wird. Das Ergebnis: Die Libraries klingen unglaublich dreidimensional, organisch und lebendig – das ist Sampling auf höchstem Niveau. Einen dementsprechend leistungsstarken Rechner sollte man also sein Eigen nennen wenn man mit diesem "Fritz Lang-Orchester" experimentieren möchte.

Anzumerken ist auch, dass hier bei weitem nicht nur brachial gewerkt werden kann: Alle 6 Collections der Metropolis Ark-Serie verfügen über einen enormen Dynamikumfang. Der Composer kann beim Spielen dieser Libraries somit mühelos zwischen subtilsten Texturen und extremen Klangexplosionen changieren. Der Kerngedanke ist es 

ARK 1 – Wucht und Wahnsinn

Unter dem Diktum „The new fortissimo“ schlägt ARK 1 das erste Kapitel dieser Monumentalserie auf. Wer nach dem ultimativen Trailer-Sound und maximaler Durchsetzungskraft sucht, wird mit dieser Allround-Library unweigerlich fündig. Metropolis Ark 1 widmet sich konsequent der lauten, imposanten Seite des Spektrums – von mezzo-forte bis hin zu einem erderschütternden . Das Instrumentarium ist umfangreich, inklusive einer Überraschung, die man so sonst garantiert nirgends im Orchestergraben findet. Orchestral Tools nennt die einzelnen Kategorien hier Districts:

District I umfasst Gewaltige Sections aus Streichern, Holzbläsern und Brass-Instrumenten

District II ist die Choir-Abteilung mit wuchtigen Männer- und ätherischen Frauenchören für epische Sakral- und Dramatik-Momente.

District III liefert brachiale Drums und massive Percussion-Ensembles.

District IV ist schließlich eine Metal-Band – ganz richtig gelesen: E-Gitarren, E-Bass und ein schweres Drumset für den direkten Crossover-Sound.

Die Streicher von ARK 1 bilden das emotionale, extrem durchsetzungsfähige Fundament. Sie liefern genau jene filmische Breitwand-Dramaturgie, die sowohl in der stummen Frühzeit des Mediums Film usus war als auch in modernen Produktionen verlangt wird. Das brillante Konzept liegt jedoch nicht in reiner Lautstärke, sondern in der organischen Durchsetzungskraft und dem Vibe, der bei den Aufnahmen eingefangen wurde. Gerade im Hybrid-Scoring, wo das Orchester gegen tiefgestimmte Heavy-Gitarren oder massive analoge Synth-Wände ankämpfen muss, setzt sich ARK 1 mühelos durch. Ark 1 (wie auch die anderen Arks) kann so klassisch oder so progressiv klingen, wie das der User möchte - Letztlich kann man in einem Hybrid-Ansatz sogar etwas vollkommen Originäres erreichen – hier gibt es wieder einen Parallel zu Metropolis, und zwar zu Giorgio Moroders Mittachtziger Neudeutung des Scores für den Lang´schen Filmklassiker.

ARK 2 – Rolling in the Deep

Credit Bild:© Orchestral Tools
Während der erste Teil den orchestralen Vorschlaghammer schwingt, taucht Metropolis Ark 2 in die tiefsten und dunkelsten Register ab. Es ist das Yin zum Yang des Vorgängers: Hier regiert das Subtile, das Düstere, das bedrohliche Flüstern in den unteren Frequenzbereichen.. Alle Instrumente und Stimmen konzentrieren sich auf die leisen, intensiven und unheimlichen Schattierungen der unteren Dynamikbereiche (bis ). immens. Auch dieses Kapitel unterteilt sich in vier charakterstarke Distrikte:

District I (Orchestra): Tiefe Holz- und Blechbläser (inklusive Kontrabass-Klarinetten) sowie ein sehrtiefes Streicher-Ensemble.

District II (Choir): Kinderchor, Frauenchor, engelsgleiche Soprane und abgründige Basso Profondo-Chöre.

District III (Epic Low Percussion): Erdbebenartige, tieffrequente Schlagwerke und subsonic Booms.

District IV (Keys): Intimes Klavier, Harmonium und eine historische Positif-Orgel.

Neben ungewöhnlichen Besetzungen und Kombinationen (Percussion Synths!) erweist sich ARK 2 als praktischer Texturgeber für düstere Thriller, Dystopien und archaische Spannungsmomente inkl. Wagner Tuba für die Vertonung des besonders Epischen.

ARK 3 – Die Architektur der Bewegung

Credit Bild:© Orchestral Tools
Von Taiko bis Timpani: Ist es eine Percussion-Library? Oder ist es ein Orchester? In Wahrheit ist es beides: Metropolis Ark 3 fusioniert mächtiges Schlagwerk mit Streichern, Holz- und Blechbläsern zu einem ziemlich einzigartigen, perkussiven Orchesterapparat.

Der Klang entspricht dem Dröhnen der Maschinenstadt: Langs Vision lebte von industrieller Präzision, Zahnrädern und unerbittlicher Bewegung. ARK 3 greift diese Idee auf und behandelt das gesamte Orchester als gigantische Rhythmusgruppe. Gigantische Taiko-Ensembles – laut Orchestral Tools die lauteste Recording-Session, die je im Teldex Studio durchgeführt wurde – treffen auf perkussive String-Hits, Staccati und Brachial-Cluster.

In ihrer kompromisslosen Dynamik und physischen Präsenz erinnert die Energie mitunter an die rohe Performance-Wucht der Blue Man Group. Ob für treibende Chase-Sequenzen oder komplexe Action-Cues: ARK 3 liefert eine Rhythmus-Maschine mit enormem Attack, die organische Schlagkraft perfekt mit elektronischem Sounddesign verbindet.

ARK 4 – Radikale Kontraste

Credit Bild:© Orchestral Tools
Hier geht es vor allem um die Nuancen von sog „blended ensembles“ die in ihren klanglichen Kontrasten interessante Synergie-Effekte schaffen.

10 Ensembles aus Holz- und Blechbläsern, Männer- und Frauenchöre und ein Streichorchester sind keine reinen Repetitionen der früheren Arks sondern liefern wiederum neue Nuancen. Bei den Blasinstrumenten reicht die Dynamikspannweite reicht von zart zu fast schon brutal mit extremen Artikulationen wie Overblown- und Overpressure-Effekten. Das passt nicht nur perfekt zu „Babylon Berlin“-artigen Produktionen sondern ergänzt die bisherigen Ark-Volumes um subtile und gleichzeitig extrem interessante Klangfarben. Die Sounds die mit dieser Library möglich sind fügen sich nahtlos in die breiten Klangflächen der anderen Arks ein und schenken dem Arrangement jenes präzise „Top-End“, das im Mix für sofortige Wiedererkennung sorgt – oder eine Lead-Melodie zum Schweben bringt.

Freitag, 7. August 2026

MIXED IN KEY WINGMAN Test: Copilot fürs Songwriting

Credit Bild:© Mixed In Key
Jeder Musiker, Produzent und Komponist kann davon ein melancholisches Lied singen: Während man tief in der Nacht im Studio an neuen Ideen feilt oder in mühsamen, kräftezehrenden Songwriting-Sessions nach der rettenden Hook-Idee fischt, trifft man plötzlich auf sie – die viel zitierte, unüberwindbare Wand. Man kommt einfach nicht weiter. Das Arrangement stagniert, die anfängliche Euphorie verfliegt. Wie unbezahlbar gut ist es in exakt solchen Momenten, einen echten Songwriting-Partner an seiner Seite zu wissen. Einen Mick Jagger zum Keith Richards, einen John Lennon zum Paul McCartney – oder, wenn es für den Anfang ein paar Nummern kleiner und weniger historisch sein darf, einfach einen verlässlichen Ideen-Geber, der den kreativen Funken mit einer unerwarteten Wendung neu entfacht.

Genau hier setzt das Plugin „Wingman“ von Mixed In Key an. Es verspricht die ultimative digitale, kreative Abhilfe gegen den gefürchteten Writer’s Block. Das Tool hört auf das Audiomaterial, das innerhalb der DAW gerade läuft, und schlägt darauf basierend musikalische Ideen vor – insbesondere passende Akkorde und Basslines. Dabei kann Wingman Vocals, Loops, einzelne Stems oder auch komplette Tracks analysieren und daraus Vorschläge entwickeln, die sich an Tonart, Rhythmik und musikalischem Feeling des vorhandenen Materials orientieren.

In Version 2.0 geht das Konzept noch deutlich weiter: Die generierten Ideen lassen sich mit eigenen Sounds, VST-Instrumenten, Rhythmus-Presets und Effekten weiterformen. Auch der Export als MIDI oder WAV ist möglich. Das Plugin soll also nicht einfach fertige Musik ausspucken, sondern aus dem bestehenden Material heraus neue musikalische Wege aufzeigen.

Damit präsentiert sich Wingman als hochinnovatives Kreativ-Tool, das möglichst natürlich Ideen weiterentwickeln, musikalische Vorschläge machen und – das ist hier das alles entscheidende Detail – aus bestehendem Material organische, sinnvolle Ergänzungen weben soll. Letztlich verspricht die Software also, exakt so zu agieren, wie es ein versierter Co-Produzent auf der Couch im Studio tun würde: kreativ, natürlich und intelligent.

Mixed In Key begibt sich so natürlich in einen Bereich, der auch vor dem Hintergrund jüngster Debatten über künstlich (und nicht künstlerisch)kreierte Musik bei vielen Plugin-Usern extreme Gefühle und mitunter Instant-Ablehnung hervorrufen wird. Aber: Man sollte diesem innovativen Konzept den Benefit of the Doubt geben und sich zunächst mit den interessanten Möglichkeiten vertraut machen, die dieses Tool bietet. Denn: Die musikalischen Vorschläge von Wingman sind nicht einfach KI-generiert, sondern basieren auf dem hauseigenen Music Theory Algorithm von Mixed In Key, der die Vorschläge musikalisch analysiert und kontextbezogen aus dem vorhandenen Material ableitet.

Top-Gun-Ästhetik

Schon beim ersten Öffnen in meiner DAW of Choice, Pro Tools, fällt das durchdachte Design auf. Mit einer dezenten, aber stilvollen „Top Gun“-artigen Optik ausgestattet, macht das Plugin seinem Namen alle Ehre. Wie der sprichwörtliche Wingman von Tom Cruise hält dieses digitale Helferlein dem Komponisten den Rücken frei, übernimmt die Flankendeckung und bewahrt einen potenziell vor kreativen Sackgassen.

Dabei ist Wingman keineswegs nur auf das reine Generieren von Akkorden und Basslines beschränkt. Das Konzept funktioniert vielmehr als eine kleine musikalische Produktionsumgebung innerhalb der DAW. Wer eine Idee erzeugt hat, kann sie direkt mit eigenen Sounds previewen, rhythmisch verändern und mit Effekten bearbeiten. Dafür stehen unter anderem ein Rhythm Editor, verschiedene Rhythmus-Presets für Akkorde und Basslines sowie eine integrierte Effektsektion zur Verfügung.

Dass dieses kühne Konzept nicht nur auf dem glänzenden Marketing-Papier funktioniert, untermauern die zahlreichen Accolades auf der Website des Herstellers. Wenn namhafte Hit-Songwriter wie Diplo und Top-Tier-Produzenten sich öffentlich zu einem Tool bekennen, stellt das eine handfeste Legitimation dar.

Der Elefant im Raum

Man kommt in einem Review im Jahr 2026 nicht umhin, den sprichwörtlichen Elefanten im Raum zu adressieren: Künstlich generierter Content und alles was in die Nähe von AI und Retorte geht, ist fraglos das alles überschattende Trendthema – oder besser gesagt: das absolute Reizthema unserer Zeit, je nach persönlicher und beruflicher Sichtweise. In nur wenigen anderen Bereichen hat die einst als Heilsbringer gehypte Technologie einen derart schlechten Ruf wie in der traditionellen Kreativbranche.

Und das geschieht oftmals völlig zu Recht! Immerhin schwemmen Retortenbands, algorithmisch generierte Playlists und unerträglicher „AI Slop“ die Streaming-Plattformen und letztlich sämtliche Kanäle. Was beispielsweise schon in der klassischen Werbung nervt, wird in der Musik direkt als Affront gesehen. Es gibt Heerscharen von „Producern“, die es sich allzu einfach machen wollen und der Kunst ihre menschliche Unvollkommenheit rauben. Angesichts der aktuellen, hochkochenden Diskussionen über die drastische Entwertung und Automatisierung künstlerischer Arbeit mag der bloße Ansatz von Wingman also bei vielen Puristen und Vollblut-Musikern sofort alle Alarmglocken schrillen lassen.

Allerdings gilt hier: Gemach, gemach! Man hat es bei Wingman eben nicht mit einer dieser berüchtigten generativen Text-to-Audio-Plattformen zu tun, die einem auf Knopfdruck („Mache mir einen Hit im Stil von The Weeknd“) die eigentliche kompositorische Arbeit abnimmt. Garbage In bedeutet auch hier Garbage Out.

Genauso wie es bei allen großen LLMs (Large Language Models, also ChatGPT und Konsorten) der Fall ist, greift auch hier das eherne Grundgesetz der digitalen Welt: Wingman ist nur exakt so gut wie der Input, den man ihm zur Verfügung stellt. Das Plugin agiert nicht im luftleeren Raum. Es „hört“ innerhalb der DAW quasi mit und macht auf Basis der von uns selbst eingespielten Audio- oder MIDI-Files konkrete Vorschläge, wie es mit dem Song weitergehen könnte. Es analysiert also das vorhandene Material und versucht, daraus musikalisch passende Ergänzungen abzuleiten.

Das ist ein entscheidender Unterschied. Wer Wingman mit einer eigenen Vocalspur, einem Loop, einem Stem oder einem kompletten Track füttert, erhält Vorschläge, die sich auf genau dieses Material beziehen. Zusätzlich verfügt das Tool über eine integrierte Stem-Separation, mit der sich Audio beispielsweise in Vocals, Bass, Drums und weitere Bestandteile aufteilen lässt. Auch Audio-to-MIDI gehört zum Funktionsumfang: Audiomaterial kann in editierbares MIDI umgewandelt werden, um daraus beispielsweise Melodien neu aufzubauen, Harmonien darüberzulegen oder Samples gezielter weiterzuverarbeiten.

Es zeigt Pfade auf, wie man das Arrangement ausbauen und klanglich auffetten kann. Das heißt im Umkehrschluss: Wer das Plugin mit langweiligen, völlig uninspirierten Zwei-Akkord-Ideen füttert, bekommt am Ende auch kein epochales Magnum Opus heraus. Wingman liefert definitiv keine Instant-Genialität aus der Dose. Als „Composition Companion“ kann er aber Anreize schaffen, wie es mit der eigenen Komposition weitergehen kann.

Kreativ & Komplex

Um die wahre Magie des Plugins zu entfesseln, muss man sich mit „Wingman“ intensiv auseinandersetzen und spielen. Angesichts der mannigfaltigen und teils hochkomplexen Funktionen unter der Haube ist ein echter Einarbeitungswille gefragt. Das Tool erfordert detaillierte Arbeit mit Stems, die man erfreulicherweise ebenso wie isolierte WAV- und MIDI-Files nahtlos exportieren und wieder in die DAW importieren kann.

Gerade der Workflow rund um MIDI und Audio macht Wingman dabei interessant: Eine generierte Idee muss nicht zwangsläufig im Plugin verbleiben. Man kann sie als MIDI oder WAV exportieren und anschließend ganz klassisch in der eigenen DAW weiterbearbeiten.