Freitag, 10. April 2026

CROW HILL COMPANY PREHISTORIC STRINGS Test: Prähistorische Klangwelten als Zukunft orchestraler Texturen

Credit Bild: © Crow Hill Company
Es gibt zahllose Software- und Sample-Hersteller, die immer wieder dieselben klassischen Instrumente abbilden – solide, zweckmäßig und oft klanglich auf hohem Niveau. Und doch haftet vielen dieser Produkte eine gewisse Austauschbarkeit an. Kaum Innovation, dafür zunehmende konzeptionelle Stagnation. Detailverliebte Emulationen ohne Zweifel – jedoch selten mit einem wirklich kreativen Ansatz. Und dann gibt es Ausnahmen wie die Crow Hill Company. Mit Prehistoric Strings haben sie in einem gesättigten Markt zwar nicht das Rad neu erfunden – aber sie haben das Rad der Zeit radikal zurückgedreht. Und zwar nicht als bloße Klangspielerei, sondern als konzeptionellen Gegenentwurf zur etablierten Orchester-Library-Logik.

Von der BBC-Dokumentation zur Klangbibliothek

Entstanden ist die Library in Zusammenarbeit mit dem Klangkollektiv Bleeding Fingers – ein Joint Venture, an dem auch Soundtrack-Ikone Hans Zimmer beteiligt ist. Für die groß angelegte BBC-Dokumentation „Prehistoric Planet“ wurden einzigartige, maßgeschneiderte Instrumente mithilfe von Hörnern, Zähnen und uralten Knochen geschaffen. So entstehen hybride musikalische Konstrukte, die Klänge hervorbringen, die gleichermaßen unheimlich, urtümlich und in ihrer rohen Ursprünglichkeit schlichtweg faszinierend sind. Mit dem Crow Hill Plugin lassen sich diese Sounds – gewaltig wie der Schrei eines T-Rex – nun direkt in die eigene DAW holen.

Man lädt hier keine Strings im klassischen Sinne – man integriert vielmehr ein klangliches Konzept als funktionalen Bestandteil eines audiovisuellen Narrativs in das eigene Projekt. Dieses ist übrigens zu keinem Zeitpunkt auf Dokumentationen im BBC-Stil beschränkt. Bleeding Fingers stehen für grenzenlose Klangexperimente – genau wie die Crow Hill Company. Entsprechend vielseitig ist auch diese Library, die von Horror über Sci-Fi bis hin zu Prog Rock nahezu alles abdeckt, wo atmosphärische und verfremdete Streicher gefragt sind. Der Kontextbezug zur Dokumentation ist dennoch entscheidend und unterscheidet die Library fundamental von der Konkurrenz: Sie denkt nicht vom Instrument her, sondern vom potentiellen (experimentellen)  Einsatzgebiet.

Streicher neu gedacht – zwischen klassischem Instrument und Synth

Was eine String-Library leisten kann – und vor allem, wie sie klingen kann – wird hier komplett neu definiert.

FABFILTER TIMELESS 3 Test: Vintage, zeitlos und zugleich modern

FabFilter Timeless 3 Highend Delay Plugin mit flexiblem Routing, Filtern und Modulationsmatrixmodi
Credit Bild: © FabFilter
Delay gehört zu jenen Effekten, die auf den ersten Blick simpel erscheinen mögen – und auf den zweiten ein nahezu unbegrenztes Klanguniversum eröffnen. Denn in der Praxis kann ein Delay weit mehr leisten als bloß die Wiederholung eines Signals: Es erzeugt Räumlichkeit, Bewegung und Rhythmus und wird – richtig eingesetzt – selbst zum integralen Bestandteil des Sounds. Genau an dieser Schnittstelle positioniert sich FabFilter Timeless 3. Das Plugin zählt nicht nur zu den derzeit klanglich überzeugendsten Delay-Lösungen am Markt, sondern entpuppt sich – mit etwas Einarbeitung – als regelrechtes Chamäleon. Und: Eine versteckte Einstellung macht es sogar zum Geheimtipp für Fans klassischer 80s-Gitarren-Delays.

Interface & Workflow: Komplexität ohne Reibungsverlust

Wie bei FabFilter üblich, gehört das Interface zu den großen Stärken des Plugins. Das spacige Design unterstützt den hochwertigen Klangcharakter. Trotz enormer Funktionsdichte bleibt Timeless 3 bemerkenswert zugänglich – vorausgesetzt, man ist bereit, sich auf das vom klassischen Delay-Layout abweichende Konzept einzulassen. Die Lernkurve ist vorhanden – aber sie wird belohnt. Das vollständig überarbeitete GUI bietet: eine klare Visualisierung von Delay-Zeiten, Feedback und Mix, interaktive Filter-Displays und eine coole Visualisierung der Taps.

Vintage-Charakter oder digitale Präzision

Klanglich lässt sich Timeless in vollkommen unterschiedliche Richtungen steuern. Über verschiedene Sättigungs- und Charakterparameter kann das Delay bewusst analog gefärbt werden – etwa im Stil klassischer Band- oder BBD-Echos. Alternativ bleibt das Signal extrem sauber und transparent und erinnert so an Rack-Units der Eighties oder modernste Delay-Pedale. Diese Flexibilität macht das Plugin interessant für sehr unterschiedliche Produktionsstile: Ob Gitarren-Delays im Ambient- oder Post-Rock-Kontext, rhythmische Echo-Strukturen in elektronischer Musik, subtile Vocal-Delays in Popproduktionen oder experimentelles Sounddesign für Film oder Games – Timeless 3 kann alles.

Cool Hand Luke

Die Firma selbst beschreibt Timeless 3 als „analoges Tape Delay“ – so weit, so klassisch. Dies stimmt zwar natürlich, ist jedoch nur ein Teil dessen, was Timeless 3 eigentlich zu leisten vermag bzw. sein kann. Denn – kleiner Reminder – wir haben es hier mit einem regelrechten Delay-Chamäleon zu tun. Eigentlich ein Modeler für Echos – denn letztlich kann dieses Delay eine Vielzahl von berühmten Echos nachstellen. Die Emulation ist dabei so clean oder so dirty, wie man möchte. Dezidierte Vintage-Tape-Echos mag das nicht nur im Design sehr cleane Timeless 3 vielleicht nicht ersetzen, obwohl es sehr gut als Slapback oder Bread-and-Butter-Delay für Roots Rock etc. fungieren kann.

Dafür kann man – so man die nötige Geduld mitbringt – mit dem FabFilter Delays erstellen, die es bislang gar nicht als Plugin gibt (!). Richtig gelesen, es geschehen auch im übersaturierten Pluginmarkt noch Zeichen und Wunder. Wer dieses Plugin „nur“ für Vocals verwendet, für den mag dies sekundär sein. Den Gitarristen unter den Lesern sei nur Folgendes gesagt: Steve Lukathers Circular Delays.

Donnerstag, 9. April 2026

EMERSON, LAKE & PALMER: Tarkus, Tasten, (Prog-)Titanen

Buch Cover ELP
Credit Bild: © Hannibal Verlag
Eine gediegene Bildband-Retrospektive gehört bei den meisten großen Rockbands längst zum guten Ton. Entsprechend angewachsen ist die einschlägige Bibliothek der letzten Jahre – und doch existieren sie noch, jene vergleichsweise wenigen Formationen, bei denen ein derartiges Kompendium bislang eine auffällige Leerstelle markierte. Emerson, Lake & Palmer – die erste echte Prog-Supergroup, die ab 1970 die Grenzen des musikalisch Vorstellbaren nicht nur auslotete, sondern nachhaltig verschob – zählten lange Zeit dazu. Mit dem hier rezensierten, im Hannibal Verlag erschienenen Band liegt nun eine opulent aufbereitete Gesamtschau vor, die sich diesem Ausnahme-Trio in angemessener Tiefe widmet: eine Oral History, angereichert mit seltenem, visuell eindrucksvollem Archivmaterial.

Inside-Perspektive: Die Geschichte von Emerson, Lake & Palmer

Nach dem Tod von Keith Emerson und Greg Lake lag die kuratorische Verantwortung bei Carl Palmer. Die hier versammelten Stimmen – aus unterschiedlichen Phasen der Bandgeschichte – fügen sich zu einem vielschichtigen Porträt, das kreative Höhenflüge ebenso beleuchtet wie die internen Spannungen innerhalb der Gruppe. Fotografien, Faksimiles und Zeitdokumente verschränken sich mit ausführlichen Interviewpassagen zu einem dichten Mosaik, das die Karriere von Emerson, Lake & Palmer nicht nur chronologisch nachzeichnet, sondern zugleich eine echte Inside-Perspektive eröffnet. Der Band zeigt, wie zentrale Werke wie „Tarkus“ oder „Pictures at an Exhibition“ entstanden und wie die Band ihre komplexen, genreübergreifenden Kompositionen entwickelte. Ein Fest für Prog-Fans.

Der Sound einer Ära: Progressive Rock zwischen Klassik und kreativem Exzess

Wer sich mit Emerson, Lake & Palmer beschäftigt, betritt zwangsläufig ein Spannungsfeld: zwischen E- und U-Musik, zwischen kompositorischem Anspruch und exzessiver Bühnenperformance. Keith Emersons Einsatz des Moog-Synthesizers war dabei nie bloß technischer Natur, sondern Ausdruck eines künstlerischen Selbstverständnisses – verortet zwischen Virtuose, Grenzgänger und Performer. In seiner physischen Spielweise erinnerten seine Auftritte mitunter ebenso an Jerry Lee Lewis wie an Jimi Hendrix – mit dem Unterschied, dass sich seine Klang-Eskapaden vor allem an Synthesizern und der Hammond-Orgel entluden. Carl Palmers Schlagzeugspiel oszillierte zwischen nahezu mathematischer Präzision und eruptiver Energie, während Greg Lake als stimmlicher wie kompositorischer Gegenpol fungierte. Es war ein fragiles Gleichgewicht das einerseits virtuose Höhenflüge bedingte, andererseits jedoch auch die Volatilität dieses Zusammenschlusses dreier Ausnahmekünstler befeuerte.

Dienstag, 24. März 2026

FABFILTER Pro-C 3 Test: Präzision, Punch und Kontrolle

FabFilter Pro-Q 4 Equalizer Plugin Interface mit spektraler Analyse und parametrischen EQ-Bändern
Credit Bild: © FabFilter
Kompression ist ein unverzichtbarer Bestandteil jedes Mixes. Egal ob glossy Pop-Produktion, drückender Heavy Rock, filigranes Orchester-Arrangement oder knallender EDM: Dynamikkontrolle gehört zu den fundamentalen Werkzeugen klassischer wie moderner Musikproduktion. Der Grund ist relativ simpel: Roh aufgenommene Signale besitzen oft eine enorme Dynamik. Einzelne Peaks springen aus dem Mix regelrecht heraus, während andere Passagen viel zu leise sind. Ohne gezielte Kontrolle entsteht schnell ein vollkommen unausgewogenes Klangbild. Genau hier kommen Kompressoren ins Spiel. Sie sorgen dafür, dass Signale kontrollierter, dichter und oft auch druckvoller wirken. Gleichzeitig können sie einem Instrument mehr Präsenz verleihen oder es besser in den Gesamtmix integrieren.

Mit dem Pro-C 3 liefert die niederländischen Soundtüftler von FabFilter, nicht nur einen modernen Software-Kompressor, der ungemein vielseitig ist, sondern auch ein Referenzprodukt in Sachen digitaler Kompression (die btw äußerst analog klingt).

Ein Kompressor für praktisch jede Anwendung

Das Interface ist – typisch FabFilter – klar strukturiert, modern und „very graphic“, sprich visuell wird hier alles versucht um den komplexen Vorgang der Kompression abzubilden (siehe Bild oben). Hinter der eleganten Oberfläche verbirgt sich ein extrem flexibles Dynamikwerkzeug mit einer ganzen Reihe verschiedener typischer Kompressionsstile, die jeweils über deutlich unterschiedliche klangliche Charakteristiken verfügen. Dazu gehören unter anderem:

Freitag, 20. März 2026

FABFILTER PRO-Q 4 Test: Der vielleicht kompletteste Equalizer im modernen Mixing-Workflow

FabFilter Pro-Q 4 Equalizer Plugin Interface mit spektraler Analyse und parametrischen EQ-Bändern
Credit Bild: © FabFilter
Jeder Musiker, der selbst auch im (Home-)Studio aufnimmt, kann davon ein Lied singen: Stunden-, manchmal tagelang sitzt man am Recording, feilt an jeder klanglichen Nuance, positioniert Instrumente im Stereofeld, achtet auf Dynamik, Raum und Timing. Zunächst scheint alles zu stimmen. Doch dann, beim anschließenden Mixing: Audio-Matsch.Das sorgfältig gemalte Klangbild verschwimmt plötzlich zu einem diffusen Brei. Details gehen verloren, Solospuren verschwinden unter Rhythmusgitarren-Wänden, Kick und Bass kämpfen um denselben Raum. Das Arrangement wirkt plötzlich undifferenziert, obwohl jede einzelne Spur für sich genommen gut klingt.

Nicht umsonst hat Recording sowie Mixing und Mastering viel mit Malerei zu tun. Frequenzen funktionieren wie Farben auf einer Leinwand: Komplementäre Bereiche müssen bewusst gesetzt werden, damit ein Mix Tiefe, Transparenz und Durchsetzungskraft bekommt. Genau hier kommen Equalizer als essenzielles Tool ins Spiel.

Einer der komplettesten Retter in der Not ist fraglos der professionelle Equalizer Pro-Q 4 aus der niederländischen Softwareschmiede FabFilter, der in Sachen Funktionsumfang in wirklich jedem Metier reüssieren kann

Ein Equalizer wie ein chirurgisches Werkzeug

Der Pro-Q gehört zu jener seltenen Kategorie von Plugins, die zugleich extrem mächtig und erstaunlich elegant umgesetzt sind. Im Kern handelt es sich um einen voll ausgestatteten parametrischen Equalizer mit bis zu 24 Bändern – doch diese nüchterne Zahl beschreibt nur einen kleinen Teil dessen, was dieses Tool tatsächlich leisten kann.Man könnte ihn am ehesten als chirurgisches Instrument im Mix beschreiben. Ein EQ-Plugin wie ein Skalpell: Frequenzen lassen sich präzise beschneiden, betonen oder formen – von subtiler Korrektur bis hin zu radikaler Klanggestaltung.

Dabei bleibt der Pro-Q nie bei der klassischen EQ-Logik stehen. Das Plugin erweitert das Konzept des parametrischen Equalizers um eine ganze Reihe moderner Funktionen, die man früher nur aus komplexen Studio-Setups kannte.

Dynamischer EQ, Spektralbearbeitung und intelligente Analyse

Zu den zentralen Features gehört zunächst der Dynamic-EQ-Modus. Hier reagieren einzelne EQ-Bänder dynamisch auf das eingehende Signal – inklusive einstellbarer Attack- und Release-Zeit. Problematische Frequenzen werden also nur dann abgesenkt, wenn sie tatsächlich auftreten. Das Ergebnis: mehr Transparenz, ohne dem Signal dauerhaft Energie zu entziehen.

Noch einen Schritt weiter geht der Spectral-Dynamic-Modus, der speziell für harsche oder instabile Frequenzbereiche gedacht ist. Statt statischer Filter arbeitet dieser Modus spektral und kann störende Resonanzen deutlich natürlicher kontrollieren.

Hinzu kommt eine ganze Reihe intelligenter Analyse-Tools. Besonders praktisch ist die Spectrum-Grab-Funktion: Das Plugin zeigt automatisch die wichtigsten Peaks im Frequenzspektrum an, die man anschließend direkt greifen und bearbeiten kann. EQ-Korrekturen werden so visuell-intuitiv – ein Workflow, der gerade beim schnellen Mixen enorm hilft.

KIT PLUGINS: NOIZ 80s LUSH Test: Zurück in die Achtziger

Plugin-Oberfläche des Kit Plugins NOIZ 80s Lush mit lilafarbenem Preamp-Design, Reglern für Bass, Treble, Chorus, Delay und Ambience zur Erzeugung klassischer 80er-Jahre Clean-Gitarren- und Synth-Sounds.
Credit Bild: © Kit PLugins
Die Eighties sind zurück – und eigentlich waren sie nie wirklich weg. Von den Charts bis zur Subkultur, von globalen Popstars wie Sabrina Carpenter bis zu den im Mainstream unbekannten Protagonisten des Synthwave. Vom Comeback jener Sounds, die Session-Größen wie Michael Landau, Dann Huff oder Steve Lukather prägten, bis zu „Stranger Things“-Synth-Reminiszenzen: Der Klang der Achtziger befindet sich in einer geradezu immerwährenden Renaissance.

Das neue Gitarren- und Synth-Plugin (ja, richtig gelesen – dazu später mehr) Noiz 80s Lush aus dem Hause Kit Plugins bedient genau diese Sehnsucht nach jener Ära. Anders als die meisten Plugins, die historische Eighties-Gear emulieren, richtet sich dieses dezidiert nur an Clean-Sounds. Keine Distortion, kein Overdrive, nada – clean, cleaner, Lush ist die Devise. Hier geht es ausschließlich um den kristallklaren Sound, der Platin-Album-Sessions dominierte und sich an elaborierten, kühlschrankgroßen Rack-Setups der Profis orientiert.

Die Rack-Ära

Bei einem lilafarbenen Plugin im Preamp-Look denkt man zunächst an Mike Soldanos X88R-Einheit. Trotz dieser kosmetischen Ähnlichkeit orientiert sich das NOIZ-Plugin jedoch an zwei anderen „Eighties-Staples“: dem Roland Jazz Chorus sowie dem Rockman Rack II. Erstere wurde von Andy Summers oder James Hetfield eingesetzt, letzteres ist ein klassischer Vertreter der „Plastik-Cleans“ à la Def LeppardIm Plugin kann man zwischen diesen Sounds stufenlos blenden oder sie nach Belieben mischen. Mehr DI oder mehr Amp-Body? Kein Problem. Alternativ lässt sich das DI-Signal des 80s-Lush-Plugins parallel in eine Amp-Simulation routen.

Mittwoch, 4. März 2026

SYNAPSE AUDIO – THE LEGEND HZ Test: Ein Synthesizer für Blockbuster

Hans Zimmer Synapse Audio The Legend HZ Signature Plugin Front View in der DAW
Credit Bild: 6strings24frames / Synapse Audio
Die Geschichte der Synthesizer ist untrennbar mit jener des Kinos verbunden. Obwohl diese Instrumente ursprünglich nicht dezidiert fürs Scoring erfunden wurden, entwickelten sie sich schnell zur Vervollkommnung der ursprünglichen Idee der historischen Kinoorgel. Mit ihrem charakteristischen und zugleich enorm wandlungsfähigen Sound prägten sie zahlreiche Kultfilme und ganze Epochen der Filmmusik. Insofern ist das neue Premium-Plugin „The Legend HZ“ aus dem Hause Synapse Audio nur folgerichtig: Hier treffen zwei Legenden und zwei Welten – klassische Synthese und moderne Filmmusik-Klangästhetik – in exemplarischer Weise aufeinander.

Auf der einen Seite steht der Minimoog Model D – erstmals 1970 veröffentlicht und bis heute der Archetyp des kompakten, analogen Synthesizers. Drei Oszillatoren, kompromissloser Sound, ikonischer Charakter. Entworfen von Bob Moog selbst, wurde der Model D zur Blaupause zahlloser Synth-Designs und ist bis heute einer der beliebtesten und meist-emulierten Klassiker überhaupt. Auf der anderen Seite: Hans Zimmer, seit den 1990er-Jahren einer der prägendsten Filmkomponisten unserer Zeit. Zimmer steht für extreme stilistische Bandbreite: vom Carl-Orff-inspirierten „True Romance“-Score über Mainstream-Blockbuster wie „Fluch der Karibik“, radikalem Sounddesign in Christopher Nolans Batman-Filmen oder „Blade Runner 2049“ hin zur Synth-/Gitarre-getriebenen Live-Performance seien Werke. Zimmers Soundästhetik ist genreübergreifend, stilbildend und sofort wiedererkennbar.

Mehr als Moog

Dieser Vielseitigkeit trägt The Legend HZ Rechnung. Denn das grundlegende Konzept der Minimoog-Emulation bildet hier lediglich die Ausgangsbasis. Darauf aufbauend erweiterten Zimmer, sein Sounddesigner Kevin Schröder sowie das Synapse-Audio-Team die Möglichkeiten dieses Designs konsequent.Mit „The Legend“ legte Synapse Audio vor einigen Jahren eine der besten Software-Interpretationen des ikonischen Instruments vor. Die neue HZ-Version geht deutlich weiter als der Vorgänger und auch weiter als der Großteil der Konkurrenz: Hier trifft eine extrem authentisch klingende Emulation eines geliebten Klassikers auf sinnvolle, progressive Erweiterungen. Das Ergebnis ist kein reines Retro-Plugin, sondern ein modernes Instrument, das sich genreübergreifend einsetzen lässt – von klassischer Berlin School über Progressive Rock bis hin zu moderner Filmmusik, zeitgenössischem Sounddesign oder Production Music.

Filmkomponist Hans Zimmer mit seinem Synapse Audio The Legend HZ Signature Plugin in seinem Studio
Sichtlich zufrieden mit seinem gelungenen Plugin: Hans Zimmer in seinem Studio
Credit Bild: © Synapse Audio
Bass, Druck und Durchsetzungskraft im Mix

Klanglich ist The Legend HZ mächtig und durchsetzungsstark – fett, dreidimensional und Moog-typisch bassbetont. Sein Sound ist stets präsent und organisch-analog. Das gilt auch für die Optik: Vom sichtbaren Stromkabel bis zur einstellbaren Körnung der Oberfläche wird hier dem Skeuomorphismus gehuldigt. Das Plugin ist dermaßen feature-rich, dass die mitgelieferte Dokumentation ein rund 80-seitiges Manual füllt. Statt hier jede Funktion kleinteilig aufzuzählen, lohnt es sich, den Scheinwerfer auf einige der zentralen Alleinstellungsmerkmale zu richten.

Dienstag, 10. Februar 2026

FENDER: JUBILÄUM EINER AMERIKANISCHEN IKONE

 

Rote Fender Stratocaster Gitarre 75 Jhare Fender Chronik Buch Cover
Credit Coverbild: © Hannibal Verlag
Ergonomisch perfekt geformt schmiegt sich ihr schlanker, geradezu aerodynamischer Korpus an den Musiker. Ihr heller charakteristischer Signature-Klang ist zwar unverkennbar und dennoch so adaptiv, dass er in jedem Genre zu reüssieren vermag - selbst in jenen musikalischen Spielarten, die zum Zeitpunkt ihrer Kreation noch gar nicht geboren waren. Ihr Design steht noch heute im starken Kontrast zu den Instrumenten des ewigen Konkurrenten Gibson, erwies sich jedoch als nicht minder zeitlos - nicht umsonst wird dieses Instrument bis zum heutigen Tage im Kern unverändert gebaut. Die Rede ist von der Fender Stratocaster die vor genau 70 Jahren im April 1954 in Serienproduktion ging.
Passend dazu hat die Firma Fender das „Year Of The Strat“ ausgerufen, das mit Jubiläumsmodellen sowie einer äußerst emotionalen Werbekampagne den geradezu mythischen Charakter dieser legendären Erfindung feiert.

Kult aus Kalifornien: Leo Fenders Vermächtnis

Die Strat spielt natürlich auch in der offiziellen Chronik die zum Dreivierteljahrhundert-Jubiläum der Firma Fender erschienen ist eine Hauptrolle. Passend zu diesem besonderen Anlass ist dann auch diese bibliophile Festschrift zur Geschichte der Kultmarke sowohl äußerst umfangreich als auch besonders attraktiv gestaltet. 

Freitag, 6. Februar 2026

THE MAKING OF QUENTIN TARANTINO´S ONCE UPON A TIME IN HOLLYWOOD

Once Upon A Time In Hollywood Making Of Buch Quentin Tarantino Jay Glennie
Credit Bild: ©Insight Editions
Ein besonders interessanter Aspekt der Filmkultur ist, dass nicht nur Filme selbst kanonisiert werden, sondern auch die Erzählungen über ihre Entstehung. Manche Werke erzeugen ein derart dichtes Geflecht aus Anekdoten, ikonischen Bildern, Figuren und Atmosphären, dass sich um sie herum zwangsläufig ein zweites narratives Feld bildet – ein Resonanzraum jenseits der Leinwand. „Once Upon a Time… in Hollywood“ ist genau ein solcher Film und ein neuer umfangreicher „The Making of“ Band beleuchtet ebenjenen Raum eingehend.

Am Buchrücken prangt eine Neun. Eine Zahl, die bei Quentin Tarantino eine besondere Bedeutung trägt, markiert sie doch seinen vorletzten Film. Nach zehn Filmen soll Schluss sein. Dieser Band bildet nun den Auftakt der vom Regisseur selbst abgesegneten „Quentin Tarantino Library“, einer auf mehrere Teile angelegten bibliophilen Werkschau, die sich dem Gesamtwerk eines Regisseurs widmet, der sich seiner eigenen Filmografie als bewusst konstruiertem Kanon und kulturellem Archiv vollkommen bewusst ist. Dieses Buch ist damit nicht nur eine Einzelpublikation, sondern der Beginn eines editorischen Vermächtnisprojekts eines Regisseurs, der wie nur wenige um die Tragweite seines eigenen Werks weiß.

TARANTINO TOWN – His Movies and the Works That Inspired Them

Buchcover von „Tarantino Town“ mit John Travolta und Samuel L. Jackson im Diner aus Pulp Fiction von Quentin Tarantino
Credit Coverbild: © Prestel Verlag
Quentin Tarantino ist fraglos der prägende Regisseur seiner Generation. Dabei erschafft er jedoch weit mehr als nur unvergessliche Filme und ikonische Szenen: Er kreiert ganze Mikrokosmen. Fiktive Marken, archetypische Figuren, eine tiefe intertextuelle Verwobenheit mit Filmgeschichte und Popkultur sowie die sorgfältig ausgewählten Outfits seiner Pro- und Antagonisten – all das sind Bestandteile einer minutiös konstruierten (Film-)Welt. Genau hier setzt „Tarantino Town – His Movies and the Works That Inspired Them“ von Johan Chiaramonte und Camille Mathieu an.
Als geistiges Sequel zum im Vorjahr erschienenen „Wes Anderson Museum“ ist auch dieser Band ein liebevoll gestaltetes Nachschlagewerk für Cineasten, doch er vibriert auf eine ganz andere, deutlich rauere Weise.