Freitag, 20. März 2026

KIT PLUGINS: NOIZ 80s LUSH Test: Zurück in die Achtziger

Plugin-Oberfläche des Kit Plugins NOIZ 80s Lush mit lilafarbenem Preamp-Design, Reglern für Bass, Treble, Chorus, Delay und Ambience zur Erzeugung klassischer 80er-Jahre Clean-Gitarren- und Synth-Sounds.
Credit Bild: © Kit PLugins
Die Eighties sind zurück – und eigentlich waren sie nie wirklich weg. Von den Charts bis zur Subkultur, von globalen Popstars wie Sabrina Carpenter bis zu den im Mainstream unbekannten Protagonisten des Synthwave. Vom Comeback jener Sounds, die Session-Größen wie Michael Landau, Dann Huff oder Steve Lukather prägten, bis zu „Stranger Things“-Synth-Reminiszenzen: Der Klang der Achtziger befindet sich in einer geradezu immerwährenden Renaissance.

Das neue Gitarren- und Synth-Plugin (ja, richtig gelesen – dazu später mehr) Noiz 80s Lush aus dem Hause Kit Plugins bedient genau diese Sehnsucht nach jener Ära. Anders als die meisten Plugins, die historische Eighties-Gear emulieren, richtet sich dieses dezidiert nur an Clean-Sounds. Keine Distortion, kein Overdrive, nada – clean, cleaner, Lush ist die Devise. Hier geht es ausschließlich um den kristallklaren Sound, der Platin-Album-Sessions dominierte und sich an elaborierten, kühlschrankgroßen Rack-Setups der Profis orientiert.

Die Rack-Ära

Bei einem lilafarbenen Plugin im Preamp-Look denkt man zunächst an Mike Soldanos X88R-Einheit. Trotz dieser kosmetischen Ähnlichkeit orientiert sich das NOIZ-Plugin jedoch an zwei anderen „Eighties-Staples“: dem Roland Jazz Chorus sowie dem Rockman Rack II. Erstere wurde von Andy Summers oder James Hetfield eingesetzt, letzteres ist ein klassischer Vertreter der „Plastik-Cleans“ à la Def LeppardIm Plugin kann man zwischen diesen Sounds stufenlos blenden oder sie nach Belieben mischen. Mehr DI oder mehr Amp-Body? Kein Problem. Alternativ lässt sich das DI-Signal des 80s-Lush-Plugins parallel in eine Amp-Simulation routen.

Der Grundcharakter ist dabei sehr rund, sehr „middle of the road“ – ein gefälliger, nie extremer Clean-Sound, der sich nur begrenzt formen lässt. Denn: Das Plugin ist bewusst auf einfache und schnelle Bedienung ausgelegt. Bass und Treble als zentrale Klangregler – mehr gibt es nicht. Wer tiefgreifend tweaken oder unterschiedliche Boxen testen möchte, stößt hier an Grenzen. Der volle, leicht dunkle und neutral abgestimmte Grundsound muss also gefallen, denn große Eingriffe sind nicht möglich.

Synths und Huff-ington Post

Kenner wissen: Dann-Huff-Style-80s-Sounds waren selten zu 100 % clean. Mit einem dezenten Drive-Button und einem Top-Boost-Schalter für zusätzliche „Glassiness“ kann man sich dem hier zumindest annähern.

Song-inspirierte Presets wie „Violet Downpour“ (wenn man Elevens Schicksal aus „Stranger Things“ scoren möchte) oder „Breath“, wenn man cleaner als es die Police erlaubt vorzugehen gedenkt, sollen es leicht machen, klassische Sounds zu rekonstruieren, Das alles klingt solide und hat Achtziger-Vibe, ohne dabei die jedoch die angestrebten Sound 1 :1 zu treffen.  Interessant: Das Plugin eignet sich auch für Synths und verleiht ihnen einen zusätzlichen „Sheen“. Das ist ein spannender Anwendungsbereich – gleichzeitig zeigt sich hier aber auch eine gewisse Limitation durch die universelle Ausrichtung.

Chorus, Delay, Ambience

Diese Effekte sind allesamt vorhanden, doch gerade für Hardcore-Fans offenbaren sich Grenzen. Der Chorus klingt gut, bleibt jedoch etwas generisch. Viele ikonische Sounds leben von der Kombination mehrerer Chorus-Effekte (z. B. Tri Stereo Chorus + Dimension D oder Eventide Micro Pitch Shift). Zudem muss man sich zwischen Reverb und Delay entscheiden – beides gleichzeitig ist nicht possible. In modernen Workflows mit mehreren Plugins ist das zwar verschmerzbar, dennoch eine Einschränkung. Für mehr Authentizität empfiehlt sich die Ergänzung durch externe Micro-Pitch-Effekte.

Fazit

Das Plugin wird zwar als All-in-one-Solution für 80s Cleans beworben, das „Be All and End all“ ist es jedoch nur bedingt. Dennoch überzeugt der mehr als solide, runde Clean-Sound, der in jeder Einstellung konstant bleibt. Noiz 80s Lush ist ein praktisches Plugin für schnelle Workflows – mit durchaus zeitloser Klangästhetik, aber auch klaren Grenzen.