| Credit Bild: 6strings24frames / Synapse Audio |
Auf der einen Seite
steht der Minimoog Model D – erstmals 1970 veröffentlicht und bis heute der
Archetyp des kompakten, analogen Synthesizers. Drei Oszillatoren,
kompromissloser Sound, ikonischer Charakter. Entworfen von Bob Moog selbst,
wurde der Model D zur Blaupause zahlloser Synth-Designs und ist bis heute einer
der beliebtesten und meist-emulierten Klassiker überhaupt. Auf der anderen
Seite: Hans Zimmer, seit den 1990er-Jahren einer der prägendsten
Filmkomponisten unserer Zeit. Zimmer steht für extreme stilistische Bandbreite:
vom Carl-Orff-inspirierten „True Romance“-Score über Mainstream-Blockbuster wie
„Fluch der Karibik“, radikalem Sounddesign in Christopher Nolans Batman-Filmen
oder „Blade Runner 2049“ hin zur Synth-/Gitarre-getriebenen Live-Performance seien
Werke. Zimmers Soundästhetik ist genreübergreifend, stilbildend und sofort
wiedererkennbar.
Mehr als Moog
Dieser Vielseitigkeit
trägt The Legend HZ Rechnung. Denn das grundlegende Konzept der
Minimoog-Emulation bildet hier lediglich die Ausgangsbasis. Darauf aufbauend erweiterten
Zimmer, sein Sounddesigner Kevin Schröder sowie das Synapse-Audio-Team die
Möglichkeiten dieses Designs konsequent.Mit „The Legend“ legte Synapse Audio
vor einigen Jahren eine der besten Software-Interpretationen des ikonischen
Instruments vor. Die neue HZ-Version geht deutlich weiter als der Vorgänger und
auch weiter als der Großteil der Konkurrenz: Hier trifft eine extrem
authentisch klingende Emulation eines geliebten Klassikers auf sinnvolle,
progressive Erweiterungen. Das Ergebnis ist kein reines Retro-Plugin, sondern
ein modernes Instrument, das sich genreübergreifend einsetzen lässt – von
klassischer Berlin School über Progressive Rock bis hin zu moderner Filmmusik,
zeitgenössischem Sounddesign oder Production Music.
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| Sichtlich zufrieden mit seinem gelungenen Plugin: Hans Zimmer in seinem Studio Credit Bild: © Synapse Audio |
Klanglich ist The Legend HZ mächtig und durchsetzungsstark – fett, dreidimensional und Moog-typisch bassbetont. Sein Sound ist stets präsent und organisch-analog. Das gilt auch für die Optik: Vom sichtbaren Stromkabel bis zur einstellbaren Körnung der Oberfläche wird hier dem Skeuomorphismus gehuldigt. Das Plugin ist dermaßen feature-rich, dass die mitgelieferte Dokumentation ein rund 80-seitiges Manual füllt. Statt hier jede Funktion kleinteilig aufzuzählen, lohnt es sich, den Scheinwerfer auf einige der zentralen Alleinstellungsmerkmale zu richten.
Was sofort ins Auge –
beziehungsweise ins Ohr – fällt: sechs Oszillatoren und Polyphonie, die neue Welten öffnen. Während
der originale Minimoog strikt monophon war, erschließt The Legend HZ völlig
neue Klangräume. Vangelis-artige Pads, schwebende Flächen, beidhändige
Bass-und-Lead-Kombinationen oder komplexe Akkorde sind hier nicht nur möglich,
sondern ausdrücklich erwünscht. Dazu kommen exzellente Hall- und Echo-Effekte,
die diesen Soft Synth sofort in Richtung Filmmusik und Ambient-Sounddesign
verschieben. Selbst ohne externe Effekte klingt das Instrument erstaunlich
„produziert“ ohne steril zu zu sein und ist absolut mix-ready – ein Punkt, der in
professionellen Workflows nicht zu unterschätzen ist. In der Praxis reicht ein
bisschen Feintuning mit dem favorisierten Mastering-Kompressor und eine
Aufnahme „auf Tape“ (wie bei den von mir eingespielten Sound-Beispielen am
Ende dieses Reviews) und das Ergebnis steht.
Die Legend HZ verfügt
zudem über eine spezielle Fixed Filterbank, nachempfunden nach Hans Zimmers
persönlicher 914 Fixed Filter Bank – einem außergewöhnlichen und äußerst
seltenen Vintage-Hardware-Schmuckstück, dessen Klangcharketistika man nun mit
diesem Synth nutzen kann: Vibes Vibes Vibes.
Sequencer, Berlin School &
Sounddesign
Ein weiteres Highlight
sind der integrierte Arpeggiator und Sequencer. Damit wird die Berliner Schule
quasi mitgeliefert – kein Zufall, denn Hans Zimmer ist erklärter Fan dieses
Stils. Sounds, die man sonst eher aus modularen Setups kennt, sind hier direkt
abrufbar. Assoziationen zu Tangerine Dream stellen sich automatisch ein, denn hier
findet man einen idealen Starting Point, um auf klanglichen Spuren von Edgar
Froese, Christopher Franke oder Klaus Schulze zu wandeln – oder den Score für
einen noch unveröffentlichten futuristischen Heist-Thriller zu kreieren.
Schon die Werks-Presets
landen mitten im Soundtrack-Territorium – irgendwo zwischen Vangelis’scher
Sphärik und brachialer Synth-Wucht. Schwebende Richard Wright-Pads, massive John
Carpenter-Bässe, Vintage-Leads, düstere Goblin-Texturen. pumpende Sequenzen oder
moderne Club-Sounds: Von Moroder-Vintage bis zeitgenössischem House deckt
dieses Instrument wirklich alles ab. Ein klarer Traum für Sounddesigner, die
sich nicht auf ein Genre festlegen wollen.
Mit dem sogenannten
„Genetics“-Feature lassen sich überdies Presets miteinander kreuzen und zu
neuen Hybriden verschmelzen, als kreativer Ideengenerator funktioniert diese
Funktion hervorragend.
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| Credit Bild: 6strings24frames / Synapse Audio |
Natürlich stellt sich für User, die sich ein Zimmer-branded Plugin kaufen, die Frage: Klingt das auch wirklich nach Hans Zimmer? Die ehrliche Antwort lautet: Ja – man findet hier viele seiner typischen Klangfarben, Texturen und Signatures wieder. Die eigentliche Stärke dieses Software-Instruments ist jedoch gar nicht nur das Faktum, dass man hier „Interstellar“-Sounds reproduzieren kann, sondern dass The Legend HZ eine intelligent designte Sandbox für Klangexperimente ist.
Zimmer, der selbst Synth-Aficionado ist, legt dem Musiker
ein extrem kraftvolles Werkzeug in die Hände, das jedoch auch beherrscht werden
will. Synthesizer sind komplexe Werkzeuge – dieser hier ganz besonders. Mit bis
zu sechs Oszillatoren, unzähligen Feinjustierungen und tiefgehenden
Modulationsmöglichkeiten braucht man Zeit um sich mit dem komplexen The Legend
HZ vertraut zu machen. Die Lernkurve ist je nachdem wie versiert man im
Synth-Programming ist mehr oder minder steil. Wer sich jedoch die Zeit nimmt,
bekommt ein echtes Schweizer Taschenmesser i.
Synapse Audio sowie Hans Zimmer und Kevin Schröder liefern kein
Preset-Spielzeug, sondern ein Instrument, das das klassische Moog-Konzept in kreative
Höhen hebt. Die Grenzen setzt hier letztlich nur die Fantasie des Anwenders.
Fazit
The Legend HZ ist nicht bloß eines der besten Moog-Plugins auf dem Markt – es ist ganz generell einer der vielseitigsten Software-Synthesizer überhaupt. Synapse Audio The Legend HZ ist kein Nostalgie-Plugin, sondern ein zugleich klassisches wie modernes, cineastisches Powerhouse. Ein Minimoog, neu gedacht für Sounddesigner, Filmkomponisten und alle, die klanglich weiter gehen wollen. Der analoge Grundcharakter dieses Instruments trägt die Wärme und Charakterstärke des Vintage-Unikums in sich – erweitert um jene klanglichen Horizonte, die erst im digitalen Raum wirklich möglich werden.
Vermutlich ist das größte Kompliment, das man Synapse Audio, Hans Zimmer und Kevin Schröder machen kann, folgendes: In einem völlig überladenen Plugin-Markt haben sie etwas geschaffen, das sich nicht wie ein weiteres Derivat anfühlt, sondern wie eine essenzielle Ergänzung. Ein Instrument, das inspiriert und einen Referenz-Sound bietet.
Hier ein paar von mir eingespielte Sound-Beispiele:

