Mittwoch, 10. Juni 2026

MIXWAVE BENSON MONARCH & CHIMERA Collection Test – Edler Boutique-Ton im digitalen Raum

Benson Monarch Collection
Credit Bild: © Mixwave
Amps, die sowohl sparkling Cleans beherrschen als auch im kritischen Edge-of-Breakup-Bereich zu glänzen vermögen und voll aufgerissen nur so vor harmonischen Distortion-Schattierungen bersten. Reverbs, die wirklich „wet“ sind, körniger Fuzz mit Charakter– das sind die Qualitäten, die Gitarristen seit jeher lieben und zugleich jene Disziplinen, die sich im Digitalen notorisch schwer abbilden lassen. Viele Hersteller sind daran gescheitert, manche haben sich dieser Magie zumindest angenähert.

Zu den absoluten Klassenbesten in jenem Reich der klanglichen Nuancen zählt fraglos Mixwave, die mit ihren digitalen 1:1-Nachbildungen der Boutique-Amps aus dem Hause Benson eindrucksvoll demonstrieren, wie hochklassige Sounds im digitalen Zeitalter klingen können – beziehungsweise klingen müssen und dass die eingangs beschriebenen Sounds mittlerweile sehr wohl im Plugin-Format umsetzbar sind. Die neu erschienene Benson Monarch & die jüngst upgedatete Chimera Collection sind der Beweis dafür und verstehen sich dabei nicht nur als klassische Amp-Simulation, sondern als vollständige Produktionsumgebung inklusive hochwertiger Pedale, Effekte und eines ausgesprochen durchdachten Studio-Workflows.

Oregon's Finest – Benson Amps zwischen Tradition und Innovation

Der kleine Boutique-Hersteller aus dem US-Bundesstaat Oregon genießt seit Jahren einen exzellenten Ruf unter Gitarristen und Produzenten. Gründer Chris Benson verfolgt dabei einen bemerkenswert eigenständigen Ansatz: Statt legendäre Schaltungen schlicht zu kopieren, entwickelt er Verstärker, die sich zwar hörbar am reichen Erbe britischer und amerikanischer Klassiker orientieren, daraus jedoch etwas Eigenständiges formen.Genau diese Balance versucht Mixwave hier nicht nur einzufangen, sondern konsequent in die digitale Welt zu übertragen.

Bemerkenswert ist dabei auch die Optik. Die Hardware-Amps aus Oregon gehören fraglos zu den attraktivsten Boutique-Verstärkern des aktuellen Marktes. Doch noch wichtiger ist ihre klangliche Identität. Benson baut keine weiteren Fender-, Vox- oder Marshall-Klone, sondern Instrumente mit unverwechselbarer Persönlichkeit.

Klanglich schimmern zwar immer wieder Referenzen an frühe Led-Zeppelin-Aufnahmen durch, an Jimmy Pages angezerrte Gitarrensounds auf Led Zepplein I und II, an Supro-Amps, Vox-Schaltungen oder amerikanische Vintage-Cleans – letztlich bleibt das Resultat jedoch eigenständig und damit unverkennbar Benson. Auch im inzwischen hervorragend bestückten Markt der Amp-Simulationen nehmen diese Verstärker so eine Sonderstellung ein. Es gibt schlicht keine andere Software, die genau diese Sounds liefert.

Zwei Amps – zwei Philosophien

Monarch und Chimera sind zwei unterschiedliche Interpretationen desselben Boutique-Gedankens. Während der Chimera deutlich länger im Clean-Bereich verweilt und größereHeadroom-Reserven bietet, geht der Monarch wesentlich früher in eine musikalische Sättigung über und lebt geradezu von seinem dynamischen Übergangsbereich zwischen Clean und Overdrive.

Diese unterschiedlichen Charaktere ergänzen sich hervorragend und decken gemeinsam eine enorme stilistische Bandbreite ab – zumindest dann, wenn man sich im Vintage-orientierten Kosmos bewegt. Americana, Blues, Indie, Alternative oder Roots Rock -  wer in diesen Gefilden spielt, fühlt sich hier sofort zuhause. Modernes High Gain sucht man dagegen bewusst vergeblich. Diese Collection will keine eierlegende Wollmilchsau sein, sondern ein Boutique-Spezialist für Old School-Sounds.

Monarch – ein royaler Sound

Der Monarch bewegt sich klanglich irgendwo zwischen Supro, Fender und Vox, ohne jemals wie eine bloße Kopie zu wirken. Ein spezieller Voice-Switch erlaubt es, zwischen britischen und amerikanischen Klangcharakteristika. Dadurch entsteht eine faszinierende Grauzone aus Vox-artigem Chime, amerikanischer Offenheit und der leicht rauen Direktheit klassischer Supro-Schaltungen.

Auch das integrierte Reverb verdient besondere Erwähnung. Es gehört zweifellos zu den überzeugendsten digitalen Federhall-Implementierungen, die derzeit in einer Amp-Suite zu finden sind. Es klingt nicht bloß nach Hall, sondern nach einem tatsächlich schwingenden Federkasten mit eigener Persönlichkeit, der dem Grundsound zusätzliche Tiefe verleiht, ohne ihn zu verschleiern.

Gerade für Roots Rock, Americana, Country oder Blues entfaltet der Monarch enormes Potenzial. Gleichzeitig funktioniert er ebenso hervorragend für Indie, Alternative oder klassische Singer-Songwriter-Produktionen.

Besonders beeindruckend ist jedoch jener berühmte Edge-of-Breakup-Bereich. Kein steriles HiFi-Clean, sondern ein lebendiger Grundsound, der unmittelbar auf Anschlagdynamik reagiert und sich organisch sättigt. Dreht man den Amp weiter auf, landet man exakt in jenem Sweet Spot, der sich über Plektrumanschlag und Volume-Poti der Gitarre modellieren lässt – ein Verhalten, das viele Modeling-Systeme versprechen, aber nur wenige tatsächlich überzeugend umsetzen.

Chimera – ein Name mit Programm

Benson Chimera Collection
Credit Bild: © Mixwave
Bereits der Name ist ein gelungenes Wortspiel. Die Chimäre ist in der Mythologie ein Mischwesen aus mehreren Kreaturen – und genau das beschreibt auch den klanglichen Ansatz dieses Verstärkers.

Der Chimera vereint unterschiedliche Vintage-DNA zu einer völlig neuen Identität. Er besitzt mehr Clean-Headroom als der Monarch, wirkt offener und kontrollierter, ohne dabei jemals steril oder klinisch zu erscheinen. Pedale nimmt er hervorragend an und eignet sich dadurch exzellent als Plattform für komplexe Effektketten.

Seine größere Dynamikreserve macht ihn insbesondere für komplexe Akkordarbeit, Ambient-Produktionen oder moderne Studio-Setups interessant, bei denen maximale Transparenz gefragt ist. Hinzu kommt eine gewisse Exklusivität: Aktuell wird der Chimera von Benson selbst nicht mehr angeboten, was diese digitale Rekonstruktion zu einem umso reizvolleren Zeitdokument macht.

Die Effekte – weit mehr als bloßes Zubehör

Die enthaltenen Effekte stehen sowohl in der neu erschienenen Monarch Collection als auch in der jüngst überarbeiteten Chimera-Version zur Verfügung. Mixwave liefert hier nicht einfach ein paar nette Zugaben mit, sondern schließt gezielt Lücken.

Besonders erfreulich ist dabei, dass sämtliche Effekte nicht nur innerhalb der Amp-Suite genutzt werden können, sondern zusätzlich als eigenständige Plugins vorliegen. Dadurch lassen sie sich problemlos mit Simulationen anderer Hersteller kombinieren oder in bestehende Studio-Workflows integrieren.Gerade dieser modulare Ansatz erhöht den praktischen Nutzen der Collection enorm.

Pre-Amp – Charakter beginnt vor dem Verstärker

Anstatt lediglich zusätzliche Lautstärke bereitzustellen, verändert dieses Pedal die harmonische Struktur des Eingangssignals auf ausgesprochen musikalische Weise. Sein Charakter erinnert deutlich an legendäre Echoplex-Preamp-Schaltungen und liefert alles vom kaum wahrnehmbaren Sweetening bis hin zu einer überraschend kernigen Vorstufenzerre.

Je nach Einstellung entstehen zusätzliche Wärme, eine subtile Verdichtung der Transienten oder jene leichte Kompression, die Singlecoils mehr Fundament verleiht, ohne ihre Transparenz einzubüßen. Humbucker wiederum gewinnen an harmonischer Komplexität und entwickeln eine fast röhrenartige Dreidimensionalität.

Bemerkenswert ist dabei, wie sensibel der Pre-Amp auf unterschiedliche Gitarren reagiert. Er nivelliert den Charakter des Instruments nicht, sondern arbeitet ihn vielmehr heraus. Dadurch eignet er sich nicht nur als klassischer Booster vor den Benson-Amps, sondern ebenso hervorragend als eigenständiges Klangwerkzeug vor völlig anderen Amp-Simulationen.

Germanium Boost – musikalische Verdichtung statt bloßer Lautstärke

Der Germanium Boost ist ein weiteres kleines Unikum und bringt jene begehrte Germanium-Färbung ins Plugin-Format, die man bislang meist nur von kostspieligen Boutique-Pedalen kannte. Die Bedienung könnte kaum einfacher sein, doch klanglich passiert erstaunlich viel. Statt das Signal lediglich lauter zu machen, fügt der Boost harmonische Obertöne hinzu und verdichtet den Ton auf ausgesprochen musikalische Weise.

Sololinien erhalten mehr Sustain, Cleans gewinnen an Präsenz und leicht angezerrte Sounds beginnen förmlich zu leuchten. Besonders schön: Der Charakter der verwendeten Gitarre bleibt vollständig erhalten. Der Boost überdeckt nichts, sondern hebt lediglich hervor, was bereits vorhanden ist. In Verbindung mit dem Monarch oder dem Chimera entstehen so herrlich lebendige Edge-of-Breakup-Sounds, die auf jede Nuance der rechten Hand reagieren.

Germanium Fuzz – kontrollierte Wildheit

Der Germanium Fuzz gehört zweifellos zu den klanglichen Höhepunkten der gesamten Collection. Sein Sound besitzt genau jene leicht ungehobelte Körnung alter Germanium-Schaltungen, bei denen nie völlige Kontrolle herrscht und gerade daraus musikalischer Reiz entsteht. Akkorde fransen angenehm aus, einzelne Noten entwickeln rauen Biss und harmonische Komplexität, ohne jemals unangenehm harsch oder künstlich zu wirken.

Besonders beeindruckend gelingt das berühmte Cleanup über das Volume-Poti der Gitarre. Dreht man zurück, wird aus aggressivem Fuzz plötzlich ein glasiger Crunch mit fast schon glockigem Charakter – ein Verhalten, das selbst viele Hardware-Nachbauten nicht immer überzeugend beherrschen. Der Effekt reagiert organisch auf Spielweise und Anschlag und fühlt sich dadurch eher wie ein Vintage-Pedal als wie ein Plugin an.

Tall Bird – Hall als Bestandteil des Instruments

Viele digitale Hallräume wirken wie nachträglich über ein Signal gelegt. Beim Tall Bird entsteht hingegen der Eindruck eines echten Federhall-Tanks, der integraler Bestandteil des Verstärkers ist.

Von subtiler Räumlichkeit bis hin zu extrem nassen Surf-Sounds oder klassischen Spaghetti-Western-Klangwelten lässt sich praktisch jede Schattierung realisieren. Die Hallfahnen besitzen Bewegung und Tiefe, ohne den Grundsound zu verschmieren oder im Mix undefiniert zu werden. Gerade im Zusammenspiel mit leicht angezerrten Boutique-Cleans entstehen ausgesprochen dreidimensionale Klangbilder.

Florist – Shoegaze und Ambient auf der klanglichen Blumenwiesen

Chorus-Pedale gehören mittlerweile fast zum Standard jeder Amp-Suite. Der Florist verfolgt jedoch einen deutlich eigenständigeren Ansatz.

Bereits sein Name verweist darauf, dass hier keine bloße Modulation, sondern ganze Klanglandschaften kultiviert werden sollen. Extreme Einstellungen können bewusst schräg, eierig und beinahe verstimmt wirken – gerade darin liegt jedoch der Charme dieses außergewöhnlichen Effekts. Der Florist ist kein universeller Chorus für jede Produktion, sondern ein Charaktereffekt mit klarer Identität. Shoegaze-, Dream-Pop- und Ambient-Gitarristen finden hier ein Werkzeug, das Gitarrensignale in schimmernde Texturen verwandelt. Modulationen greifen ineinander, Hall und Bewegung verschmelzen zu einem dichten Schwebezustand.

Spielgefühl & Dynamik – der eigentliche Prüfstein

So überzeugend ein Sound isoliert auch sein mag – entscheidend ist letztlich, auch wie er sich unter den Fingern anfühlt. Und genau hier punktet die Collection besonders. Die Dynamik ist unmittelbar greifbar: Sanft gespielt bleibt alles offen und transparent, härter angeschlagen komprimiert der Ton subtil und entwickelt jene harmonische Dichte, die man sonst eher von echten Röhrenverstärkern kennt. Das Volume-Poti der Gitarre wird plötzlich wieder zum vollwertigen Klangwerkzeug. Runtergeregelt entsteht ein beinahe glockiger Clean-Sound, aufgedreht kippt das Ganze in einen rauen, aber jederzeit kontrollierbaren Overdrive. Diese enorme Bandbreite hebt die Collection deutlich über viele statische Modeling-Ansätze hinaus.

Workflow & Praxis

Ein weiterer Pluspunkt ist die unmittelbare Einsetzbarkeit im Mix. Die Sounds wirken bereits von Haus aus erstaunlich produziert, ohne dabei überbearbeitet zu erscheinen. Vorab abgestimmte EQ-Charakteristika und eine sehr musikalische Kompression sorgen fast automatisch für Studio-Feeling.

Oft genügt ein wenig Feintuning – und das Signal sitzt genau dort, wo es sitzen soll.Gerade in modernen Produktionsumgebungen, in denen Geschwindigkeit ebenso wichtig ist wie maximale Klangqualität, stellt dies einen erheblichen Vorteil dar. Die Monarch-&-Chimera-Collection liefert weniger Demo-Sounds als vielmehr fertige Studio-Resultate.

Fazit – Boutique-DNA digital konsequent weitergedacht

Die Mixwave Benson Monarch & Chimera Collection ist nicht einfach ein weiteres Amp-Plugin im inzwischen überfüllten Markt der Verstärker-Emulationen. Sie ist vielmehr der erfolgreiche Versuch, jene schwer greifbare Boutique-DNA in den digitalen Raum zu übertragen, ohne sie zu glätten oder zu vereinfachen.

Im Bereich hochwertiger Clean- bis Medium-Gain-Amps zählt sie ohne Zweifel zu den besten Lösungen, die derzeit erhältlich sind. Was man erhält, ist kein steriles Abbild historischer Verstärker, sondern ein lebendiges Instrument mit Ecken, Kanten und genau jener klanglichen Tiefe, die man von einem echten Boutique-Setup erwartet. Monarch und Chimera sind Amp-Sims auf Referenzniveau – dynamisch, charakterstark und mit einer Authentizität, die selbst anspruchsvolle Gitarristen und Produzenten überzeugen dürfte.