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Freitag, 9. November 2018

THE BEATLES - THE WHITE ALBUM 50th Anniversary Reissue

Credit Bild: © Universal Music
Wir schreiben das Jahr 1968: Während die Welz langsam aber sicher aus dem kollektiven Rauschzustand des Summer Of Love-Traums erwacht und sich Blumen im Haar und ein alternativer Lebensentwurf zunehmend nicht als die letztgültige Antwort auf grimmige, weltpolitische Krisen herausstellen, stehen auch die musikalischen Sprachrohre einer ganzen Generation - die Beatles - am Scheideweg.
Bandinterne Krisen sollten schließlich dafür sorgen, dass das Ende dieses epochemachenden Kollektivs schneller kam, als es die Legionen von Fans damals für möglich gehalten hätten. Nach dem Trip ins acid-getränkte Pop-Schlaraffenland im den Zeitgeist verkörpernden „Sgt,. Peppers Lonely Hearts Club Band“ von ´67 war der große Hangover beim Aufwachen nun unvermeidlich.
Das schlichtweg „The Beatles“ betitelte Doppelalbum - dem weißen Albumaufgrund seines unifarbenen, vom britischen Malers und Grafikers Richard Hamilton designten Covers  - war ein deutlicher Kontrast zum Vorgänger. Während die andere große Ex-Beat-Band, die Stones auf ihrem im selben Jahr veröffentlichten „Beggars Banquet“ den Traum Dylans die Toilette runterspülten, blickten die Plattenkäufer beim „White Album“ ins Nichts. Was war das ? Ein Peace-Zeichen ? Eine nihilistische Botschaft ? Ein reines Style-Statement? Bis heute ungebrochen ikonisch in jedem Fall, zumal die weiße Leinwand ja eine Projektionsfläche für diverse Interpretationen jedes einzelnen Zuhörers bot.

Musikalisch zeigten sich die Liverpooler so divers wie nie zuvor: War der Vorgänger ein stilistisch kohärentes Konzeptalbum,  bleibt das „White Album“ – die einzige Doppel LP in der Diskographie der ehemaligen Pilzköpfe – ihr eklektischstes Werk. Ein wilder Genre-Mix, der nicht zuletzt aufgrund der vollends fehlenden Pausen zwischen den Tracks, dennoch wie aus einem Guss wirkt. Hier verarbeiten Lennon, McCartney, Harrison und Starr nicht nur pointierten „social commentary“ über die sich ändernden Zeiten (Stichwort: „Revolution “ oder „Happiness Is A Warm Gun“) sondern zeigen auch überdeutlich ihre mannigfaltigen Einflüsse: Bis auf puren Rockabilly als Reminiszenz an ihre Hamburger Star Club Tage fehlt hier so gut wie kein Genre: typischer Brit-Pop, Akustikballaden, Country-Anklänge, angelsächsisch geprägter Blues (Lennons “Yer Blues“), das wohl heavieste Beatles-Stück ever  -das rüde Garagen-Rock-Inferno von „Helter Skelter“ , melancholische Rockhymnen („Harrisons „While My Guitar Gently Weeps mit Eric Claptons ikonischem, flanger-getränkten Gitarrensolo)...
Ja, Insgesamt ist das nicht nur die vielfältigste sondern vielleicht auch die beste Platte der Beatles.

Eine dunkle (musik-)historische Sidenote: Mit dem „White Album“ gelang den Beatles nicht nur das Kunststück in Rekordzeit einen mindestens ebenbürtigen Vorgänger zum einflussreichen „Sgt. Peppers“ einzuspielen, der auch ähnlich erfolgreich war.
Der von den Beatles besessene, berüchtigte Charles Manson war in obsessiver Manier vom weißen Album und insbesondere dem Song „Helter Skelter“ fasziniert, den er – obwohl es in Wahrheit überhaupt keinen Zusammenhang mit den Kompositionen und Lyrics der Beatles gibt - als Bestätigung seiner kruden Theorie eines kommenden „Rassenkrieges“ interpretierte bzw. umdeutete;im Zuge von Mansons irren Plänen kam es 1969 zu den von Mitgliedern der „Manson-Family“ begangenen  Tate-LaBianca-Morden.
Credit Bild: ©  John Kelly Apple Corp Ltd.  
Die 2018er Neuauflage eines Klassikers: 
Nun zum 50th Anniversary wird das „White Album“ reissued – u.a. in einer Limited 3 CD Deluxe Version. Diese verbindet die übliche Digipak-Ästhetik mit Anklängen an die gute alte, kultige Vinyl- Schallplatte: Prägedruck auf der Vorderseite, drinnen Fold-Out-Poster mit Booklet.
Das bekannte Klassiker-Album ist dabei auf 2 Discs aufgeteilt. Der Bonus Content findet sich auf Disc 3, die sog. Esher Demos - frühe Versionen jener Songs, die schließlich am Album landeten. Die ganz große Entdeckung findet man auf dieser Reissue nicht, was sich aber auch als schwierig herausstellt bei einer Band wie den Beatles, deren Karriere derartig gut dokumentiert ist und von denen es schon so viele Boxsets und Neuauflagen gegeben hat. Für die Hardcore-Fans die hier die Entwicklungsstufen der legendären Songs nachvollziehen können, aber sehr hörenswert.
Insgesamt ist dieses Anniversary-Release wieder eine toll klingende, schön gestaltete Reissue – bei der ich persönlich meine alte 60er Vinyl vom White Albums gerne als Museumsstück im Regal lasse und stattdessen diese mehr als gelungene Neuauflage im Player rotieren lasse.

Donnerstag, 23. Dezember 2021

THE BEATLES - GET BACK

 Credit Bild: Copyright: ©Apple Corps
Als die Sixties langsam aber sicher ausklangen, endeten nicht nur viele Hippie-Utopien - auch eine der wegweisenden und prägenden Bands jener Dekade stand vor dem Aus: Im Zeitraum von weniger als 10 Jahren hatten die Beatles mehrere Metamorphosen durchgemacht und dabei stets den Zeitgeist entscheidend mitgeprägt. John, Paul, George und Ringo waren vom Merseybeat-Phänomen zu Studiotechnik/ Psychedelik-Pionieren und schließlich „Rock Royalty“ geworden, doch 1969 waren die Spannungen innerhalb der Band nicht mehr zu übersehen. Jene Zeit erwies sich jedoch als nicht weniger produktiv. Trotz der teils sehr aufgeladenen Stimmung entstanden in jener Endphase zwei Alben, die einige der besten Songs in der gesamten Karriere der Beatles enthielten - „Abbey Road“ und „Let It Be“.

Die „Long and Winding Road“ zum legendären Rooftop-Concert und den Recording Sessions zu “Let It Be” stehen anno 2021 durch die „Get Back“-Dokumentation von „Herr Der Ringe“-Regisseur Peter Jackson besonders im Fokus. Begleitend dazu ist ein gleichnamiger Großformatband  erschienen, der wie eine kondensierte Version der Jackson-Doku wirkt. Ein neues Buch über die ikonischen Fab Four ist per se nun nicht unbedingt eine Seltenheit. Dieses ist dann aber doch ein bisschen etwas Besonderes, ist es doch das erste offizielle Beatles-Buch seit 20 Jahren.

Natürlich funktioniert es auch als eigenständiges Werk ohne dass man Jacksons epischen 468 Minuten langen Disney+ Dreiteiler gesehen hat. Doch einiges an Wissen über die Biographie der Beatles sollte der geneigte Leser schon mitbringen. Denn eine musikhistorische Einordung wird hier – abgesehen von den prominenten  Vorworten, verfasst von Peter Jackson,  Autor Hanif Kureishi und John Harris (Guardian, Mojo Magazine) – nicht vorgenommen. Im Zentrum des Buchs stehen einerseits eindrucksvolle Bilder von Rock N´ Roll-Photographer Ethan A. Russel und Linda McCartney als auch ausführliche Transkriptionen ausgewählter Gespräche im Studio und auf dem Apple Building - quasi der Film zum (nach)lesen. In „Fly on the Wall“-Manier wird der Leser so Zeuge der historischen Sessions und des letzten Live-Auftritts der GruppeEs sind Situationen und Dialoge aus denen sich einerseits die Spannungen die zum Ende der Band führten deutlich ablesen lassen, die jedoch auch dokumentieren wie nach und nach einige der ganz großen Klassiker der Musikgeschichte aufgenommen wurden. Das erinnert immer wieder an das Drehbuch eines Films oder auch an ein Theaterstück – und zwar ein sehr naturalistisches und realiätsnahes. Hier gibt es keine dick aufgetragenen „Eureka“-Moment wie bei manchem Musiker-Biopic. Vielmehr wird man Zeuge wie sich allmählich aus dem Alltäglichen das Besondere herauskristallisiert. Dass dieses Buch in Akte eingeteilt ist und zu Beginn die „dramatis personae" – John, Paul, George und Ringo - vorgestellt werden, verstärkt den Eindruck, dass man hier das "Drama vom Ende der Beatles" im O-Ton nachliest, noch. Ein Drama, das jedoch ähnlich wie Peter Jacksons "Get Back" auch die positiven und teils magischen Momente einfängt.

The Beatles - Get Back, 2021, Peter Jackson, Hanif Kureishi, The Beatles (Autoren), John Harris (Hrsg.)  erschienen bei Droemer Knaur 

Credit Coverbild:© Droemer Knaur 

Dienstag, 20. Juni 2017

THE BEATLES – SGT. PEPPERS LONELY HEARTS CLUB BAND

Credit Bild: © Universal Music
Heuer jährt sich nicht nur zum 50. Mal der Summer Of Love – jene Monate im Jahr 1967 in denen der Traum von weltumspannender Liebe und Frieden zumindest kurzfristig greifbar schien – auch eines der Schlüssel-Alben jener Zeit, Sgt. Peppers Lonely Heats Club Band der Beatles, feiert Jubiläum und wird passend dazu in einer neuen Version aufgelegt.

Die 2 CD Anniversary Edition kommt im attraktiven Schuber in dem sich ein an alte Vinyls erinnerndes Slipcase (inklusive Gatefold) mit zwei Discs und einem dicken Booklet befindet. Dieses wartet mit einem informativen Essay, Infos zu jedem einzelnen Track und vielen Fotos aus der „Peppers“-Ära auf - eine schön gestaltete Aufmachung, die gerade Beatles-Sammlern gefallen wird.
Credit Bild: © Universal Music
Die erste CD enthält das Klassiker-Album selbst - eines jener Werke, das den Hörer einer Zeitkapsel gleich in ein Swinging London mitnimmt, in dem den Experimenten und dem Bewusstsein keine Grenzen gesetzt waren. Die Platte ist einerseits typisch für den damaligen Zeitgeist, gleichzeitig prägte sie diesen allerdings auch maßgeblich mit.
Produzent George Martin und John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr begriffen das Abbey Road Studio als eigenes Instrument und malten ein Klanggemälde aus Effekten und Soundkreationen: ein Kaleidoskop nicht nur bei einem gewissen Mädchen mit ebensolchen Augen sondern auch was die Klangvielfalt anbelangt: An Vaudeville gemahnende Novelty-Songs vermischen sich hier mit psychedelischen Pop- und Rock-Elementen.  Auf diesem Album vollzogen die einstigen Pilzköpfe vollends jene Wandlung, die  sich schon auf dem Vorgänger „Revolver“ angedeutet hatte. Das war die "cutting edge"-LP an der sich die Kollegen der Beatles messen lassen mussten.

CD 2 wartet mit zahlreichen Alternate Takes auf sowie mehren Versionen von „Strawberry Fields Forever“ und „Penny Lane“, die zwar während den „Sgt.Peppers“-Sessions aufgenommen wurden, jedoch nur seinerzeit als Single veröffentlicht wurden und so - nach damals üblicher Praxis – nicht auf dem ursprünglichen Album erschienen.

Credit Bild: © Universal Music

Die 50th Anniversary Version bietet allerdings nicht nur eine schöne Aufmachung und Bonus Tracks - sie wurde auch ganz neu in Stereo gemixed, und zwar von Giles Martin, dem Sohn des legendären, im Vorjahr verstorbenen Beatles-Produzenten.  Der erste Höreindruck dieser „neuen“ Version fällt überaus positiv aus. Das neue Mastering ist sehr dezent gehalten und klingt einfach richtig fett, klar und gut -  auch wenn einige Sound- und Beatles-Puristen wohl trotzdem einer am historischen Original orientierten Mono-Version den Vorzug geben würden.

Fazit: Die Jubiläums Edition von „Sgt. Peppers“ ist eine  gelungene Neuauflage eines der ganz großen Kult-Alben der Musikgeschichte.

WEITERFÜHRENDER LESE-TIP:
Credit Coverbild : ©  Edition Olms


Die Genesis von „Sgt. Peppers“ ist auch zentraler Aspekt in Brian Southalls äußerst lesenswertem Buch über die psychedelische Inkarnation der Liverpooler „Beat“-Band und  das ereignisreiche Jahr ´67 -  Damals stand die Welt zwischen „Summer Of Love, Vietnam-Demos, Sechstage-Krieg und gesellschaftlicher Bewusstseinserweiterung: Southall zeigt die Hintergrundgeschichte zu einer wegweisenden LP und einer Welt im Aufruhr. 

Eine äußerst lesenswerte Mischung aus Geschichtsbuch und reich bebilderter Pop-Enzyklopädie, in der das Kultalbum wird in einen breiteren sozio-kulturellen Kontext gebracht wird. 


Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band
Das Album, die Beatles und die Welt 1967
Übersetzung aus dem Englischen von Michael Auwers.
192 Seiten mit über 150 meist farbigen Fotos.
Fester Einband im Format 25 × 25 cm
ISBN-10: 3-283-01281-4
€ (D): 29,95
€ (A): 30,80

Dienstag, 2. Oktober 2018

THE WHITE ALBUM The Album, the Beatles and the World in 1968

Credit Coverbild : ©  Edition Olms
Vor 50 Jahren erschien das weiße Album der Beatles – fraglos eine der besten und abwechslungsreichsten Platten der Rock- und Popgeschichte. Den Fab Four gelang damit das Kunststück nach dem den Zeitgeist maßgeblich mitbestimmenden Konzeptalbum „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band“ ein vollkommen ebenbürtiges Album bzw. Doppelalbum nachzulegen – ein Werk, das nicht nur stilistisch ungemein breit aufgestellt ist (die Range reicht hier von Rock, Blues, Akustik-Pop, Reggae hin zu Country-Anklängen) sondern -
je nach persönlichem Geschmack  - den Vorgänger sogar noch zu toppen vermochte.

Passend zum 2018er Jubiläum der großen Weißen unter den LPs erscheint Brian Southalls Nachfolger zu seinem Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band - Das Album, die Beatles und die Welt 1967 in englischer Originalversion bei Edition Olms.
Brian Southall – seines Zeichens Musikexperte und Beatles-Kenner* - hat bei seinem neuesten Werk wieder das große Ganze, das „big picture“ im Blick.
Musik wird nicht nur als ein im abgeschirmten Studio entstandenes Kunstprodukt gesehen, sondern als in die sozialen Gegebenheiten eingebettetes und diese gleichzeitig beeinflussendes Phänomen – somit ist auch Southalls White Album-Abhandlung  ganz ähnlich gelagert wie der Vorgänger; und wieder in eien A- udn eine B-Seeite wie bei einer Vinyl aufgeteilt: Einerseits beleuchtet er die Kultplatte en detail, andererseits beschreibt er auch den historischen Kontext in gleichem Maße.
1967 war die Welt ja schon im Umbruch und dies legte sich mit dem tumultreichen Jahr 1968 keineswegs, es war das Jahr in dem einerseits die Love & Peace-Hippieträume noch florierten, gleichzeitig Krisen und Unruhen das Weltgeschehen dominierten - Stichworte: Robert F. Kennedy-Attentat,  zunehmende Umbrüche sozialer Normen, Studenten-und Civil Rights Proteste...

Somit ist dieser Detailblick auf das weiße Album ein (Pop-)Geschichtsbuch, das für den historisch interessierten Musikfan ungemein lesenswert ist – und das ideale Begleitbuch zu einer Revisited-Listening Session des genialen Albums darstellt.

*Zum Autor: Brian Southall schreibt seit Jahrzehnten über Musik, (u.a. für den englischen Melody Maker) und blickt zudem auf eine 30-jährige Karriere im Business bei EMI, A&M, Tamla Motown und Warner zurück. Passend zu seiner Beatles-Vorliebe war er bei der EMI auch  für die Solo-Projekte der Liverpooler zuständig.

Bibliographische Angaben
Brian Southall
The White Album -Revolution, Politics & Recordings
Englische Originalausgabe/Original English Edition,Foreword by Chris Thomas
192 Seiten mit über 150 meist farbigen Fotos. Fester Einband im Format 25 × 25 cm.
ISBN-10: 3-283-01287-3, ISBN-13: 978-3-283-01287-8
€ (D): 25,–, € (A): 25,–sFr.: 32.50 

Montag, 1. Oktober 2018

Die Beatles Story - Bandgeschichte/Alben/Hintergründe


Credit Coverbild: © John Pring Rob Thomas  Knesebeck Verlag
Der Preis für das originellste Musikbuch der letzten Zeit geht ziemlich sicher an diese Neuerscheinung aus dem Hause KnesebeckIn diesem kunterbunten Band widmen sich John Pring und Rob Thomas  - die beiden Gründer von Designsoap Ltd., einer der ganz großen Agenturen für Infografikdesign, die schon diverse Projekte für die UN, Google, BBC, The Guardian, Ford oder  die Europäische Kommission entwickelt hat -  einer der Fixgrößen der Popkultur: den Fab Four aus Liverpool.

Im den 10 Jahren ihres Bestehens schufen die vier englischen Musiker 
trendsettende, den Zeitgeist prägende Alben-Kunstwerke, kreierten wegweisende Sound-Experimente und schrieben sich mit einem Songkatalog sondergleichen für die Ewigkeit in die Musikgeschichte.  Das gesamte Ausmaß des Phänomens Beatles wird von Pring und Thomas in jenem Medium aufbereitet, in dem sich die beiden Popkultur-Aficionados am wohlsten fühlen: der Infografik.
Credit Bild: © John Pring Rob Thomas  Knesebeck Verlag
Credit Bild: © John Pring Rob Thomas  Knesebeck Verlag
Credit Bild: © John Pring Rob Thomas  Knesebeck Verlag
Credit Bild: © John Pring Rob Thomas  Knesebeck Verlag
Dass diese nicht nur nüchtern sein muss, sondern fast schon kindisch lustig rüberkommen kann zeigt dieser Band auf gut 288 Seiten: In witzigen Grafiken erfährt man alles Wissenswerte über die Kultgruppe:  Tourdaten, Chart-Positionen, die Evolution der Frisuren vom Pilzkopf der frühen Beatlemania zum Langhhaarlook der Spätphase um „Let It Be“ oder welche Gitarren George, Paul und John im Laufe ihrer Karriere spielten (siehe Bild oben, auch wenn Harrisons Gretsch Country Gentleman doch etwas anders aussah…tja, die Reduktion der Infografik…)

Ein unterhaltsames Buch, das selbst Fans mit lexikalem Wissen viel Spaß machen wird - eindeutig das witzigste Beatles-Release der letzten Jahre.

Bibliographische Angaben
Die Beatles Story - Bandgeschichte/Alben/Hintergründe
Gebunden, 288 Seiten, durchgehend farbig illustriert,  aus dem Englischen von Claire Roth Preis € 30,- [D] 30,80 [A]   ISBN 978-3-95728-176-0

Samstag, 14. Juli 2018

Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band - Das Album, die Beatles und die Welt 1967


Credit Coverbild : ©  Edition Olms
Zwischen „Summer Of Love, Vietnam-Demos, Sechstage-Krieg und gesellschaftlicher Bewusstseinserweiterung: Die Hintergrundgeschichte zu einer wegweisenden LP und einer Welt im Aufruhr.

Es gilt als eines der wichtigsten Werke der Rock-und Pophistorie und vereint in sich fast alle Attribute des Zeitgeists der zweiten Hälfte der Sixties: Nachdem sie bereits mit „Revolver“ in tiefste psychedelische Sphären getaucht waren, schufen die Fab Four mit „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band“ eines der Schlüsselalben der Dekade.
Ein Album, das den Hörer einer Zeitkapsel gleich in ein Swinging London mitnimmt, in dem den Experimenten und dem Bewusstsein keine Grenzen gesetzt waren. Produzent George Martin und Lennon, McCartney, Harrison und Starr begriffen das Abbey Road Studio als eigenes Instrument und malten ein Klanggemälde an Effekten und Soundkreationen: ein Kaleidoskop nicht nur bei einem gewissen Mädchen mit ebensolchen Augen sondern auch was die Klangvielfalt anbelangt.
Die Entstehungsgeschichte dieser wegweisenden Aufnahmen ist auch der zentrale Aspekt in Brian Southalls äußerst lesenswertem Buch über die psychedelische Inkarnation der Liverpooler „Beat“-Band und das ereignisreiche Jahr ´67.

Southall schreibt nicht nur seit Jahrzehnten über Musik, (u.a. für den britischen Melody Maker) sondern blickt auch auf eine 30-jährige Karriere im Business bei EMI, A&M, Tamla Motown und Warner zurück. Passend zu seiner Beatles-Affinität war er in seiner Zeit bei EMI auch  für die Solo-Projekte der Liverpooler zuständig. Diesen Insider-Zugang merkt man seinem Buch beim Lesen auch an.
Originellerweise ist der Band nicht nur vom Cover her an eine alte Schallplatte angelehnt – auch der Inhalt selbst ist in eine A und B Seite eingeteilt. Auf Seite A widmet sich Southall dem Album und der Backstory, wie es zu einem der wichtigsten Longplayer im Pantheon der Rockmusik werden konnte. Auf Seite B wird schließlich eingehend das Jahr 1967 und die weltpolitischen Ereignissen zwischen Love & Peace-Bewegung, Krieg, kultureller Grenzüberschreitung und individuellem Freiheitsstreben beleuchtet.
 Southall  betrachtet das „Peppers“ Album somit nicht isoliert aus einem rein musikalischen Blickwinkel sondern bettet es in einen breiteren, gesamtgesellschaftlichen Kontext ein.
Dadurch wird dieser reich bebilderte Band nicht nur zu einem gelungenen Werk über die Beatles, sondern auch zu einem popkulturellen Geschichtsbuch.

Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band
Das Album, die Beatles und die Welt 1967
Übersetzung aus dem Englischen von Michael Auwers.
192 Seiten mit über 150 meist farbigen Fotos.
Fester Einband im Format 25 × 25 cm
ISBN-10: 3-283-01281-4
€ (D): 29,95
€ (A): 30,80

Montag, 17. Dezember 2018

ROCK CLASSICS Nr. 24: THE BEATLES – Das Sonderheft

Credit Coverbild: © 2018 ROCK CLASSICS/Slam Media GmbH    Apple Corps Ltd.


Die dieser Tage veröffentlichte, mittlerweile 23. Ausgabe der Rock Classics widmet sich wieder einer Brit-Legende: nach den Stones und Led Zeppelin stehen im letzten Heft des Jahres 2018 nun die Beatles im Fokus.
Dies hat wohl weniger mit dem bevorstehenden Brexit und dem Polit-Chaos auf der Insel zu tun, als vielmehr mit dem aktuellen Ereignissen und Jahrestagen in Sachen Liverpooler Heroes – das große 50th Anniversary  des White Albums und der neuen Paul McCartney-Nummer 1 –LP  Egypt Station“.

Das 114 seitige Hochglanzheft bietet einen Crash Kurs in Sachen „Macca“, Lennon, Harrison und Starr mit Hintergrundfeatures, Biografien, Beleuchtung aller zwischen ´63 – und ´70 veröffentlichten Studioalben, einem Überblick über Devotionalien und einem Streifzug durch Hamburg, jener Stadt in der die Beatles ja zu Anfang ihrer Karriere u.a. im legendären Starclub spielten.
Der alte Fan wird hierbei naturgemäß nicht wirklich etwas Neues erfahren, die gewohnt gute Aufmachung der Rock Classics-Reihe sorgt jedoch wieder dafür, dass sich dieser Fab Four Kompaktüberblick nicht nur an ganz neue, junge Fans richtet.

Montag, 10. Januar 2022

BEATLES - ALLE SONGS: Die Geschichten hinter den Tracks

Credit Bild: © Delius Klasing
Zwar wurde Willie Dixons „You Can´t Judge A Book By The Cover” von den Stones und nicht von den Beatles gecovert - doch zutreffend ist dieser Titel auch bei diesem interessanten Nachschlagewerk. Aufgrund des knalligen Retro-Covers könnte es der geneigte Leser beim Streifzug durch die Buchhandlung auf den ersten oberflächlichen Blick durchaus für ein Marketing-Buch aus den Achtzigern halten. Doch darum handelt es sich hier mitnichten, vielmehr verbirgt sich dahinter ein profundes musikhistorisches Werk.  

Das Autoren-Duo dieses Buchs ist Musik-Aficionados wohlbekannt: Jean-Michel Guesdon und Philippe Margotin beleuchten seit einigen Jahren die Legenden der Musikgeschichte in Form von ausführlichen Monographien – von den Rolling Stones über Bob Dylan zu Jimi Hendrix und Led Zeppelin. Dieser Band über die Liverpooler ist einer der ersten in einer neuen, günstigeren Reihe, die anders als die bisherigen Titel im Softcover erscheinen, eine Paperback (Writer) Edition also.

Das Format und Layout wurden zwar geändert bzw. leicht abgespeckt, der Inhalt  jedoch keineswegs. In gewohnt gut recherchierter Manier werden Bio- und Diskographie sowie die Geschichten hinter den Songs beleuchtet:  von den ursprünglcihen Ideen hin zu den fertigen Kompositionen, von den wegweisenden Aufnahmeprozessen mit George Martin hin zu den Instrumente.  Die Facts und Trivia-Dichte ist hier ähnlich hoch wie der Anteil der Bilder (über 300 Fotos).

Wie immer bei den Tteln von Guesdon und Margotin sind es gerade die übersichtliche Kompaktheit sowie der hohe Detailgrad, die den Mehrwert dieses lexikalen Werks ausmachen. Ein Band, der nicht nur für jene gedacht ist, deren persönliche Magical Mystery Tour erst mit der neuen Peter Jackson Doku begonnen hat – wenngleich dieses Buch als Einstieg in die Welt der Liverpooler Ikonen fraglos prädestiniert ist.

BEATLES –ALLE SONGS: Die Geschichte hinter den Tracks, von  Jean-Michel Guesdon, Philippe Margotin erschienen bei Edition Delius Klasing

Samstag, 22. Juni 2024

ABBEY ROAD - Die Geschichte des berühmtesten Musikstudios der Welt

Abbey Road Buch Buchcover Studio Legendary Beatles John Paul Geoge Ringo David Hepworth Wall
Credit Coverbild: © HannibalVerlag
Was haben Pink Floyds „Dark Side Of The Moon“, Yehudi Menuhins frühe Aufnahmen mit Sir Edward Elgar, Krzysztof Komedas Wiegenlied aus Roman Polanskis „Rosemary´s Baby“, John Williams “Star Wars“-Score und Lady Gagas “Born This Way“ gemeinsam ? Nun, sie alle wurden am selben Ort aufgenommen und so für die Ewigkeit konserviert: in den heiligen Hallen von Abbey Road im Londoner Stadtteil Westminster. Es ist ein Studio, das neben seinen berühmten, von Fachleuten geschätzten akustischen Eigenschaften auch ideell gesehen nicht legendärer sein könnte und dessen Historie so vielschichtig und weitreichend ist, dass sein geradezu magischer „Pull“ bis in die Neuzeit reicht - und auch eine neue erschienene 376-seitige "Biographie eines Gebäudes" locker füllt.

Auch ohne Google Maps oder Ortskenntnis kann man Abbey Road schwer verfehlen, dafür sorgen schon unzählige Musikfans und Touristen, die alle auf den idealen Moment warten, um ungestört den wohl berühmtesten Zebrastreifen der Welt zu überqueren und so auf den Spuren von John, Paul, George und Ringo zu wandeln - die einst für das Cover ihres nach dem legendären Studio benannten Album ebenjenen Weg zu ihrer Arbeitsstätte passierten. Zusammen mit ihrem Produzenten George Martin definierten die Fab Four dereinst neu, was ein Studio überhaupt sein kann: Nicht bloß ein Ort, an dem qualitativ hochwertige Aufnahmen unter möglichst guten Bedingungen gemacht werden, sondern ein eigenes Musikinstrument, das man in kreativer Art und Weise spielen bzw. einsetzen kann. 

Es sind jedoch nicht "nur" die Beatles-Recording Sessions, welche dieses Studios während seines beinahe einhundertjährigen Bestehens zu dem gemacht haben was es ist , wenngleich man anmerken muss, dass wenn  s um den Titel des berühmtesten Studios geht,  auch Sun Records in Memphis, das Sunset Sound Studio in L.A. oder das RCA Studio B in Nashville ein Wörtchen mitzureden haben. Eingeleitet vom Vorwort Sir Paul McCartneys,dokumentiert Hepworth wirtschaftliche Querelen (auch an einem so sagenumwobenen Ort wie Abbey Road kam es mitunter zu Zerwürfnissen und nicht eben hilfreicher Erbsenzählerei) und genre-übergreifend bedeutsame Aufnahmen. Dabei fördert er auch  wenig bekannte Fakten zu Tage, wie etwa dass dort Widerstandlieder gegen Nazi-Deutschland aufgenommen wurden.

Hepworth ist derzeit einer der besten Autoren, die über Populärmusik schreiben. Jedes seiner Bücher ist eine kunstvoll geschriebene Zeitreise und auch sein "Abbey Road"-Buch bildet da keine Ausnahme, wenngleich sein virtuoser Einsatz von Sprache und sein trockener britischer Wortwitz in der deutschen Übersetzung ein wenig leiden. Dennoch ist seine Chronik dieses ikonischen Studios ein unterhaltsamer und informativer Streifzug durch einen magischen Ort der Musikgeschichte. 

ABBEY ROAD - Die Geschichte des berühmtesten Musikstudios der Welt, von David Hepworth erschienen im Hannibal Verlag

Mittwoch, 19. Juli 2023

INNENANSICHTEN DER BEATLEMANIA: Paul McCartney - 1964: Augen des Sturms

Paul McCartney  Fans Beatlemania Sixties
Credit Bild: © Paul McCartney 
Wie muss es sich anfühlen an der Schwelle zum Weltruhm zu stehen und Teil der Speerspitze eines kulturellen Phänomens zu sein? Und was muss das für ein Gefühl sein, wenn der nächste Anruf und das nächste Engagement Platz 1 der Charts und das Erreichen eines Millionenpublikums bedeuten können? Dass dies nicht immer nur einem atemlosen Rausch gleichen muss, sondern mitunter auch surreal ruhig anmuten kann - ganz so als befände man sich im Auge eines Sturms - davon zeugen die jüngst wieder entdeckten, bislang unveröffentlicht gebliebenen und nun in Paul McCartneys neuem Buch gesammelten Aufnahmen.

 McCartney zeigt darin vorwiegend Schwarz-Weiß-Bilder, die er Ende 1963 und Anfang 1964 mit seiner neu erstandenen Pentax SLR Kamera geschossen hat und die „first hand“-Impressionen aus jener  Zeit liefen, als die Beatlemania global wurde. In Lokalitäten zwischen Liverpool und Hamburg hatten die Pilzköpfe bereits für Furore gesorgt, Anfang 1964 stand die Band an der Spitze der englischen Charts, nun ging es um den Rest der Welt. Der Auftritt in der Ed Sullivan Show im selben Jahr läutete endgültig die British Invasion ein und sorgte dafür, dass zahllose Jugendliche, die vor den Fernsehgeräten Zeugen dieses geschichtsträchtigen Auftritts wurden, ihre Lebensplanung über den Haufen warfen. 1964 brachen die Dämme endgültig und die Beatlemania griff international vollends um sich: dies bedeutete tumultartige Szenen bei jedem Auftritt, Fans im ekstatischen Verzückungszustand, der im extremsten Fall Kollaps und Beinahe-Ausschreitungen nach sich zog - oder dafür sorgte, dass das gellende Geschrei der Fans Ringo Starrs Drums, die Vox-Verstärker und die Mikrofone übertönte. Nein, dieses Jahr war für den jungen Paul wahrlich kein Gewöhnliches.

Doch nicht nur für ihn - was auch den bewusst gewählten Plural im Titel erklärt, wie McCartney erläutert:Ich dachte an „Auge des Sturms“, im Singular, da die Beatles sich im Auge eines von ihnen selbst entfachten Sturms befanden, aber als wir uns die Bilder ansahen, dachte ich, das sind eher viele Augen als nur eins. Es gab da ja auch  nicht nur einen einzigen Moment, sondern unzählige Momente im Zentrum dieses Sturms. Außerdem finden sich auf den Bildern sehr viele Augen. Das war ein verrückter Sturm, ein  irrer Wirbelwind, den wir erlebten, als wir tourten und mehr oder weniger jeden Tag gearbeitet haben, und dabei Leuten begegnet sind, die uns fotografieren wollten. Im Zentrum dieses Sturms gab es also sehr viele Augen und Kameras.

 Das Buch ist so etwas wie ein Sequel zum 2021 veröffentlichten „Lyrics“-Band.  Schon damals blickt die 81-jährige Legende auf ihr Leben zurück, hier wählt sie nur einen kleineren Zeitrahmen. McCartney ist natürlich kein professionalere Fotograf, man sieht hier also nicht am Laufenden Band ikonische Fotografien wie bei einem Alfred Wertheimer oder Harry Benson. Manche Bilder sind etwas „out of focus“ oder fallen eher unter die Kategorie „Schnappschüsse“. Doch hat der Beatle fraglos ein Talent fürs Fotografieren. Einerseits zeigt sich McCartney, ähnlich wie in seinen Songtexten als ruhiger und genauer Beobachter - sowohl von Alltagssituationen als auch von vermeintlichen Nebensächlichkeiten. Andererseits offenbaren insbesondere die Aufnahmen von den begeisterten Fans,  Portraits seiner Bandkollegen und die sinnlichen Bilder seiner Langzeitfreundin Jane Asher ein gutes Auge sowie ein beeindruckendes Gespür für Bildkomposition.

Was die Zukunft bringen sollte und welche Art von Karriere noch vor ihm lag, konnte McCartney zum damaligen Zeitpunkt noch nicht wissen. Uns, den Betrachtern, offenbart er hier Innenansichten der Beatlemania , die zwar unaufgeregt wirken, in ihrer unbekümmerten Unschuld dennoch die kribbelnde Spannung, die damals in der Luft gelegen haben muss, erahnen lassen. Einem Foto-Tagebuch gleich werden wir Zeugen von „A In the Life“, eines Alltags der trotz manch banaler Momente alles andere als gewöhnlich war.

Paul McCartney Beatlemania Sixties
Credit Bild: © Paul McCartney 

Ringo Starr Beatlemania Sixties
Credit Bild: © Paul McCartney 

Paul McCartney  Fans Beatlemania Sixties
Credit Bild: © Paul McCartney 

George Harrison Pool Paul McCartney  Fans Beatlemania Sixties
Credit Bild: © Paul McCartney 

John Lennon George Harrison Young Book Paul McCartney  Fans Beatlemania Sixties
Credit Bild: © Paul McCartney 

Cover Paul McCartney  Fans Beatlemania Sixties
Credit Coverbild: © C.H. Beck
Paul McCartney- 1964:Augen des Sturms. Fotografien und Betrachtungen, erschienen im C.H. Beck Verlag

Montag, 31. Oktober 2016

JEFF LYNNE´S ELO - LIVE IN HYDE PARK


Credit Coverbild: Eagle Rock Entertainment, Eagle Vision, EDEL
Die Verbindung unterschiedlicher Genres funktionierte bei keinem Crossover so schlecht wie bei der Verschmelzung von Klassik mit Rock und Pop. Statt einer gelungenen Amalgamation zwischen E- und U-Musik kam häufig einfach ein klischeehafter, fremdkörperartiger Klassik-Anstrich von Werken der Populärmusik oder ein gekünsteltes Verbiegen von Opernstimmen in einem Popkontext heraus.

Eine der wenigen Ausnahmen - Jeff Lynne, der  mit seinem Electric Light Orchestra in den ohnehin äußerst experimentellen 70ern die Möglichkeiten des Klangkosmos der „alten“ und der „neuen“ Musik auslotete. Wie gut ihm diese Sound-Experimente gelangen, kann man etwa bei einem neuen Blu Ray-Konzertmitschnitt eines Gigs vom September 2014  nachhören.
Lynne und seine Band waren Headliner des vom BBC Radio 2 veranstalteten „Festival In A Day“ im Londoner Hyde Park, spielten vor vollem Haus....äh, Park ein 17 Songs umfassendes Set; darunter „All Over The World“, „Evil Woman“, „Ma-Ma-Ma Belle“,  „Livin´Thing“ ,  das erst zuletzt  genial im Film „American Hustle“ eingesetzte „10538 Overture , „Rock N´ Roll Is King“,  die Travelling Wilburys-Nummer „Handle With Care“, „Don´t Bring Me Down“  oder zum Schluss ein furioses „Roll Over Beethoven“. Lynne´s unverwechselbarer Sound hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren:

Extrem melodische Songs mit Hang zum Million Dollar-Hook, Pop mit Beatles-Sensibilität, klassischer Rock N´ Roll der in so eingängigen wie anspruchsvollen Arrangements auf Experimental-Sounds und Klassik-Elemente trifft.

Phasenweise setzt Lynne im Hyde Park zwar zu sehr auf der Pop- und Balladenschiene, was auf Kosten von - nicht gespielten - Hits wie „Rockaria!“, „Hold On Tight“ oder „Long Black Road“ geht, doch die merkbare Spielfreude der Band (und des Orchesters) machen dieses kompakte Best Of-Konzert zusammen mit der exzellenten Bild-und Tonqualität der Blu Ray zu einem Stammgast im Player von ELO-Fans.

Zudem bietet diese Veröffentlichung nicht nur den sehr guten Konzertfilm sondern auch eine abendfüllende und äußerst sehenswerte Dokumentation über Mastermind Lynne: In „Mr. Blue Sky: The Story of Jeff Lynne & ELO“ besucht man den ELO-Frontman in seinem geschmackvollen Anwesen und erfährt - mit interessanten Anekdoten gespickt - die Geschichte des vielseitigen Produzenten und Songwriters.

Samstag, 20. Januar 2024

METALLICA - ALLE SONGS Die Geschichten hinter den Tracks

Credit Coverbild: © Delius Klasing
Seit ein paar Jahren haben sich die Autoren der „Alle Songs“-Bücher die geradezu wissenschaftliche Aufarbeitung der jüngeren Musikgeschichte zur Aufgabe gemacht. Von Bob Dylan und der British Invasion (Beatles und Rolling Stones) über Jimi Hendrix und Pink Floyd hin zu Led Zeppelin entwarfen sie so eine umfangreiche Topographie britischer und amerikanischer Musik, die jeweils stilbildend war bzw. ist. Gemein war all diesen Werken die immense Informationsdichte. Anders als es der Titel suggerieren mag wurden so bei weitem nicht nur nur einzelne Lieder analysiert, sondern vielmehr umfassende Biographien und Facts & Trivia-Sammlungen über die portraitierten Künstler entworfen.

Auch der neueste Eintrag in dieser Reihe bildet da keinerlei Ausnahme. Dieser widmet sich erneut Musikern, die längst ein Phänomen geworden sind - einer Gruppe, die über die Jahrzehnte zur größten Band jenes Genres, das sie im Namen trägt, aufgestiegen ist: Metallica. Autor Benoit Clerk nimmt den Leser mit in die Bay Area San Franciscos der  frühen Achtziger des vergangenen Jahrhunderts. Im Hard ´ Heavy-Breich war die Westküste der USA damals fraglos einer fruchtbarsten Nährboden, in der Gegend um die Bucht entstand eine Subkultur-Szene, in der ein neuer, härterer und schnellerer  Metal Sound geschaffen wurde. Die Genesis von Metallica liest sich dabei beinahe mythisch: Drummer Lars Ulrich inserierte dereinst im südkalifornischen Lokalblatt "The Recycler" um gleichgesinnte Metal Musiker mit einer Vorliebe für NWOBHM-Heroen wie Iron Maiden, Tygers Of Pan Tang oder Diamond Head zu finden - was ihm auch mit nicht gerade geringem Erfolg gelang.

Der Rest ist Geschichte und diese wird von Clerk umfassend beleuchtet. So umfassend dass er alle Alben von "Kill Em All"  bis zum im Vorjahr veröffentlichten „72 Seasons“ unter die Lupe nimmt und dabei so sehr ins Detail geht, dass man hier Equipment-Details, die jeweiligen Aufnahmestudios, ja sogar die technischen Teams mit Toningenieuren und Assistenten nachlesen kann. Vor so einer Rechercheleistung müssen dann sogar langjährige Metallica-Fans den Hut ziehen. Trotz des gewaltigen Umfangs dieses Buchs findet man alle Infos schnell und kompakt, weshalb auch dieser "Alle Songs"-Band den lexikalen Anspruch mehr als erfüllt - ein Band, den man immer wieder zur Hand nehmen kann um bei der nächsten Listening Session neue Hintergrundstories zu den Aufnahmen zu ergründen.

METALLICA - ALLE SONGS  Die Geschichten hinter den Tracks von Benoit Clerc, erschienen im Delius Klasing Verlag

Freitag, 29. März 2019

DIE NEO-KLASSIK UND DER BLUES: YNGWIE MALMSTEEN - BLUE LIGHTNING

© Austin Hargrave  Mascot Records/Mascot Label Group/Rough Trade
Knapp vier Jahrzehnte nachdem er in der Post-Van Halen-Ära quasi im Alleingang einen neuen, hochtechnisierten Spielstil etablierte gilt der schwedische Gitarrist Yngwie Malmsteen noch immer als der Inbegriff des neo-klassischen Shredders. Bei ihm verwischt die Grenze zwischen der E-Gitarre und der Violine mit fast unspielbaren, manisch schnellen Runs wie einst beim Teufelsgeiger Niccolo Paganini. Seine kompromisslose, jenseits aller Geschwindigkeitsgrenzen liegende „Mehr ist Mehr“-Attitüde war immer wieder Anlass für Zweifler scharfe Kritik an einem Virtuosen zu üben, der wie wenige andere auch nach den Achtzigern ein Fulltime- Rockstar geblieben ist. Malmsteen selbst scheint all dies nie wirklich interessiert zu haben, er machte immer sein eigenes Ding unabhängig von Trends.
Auch sein jüngstes, heute erscheinendes Album „Blue Lightning“ bildet da keine Ausnahme und wird niemanden zum Fan des Schweden konvertieren. Doch selbst den ein oder anderen Anhänger wird dieses Werk ziemlich überraschen, denn mit dieser LP hat er ein heavy Blues-Rock-Album aufgenommen.

All jene, die die Karriere des Schweden intensiv verfolgt haben, werden darin einen völlig logischen Schritt erkennen, eine deutliche Blues-Komponente war bei aller barocken Opulenz stets präsent in seinem Spiel. Zudem war eine  Affinität zum blauen Genre bei Malmsteen schon in Kindheitstagen gegeben: Als er zu seinem 5. Geburtstag eine Gitarre geschenkt bekam, versuchte der junge Yngwie das legendäre „John Mayalls Bluesbreakes with Eric Clapton“-Album nachzuspielen- „Blue Lightning“ ist somit so etwas wie ein Schließen des Kreises bzw. der Turnaround im 12 Takte Schema.
Neben einigen  Eigenkompositionen (wie bei der ersten Singleauskopplung „Sun´s Out Top´s Down“ mit dem Themenkomplex  Rolex, Ferrari und bluesigen guitars) covert er Stücke von Jimi Hendrix , ZZ Top, den Beatles, Stones, Deep Purple  oder Eric Clapton.
© Austin Hargrave  Mascot Records/Mascot Label Group/Rough Trade
Der Fehler sich allzu nah an den Originalen zu bewegen, wird hier tunlichst vermieden.
Malmsteen hält sich nicht sklavisch an die Vorlagen, Werktreue steht nicht unbedingt im Mittelpunkt. Vielmehr dienen ihm die Klassiker nur als Gerüst  oder Rahmen für teils hemmungslose Solo-Exzesse bis zum abwinken. Das funktioniert bei manchen Songs besser als bei anderen. Noch ein „Smoke On The Water“-Cover hätte es nicht unbedingt gebraucht, das in Grund und Boden gerockte „Paint it Black“  ist eher zum skippen. Die Purple- Nummern sind hingegen ein Heimspiel für den Blackmore-Jünger Malmsteen, der auch als durchaus guter Sänger brilliert.  Nur die für den Blues so wichtigen Zwischentöne  und feinen Nuancen gehen im Orkan der – technisch zweifelsohne beeindruckenden – Saitenakrobatik immer wieder unter, selbst aus einem laid back Slow Blues Gibbons´schen Zuschnitts wie "Blue Jean Blues" macht er ein Shred-Fest.

Traditionellen Genre-Fans wird dieses Album also viel zu wenig puristisch sein, gleichzeitig wird dieser hochoktanige Vollgas-Blues aber mitunter jene Fans befremden, die die metallischere Seite Malmsteen bevorzugen. Ungeachtet dessen, merkt man stets die Leidenschaft mit der sich der Gitarrist vor seinen Idolen verneigt, Und selbst wenn nicht jedes Cover gelingt, hat man es mit einem der besseren Releases des Schweden zu tun -auch wenn nach dieser Sechs-Saiten-Orgie beim Hörer die Erkenntnis bleibt, dass vielleicht doch so etwas wie ein zuviel an Noten existiert.

Freitag, 30. November 2018

THE ROLLING STONES – BEGGARS BANQUET 50th Anniversary Edition

Credit Bild: © Universal Music
Als die Rolling Stones im Dezember 1968 ihr Album  „Beggars Banquet“ veröffentlichten, markierte diese LP einen der wesentlichsten Wendepunkte in der Karriere von „Englands Newest Hitmakers“: Mit dem Festmahl der Bettler spielten sie nicht nur ihre für viele Fans beste Platte ein sondern nahmen auch den ersten Eintrag in einer unglaublichen Reihe unumstößlicher, in rascher Abfolge releaseder Klassiker auf. Das geniale Live-Dokument "Get Yer Ya Ya´s Out" sowie die ebenso großartigen Studioalben  "Let It Bleed", "Sticky Fingers", "Exile On Main Street" und "Goats Head Soup" sollten folgen.

Deutlich bemerkbar machte sich auf "Beggars..." vor allem eine Verschiebung im band-internen Machtgefüge: so vollzog sich hier der Shift weg von Brian Jones , der sich zunehmend von der Gruppe entfremdete und nur mehr auf ein paar Songs zu hören ist, hin zum nun dominierenden Songwriter Duo Jagger-Richards. Diese verfolgten eine andere künstlerische Ausrichtung als Jones und so wurde ´68 jenes Jahr, in dem die Stones endgültig ihren eigenen Sound fanden. Die Beatles-esken Psychedelik-Experimente wie noch auf „Their Satanic Majesties Request“ gehörten fortan der Vergangenheit an, auf diesem Meisterwerk der Ausschweifung hörte man eine neue ungleich düsterere Version der einst härtesten Beat-Band der Welt:  Nach wie vor im tiefsten Delta verwurzelt war die Amalgamation von Akustikgitarren und elektrischen Instrumenten, hinzu kam ein stärker werdender Country-Einfluss, der sich auf den kommenden Alben noch deutlicher manifestieren sollte.

Die Songs auf "Beggars" transzendieren das Hitsingle-Format und gleichen beinahe einer Kurzgeschichtensammlung. Short Stories, die bei der Vertonung eines Bacchanals des Verdorbenen geschrieben wurden. Sang Jagger zuvor noch - eh schon unverblümt, für die damals noch weitaus zugeknöpftere Zeit - wie er mit einem Mädl die Nacht verbringen wollte, lud er nun gleich ein Groupie zu sich "upstairs" wie im rasselnden „Stray Cat Blues“. Mit dem zeitgeistigen „Street Fighting Man“ lieferte man quasi den offiziellen Soundtrack zum Straßenkampf im Revoutionsjahr, ungeachtet dessen, dass die Stones selber stets weitaus apolitischer als etwa Dylan oder Lennon waren. 

Passend zum dreckigen Sound sind auch die dunklen, oft resignierten Lyrics:
Pure Hoffnungslosigkeit zum Wehklang der Slidegitarre („No Expectations“) trifft auf
Südstataen-Ausschweifung im expliziten „Parachute Woman“ und ein Hillbilly-Panoptikum bei der Southern Gothic-Erzählung „Dear Doctor“ über ein bevorstehendes unglückseliges „shotgun wedding“, das nur mit reichlich Hochprozentigem zu ertragen ist. Das Säkulare verlassen die Stones mit der Gospel-Ode auf den kleinen Mann bei "Salt Of The Earth". Einen Kontrapunkt dazu setzt der Teufels-Samba beim von Mihail Bulgakov inspirierten "Sympathy For The Devil“ - ein absoluter Jahrhundertsong."Beggars" ist das Paradebeispiel für eine Platte bei der es "all killer, no filler" gibt.

Nun 5 Jahrzehnte nach dem ursprünglichen Release wird diese Meisterwerk zum großen Jubiläum reissued. Die Neuauflage kommt im Schuber, wodurch sowohl das ikonische  "Toiletten"-Cover als auch das 1968 veröffentlichte Artwork bei der Neuauflage reproduziert werden. Das Bild mit den Kloschmieragen  - wo etwa der Traum Bob Dylans  runtergespült wurde - wollte die Plattenfirma in den Sixties nicht, stattdessen kam "Beggars Banquet" in schlichter, beiger Hülle in die Läden: darauf war nur zu lesen "Rolling Stones  Beggars Banquet  R.S.V.P. ;  also „répondez s’il vous plaît“ als höfliche Bitte um Rückantwort an den Gastgeber für das Bankett der Bettler:
Credit Coverbild: © Universal Music
Abgesehen davon merkt man jedoch bei dieser neu erschienenen 2018er Version nicht viel von "Anniversary". Denn auf eine an die Vinyl angelehnte CD-Reissue wie beim jüngst veröffentlichten White Album-Neuauflage oder Sticky Fingers wurde hier verzichtet. Auch ein dickes Booklet oder Bonus Tracks sucht man vergeblich: Obwohl gerade ungesehene Fotos, Demos oder anderes unveröffentlichtes Material von den Sessions in den Olympic Studios  ungemein interessant gewesen wärenDas alles ändert zwar nichts daran, dass dieses Album nach wie vor eines der besten aller Zeiten ist, doch hat der Stones-Fan schon aufwendigere Reissues gesehen.