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Montag, 17. August 2026

U-HE DIVA Test: Softsynth-Klassiker ohne Allüren

u-he Diva GUI
Credit Bild:© U-he
Obwohl die ganzen großen klassischen Synthesizer regelrechte Klang-Chamäleons sind und mit den nötigen Programming-Fähigkeiten in viele Richtungen gebogen werden können, gibt es klarerweise unumstößliche Fixsterne am Sound-Himmel elektronischer Klangerzeugung. Es sind jene tonalen Signaturen, die sich tief in das kollektive Gedächtnis der Pop-, Rock- und Filmmusik eingebrannt haben: Die unerreichten, markerschütternden Referenz-Bässe des Minimoog, die majestätisch schwebenden Pads und prägnanten Brass-Sounds von Oberheim, die unverkennbaren, Chorus-getränkten Plucks eines Roland Juno oder diese ganz spezielle, düstere Schwere und unheimliche Dichte eines Prophet-5. Wer diese unterschiedlichen Klangfarben in seiner Digital Audio Workstation (DAW) reproduzieren wollte, musste lange Zeit entweder auf eine ganze Phalanx spezialisierter Plugins zurückgreifen oder horrende Summen auf dem Vintage-Markt für anfällige Hardware-Originale hinblättern.

Das mittlerweile mit Fug und Recht selbst als Klassiker zu bezeichnende Synthesizer-Plugin Diva aus dem Hause u-he vereint genau diese unterschiedlichen, legendären Welten unter einer einzigen, eleganten Oberfläche. Dabei macht Diva (das steht für Dinosaur Impersonating Virtual Analogue Synthesizer) vieles von dem, was archaische Geräte von Moog bis Roland berühmt gemacht hat, geht jedoch gleichzeitig völlig eigene, progressive Wege. Das Konzept bricht mit der Philosophie klassischer 1:1-Replikas: Anstatt nur ein einziges historisches Gerät zu kopieren bzw. zu modeln, erlaubt Diva eine beispiellose, intertextuelle Kombination einzelner Epochen.

Ein Synth mit vielen Facetten

Im Kern hat Diva zwei große Stärken: da wäre zum einen der  extrem authentische analoge Klang (will man diesen in all seinen Facetten genießen empfiehlt sich ein entsprechend starker Rechner!). Und dann die Möglichkeit sich in bester Mix & Match-Manier quasi seinen eigenen Frankenstein-Synth zu basteln.

Gekonnt fängt Diva den wahren Geist diverser analoger Hardware-Ikonen ein, indem sie dem User eine extrem flexible, modulare Struktur zur Verfügung stellt. Die Oszillatoren, Filter und Hüllkurven-Module orientieren sich bis ins kleinste Detail an den realen Schaltungskomponenten der geschätzten monophonen und polyphonen Synthesizer-Klassiker von gestern.  Die Möglichkeiten sind hier wirklich mannigfaltig: So lassen sich beispielsweise raue Moog-Style-Oszillatoren mit Filter-Charakteristika, die man in ihrer aggressiven Resonanz eher aus dem Hause Yamaha kennt, nahtlos miteinander kombinieren. Es entsteht so eine faszinierende Sandbox für Klangexperimente, bei der historische Anachronismen nicht nur erlaubt, sondern als kreativer Katalysator ausdrücklich erwünscht sind.

Das Interessante daran: Obwohl die einzelnen Module deutlich erkennbare historische Referenzen besitzen, entsteht durch ihre Kombination eben nicht zwangsläufig ein weiterer Klon eines bekannten Klassikers. Man kann sich vielmehr einen Synthesizer bauen, den es als Hardware so  nie gegeben hat.

Schaltungssimulation statt bloßer Analog-Illusion

Ein wesentlicher Grund für Divas bis heute bemerkenswerte Klangqualität liegt in der verwendeten Technologie. Diva war der erste native Software-Synthesizer, der Methoden industrieller Schaltungssimulatoren, wie man sie sonst eher aus der akademischen Elektronikentwicklung kennt, in Echtzeit auf die digitale Audioebene übertrug. Virtuell werden dabei die Eigenschaften elektronischer Komponenten wie Kondensatoren und Widerstände berechnet. Das ist erheblich rechenintensiver als eine simple Annäherung an das Verhalten analoger Hardware.

Der Aufwand hat allerdings einen hörbaren Effekt. Diva klingt nicht statisch oder steril, sondern besitzt diese gewisse organische Bewegung, die man mit analoger Hardware verbindet. Der Klang hat Fundament, Charakter und eine natürliche Sättigung, ohne dass man ihn erst durch eine ganze Kette aus EQ, Saturation und weiteren Prozessoren schicken muss, damit er interessant wird.

Wer Diva mit niedrigerem Qualitätsmodus betreibt, kann CPU sparen. Wer jedoch die klanglich anspruchsvolleren Modi verwendet, sollte entsprechend Rechenleistung im Computer haben.

Praxis-Workflow

In der täglichen Studiopraxis erweist sich das Plugin schnell als ausgesprochen vielseitiger Allrounder. Das liegt auch daran, dass sich diese Diva nicht lange bitten lässt: Bässe, Pads, Arpeggios, Sequenzen, Leads, Noises und ungewöhnliche Lo-Fi-Texturen gehören gleichermaßen zu seinem Repertoire.

Die Mannschaft um Urs Heckmann hat hier ein Instrument geschaffen, das in erstaunlich vielen Bereichen reüssieren kann, ohne dabei seine eigene klangliche Handschrift zu verlieren.

Auch die integrierten Effekte tragen dazu bei. Besonders der Chorus, der sich klanglich deutlich an den klassischen Juno-Chorus anlehnt, ist ein ausgesprochen nützliches Werkzeug, um Sounds sofort in Richtung Achtzigerjahre, Synth-Pop oder atmosphärischer Filmmusik zu bewegen. Dazu kommen Reverb- und Delay-Sektionen sowie ein Arpeggiator, die aus einem bereits charaktervollen Grundsound schnell einen deutlich größeren und räumlicheren Klang machen.

Gerade im modernen Film- und Hybrid-Scoring spielt Diva seine Stärken aus. Auch in einem dichten Arrangement, in dem sich Synthesizer und ein großes orchestrales Tutti gegenseitig behaupten müssen, lässt sich das Instrument gut platzieren. Die analoge Präsenz hilft dabei, dass Pads, Sequenzen oder Bässe nicht einfach im Orchester verschwinden.

Natürlich schadet etwas Erfahrung im Synth-Programming nicht, wenn man die tieferen Ebenen der Modulationsmöglichkeiten wirklich ausreizen möchte.

Presets, Soundsets und die erstaunliche Tiefe von Diva

Bei u-he lassen sich zusätzliche Soundsets erwerben. Gerade weil Diva mittlerweile seit einigen Jahren auf dem Markt ist, existiert hier ein entsprechend umfangreiches Ökosystem (u-he Diva Soundsets). Die zusätzlichen Preset-Sammlungen sind dabei keineswegs nur „More of the same“. Klangwelten Packs mit klingenden Namen wie Automata oder Defotm zeigen, wie weit sich das Instrument abseits der klassischen Analog-Referenzen treiben lässt.

Damit stehen schnell Hunderte zusätzliche Klangmöglichkeiten zur Verfügung – von klassischen Synth-Sounds bis zu deutlich experimentelleren Settings und tiefgreifenden Customizations.

Das unterstreicht erneut, wie vielseitig Diva tatsächlich ist: Die historische DNA ist klar erkennbar, aber sie definiert nicht die Grenzen des Instruments.

Freitag, 14. August 2026

EVENTIDE TEMPERANCE PRO Test: Der musikalischste Hall der Gegenwart?

Credit Bild:© Eventide
Der Nachhall einer Aufnahme ist nicht nur technisches Beiwerk, sondern kann ebenso charakterprägend sein wie ein Instrument. Die Welt der Hall-Effekte ist dementsprechend vielfältig und gespickt mit Klassikern: vom Spring Reverb über Plate, Room und Hall. Mittlerweile gehört auch Shimmer Reverb längst zum festen Vokabular moderner Effektgeräte und Plug-ins. Die Grundprinzipien künstlicher Räumlichkeit sind so seit langem etabliert – von Vintage bis modern, von archaischen Echokammern und mechanischen Systemen über die großen digitalen Reverb-Klassiker der Eighties bis hin zu hochkomplexen algorithmischen und Convolution-Systemen.

Doch was passiert, wenn man Reverb nicht länger nur als möglichst überzeugende Simulation eines akustischen Raumes betrachtet, sondern als musikalisches System? Genau hier setzt Eventide Temperance Pro an. Das neue Reverb-Plug-in des legendären Effekt-Pioniers versucht nicht einfach, den nächsten noch größeren, schöneren oder realistischeren Hall zu bauen. Stattdessen geht Eventide einen bemerkenswert anderen Weg: Der Hall selbst wird hier zum musikalischen Werkzeug.

Eine völlig neue Idee von Räumlichkeit

Temperance Pro basiert auf einem sogenannten Modal Reverb, bei dem der Hall aus Tausenden unabhängig steuerbaren Resonatoren aufgebaut wird. Diese reagieren nicht nur auf Frequenzen, sondern lassen sich gezielt an den zwölf Tönen der chromatischen Tonleiter ausrichten. Das klingt zunächst ziemlich theoretisch, in der Praxis bedeutet es jedoch etwas erstaunlich Einfaches: Der Hall kann auf die Musik reagieren – bzw. er reagiert auf den harmonischen Gehalt des Eingangssignals und ermöglicht es, gezielt zu bestimmen, welche Frequenzen und Töne im Hall aufblühen. Für den User heißt das: Nun kann man den tonalen Charakter der Hallfahne wesentlich präziser formen als bisher. Und genau darin liegt der eigentliche Reiz von Temperance Pro, das von subtil bis experimentell viele Anwendungsbereiche abzudecken vermag.

Eventide bezeichnet Temperance Pro als „The World's Most Musical Reverb“. Das ist selbstverständlich eine große Ansage. Interessant wird sie allerdings dadurch, dass das Plug-in tatsächlich ein Konzept verfolgt, das sich deutlich von klassischen Reverb-Ansätzen unterscheidet. Eben weil es nicht auf einem typischen Raum wie einer Konzerthalle oder einer Technik wie dem Plate Reverb basiert.Schon zuvor hat Eventide die Boundaries von Hall gepusht, etwa mit dem Ansatz des Blackhole. Dieses legendäre Reverb steht gewissermaßen für die andere Seite des Eventide-Ansatzes: riesige, schwer greifbare, geradezu spacige Räume, die mit klassischer akustischer Realität nur noch bedingt etwas zu tun haben. Temperance Pro geht ebenfalls weit über die bloße Abbildung eines natürlichen Raumes hinaus – allerdings nicht primär über schiere Größe, sondern über musikalische Kontrolle.

Das Resultat fühlt sich tatsächlich weniger wie ein klassischer Effekt und mehr wie ein musikalischer Mitspieler an

Konsequent Innovativ

Mit dem integrierten Sequencer kann der Hall selbst rhythmische und harmonische Bewegungen ausführen. Noten lassen sich über Akkordfolgen, Skalen, Modi oder Intervalle organisieren und im zeitlichen Verlauf verändern. Aus einem Reverb wird damit plötzlich ein Element, das beinahe wie ein Synthesizer oder eine Sequencer-Spur behandelt werden kann.

Die Grenzen liegen entsprechend weniger in der technischen Funktion als in der eigenen Vorstellungskraft.

Um das Prinzip hinter Temperance Pro zu verstehen, hilft ein ungewöhnliches Bild: Man stelle sich einen Raum vor, der aus Tausenden von Stimmgabeln besteht. Jeder dieser Resonatoren ist auf eine andere Frequenz abgestimmt. Gemeinsam erzeugen sie den komplexen Nachhall eines Raumes. Genau auf diesem Prinzip basiert das Modal Reverb. Eventide modelliert einen Hallraum als Sammlung von Tausenden unabhängigen Resonatoren, deren Frequenz, Lautstärke und Abklingverhalten in Echtzeit beeinflusst werden können.

Wie zuvor angedeutet: Damit unterscheidet sich der Ansatz grundlegend von klassischen Algorithmus- und Convolution-Reverbs. Temperance Pro simuliert nicht einfach nur Reflexionen oder faltet ein Eingangssignal mit einer Impulsantwort, sondern behandelt Räumlichkeit als ein System einzelner Resonanzen. Das eröffnet Möglichkeiten, die bei einem herkömmlichen Reverb so nicht existieren.

Insgesamt stehen 29 Spaces zur Verfügung – von kleinen und fokussierten Räumen über große Halls und mechanische Reverbs bis hin zu experimentellen synthetischen Umgebungen. Der eigentliche Star ist allerdings nicht die Anzahl der Räume. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen, denn Temperance Pro macht zwar vieles neu, bleibt aber trotzdem ein Reverb. Und dieser kann mitunter ausgesprochen räumlich, organisch und geradezu spektakulär klingen.

Temper, Range und Target – Dirigenten der musikalischen Bewegung

Die Regler „Temper“ und „Range“ bilden dabei einen wesentlichen Teil des Konzepts. Temper bestimmt, wie stark die ausgewählten Noten hervorgehoben oder zurückgenommen werden, während Range festlegt, auf welchen Frequenz- beziehungsweise Oktavbereich sich die Bearbeitung erstreckt. Man könnte sagen: Der Anwender wird hier zum Dirigenten des Musical Movement.

Mindestens ebenso interessant sind die Target-Parameter. Mit „Early“, „Late“ oder „All“ lässt sich bestimmen, wann innerhalb des Hallverlaufs die tonale Bearbeitung greift. Soll die Veränderung bereits beim Einsetzen des Halls stattfinden? Erst in der Ausklingphase? Oder über den gesamten Verlauf?

In Kombination mit dem Position-Regler ergeben sich entsprechend sehr weitreichende Möglichkeiten. Position verändert das Verhältnis zwischen frühen und späten Reflexionen und damit auch die wahrgenommene Entfernung zur Klangquelle.

NoteScape und Spectrum: Kontrolle über das Unsichtbare

Bei einem derart ungewöhnlichen Konzept ist es hilfreich, nicht völlig im Blindflug zu arbeiten. Zwei Visualisierungen unterstützen deshalb die Kontrolle über das Geschehen.

Der NoteScape Visualizer zeigt in Echtzeit, welche Noten innerhalb des Hallfeldes hervorgehoben beziehungsweise zurückgenommen werden und wie diese Resonanzen ausklingen. Das sieht zunächst spektakulär aus, ist aber auch praktisch, weil die ansonsten eher abstrakten musikalischen Prozesse visuell nachvollziehbar werden. Der Spectrum Analyzer zeigt wiederum die im Modal Response verwendeten Resonatoren und ermöglicht eine präzise Kontrolle über die tonale Balance des Halls.

Gerade bei komplexeren Einstellungen ist das hilfreich. Denn Temperance Pro kann sehr viel – und ohne entsprechende Visualisierung wäre nicht immer sofort ersichtlich, warum ein bestimmter Raum gerade so reagiert, wie er reagiert.

Dienstag, 21. Juli 2026

SYNAPSE AUDIO PROXIMA: Der unterschätzte Prophet im Plugin-Format

Credit Bild: © Synapse Audio
Dass sich Entwickler in der Welt der analoger Synthesizer-Emulationen vorrangig den unangefochtenen Monumenten der Musikgeschichte widmen, hat gute Gründe. Ein Prophet-5, ein Minimoog oder ein Jupiter-8 haben ganze Dekaden geprägt und ihren zeitlosen Status in der Studiowelt völlig zu Recht sicher. Doch abseits dieser Giganten schlummern in den Archiven der Synthesizer-Historie noch ganz andere, mitunter nicht minder spannende Instrumente. Mit dem Plugin Proxima richtet die deutsche Softwareschmiede Synapse Audio den Blick genau auf einen solchen klanglichen Schatz: den Sequential Circuits Prophet-600.

Im direkten Vergleich zum weitaus berühmteren großen Bruder, dem legendären Prophet-5, fristete der Prophet-600 in der öffentlichen Wahrnehmung ein Schattendasein. Dabei gebührt genau diesem Instrument ein historischer Ehrenplatz im Pantheon der Musiktechnologie: Als er Anfang der Achtzigerjahre auf den Markt kam, war er der allererste kommerzielle Synthesizer überhaupt, der eine serienmäßige MIDI-Schnittstelle aufzuweisen hatte. Zudem war er preislich deutlich erschwinglicher kalkuliert als der für viele unlesitbare Nobel-Kultsynth Prophet-5. Damit stieß er die Studiotüren weit auf und ebnete einer ganzen Generation von Musikern den Weg in die polyphone, vernetzte Studio-Zukunft.

Dunkle Schwere und Achtziger-Nostalgie

Dass Synapse Audio ein goldenes Händchen für die Rekonstruktion analoger Schaltkreise besitzt, haben sie in der Vergangenheit oft genug bewiesen – man denke an Hans Zimmers Cinematic Synth The Legend HZ oder ihre Oberheim-Emulation namens Obsession. Auch beim Proxima wird diese Expertise sofort spürbar. Jene charakteristische dunkle Bassigkeit und die physisch greifbare, analoge Schwere - die man getrost als klangliche Signature und Qualitätsmerkmal der Synthesizer-Designs von Synapse Audio bezeichnen darf - dominiert und zeichnet auch dieses Plugin in exemplarischer Weise aus. Der Proxima klingt nicht nach sterilem Code, er atmet den ungeschminkten, leicht unberechenbaren Geist echter Vintage Hardware.

Die popkulturellen Referenzen springen einen beim ersten Anspielen der Presets geradezu an. Die Synth-Pioniere der US-Band Mr. Mister sollen den Original-Synth angeblich intensiv bei ihrem Welthit „Kyrie“ eingesetzt haben - und exakt so klingt die Engine des Plugins auch: unverhohlen und kompromisslos nach den glorreichen Eighties. Das ist Nostalgie pur, allerdings ohne den typischen, dünnen Plastik-Beigeschmack.

Der „kleine“ Prophet

Hinter der nostalgischen Fassade verbirgt sich jedoch noch mehr: nämlich ein beachtliches Arbeitspferd für den modernen Studioalltag. Die dem Original inhärente Flexibilität wurde von Synapse Audio perfekt in die digitale Domäne übersetzt und erweitert, etwa um die bekannten Modulationseffekte des Herstellers.  Der Proxima erweist sich als erstaunlich vielseitiges Chamäleon: Charakteristische, wunderbar schräge „Faux Strings“, dichte, analog flirrende Pads und markerschütternde Bass-Strukturen, die im Low-End wunderbar aufräumen - hier ist schlicht alles da, was das Producer-Herz begehrt. Der Synth lädt mit seiner aufgeräumten Oberfläche dazu ein, zu experimentieren. Es ist faszinierend, wie mühelos der Spagat zwischen historisch akkurater Retro-Ästhetik und modernem, Mix-ready-Sounddesign gelingt. Jedes Filter-Routing und jede Modulationsstufe verhält sich so organisch, wie man es von erstklassigen analogen Emulationen erwartet.

Donnerstag, 9. Juli 2026

BOGREN AMPKNOB DUET & FATMAN Test: Schwedischer Minimalismus trifft amerikanische Amp-Historie

Credit Bild: © Bogren Digital

Credit Bild: © Bogren Digital
Die schwedische Plugin-Schmiede Bogren Digital – das Brainchild des international renommierten Metal-Produzenten Jens Bogren – hat sich seit einigen Jahren einen exzellenten Namen im Bereich der Amp-Sims gemacht. Diese richteten sich bislang jedoch dezidiert an jene Fraktion, die in die Heavy- und kompromisslos verzerrte Schiene tendierte. Mit den neu erschienenen Plugins Fatman & Duet wagen sich die Skandinavier nun jedoch aus ihrer Komfortzone heraus und erstmals tief in klassisch kalifornische Gefilde – mitten hinein in den klanglich so sensiblen Bereich von Clean- und Edge-of-Breakup-Tones und Sounds fender´schen Zuschnitts.

Das ist zweifelsohne ein überaus interessanter, ja mutiger Schritt. Denn ebenso wie es bei einer akkuraten britischen Amp-Sim oder einem tight artikulierenden, rhythmischen Chug-Chug-High-Gain-Sound auf die allerletzten Nuancen und Details ankommt, so ist auch der klassisch amerikanische Bereich eine absolute Kunst für sich. Dieses ganz spezifische klangliche Biotop lebt von einem hochgradig subtilen Zusammenspiel: dem klassischen Klangideal nach Leo Fender, dem perfekten Reverb und jenen geradezu filigranen Schattierungen und dynamischen Übergängen, bei denen ein cleaner Ton bei härterem Anschlag ganz leicht in den Overdrive kippt.

Also holen wir die Stratocaster und Telecaster aus dem Koffer, stöpseln uns direkt ins Interface ein, wählen Pro Tools auf und werfen einen Blick auf zwei digitale Amps, die nach Verstärkern modelliert wurden, die Teil des Inventars von Bogrens eigenem Fascination Street Studio in Örebro sind.

Der Fatman: Prototypischer Tweed mit Reverb-Upgrade

Credit Bild: © Bogren Digital
Beginnen wir mit dem Fatman, der sich stilvoll in feinsten, wenngleich stark in Mitleidenschaft gezogenen Tweed-Bezug hüllt. Das skeuomorphisch enorm attraktiv und fotorealistisch gestaltete GUI orientiert sich unverkennbar am legendären Fender Bassman. Einem klassischen Röhrenverstärker, der – wie der Name schon unmissverständlich sagt – in den Fünfzigerjahren eigentlich für Bassisten entworfen wurde. Historisch gesehen wurde er jedoch eher selten von ebenjenen Tieftönern verwendet, sondern rasch von findigen Rock-’n’-Roller und Bluesern mit der Sechssaitigen adoptiert. Der Grund dafür lag schlicht in seiner ungemein gitarrenfreundlichen, warmen und durchsetzungsstarken Klangcharakteristik.

Während der Amp im historischen Original eigentlich keinen integrierten Federhall aufweist, wird er hier virtuell mit einem zusätzlichen Reverb ausgestattet(überdies kann man bei beiden dieser neuen Bogren-Plugins auch einen Room Reverb-Sound hinzumischen). Der „Haupt-Hall“ ist ein klassischer Federhall, „scheppert“ authentisch und erweitert den sehr direkten Bassman-Sound um eine wunderschöne, dreidimensionale Tiefe, die sofort für Atmosphäre sorgt. Wenn man den „Fatman“ spielt, merkt man sofort, dass Bogren den Fokus auf genau jenen prototypischen Bassman-Sound gelegt hat, der diesen Amp-Klassiker so berühmt gemacht hat: Es ist dieser aggressive, aber dennoch niemals schneidende Growl, der jeden Single-Note-Lick wie von selbst in den Vordergrund drückt. Beeindruckend ist, wie der Fatman auf die Dynamik des Anschlags reagiert. Es ist ein Sound, der von „tief und warm“ bis hin zu „dreckig und spitz“ alle Nuancen des klassischen Blues- und Rock-Spektrums abdeckt: das klingt nach Stones, Black Crowes, Buddy Guy.

Durch die der Ampknob-Reihe eigene  Reduktion auf ein Mindestmaß an Knöpfen sind nicht zwar alle Sounds, die man mit einem Fender-Tweed erreichen kann, möglich, woran auch der recht subtile, nicht tweakbare Boost nichts ändert. Den typisch kernigen Tweed-Sound fängt dieses Plugin dennoch gut ein.

Der Duet: Glockige Brillanz und die Philosophie der Reduktion

Credit Bild: © Bogren Digital
Das zweite Plugin im Bunde lehnt sich klanglich unmissverständlich an den legendären Blackface Twin Reverb an. Wo der Fatman eher in den rauen Mitten lebt, zeigt sich der Duet als absoluter Meister der glockigen, obertonreichen Brillanz. Bogren hat es geschafft, diese typische, fast schon hifi-artige Färbung des Originals einzufangen, die den Sound so groß, weit und dreidimensional wirken lässt.

Betätigt man den Boost-Schalter, bekommt das Signal eine seidige Kompression und einen dezenten Mitten-Push – ganz im Stile eines klassischen, sanft eingestellten Tubescreamers vor einem cleanen Amp. Der Duet liefert exakt jenen unfassbar weiten, perlenden Sound, der ihn zur ultimativen Pedal-Plattform im Studio macht. Selbstverständlich kann jedoch auch dieser cleane Riese wunderbar organisch in die Sättigung gefahren werden. Neben dem obligatorischen Spring- und Room-Reverb bringt der Amp zudem ein herrlich analoges Tremolo mit, das dem cleanen Fundament das finale Vintage-Finishing verleiht und sicher zu den Highlights dieses Plugins zählt. Cleane bis leicht angezerrte Akkorde und Single Note Lines - man denke etwa an das Americana-Genre -  klingen mit diesem Plugin großartig, wer jedoch den perfekten texanischen Blues Rock Sound inkl. prägnantem Mid Frequency-Push sucht, findet mit diesem Plugin eher nicht das perfekte Match.

Mittwoch, 10. Juni 2026

MIXWAVE BENSON MONARCH & CHIMERA Collection Test – Edler Boutique-Ton im digitalen Raum

Benson Monarch Collection
Credit Bild: © Mixwave
Amps, die sowohl sparkling Cleans beherrschen als auch im kritischen Edge-of-Breakup-Bereich zu glänzen vermögen und voll aufgerissen nur so vor harmonischen Distortion-Schattierungen bersten. Reverbs, die wirklich „wet“ sind, körniger Fuzz mit Charakter– das sind die Qualitäten, die Gitarristen seit jeher lieben und zugleich jene Disziplinen, die sich im Digitalen notorisch schwer abbilden lassen. Viele Hersteller sind daran gescheitert, manche haben sich dieser Magie zumindest angenähert.

Zu den absoluten Klassenbesten in jenem Reich der klanglichen Nuancen zählt fraglos Mixwave, die mit ihren digitalen 1:1-Nachbildungen der Boutique-Amps aus dem Hause Benson eindrucksvoll demonstrieren, wie hochklassige Sounds im digitalen Zeitalter klingen können – beziehungsweise klingen müssen und dass die eingangs beschriebenen Sounds mittlerweile sehr wohl im Plugin-Format umsetzbar sind. Die neu erschienene Benson Monarch & die jüngst upgedatete Chimera Collection sind der Beweis dafür und verstehen sich dabei nicht nur als klassische Amp-Simulation, sondern als vollständige Produktionsumgebung inklusive hochwertiger Pedale, Effekte und eines ausgesprochen durchdachten Studio-Workflows.

Oregon's Finest – Benson Amps zwischen Tradition und Innovation

Der kleine Boutique-Hersteller aus dem US-Bundesstaat Oregon genießt seit Jahren einen exzellenten Ruf unter Gitarristen und Produzenten. Gründer Chris Benson verfolgt dabei einen bemerkenswert eigenständigen Ansatz: Statt legendäre Schaltungen schlicht zu kopieren, entwickelt er Verstärker, die sich zwar hörbar am reichen Erbe britischer und amerikanischer Klassiker orientieren, daraus jedoch etwas Eigenständiges formen.Genau diese Balance versucht Mixwave hier nicht nur einzufangen, sondern konsequent in die digitale Welt zu übertragen.

Bemerkenswert ist dabei auch die Optik. Die Hardware-Amps aus Oregon gehören fraglos zu den attraktivsten Boutique-Verstärkern des aktuellen Marktes. Doch noch wichtiger ist ihre klangliche Identität. Benson baut keine weiteren Fender-, Vox- oder Marshall-Klone, sondern Instrumente mit unverwechselbarer Persönlichkeit.

Klanglich schimmern zwar immer wieder Referenzen an frühe Led-Zeppelin-Aufnahmen durch, an Jimmy Pages angezerrte Gitarrensounds auf Led Zepplein I und II, an Supro-Amps, Vox-Schaltungen oder amerikanische Vintage-Cleans – letztlich bleibt das Resultat jedoch eigenständig und damit unverkennbar Benson. Auch im inzwischen hervorragend bestückten Markt der Amp-Simulationen nehmen diese Verstärker so eine Sonderstellung ein. Es gibt schlicht keine andere Software, die genau diese Sounds liefert.

Zwei Amps – zwei Philosophien

Monarch und Chimera sind zwei unterschiedliche Interpretationen desselben Boutique-Gedankens. Während der Chimera deutlich länger im Clean-Bereich verweilt und größereHeadroom-Reserven bietet, geht der Monarch wesentlich früher in eine musikalische Sättigung über und lebt geradezu von seinem dynamischen Übergangsbereich zwischen Clean und Overdrive.

Diese unterschiedlichen Charaktere ergänzen sich hervorragend und decken gemeinsam eine enorme stilistische Bandbreite ab – zumindest dann, wenn man sich im Vintage-orientierten Kosmos bewegt. Americana, Blues, Indie, Alternative oder Roots Rock -  wer in diesen Gefilden spielt, fühlt sich hier sofort zuhause. Modernes High Gain sucht man dagegen bewusst vergeblich. Diese Collection will keine eierlegende Wollmilchsau sein, sondern ein Boutique-Spezialist für Old School-Sounds.

Monarch – ein royaler Sound

Der Monarch bewegt sich klanglich irgendwo zwischen Supro, Fender und Vox, ohne jemals wie eine bloße Kopie zu wirken. Ein spezieller Voice-Switch erlaubt es, zwischen britischen und amerikanischen Klangcharakteristika. Dadurch entsteht eine faszinierende Grauzone aus Vox-artigem Chime, amerikanischer Offenheit und der leicht rauen Direktheit klassischer Supro-Schaltungen.

Auch das integrierte Reverb verdient besondere Erwähnung. Es gehört zweifellos zu den überzeugendsten digitalen Federhall-Implementierungen, die derzeit in einer Amp-Suite zu finden sind. Es klingt nicht bloß nach Hall, sondern nach einem tatsächlich schwingenden Federkasten mit eigener Persönlichkeit, der dem Grundsound zusätzliche Tiefe verleiht, ohne ihn zu verschleiern.

Gerade für Roots Rock, Americana, Country oder Blues entfaltet der Monarch enormes Potenzial. Gleichzeitig funktioniert er ebenso hervorragend für Indie, Alternative oder klassische Singer-Songwriter-Produktionen.

Besonders beeindruckend ist jedoch jener berühmte Edge-of-Breakup-Bereich. Kein steriles HiFi-Clean, sondern ein lebendiger Grundsound, der unmittelbar auf Anschlagdynamik reagiert und sich organisch sättigt. Dreht man den Amp weiter auf, landet man exakt in jenem Sweet Spot, der sich über Plektrumanschlag und Volume-Poti der Gitarre modellieren lässt – ein Verhalten, das viele Modeling-Systeme versprechen, aber nur wenige tatsächlich überzeugend umsetzen.

Chimera – ein Name mit Programm

Benson Chimera Collection
Credit Bild: © Mixwave
Bereits der Name ist ein gelungenes Wortspiel. Die Chimäre ist in der Mythologie ein Mischwesen aus mehreren Kreaturen – und genau das beschreibt auch den klanglichen Ansatz dieses Verstärkers.

Der Chimera vereint unterschiedliche Vintage-DNA zu einer völlig neuen Identität. Er besitzt mehr Clean-Headroom als der Monarch, wirkt offener und kontrollierter, ohne dabei jemals steril oder klinisch zu erscheinen. Pedale nimmt er hervorragend an und eignet sich dadurch exzellent als Plattform für komplexe Effektketten.

Seine größere Dynamikreserve macht ihn insbesondere für komplexe Akkordarbeit, Ambient-Produktionen oder moderne Studio-Setups interessant, bei denen maximale Transparenz gefragt ist. Hinzu kommt eine gewisse Exklusivität: Aktuell wird der Chimera von Benson selbst nicht mehr angeboten, was diese digitale Rekonstruktion zu einem umso reizvolleren Zeitdokument macht.

Die Effekte – weit mehr als bloßes Zubehör

Die enthaltenen Effekte stehen sowohl in der neu erschienenen Monarch Collection als auch in der jüngst überarbeiteten Chimera-Version zur Verfügung. Mixwave liefert hier nicht einfach ein paar nette Zugaben mit, sondern schließt gezielt Lücken.

Besonders erfreulich ist dabei, dass sämtliche Effekte nicht nur innerhalb der Amp-Suite genutzt werden können, sondern zusätzlich als eigenständige Plugins vorliegen. Dadurch lassen sie sich problemlos mit Simulationen anderer Hersteller kombinieren oder in bestehende Studio-Workflows integrieren.Gerade dieser modulare Ansatz erhöht den praktischen Nutzen der Collection enorm.

Pre-Amp – Charakter beginnt vor dem Verstärker

Anstatt lediglich zusätzliche Lautstärke bereitzustellen, verändert dieses Pedal die harmonische Struktur des Eingangssignals auf ausgesprochen musikalische Weise. Sein Charakter erinnert deutlich an legendäre Echoplex-Preamp-Schaltungen und liefert alles vom kaum wahrnehmbaren Sweetening bis hin zu einer überraschend kernigen Vorstufenzerre.

Je nach Einstellung entstehen zusätzliche Wärme, eine subtile Verdichtung der Transienten oder jene leichte Kompression, die Singlecoils mehr Fundament verleiht, ohne ihre Transparenz einzubüßen. Humbucker wiederum gewinnen an harmonischer Komplexität und entwickeln eine fast röhrenartige Dreidimensionalität.

Bemerkenswert ist dabei, wie sensibel der Pre-Amp auf unterschiedliche Gitarren reagiert. Er nivelliert den Charakter des Instruments nicht, sondern arbeitet ihn vielmehr heraus. Dadurch eignet er sich nicht nur als klassischer Booster vor den Benson-Amps, sondern ebenso hervorragend als eigenständiges Klangwerkzeug vor völlig anderen Amp-Simulationen.

Germanium Boost – musikalische Verdichtung statt bloßer Lautstärke

Der Germanium Boost ist ein weiteres kleines Unikum und bringt jene begehrte Germanium-Färbung ins Plugin-Format, die man bislang meist nur von kostspieligen Boutique-Pedalen kannte. Die Bedienung könnte kaum einfacher sein, doch klanglich passiert erstaunlich viel. Statt das Signal lediglich lauter zu machen, fügt der Boost harmonische Obertöne hinzu und verdichtet den Ton auf ausgesprochen musikalische Weise.

Sololinien erhalten mehr Sustain, Cleans gewinnen an Präsenz und leicht angezerrte Sounds beginnen förmlich zu leuchten. Besonders schön: Der Charakter der verwendeten Gitarre bleibt vollständig erhalten. Der Boost überdeckt nichts, sondern hebt lediglich hervor, was bereits vorhanden ist. In Verbindung mit dem Monarch oder dem Chimera entstehen so herrlich lebendige Edge-of-Breakup-Sounds, die auf jede Nuance der rechten Hand reagieren.

Montag, 8. Juni 2026

SYNAPSE AUDIO DUNE 3 Test: Der Hybrid-Synthesizer für EDM, Sounddesign und cineastische Klangwelten

Credit Bild: © Synapse Audio
Die Welt der Software-Synthesizer ist heute so überfüllt wie nie zuvor. Moderne Kreationen, Vintage-Klassiker, Wavetable-Monster, granulare Klangmaschinen – für jeden Produktionsstil existieren mittlerweile zahlreiche spezialisierte Instrumente. Der Dune 3 aus dem Hause Synapse Audio verfolgt jedoch einen anderen Ansatz. Statt sich klar zwischen Retro und Zukunftsmusik zu entscheiden oder einer einzelnen Syntheseform zuzuordnen, verbindet dieses Instrument mehrere Konzepte miteinander: virtuell-analoge Oszillatoren, Wavetable-Techniken, FM-Elemente und eine extrem leistungsfähige Unison-Architektur. Das Ergebnis ist ein Synthesizer, der gleichermaßen für elektronische Musik, Sounddesign und cineastische Produktionen geeignet ist.

Neues vom Planeten Dune

Der Name „Dune“ kommt natürlich nicht von ungefähr. Er weckt sofort Assoziationen zur großen Leinwand, zu Science Fiction im Epos-Format, zu gigantischen Sandwürmern, fremden Welten und monumentalen Klanglandschaften. Und genau diese Assoziationen sind gar nicht weit von dem entfernt, was die mittlerweile dritte Generation dieses Synthesizer-Powerhouses tatsächlich liefert. Wenn Bässe nicht einfach nur wummern sollen, sondern klingen müssen, als würde ein gigantisches Raumschiff im Sinkflug auf einer unerforschten Welt zur Landung ansetzen, dann ist man beim Dune an der richtigen Adresse. Wenn Leads Vintage-Charakter besitzen sollen, ohne dabei bloß eine weitere Kopie eines Minimoogs oder Oberheims zu sein, dann liefert Dune überzeugende Antworten. Und wenn Pads nicht bloß Flächen sein sollen, sondern ganze Räume öffnen, Atmosphären erschaffen und Geschichten erzählen, dann spielt dieser Synth seine Stärken voll aus. Oder wenn einzelne Noten gleichzeitig die Charakteristika mehrerer Instrumente – von perkussiven Elementen bis hin zu tiefen Bassfundamenten – in sich vereinen sollen und dabei auch noch anschlagsdynamisch auf das Spiel reagieren, wird schnell klar, warum Dune seit Jahren zu den beliebtesten Synthesizern anspruchsvoller Sounddesigner gehört.

Vom Geheimtipp zum Produktionsstandard

Als die erste Version von Dune erschien, entwickelte sich das Instrument relativ schnell zu einem Geheimtipp unter Produzenten elektronischer Musik. Der Grund dafür war vor allem sein charakteristischer Klang: breit, modern und erstaunlich druckvoll. Mit jeder neuen Generation wurde das Konzept weiter ausgebaut. Der Dune 3 stellt dabei die bislang ausgereifteste Version dieser Architektur dar.

Das Herzstück des Instruments ist die sogenannte Differential Unison Engine – kurz DUNE. Während viele Synthesizer mehrere Stimmen übereinanderlegen können, treibt Dune dieses Prinzip auf ein extremes Level. Jede einzelne Stimme kann aus zahlreichen leicht gegeneinander verstimmten Substimmen bestehen.

Dadurch entstehen besonders breite und dichte Klangstrukturen. Pads wirken beinahe orchestral, Leads besitzen enorme Präsenz und selbst einfache Akkorde entwickeln eine beeindruckende räumliche Tiefe. Gerade im Kontext moderner EDM-Produktionen, Trailer-Musik oder Hybrid-Scores spielt diese Fähigkeit eine zentrale Rolle. Wo andere Synthesizer zusätzliche Layer benötigen, erzeugt Dune bereits aus sich heraus eine erstaunliche Klangfülle.

Oszillatoren zwischen Analogwärme und digitaler Präzision

Der Dune verfügt über eine enorme klangliche Bandbreite. Von warmen Vintage-Pads über aggressive Bass-Sounds bis hin zu futuristischen Sounddesign-Texturen lässt sich praktisch jede moderne Klangästhetik realisieren. Besonders beeindruckend ist dabei, wie sauber sich diese Sounds im Mix behaupten. Selbst komplexe Patches bleiben transparent und definiert, ohne dabei jemals steril oder klinisch zu wirken. Genau hier zeigt sich die Stärke von Synapse Audio. Der Dune klingt modern, besitzt aber dennoch eine gewisse organische Wärme, die vielen rein digitalen Instrumenten fehlt.

Samstag, 9. Mai 2026

TAL: Roland-Ikonen im modernen Plugin-Format

Ein Original der Eighties: JX-8P
Credit Bild: © TAL
Die Geschichte elektronischer Musik kennt einige wenige Instrumente, die ganze Klangästhetiken geprägt haben. Der typische „80er-Sound“, der sofort Assoziationen zu Synth-Pop, New Wave, Italo Disco oder den ikonischen Film-Soundtracks jener Zeit weckt, zählt fraglos dazu. Und viele dieser Sounds wären ohne bestimmte Instrumente kaum denkbar: den Roland Juno-60, den Roland Jupiter-8 – und später auch dessen geistiger Nachfolger, den Roland JX 8P.

Sie alle stammen aus der goldenen Phase analoger Poly-Synthesizer – einer Zeit, in der Firmen wie eben die japanische Roland Corporation begannen, komplexe Synthese plötzlich massentauglich zu machen. Heute, mehr als vierzig Jahre später, gehören diese Instrumente zu den begehrtesten Vintage-Synthesizern überhaupt. Originalgeräte erzielen auf dem Gebrauchtmarkt teils astronomische Preise. Der Grund dafür ist einfach: Diese Synths besitzen einen extrem charakteristischen Klang, der sich selbst mit modernen, technisch weit überlegenen Instrumenten nicht ohne Weiteres reproduzieren lässt. Ihre Mischung aus Wärme, Eigenheiten, Instabilität und musikalischer Direktheit bleibt einzigartig. Kein Wunder also, dass Entwickler seit Jahren versuchen, diese Klassiker möglichst authentisch in Softwareform neu zu emulieren.

Eine der interessantesten Adressen dafür ist die Schweizer Softwareschmiede Togu Audio Line – besser bekannt als TAL.

Tale of TAL: Schweizer Präzision beim Synth-Modeling

Der Anspruch, den TAL verfolgt, lässt sich klar umreißen: eine möglichst naturalistische und realistische digitale Emulation legendärer Hardware-Synthesizer umzusetzen– inklusive aller Eigenheiten, aber auch der charmanten Limitationen, die Vintage-Designs zwangsläufig mit sich bringen. Denn genau diese kleinen Unzulänglichkeiten machen den Charakter vieler analoger Klassiker überhaupt erst aus. Eine zu starke Modernisierung würde den eigentlichen Klang verfälschen. TAL verfolgt deshalb beinahe eine Art Reinheitsgebot: Der Originalsound steht im Mittelpunkt, ergänzt lediglich um behutsame Zugeständnisse an moderne Produktions-Workflows. Am Ende soll für Spieler und Zuhörer idealerweise nur eine Frage offenbleiben: War das jetzt ein Softsynth oder tatsächlich ein Originalgerät? Und wenn man bedenkt, wie eigenständig und charaktervoll diese Vintage-Synthesizer klingen, wird schnell klar, wie schwierig dieses Unterfangen eigentlich ist.

TAL hat diese Herausforderung jedoch bravourös gemeistert und genießt in der Synthesizer-Szene – insbesondere im Synthwave- und Retrowave-Bereich – seit vielen Jahren einen exzellenten Ruf. Die Produkte von Mastermind Patrick Kunz zählen so mittlerweile zu den etablierten Klassikern unter den Software-Synthesizern.

Juno Pose: TAL U-NO-LX

Credit Bild: © TAL
Nein – hier geht es natürlich nicht um Sabrina Carpenters Bühnenshow, sondern um den legendären Klang des Roland-Juno-Synths. Bei TAL heißt die digitale Neuinterpretation U-NO-LX – und liefert genau jenen warmen, direkten Charakter, der bis heute in unzähligen Produktionen weiterlebt.

Obwohl bis heute nicht vollständig geklärt ist, welche konkreten Synthesizer die Stranger Things-Komponisten Kyle Dixon und Michael Stein tatsächlich verwendeten, gilt ein Juno-6 als sehr wahrscheinlich. Gerade Stücke wie „Kids“ tragen genau jene schwebende, melancholische Klangästhetik in sich, für die die Juno-Serie berühmt wurde. Und bereits nach wenigen Minuten mit dem U-NO-LX wird deutlich: Patrick Kunz hat den Kultsound des Originals bemerkenswert präzise eingefangen.

Anders als viele komplexe Konkurrenten setzte Roland beim Juno auf ein erstaunlich simples Konzept: einfacher Aufbau, direkte Bedienung, sofort musikalische Ergebnisse. Der Synth verfügte lediglich über einen einzigen Oszillator pro Stimme, ergänzt durch einen Suboszillator, ein Filter und klassische Hüllkurven. Technisch betrachtet war das vergleichsweise überschaubar. Und dennoch entwickelte der Juno eine der markantesten Klangsignaturen der gesamten Synthesizer-Geschichte.

Der Grund dafür lag vor allem in zwei Dingen: seinem Filter – und seinem legendären Chorus. Der integrierte Stereo-Chorus war ursprünglich eher als zusätzlicher Effekt gedacht, entwickelte sich jedoch schnell zum eigentlichen Markenzeichen des Instruments. Sobald man ihn aktiviert, passiert etwas Magisches: Ein zunächst relativ einfacher Synth-Sound verwandelt sich plötzlich in eine breite, schwebende und beinahe cineastische Fläche. Genau dieser Effekt wurde zum Herzstück zahlloser Produktionen – von Synth-Pop über Ambient bis hin zu Filmmusik.

Und genau hier zeigt TAL seine große Stärke: Der Chorus des U-NO-LX klingt für meinen Geschmack erstaunlich nah am Original. Dieses leicht verrauschte, organische Schweben wurde extrem überzeugend getroffen.

Mit dem U-NO-LX hat TAL eine besonders akkurate Softwareversion des Juno geschaffen. Der Synth wurde anhand realer Hardware modelliert; Oszillatoren, Filter und Hüllkurven orientieren sich sehr eng am Verhalten des Originals. Besonders auffällig ist dabei, wie konsequent sich das Plugin am historischen Vorbild orientiert. Anders als viele moderne Softsynths versucht der U-NO-LX nicht, das ursprüngliche Konzept künstlich aufzublasen oder mit zahllosen Zusatzfeatures zu überladen. Hier geht es ausschließlich um den Sound.Und der überzeugt bis heute.

Pads wirken weich und schimmernd. Bässe besitzen überraschend viel Druck für einen Single-Oszillator-Synth. Leads haben jene subtile analoge Wärme, die selbst in modernen Produktionen sofort funktioniert. Gerade in Kombination mit dem Chorus entsteht ein Klangbild, das unmittelbar nach klassischem Analog-Synth klingt – und exakt versteht man, weshalb der Juno bis heute Kultstatus genießt.

Der U-NO-LX ist so fraglos eine der besten Emulationen dieses verdienten Klassikers. Eine puristische, klanglich extrem starke Hommage an einen der wichtigsten Synthesizer der 1980er-Jahre.

TAL J-8: Rolands majestätisches Flaggschiff

Credit Bild: © TAL
Wenn der Juno der pragmatische Allrounder der Roland-Welt war, dann war der Jupiter-8 ihr Luxusmodell. Der 1981 vorgestellte Synthesizer gehörte zu den leistungsfähigsten polyphonen Instrumenten seiner Zeit. Zwei Oszillatoren pro Stimme, umfangreiche Modulationsmöglichkeiten, Split- und Layer-Modi – der Jupiter-8 war eine regelrechte Klangmaschine. Und er klang entsprechend.

Während der Juno eher weich und atmosphärisch wirkt, besitzt der Jupiter eine deutlich größere klangliche Bandbreite: von massiven Brass-Sounds über aggressive Leads bis hin zu riesigen, komplexen Flächen. Der Jupiter-8 tauchte in den 1980ern praktisch überall auf. Synth-Pop, frühe elektronische Filmmusik, Progressive Rock – kaum ein Genre jener Zeit kam ohne diesen Synth aus. Sein Sound war groß, breit und präsent. Genau deshalb wurde er schnell zum Studiostandard vieler Produzenten.

Auch beim J-8 verfolgt TAL dieselbe Philosophie wie bereits beim U-NO-LX: möglichst authentische Nachbildung statt unnötiger Feature-Explosion.

Das Plugin basiert erneut auf einem realen Hardware-Gerät, dessen Verhalten möglichst exakt modelliert wurde. Zwei Oszillatoren, Crossmodulation, Filter, Hüllkurven und klassische Jupiter-Funktionen wurden sehr detailgetreu umgesetzt.Besonders interessant ist dabei die Kalibrierungssektion. Hier lassen sich Eigenschaften wie Filterverhalten, Resonanz oder Instabilitäten einzelner Stimmen verändern. Dadurch kann man den Sound entweder sauber und kontrolliert halten – oder bewusst stärker in jene leicht unperfekte Vintage-Richtung treiben, die viele Produzenten so lieben.

SCUFFHAM S-GEAR Test: Plugin-Klassiker mit Boutique-Amp-Sound

Credit Bild: © Scuffham
Die Plugin-Suite Scuffham S-Gear zählt zu den älteren noch immer erhältlichen Versuchen ikonische Amp-Sounds zu digitalisieren und stammt aus einer Zeit, als das Prinzip Verstärker in ernstzunehmender Weise als Plugin zu emulieren noch relativ jung war. Ein Pionier-Plugin sozusagen, das seit seiner Einführung 2011 schon mehrere Iterationen und Updates durchlaufen hat und nach dem Prinzip "still going strong" nach wie vor upgedatet wird. Trotz dieses Veteranen-Status fliegt S-Gear etwas unter dem Radar, man liest und hört  – abseits von Insider-Zirkeln – verhältnismäßig wenig darüber.  Warum ist das so? Handelt es sich dabei mittlerweile eher um ein Legacy-Produkt oder doch um einen Sleeper-Star, der seiner Zeit weit voraus war und noch heute zu begeistern vermag und mit den aktuellen Platzhirschen mithalten kann? Let’s find out.

Mike Scuffham und die Rack-Ideologie

S-Gear ist das „Brainchild“ von Mike Scuffham – unter Kennern ein Name mit Gewicht. Bevor er unter eigenem Banner entwickelte, arbeitete er als Ingenieur bei Marshall und zeichnete unter anderem für das legendäre JMP-1 Rack-Modul verantwortlich. Das prägte fraglos auch das Kernkonzept und Layout von S-Gear – nicht nur, weil hier selbstredend ein digitaler Marshall-Style-Amp enthalten ist, sondern auch den Aufbau des gesamten Plugins: Denn S-Gear ist wie ein komplexes Rack-System modular konzipiert.

Dieser Ansatz setzt im Vergleich zu vielen Konkurrenzprodukten nicht auf maximalen Skeuomorphismus im Sinne von optisch bis ins Detail nachgebildeten Vintage-Amps, sondern folgt einer eigenen, funktionalen Logik, bei der man schmale Module aneinanderreihen und tauschen kann. Das Resultat ist ein Konzept, das sich deutlich von vielen Mitbewerbern unterscheidet, sich aber im Praxis-Workflow als nicht minder praktikabel erweist. 

Auch beim Herzstück von S-Gear, den Verstärkern wandelt Scuffham auf eigenen Wegen, geht es hier doch nicht um die möglichst exakte Modellierung eines spezifischen Amps, sondern vielmehr um eigenständige Interpretationen bewährter Klassiker von Fender bis Soldano. Die Amps kann man sich am besten als Hybride aus unterschiedlichen Referenz-Modellen vorstellen. Ein weiterer Punkt der S-Gear unique macht, zumal die hier vertretenen Verstärker klanglich allesamt erstklassig sind.

Die Amps im Detail: Archetypen statt Masse

Scuffham entwarf S-Gear als in sich abgeschlossenes, sprich „self-contained“, Ecosystem, das im Grunde alles enthält, was der Gitarrist braucht – zumindest jener Gitarrist mit einer gewissen Genre-Verortung. Doch dazu kommen wir noch. S-Gear ist eine All-in-One-Lösung, bei der von „Clean to Scream“, sprich vom unverzerrten Sound über Crunch-Tones hin zum vollverzerrten Solo- und Riff-Brett mit Effekten garniert, alles abgedeckt wird. Nur, dass das Scuffham-Konzept eines des Understatements und der bewussten Reduktion bzw. Besinnung aufs Wesentliche ist.So bietet dieses Plugin keine endlose Amp-Collection sondern eine kuratierte Auswahl – und genau das ist Teil des Konzepts. Jeder Amp markiert ein klar definiertes klangliches Terrain, ohne als reine Kopie aufzutreten. Was sofort auffällt: Gemein ist allen Modellen, dass sie extrem sensibel auf Anschlagdynamik und das Volume-Poti der Gitarre reagieren. Auch im kritischen "On the Edge of Breakup"-Bereich  – dort, wo der Ton gerade ins Overdrive kippt – zeigt S-Gear eine Qualität, die manch anderes Plugin vermissen lässt:extreme Nuancen.

Die Amps im Detail:

The Duke: "Robben Ford in a box" oder auch Scuffhams Interpretation des Dumble und Fender-Sound-Ideals. Der Tone Stack ist vom Super Reverb abgeleitet, kalifornische Clean und Overdrive-Klänge sind die Forte dieses amerikanisch-geprägten Amps.

Custom ’57: S-Gears „Tweed“ und eine der besten digitalen Versionen der berüchtigt schwer zu fassenden Sounds jener Amps mit dem charakterischen Bezug. Von Clapton-esquen Twin-Sounds zu brachialen Neil Young Proto-Grunge Exzessen ist hier alles möglich.

The Stealer: der "Marshall"-Style Amp, inspiriert von einem seltenen Park-Head, der Scuffham einst begeisterte. Äußerst flexibel und schafft es  Hendrix-artige Semi-Clean-Sounds ebenso gut abzubilden wie archetypische Britische Hard Rock Sounds. Nur wer hier einen José-modded Plexi oder Brown Sound erwartet wird etwas zu wenig Gain-Reserven vorfinden.

The Wayfarer: ein weiterer amerikanisch geprägter Amp, hier geht es ins Territorium getuneder Fender-Sounds. Der Wayfarer ist dabei so etwas wie das Schweizer Taschenmesser unter den Scuffham Amp-Sims, da er am drastischsten in seiner Klangformung ist (inkl. tiefgreifendem EQ, der an Mesa Boogie-Designs erinnert ). Im Grundcharakter erinnert das stark an die legendären Paul Rivera-modded Fenders (frühe Steve Lukather Sounds!). Damit ist S-Gear die einzige  Plugin-Suite, die diesem seltenen Klangideal nahekommt.

The Jackal: der heavieste unter den Scuffham-Amps, tight, fokussiert. Der lila Bezug macht klar dass hier u.a. der Soldano-SLO-100 Pate stand. Nun ist dies sicher nicht die authentischste aller SLO-Emulationen, aber der High Gain-Sound, der hier abrufbar ist, erweist sich beim Recording als recht wandlungsfähig.

Braucht man mehr als diese 5 Archetypen? Das kommt darauf an, in welchen Musikgenres man sich heimisch fühlt. Ebenso wie die Grundphilosophie von S-Gear nicht jeden erdenklichen Sound abdecken will, richten sich auch die Amps vor allem an Player, die auf Clean- und „On the Edge of Breakup“-Sounds stehen und Vintage-Distortion bevorzugen – also Gitarristen, die eher im Blues-, Country- und Roots-Rock-Bereich die Saiten zum Glühen bringen. Und in diesen Genres sind Dynamics bekanntlich King. Jene gibt es hier zuhauf, auch weil man anders als bei den vielen anderen Amp Sims, die jeweiligen Verstärker nicht nur via der Standard-EQ-Knöpfen tweaken kann, sondern bis ins Detail Parameter wie Presence und Sag einstellen kann. Die Amps, wie letztlich jedes einzelne Modul von S-Gear - entpuppen sich dabei als regelrechete Chamäleons. Sie reagieren zudem extrem sensibel auf Anschlagdynamik und das Volume-Poti. Dieses Verhalten fühlt sich organisch an. S-Gear entfaltet eine Dynamik, die viele „größere“ Suites vermissen lassen.Der Sound  lässt sich am treffendsten als dreidimensional beschreiben. S-Gear wirkt offener, unmittelbarer, näher am Gefühl eines lauten Boutique-Tube-Amps, der in einem guten Raum abgenommen wurde. Clean-Sounds perlen, Crunch hat Biss und Textur. Der Bereich Roots-Rock und Blues ist fraglos sein Metier. 

Dienstag, 21. April 2026

TWO NOTES GENOME SUITE Test: Die DNA des guten Tons

Two Notes Genome Suite GUI Interface am Laptop
Credit Bild: © Two Notes Audio Engineering
Die Konzeption und Zusammenstellung eines richtig erstklassigen Gitarren-Rigs ist fraglos eine Kunst für sich – und war bis vor gar nicht allzu langer Zeit ein äußerst schwieriges, bisweilen fast unmögliches Unterfangen. Kleinere Amps und Setups klangen meist kraftlos und eindimensional, Digitallösungen wirkten oft wie ein lebloser Abklatsch des angestrebten analogen Sounds. Heute ist das längst anders. Trotz der durchaus gerechtfertigten Glorifizierung von Vintage-Sounds und Röhren-Fetischismus leben wir right now wahrlich in einem goldenen Zeitalter erstklassiger digitaler Gitarrensounds. Amp-, Effekt- und Lautsprecher-Simulationen sind längst mehr als salonfähig geworden – mehr noch, sie sind aus modernem Recording nicht mehr wegzudenken und haben eine Qualität erreicht, bei der Software praktisch nicht mehr von analogen Sounds zu unterscheiden ist und häufig das Zentrum des gesamten Setups bildet.

Entsprechend heiß umkämpft und mittlerweile gesättigt ist der Plugin-Markt – in diesem Umfeld noch echte Begeisterung hervorzurufen, ist schwierig. Der renommierte französische Hersteller Two Notes, bekannt für seine Lautsprecher-Simulations-Soft- und Hardware, versucht es dennoch und wirft mit der komplexen Plugin-Suite Genome seinen Hut in den Ring – und das nicht halbherzig. Denn der Anspruch, der hier verfolgt wird, ist ebenso groß wie überaus ambitioniert.

Genome soll nicht weniger als eine umfassende All-in-One-Lösung für Gitarristen (und Bassisten) sein, mit der die gesamte Signalkette abgedeckt wird – und die mit Expansion Packs sowie künftigen Updates kontinuierlich erweitert wird. Während die meisten Amp-Sims eine klar umrissene Aufgabe erfüllen – ein Genre, ein paar Amps, ein paar Effekte – und andere Komplettlösungen nicht selten „jack of all trades, but master of none“ sind, hat Two Notes einen anderen Weg gewählt: nicht nur ein einzelnes Glied der Signalkette abzubilden, sondern dem Player ein gesamtes Ökosystem zur Verfügung zu stellen – genreübergreifend. Von Pedals über Amps, hauseigene DynIRs, Studio-Effekte bis hin zu Postproduktions-Tools.

Der Versuch, alles zu vereinen – kann so etwas gelingen? Finden wir es heraus.

The Theory of Everything

Credit Bild: © Two Notes Audio Engineering
Beim ersten Start des Programms begrüßt den User der Screen „Loading Your Dream Rig“. Ein selbstbewusster Claim – denn wie dieses Dream Rig aussieht, variiert stark von Gitarrist zu Gitarrist sowie von Genre zu Genre. Der Blueser braucht ein völlig anderes Setup als der Metal-Spieler, der Classic-Rocker andere Amps als der moderne Pop-Gitarrist. Genome macht hier (und insbesondere mit den jüngsten Updates, die die Flotte an verfügbaren Amps und Effekten drastisch erweitert haben) keine halben Sachen.Von vergleichsweise simplen „Straight-in-the-Amp“-Setups bis hin zu komplexen Dual-Amp-Rigs mit Studioeffekten ist hier alles möglich. Die Architektur folgt einer klaren Logik: Preamp, Poweramp, Pedals, Cabinet, Studio FX – alles ist vorhanden, alles ist kombinierbar, alles lässt sich flexibel neu anordnen. Und hier zeigt sich schon: Genome ist alles andere als generisch.

Im übersichtlichen Interface kann man sich seinen eigenen Signalstrang aus unterschiedlichen Komponenten zusammenstellen. Die klanglichen DNA-Experimente können dabei durchaus „Jurassic Park“-artige Dimensionen erreichen. Denn Multi-Amp-Setups sind bei Genome kein Problem. Zehn Slots stehen dabei unmittelbar zur Verfügung. Zudem kann man das Signal stereo splitten – was die Anzahl der Klangformungs-Slots effektiv verdoppelt. Gerade die optionalen Dual-Lanes eröffnen Möglichkeiten, die über Standard-Amp-Setups hinausgehen – etwa für Layering, Stereo-Designs oder komplexe Hybrid-Sounds.

Amps, Amps, Amps

Credit Bild: © Two Notes Audio Engineering

Credit Bild: © Two Notes Audio Engineering

Credit Bild: © Two Notes Audio Engineering
Die meisten Anbieter liefern heute überzeugende Amp-Modelle – am Ende ist es Geschmackssache, und es kommt auf Details an. Denn wie im Spitzensport, wo Millisekunden entscheiden, ist auch beim Amp Modeling der Punkt erreicht, an dem es nur noch um Qualitätsunterschiede im Mikrobereich geht. Genome ist hier fraglos eine jener Lösungen, die das gewisse Etwas haben und zu den Eigenständigeren am Markt zählen.

Vom ultracleanen California-Modell über britische Rock-Standards bis hin zum US-High-Gain-Monster ist alles vertreten. So weit, so konventionell. Das Spezielle an Genome ist jedoch, dass es Klasse und Masse vereint. Neben den üblichen Verdächtigen – Blackface-, Clean- und britische Plexi-/JCM-inspirierte Sounds – gibt es auch speziellere und seltenere Modelle, alle optisch äußerst ansprechend umgesetzt.Die schiere Anzahl ist schlichtweg beeindruckend – hier gibt’s nicht nur einen Plexi-Style-Amp, sondern gleich mehrere Varianten, ebenso wie etwa einen Super Bass oder auch eine digitale Interpretation des Marshall Astoria. Auch Metal-Fans kommen auf ihre Kosten: So ist etwa eine Version von Ola Englunds Satan-Amp vertreten sowie eine Reihe von Mesa-Amps. Hinzu kommen Eigenkreationen von Amps, die so nicht außerhalb von Genome existieren – und einfach großartig sind.

Montag, 20. April 2026

GFORCE SOFTWARE MINIMONSTA 2 Test: Die moderne Evolution eines Synthesizer-Mythos

GForce Software MiniMonsta2 MiniMoog GUI
Credit Bild: © GForce Software
Der Minimoog Model D – erstmals 1970 veröffentlicht ist bis heute der Archetyp des kompakten, analogen Synthesizers. Drei Oszillatoren, kompromissloser Sound, ikonischer Charakter. Entworfen von Bob Moog selbst, wurde der Model D zur Blaupause zahlloser Synth-Designs und ist bis heute einer der beliebtesten und meist-emulierten Klassiker überhaupt. Sein Sound – warm, druckvoll, unverkennbar analog – tauchte in unzähligen Produktionen auf und definierte über Jahrzehnte hinweg das Klangbild ganzer Genres. Mit dem Plugin Minimonsta 2 legt die britische Softwareschmiede GForce Software eine moderne Neuinterpretation dieses legendären Instruments vor – und erweitert das klassische Konzept dabei um zahlreiche zeitgemäße Funktionen.

Vom modularen Monster zum portablen Klassiker

Um zu verstehen, warum der Minimoog bis heute Kultstatus besitzt, lohnt sich ein Blick zurück in die späten 1960er-Jahre. Vor seiner Entstehung bestanden Synthesizer aus großen modularen Systemen. Geräte von Moog Music füllten ganze Wände aus Modulen, Kabeln und Patchfeldern. Diese Instrumente waren leistungsfähig, aber schwer zu bedienen und praktisch unmöglich auf eine Bühne zu transportieren – wenn man nicht gerade so viele Roadies zur Verfügung hatte wie Emerson, Lake & Palmer.

Der Minimoog änderte genau das. Er brachte wesentliche Module eines großen Moog-Systems in ein kompaktes, fest verdrahtetes Instrument. Oszillatoren, Filter, Hüllkurven und Mixer waren übersichtlich angeordnet und sofort spielbar. Der typische Minimoog-Sound wurde damit portabel. Seine drei Oszillatoren liefern einen massiven Grundklang, während das berühmte 24-dB-Ladder-Filter für jene charakteristische Wärme sorgt, die Synth-Fans bis heute fasziniert. In den 1970er-Jahren tauchte der Synthesizer schnell in den Produktionen zahlreicher Künstler auf. Musiker aus Progressive Rock, Funk, Jazz-Fusion und später elektronischer Musik machten den Minimoog zu einem festen Bestandteil ihrer Klangpalette. Bässe mit enormem Druck, singende Lead-Sounds und experimentelle gefilterte Fanfaren - der Minimoog ist fraglos einer der einflussreichsten Synthesizer der Musikgeschichte und GForce haben diesen Klang, da muss man ohne Übertreibung sagen, perfekt emuliert.

Zwischen Vintage-Charakter und moderner Flexibilität

Klanglich bewegt sich der Minimonsta 2 sehr nah am historischen Vorbild. Die Oszillatoren liefern jenen satten analogen Grundklang, den man von klassischen Moog-Synthesizern erwartet. Das Filter reagiert musikalisch und organisch, besonders bei langsam fahrenden Resonanzbewegungen oder aggressiveren Sweeps. Gerade bei Bass-Sounds zeigt sich schnell, warum der Minimoog bis heute als Referenz gilt. Schon wenige Handgriffe genügen, um massive Bässe, singende Leads.

Die Software-Hommage, die mehrere Schritte weitergeht

Der Grundaufbau orientiert sich zwar klar am klassischen Minimoog-Layout. Drei Oszillatoren, Mixer, Filtersektion und Hüllkurven sind sofort wiederzuerkennen. Wer jemals mit einem analogen Moog gearbeitet hat, findet sich im Interface praktisch sofort zurecht. Doch unter der Oberfläche steckt deutlich mehr. Denn mehr Stimmen sorgen für gänzlich neue Klangräume. Während das historische Instrument strikt monophon war, erlaubt der Minimonsta 2 polyphones Spiel. Dadurch lassen sich mit der klassischen Moog-Architektur plötzlich auch Pads, Akkordflächen oder komplexe Layer erzeugen. Gerade in modernen Produktionen eröffnet das völlig neue Möglichkeiten. Zusätzlich bietet das Plugin eine relativ umfangreiche Modulations- und Reverb-Sektion.

GForce Software MiniMonsta2 MiniMoog Preset Browser
Credit Bild: © GForce Software