Mittwoch, 21. Dezember 2016

STRAY CATS - LIVE AT ROCKPALAST 1983 Loreley Open Air + 1981 Cologne


Credit Coverbild: © MIG-Music
Der Rockpalast - eine Institution der deutschen Musiklandschaft und seit 1974 (mit Unterbrechungen) bis heute ein Garant für hochklassige Konzerte mit Künstlern auch abseits des immergleichen Mainstreams. Zahlreiche Legenden und solche die es noch werden sollten gaben sich im Lauf der Jahre im Rahmen des Rockpalast die Ehre - unter ihnen auch die Stray Cats - deren Gigs von 1981 und 1983 in eiem Set von MIG-Music released wurden. Die Veröffentlichung dieser Deutschland-Konzerte der Rockabilly-Heroen ist auch ainsofern bemerkenswert, als dass es von den Cats recht wenige Livemitschnitte gibt - obwohl Brian Setzer Gitarre & Vocals), Slim Jim Phantom (stets stehend an den  Drums) udn Lee Rocker (am Slapbass) fraglos die einflussreichste Band der zweiten Welle des Rockabilly nach dem Tod des Kings Elvis Presley waren. "STRAY CATS - LIVE AT ROCKPALAST“ kommt im dicken Digipak mit gleich drei Discs - 2 CDs und 1 DVD.

Tracklist Satory-Säle Köln,16.Juli 1981
Sweet Love On My Mind
Double Talkin´Baby
Rumble In Brighton
My One Desire
Ubangi Stomp
Drink That Bottle Down
Storm The Embassy
Stray Cat Strut
Fishnet Stockings
Important Words
Rock This Town
Runaway Boys
Somethin´Else
Gonna Ball

Tracklist Open Air Loreley, 2. August 1983
Baby Blue Eyes
Double Talkin´Baby
Rumble In Brighton
Drink That Bottle Down
Something is Wrong With My Radio
Built For Speed
Look At That Cadillac
Runaway Boys
Lonely Summer Nights
Too Hip, Gotta Go
Stray Cat Strut
She´s Sexy And 17
Banjo Time (Foggy Mountain Breakdown)
The Race Is On
Tear It Up
Oh Boy
Rock This Town

Ein Blick auf diese Setlists genügt eigentlich - lauter Klassiker, early stray cats rock n´roll in Renkultur. Was man bei  diesen Gig sieht, sind die Stray Cats in ihrer Frühphase - die Gig sind roh, ungeschliffen, die Band blutjung. 
Die Band spielt mit einem solchen Drive -Setzers ikonische orange Gretsch, ein Amp, ein Roland Spach Echo dazu Slim Jim Phantoms minimalistisches Drumkit udn Lee Rockers akrobatisches Slapbass-Spiel - mehr brauchten die Jungs nicht um schon damals eine Rockabilly Riot sondergleichen auszulösen.

Die Aufnahmen haben natürlich - altersbedingt - vintage Charme. Die Bildqualität und auch die Beleuchtung insbesondere in den Satory Sälen ist natürlich zeitgemäß etwas schummrig.Das macht aber letztlich überhaupt nichts - immerhin sieht man hier Gigs,  wie es sie heute in dieser Form fast nicht mehr gibt. Der Rahmen ist beinahe intim - die Barrieren zum Publikum - siehe auc das Cover Bild - beinahe nicht existent. Mitunter wird sogar ein Girl aus dem Publikum auf die Bühne geholt, die mit Setzer twisten darf.
Fazit: Großartiges Release

ENNIO MORRICONE earbook


Credit Coverbild: © Edel Germany GmbH Earbooks
Dass der italienische Komponist Ennio Morricone  bei der diesjährigen Oscar-Verleihung mit einem „regulären“ Oscar - für seinen unglaublich dichten Score zu Quentin Tarantinos „The Hateful Eight“- ausgezeichnet wurde war zum einen mehr als verdient - der Soundtrack zum Schneewestern war fraglos der beste dieses Jahrgangs - und andererseits längst überfällig.Immerhin hätte der Maestro allerspätestens in den Sechzigern für seine progressive  Amalgamation von E-und U-Musik und seinen ikonischen Score zu Sergio Leones Italowestern-Epos „Spiel mir das Lied vom Tod“ einen Goldjungen bekommen müssen.

Doch obwohl Morricone auch in den folgenden Jahrzehnten zu den vielbeschäftigten Männer seiner Zunft gehörte und einen Score nach dem anderen komponierte, bekam der  Maestro „nur“ einen goldene Statuette für sein Lebenswerk von der Academy verleihen - jedoch nie einen Award für seine Arbeit an einem speziellen Film. Dass es in den vergangene Jahren dafür mehr als genug Anlässe gegeben hätte, zeigt auch wieder das „earbook“ über den großen Komponisten. Der Band ist eine umfangreiche Retrospektive auf über 5 Jahrzehnte in denen Morricone E- und U-Musik verband, das Geräusch einem Instrument gleich einsetzte und damit Soundtracks  schuf, die zum Kult geworden sind.

Das den earbooks zugrunde liegende Konzept sind quasi Bücher zum Hören.Die Releases dieser Reihe sind Bildbände mit CDs - durch diese Kombination von ansprechend gestaltetem „coffee table“-Band und Musik kann man während des Schmökerns eine Disc im  Player rotieren lassen und in die Welt Morricones eintauchen.Das Buch im stylish-dezenten Retro- Design bietet auf über 130 Seiten einen Überblick über die Karriere des Maestros mit zahlreichen Filmstills, Plakaten etc.Aufnahmen wie die Closeups der Augen von Clint Eastwood, Eli Wallach und Lee Van Cleef aus „The Good, The Bad And The Ugly“ lassen einen - ob man nun eine CD lafen hat, oder nicht - unweigerlich an die legendären Melodien - und an Kojotengeheul ;-) - denken.

Der Morricone-Kenner wird aus dem Begleittext zwar wohl keinen neuen, ungekannten Zusatzinfos erfahren, doch die ansprechende Gestaltung und die konzentrierte Form dieser visuellen Werkschau lassen einen auch weniger bekannte Arbeiten Morricones wiederentdecken.  Die  insgesamt 4 Discs geben einen umfassenden Querschnitt über das Schaffen des Maestros und enthalten viele Klassiker von Spaghetti Western Scores über die Arbeiten für Giallo-Meister Dario Argento bis zu 90s-Werke wie „Bugsy“ Warum aber ein so definierendes Stück wie „Man With The Harmonica“  aus „Spiel Mir das Lied vom Tod“ fehlt, bleibt fraglich....
Dennoch bietet dieser schöne Bildband eine attraktives Portrait  eines Revolutionärs der Filmmusik - das sowohl für Leser, die Morricone erst entdecken als auch durchaus für langjährigen Fans geeignet ist.

MIREILLE MATHIEU ENNIO MORRICONE


Credit Coverbild: © Sony Music Abilène Disc
Auf der einen Seite der italienische  Maestro Ennio Morricone - der Schöpfer unvergesslicher Soundtracks, der die Art wie der Wilde Westen klingt mit seinen Scores für Sergio Leones Spaghetti Western neu definierte. Auf der anderen Seite die französische Sängerin Mireille Mathieu, die seit den Sixties sowohl im Genre des Chanson wie im Schlager verweilt. Zwei Welten, die eigentlich unvereinbar scheinen - doch halt, da war etwas:

Im Jahr 1974 nahm Matthieu nämlich  zusammen mit dem römischen Komponisten gleich ein ganzes Album auf - bei dem der Spatz von Avignon sowohl von Morricone eigens für sie komponierte Stücke sowie Filmkompositionen Morricones auf französisch einsang bzw. über die Instrumentalstücke sang. Dieses Album fällt eindeutig unter die Kategorie verschollene Werke der Musikgeschichte - eine schwer zu bekommende Rarität - die allerdings jetzt mit ein paar das ursprüngliche Release erweiternden Bonus Tracks neu aufgelegt wurde: Die Reissue ist schön gemacht, kommt im Digipak mit Booklet - u.a. mit einem Foto mit Seltenheitswert: Morricone zusammen mit Mathieu und Meisterregisseur Leone.
Wer die französische Sängerin nur aus Volksmusik-Sendungen oder von Samstag-Abend bei Carmen Nebel kennt wird sich unter Umständen über diese CD wundern. Wer Morricone nur von seinen Scores kennt, wohl ebenso. So hält dieses Kleinod von einem Album eventuell für beide Seiten - Soundtrack-Aficionados und Mathieu-Anhänger - eine Überraschung bereit. Mathieu hat ja wirklich eine tolle Stimme - die allerdings im Chanson-Kontext besser passt, als bei den dermatischen Morricone-Kompositionen - denn fest steht dass etwa das Original- Thema von „Spiel Mir das Lied vom Tod“ (mit dem genialen wortlosen Sopran von Opernsängerin Edda Dell´Orso) wesentlich besser war als die „Song“-Version auf diesem Album. "Mireille Matthieu Ennio Morricone" ist trotzdem ein Album mit Seltenheitswert, das vor allem für Morricone- Komplettisten und Sammler interessant sein dürfe.

Dienstag, 20. Dezember 2016

THE PASSENGER IGGY POP


Credit Coverbild: © Esther Friedman   Knesebeck Verlag
Wer Rockstar Iggy Pop nur als den wilden Mann des (Proto-)Punk kennt, der sich halbnackt auf der Bühne windet und schon mal sein bestes Stück coram publico rausholt, wird von diesem Bildband aus dem Knesebeck Verlag ziemlich überrascht werden.
Denn die in diesem Buch versammelten Aufnahmen von Esther Friedman zeigen auch eine ganz andere, weitaus weniger dokumentiere Seite dieses Kult-Musikers.
Die junge Fotografin Friedman und der damals bereits berühmt-berüchtigte Rockstar lernten sich im Jahre 1976 kennen. Zunächst bekam Friedman  eigentlich nur den Job einer Tourfotografin, doch daraus entwickelte sich rasch mehr. Die beiden  wurden ein Liebespaar, 7 Jahre begleitete sie Iggy schließlich rund um die Welt.
„The Passenger“  - benannt nach dem gleichnamigen Klassiker-Song - gewährt nun einen Einblick in diese Zeit mit Aufnahmen aus dem Privatarchiv Friedmans.

Der Betrachter nähert sich durch diese Bilder auf eindrückliche Weise dem Mann hinter dem Image.So sind die hier versammelten Fotos dann unter Umständen auch etwas anders als man es zunächst  erwarten mag:  Friedman hat eine sehr eigene unaufgeregte Bildsprache.
Ihre ruhigen Bilder von Pop sind äußerst intime Aufnahmen, die den Privatmann James Osterberg (so Pops bürgerlicher Name) zeigen: Portraits einer Liebenden.
Die Mehrheit der Aufnahmen zeigt Pop dann auch nicht auf der Bühne, sondern weit weg vom gleißenden Scheinwerferlicht in Situationen abseits der Öffentlichkeit.
Diese äußerst persönlichen Aufnahmen Friedmans in Kombination mit dem Begleittext Daniel Haaksmans lassen den Fan tief in diese spezielle Phase in Iggy Pops Karriere eintauchen.
Selten hat man eine so intimen Einblick ins Privatleben eines Stars erhalten und die andere Seite eines Rock N´ Roll-Berserkers gesehen.

Buch-Infos:
23.4 X 30.4 cm
gebunden mit SU,
176 Seiten mit 96 schwarz-weiß Abbildungenund 66 farbigen Abbildungen

http://www.knesebeck-verlag.de

Oh Yes We Can Love - A History Of Glam Rock

Credit Coverbild: © Universal Music
"Not your average boxset"
Glam das bleibt in seinen unterschiedlichsten Formen ein wesentlicher Bestandteil und durchaus kontemporärer Trend in der Popkultur: Ob als Bezugspunkt für Retro Rocker, Teil von Ausstellungen oder Retrospektiven - oder als scheinbar für jede Saison gültige Inspiration in der Fashion-Welt von Paris bis Mailand. Der musikalischen Seite des exaltierten Glam-Phänomens widmet sich das aufwändige Boxset "Oh Yes We Can Love - A History Of Glam Rock"(Universal) und stellt eine interessante Retrospektive auf dieses außergewöhnliche und langlebige Genre dar.
Die Songauswahl ist dabei äußerst eklektisch:
Zum Einen wird ein interessanter Bogen von den ganz frühen Einflüssen des Genres - quasi der Proto Glam Rock zu der 70er Hochphase geschlagen: Von Chuck Berry, Holwin´ Wolf (!) oder Vince Taylor  hin zu Bolan, Bowie oder Sweet

Doch „Oh Yes We Can Love“ geht noch weiter und verfolgt die Spur des Sternenstaub Glitters bis in die 2000er.Generell wird der Glam- Begriff wird bei diesem Set recht weit gefasst und mitunter frei interpretiert: So gibt es dann auch recht kuriose Picks wie die Ramones oder Judas Priest - die ja eher zu den weniger Glam-inspirieren Metal Band zählen - in der Tracklist. Dass sie mit einer solchen Auswahl durchaus anecken werden, ist den Machern bewusst. Manche Auswahl ist offenbar sehr bewusst am äußeren Rand des Genres bzw,, schon weit abseits davon angesiedelt. Umso mehr fällt dadurch allerdings auf dass die Phase des L.A. Hair bzw Glam Metal der 80er  - den legitimen Nachkommen des britischen Glam Rocks, der in den USA nie in dem Maße abhob wie in Europa - ausgespart wird.
Dennoch: "Oh Yes We Can Love" ist eine interessante Compilation---die insbesondere aufgrund ihrer exzentrisch-eklektischen Songauswahl und der tollen Aufmachung (Box mit reich bebildertem Buch) zu gefallen weiß.  Zumal die Hör- Experience von Disc 1 an fraglos spannend bleibt. 
 

Montag, 19. Dezember 2016

ELLEN VON UNWERTH - FRÄULEIN

TELEPHONE SEX New York 1997
Credit Bild: © Ellen von Unwerth
Nur wenige Fotografen der Fashion-Szene haben eine derartig unverwechselbare künstlerische Handschrift wie Ellen von Unwerth. Bei ihr reichen ein paar Sekunden eines Filmclips oder ein einziges Bild völlig aus und der Betrachter weiß, dass es sich um ein Werk der gebürtigen Frankfurterin handelt. Unwerth, die in ihrer Jugend selbst als Model arbeitete und im Laufe ihrer Karriere die Seiten und damit  hinter die Kamera wechselte verfügt über einen unglaublich distinktiven Stil, der die sexuell aufgeladene Pin-Up-Kunst der 50er mit High Fashion verbindet.

Fräulein“, erschienen im TaschenVerlag, ist eine umfassende gut 480 Seiten starke Rückschau auf die Arbeit Unwerths aus den 90er Jahren bis 2009 -  wobei ein Großteil der in diesem Bildband versammelten Aufnahmen bislang unveröffentlicht war. In dieser kompakten, sehr konzentrierten Rückschau lässt sich einerseits die Entwicklung von Unwerths Stil nachvollziehen, gleichzeitig wird jedoch auch deutlich, dass die wesentlichsten Merkmale ihrer fotografischen Handschrift sich von Beginn an einem roten Faden gleich durch ihr Gesamtwerk ziehen: Unwerths Hauptfiguren sind die Fräulein - Wesen, die zwischen naiver Unbedarftheit und Verdorbenheit changieren, elfengleiche Unschuld trifft auf dunkle Triebe mit sado-masochistischen Untertönen.Immer wieder spürbar auch die deutliche Helmut Newton-Influence.
TEDDY London 2006
Credit Bild: © Ellen von Unwerth
BITCH! Paris 2007
Credit Bild: © Ellen von Unwerth
Dabei sind es die beinahe beiläufig wirkenden Gesten der Models und Unwerths Gespür für kleinste Details die den speziellen  „kinky flair“ ihrer Bilder mit ausmachen. Unwerth ist eine der führenden Meisterinnen der erotischen Fotografie, Ihre Aufnahmen sind charmant witzig, verspielt,  fetischistisch und gemahnen immer wieder an Film-Stills - eine geradezu postmoderne anmutende Auseinandersetzung mit dem 50s Pin Up-Phänomen und sexuellen Obsessionen. Dabei lichtet Unwerth nicht einfach nur überaus ansehnliche Models ab. Selbst Einzelbilder erzählen bei ihr immer eine eigene kleine Gesichte - eine Story, die jedoch stets mit einem schmutzigen Lächeln erzählt wird.
Hat Unwerth Prominente vor ihrer Linse holt sie in ihren sexuell aufgeladenen Sujets selbst aus eher als bieder bis reserviert wirkende Celebrities versteckte Seiten zum Vorschein. Die Wirkung von Unwerths Kunst liegt auch darin, dass ihr spezieller „point of view“ häufig wesentlich heißer hintergründiger ist, als die Shots manch ihrer männlicher Kollegen.

Fazit:
„Fräulein“ ist eine Taschen-typisch äußerst stylisch gestaltete, attraktive Retrospektive auf eine der ganz großen Individualistinnen der Fotografen-Szene.

Credit Coverbild: © Ellen von Unwerth    Taschen Verlag
 
Ellen von Unwerth, Ingrid Sischy
Fräulein,
Hardcover 19 X 27,4 cm
480 Seiten
€ 29,99
Taschen Verlag

Samstag, 17. Dezember 2016

THE ROLLING STONES - BLUE & LONESOME


Credit Coverbild: © Universal Music
Mit „Blue & Lonesome“ veröffentlichen die Stones  genau jene Platte, auf die echte Fans schon seit Jahrzehnten warten: ein reines Blues-Album vom Anfang bis zum Schluss. Die Faszination für die Protagonisten des Genres hat Mick Jagger, Keith Richards, Charlie Watts und Ronnie Wood nie losgelassen. Diese Platte ist nun die Verneigung von Musikern, die längst ihrerseits Legendenstatus erreicht haben, vor den Idolen ihrer Jugend.mDer erste Vorabtrack der Platte, „Just Your Fool“, ließ heuer schon die Erwartungen hochschnellen und das Endprodukt „Blue & Lonesome“ - benannt nach dem gleichnamigen Little Walter-Klassiker - hält nun alle Versprechungen ein.
Aufgenommen in nur drei Sessions vor genau einem Jahr im Dezember 2015 besteht das Album aus 12 Covern von Blues-Klassikern die von Legenden wie Harmonika-Pionier Little Walter, Howlin´ Wolf, Otis Rush, Johnny Taylor , Eddie Taylor, Lightnin´ Slim, Jimmy Reed oder Magic Sam eingespielt wurden ( interessanterweise findet sich in der Tracklist aber kein Muddy Waters-Song...).  Die Spontanität mit der bei den puristischen Sessions ohne Overdubs operiert wurde, merkt man der Platte total an - vom Opener an gibt es hier einen unglaublichen Drive, wie er typisch für die klassischen Blues Aufnahmen der 50er war.

Überhaupt ist „Blue & Lonesome“ mit beinahe an klassische Musik gemahnender Konsequenz vintage-korrekt und authentisch. Die Songs sind - wie einst bei Chess Records- kurz und knapp gehalten, hier wird nicht lange gejammt oder soliert. Die Arrangements sind in ihrer instrumentellen Dichte meist sehr nah an den Originalen - das vorherrschende Prinzip von  „Blue & Lonesome“ ist nicht die Re-Interpretation oder experimentelle Umdeutung des historischen Ausgangsmaterials wie beim Sixties British Blues Rock-Boom sondern die höchstmögliche Original- und Werktreue - ohne dabei allerdings den typischen Stones-Touch vermissen zu lassen.
Jagger, Richards, Watts und Wood haben ihren ganz eigenen Groove - nur ganz wenige vermögen den Blues so zu spielen wie die Stones. Es sind genau diese Eigenheiten, die die Band so unverwechselbar machen - ob es die „Jaggerisms“ bei den Vocals sind, die von ganz ganz unten raufgezogenen Licks Richards oder Woods oder  Watts, der im einen Moment minimalistisch den Takt gibt nur um im nächsten Moment mit Fills die Fieberkurve raufzutreiben.
Der Shuffle bleibt hier nicht lediglich eine Rhythmus-Art - er lebt richtiggehend, atmet geradezu...es ist ein vor und zurück, ein Push & Shove, das in seiner Laszivität, einst Moralapostel auf die Barrikaden brachte. Während eines Zwölf-Takte Schemas entfacht die Band so eine mitreißende Dynamik - mal  nehmen sie sich zurück, werden abrupt etwas langsamer und leiser nur um im nächsten Moment  dann plötzlich brüllend laut vorzupreschen. Die Mikrofone ächzen förmlich unter diesen Lautstärkeattacken, wenn der Shuffle plötzlich von einem köcheln zu einem Orkan anschwillt. Die „Tape Saturation“, also  die warme, vintage Röhren-Sättigung - Merkmal vieler klassischer Aufnahmen der Musikgeschichte- ist hier äußerst präsent.

Credit Coverbild: © Universal Music
Bei zwei Tracks ist auch ein besonderer Gast mit dabei: Mr. Slowhand Eric Clapton - Es gibt die Geschichte, dass EC einst den Job, den heute Ronnie Wood übernimmt, hätte haben können - Mit seinen liquiden Slide-Gitarren-Licks bei „Everybody Knows About My Good Thing“ und eruptiven Soloeinlagen, wie aus einem Chess Records-Azetat gerissen bei „I Can´t Quit You Baby“, zeigt die Gitarrenikone aus Surrey erneut, dass er und die Steine ein perfektes Team abgeben.

Dass Frontman Jagger ein grandioser, tief in der Tradition der Pioniere des Mississippi Saxophone stehender Harp Spieler ist war schon vor „Blue & Lonesome“ bekannt - hier bekommt er allerdings nicht nur als Singer das Spotlight sondern in gesteigertem Maße auch als Solist an der Harmonika - in den zahlreiche instrumentalen Solospots bringt er die Kammern seines Harp zum Glühen. Überhaupt steht auf dieser Platte gerade Jagger besonders im Fokus - als Zuhörer entdeckt man  gar unbekannten Nuancen seiner Stimme; der 73-jährige Jagger klingt hier stellenweise wie der junge Buddy Guy.
Im Laufe ihrer Karriere waren die Stones nicht immer reine Genre-Puristen, sondern griffen öfters auch erfolgreich zeitgenössische Trends (siehe etwa Disco in den 70ern)  und prägten sie in weiterer Folge mit - nicht immer entstanden dabei ihre stärksten Songs.

Bei „Blue & Lonesome“ gehen die Steine allerdings einen gänzlich anderen Weg - „Blue & Lonesome“ ist eine erfrischend ungeschliffene und im besten Sinne so gar nicht zeitgemäße Platte, mit der Mainstream-Stones-Fans, die lediglich die Nummern diverser Greatest Hits Collections kennen, unter Umständen wenig anfangen werden. Hardcore-Fans wissen jedoch -  im Herzen waren sie immer schon eine Chicago Blues Band, „Blue & Lonesome“ subsumiert so letztlich die gesamte bisherige Karriere dieser Band.

Was „From The Cradle“ 1994 für Eric Clapton war, ist „Blue & Lonesome“ heute für die Stones -  von diesen Aufnahmen führt ein direkter Link zu den Anfängen der dienstältesten Rock N´Roll-Band - es ist ein Sample ihrer DNA. Zum jetzigen Zeitpunkt sind die Stones älter, als es die meisten Legenden, denen hier die Reverenz erwiesen wird, zu ihrem Todeszeitpunkt waren - doch noch immer sprühen die Steine vor geradezu jugendlicher Energie, wenn sie diese Songs spielen können. Ein mitreißendes „old school“-Album, das nicht nur zu ganz großen Blues-Scheiben der letzten Jahre zählt sondern insgesamt betrachtet die beste Stones-Platte seit 1974 darstellt.

MÖTLEY CRÜE - THE END Live From Los Angeles


Credit Coverbild: © Eagle Rock Entertainment  EDEL
Traurig aber wahr - Mötley Crüe, die quintessentielle Hair Metal Band der Westcaost gibt es nicht mehr. Mit einer Farewell Tour haben Shouter Vince Neil, Bassist Nikki Sixx, Gitarrist Mick Mars und Drummer Tommy Lee einen Schlussstrich gezogen. Die neu bei Eagle Rock veröffentlichte Blu ray „The End“ dokumentiert einen Gig vom 31. Dezember 2015, an dem zusammen mit dem alten Jahr auch eine Karriere an Exzessen und im Genre wegweisenden Alben zu Ende ging.

Die Band zeigt sich hier in außergewöhnlich guter Form und spielt sich durch ein kompaktes Set, das überwiegend aus Klassikern der Bandgeschichte besteht  - von der ewigen Stripclub-Hymne „Girls Girls Girls“ , „Wilde Side“, „Dr. Feelgood“ bis hin zum  ekstatischen „Kickstart My Heart“ ist alles da. Die neueren Songs wie „Motherfucker Of The Year“  wirken hingegen auch nachdem sie bereist ein paar Jahre auf dem Buckel haben, wie Fremdkörper neben den Gassenhauern.
Credit Bild: © Dustin Jack   Eagle Rock Entertainment  EDEL
Das Publikum -  in dem sich teilweise die gesamte Stripbranche des Valleys versammelt zu haben scheint - ist aus dem Häuschen. Kein Wunder: Denn neben der mitreissenden Musik ist bei dieser Mötley-Show alles auf das vollkommene Bombardement der Sinne ausgelegt -  ein sensorischer Overkill, der im Konzert selbst überwältigend gewesen sein muss - jedoch auch in der Heimkino-Version äußerst realistisch rüberkommt. Für Spektakel wie dieses letzte Hurra der L-A. Bad Boys wurde ein HD-Medium wie die Blu ray erfunden !

Was hier für eine Show geboten wird ist jedenfalls der helle Wahnsinn. In Europa haben die Crüe nie den Stellenwert erreicht, den sie in ihrem Heimatland genießen, in den USA sind sie jedoch Superstars - und bei dieser Show wurden keine Kosten gescheut: Äußerst ansehnliche Backgroundtänzerinnen, Pyrotechnik wie aus dem letzten Mad Max-Film gerissen, Konfetti-Eruptionen, ein überdimensionales, brennendes Penatgramm....

Schade, dass diese Band nun wirklich Musik-Geschichte zu sein scheint, doch immerhin verabschieden sich Neill,Sixx,Lee und Mars mit einem echten Paukenschlag.

SANTANA IV - Live At The House Of Blues Las Vegas


Credit Coverbild: © Eagle Rock Entertainment  EDEL
Mit dem Release von „Santana IV“ gelang der mexikanischen Gitarrenlegende im heurigen Jahr ein kleines Kunststück:  Nahtlos vermochte er es mit seinem neuesten Studioalbum an einen ganz bestimmten Punkt in seiner Karriere zurückzukehren. Was insofern bemerkenswert ist, als dass dieser Punkt bereits Jahrzehnte zurückliegt  - um genau zu sein im Jahr 1971 als „Santana III“ veröffentlicht wurde und erstmals der spätere Journey-Gitarrist Neal Schon als Co-Saitenhexer zur Band stieß. 2016 ist die Santana Band nun neu reformiert und beinahe wirkt es so als wären zwischenzeitlich gar nicht mehr als 4 Jahrzehnte vergangen.

Noch mehr als dieses ohnehin schon gute Album ist das neu veröffentlichte Blu ray-Livekonzert aus dem House Of Blues in der Wüste Nevadas ein Zeugnis für die große Kunst der „klassischen“, vintage Santana-Band. Wer Santana nur von den eher kommerziell orientierten Releases seit den 90ern her kennt, wird überrascht sein: was der Zuseher hier bekommt ist die Gitarren-Vollbedienung: Musik aus einer Zeit als Jammen zum guten Ton gehörte. Die neuen Nummern fügen sich perfekt neben den alten Klassikern wie „Jingo“, „Evil Ways“, „Oye Como Va“ ein und 24 Songs lang webt die Band ihren  dichten, Soundteppich mit der legendär gewordenen, betörenden Mischung aus Blues Rock und Latin-Elementen.
Credit Bild: ©   Eagle Rock Entertainment  EDEL
Die geradezu symbiotische Verbindung zwischen den einzelne  Musikern ist nicht nur hörbar, sondern wird durch die ruhige Kameraarbeit auch visuell eindrucksvoll eingefangen: Santana und Schon treten in einen Dialog miteinander-nur dass dieser nonverbal abläuft, sie sprechen durch ihre Gitarren miteinander und gehen dabei völlig in präzise gebendeten Notes und Solo-Intermezzi auf. Die extrem gute Abmischung transportiert diese Edel-Gitarrensounds äußerst plastisch direkt ins Wohnzimmer - wie auch die unglaublich dichten Percussions oder die Hammond-Stabs von Gregg Rolie.
Wer Fan von Gitarren-Musik und Anhänger des frühen Santana ist bekommt mit diesem House Of Blues-Gig einen der der inspirierendsten Konzertmitschnitte der letzten Zeit.

ROCK CLASSICS # 17: PINK FLOYD - Das Sonderheft


Credit Coverbild: Rock Classics/Slam Media GmbH
Nach dem Ausflug in Sleaze Rock-Gefilde mit der Guns N´ Roses-Sonderausgabe vom Sommer widmet sich die 17. Ausgabe der Rock Classics den Heroen des progressiven Psychedelic Rock: PINK FLOYD.

Mit dem stylischen Vintage Cover wirkt das Magazin beinahe wie ein Heft aus den Sechziger/Siebzigern und ist - wie man das von dieser Reihe gewohnt ist - eine überaus schön gestaltete, gut 114 seitige Rückschau auf wegweisende Klangexperimente, Mammut LPs, anspruchsvolle Soundtüftlereien aber auch interne Auseinandersetzungen.
In Depth-Features beleuchten unterschiedliche Aspekte der Karrieren von Roger Waters, David Gilmour, Richard Wright, Nick Mason und natürlich Syd Barrett:
von den frühen Einflüssen der Band über das multimediale Großprojekt The Wall bis zum (de facto) Ende der Band.Der Fan wird sich eventuell daran erinnern, dass bereits 2011 eine Pink Floyd-Ausgabe in der Rock Classics-Reihe erschienen ist: Die aktuelle #17 stellt eine überarbeitete Neuauflage dar, die das ursprüngliche Heft quasi auf den neuesten Stand bringt.
Dass Pink Floyd bis heute zahleiche nachkommende Musiker maßgeblich beeinflussten  wird auf der  obligatorischen Bonus CD noch einmal herausgestellt: Diese vereint „Sons & Duaghters Of Pink Floyd“ - Bands die mal mehr mal weniger deutlich von den britischen Pionieren inspiriert wurden.

Fazit: Ein kompakter Überblick über eine wegweisende Band mit ausführlichen Features und vielen köstlichen Vintage-Bildern.

Montag, 5. Dezember 2016

MOTÖRHEAD - CLEAN YOUR CLOCK


Credit Coverbild: © UDR Music
Diesen Dezember - genauer gesagt am 28. - jährt sich zum ersten Mal der Todestag eines ganz Großen der Rockmusik: Ian Fraser „Lemmy“ Kilmister, legendärer Bassist und Frontman von Motörhead. Lemmy war eine der immer da war und trotz wechselnder Trends und Moden stets präsent war und so auch eine der wenigen universell geschätzten Integrations-und Kultfiguren darstellte, auf die sich Fans der unterschiedlichsten (Sub-) genres einigen und verständigen konnten.  

„Clean Your Clock“ ist nun das erste posthume Motörhead-Release - das 13. und zugleich (bislang) letzte Live-Album der Band, aufgenommen bei zwei Shows im Münchner Zenith am 20. und 21. November 2015. Nicht nur zählten diese Shows zu den letzten Gigs, die Kilmister spielte, es sind auch die letzten professionell aufgenommenen Konzertdokumente der Legende, die UMD  in diversen Konfigurationen released - unter anderem auch in einem audiovisuellen Komplettpaket mit CD und DVD-Version.
Credit Bild: © Pep Bonet UDR Music
Bevor ich zum ersten Mal die DVD von „Clean Your Clock“ in den Player schob, dachte ich eigentlich es würde extrem schwer werden sich dieses finale Live-Dokument anzusehen. Und tatsächlich werden jahrelange Lemmy-Fans durchaus ambivalente Gefühle haben, wenn hier Klassiker wie „Bomber“, „Over The Top“, „Ace Of Spades“ oder „The Chase Is Better Than The Catch“ aus den Boxen preschen. Und obgleich man die tragischen Ereignisse natürlich nicht auszublenden vermag - Lemmy sieht hier schon wirklich sehr krank aus - „Clean Your Clock“ ist kein rein trauriges Release, sondern hat auch etwas erhebendes: denn was man hier sieht und hört ist ein Mann, der alles für seine Musik gegeben hat. Man muss den Hut ziehen - zu einem Zeitpunkt als er bereits sterbenskrank war, eine solche Show mit dem physisch extrem fordernden Musikstil Motörheads zu spielen, ist einfach wow. Die Aufnahmen der beiden Gigs aus der bayrischen Landeshauptstadt bieten dann auch eine klassische Motörhead-Show, bei der selbst bei härtesten Dampfwalzen wie „Overkill“ nicht ernsthaft ein Gang runtergeschaltet wird.

Credit Bild: © Pep Bonet UDR Music
Credit Bild: © Pep Bonet UDR Music
Besonders schön ist die Aufmachung von „Clean Your Clock“ gelungen: Man merkt, dass bei der Gestaltung dieses Releases echte Fans am Werk gewesen sein müssen. Die CD und DVD befinden sich in einem Slipcase mit Schuber. Im Inneren gibt ein nettes Gatefold mit der Band im „Mini-Formt“ in ihrem Element, on stage. Zusätzlich gibt es noch ein dickes Booklet und Lemmy-Bonus-Feature auf der DVD. Die Bild-und Audioqualität der Discs  ist ausgezeichnet und weiß sowohl was die Detailschärfe als auch die Differenziertheit des Sounds anbelangt zu überzeugen. So ist „Clean Your Clock“ der Schwanengesang einer Band, die sich wie wenige andere ihrer Zunft, bis ganz zum Schluss völlig treu geblieben ist:

Ein bittersüßes Release und das Vermächtnis eines der ganz ganz Großen.
R.I.P. Lemmy

Credit Bild: © Pep Bonet UDR Music

Sonntag, 4. Dezember 2016

HISTORY OF THE EAGLES - The Story Of An American Band


Credit Coverbild: ©Universal Music 
Die Eagles wurden -  wie ihnen Kritiker durchaus gerne vorhalten -  nicht gegründet um ein lokaler Geheimtipp in den Canyons von Topanga zu bleiben, sondern waren beinahe dazu bestimmt als Band ganz groß zu werden und ihre ganz persönliche musikalische Version des californian way of life auf die Bühnen von Stadien zu bringen.
Dementsprechend  angelegt ist dann auch die neue bei Universal erschienene Band-Retrospektive „The History Of The Eagles“. Nicht weniger als 3 Discs umfasst die Rückschau auf ein „life in the fast lane“ und zeigt sich sowohl was Inhalt als auch Aufmachung anbelangt als Musterbeispiel in Sachen Boxsets für echte Liebhaber. Im Inneren des Sets finden sich ein sehr schön gestaltetes, gebundenes 40 seitiges Hardcoverbüchlein mit zahlreichen Fotos, sowie die drei Discs jeweils in nett gestalten Slipcases. Die von Regisseurin Alison Ellwood (“Magic Trip: Ken Kesey’s Search for a Kool Place”) directede, mehr als abendfüllende Dokumentation ist aufgrund ihrer epischen Länge auf  2 der DVDs aufgeteilt und beleuchtet die gesamte bisherige Karriere der Band en Detail.
Dabei wird nichts ausgelassen und es wrd auch erklärt wie es am Höhepunkt des Erfolgs (“Hotel California”) zum Split kam und wie sich Henley,Frey und Co. schließlich wieder zusammenrauften. Ein extrem interessanter Film, bei dem die Band genauso zu Wort kommt wie Kollegen und Zeitgenossen. Der Streifen wartet zudem mit zahlreichen großartigen Momenten auf (allein die Szene, in der Glenn Frey vor einem in jeglicher Hinsicht völlig enthemmten weiblichen Fan performt ist priceless!).

Die dritte DVD schließlich präsentiert die Eagles Live At The Capital Centre - March 1977.Die Setlist ist voll von Klassikern wie „Hotel California”,  New Kid In Town” , “Take It To The Limit,” “One Of These Nights,” “Lyin’ Eyes,”  “Best Of My Love”, “Take It Easy,”  oder der James-Gang-Nummer “Rocky Mountain Way,” als Showcase für Joe Walsh.

Aufgenommen wurden diese Songs als die Eagles für zwei Abende in Washington, D.C.  im Rahmen der  Welttournee zu  “Hotel California” gastierten.
Mit nur 8 Songs ist das Konzertmaterial  zwar recht kurz, dafür aber sehr sehr gut- allein dieser Gig, der die Band in Höchtsform und am absoluten Zenit ihres Schaffens zeigt, ist das Set wert.
Die Kamera ist stets nah dran, bisweilen sogar so nah und naturalistisch, dass man beinahe den Eindruck hat, mit der Band auf der Bühne zu stehen -  ein gelungenes Beispiel für die  alte Schule des Konzertfilmens, die gänzlich ohne hektische Schnitte oder sinnlose Effekte, wie Beschleunigung und Einfrieren, auskommt.

Fazit: Großartige Veröffentlichung und ein schlichtes Muss für Fans. Selbst wer kein Eagles-Anhänger ist, wird angesichts dieses attraktiven Packages zugeben müssen, dass dies eines der schönsten Boxsets der letzten Zeit ist.

Samstag, 3. Dezember 2016

ERIC CLAPTON - GIVE ME STRENGTH: The ´74/´75 Recordings


Credit Coverbild: © Universal Music
Eric Claptons 1974 erschienenes, zweites Solo-Album "461 Ocean Boulevard" war nicht nur äußerst erfolgreich, es markierte auch die Rückkehr des genialen Musikers nach einer schweren persönlichen Krise. Das Album wurde von Universal im Rahmen der Deluxe Edition-Reihe ja bereits vor einigen Jahren neu aufgelegt, nun erhält diese Phase im Schaffen Claptons aber mit „Give Me Strength: The ´74/´75 Recordings“- benannt nach dem gleichnamigen Song - eine eigene, noch ausführlichere Würdigung.

Allerdings nicht in Form eines „herkömmlichen“, normalen Boxsets: Mit einem großformatigen, Hardcover-Band und einem Umfang von insgesamt sechs Discs wirft man einen Blick zurück auf diesen Karrieremeilenstein. Das Buch enthält auf knapp über 60 Seiten - neben der obligatorischen Tracklist - zum einen ein äußerst lesenswertes, mit interessanten Anekdoten gespicktes Essay von John Lynskey und zum anderen einige großartige Aufnahmen des unendlich coolen EC wie er z.B. on stage seine Strat zum Singen bringt. Dabei bringt das große Format des Buchs diese Bilder natürlich besonders gut zur Geltung. Mit „461 Ocean Boulevard“ setzte Clapton in den Seventies jenen Weg, den er schon zusammen mit Steve Winwood bei Blind Faith eingeschlagen und mit seiner ersten Solo-LP und auch „Layla And Other Assorted Love Songs“ weiterverfolgt hatte, konsequent fort. So ist das Album nach dem stürmischen Beginn mit „Motherless Children“ weitgehend ruhig und eher relaxed ausgefallen. Sinnbildich  - mitunter für den Kontrast zur Cream-Zeit - steht hier das friedliche Albumcover, das schon den Grundtenor,  der die gesamte Platte und auch jene Periode in ECs Karriere dominierte,  vorwegnimmt. Clapton als Meister der Genres, der souverän zwischen teils heavy Blues-Rock mit Gitarrensolo-Eruptionen, ruhigen Tönen und auch „Reggae“- siehe das Hit-Marley-Cover „I Shot The Sheriff“, bis heute immer wieder in Claptons Live-Setlists -  wechselt.

 Auf dem „Give Me Strength“-Set wird nun dieses ursprüngliche Album erweitert. In der  „Expanded Version“ auf CD 1 werden die 10 Tracks des Originalalbums mit teils unveröffentlichten „Session Out-Takes“ um 8 weitere Nummern ergänzt.

Disc 2 widmet sich ECs drittem Solo-Album „There´s One In Every Crowd“. Auch hier gibt es wieder einige Outtakes von den Recording Sessions (darunter die bislang unveröffentlichten Songs „Burial“ und „Fools Like Me“). Die „Non-Album“-Singles „Someone Like You“ und das Dylan-Cover „Knockin´ On Heavens Door“ beschließen die zweite CD.

Die Live-Seite Claptons beleuchtet dann das Konzertdokument „E.C. Was Here“- Die in „Give Me Strength“ enthaltene Version dieser Live-Platte ist remixed und expanded und erstreckt sich über gleich zwei Discs -  u.a. mit Songs aus der Blind Faith-Zeit („Presence Of The Lord“ oder „Can´t Find My Way Home“) und zahlreichen Blues-Covers.

Disc 5  ist dann den „Freddie King Criteria Sessions“ gewidmet und zeigt das Zusammenspiel von Clapton mit einem seiner Helden, einem der großen Kings des Blues.
Disc Numero Sechs beschließt schließlich das „Give Me Strength“-Set: es ist eine Blu Ray-Disc, auf der die Alben „461 Ocean Boulevard“ und „There´s On in Every Crowd“ in alternativen Mixes präsentiert werden. Gut, um eine entsprechend hochwertige Anlage auszunützen, dennoch wäre es schön gewesen, wenn die Blu Ray mit womöglich seltenen Live-Aufnahmen oder Konzertvideos aufgewartet hätte.

Das ändert jedoch nichts daran, dass dieses Set aus der Tonträger-Luxus-Klasse eine gelungene Retrospektive auf das Schaffen Claptons im Zeitraum 1974 - 1975 darstellt - die noch dazu überaus attraktiv, im nüchternen-stylischen Stil eines Kunstbandes gestaltet ist und so ein Sammlerstück für echte Liebhaber ist.

ERIC CLAPTON FAQ - All That´s Left To Know About Slowhand


Credit Coverbild: © Backbeat Books  Hal Leonard
Das Duo der derzeit erhältlichen Neuerscheinungen aus dem Hause Backbeat Books zum 50 Jahre –Slowhand-Jubiläum komplettiert  das  „Eric Clapton FAQ  - All That´s Left To Know About Slowhand“, von Musikjournalist David Bowling.

Zwar wird auf den 400 Seiten des gänzlich in schwarz-weiß gehaltenen (gilt auch für die Fotos) Paperback-Buchs die gesamte Karriere Claptons -  von den Anfängen zu John Mayalls Bluesbreakers, Cream, Blind Faith, Derek And The Dominos zur Solokarriere - eingehend beleuchtet, doch handelt es sich nicht um eine  durchgehende Biographie im herkömmlichen Sinne. Vielmehr werden in  wie der Autor selbst es nennt ,„Mini-Biographien“ bzw. einzelnen  Kapiteln wichtige Aspekte und biographische Meilensteine aus ECs Leben und Karriere beleuchtet. So gibt es beispielsweise eigene Chapters über die Blues-Einflüsse Claptons wie Robert Johnson oder Muddy Waters, einen Blick auf ECs Diskographie, einen Überblick über einige der markanten Gitarren die Claptons spielte oder ein Who Is Wo von Mitmusikern bis hin zu seinen Frauen.

Das „Eric Clapton FAQ“ ist ein gut geschriebenes Nachschlagewerk, das sich flott liest und randvoll mit detaillierten Infos ist.Das Kunststück, das Bowling mit seinem „FAQ“ gelingt ist, dass sein Buch sowohl für den Slowhand-Novizen als auch für den  Experten geeignet ist: ja, selbst manch langjähriger Clapton-Fan wird hier noch etwas Neues erfahren.

ERIC CLAPTON, DAY BY DAY: The Early Years 1963 - 1982 und The Later Years 1983 -2013


Credit Coverbild: © Backbeat Books  Hal Leonard
Die Anzahl der Bücher, die es über Ausnahmemusiker Eric Clapton gibt, ist unerklärlicherweise recht überschaubar.  Zum großen 50-Jahr-Jubiläum von Mr. Slowhands Karriere erschien jedoch im amerikanischen Backbeat Books Verlag eine ganz Reihe ausgezeichneter neuer Erweiterungen der EC-Bibliothek. „Eric Clapton Day By Day“ und das „Eric Clapton FAQ“, die sich beide auf unterschiedliche Weise der langen und illustren Karriere des Saiten-Heroes nähern.

„Day By Day“  von Marc Roberty  fängt gleich mal mit einem prominent besetzten Vorwort von Bobby Whitlock (der einst bei Derek And The Dominoes spielte) an und blickt zurück ins Jahr 1963 zu den ganz frühen Gigs mit den Roosters als Clapton seine Laufbahn als professioneller Musiker startete. Der Buchtitel Day By Day – Tag Für Tag ist dabei Programm und durchaus wörtlich zu nehmen. Denn von ´63 an wird beinahe jeder Tag in ECs Leben (inklusive der „days off) gelistet. In dne beiden englischsprachigen Mammut-Bänden geht die Reise vom  Swingin´ London und dem British Blues Boom und den Aufnahmen zum legendären „Beano“-Album hin zu   Cream, Blind Faith, dem Start der  Solokarriere und Derek And The Dominos bis in die Gegenwart (Stand 2013)

Die Genauigkeit mit der Roberty hierbei vorgeht ist schlichtweg beeindruckend.
In jahrelanger Recherchearbeit ist es ihm gelungen eine extensive Chronik von Claptons Karriere zu entwerfen, die an Detailreichtum  schwer zu überbieten ist.
Hier wird quasi jeder gespielte Gig, jeder Jam, jede Session intensiv beleuchtet.
Roberty rekonstruierte  ganze Setlists, listet detailliert alle an den jeweiligen Aufnahmen Beteiligten und Gastmusiker auf, ja, selbst Claptons verwendetes Equipment wird teilweise beschrieben – all das ist mit vielen (allerdings meist recht kleinen) Abbildungen illustriert.

Hardcore-Clapton-Fans werden diese Bände von beeindruckenden Ausmaßen lieben - denn Roberty gelang eindeutig eines der besten und umfangreichsten Werke, die über Slowhand geschrieben wurden.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Nicolas Winding Refns THE NEON DEMON Mediabook


Credit Coverbild: © Koch Films  Koch Media
Die naive Jesse (Elle Fanning) hat ihre rurale Heimat in Georgia verlassen um in Los Angeles als Model durchzustarten. Glücklicherweise bringt die unbedarfte Sechzehnjährige alles mit, was es braucht um in der Fashion-Welt erfolgreich zu sein: Sie verfügt nicht nur über ein unverbrauchtes, hübsches Gesicht sondern ist auch super schlank und großgewachsen. Doch da ist noch etwas, dass sie von ihren Model-Konkurrentinnen deutlich unterscheidet: Selbst abgeklärte Fotografen und abgehobene Designer fühlen sich scheinbar magisch zu ihr hingezogen - sie ist etwas Besonderes, hat das gewisse Etwas.  Dass Jesse so als No-Name aus dem Nichts kommend rasch Karriere im Business macht bleibt auch ihren nur scheinbar freundlichen Kolleginnen (u.a. Topmodel Abbey Lee ) nicht verborgen, denen alle Mittel recht zu sein scheinen, um Erfolg zu haben.



Credit Bild: © Koch Films  Koch Media

In seinem neuesten Film zeigt der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn das Innenleben der hermetisch abgeriegelten Parallel-Welt der Fashion-Industrie, die bis auf wenige Ausnahmen (man denke etwa an Mario Bavas Giallo „Blutige Seide“ von 1964 oder Irvin Kershners  „Die Augen der Laura Mars“ von 1978) als filmischer Handlungsort von Thrillern bislang weitgehend ungenutzt geblieben ist. Dieses unverbrauchte Setting dient Refn als Backdrop für einen der ungewöhnlichsten Filme der letzten Jahre - der gleichermaßen mit Genre-Konventionen wie mit Zuschauer-Erwartungshaltungen spielt.

Im bisherigen Gesamtwerk Refns liegt „The Neon Demon“ genau zwischen den Artfilm-Experimenten von „Valhalla Rising“ oder „Only God Forgives“ und dem kommerzielleren „Drive“. Wie schon bei diesen Vorgängerfilmen lässt sich nicht eindeutig festmachen, welchem Genre man Refns jüngstes Werk eigentlich zuordnen kann. Der Filmemacher vereint vielmehr mannigfaltige Elemente zu einer Tour De Force durch die unterschiedlichsten Filmgattungen: „The Neon Demon“ hat etwas von einem Thriller, gleichzeitig ist er aber auch ein Märchen, in dem die Hauptfigur wie einst Alice im Wunderland immer tiefer in eine surreale Welt eintaucht. Refn verwendet  aus dem Horrorfilm entlehnte Topoi genauso wie an den Experimentalfilm eines Alejandro Jodorowsky angelehnte Passagen. Sogar Exploitation - Einflüsse kann man ausmachen -  mit dieser wilden Mischung balanciert Regisseur Refn auf der feinen Linie zwischen unterkühlt intellektuellem Arthouse und rohem Grindhouse-Kino.



Credit Bild: © Koch Films  Koch Media

Der Zuseher denkt so unweigerlich an drei große Regisseure: Dario Argento Brian De Palma und Paul Verhoeven. An Argentos Meisterwerk „Supsiria“ und dessen „fairy tale gone wrong Thematik und wegweisende Farbgestaltung erinnert der wie aus einem Modemagazin gestaltete Abstieg Jesses in einen Alptraum des schönen Scheins. Die erste Einstellung gemahnt - ohne zuviel vorweg zu nehmen - an den Beginn von De Palmas „Body Double“, auch die Verbindung von elegischer Schönheit, sexueller Obsession und düsteren Violence-Elementen erinnert an den italo-amerikanischen Suspense-Meister. Refn führt gerade in den Dialogen seiner Figuren einen Meta-Dikurs über die Fashion-Welt an sich. Es ist ein Ort, an dem Schönheit der höchste Imperativ ist und makellose Ästhetik als goldenem Kalb gehuldigt wird -   zynisch blickt der Regisseur auf eine oberflächliche Welt, die ihre Protagonisten - sprich, vor allem die Models - aussaugt und dann beinhart fallen lässt. Diese Abrechnung mit einer Branche hat etwas von  Paul Verhoevens schmutziger Showbiz-Satire „Showgirls“ - auch durch die teils etwas platten und recht plakativen Dialoge.

Neben dieser Genre-Mischung ist „Neon Demon“ - wie schon „Drive“ - im Kern ein L.A.-Film, der in drama-artiger Manier, das Leben in der Stadt der Engel abseits vom gleißenden Licht des Sunset Boulevards zeigt. Refns Kalifornien spielt sich vornehmlich in den Schatten ab. In diesen Schatten lauern Abgründe, die der Däne genüsslich auslotet - und dabei auf eine großartige Darstellerriege zurückgreifen kann: Elle Fanning ist überzeugend in der Rolle der naiven Jesse, die zwischen kindlich-jugendlicher Unschuld und wachsendem Narzissmus changiert. Beim sie belauernden Umfeld, das rasch Notiz von dem zurückhaltenden, seltsam passiv und teilnahmslos wirkenden Mädchen nimmt, stechen vor allem die laszive Abbey Lee (u.a. als Gesicht von Versace- Kampagnen und aus „Mad Max: Fury Road“ bekannt“) und Jena Malone als emotional bankrotte Make Up Artistin hervor. Bei den Nebenrollen gefallen vor allem Keanu Reeves als schmieriger Hotel-Besitzer und Desmond Harrington (u.a bekannt als Quinn aus „Dexter“ ) als grantelnder Fotograf.

Credit Bild: © Koch Films  Koch Media


Credit Bild: © Koch Films  Koch Media

Im Kino geriet  der Film zu Flop - eine weitere Parallele, die man zu Verhoevens  Pleite „Showgirls“ ziehen kann - doch davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Der Film hat fraglos einige Schwächen - das Narrativ des „Neon Demon“ ist  nicht eben „story driven“. Das Grauen, das von der ahnungslos erscheinenden Jesse zunehmend Besitz ergreift, nähert sich in ähnlich schleichendem Tempo wie der gesamte Handlungsablauf des Films. Man fragt sich wieso Refn sich die eigentlich spannenden Ereignisse bis wirklich ganz zum Schluss aufhebt. Das Finale wirkt gegenüber dem teil allzu gemächlichen Tempo des Streifens geradezu überhastet - wenngleich die Wirkung alles andere als verfehlt wird.

Insgesamt ist „The Neon Demon“ wie die meisten Werke Refns etwas schwierig. Refn ist trotz der Verschrobenheit seiner Filme einer der interessantesten Filmemacher der letzten Jahre, dem man zu gute halten muss, dass er in Zeiten rein kommerzieller Superhelden-Blockbuster mit einem solchen Film ein Wagnis eingeht. Trotz Längen ist „The Neon Demon“ ambitioniertes Genre-Kino, das vor allem fashion-affine Kunstfilm-Fnas anspricht.

Credit Bild: © Koch Films  Koch Media
Zur Mediabook-Version:

Windig Refns Film ist zweifelsohne der durchgestylteste Streifen des Jahres - und dazu passt auch dann die Aufmachung des limitieren 4 Disc Mediabooks, das genau dem unterkühlen Styling des Films entspricht und ein toll gemachtes Sammlerstück darstellt- Der Cineast findet in diesem Sammlerstück in Buchform neben einem 24 seitigen Booklet den Film gleich in zweierlei Ausführung als Blu ray und als DVD - wobei beide mit ausgezeichneten Bildwerten in absoluter Referenzqualität aufwarten, was die komplett artifiziell wirkende Welt, die Refn entwirft, auch braucht. Schon die Haupt-Discs enthalten interessante Features wie Interviews, ein weitere Bonus-Discs umfasst interessante Featurettes, die  die man wirklich nicht skippen sollte, da  sie ziemlich in die Tiefe gehen und einen vom Film besessenen Regisseur, dem man seine Begeisterung für das Medium anmerkt, zeigen. Als Disc Numero 4 gibt es noch den Soundtrack von Cliff Martinez - der OS.T. enthält zwar nicht direkt Ohrwürmer, dafür passt der synth-lastige 80s-Score exzellent zum eiskalten Flair des Films.