Samstag, 8. August 2026

ORCHESTRAL TOOLS METROPOLIS ARK Series Test – Vom Fritz Lang-Orchester zum modernen Hybrid Score

Credit Bild:© Orchestral Tools
Ein entscheidendes Wesensmerkmal des Kinos im Allgemeinen und visionärer Filmkunst im Speziellen war immer, dass die Grenzen des Mediums permanent verschoben wurden. Einer der größten Pioniere dieser Entwicklung war zweifellos Fritz Lang, dessen Todestag sich 2026 zum 50. Mal jährt. Mit Meisterwerken wie „Dr. Mabuse, der Spieler“, „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ und „Metropolis“ prägte der österreichisch-deutsche Regisseur nicht nur die visuelle Grammatik des Films, sondern erschuf ganze visuelle Welten, deren ästhetischer Einfluss bis heute nachwirkt.

Der Film Metropolis war dabei weit mehr als ein spektakuläres Science-Fiction-Monument der Stummfilm-Ära. Langs Dystopie einer gigantischen Zukunftsstadt, in der monumentale Maschinenarchitektur, soziale Klüfte und menschliche Abgründe aufeinanderprallen, verlangte nach einer ebenso exzessiven wie neuartigen musikalischen Sprache. Der Komponist Gottfried Huppertz schuf damals ein gewaltiges, spürbar von Richard Strauss und Richard Wagner inspiriertes spätromantisches Orchesterwerk voll von Leitmotiven und überwältigender Orchestrierung – im Zusammenspiel mit den Science-Fiction-Bildern war das ein retro-futuristisches Spektakel: Das Orchester transportierte den Maschinen-Klang der Großstadtmechanik, Bedrohung und menschliche Zerbrechlichkeit gleichermaßen. Es war ein Sound, der das Publikum schlichtweg übermannen sollte – klassisch verwurzelt, in seiner Wirkung absolut "larger than life".

Genau dieses Klangideal – die Synthese aus klassischem Erbe, monumentaler Architektur, emotionaler Tiefe und futuristischer Vision bei maximalem „sonic impact“ – steht auch im Zentrum der Metropolis Ark Collection von Orchestral Tools. Die Berliner Sample-Edelschmiede, selbst tief in der Tradition europäischer Klangkultur verankert, hat mit der Ark-Serie  moderne Libraries konzipiert, die klanglich äußerst unique sind. Es geht hier nicht um das x-te brave und letztlich uninteressante Konservatoriums-Ensemble, sondern um ein radikales, dramaturgisch durchdachtes Werkzeugkasten-System für klassisches wie zeitgenössisches Scoring.

Monumentale Klangwelten

Im Intro war von der klanglichen Überwältigung in der Weimarer Zeit die Rede, doch natürlich ist auch die Evolution der modernen Filmmusik untrennbar mit dem stetig wachsenden Bedürfnis nach maximaler akustischer Intensität verbunden. Das zeitgenössische Cinema – und nicht zuletzt das Segment der Trailer-Musik – verlangt nach dem Hans Zimmer-Faktor, nach akustischer Wucht. Es ist eine Welt, in der die Dynamik nicht selten erst im dreifachen Forte () beginnt.

Genau an diesem Extrempunkt setzt Orchestral Tools an. Das Konzept hinter der Ark-Serie ist faszinierend analog zu Fritz Langs Filmepos: Es ist einerseits retro, klassisch und tief vintage-geprägt, andererseits kompromisslos futuristisch für hochmodernes Scoring designed. Das Sampling wurde mit sprichwörtlicher deutscher Gründlichkeit in den legendären Berliner Teldex Studios durchgeführt – jenem akustischen Raum, der für seine transparente Tiefe und seinen legendären Raumklang weltweit geschätzt wird. Das Ergebnis: Die Libraries klingen unglaublich dreidimensional, organisch und lebendig – das ist Sampling auf höchstem Niveau. Einen dementsprechen leistungsstarken Rechner sollte man also sein Eigen nennen wenn man mit diesem "Fritz Lang-Orchester" experimentieren möchte.

Anzumerken ist auch, dass hier bei weitem nicht nur brachial gewerkt werden kann: Alle 6 Collections der Metropolis Ark-Serie verfügen über einen enormen Dynamikumfang. Der Composer kann beim Spielen dieser Libraries somit mühelos zwischen subtilsten Texturen und extremen Klangexplosionen changieren. Der Kerngedanke ist es 

ARK 1 – Wucht und Wahnsinn

Unter dem Diktum „The new fortissimo“ schlägt ARK 1 das erste Kapitel dieser Monumentalserie auf. Wer nach dem ultimativen Trailer-Sound und maximaler Durchsetzungskraft sucht, wird mit dieser Allround-Library unweigerlich fündig. Metropolis Ark 1 widmet sich konsequent der lauten, imposanten Seite des Spektrums – von mezzo-forte bis hin zu einem erderschütternden . Das Instrumentarium ist umfangreich, inklusive einer Überraschung, die man so sonst garantiert nirgends im Orchestergraben findet. Orchestral Tools nennt die einzelnen Kategorien hier Districts:

District I umfasst Gewaltige Sections aus Streichern, Holzbläsern und Brass-Instrumenten

District II ist die Choir-Abteilung mit wuchtigen Männer- und ätherischen Frauenchören für epische Sakral- und Dramatik-Momente.

District III liefert brachiale Drums und massive Percussion-Ensembles.

District IV ist schließlich eine Metal-Band – ganz richtig gelesen: E-Gitarren, E-Bass und ein schweres Drumset für den direkten Crossover-Sound.

Die Streicher von ARK 1 bilden das emotionale, extrem durchsetzungsfähige Fundament. Sie liefern genau jene filmische Breitwand-Dramaturgie, die sowohl in der stummen Frühzeit des Mediums Film usus war als auch in modernen Produktionen verlangt wird. Das brillante Konzept liegt jedoch nicht in reiner Lautstärke, sondern in der organischen Durchsetzungskraft und dem Vibe, der bei den Aufnahmen eingefangen wurde. Gerade im Hybrid-Scoring, wo das Orchester gegen tiefgestimmte Heavy-Gitarren oder massive analoge Synth-Wände ankämpfen muss, setzt sich ARK 1 mühelos durch. Ark 1 (wie auch die anderen Arks) kann so klassisch oder so progressiv klingen, wie das der User möchte - Letztlich kann man in einem Hybrid-Ansatz sogar etwas vollkommen Originäres erreichen – hier gibt es wieder einen Parallel zu Metropolis, und zwar zu Giorgio Moroders Mittachtziger Neudeutung des Scores für den Lang´schen Filmklassiker.

ARK 2 – Rolling in the Deep

Credit Bild:© Orchestral Tools
Während der erste Teil den orchestralen Vorschlaghammer schwingt, taucht Metropolis Ark 2 in die tiefsten und dunkelsten Register ab. Es ist das Yin zum Yang des Vorgängers: Hier regiert das Subtile, das Düstere, das bedrohliche Flüstern in den unteren Frequenzbereichen.. Alle Instrumente und Stimmen konzentrieren sich auf die leisen, intensiven und unheimlichen Schattierungen der unteren Dynamikbereiche (bis ). immens. Auch dieses Kapitel unterteilt sich in vier charakterstarke Distrikte:

District I (Orchestra): Tiefe Holz- und Blechbläser (inklusive Kontrabass-Klarinetten) sowie ein sehrtiefes Streicher-Ensemble.

District II (Choir): Kinderchor, Frauenchor, engelsgleiche Soprane und abgründige Basso Profondo-Chöre.

District III (Epic Low Percussion): Erdbebenartige, tieffrequente Schlagwerke und subsonic Booms.

District IV (Keys): Intimes Klavier, Harmonium und eine historische Positif-Orgel.

Neben ungewöhnlichen Besetzungen und Kombinationen (Percussion Synths!) erweist sich ARK 2 als praktischer Texturgeber für düstere Thriller, Dystopien und archaische Spannungsmomente inkl. Wagner Tuba für die Vertonung des besonders Epischen.

ARK 3 – Die Architektur der Bewegung

Credit Bild:© Orchestral Tools
Von Taiko bis Timpani: Ist es eine Percussion-Library? Oder ist es ein Orchester? In Wahrheit ist es beides: Metropolis Ark 3 fusioniert mächtiges Schlagwerk mit Streichern, Holz- und Blechbläsern zu einem ziemlich einzigartigen, perkussiven Orchesterapparat.

Der Klang entspricht dem Dröhnen der Maschinenstadt: Langs Vision lebte von industrieller Präzision, Zahnrädern und unerbittlicher Bewegung. ARK 3 greift diese Idee auf und behandelt das gesamte Orchester als gigantische Rhythmusgruppe. Gigantische Taiko-Ensembles – laut Orchestral Tools die lauteste Recording-Session, die je im Teldex Studio durchgeführt wurde – treffen auf perkussive String-Hits, Staccati und Brachial-Cluster.

In ihrer kompromisslosen Dynamik und physischen Präsenz erinnert die Energie mitunter an die rohe Performance-Wucht der Blue Man Group. Ob für treibende Chase-Sequenzen oder komplexe Action-Cues: ARK 3 liefert eine Rhythmus-Maschine mit enormem Attack, die organische Schlagkraft perfekt mit elektronischem Sounddesign verbindet.

ARK 4 – Radikale Kontraste

Credit Bild:© Orchestral Tools
Hier geht es vor allem um die Nuancen von sog „blended ensembles“ die in ihren klanglichen Kontrasten interessante Synergie-Effekte schaffen.

10 Ensembles aus Holz- und Blechbläsern, Männer- und Frauenchöre und ein Streichorchester sind keine reinen Repetitionen der früheren Arks sondern liefern wiederum neue Nuancen. Bei den Blasinstrumenten reicht die Dynamikspannweite reicht von hauchzartem  bis zu überblasener Brutalität auf  mit extremen Artikulationen wie Overblown- und Overpressure-Effekten. Das passt nicht nur perfekt zu „Babylon Berlin“-artigen Produktionen sondern ergänzt die bisherigen Ark-Volumes um subtile und gleichzeitig extrem interessante Klangfarben. Die Sounds die mit dieser Library möglich sind fügen sich nahtlos in die breiten Klangflächen der anderen Arks ein und schenken dem Arrangement jenes präzise „Top-End“, das im Mix für sofortige Wiedererkennung sorgt – oder eine Lead-Melodie zum Schweben bringt.

Freitag, 7. August 2026

MIXED IN KEY WINGMAN Test: Copilot fürs Songwriting

Credit Bild:© Mixed In Key
Jeder Musiker, Produzent und Komponist kann davon ein melancholisches Lied singen: Während man tief in der Nacht im Studio an neuen Ideen feilt oder in mühsamen, kräftezehrenden Songwriting-Sessions nach der rettenden Hook-Idee fischt, trifft man plötzlich auf sie – die viel zitierte, unüberwindbare Wand. Man kommt einfach nicht weiter. Das Arrangement stagniert, die anfängliche Euphorie verfliegt. Wie unbezahlbar gut ist es in exakt solchen Momenten, einen echten Songwriting-Partner an seiner Seite zu wissen. Einen Mick Jagger zum Keith Richards, einen John Lennon zum Paul McCartney – oder, wenn es für den Anfang ein paar Nummern kleiner und weniger historisch sein darf, einfach einen verlässlichen Ideen-Geber, der den kreativen Funken mit einer unerwarteten Wendung neu entfacht.

Genau hier setzt das Plugin „Wingman“ von Mixed In Key an. Es verspricht die ultimative digitale, kreative Abhilfe gegen den gefürchteten Writer’s Block. Das Tool hört auf das Audiomaterial, das innerhalb der DAW gerade läuft, und schlägt darauf basierend musikalische Ideen vor – insbesondere passende Akkorde und Basslines. Dabei kann Wingman Vocals, Loops, einzelne Stems oder auch komplette Tracks analysieren und daraus Vorschläge entwickeln, die sich an Tonart, Rhythmik und musikalischem Feeling des vorhandenen Materials orientieren.

In Version 2.0 geht das Konzept noch deutlich weiter: Die generierten Ideen lassen sich mit eigenen Sounds, VST-Instrumenten, Rhythmus-Presets und Effekten weiterformen. Auch der Export als MIDI oder WAV ist möglich. Das Plugin soll also nicht einfach fertige Musik ausspucken, sondern aus dem bestehenden Material heraus neue musikalische Wege aufzeigen.

Damit präsentiert sich Wingman als hochinnovatives Kreativ-Tool, das möglichst natürlich Ideen weiterentwickeln, musikalische Vorschläge machen und – das ist hier das alles entscheidende Detail – aus bestehendem Material organische, sinnvolle Ergänzungen weben soll. Letztlich verspricht die Software also, exakt so zu agieren, wie es ein versierter Co-Produzent auf der Couch im Studio tun würde: kreativ, natürlich und intelligent.

Mixed In Key begibt sich so natürlich in einen Bereich, der auch vor dem Hintergrund jüngster Debatten über künstlich (und nicht künstlerisch)kreierte Musik bei vielen Plugin-Usern extreme Gefühle und mitunter Instant-Ablehnung hervorrufen wird. Aber: Man sollte diesem innovativen Konzept den Benefit of the Doubt geben und sich zunächst mit den interessanten Möglichkeiten vertraut machen, die dieses Tool bietet. Denn: Die musikalischen Vorschläge von Wingman sind nicht einfach KI-generiert, sondern basieren auf dem hauseigenen Music Theory Algorithm von Mixed In Key, der die Vorschläge musikalisch analysiert und kontextbezogen aus dem vorhandenen Material ableitet.

Top-Gun-Ästhetik

Schon beim ersten Öffnen in meiner DAW of Choice, Pro Tools, fällt das durchdachte Design auf. Mit einer dezenten, aber stilvollen „Top Gun“-artigen Optik ausgestattet, macht das Plugin seinem Namen alle Ehre. Wie der sprichwörtliche Wingman von Tom Cruise hält dieses digitale Helferlein dem Komponisten den Rücken frei, übernimmt die Flankendeckung und bewahrt einen potenziell vor kreativen Sackgassen.

Dabei ist Wingman keineswegs nur auf das reine Generieren von Akkorden und Basslines beschränkt. Das Konzept funktioniert vielmehr als eine kleine musikalische Produktionsumgebung innerhalb der DAW. Wer eine Idee erzeugt hat, kann sie direkt mit eigenen Sounds previewen, rhythmisch verändern und mit Effekten bearbeiten. Dafür stehen unter anderem ein Rhythm Editor, verschiedene Rhythmus-Presets für Akkorde und Basslines sowie eine integrierte Effektsektion zur Verfügung.

Dass dieses kühne Konzept nicht nur auf dem glänzenden Marketing-Papier funktioniert, untermauern die zahlreichen Accolades auf der Website des Herstellers. Wenn namhafte Hit-Songwriter wie Diplo und Top-Tier-Produzenten sich öffentlich zu einem Tool bekennen, stellt das eine handfeste Legitimation dar.

Der Elefant im Raum: KI, Retortenbands und der „AI Slop“

Man kommt in einem Review im Jahr 2026 nicht umhin, den sprichwörtlichen Elefanten im Raum zu adressieren: Künstlich generierter Content und alles was in die Nähe von AI und Retorte geht, ist fraglos das alles überschattende Trendthema – oder besser gesagt: das absolute Reizthema unserer Zeit, je nach persönlicher und beruflicher Sichtweise. In nur wenigen anderen Bereichen hat die einst als Heilsbringer gehypte Technologie einen derart schlechten Ruf wie in der traditionellen Kreativbranche.

Und das geschieht oftmals völlig zu Recht! Immerhin schwemmen Retortenbands, algorithmisch generierte Playlists und unerträglicher „AI Slop“ die Streaming-Plattformen und letztlich sämtliche Kanäle. Was beispielsweise schon in der klassischen Werbung nervt, wird in der Musik direkt als Affront gesehen. Es gibt Heerscharen von „Producern“, die es sich allzu einfach machen wollen und der Kunst ihre menschliche Unvollkommenheit rauben. Angesichts der aktuellen, hochkochenden Diskussionen über die drastische Entwertung und Automatisierung künstlerischer Arbeit mag der bloße Ansatz von Wingman also bei vielen Puristen und Vollblut-Musikern sofort alle Alarmglocken schrillen lassen.

Allerdings gilt hier: Gemach, gemach! Man hat es bei Wingman eben nicht mit einer dieser berüchtigten generativen Text-to-Audio-Plattformen zu tun, die einem auf Knopfdruck („Mache mir einen Hit im Stil von The Weeknd“) die eigentliche kompositorische Arbeit abnimmt. Garbage In bedeutet auch hier Garbage Out.

Genauso wie es bei allen großen LLMs (Large Language Models, also ChatGPT und Konsorten) der Fall ist, greift auch hier das eherne Grundgesetz der digitalen Welt: Wingman ist nur exakt so gut wie der Input, den man ihm zur Verfügung stellt. Das Plugin agiert nicht im luftleeren Raum. Es „hört“ innerhalb der DAW quasi mit und macht auf Basis der von uns selbst eingespielten Audio- oder MIDI-Files konkrete Vorschläge, wie es mit dem Song weitergehen könnte. Es analysiert also das vorhandene Material und versucht, daraus musikalisch passende Ergänzungen abzuleiten.

Das ist ein entscheidender Unterschied. Wer Wingman mit einer eigenen Vocalspur, einem Loop, einem Stem oder einem kompletten Track füttert, erhält Vorschläge, die sich auf genau dieses Material beziehen. Zusätzlich verfügt das Tool über eine integrierte Stem-Separation, mit der sich Audio beispielsweise in Vocals, Bass, Drums und weitere Bestandteile aufteilen lässt. Auch Audio-to-MIDI gehört zum Funktionsumfang: Audiomaterial kann in editierbares MIDI umgewandelt werden, um daraus beispielsweise Melodien neu aufzubauen, Harmonien darüberzulegen oder Samples gezielter weiterzuverarbeiten.

Es zeigt Pfade auf, wie man das Arrangement ausbauen und klanglich auffetten kann. Das heißt im Umkehrschluss: Wer das Plugin mit langweiligen, völlig uninspirierten Zwei-Akkord-Ideen füttert, bekommt am Ende auch kein epochales Magnum Opus heraus. Wingman liefert definitiv keine Instant-Genialität aus der Dose. Als „Composition Companion“ kann er aber Anreize schaffen, wie es mit der eigenen Komposition weitergehen kann.

Praxis

Um die wahre Magie des Plugins zu entfesseln, muss man sich mit „Wingman“ intensiv auseinandersetzen und spielen. Angesichts der mannigfaltigen und teils hochkomplexen Funktionen unter der Haube ist ein echter Einarbeitungswille gefragt. Das Tool erfordert detaillierte Arbeit mit Stems, die man erfreulicherweise ebenso wie isolierte WAV- und MIDI-Files nahtlos exportieren und wieder in die DAW importieren kann.

Gerade der Workflow rund um MIDI und Audio macht Wingman dabei interessant: Eine generierte Idee muss nicht zwangsläufig im Plugin verbleiben. Man kann sie als MIDI oder WAV exportieren und anschließend ganz klassisch in der eigenen DAW weiterbearbeiten.

PSP WOBBLER Test– The Dark Side of Modulation

Credit Bild:© PSP Audioware
Wer tief in die Studio-Historie von Pink Floyds Jahrhundertwerk The Dark Side of the Moon eintaucht, landet unweigerlich beim Intro von „Time“. Was sich dort klanglich abspielt, ist weit mehr als nur ein simpler Studio-Effekt – es ist eine absolute Meisterklasse der räumlichen Modulation. Wir hören schwebende, merkwürdig entrückte Texturen im Stereobild, die sich permanent in einem undefinierbaren Vakuum zwischen Phase, mechanischer Rotation und psychedelischem Flirren bewegen. Es ist genau dieses organische Atmen, diese greifbare Tiefe im Klang, die Produzenten und Sounddesigner bis heute fasziniert.

Was man in diesen Sekunden wahrnimmt, ist kein klassischer Phaser, kein Flanger und auch kein herkömmliches Leslie-Kabinett. Es ist das Resultat eines höchst obskuren, beinahe alchemistischen Studio-Experiments: eines handgebauten „Frequency Translators“. Alan Parsons, der als Toningenieur maßgeblich für die klangliche Vision des Albums mitverantwortlich war, setzte diesen Exoten damals gemeinsam mit dem findigen Techniker Keith Adkins ein, um jene unverkennbare Textur zu erschaffen.

Und genau dieses schwer greifbare Stück Studio-Mythologie – halb Effektgerät, halb unberechenbares physikalisches Phänomen – ist nun als Software-Plugin zurückgekehrt. Mit dem  Wobbler liefern PSP Audioware nicht nur eine detailverliebte Emulation ab, sondern können auch mit einem offiziellen Endorsement und der direkten, aktiven Beteiligung von Alan Parsons höchstpersönlich aufwarten. Ich das Tool getestet und uns auf die dunkle Seite der Modulation begeben.

Frequenzverschiebung: Der eigentliche Trick

Um zu verstehen, warum dieses Plugin klanglich so heraussticht, muss man einen Blick unter die Haube werfen. Der zentrale Unterschied zu herkömmlichen Werkzeugen – und zugleich das, was den Wobbler*für Produzenten so faszinierend macht – liegt im zugrunde liegenden DSP-Prinzip.

Während klassische Modulationseffekte wie Chorus, Phaser oder Flanger im Kern stets mit zeitverzögerten oder phasenverschobenen Kopien des Originalsignals arbeiten, setzt der Wobbler konsequent auf Frequency Shifting*(Frequenzverschiebung). Das bedeutet in der Praxis: Das Signal wird eben nicht einfach nur verdoppelt oder auf einer Zeitachse moduliert, sondern tatsächlich spektral, also in seiner absoluten Tonhöhe, verschoben. Das Resultat dieser Operation sind nicht-harmonische Phasenbeziehungen. Mischt man dieses bearbeitete Signal nun über den Dry/Wet-Regler dem Originalton bei, entsteht das charakteristische „Wobble“ – ein lebendiges, sich permanent bewegendes Interferenzmuster tief im Frequenzraum. Oder, um es abseits der trockenen Mathematik etwas weniger technisch und dafür musikalischer auszudrücken: Der Sound scheint sich auf organische Weise zu verbiegen und zu krümmen, ohne dass man als Zuhörer genau benennen könnte, *warum* das eigentlich passiert.

Klanglich operiert der *PSP Wobbler* in einem hochspannenden Niemandsland. Wer das Plugin auf eine Spur legt, hört: einen feinen Hauch von Phaser, einen Schuss metallischen Flanger, einen subtilen, organischen Rotary-Vibe und darüber hinaus einen Schuss schwer quantifizierbaren Mojo. Es klingt kein anderes Plugin wie der Wobbler.

PSP DATAMIX A567 Review – Electric Ladyland im Plugin-Format: Der Sound von Hendrix’ Konsole

Credit Bild:© PSP Audioware
Es gibt Studios, die sind mehr als nur vier Wände voller Mikrofone, Outboard-Gear und einem Mischpult. Sie werden irgendwann selbst Teil der Musikgeschichte. Das Record Plant und das Electric Lady Studio von Jimi Hendrix gehören zweifellos zu dieser Kategorie. Hier wurden einige der prägendsten Aufnahmen der Rockgeschichte produziert – und ein Teil dieses unverwechselbaren Sounds entstand dabei nicht zuletzt durch eine ganz spezielle, heute fast schon obskure Studiokonsole: die Datamix. Genau dort setzt das Plugin Datamix A567 von PSP an.

Das Plugin basiert auf einer frühen Datamix-Konsole, jenem eigenwilligen Stück Studiotechnik, das unter anderem von Eddie Kramer während der goldenen Ära von The Record Plant und Electric Lady eingesetzt wurde. Kramer, der als Engineer und Producer an legendären Aufnahmen von Jimi Hendrix, Led Zeppelin, KISS und zahlreichen weiteren Künstlern beteiligt war, ist ein eIkone unter den Producern und ein Mann mit Golden Ears. Die Alben an denen er arbeitete zählen noch Jahrzehnte später zu den audiophilsten Releases der an großartig klingenden Aufnahmen nicht gerade armen Classic Rock-Ära.

Historisch und Legendär

Und genau dieser historische Kontext ist beim A567 nicht bloß Marketing-Folklore. Das Plugin ist offiziell von Eddie Kramer abgesegnet und endorsed. PSP AudioWare hat sich also nicht lediglich irgendeinen Vintage-EQ zum Vorbild genommen, sondern versucht, einen ganz konkreten Teil dieser historischen Studiotechnik und deren klangliche Eigenheiten in die DAW zu übertragen. Das Ergebnis ist ein Equalizer, der sich von Anfang an gegen eine Erwartung stellt, die wir von modernen digitalen EQs längst verinnerlicht haben: Neutralität. Denn der Datamix A567 will vieles sein: aber nicht neutral. Es ist dies auch eines der Haupt-Wesensmerkmale so vieler analoger Vintage-Gear die der Sound-Aficionado liebt und in Ehren hält

So ist der Datamix A567 absolut  kein chirurgischer Equalizer. Er ist nicht primär dafür gedacht, Probleme millimetergenau aus einem Signal herauszuoperieren. Er ist dafür da, Sounds eine Identität zu geben. Mojo und Vibe lautet hier die Devise. Gute Refernzkopfhörer bzw Monitorboxen offenbaren dann auch schnell: das Signal bekommt einen schwer definierbaren Sound.Bonus hinzugefügt: Das beginnt bereits dort, wo man eigentlich noch gar nichts macht. Denn der A567 ist so konzipiert, dass er selbst mit sämtlichen EQ-Bändern in der Nullstellung alles andere als neutral klingt. Schon das bloße Durchschleifen eines Signals verändert dessen Charakter hörbar. Preamp- und Output-Stages sorgen für zusätzliche Färbung und Nichtlinearitäten. Oder anders gesagt: Dieses Ding arbeitet, selbst wenn man „nichts“ machst.

Genau das macht den A567 für bestimmte Quellen zu einem potenziellen Always-On- beziehungsweise Go-To-Effekt. Besonders auf Gitarrenspuren ist das extrem spannend. Man muss nicht erst aggressiv an den Frequenzreglern drehen, um einen Unterschied zu hören. Der Charakter ist bereits Bestandteil des Systems.

Analog Vibe

Dreht man an den Reglern, passiert nicht einfach nur „mehr Höhen“ oder „weniger Mitten“. Es passiert quasi Attitude. Im Kern folgt das digitale Datamix-Plugin der Logik analoger Geräte, bei denen man mehr mit den Ohren als mit den Augen arbeitet. Gerade ungewöhnliche oder auf den ersten Blick radikale Einstellungen können deshalb genau das Richtige sein. Es geht weniger darum, eine vermeintlich perfekte Kurve zu erzeugen, sondern darum, den Punkt zu finden, an dem ein Signal sich plötzlich richtig anfühlt.

TASCHEN Summer Sale 2026: Coffee Table Books zur Hebung des "Shelf Esteem"

Credit Bild: © Taschen Verlag
Wenn der Taschen Verlag seine Bücher aufschlägt und den Sommer stilvoll schließt…

Es gibt Rituale, die den Spätsommer erst vollkommen machen. Noch bevor sich – frei nach Rilke – die langen Schatten über die Sonnenuhren legen und der Sommer "sehr groß" gewesen ist, richtet sich der Blick der Buchwelt auf einen Termin, der längst selbst beinahe Klassikerstatus genießt: der Sale des Kölner Luxusverlags Taschen.

Anfang September ist es also wieder offen, jenes seltene Zeitfenster, in dem große Kultur, ikonisches Design und außergewöhnliche Fotografie plötzlich erstaunlich erschwinglich werden (bis zu -75% Rabatt).

Wer also schon immer mit großen Fotografen wie David Bailey oder Mario Testino durch die Modegeschichte flanieren, den Meisterwerken der Renaissance begegnen, in den Villen der internationalen Jetsets verweilen oder hinter die Kulissen legendärer Filme von Martin Scorsese bis FRancis Ford Coppola blicken wollte, findet zwischen den monumentalen Seiten der Taschen-Bände ganze Universen.

Den Auftakt bildet die Preview Party am Mittwoch, 2. September, von 17 bis 20 Uhr bei dem die Taschen Flagship Stores ihre Türen für einen genussvollen Abend öffnen: Drinks, entspannte Musik und die exklusive Möglichkeit, noch vor dem offiziellen Verkaufsstart durch die begehrtesten Titel zu stöbern.

Wer also den Sommer mit etwas mehr Stil als einem letzten Strandtag verabschieden möchte, findet zwischen meterlangen Bücherregalen vielleicht genau jenes Objekt, das noch viele Jahre den Wohnzimmertisch schmückt.

Die Termine im Überblick

Sale in den Flagship Stores Berlin (Schlüterstraße 39) & Köln (Neumarkt 3)

Mittwoch, 2. September, bis Samstag, 5. September

Preview Party
Mittwoch, 2. September, 17 bis 20 Uhr
Mit Drinks und exklusiver Vorschau auf die Sale-Highlights.

Online-Sale
Donnerstag, 3. September, bis Sonntag, 6. September
unter
www.taschen.com

Credit Bild: © Taschen Verlag

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