Sonntag, 31. März 2019

Im Bann der Photochromie: Italien um 1900


Venedig, Canal Grande mit Rialtobrücke
© Copyright: Marc Walter Collection, Paris    Taschen Verlag
Unwirklich, märchenhaft, teilweise geradezu surreal wirken die historischen Aufnahmen in diesem Bildband, bei dem man als Leser eine bibliophilie Zeitreise ins Italien der Jahrhundertwende machen kann. Warum die hier gezeigten Bilder aus der extensiven Collection von Grafikdesigner, Fotograf und Sammler Marc Walter weniger wie Vintage-Fotografien denn Gemälde wirken ist leicht erklärt - es handelt sich nämlich gar nicht um herkömmliche Schnappschüsse sondern um sog. Photochrom-Aufnahmen. Die Photochromie (der Begriff setzt sich aus den griechischen Worten für Licht und Farbe zusammen) ist ein früher Vorläufer der heute bekannten Farbfotografie und erlebte seine Blütezeit vor dem Ersten Weltkrieg. 

Credit Bild: © Taschen 
Bei diesem äußerst aufwendigen und ziemlich teuren Verfahren wird das Negativ einer Schwarzweiß-Fotografie auf einen mit einer Asphalt-Mischung überzogenen Lithostein belichtet. Für jede Farbe wird in weiterer Folge eine Asphaltkopie hergestellt und entwickelt. Nach zusätzlichen speziellen Bearbeitungsschritten wird der Stein schließlich mit der jeweiligen Farbe eingefärbt und das Motiv übereinander in den verschiedenen Farbtönen auf Papier oder Karton gedruckt. Klingt extrem kompliziert und ist es auch – „back in the day“ hatte man jedoch noch kein einfacheres Verfahren zur Verfügung. So wurde die „Grand Tours“-Reiseberichte mit Aufnahmen von damals teils geradezu unberührt wirkenden Destinationen der italienischen Upperclass eben via Photochrom festgehalten.
Für den heutigen Betrachter sind diese eindrucksvollen Bilder  bekannter und weniger bekannter Sehenswürdigkeiten sozialreportage-artigen Dokumentationen aus vergangenen Jahrhunderten, die ein Italien zeigt, dass es so heute nicht mehr gibt. Ein interessanter Band, nicht nur wenn man sich gerade Bertoluccis Epos „1900“ angesehen hat.
Bibliographische Daten:
Italien um 1900. Ein Porträt in Farbe
Marc Walter, Sabine Arqué, Giovanni Fanelli,Hardcover, 29 x 39,5 cm, 580 Seiten
ISBN 978-3-8365-4199-2, Mehrsprachige Ausgabe: Deutsch, Englisch, Französisch

Freitag, 29. März 2019

DIE NEO-KLASSIK UND DER BLUES: YNGWIE MALMSTEEN - BLUE LIGHTNING

© Austin Hargrave  Mascot Records/Mascot Label Group/Rough Trade
Knapp vier Jahrzehnte nachdem er in der Post-Van Halen-Ära quasi im Alleingang einen neuen, hochtechnisierten Spielstil etablierte gilt der schwedische Gitarrist Yngwie Malmsteen noch immer als der Inbegriff des neo-klassischen Shredders. Bei ihm verwischt die Grenze zwischen der E-Gitarre und der Violine mit fast unspielbaren, manisch schnellen Runs wie einst beim Teufelsgeiger Niccolo Paganini. Seine kompromisslose, jenseits aller Geschwindigkeitsgrenzen liegende „Mehr ist Mehr“-Attitüde war immer wieder Anlass für Zweifler scharfe Kritik an einem Virtuosen zu üben, der wie wenige andere auch nach den Achtzigern ein Fulltime- Rockstar geblieben ist. Malmsteen selbst scheint all dies nie wirklich interessiert zu haben, er machte immer sein eigenes Ding unabhängig von Trends.
Auch sein jüngstes, heute erscheinendes Album „Blue Lightning“ bildet da keine Ausnahme und wird niemanden zum Fan des Schweden konvertieren. Doch selbst den ein oder anderen Anhänger wird dieses Werk ziemlich überraschen, denn mit dieser LP hat er ein heavy Blues-Rock-Album aufgenommen.

All jene, die die Karriere des Schweden intensiv verfolgt haben, werden darin einen völlig logischen Schritt erkennen, eine deutliche Blues-Komponente war bei aller barocken Opulenz stets präsent in seinem Spiel. Zudem war eine  Affinität zum blauen Genre bei Malmsteen schon in Kindheitstagen gegeben: Als er zu seinem 5. Geburtstag eine Gitarre geschenkt bekam, versuchte der junge Yngwie das legendäre „John Mayalls Bluesbreakes with Eric Clapton“-Album nachzuspielen- „Blue Lightning“ ist somit so etwas wie ein Schließen des Kreises bzw. der Turnaround im 12 Takte Schema.
Neben einigen  Eigenkompositionen (wie bei der ersten Singleauskopplung „Sun´s Out Top´s Down“ mit dem Themenkomplex  Rolex, Ferrari und bluesigen guitars) covert er Stücke von Jimi Hendrix , ZZ Top, den Beatles, Stones, Deep Purple  oder Eric Clapton.
© Austin Hargrave  Mascot Records/Mascot Label Group/Rough Trade
Der Fehler sich allzu nah an den Originalen zu bewegen, wird hier tunlichst vermieden.
Malmsteen hält sich nicht sklavisch an die Vorlagen, Werktreue steht nicht unbedingt im Mittelpunkt. Vielmehr dienen ihm die Klassiker nur als Gerüst  oder Rahmen für teils hemmungslose Solo-Exzesse bis zum abwinken. Das funktioniert bei manchen Songs besser als bei anderen. Noch ein „Smoke On The Water“-Cover hätte es nicht unbedingt gebraucht, das in Grund und Boden gerockte „Paint it Black“  ist eher zum skippen. Die Purple- Nummern sind hingegen ein Heimspiel für den Blackmore-Jünger Malmsteen, der auch als durchaus guter Sänger brilliert.  Nur die für den Blues so wichtigen Zwischentöne  und feinen Nuancen gehen im Orkan der – technisch zweifelsohne beeindruckenden – Saitenakrobatik immer wieder unter, selbst aus einem laid back Slow Blues Gibbons´schen Zuschnitts wie "Blue Jean Blues" macht er ein Shred-Fest.

Traditionellen Genre-Fans wird dieses Album also viel zu wenig puristisch sein, gleichzeitig wird dieser hochoktanige Vollgas-Blues aber mitunter jene Fans befremden, die die metallischere Seite Malmsteen bevorzugen. Ungeachtet dessen, merkt man stets die Leidenschaft mit der sich der Gitarrist vor seinen Idolen verneigt, Und selbst wenn nicht jedes Cover gelingt, hat man es mit einem der besseren Releases des Schweden zu tun -auch wenn nach dieser Sechs-Saiten-Orgie beim Hörer die Erkenntnis bleibt, dass vielleicht doch so etwas wie ein zuviel an Noten existiert.

Mittwoch, 27. März 2019

VOGUE ESSENTIALS: HEELS & LINGERIE


© Vogue Essentials: Heels by Gail Rolfe is published by Conran Octopus in partnership with Vogue UK
Bevor etwas in Mode ist, ist es zunächst in der Vogue - ein bekanntes Bonmot, das mittlerweile seit Jahrzehnten Gültigkeit besitzt. Auch wenn die alleinige Deutungshoheit des Traditionsblatts in Sachen Trends und Zeitgeist durch social media & Co. langsam etwas ausgehöhlt wird, fand und findet man die großen Umwälzungen bezüglich guten Kleidergeschmacks meist auf den Hochglanzseiten der internationalen Vogue-Ausgaben.
Klar, dass die Archive dieser Publikationen voll sind mit Editorials und Bildern von Kleidungsstücken die Geschichte schrieben, zum zeitlosen Klassiker wurden, wiederentdeckt werden könnten, heute skurril anmuten oder gar unter die Kategorie „schlimmste Modesünde ever“ fallen. Eine neue Buch-Reihe der britischen Ausgabe der Modezeitschrift - die Vogue Essentials -  bedient sich nun dieser extensiven Archive und erzählt in der Form kompakter Retrospektiv-Bände die wechselhafte Geschichte der (Damen-)Mode und der Bestandteile jeder guten Garderobe - von Kopf bis Fuß.
Zwei neue Ausgaben dieser Reihe widmen sich zwei absoluten Basics: Schuhe und Unterwäsche. Wobei es hier nicht um Funktions-Bustiers, Granny-Höschen und flache, bequeme Latschen geht, sondern um sexy Heels und Lingerie
© Vogue Essentials: Lingerie by Anna Cryer is published by Conran Octopus in partnership with Vogue UK
Wie keine anderen Kleidungsstücke sind diese beiden ja mit völlig divergierenden Konnotationen behaftet: einerseits sind sie je nach Beschaffenheit eine mehr oder minder attraktiv designte Notwendigkeit, gleichzeitig symbolisiert nichts mehr „Sex“ als Killer-Stilettos oder aufreizende Nylons und Panties. Die hohen Schuhe und das verhüllend-entblätternde „Darunter“ verließen modehistorisch betrachtet schon sehr früh die Sphäre des reinen Utiltarismus: immer schon verband man mit ihnen einen kaum versteckten erotisch aufgeladenen Subtext, sie wurden zum Lust- und Fetischobjekt von Männern wie Frauen - denn welches Girl ist nicht verrückt nach tollen Schuhen oder aufwendig gefertigter Spitzenwäsche ? Lange vor jeglichen „50 Shades Of Grey“- Eskapaden waren Heels & Lingerie Insignien für Stärke und Dominanz genauso wie von Unterwürfigkeit; Statements über Selbstaufgabe wie Selbstbestimmung und Empowerment und damit auch immer Teil des (feministischen) Diskurses vor dem Hintergrund sich ändernder Moralvorstellungen..

All diese Aspekte werden in den Vogue Essentials-Büchern beleuchtet; die Verbindung von ausführlichem Text und zahlreichen Bildern von Top-und Supermodels wie Claudia Schiffer,  Naomi Campbell, Daria Werbowy oder Lara Stone macht diese kleine Geschichte von sexy Mode im Wandel der Zeit zum Mode-Geschichtsbuch und zum Bildband -  im äußerst handlichen "coffee table kompakt"-Format.

Dienstag, 26. März 2019

FRANCIS ROSSI & HANNAH RICKARD – WE TALK TOO MUCH


Credit Coverbild: © earMusic  edel
Er ist der Mann mit der abgewetzten grünen Telecaster, die eine Hälfte des durch den Tod Rick Parfitts nun historischen Boogie-Duos bei Status Quo,: Brit-Rock-Legende Francis Rossi wird heuer 70 und dies ist für den Jubilar Anlass zu einer persönlichen Retrospektive sowie zur Demonstration seines eigenen, eklektischen Musikgeschmacks. Ersteres geschieht durch die Autobiographie „I Talk Too Much“, zweiteres durch das namentlich fast identische „We Talk Too Much“-  ein Album, dass er mit der Sängerin Hannah Rickard, die schon beim erfolgreichen Unplugged-Projekt "Aquostic" dabei war, eingespielt hat.
Wer sich von diesem Album jedoch ein typisches Dauerfeuerwerk in Sachen Dampframmen-Shuffle nach dem Londoner Reinheitsgebot erwartet, wird schon beim ersten Track dieser Platte überrascht werden. Denn wie die meisten Musiker seiner Generation hat auch Rossi ein Faible für die zweite Ingredienz die neben dem Blues den Rock N´ Roll ausmacht: Country. Auf „We Talk Too Much“ lebt er diese Liebe zur Musik der endlosen, amerikanischen Weiten nun aus.
Credit Bild: ©  James Eckersley     earMusic  edel
Düstere Southern Gothic-Moritate eines T-Bone Burnett oder Alt-Country-Exkurse eines Ryan Bingham sind die Sache Rossis nicht, ebensowenig die Richtung authentischen 50s Country Music: er zelebriert vielmehr eine zeitgenössische Americana-Stilistik mit durchscheinender Pop-Sensibilität, die schon so manchen Quo-Hit ausgemacht hat.
"Traditional" und "contemporary" gleichermaßen, jedoch ohne dabei die reizvollen Abseitigkeiten des Genres auszuloten. "We Talk Too Much" wird so kein neues  „Raising Sand“ ist aber ein durchwegs solides Album; ein Privat-Passions-Projekt, dem man den Spaß den Rossi und Rickard bei den Aufnahmen hatten, anmerkt.

ROCK CLASSICS Nr. 25: KISS - Das Sonderheft

© Universal  Rock Classics/ Slam Media GmbH 
War bei den letzten Ausgaben der Rock Classics-Reihe der Anlass für eine Magazin-Retrospektive immer ein großes Rock-Jubiläum wie das Led Zeppelin- oder White Album-Anniversary, ist der Grund für die aktuelle Rückschau ein weniger schöner:
Denn die legendären Kiss befinden sich derzeit auf ihrer "End Of The Road"-Tour - diese Konzertreihe  soll diesmal nun wirklich das letzte "Farewell" werden, ob dem tatsächlich so ist, wird erst die Zeit weisen.
Die Slam Media-Redaktion nimmt diesen vorhersehbaren Schlussstrich unter eine der  erfolgreichsten Geschichten im Rock-Biz jedenfalls zum Anlass um in ihrer 25. Ausgabe einen Blick hinter die Schminke zu werfen.
Alles was sie schon immer über Starchild, The Demon,  den Spaceman oder The Cat wissen wollten; alle Alben, Backstories sowie die wechselvollen Besetzungen zusammengefasst im kompakten Format.
Dass der Fokus dabei nicht nur auf den bekanntesten Klassikern von "Destroyer" bis "Alive" liegt, sondern auch weniger beachtete Werke eingehend beleuchtet werden und sich zudem einige rare Fotos auf den Hochglanzseiten befinden macht das Heft auch für langjährige Kiss-Fans lesenswert.

Dienstag, 19. März 2019

EIN NACHMITTAG MIT EINER SONGWRITER-LEGENDE: NORMAN SEEFF UND DIE JONI SESSIONS


Credit Bild: © Norman Seeff Insight Editions
Wer sich wenig für den klassischen Westcoast-Singer/Songwriter-Pop der 60er/70er interessiert oder die markanten Gesichtszüge der aparten Frau hinter den dunklen Sonnengläsern auf dem Bild oben nicht erkennt, könnte diesen neuen Großformat-Band von Starfotograf Norman Seeff durchaus für eine Aufnahme eines Models der 70er oder eine Fashion-Retrospektive halten. Tatsächlich handelt es sich hier jedoch um das fotografische Portrait einer kanadischen Musik-Ikone, der Seeff mit „Joni: The Joni Mitchell Sessions“ ein bibliophiles Denkmal gesetzt hat.

Ein Buch mit einer einzigen, alles umfassenden Hauptdarstellerin? Ein Werk, das den alleinigen Fokus nicht auf eine Band, ein Konzert-Event oder eine legendäre Aufnahmesession sondern nur auf eine einzige Person legt - kann das gut gehen ? Funktioniert so etwas ohne redundant zu werden ? Norman Seeff – seines Zeichens einer der prominentesten Vertreter der modernen Fotografie und Art Director u.a. beim Exile On Main Street-Cover der Rolling Stones – hatte da selbst so seine Zweifel. Erst sein italienischer Kollege Guido Harari überzeugte ihn, dass  die vielen ausführlichen Foto-Sessions, die Seeff mit Joni seit den 70ern konzertiert hatte, unbedingt als eigener Bildband released werden müssten. Das Ergebnis ist nun im US-Verlag Insight Editions erschienen und man muss sagen, dass dieses Konzept absolut perfekt funktioniert. Sogar so gut, dass dieser 250-seitige coffee table-Band zu den bemerkenswertesten seiner Gattung zählt.
Credit Bild: © Norman Seeff Insight Editions

Credit Bild: © Norman Seeff Insight Editions
Dass der kunstaffine Leser einen solchen Eindruck gewinnt hat gleich mehrere Gründe. Zum einen liegt es natürlich an dem einzigartigen Stil, mit dem Seeff seine Fotos schießt.
Den Aufnahmen des südafrikanischen Meister wohnt eine expressive Kraft inne, die künstlerisch jedoch zu keinem Zeitpunkt gekünstelt wirkt. Zum anderen grenzen sich diese Aufnahmen von anderen Rock N´Roll-Photographers durch die Verwendung von Stilmitteln aus der Modern Art-Szene wie Farbstrichen auf den Kontaktabzügen; all dies unterstreicht den Charakter eines Kunstprojekts. Die hier gezeigten Aufnahmen fangen zudem die fragile Schönheit Mitchells perfekt ein. Der Betrachter merkt, dass sich die kanadische Songwriterin vor Seeffs Kamera sichtlich wohlfühlt. Sie lacht, malt oder raucht. Hier gibt es keine unnatürlich anmutenden Posen, die Grenze zwischen dem Setting einer Foto-Session und einem ganz normalen (All-)Tag im Hause Mitchell verschwimmen. Die Bilder sind zudem teils wirklich sehr intim - wie etwa Joni beim Schwimmen im privaten Pool – jedoch ohne voyeuristisch zu wirken.
Credit Bild: © Norman Seeff Insight Editions
Blättert man die Hochglanzseiten in Seeffs Band durch hat man das Gefühl ein bisschen Zeit mit der Musikerin zu verbringen – quasi ein Nachmittag  mit dieser interessanten Frau. Tatsächlich sind die hier gezeigten Bilder so gut, dass man nicht mal unbedingt ein Joni-Fan sein muss, um dieses gelungene Portrait einer der ungewöhnlichsten Persönlichkeiten im Musikbusiness zu schätzen.

KUNST-SUPERSTAR CHRISTO in Berlin: Signierstunde + Gewinnspiel

Credit Bild: ©  Taschen Verlag
Ephemere Kunst mit Event-Charakter ist seit Jahrzehnten das Spezialgebiet des bulgarischen Art-Superstars Christo. Er verhüllte den Reichstag, installierte die "Floating Piers" auf dem italienischen Iseosee oder ließ zuletzt die geheimnisvolle "Mastaba" im Londoner Hyde Park schwimmen. 

Nächste Woche kann man den Mann hinter diesen ebenso temporären wie spektakulären Projekten persönlich treffen. Denn am Mittwoch den 27. März kommt Kunst-Superstar Christo höchstpersönlich nach Berlin und wird im Taschen Store in der Schlüterstraße 39 (10629 Berlin) von 15-16 Uhr seine Bildbände „Floating Piers“ , „Verhüllter Reichstag“ und den neuen "The Mastaba" signieren.
WIN - WIN WIN

Für alle Kunst-Fans, die Christo bei diesem "signing event" in der deutschen Hauptstadt  nicht persönlich treffen können, aber dennoch ein Exemplar des faszinierenden „Floating Piers“-Buchs, ihr Eigen nennen wollen,  gibt es nun die Chance diese Chronik der Entstehungsgeschichte des Projekts zu gewinnen. Denn in freundlicher Zusammenarbeit mit dem Taschen Verlag verlose ich einen Band von „The Floating Piers“.
Credit Coverbild: © Taschen Verlag
 Ihr wollt dieses Buch eurer coffee table-Collection hinzufügen ?

1) Dann schreibt eine E-Mail mit der Betreffzeile„ Christo Floating Piers Gewinnspiel“ und mit dem Hinweis, dass ihr von mir bzw. 6strings24frames kommt und an dem Gewinnspiel teilnehmen möchtet.

2) Schickt die Mail an  c.waiblinger@taschen.com

Der Gewinner oder die Gewinnerin wird dann kontaktiert.

Viel Glück beim Gewinnspiel !

Einsendeschluss ist der 14.April 2019
Keine Barablöse möglich.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Credit Bild: © Sylvia Volz  Taschen Verlag
Buch-Daten:
Christo and Jeanne-Claude. The Floating Piers
Christo & Jeanne-Claude, Wolfgang Volz, Jonathan William Henrey
Softcover mit Klappen, 23,5 x 29 cm, 128 Seiten
www.taschen.com 

Montag, 18. März 2019

PETER KRAUS IST 80: DAS GEHEIMNIS DES EWIGEN ROCK N´ ROLLERS


Credit Bild: © Südwest Verlag
Peter Kraus, der  deutsche Rock N´Roller und ein maßgebliches Jugendidol der deutschen 50er wird heute 80. Und bei allen Retrospektiv-Beiträgen zu diesem runden Geburtstag ist eine Frage stets unvermeidlich:Wie macht er das?

Ja, wie schafft es Kraus noch so blendend auszusehen und so agil und fit zu wirken.
Einen Hinweis liefert der Musiker mit seinem eigenen Buch "Für immer Jung".
Denn da es auf die Frage nach seiner speziellen Fitnessmethode  streng genommen keine kurze Antwort gibt, hat sich Kraus vor einigen Jahren entschlossen, das „Geheimnis“ seines Lebens in Buchform zu lüften.Herausgekommen ist dabei jedoch kein fader Ratgeber, sondern eine kurzweilige Biographie, in denen Kraus wichtige Stationen seines Lebens Revue passieren lässt.

Auf über 170 Seiten nimmt einen der als Peter Siegfried Krausenecker geborene Musiker mit auf einen Streifzug durch seine langen Karriere  von den Fünfzigern bis in die Gegenwart und geht dabei sogar noch weiter zurück. So schildert er ganz frühe Kindheitserinnerungen genauso wie seine allerersten Auftritten.
Man erfährt natürlich einiges  von seinem Aufstieg zum Starruhm und die erfolgreiche Filmkarriere mit Conny Froeboess. Darüber hinaus werden auch Details, darüber wie der  heutige Touralltag aussieht, nicht ausgespart. All das wird von vielen teils seltenen Fotos illustriert.

Genauso so locker wie man Kraus sonst aus den Medien kennt, ist auch der Schreibstil des gesamten Buchs gehalten. Kraus plaudert aus dem Nähkästchen – oft mit einem trocken-charmanten Humor, der dem Leser teils witzige Anekdoten beschert.  
Das  führt zwar dazu, dass sich das Buch über weite Strecken recht flott liest- gleichzeitig wirkt es dabei eher wie das Transkript einer langen Konversation mit dem Künstler.
Ohne wirklichen Anspruch auf Komplettheit wird hier sehr  sprunghaft und vor allem nicht immer chronologisch erzählt –  So wirken einige Kapitel unvollständig, nicht ganz schlüssig und stückwerkhaft (als wären einzelne Teile vom Lektor gekürzt worden). Manches wird durch den Rückblick verklärt, anderes weggelassen.

Da sich der Südwest Verlag, in dem dieses Hardcover- Buch erscheint, ansonsten hauptsächlich auf Veröffentlichungen aus dem Wellness-Bereich beschränkt, fehlt dann auch eine kleine Sektion zum Thema Fitness nicht. Kraus zeigt wie er sich fit hält und  das sind wirklich praxistaugliche Tipps für kleine Workouts und Übungen.

Happy Birthday Peter Kraus !

Freitag, 15. März 2019

PINK FLOYD - ALLE SONGS: Die Geschichten hinter den Tracks

Credit Coverbild: © Delius Klasing
Jahrhundert-Alben wie „Dark Side Of The Moon“ , „Wish You Were Here“ oder „The Wall“;
Song-Epen wie „Echoes“ oder "Shine On You Crazy Diamond";  die Etablierung des stillen, zurückhaltenden Gitarrenhelden David „Master Of Slow“ Gilmour, das Ausreizen von studiotechnischen Klangmöglichkeiten... zweifelsohne, die Karriere der britischen Progressive Rock-Pioniere Pink Floyd weist eine Vielzahl an Meilensteinen auf.
Mit der jüngsten Ankündigung, dass Gilmour viele seiner legendären Instrumente, mit denen er einst unsterbliche Klassiker einspielte, für einen wohltätigen Zweck bei einer Auktion versteigern wird, wird nun ein weiterer Schlussstrich unter die außergewöhnliche Geschichte dieser Band gezogen.

Der Zeitpunkt für ein Retrospektive auf bald 6 Jahrzehnte ist also durchaus passend. Mit dem programmatisch betitelten "PINK FLOYD - ALLE SONGS: Die Geschichten hinter den Tracks" (Delius Klasing Verlag) ist nun genau eine solche Rückschau erschienen - ein Mammut-Werk, das vom Umfang her zum extensiven Backkatalog der Band passt.
Autoren sind die beiden französischen Musikexperten Jean-Michel Guesdon und Philippe Margotin, die bereits mit einem ähnlich gelagerten Werk über die Rolling Stones ein Standardwerk über eine Rock-Ikone verfasst haben.
Der Titel „Alle Songs“ erweist sich jedoch als etwas zu kurz gegriffen, denn tatsächlich beleuchtet dieser Band nahezu jeden nur erdenklichen Aspekt von  wechselnden Besetzungen zu Studio-Anekdoten hin zu den Instrumenten Gilmours.
So wird diese Pink Floyd Version eines "Rock N´ Roll-Brockhaus" zum Kompendium von überbordenden Ausmaßen sowie zur ziemlich kompletten Chronik der Pink Floyd-Historie -  die sowohl als Einführung in die Welt dieser großen Band fungieren kann als auch  aufgrund ihrer geballten Infodichte alte Fans ansprechen wird – zumal dieses Buch zwar einen lexikalen Charakter aufweist, jedoch so reich bebildert ist, wie ein coffee table -Band ist. Neben der  Nick Mason Bio oder der retrospektivischen Reliquien-Sammlung  „Their Mortal Remains“ ist "Alle Songs" also eines der interessanten Floyd-Nachschlagewerke.

Donnerstag, 14. März 2019

500. TODESTAG VON UNIVERSALGENIE DA VINCI: Leonardo - Meisterwerke im Detail

Credit Coverbild: © Verlag Bernd Detsch
Sie zählen fraglos zu den absoluten Dauerbrennern in der Kunstwelt: Die Gemälde und Zeichnungen des Leonardo Da Vinci sind so populär und omnipräsent, dass sie selbst Nicht-Museumsgängern ein Begriff sind. Ob des Bekanntheitsgrads von Werken wie dem „letzten Abendmahl“, der „Mona Lisa“  oder Leonardos detaillierten Anatomie-Studien, könnte man also durchaus annehmen, dass zu diesen klassischen Werken bereits alles gesagt wurde.
Tatsächlich verbergen sich in ihnen jedoch zahlreiche Details - vom mysteriösen, vielschichtig interpretierbaren Lächeln der Figuren über Blicke die an einen Ort gerichtet sind, der dem Betrachter verborgen bleibt hin zu bedeutungsvollen Gesten.
Betrachtet man diese vermeintlich vertrauten Bilder also genauer, so eröffnet sich eine neue Welt kunsthistorischer Interpretationen und Analysen. Man muss somit nicht unbedingt einen akuten Fall des Stendhal-Syndroms haben, um sich in diesen Gemälden geradezu zu verlieren.

Zum 500. Todestag des im Mai 1519 verstorbenen Künstlers ist nun ein Bildband erschienen, in dem sich der renommierte Kunsthistoriker Stefano Zuffi mit genau diesen Details auseinandersetzt. „Meisterwerke im Detail“ ist eine „Close Up“-Betrachtung des alten Meisters Da Vinci, die viel über die Denkweise des italienischen Universalgenies aussagt. Bei Zuffis nicht alltäglicher Herangehensweise werden insbesondere Studenten der Kunstgeschichte ein Déjà-vu erleben. Nur Dan Brown-artige Mysterienspiele oder kunsthistorische Schnitzeljagden sollte man sich - so faszinierend die  bemerkenswerten Details, die hier zu Tage gefördert werden auch sind - nicht erwarten.

Stefano Zuffi geht in „Leonardo - Meisterwerke im Detail“ wirklich sehr in die Tiefe, als oberflächliche, schnelle Einführung in den Kosmos Da Vincis ist dieses Buch also nicht konzipiert. Kunstaffine Personen die vielleicht schon in den Louvre oder zur Kirche  Santa Maria Delle Grazie gepilgert sind, werden die oft gesehenen Bilder nach der Lektüre jedoch mit anderen Augen betrachten.

Bibliographische Stefano Zuffi: Leonardo – Meisterwerke im Detail
Deutsch, 24 x 32,5 cm, 224 Seiten,140 Abbildungen, Verlag Bernd Detsch
Hardcover, Leinen mit Schutzumschlag,ISBN 978-3-940602-11-4

Samstag, 9. März 2019

50 Jahre WOODSTOCK: Der Höhe- und Endpunkt einer Revolution

Credit Bild: Copyright © Baron Wolman
Obwohl es nicht das erste große Festival mit hochkarätigem Lineup war, ging es dennoch als der archetypische Musik-Event schlechthin in die Geschichte ein: Vor 50 Jahren pilgerten abertausende Hippies ins New Yorker Bethel um auf dem Grundstück des Farmers Max Yasgur beim „Woodstock“-Festival drei Tage voll Love & Peace zu erleben.

Die Organisation der „Woodstock Music & Art Fair presents An Aquarius Exhibition – 3 Days of Peace & Music, so der vollständige Name der Veranstaltung, war jedoch gelinde gesagt improvisiert, das Besucherinteresse wurde vollkommen unterschätzt. Gut 60.000 Musikfans wurden von den Veranstaltern erwartet, je nachdem welchem Bericht man Glauben schenkt machte sich jedoch eine schier endlos anmutende Karawane von fast einer Million Hippies auf den Weg zum Festivalgelände. Ein totaler Verkehrskollaps war die Folge, die Anreise wurde zum  Chaos, am Schluss erreichten schätzungsweise 400.000 Personen das bald durch starke Regenfälle im Schlamm versinkende Gelände.
Was logistisch einem Super-GAU gleichkam endete jedoch - teils dank der sehr entspannten Besucher, aber auch durch das sanitäre Eingreifen des von den Hippies ja eigentlich verhassten Militärs - nicht in einer Tragödie sondern wurde zum letzten großen Höhepunkt der Peace-Generation. Kurz darauf „beendeten“ die Katastrophe beim Stones-Gig in Altamont und die grauenvollen Manson-Morde die Sechziger und den Traum von Frieden und Liebe.

Passend zum Jubiläum lassen drei sehr unterschiedliche Bücher die Ereignisse Revue passieren  - ein coffee table-Band, der Bericht des Organisators sowie ein reich bebildertes Buch mit lexikalem Charakter auf der anderen. Sie alle offerieren divergierende Blickwinkel , die dem Leser ein recht komplettes Bild von den Ereignissen im August ´69 vermitteln.
Credit Coverbild: Copyright © Baron Wolman Reel Art Press
Im  Bildband Woodstock“ (erschienen bei „Reel Art Press“) erhält man einen Inside-Bericht aus erster Hand von einem, der wirklich dabei war: Baron Wolman war damals der Hauptfotograf fürs Rolling Stone-Magazin und wurde beauftragt das Festival zu dokumentieren. Die Musik und die Acts spielen bei ihm nicht die Hauptrolle. Während sein Kollege Jim Marshall, eine weitere Ikone der Rock N´ Roll-Photography, vor allem die Bands ablichtete, sind es bei Wolman die kleinen Momente abseits der Stage, die im Fokus seiner Objektivs liegen. Zwar gibt es ein Vorwort von Gitarren-Maestro Carlos Santana und bei den vereinzelten atmosphärischen Shots, bei denen Wolman direkt hinter den Amps die Crowd und die Musiker aufnimmt, kann man beinahe das Brummen der Halfstacks vernehmen, doch dokumentiert er überwiegend das Treiben abseits der Bühne. Der Hippe-Traum in Reinkultur, festgehalten im Stil einer klassischen Fotoreportage.
Der Fotograf dazu im O-Ton: "I ended up spending most of my time out in the wild with the crowd because what was happening “out there” was just too interesting not to explore."

Die bei seiner Safari durch den Schlamm entstandenen Schwarz-Weiß-Aufnahmen weisen zwar den dezenten Sepia-Schleier der Nostalgie auf, zeichnen jedoch auch ein recht ungeschöntes, realitätsnahes Bild jener geschichtsträchtigen drei Tage: Die Staus, den Dreck aber auch die freie Liebe - vielleicht wird die Magie dieses Medienereignisses so am besten transportiert. Beim Blättern durch die 192 Hochglanzseiten stößt man auf viele eindrückliche Momentaufnahmen abseits jener allseits bekannten Bilder, die jeder im Kopf hat.
Credit Coverbild: © Delius Klasing
Der umfassende Retrospektiv-Band „Woodstock - Three Days Of Love And Peace - Das Festival. das die Welt veränderte“ (erschienen Delius Klasing) wählt demgegenüber einen anderen Ansatz. Die Wolman´schen kleinen Momente abseits überlebensgroßer Perfromances treten hier in den Hintergrund. Der Ansatz von Autor Julien Bitoun ist ein wesentlich generalistischerer, ihm geht es um die Ausleuchtung eines Totalphänomens.
Was auch insofern passend ist, als dass Woodstock längst zu einem kulturellen Symbol geworden ist - nicht zuletzt auch dank des berühmten, oscar-gekrönten Dokumentarfilms (an dem auch Martin Scorsese mitarbeitete) und der vielen berühmten Aufnahmen die von diesem Ereignis existieren.

Jene Aufnahmen findet man auch in diesem Buch, der gleichermaßen ein Bildband als auch ein Lexikon ist. Mit bemerkenswertem Detailgrad ordnet Bitoun das Festival in einen größeren gesamtgesellschaftlichen sowie historischen Kontext ein, waren es doch auch die Rahmenbedingungen die Woodstock neben ikonischen Auftritten von Jimi Hendrix, Ten Years After, CSNY oder The Who zu solcher Bedeutung verhalfen.
Jene Gigs werden teilweise in eigenen Kapiteln erfasst, es werden aber auch wissenswerte Fakten, Daten & Trivias nicht ausgespart - und es wird der kuriosen Frage nachgegangenen, wer alles nicht  bei dem Ereignis einer ganzen Generation dabei war (interessanterweise fehlten bei diesem Event ja eine Vielzahl der maßgeblichsten Protagonisten wie die Beatles, die StonesZeppelin oder Dylan….). 

Bitoun gelingt mit diesem Buch jedenfalls ein Standardwerk zum Thema, das nahezu jeden Aspekt von Woodstock beleuchtet, eine Retrospektive, die auch für Experten lesenswert ist.
Credit Coverbild: © edel books
Eine andere Sichtweise auf das Jahrhundert-Ereignis liefert Michael Lang, der Macher des Festivals. In der gerade veröffentlichten deutschen Version seines "Road To Woodstock"-Berichts, illustriert er in durchaus mitreißender Manier welchen Widrigkeiten es zu trotzen galt,  um das Hippie-Spektakel über die Bühne zu bringen. Und da gab es so einige, denn die Musikbranche war auch damals natürlich vor allem ein Business....
Durch die hier verwendete Mischung aus persönlichen Erinnerungen und oral history-Beiträgen von Stars, die damals dabei waren, ergibt sich ein sehr komplettes Bild, das die großformatigen Bildbände ergänzt und nicht nur im Jubläumsjahr lesenswert ist.

Bibliographische Angaben:
Woodstock, Baron Wolman
ISBN: 978-1-909526-11-2
192pp; Hardback; 100+ b/w photographs 290 x 245 mm / 11.4 x 10 in.
 Woodstock is published by www.reelartpress.com
Julien Bitoun „Woodstock - Three Days of Love and Peace
 240 Seiten, 127 Farbfotos, 54 s/w Fotos, Format 21,5 x 28,5 cm, gebunden
Euro (D) 39,90 / Euro (A) 41,10 • (ISBN 978-3-667-11411-2) Delius Klasing Verlag „Edition Delius“, Bielefeld
Michael Lang. Woodstock - Die wahre Geschichte.Vom Macher des legendären Festivals
384 Seiten, Format: 13,5 x 21,0 cm
ISBN: 978-3-8419-0646-5

Einbandart: Hardcover mit Schutzumschlag

Dienstag, 5. März 2019

DAS VERMÄCHTNIS DES MODEZAREN : CHANEL – KARL LAGERFELD DIE KAMPAGNEN


Credit Coverbild: © Prestel Verlag
Für jeden fashion-affinen Menschen ist es eigentlich unvorstellbar: Eine Mode-Welt ohne Kaiser Karl ? Eine Fashionweek in Mailand oder Paris bei der es keinen zeremoniellen Höhepunkt eines vom hanseatischen Modemeister vollständig designten und kuratierten Defilees bei Fendi oder Chanel geben wird? So unumstößlich diese Tatsache ist (heute wird in Paris die letzte noch von Lagerfeld designte Chanel-Kollektion gezeigt), so  undenkbar ist sie gleichzeitig. War der am 19. Februar überraschend verstorbene Modezar Karl Lagerfeld doch nicht nur eine der Fixgrößen im Pret-á-Porter und Haute Couture- Geschäft sondern auch eine weit über die Grenzen der Branche omnipräsente Erscheinung – sei es als pointierter Kommentator, Karikaturist oder Fotograf.

Man sieht, es gestaltet sich als schwierig bei der Besprechung des aktuellsten Lagerfeld-Bildbandes „Chanel- Die Kampagnen“ (erschienen im Prestel Verlag) nicht in den Ton eines Nachrufs, einer Eulogie auf diese faszinierende, geheimnisvolle Persönlichkeit zu gleiten, die so viel mehr war als „nur“ ein weltbekannter Designer. Denn was für ein seltenes Universalgenie Lagerfeld war, wird auch bei diesem Band deutlich -  der auch der letzte war, der noch zu seinen Lebzeiten erschienen ist
In Anbetracht der jüngsten Ereignisse hat dieser  aufwendige Retrospektiv-Band nicht nur einen Werkschau-Charakter sondern auch etwas von einem Schlussstrich , umfasst er doch beinahe die gesamte Zeit in der Lagerfeld beim traditionsreichen von Coco Chanel zu Weltruhm geführten Modehaus tätig war.
Ab 1982 war er im Hause an der Rue Cambon alleiniger  Kreativdirektor und Chefdesigner, zunächst wurden die luxuriösen Werbekampagnen noch von externen Fotokünstlern geschossen, unter ihnen etwa Helmut Newton. Ab dem Jahre 1987 jedoch zeichnete sich Lagerfeld selbst für das Fotogafieren der Topmodels für die Werbesujets zuständig.
Dieser Bildband vereint nun auf 544 Seiten in über 600 Bildern alle Kampagnen von 1987 bis  2018.

Es sind Dokumente, die ausnahmslos die Handschrift des Meister tragen. Lagerfeld war ja ein richtiger Rennaissance-Mensch; Kunst, Film , Musik, Literatur - all diese Influences permeieren diese Bilder,  die wie in der Mode üblich den reinen Werbecharakter transzendieren und so zur Kunstfotografie werden.
Mal klassisch , mal zurückgenommen, dann wieder sexy oder futuristisch, jedoch immer sehr nah am Zeitgeist und gleichzeitig zeitlos. Was die Designs Lagerfeld auszeichnete findet ich auch in diesen ästhetischen Kampagnen wieder. Die Hauptdarsteller neben dem „Lagerfeld Gaze“, dem Blick des Meisters, sind das Who Is Who der Fashionszene: Ines De La Fressange in den Eighties, natürlich, „Clooodia“ Claudia Schiffer in den 90ern,  Abbey Lee Kershaw , Freja Beha Erichsen oder  Cara Delevigne und Lily-Rose Depp. Es sind Kampagnen, die genauso gut ein Editorial in einem Hochglanzmagazin sein könnten.

Der Band selbst ist nicht weniger stylisch, sondern vollends im Look des Hauses Chanel gehalten, Mit dem weiß-schwarzen, sehr  wertigen Schuber in dem der in schwarzem  Leinen gebundene Softcover-Band geschützt wird, wirkt  das alles weniger wie ein klassisches coffee table-Buch sondern wie ein Produkt direkt aus einer Chanel-Boutique.
Nun könnte man natürlich anmerken, dass gerade die Kampagnen der jüngeren Vergangenheit und der letzten Saisonen allen Fashion-Aficionados allgemein bekannt sind und sich zudem in Back-Issues der Vogue oder auf Fashion-Sites nachschauen lassen.
Doch gerade die länger zurückliegenden Kampagnen sind weniger leicht zu finden, werden nicht so luxuriös wie hier präsentiert und haben vor allem keinen lexikalen Charakter, der in diesem Buch durch die eingestreuten Trivias zu den Campaigns und dem Model-Index gegeben ist- hier kann man genau nachschauen in welcher Saison Kate Moss das Werbegesicht für Chanel war oder wann "La Schiffer" zum letzten Mal für eine Kollektion posierte.

"Chanel: Karl Lagerfeld Die Kampagnen" überzeugt den Mode-Interessierten als gelungene Werkschau, die einerseits ein Stück - nun leider abgeschlossene -  Fashion-Geschichte darstellt und zum anderen ein ästhetisches Sammlerstück für Lagerfeld und Chanel-Fans ist.

R.I.P. KARL LAGERFELD

Bibliographische Angaben: Chanel: Karl Lagerfeld Die Kampagnen
Hardcover, Pappband, 544 Seiten, 19x27,7, 800 farbige Abbildungen
Schmuckschuber, ISBN: 978-3-7913-8452-8

Montag, 4. März 2019

DIKTATOREN IM KINO


Credit Coverbild: ©Zsolnay Verlag
Ebenso interessant wie eigentümlich war die Beziehung der gefürchteten Diktatoren und Propagandisten der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts zum damals noch jungen Medium Film. Einige von ihnen waren selbst Fans der bewegten Bilder auf der Leinwand: Ähnlich wie bei der Opernfigur des letzten Tribunen Rienzi fand sich Adolf Hitler etwa im Pancho Villa im u.a . unter der Regie von Howard Hawks entstandenen „Viva Villa“ wieder. Josef Stalin entwickelte sich zwar erst mit fortgeschrittenem Alter zum Cineasten (und Zensor der Kunstform) hatte jedoch skurrilerweise eine Vorliebe für westliche Filme, darunter auch für das ur-amerikanische Genre des Western. In Italien wiederum schuf sich Benito Mussolini für die Produktion italienischer Filmwerke gleich eine eigene Stadt: Cinecittà.
Die Symbiose zwischen den Diktatoren und der Kunstform ging jedoch weit über die persönliche Begeisterung hinaus. Kino war immer auch eine wirksame Propaganda-Waffe, nicht nur zur überlebensgroßen Selbstinszenierung sondern auch zur perfiden Beeinflussung der Massen.
Lenin etwa hatte zwar nicht unbedingt viel für das Künstlerische im Film über, erkannte jedoch das edukative Potential für die Arbeiter in Russland. Der Chefpropagandist des „Dritten Reichs“ Joseph Goebbels schwärmte nicht nur aus weniger cineastischen Gründen für zahlreiche Starlets von Babelsberg sondern instrumentalisierte rücksichtslos Schauspieler wie Regisseure und lenkte die gesamte Filmproduktion in Deutschland. Vor diesem Hintergrund ist es eine interessante Fußnote der Geschichte, dass gerade in solch dunklen Zeiten technische wie inszenatorische Pionierleistungen fielen (Stichworte: Riefenstahl und Eisentein).

All diese unterschiedlichen Aspekte - von den Genre-Vorlieben der Despoten über die Rolle bekannter Filmschaffender in totalitären Systemen zur Instrumentalisierung eines ganzen Massenmediums zur Beeinflussung des Volks  - stehen im Zentrum der Neuerscheinung „Diktatoren im Kino“ des renommierten Literaturwissenschaftlers Peter Demetz. Dieser beleuchtet ein ungemein faszinierendes Gebiet, das noch nicht so erschöpfend erforscht wurde, wie man vielleicht annehmen könnte. Der hier gegebene Überblick ist kompakt, ohne dabei oberflächlich zu wirken. Demetz findet interessante, wenig bekannte Details in den Biographien der Diktatoren - das macht dieses Buch einerseits für jene spannend, die sich erstmalig mit dieser  besonderen Thematik auseinandersetzen, es langweilt jedoch andererseits nicht die historisch versierten Leser. 

Zwar könnte man das Thema sicherlich noch ausführlicher behandeln als es hier auf gut 256 Seiten geschieht, doch es ist dem Autor sehr zugute zu halten, dass er nicht den Fehler so mancher seiner Kollegen begeht und sich in Nebensächlichkeiten verzettelt, die dann in einer wenig mitreißenden Aufzählung mehr oder minder bedeutsamer Zahlen mündet. Dieses  Buch liest sich stets flüssig, was auch an der immer wieder durchscheinenden Begeisterung des Cineasten Demetz liegt. Nur die  Aufmachung ist etwas nüchtern ausgefallen: Ein paar vereinzelte, kleine Schwarzweiß-Fotos illustrieren das Büchlein; die Thematik und die visuelle Natur des Mediums Film hätten durchaus eine größere Aufmachung mit ganzseitigen Fotos und Bilderstrecken für eine  tiefergehende Analyse von Propaganda-Machwerken nahegelegt.

Ungeachtet dessen ist „Diktatoren im Kino“ ein - im besten Sinne - „old school“-Geschichtsbuch, das mit einer Fülle an Infos nicht nur als Quelle für eigene wissenschaftliche Arbeiten fungieren kann sondern zu den interessantesten kommunikationshistorischen wie kinogeschichtlichen Releases der jüngeren Vergangenheit zählt.