Samstag, 26. August 2017

Der "King of Cool" als letzter Cowboy

Während die Steel Guitar ihr klagendes Lied spielt, geht es für die Männer beim Rodeo-Wettkampf  um alles.
Junior Bonner (Steve Mc Queen) ist einer von ihnen.
Der Haudegen hat seine besten Tage schon hinter sich. Er ist völlig pleite und driftet von einem Wettkampf zum anderen.
Er kommt ganz nach seinem Vater Ace,w ie dieser  hat Junior nie ein stetes Leben gekannt.
Obwohl die körperliche Anstrengung der er bei jedem Wettkampf ausgesetzt ist,  langsam aber unaufhaltsam ihren Tribut fordert, gibt es für ihn kein anderes Leben.

Sam Peckinpahs fast schon dokumentarisch anmutender 1972er Film begleitet Bonner auf seiner Reise  durch ein Amerika, das zwischen Tradition und Moderne geradezu zerrissen scheint.
Es ist ein unsagbar melancholischer Film, der eines von Peckinpahs liebsten Themen aufgreift:
den Abgesang auf den alten Westen und die Werte die mit ihm einhergehen.
Diese Thematik zieht sich wie ein roter Faden durch zahlreiche Werke des amerikanischen Filmemachers:
In  “Pat Garrett jagt Billy The Kid” wurde Kris Kristofferson, der sich nicht anpassen konnte, gnadenlos verfolgt und in “The Wild Bunch” geht der Haufen der alternden Revolverhelden lieber in den sicheren Tod als sich den neuen Zeiten unterzuordnen.
So erzählt auch „Junior Bonner“ als elegischer „Neo-Western“ ,vom dem Niedergang einer Ära.
Und Steve Mc Queens Figur des Junior steht ganz in der Tradition dieses „peckinpah´schen“ Helden.

Er ist noch einer vom „alten Schlage“, dem der eigene Stolz und Ideale wichtiger sind als das schnelle Geld.
In den Rodeo-Reitern sieht Peckinpah  die letzten Cowboys.
Doch auch von seinen Berufskollegen unterscheidet sich der einsame Held Junior.
Wo andere Bestechungsgeld zahlen, damit sie nicht auf dem gefürchteten Bullen Sunrise reiten müssen ist Bonner davon besessen das widerspenstigen Tier zu bezwingen und den Quasi-Rekord aufzustellen und 8 Sekunden lang nicht vom rasenden Stier abgeworfen zu werden.
Mit dieser Einstellung zähl er zu einer aussterbenden Spezies.
Sein von Joe Don Baker verkörperter Bruder Curly  hingegen  symbolisiert den Fortschritt. Der Geschäftsmann hat mit den Idealen für die sein Vater und Junior stehen nichts mehr am Cowboyhut.
Wo sein  Bruder die Rodeos als Übelebensgrundlage braucht, er an seiner ersten Million.
Er lässt das Grundstück seines eigenen Vaters, das er für einen Spottpreis erworben hat, einfach abreißen.
Die Zerstörung des alten Hauses wird in Zeitlupe zelebriert. Die Tradition wird brutal von Maschinen zerstört. Bonner kann dem nur fassungslos gegenüber stehen.
Immerhin findet er bei einem sexy Cowgirl ( Barabara Leigh)Zerstreuung.

Peckinpah nimmt sich wie so oft bei seinen Filmen, alle Zeit der Welt.
Ein Großteil der Handlung wurde bei echten Rodeos gefilmt. Nicht umsonst mutet der Film stellenweise wie eine Doku über den Sport an.
Das führt leider zu einigen Längen. Dafür ist der Film formal unglaublich stark.
Die Zeitlupeneinstellungen, für die Peckinpah so berühmt ist, werden hier wieder ausgiebig zelebriert.Der Sabber spritzt aus den Mäulern der Stiere. Der Dreck wird effektvoll aufgewirbelt.Und Teufelskerl McQueen machte viele der Stunts selber.

Diesen Streifen gibt es in einer deutschsprachigen DVD-Version von  Eurovideo.Allein schon für McQueen-Fan eine klare Empfehlung Denn er hat den typischen „cowboy swagger“ einfach 1A drauf.

Freitag, 25. August 2017

Antonioni´s BLOW-UP: Ein bibliophiler Blick hinter die Kulissen eines Sixties-Kultfilms

Credit Coverbild: © Steidl
Es gibt Kultfilme und es gibt Filme, die über begeisterte Bewunderung in reklusiven Zirkeln eingeschworener Filmbuffs weit hinausgehen und zu übergreifenden popkulturellen Phänomenen werden, die es vermögen einen Einfluss auszuüben, welcher auch Jahrzehnte später noch spürbar ist: „Blow Up“ von Michelangelo Antonioni aus dem Jahre 1966 ist fraglos ein solch seltener Fall.
Der ganze Streifen und die Suche der Hauptfigur (David Hemmings) nach der Wahrheit bzw.  einer Leiche, die er meint auf einem von ihm geschossenen Foto entdeckt zu haben, ist eine Metapher auf die Sechziger-Jahre selbst und gleichzeitig eine Zeitkapsel  für den Zuseher.
In ihr wird er in ein pulsierendes London am Ende der Mod-Ära und an der Schwelle zum Hippie-Phänomen transportiert. Der Streifen ist ein Schlüsselwerk des Sixties-Kinos und wird bis heute
immer wieder zitiert – ob in der Mode mit Hemmings´ zeitlos schickem Outfit aus Hemd, weißen Jeans und Chelsea Boots oder in einer von Martin Scorsese inszenierten Chanel Parfum Werbung.

Vergegenwärtigt man sich all dies, ist es umso erstaunlicher, wie wenig (sprich: so  gut wie keine) Bücher es über diesen besonderen Film gibt. Eine Ausnahme ist der im Steidl Verlag erschienene Band „Antonioni´s Blow Up“ der Autoren Philippe Garner und  David Alan Mellor.
Das über 130 Seiten starke Hardcover-Buch (komplett in Englisch) ist hauptsächlich ein geradezu verschwenderisch gestalteter Bildband, der anhand von Szenenbildern und „on-set stills“ Teile des Films nacherzählt. Unterbrochen wird diese Bildstrecke lediglich durch einzelne Originalzitate des Regisseurs und Dialogfragmente aus dem Film. Somit richtet sich Garners und Mellors Werk  eindeutig an Leute, die „Blow Up“ schon wirklich gut kennen.

Die ausladende Fotostecke zeigt aber auch erneut überdeutlich das, was Antonioni-Fans seit jeher wissen: Der Italiener war einer der visuellsten Regisseure, seine Einstellungen sind perfekte Standfotos einem durchkomponierten Gemälde gleich.
Und „Blow Up“ ist natürlich reich an ikonischen Bildern: allein die hingegossene Verushka, wie sie von Hemmings in dessen Atelier abgelichtet wird……
 Dem Thema Fashion und Models sowie Medien widmet sich auch eines der beiden Essays am Ende des Buchs (das zweite setzt sich mit zeitgenössischer Kunst auseinander).
Beide Texte sind extrem interessant und äußerst lesenswert, heben sie doch  elementare Aspekte aus dem kulturellen Kontext in dem Film entstanden hervor.
Wer vom Film fasziniert ist, wird viel Freude mit dem ansprechend gestalteten „Antonioni´s Blow Up“ haben: ein echter Liebhaber-Band. 

Donnerstag, 24. August 2017

Ein Reigen zerstörter Träume: Andrzej Zulawskis „Nachtblende“

Zeit ihres Lebens versuchte sich Romy Schneider von dem ihr so verhassten Klischeebild der Sissi, der Rolle die sie zum Weltstar machte, zu emanzipieren.
Mit keinem anderen Film als mit „Nachtblende“ gelang ihr das so eindrucksvoll.
Regisseur Andrzej Zulawski inszenierte nach der Flucht aus seinem Heimatland Polen in Frankreich einen trostlosen Reigen der gescheiterten Existenzen, mit der Creme de la Creme der damaligen europäischen Film-Prominenz: Klaus Kinski(„Tote pflastern seinen Weg“, „Fitzcarraldo“), Fabio Testi(„Der Garten der Finzi Contini“, “Revolver“), Romy Schneider(„Das Mädchen und der Kommissar“ „Die Spaziergängerin von Sans Souci“), Claude Dauphin(„Barbarella“, „Der Mieter“)…….

Romy Schneider ist Nadine Chevalier. Eine glücklose Schauspielerin, die trotz offensichtlicher Begabung ihrerseits keine seriösen Rollenangebote erhält.
Nur für billige Pornoproduktionen wird sie regelmäßig gebucht- Eine Arbeit die sie grenzenlos anwidert, der sie jedoch nicht entsagen kann – ist dies doch der einzige Job mit dem sie sich und ihrem skurril-verschrobenen Mann Jaques die Existenz sichern kann. Als sie beim Dreh eines der unzähligen Sexfilme zu ihrem Partner „Ich liebe dich“ sagen soll, bricht sie zusammen. Ihr Kollaps wird vom Fotografen Servais Mont (Fabio Testi) eingefangen. Dieser wird sofort von der verlebten Schönheit Nadines in den Bann gezogen und versucht die Schauspielerin nun besser kennen zu lernen. Da sie Servais´ Annäherungen jedoch nicht erwidert, versucht er sie auf andere Weise für sich zu gewinnen. Er leiht sich Geld und finanziert damit eine ambitionierte Inszenierung von „Richard III:“, in der Nadine eine Hauptrolle erhält.Als das Stück floppt werden die Spannungen zwischen Servais und seinem Geldgeber sowie seine Beziehung zu Nadine immer angespannter.
Alles steuert auf eine Katastrophe zu……

„Nachtblende“ ist ein deprimierender Film, der frei von Klischees oder dem üblichen Kitsch von Film-Dramen eine komplizierte Liebesgeschichte erzählt.
Der Originaltitel lautet übersetzt „Was zählt ist Liebe“. Und tatsächlich ist die Liebe bzw. die Hoffnung darauf , das Einzige woran sich die Hauptfiguren klammern (können).Denn keiner von ihnen hat das, was man ein erfülltes Leben nennt.
Servais ist abhängig vom schmierigen Mafioso Mazelli (Claude Dauphin),für den er bei Privat-Orgien und Pornodrehs den Fotografen spielen muss.
Sein Vater deliriert zwischen Alkohol und Drogen. Einziger Lichtblick in Servais´ heruntergekommener Welt (durchaus wörtlich zu nehmen, denn alle Sets von „Nachtblende“ wirken total abgefuckt) ist Nadine.
Halt kann auch sie ihm nicht geben, denn sie ist emotional so bankrott wie ihr depressiver Ehemann, der sie einst vor der Prostitution rettete und dem sie sich verpflichtet fühlt.

Ihre Kollegen am Theater sind ein Haufen von Exzentrikern: Allen voran der homosexuelle Regisseur Messala, der sich an jedem neuen Probentag verkleidet und gerne als Drag-Queen herumläuft und Schauspieler Hans Zimmer(Klaus Kinski).
Die Rolle des Hans ist eine der einprägsamsten des ganzen Films und hätte von niemandem besser verkörpert werden können als von Idealbesetzung Kinski.
Der exzentrische Star spielt einen maßlosen Schauspieler, der sich hemmungslos in Ausschweifungen ergeht. Dieser rücksichtslose Typ ist so etwas wie die krasse Antithese zu den anderen Charakteren des Films, die alle auf ihre ganz eigene Art verzweifelt nach echter Liebe suchen.

Man sieht also, leichte Kost ist der Film wahrlich nicht, wer also einen „netten“ Unterhaltungsfilm erwartet, sollte einen weiten Bogen um den Film machen.
Regisseur Zulawski verlangt seinen Darstellern alles ab und scheut nicht davor zurück die tiefsten seelischen Abgründe schonungslos auf Film zu bannen.
„Nachtblende“ ist ein typischer Schauspielerfilm, der den Zuseher dank der Performances des des exzellenten Casts und der lebensnahen, schmerzhaft emotionalen Dialoge

in seinen Bann zieht - und zu den intensivsten Erfahrungen im französischen Film der Siebziger zählt.
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AUSSTELLUNG + GEWINNSPIEL BIZARRE LIFE – THE ART OF ELMER BATTERS AND ERIC STANTON

Sie gilt als die intellektuellste Pornografin Amerikas, war Herausgeberin von Klassikern des Herrenmagazins wie „Leg Show“ und ist nun Sexy Book Editor beim Taschen Verlag.
Dian Hanson begreift explizit-erotische Fotografie und Pornografie als eigenständige Kunstform; nun kommt sie erstmals nach Berlin und kuratiert im Berliner Taschen Store eine neue Ausstellung (zu sehen ab 14. September) über zwei Pioniere der „erotic art“, die mit ihrer Arbeit seinerzeit Tabus brachen und in ihrem jeweils ganz eigenen Stil nachfolgende Künstler beeinflussten.
Credit Bild: © 1995 Elmer Batters Taschen Verlag
Die Ausstellung BIZARRE LIFE – THE ART OF ELMER BATTERS AND ERIC STANTON zeigt in 73 Bildern eine umfangreiche Retrospektive auf zwei Fetisch-Künstler die in ihren Werken unterschiedliche Spielarten der Sexualität ausloteten: Auf der einen Seite Batters mit seiner Fußfetisch-Fotografie (die by the way unlängst in einer Agent Provocateur-Kampagne von Mario Sorrenti eine Hommage erhielt) und auf der anderen Seite Stanton der sich in seinen „kinky comics“ für Erwachsene mit Bondage und weiblicher Dominanz auseinandersetzte.
© Eric Stanton Taschen Verlag

Eröffnung der Ausstellung. Donnerstag, 14. September 2017
18-20 Uhr
TASCHEN Store Berlin
Schlüterstr.39
10629 Berlin

WIN - WIN WIN
© Eric Stanton Taschen Verlag
© 1995 Elmer Batters Taschen Verlag

Passend zu dieser Vernissage könnt ihr zwei Bildbände gewinnen.
Denn in freundlicher Zusammenarbeit mit dem Taschen Verlag verlose ich je ein Exemplar von Elmer Batters. From the Tip of the Toes to the Top of the Hose und Eric Stanton.The Dominant Wives and other Stories.

Ihr wollt diese beiden Bände erotischer Vintage-Kunst euer Eigen nennen ?

1) Dann schreibt eine E-Mail mit der Betreffzeile„ Batters Stanton Gewinnspiel“ und mit dem Hinweis, dass ihr von mir bzw. 6strings24frames kommt und an dem Gewinnspiel teilnehmen möchtet.

2) Schickt die Mail an  c.waiblinger@taschen.com

Der Gewinner oder die Gewinnerin wird dann kontaktiert.

Folgt mir auf Twitter und Instagram (Links dazu auf der rechten Seite).
Viel Glück beim Gewinnspiel !

Einsendeschluss ist der 18. September 2017
Keine Barablöse möglich.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Wer nun neugierig auf die Arbeiten von Batters und Stanton geworden und schon vor der Vernissage einen Blick riskieren möchte, ist erhält hier einen exklusiven und NSFW Einblick:

VAN HALEN RISING - How A Southern California Backyard Party Band Saved Heavy Metal

Man vergegenwärtige sich kurz folgende Szene:
Es ist ein lauer Sommertag in  Pasadena, die letzten Strahlen der kalifornischen Sonne färben den Abend in dieses berühmte warme, gelbliche Licht, wie man es nur an der Westküste der USA findet.
Vorbei an chromblitzenden Autos näherst du dich einem Haus in dem unüberhörbar eine zügellose Party steigt, der Lärm der feiernden Menge vermischt sich mit einem zunächst undefinierbaren, tieffrequenten Grollen, das an das Fallen einer Fliegerbombe erinnert.
Die hübsche Blondine im engen Collegeshirt zwinkert dir zu, die „dive bomb“-Noise von vorhin wird nun immer lauter und kommt immer näher und näher bis du im Hinterhof des Hauses die Quelle jener Geräusche ausmachst. Auf der Bühne spielt eine dir unbekannte Band, der Gitarrist entlockt seiner gestreiften Gitarre Klänge die du bislang nicht kanntest, der Bassist und der Drummer halten einen donnernden Groove, während der Frontman mit blanker Brust mehr als eindeutige Moves in Richtung der versammelten kreischenden Ladies macht…..

Was sich anhört wie eine Szene aus einem College-Klamauk-Film der Seventies oder Eighties ist vielmehr eine akkurate Beschreibung der Besonderheiten der kalifornischen Musikszene der Siebzigerjahre – in der es tatsächlich vorkommen konnte, dass man bei einer Privatparty nicht irgendeine semitalentierte Studentenband sondern Van Halen höchstpersönlich sehen konnte.
Klingt unglaublich, ist aber so J  Die Frühphase der Band im Besonderen und die kalifornische Szene im Allgemeinen sind auch die bestimmende Themen  von Greg Renoffs „Van Halen Rising“  - ein Buch das einerseits den Aufstieg der Hardrock Band von einer (Privat-)Partyband zu Legende des Rock nachzeichnet und anderseits an eine  (unterhaltsame) soziologische Studie gemahnt.
Denn  Renoffs Buch ist mehr als eine überaus genaue Chronik der Frühphase Van Halens, kurz bevor jeder zweite Gitarrist versuchte, seinen unnachahmlichen Stil zu kopieren. Es ist eine plastische Schilderung einer ganzen (Subkultur-)Szene und eines bislang recht wenig beleuchteten Kapitels amerikanischer Musikgeschichte.

Als Leser merkt man auf so gut wie jeder Seite die intensive Recherchearbeit Renoffs - das fängt bei Bildern mit absolutem Seltenheitswert an und endet bei der schieren Detailgenauigkeit mit der der Autor vorgeht und Fragen klärt wie:
Wie kamen Sänger David Lee Roth und die Gebrüder Van Halen eigentlich zusammen ?
Wie genau wurde eigentlich aus einer lokalen Größe namens „Mammoth“ die Band „Van Halen“ ?
Wie schafften sie es von einer Lokalgröße zum Vertrag mit einem Majorlabel?
Und was passierte auf den frühen Touren in denen VH noch Support Act waren und angeblich selbst etablierte Größen wie Black Sabbath übertrumpften ?

Klar, das Buch richtet sich in seiner Genauigkeit natürlich in erster Linie an echte Van Halen-Freaks und weniger an nur oberflächlich Interessierte - doch es ist die Kombination aus einem bislang nicht übermäßig dokumentiertem Thema und den interessanten Facts, die „Van Halen Rising“ zu einem der lebenswertesten Musikbücher der letzten Jahre machen.

Samstag, 19. August 2017

LONDON IS STILL SWINGIN´- der neue Taschen Store in Mayfair

Credit Bild: © Taschen Verlag
Dass London abseits von Negativschlagzeilen über politische Probleme und den Brexit noch immer swingt und gerade im Kulturbereich nach wie vor einer der absoluten „places to be“ ist, zeigen nicht nur Fashion Events, gigantische Ausstellungen wie die Pink Floyd-Retrospektive „Their Mortal Remains“ sondern auch die jüngste Eröffnung eines ganz speziellen Buchstores im Kunst-und Galerienviertel Mayfair.

Der Taschen Verlag hat dort - in unmittelbarer Nähe zu den Hotspots Hyde Park, Savile Rowe und der Bond Street -  seinen zweiten Store in der Hauptstadt des United Kingdom eröffnet. Im exklusiven Hotel Claridge´s  beheimatet, gemahnt das Interieur des Stores weniger an eine herkömmliche Buchhandlung denn an eine exklusive Galerie.
Passend zur kunst-affinen Umgebung – die Nachbarn sind die führenden Galerien zeitgenössicher Kunst – kann man neben den Büchern des Verlags auch limitierte Drucke von Steve Schapiro, Ellen von Unwerth oder Albert Watson erstehen.
Credit Bild: © Taschen Verlag
 
Credit Bild: © Taschen Verlag
Beim nächsten Städtetrip sollte man diesen ungemein stylischen Store unbedingt in seine Sightseeing-Liste aufnehmen.

Adresse:

TASCHEN Store London Claridge’s
49 Brook Street
London, W1K 4HW
United Kingdom

Telefon +44 207 495 1769
store-claridges@taschen.com

Öffnungszeiten:​
Montag bis Samstag 10:00 – 19:00 Uhr
Sonntag 12:00 – 18:00 Uhr
Credit Bild: © Taschen Verlag

Dienstag, 15. August 2017

SUMMER OF ROCK N' ROLL: Die linke und die rechte Hand des Killers

Credit Coverbild: © Universal Music
Mit "Rock And Roll Time" setzt der Wild Man aus Ferryday, Louisiana seine mit "Last Man Standing" begonnene und mit "Mean Old Man" fortgesetzte Comeback- Album Trilogie fort- und legt wenig überraschend wieder ein ausgezeichnetes Roots-Rock N' Roll Album hin- eine Platte in jener Art,wie sie eigentlich nicht mehr produziert werden.
Der Titel ist programmatisch, wie schon bei den Vorgängern fällt es schwer zu glauben, dass hier ein zum Zeitpunkt der Aufnahmen fast 80 Jähriger in die Tasten haut. Die twangige Stimme mit ihrer schneidenden, klaren Autorität hat sich Lewis über all die Jahrzehnte in denen er weder sich noch andere schonte stets erhalten und auch der eigentümliche Stil seines Klavierspiels ist nicht weniger "reckless" und "breathless"  geworden- so zu spielen kann man einfach nicht lernen:Die linke und die rechte Hand des Killers...

Lewis klingt hier eher wie ein Mann der halb so alt ist und dann spielt er auf diesem Album auch noch Gitarre - beeindruckend.
Man muss hier erwähnen,dass die Platte allerdings nicht nur gemessen am Alter des Killers gut ist sondern in einer Art und vor allem Vehemenz rockt, wie es selbst manch halb so alte Künstler nicht schaffen. Zwar gibt es diesmal in Summe etwas weniger Stargäste als noch auf den letzten Alben, wo beinahe jede Song ein "star studded" Duett war--doch sind die Guestspots diesmal nicht weniger hochkarätig- die Stones Keith Richards und Ronnie Wood Daniel Lanois, Nils Lofgren, Robbie Robertson, Slide Genie Derek Trucks .....

Lewis hat in all den Jahrzehnten seiner Karriere letztlich nie ein wirklich schlechtes Album eingespielt und auch "Rock And Roll Time" ist wieder ein erstklassiges Release geworden, das genau auf der Linie zwischen Rock N' Roll, tiefem Blues und Country wandelt - und  u.a. ein überraschendes Skynyrd Cover beinhaltet.
Fazit: Ein Tip, nicht nur für Greaser und Teddy Boys.

Mittwoch, 9. August 2017

Der Schwanengesang einer Legende: Chuck Berrys letztes Album „CHUCK“

Credit Coverbild: © Universal Music
Mit Double-Stop Licks, treibenden Shuffle-Rhythmen und der augenzwinkernden Schilderung des Teenagerlebens der Fünfzigerjahre lieferte er den Soundtrack für die Rebellion der Nachkriegsgeneration. In einem Maße wie nur sehr wenige andere Künstler beeinflusste Charles Edward „Chuck“ Berry mit seinem unverwechselbaren Stil Musiker unterschiedlicher Genres und es vergeht letztlich kein Tag ohne dass Gitarristen weltweit jene Licks spielen, die er einst populär gemacht hat. „Chuck“ ist nun das letzte Album dieser Ikone.

Credit Bild: © Universal Music
Seit 1979 hatte Berry kein Album mehr veröffentlicht – eine lange Zeit, doch er musste  letztlich auch nichts mehr beweisen; längst war er im Pantheon der unumstößlichen Ikonen des Rock N´ Roll angekommen, seine genialen Songs waren schon nach der Erstveröffentlichung „instant classics“ die zum Standardvokabular jedes ordentlichen Rockgitarristen zählen. Die Ankündigung dass er im hohen Alter doch noch ein neues Album veröffentlichen würde, war dann eine freudige Überraschung.  Doch die Veröffentlichung jenes Werkes, das ihm eine Herzensangelegenheit war und an dem er viele Jahre gearbeitet hatte – einige der Songs auf „Chuck“ entstanden bereits in den 80ern – erlebte er nicht mehr: Am 18. März verstarb Berry mit 90. Das posthum veröffentlichte „Chuck“ hält nun in 10 Tracks Rückschau auf sein illustres Lebenswerk.
Die Mischung der Platte ist dabei typisch für die späteren Jahre Berrys, insbesondere die Seventies, in denen er die eigenen Songs variierte oder Sequels seiner Song-Kurzgeschichten aufnahm (siehe die Story vom Landjungen Johnny B. Goode, der zwar nicht so gut schreiben und lesen konnte, aber dafür ein großartiger Gitarrist ist).
Das neue Album bietet so auch eklektische Novelty-Stücken, Blues, Balladen und  die typischen Rocker, siehe etwa die Singleauskopplung , „Big Boys“.


Credit Bild: © Universal Music


Eingespielt hat Berry das Album unter anderem mit seinen Kindern und seinem Enkel. Zusätzlich gibt es mitunter überraschende Gäste wie Blues-Rocker Gary Clark Jr., Nathaniel Rateliff und Ex-Rage Against The Machine-Saitenmanipulator Tom Morello. 
Auch wenn man die neuen Stücke nicht mit den klassischen Aufnahmen Berrys aus den 50s/60s vergleichen kann (und sollte) und - anders als bei Johnny Cashs „American Recordings“  - keine neuen Facetten der Legende sichtbar werden: „Chuck“ ist ein gutes Album und letztlich das Dokument eines Mannes der Zeit seines Lebens und bis ganz zum Schluss „unstoppable“ war. Berrys Spätwerk ist rührend, im einen Moment energisch und im anderen Moment eine introspektive, melancholische Bestandsaufnahme; die neuen Lieder umgibt eine wehmütige Aura, der Hörer vernimmt den Schwanengesang eines der ganz großen Individualisten: Einen wie ihn, wird es nie wieder geben.

R.I.P. Chuck Berry


Credit Bild: © Universal Music




Dienstag, 1. August 2017

TASCHEN CORNER bei HUGENDUBEL

Credit Bild: © Taschen Verlag
Als Bücher-Aficionado hält man ja stets Ausschau nach neuen Orten zum schmökern und Stores, die Erweiterungen für die eigene Sammlung bieten.
Für alle denen es auch so geht und die eventuell einen Städtetrip in die hessische Landeshauptstadt planen (bzw. auch für alle Einheimischen Wiesbadener J) habe ich da einen aktuellen Tip:
Denn in der traditionsreichen Buchhandlung Hugendubel (direkt im Zentrum von Wiesbaden, in der Kirchengasse 17, gelegen) gibt es jetzt - und vorläufig bis zum Jahresende - einen eigenen Taschen Corner.

Credit Bild: © Taschen Verlag
Ähnlich stylisch gestaltet wie die Flagship-Stores des Kölner Verlags wird in dieser Ecke ein Überblick über das Verlagsprogramm sowie alle aktuellen und kommenden Neuerscheinungen präsentiert: von der „kleinen Reihe“, der Bibliotheca Universalis über „classics“ wie dem Pirelli-Jubiläums-Band bis zu unlängst veröffentlichten Luxus-Bildbänden (z.b: Egon SchieleJFK, 75 Jahre DC Comics,  Peter Lindbergh oder der David Hockney-Sumo-Band).
Für alle  Coffee Table-Fans lohnt es sich also Vorbeizuschauen.
Credit Bild: © Taschen Verlag