Donnerstag, 12. September 2019

LOS ANGELES – PORTRAIT OF A CITY


Credit Bild: ©  Robert J. Frank Taschen Verlag
Die Stadt der Engel: Für viele Touristen und Globetrotter ist der kulturelle Hotspot der hippe „Place to be“ , für andere ist die in permanentem Wandel begriffene  Metropole an der amerikanischen Westküste das Tor zur Chance auf eine Weltkarriere - eine geradezu mystische "City Of Stars" der Verheißung. So mancher findet sich wiederum auf dem harten Asphalt des Boulevard der Dämmerung, auf dem Träume zerschellen, wieder...

Obwohl L.A. eine – im Vergleich zur alten Welt – verhältnismäßig junge Stadt ist, ist sie wie wenige andere  eine fast schon irreale Projektionsfläche mit einer extrem wechselvollen Geschichte. Diesen rapiden Wandel in kurzer Zeit kann man auch im Großformat-Bildband LOS ANGELES – PORTRAIT OF A CITY, einer fotografischen Hommage an die Stadt nachvollziehen: angefangen von der ersten in Los Angeles entstandenen Fotografie bis hin zu den jüngsten Panoramabildern der ausufernden Metropole.

In unzähligen Bilddokumenten wird die Geschichte dieses faszinierenden Ortes nacherzählt und damit auch der  kulturelle, politische, industrielle und soziologische Wandel einer City eingefangen, die sich seit ihrer Gründung beständig weiterentwickelt hat -  vom Immobilienboom der 1880er Jahre bis hin zur unkontrollierten Zersiedelung im späten 20. Jahrhundert. 
Über 500 Bilder zeigen den Aufstieg Los Angeles' vom Brachland in der Wüste zum grünen Garten Eden, zu der Hauptstadt des Kinos und zum Wohnort von Celebrities - sowie zum Rock N' Roll-Mekka und zur berüchtigten Mob City (James Ellroy lässt grüßen).
Nur die 60s/70s und die jüngere Vergangenheit kommen im Vergleich zum ganz alten L.A. etwas zu kurz
- diese spannende Zeit hätte durchaus mehr Platz bekommen können. Dennoch sind die 572 Seiten dieses Buchs ein spannender Streifzug durch die pulsierende Großstadt, die auch für all jene interessant ist, die L.A. nur von der Leinwand her kennen.

Los Angeles. Porträt einer Stadt
Kevin Starr, David L. Ulin, Jim Heimann
Hardcover, 25 x 34 cm, 572 Seiten

History of Information Graphics + Signierstunde

Credit Bild: © Taschen Verlag
Vor ihnen gibt es heutzutage einfach kein Entkommen mehr: die in so gut wie allen Medien geradezu omnipräsente Infografik -  jene ungebrochen populären Helferlein mit denen versucht wird, teils komplexe Sachverhalte möglichst anschaulich und einfach darzustellen. Dabei handelt es sich jedoch mitnichten um ein neues Phänomen, dass erst in der technokratischen „data based society“ aufgekommen ist. Vielmehr reicht die Geschichte bzw. das Grundprinzip der Infografik schon Jahrhunderte (!) zurück und erstreckt sich über viele Länder, Medien und Epochen: von mittelalterlichen Manuskripten bis zu farbigen Druckgrafiken, von Pergamentrollen bis zu Atlanten, von handgemalten Diagrammen bis zu heutigen digitalen Datenkarten.

Diese lange und teils durchaus überraschende Tradition der Infografik zeichnet ein neuer im Taschen Verlag erschienener Bildband anhand von über 400 Karten, Diagrammen und Zeichnungen nach -  und zeigt einerseits wie ein recht trockenes Thema ansprechend beleuchtet werden kann und andererseits wie vielfältig diese spezielle Form visueller Wissensvermittlung sein kann.

Passend zum Release dieses Buchs gibt es kommende Woche in Berlin ein Event mit den Autoren und Infografik-Experten Sandra Rendgen, Michael Stoll und Julius Wiedemann, die  ihr Werk nicht nur präsentieren sondern es auch signieren werden:

WANN ?
Freitag, den 20. September, von 18 bis 20 Uhr
WO ?
 TASCHEN Store
 Schlüterstraße 39 (10629 Berlin)
Credit Bild: © Taschen Verlag

Credit Bild: © Taschen Verlag

Montag, 2. September 2019

ELLIOTT LANDY – WOODSTOCK VISION


Credit Coverbild: © Elliott Landy  Zweitausendeins
Die globale Liebes-Umarmung ...“Take the world in a love embrace” sang einst Steppenwolf-Frontman John Kay während Captain America und Billy auf ihren Stahlrössern in “Easy Rider” den Highway entlang bretterten. Besser konnte man den Grundgedanken, welcher der Hippie-Bewegung zumindest ideell zugrunde lag wohl kaum beschreiben -  der Höhepunkt dieses Ideals und die Manifestation, dass der utopische "Love & Peace"-Gedanke vielleicht doch Realität werden konnte, war das legendäre gewordene Woodstock-Festival . Dieses feiert ja heuer -  der ein oder andere mag es womöglich noch nicht gehört haben 😊  – 50 jähriges Jubiläum.

Die Hardfacts zum Jahrhundertereignis lesen sich wie eine Auflistung von Superlativen 
(viele Acts wurden durch das Festival zu Superstars). Sie liest sich jedoch ebenso wie eine Mär vom Vorbeischrammen an einer Katastrophe: Die Organisation der „Woodstock Music & Art Fair presents An Aquarius Exhibition – 3 Days of Peace & Music, so der vollständige Name der Veranstaltung, war gelinde gesagt improvisiert, das Besucherinteresse wurde vollkommen unterschätzt. Gut 60.000 Musikfans wurden von Veranstalter Michael Lang und seinen Partnern erwartet. Je nachdem welchem zeitgenössischen Bericht man Glauben schenkt, machte sich jedoch eine schier endlos anmutende Karawane von fast einer Million Hippies auf den Weg zum Festivalgelände. Ein totaler Verkehrskollaps war die Folge, die Anreise wurde zum  Chaos, am Schluss erreichten schätzungsweise 400.000 Personen das bald durch starke Regenfälle im Schlamm versinkende Gelände. Was logistisch einem Super-GAU gleichkam endete jedoch - teils dank der sehr entspannten Besucher, aber auch durch das sanitäre Eingreifen des  Militärs - nicht in einer Tragödie. Und dass all dies so über die Bühne gehen konnte, lag sicher auch am Spirit einer Generation.

Woodstock war ja immer schon mehr als "nur" ein ikonisches Festival. Um es pathetisch auszudrücken: der Geist von Woodstock flackerte womöglich in jenem Feld in Bethel zum letzten Mal auf, doch prägte er generell die Zeit vom Summer Of Love bis zum Ende der Sixties. Der Rock N´Roll Photographer Elliott Landy war in dieser Zeit immer ganz vorne mit dabei: sowohl in Woodstock als offizieller Dokumentarist des Geschehens während jener 3 Tage als auch als Fixgröße in einer boomenden Counterculture-Szene.
So nahm er mit seiner Kamera an Demonstrationen und Sit-Ins teil und stand bei Gigs von Janis Joplin,  The Band, Bob Dylan oder Van Morrison in der ersten Reihe. 
Im neu im Zweitausendeins-Verlag erschienenen Bildband „Woodstock Vision" kann man diese eindrücklichen Bildern nun am heimischen coffee table betrachten.
Elliotts Bilder sind ästhetisch in ihrer Dynamik und Farbdramaturgie klar vom damaligen Zeitgeist beeinflusst. Bisweilen scheinen sie das Feeling der eingefangenen Musikperformances zu spiegeln und wirken geradezu psychedelisch.
Mit diesem Bildband gelang Landy eine beinahe wehmütige Hommage nicht nur an Woodstock sondern an eine ganze Generation.

REMBRANDT - DIE SELBSTPORTRÄTS


Credit Coverbild: © Taschen Verlag
Die Selbstbildnisse der großen alten Meister der Malerei sind historisch bedingt meist die einzigen Dokumente, die der Nachwelt zeigen, wie diese Pioniere ausgesehen haben. So gut wie jeder klassische Maler verewigte sich selbst - besonders häufig tat dies Rembrandt Harmenszoon van Rijn (* 15. Juli 1606 in Leiden; † 4. Oktober 1669 in Amsterdam).
Er schuf über 80 Selbstdarstellungen in Form von Gemälden, Radierungen und Zeichnungen – mehr als jeder andere Künstler vor ihm.

Für den gefragtesten Maler Amsterdams waren diese Selbstbildnisse vor allem die Möglichkeit stilistisch zu experimentieren. Dementsprechend vielfältig sind dann auch die Darstellungen: mal zeigt er sich als normaler junger Mann, dann  in der Pose des Soldaten oder gar im biblischen oder mythologischen Gewand. Auf manchen dieser detailreichen Bilder wirkt er nachdenklich, geradezu melancholisch, dann wieder sieht man ihn in seinem Element beim Schöpfungsakt an der Staffelei. Rembrandts Bilder dokumentierten so nicht nur den eigenen Alterungsprozess sondern auch unterschiedliche Facetten seiner Persönlichkeit.
Kunsthistorisch betrachtet, wohnt diesen Bildern mit ihrer präzisen Erfassung von Stimmungen, Mimik, und teils flüchtigen Momenten durchaus revolutionäres Potential inne. Im Gegensatz zu vielen seiner Vorgänger stand für den Niederländer nicht die idealisierte Form einer Selbstdarstellung im Mittelpunkt sondern vielmehr eine extrem genaue, teilweise geradezu schonungslose Selbstbeobachtung.

Anlässlich des 350. Todestages des Künstlers präsentiert ein neuer Taschen-Band nun sämtliche Selbstporträts. Die Monographie mit faszinierendem Hologramm-Cover richtet natürlich in erster Linie an Kunsthistoriker und Rembrandt-Hardcore-Fans und zeigt in aufwendigen Reproduktion die ersten Werken im Alter von 22 bis zum letzten Bildnis, das kurz vor seinem Tod entstand, als der einstige Superstar völlig verarmt starb.
  
Rembrandt. Die Selbstporträts
Volker Manuth, Marieke de Winkel
Hardcover mit Hologramm, 25,9 x 34 cm, 176 Seiten
ISBN 978-3-8365-7701-4
Ausgabe: Deutsch

BETTIE ! - THE INCOMPARABLE BETTIE PAGE ARCHIVES OF IRVING KLAW


Credit Coverbild: © PSG
Heute gilt sie als die unangefochtene „Queen Of Pinup“, eine Rock N´ Roll-Ikone , die als geheimnisvoller Dark Angel das nachtschwarze Gegenstück zur blonden Marilyn Monroe darstellte: Bettie Page (* 22. April 1923 in Nashville, Tennessee; † 11. Dezember 2008 in Los Angeles, Kalifornien).
Die legendäre Page arbeitete zwar nur einen verhältnismäßig kurzen Zeitraum als Fotomodell, ihre Aufnahmen die in Zusammenarbeit mit US-Fotografen wie Bunny Yaeger oder Irving Klaw entstanden, prägen jedoch bis heute die Pin Up-Szene und gelten schlichtweg als Kult. Zur Zeit ihrer Entstehung war dies jedoch noch ganz anders.
Zwar zierten Pinups die Spinde heißblütiger Männer und die Flugzeuge der Soldaten im Dienste Uncle Sams, doch insgesamt waren die USA in den 40s und 50s über weite Strecken noch sehr konservativ:  Rockabilly und  Rock N´Roll waren noch jung und ohnehin ein Affront für die Altvorderen , die sexuelle Revolution lag noch in weiter Ferne: Magazine mit Pinup-Girls stellten also eher ein Fall für den mehr oder minder heimlichen Verkauf unterm Tresen dar.

In der von Paranoia geprägten McCarthy-Ära ängstigte man sich vor vermeintlichen Kommunisten in der Nachbarschaft mindestens so sehr wie vor der Darstellung von Erotik.
Auch Pages Arbeiten mit Irving Klaw die zwischen 1952 und 1957 entstanden, waren so manchem selbsternannten Sittenwächter ein Dorn im Auge. Ein gewisser Senator Kefauver versuchte etwa „Pornographie“ mit jugendlicher Kriminalität in Verbindung zu bringen und hielt die gefürchteten „Kefauver Hearings“ ab – dort musste auch der zuvor erwähnte Fotograf Irving Klaw aussagen, der eine Razzia der Bundesbehörden befürchtete und sein Archiv unzähliger Aufnahmen -  darunter zahlreiche mit Bettie Page – vernichtete. Dass die Nachwelt von den ästhetischen Pionierleistungen des Duos Klaws/Page weiß, ist vor allem der Schwester des Fotografen zu verdanken, die einen Teil der Bilder heimlich rettete.

Heute kann man diese verbliebenen Aufnahmen des Dark Angel im großformatigen Luxus-Bildband „Bettie ! - The Incomparable Bettie Page Archives Of Irving Klaw“ aus dem Hause Press Syndication Group (PSG) ,einem Independent- US-Verlag, der sich ganz dem Thema  „museum quality photography books“ verschrieben hat, bewundern. Die monochromen Aufnahmen der Schönheit aus Tennessee wirken aus einem Film Noir. Die Femme Fatale mit dem ikonischen Pony-Haarschnitt in BDSM-Posen…wenige konnten so gekonnt zwischen sorgloser Unschuldigkeit und Laszivität switchen wie Page.
Betrachtet man diese Bilder aus einem modernen, heutigen Blickwinkel lässt sich natürlich mitunter schwer nachvollziehen, dass diese  ästhetisch sehr hochwertigen Bilder einst einen solchen moralischen  Aufschrei nach sich zogen, man muss sich eben die
ambivalente Einstellung der damaligen Zeit zum Thema Erotik & Sex (der berüchtigte Hays Code in Hollywood ist nur ein Beispiel dafür)  vergegenwärtigen.
„The Incomparable Bettie Page“ ist jedenfalls eine schöne Werkschau und ein attraktiver
Sammlerband mit heute als durchaus ikonisch zu bezeichnenden Aufnahmen und Bilderserien.

Freitag, 23. August 2019

CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL – LIVE AT WOODSTOCK


Credit Coverbild: © Universal Music
„Born On The Bayou“, „Bad Moon Rising“ oder „Green River“ – jene ewigen Oden an den tiefen Süden der USA,  in denen John Fogerty die flirrende Hitze der Sümpfe sowie Bilder von barfüßigen Mädchen, die gerne mal im Widerschein des Mondes zum Soundtrack der Geräusche eines Ochsenfroschs tanzen, evozierte – sie alle findet man in der Tracklist des jüngsten CCR-Releases wieder. Fast könnte man also meinen, es handle sich um eine neuerliche Best Of-Compilation der nicht gerade wenigen Hits der Band. Tatsächlich hat man es jedoch mit einem Live-Mitschnitt von der „Mutter aller Festivals“ zu tun, die 50 Jahre nach dem denkwürdigen ´69er Gastspiel in Bethel nun erstmalig in ihrer Gesamtheit veröffentlicht wurde – in attraktiver CD-Form mit Vinyl-Style Slipcase.

CCR waren damals die erste Band die offiziell bei Michael Langs Woodstock-Festival mit an Bord war, im Gegensatz zu manch anderen Acts standen sie nicht erst ganz am Anfang ihre Karriere, hatten schon einige Hitalben im petto und waren kurz davor, sich als eine der international populärsten Bands zu etablieren.
Für viele Künstler war das dreitägige Festival nur eine weitere Station ihrer Tourneen, dass Woodstock ein entscheidender Moment in der Popkultur werden würde, war zu Beginn noch nicht absehbar, kristallisierte sich erst im Laufe der drei Tage und der Rezeption des viel beachteten Konzertfilms heraus (auf dem CCR btw. nicht zu sehen sind…).
Nach einem (durchaus vorhersehbar) überlangen Set der Grateful Dead kamen CCR nach Mitternacht am 17. August auf die Bühne. Trotz einer guten Show umweht „CCR Live at Woodstock“ nicht der Hauch des Ikonischen wie die Gitarren-Orgie Alvin Lees oder Jimi Hendrix´ Deutung des „Star Spangled Banner“. Dennoch zeigt der einstündige Aufritt die Band „in all their glory“: mit hypnotischen Grooves und langen Improvisationen zelebrierten sie ihren typischen Swamp Rock – gut, dass es den Gig nun in Gänze zum Nachhören gibt. 

Tracklist :
Born on the Bayou
Green River
Ninety-Nine and a Half (Won’t Do)
Bootleg
Commotion
Bad Moon Rising
Proud Mary
I Put a Spell on You
The Night Time is the Right Time
Keep on Chooglin’
Suzie Q.

Montag, 19. August 2019

ROCKY MOUNTAIN SLIDES

Ungewöhnliche Slides: Brian Bassett Signature Modell (links) und der Elements Turquoise  Shavano
Oft sind es gerade die kleineren Firmen und Marken abseits des Mainstreams und fernab etablierter Branchenriesen die spezielle und besondere Produkte kreieren. Auch im weiten Feld der „Guitar Gear“ und in jenem Segment, das im Musikalienladen meist unter der Bezeichnung „Accessoires“ firmiert, ist das nicht anders. Ein Paradebeispiel hierfür ist die US-Firma Rocky Mountain Slides (kurz RMS) und ihre Tonebars und Fingerslides. In Poncha Springs am Fuße der mächtigen Rocky Mountains fertigt „Doc“ Sigmier Slides, die nicht ungewöhnlicher sein könnten. In der Roots-Szene der Staaten sind diese längst kein Geheimtipp mehr, vom Kentucky Headunter Greg Martin über Sheryl Crow-Gitarrereo Peter Stroud spielt eine ganze Reihe illustrer Musiker die Kreationen des Doktors.

Was bei RMS als allererstes auffällt: Sigmiers Slides sehen einfach extrem cool und vor allem exotisch aus  - wie man am Bild oben erkennt haben sie abgesehen von der Form recht wenig mit anderen am Markt erhältlichen Slides gemein, die normalerweise wesentlich schlichter aussehen. RMS sorgt mit knalligen Farben und unorthodoxen Materialen für Aufsehen, das macht sich natürlich gut auf der Stage und dürfte ganz generell alle musikalischen Ästheten ansprechen. Wobei man sagen muss, dass die Slides nicht nur eine fancy Optik besitzen, die speziellen „glacings“ die der Doc für seine Kreationen verwendet heben die RMS-Produkte über die Riege normale Keramik-Röhrchen.
Individualisten werden es zudem schätzen, dass die Slides mit so klingenden Namen wie „Shavano“ oder „Cochetopa“ zu 100 % handmade sind – mit allen Eigenheiten und kleinen Inmperfektionen bzw. Unebenheiten im Material – ziemlich unique das ganze, was natürlich einen ganz eigenen Charme besitzt
Der Doc bei der Arbeit 
Credit Bild:© Rocky Mountain Slide Company 
Gutes Beispiel hierfür ist etwa der Bryan Bassett Slide, der Signature Slide des Foghat-Gitarristen. Das grüne Teil wirkt  als hätte man es gerade aus dem Sumpf Louisianas gezogen – dazu passt auch sein voller, bluesiger Klang, der sich nicht nur für den  Slow Ride sondern auch für High Speed-Orgien eignet 😊.  Klanglich erinnert er an klassische Keamikslides mit einem Hauch von glasiger Transparenz.
In eine etwas andere klangliche Richtung geht der Elements Turquoise Shavano aus der Elements-Reihe. Dieser ist tatsächlich aus Stein gefertigt – sehr ungewöhnlich und das hat durchaus merkbare Auswirkungen aufs Spielgefühl und den Ton. Während der grüne Bassett-Slide etwas heller und durchdringender klingt, deckt der Shavano ein etwas breiteres Frequenzspektrum ab. Er hat hörbar mehr  Bass, wirkt insgesamt eine Spur mellower. Passt zum Look, der weniger an einen Side, denn an ein Schmuckstück erinnert.

Im Vergleich zu Massenproduktions-Slides oder den von vielen Herstellern angebotenen Coricidin-Replicas behaupten sich die "Independent"-Artikel von RMS mehr als selbstbewusst, denn sie klingen einfach hervorragend. Wobei man natürlich dennoch keine himmelhohen Unterschiede zu anderen handelsüblichen Bottlenecks aus dem high quality-Bereich erwarten sollte. Meine bisherige Slide-Collection würde ich also also nicht wegwerfen, die RMS Slides bieten jedoch eine sowohl optisch wie klanglich äußerst interessante und hochwertige Alternative und Ergänzung. Gerade was das Feeling beim Spiel und die ganze Haptik anbelangt ist der Unterschied zudem recht deutlich. Wer also mit diesen urigen Slides experimentieren will, sollte sich die RMS Site anschauen – bislang gibt es Docs Entwürfe nämlich noch bei keinem der gängigen europäischen Stores. 

Hier ein paar Soundbeispiele, die einerseits die auffällige HiFi-artige Klarheit der Slides als auch ihre Durchsetzungsfähigkeit in einem Bandkontext verdeutlichen. Den Anfang macht ein kesselnder Full Band -Track. Zuerst hört man den Bassett Slide, dann setzt der Shavano ein. Verwendete Gear: Fender Eric Clapton Strat in einen Friedman Dirty Shirley mit einem Hauch Spring Reverb:  


Die gleiche Gear kam im folgenden Audiobeispiel zum Einsatz, diesmal hört ihr die beiden Slides jedoch isoliert. Wieder macht der Bassett Slide den Anfang, dann folgt der Shavano:  


Donnerstag, 15. August 2019

WOODSTOCK - 3 DAYS OF PEACE AND MUSIC Official 50th Anniversary Celebration Book


Credit Bild: ©  Reel Art Press
Vor genau 50 Jahren startete im New Yorker Stadtteil Bethel jener Event, der als die Mutter aller Festivals in die Annalen der Musikgeschichte eingehen sollte: Woodstock, der Höhe-und Endpunkt der Hippie-Bewegung der 60er.

Woodstock nahm schnell geradezu mythische Züge an - und das obwohl das drei Tage andauernde Spektakel bei weitem nicht das erste große Festival war und viele Sprachrohre der damaligen Generation von den Stones bis zu Dylan gar nicht dort auftraten. Doch „Woodstock Music & Art Fair presents An Aquarius Exhibition – 3 Days of Peace & Music", wie das Ereignis mit vollständigem Namen hieß, war viel mehr als "nur" Musik und ein Konzert von megalomanischen Ausmaßen: Zwar brannte es sich einereits dank legendärer Performances von Jimi Hendrix, Santana, The Who oder Ten Years After, einem oscar-prämierten Dokumentarfilm sowie der Dreifach-Soundtrack-LP ins kollektive kulturelle Gedächtnis ein – andererseits waren vor allem das beinahe spirituelle "get together" abertausender Jugendlicher und der überraschend friedvolle Ablauf  Symbole für das letzte Aufflackern eines utopischen Zeitgeists.
JIMI HENDRIX
Credit Bild: © Dan Garson         Reel Art Press
Die groß angekündigte 2019er -Neuauflage zum Jubiläum mit Acts von CCR bis Jay-Z scheiterte, die Zeiten, sie haben sich wohl wirklich geändert... die Faszination für den Spirit des Mega-Festivals bleibt jedoch bis heute. Und während eine neuerliche Wiederholung  des Festivals dem Mythos kaum zuträglich gewesen wäre (schon die 90er-Woodstocks waren ein blasses Abbild des Ur-Events) wird den historischen Ereignissen mit einer Fülle von CDs, Dokus und Büchern gedacht. Allen voran natürlich der immer schon extrem geschäfstüchtige Festival-Organsiator Michael Lang, der den einzigen offiziellen coffee table-Bildband in der Schwemme an "commemorative releases" vorlegt. Lang liefert damit quasi die Luxus-Ergänzung zu seinem unlängst neu aufgegelgten "Road To Woodstock"-Bericht. Für dieses Prestige-Projekt öffnete er sein extensives Privatarchiv mit hunderten Fotos und Dokumenten, kuratierte eine Auswahl der besten Shots vom R N' R-Photography-Ikonen wie Henry Diltz oder Baron Wolman und lässt in Begleittexten die Vorbereitung und die 3 geschichtsträchtigen Tage Revue passieren. Da es sich bei diesem Band bei weitem nicht um die erste extensive Retrospektive auf das Eriegnis handelt, liegt es in der Natur der Sache, dass sich hier das allseits Bekannte mit dem Seltenen mischt.
Michael Lang als Easy Rider
Credit Bild: © Henry Diltz Reel Art Press
Man erfährt also nicht unbedingt viel Neues in diesem Bildband, in dem der Veranstalter, das Festival an sich und das Publikum die eigentlichr Hauptrolle einnehmen - und auffälligerweise  nicht die Musik-Acts. Doch die attraktive Gestaltung und der Anspruch das Totalphänomen zu erfassen - von der Logistik über die kleinen Momente abseits der Bühne zum "Aftermath"- machen das Buch zu einer interessanten Chronik des 15. - 18. August ´69, dem letzten positiven Medien-Ereignis der  Counterculture und Rock-Szene der Sixties.
Die rotierende Bühne von Woodstock, Schauplatz einiger der ganz großen Rock N´Roll-Momente
Credit Bild: © Henry Diltz Reel Art Press

WOODSTOCK - 3 DAYS OF PEACE AND MUSIC Official 50th Anniversary Celebration Book
ISBN: 978-1-909526-62-4
288pp; Hardback; 300+ photos and documents
290 x 245mm
https://www.reelartpress.com/

Donnerstag, 8. August 2019

THE HISTORY OF CULTS – From satanic sects to the Manson family



Credit Coverbild: © Carlton Books
Knapp eine Woche bevor in Bethel nahe New York der eigentliche Höhepunkt der Love & Peace-Bewegung, das Woodstock-Festival, stattfand waren die Sechziger und ihre Ideale in Wahrheit längst vorbei: Autorin Joan Didion beschrieb die Ereignisse, die sich in der Nacht des 9. August 1969 in der Stadt der Engel zutrugen, einmal als jenen Moment, an dem die Sechziger endeten: In jener heißen Sommernacht drangen Mitglieder von Charles Mansons Hippie-Sekte „Family“ in ein Luxusanwesen am Cielo Drive in Los Angeles ein und ermordeten die hochschwangere Sharon Tate, eine aufstrebende Schauspielerin und die Ehefrau des Regisseurs Roman Polanski. Unter den Opfern des Massakers waren auch die Gäste Tates, der bekannte Celebrity-Hairstylist Jay Sebring, die Kaffee-Imperiums-Erbin Abigail Folger und ihr Freund, der Schauspieler und Schriftsteller Voytek Frykowski. Auf dem Weg in das Anwesen ermordeten die Manson-Anhänger zudem den Studenten Steven Parent, der eigetnlich nur den Hausmeister des Anwesens in den Hollywood Hills besuchen wollte. Die Täter hatten auf Geheiß ihres wanhsinnigen Gurus Manson gehandelt, die besondere Grausamkeit des Verbrechens sorgte weltweit für Schlagzeilen und beendete die Utopie des freien Sixties-Lebensstils.

Zum heurigen 50. Jahrestag sind diese Ereignisse natürlich in besonderem Maße im "global cosnciousness" - aus dem esie als ein Schlüsselmoment der Sechziger allerdings auch schon die letzten Jahrzehnte nie gewichen sind. Im neuen Quentin Tarantino-Film „Once Upon A Time In Hollywood“ spielen sie ebrnso eine zentrale Rolle wie in der kommenden zweiten Season der David Fincher-Netflix-Serie "Mindhunters". Sie bilden auch eines der Kapitel in der jüngst schienenen Enzyklopädie „The History Of Cults“ (Carlton Books).

Darin entwirft Autor Robert Schroëder eine kulur-historische Geschichte der unterschiedlichen Ausformungen kollektiven Wahns und  zeigt , dass Gruppierungen mit Merkmalen einer sich in Gruppen verstärkenden Radikalisierung  keinesfalls ein neues oder neuzeitliches Phänomen sind. Vielmehr finden sich die-  Grundprinzipien sektenartiger Zusa menschlüsse schon in altertümlichen Kulturen. Es ist ein düsterer Einblick den man hier gewinnt, der jedoch für den interessierten Leser stellenweise zu wenig tiefgreifend ist. Denn das Buch ist sehr kompakt, 192 Seiten sind für ein so extensives, mehr als 100 Jahre umspannendes Thema nicht viel.  „History Of Cults“ ist also keine in depth-Analyse der komplexen Vorgänge innerhalb eines wahnhaften Verbands sondern eher ein lexikales Werk, das Basic Facts über eine Vielzahl von Kulten enthält und sowohl als Nachschlagewerk als auch als Anreiz für weiterführende Recherchen fungiert.

Mittwoch, 7. August 2019

George Herrimans "Krazy Kat" - Die kompletten Sonntagsseiten in Farbe 1935–1944


Credit Coverbild: ©  Taschen Verlag  George Herriman
Während in hiesigen Breitengraden der „newspaper comic strip“, also der klassische Zeitungs-Comic, eher in der Nebenrollen-Kategorie unter ferner liefen zu finden ist, zählt dieses Subgenre seit jeher zu den absoluten  Fixpunkten in US-amerikanischen  Printmedien – und das seit mehr als 100 Jahren. Einer der ganz frühen Vertreter des Zeitungscomics modernen Zuschnitts ist die von George Herriman kreierte  Krazy Kat, die ihrem Namen stets alle Ehre machte. Dem alten Überthema „unrequited love" folgend, erzählen die kurzen Geschichten von einer schwarze Katze, die sich Hals über Kopf in eine weiße Maus verliebt hat. Dummerweise ist deren Antwort auf die Avancen jedoch oft ein Ziegelstein auf dem Kopf des Stubentigers.
Zu den prominentesten Fans von Herrimans Kätzchen zählten etwa Gertrude Stein, F. Scott Fitzgerald, Pablo Picasso, James Joyce, US-Präsident Woodrow Wilson, Jackson Pollock, Charlie Chaplin, Frank Capra, P.G. Wodehouse oder Willem de Kooning – was schon viel über den Appeal dieses kultigen Comics verrät, der von 1913 bis zum Tode Herrimans im Jahr 1944 erschien und in dem zuvor beschriebenen Hauptplot über  amourösen Begierden immer wieder auch traditionelle Wertvorstellungen hinterfragte.
Credit Bild: ©  George Herriman Taschen Verlag  
Dass diese teils absurden, teils melancholischen Strips so lange erscheinen konnten, lag vor allem am legendären Medien-Tycoon William Randolph Hearst, der ebenfalls ein Fan von Herrimans Geschichten war und dem Zeichner so gut wie alle Freiheiten ließ.
Dies führte dazu, dass Krazy Kat zu einem durchaus transgressiven Comic voll von Slang dadaistischen Szenerien und  Anspielungen auf die gender-fluide Orientierung der Krazy Kat wurde - und all das lange vor den „Counterculture“-Eskapaden eines Robert Crumb.
Der gerade neu erschienen Werkschau-Band über die Jahre ´35-´44 vereint nun alles was die Krazy Kat so ausmachte  und huldigt in Taschen Verlag-typischem Luxusoutfit diesem unorthodoxen Vorläufern von Tom & Jerry: für historisch interessierte Comic-Fans absolut empfehlenswert.

George Herrimans "Krazy Kat". Die kompletten Sonntagsseiten in Farbe 1935–1944
Alexander Braun
In Leinen gebunden, 30 x 44 cm, 632 Seiten, in einem Karton mit Tragegriff
ISBN 978-3-8365-7194-4
Ausgabe: Deutsch
Taschen Verlag