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| Credit Bild: © FreqPort |
Spicey
SPICE, ursprünglich
entwickelt für die Simulation elektronischer Schaltungen, erlaubt theoretisch
wesentlich präzisere Nachbildungen tatsächlicher analoger
Komponenteninteraktionen. Anders formuliert: Hier wird nicht bloß versucht den
Klang analoger Hardware oberflächlich zu approximieren sondern deren
physikalisches Verhalten mathematisch nachzubilden. Das Ergebnis: FT1-EMU
klingt auffallend organisch. Besonders bei moderaten Drive-Einstellungen
entsteht jene schwer greifbare Mischung aus harmonischer Verdichtung, leichter
Kompression und subtiler Tiefenstaffelung, die man von guten analogen
Röhrenschaltungen kennt.
Interessant ist dabei
vor allem die Dynamikreaktion. Manche digitale Saturation-Plugins wirken bei
stärkeren Einstellungen relativ statisch oder „flach“. FT1-EMU reagiert dagegen
spürbar lebendiger auf Transienten und Pegelschwankungen. Gerade auf Drums,
Synth-Bässen oder Vocals entsteht ein angenehm elastisches Verhalten, das
tatsächlich eher an Hardware erinnert als an klassische DSP-Sättigung.
Besonders gelungen ist
die Möglichkeit unterschiedliche Röhrentypen zu verwenden, nämlich E83CC und
12AT7. Während eine Konfiguration aggressiver und dichter klingt, liefert die
andere eher weichere harmonische Färbungen mit subtilerem Obertonspektrum. Das Plugin bewegt sich dadurch klanglich irgendwo zwischen
klassischer Röhrensättigung, harmonischem Exciter und Tone-Shaping-Tool.
Filtersektion: Fast
schon ein Sounddesign-Plugin
Was FT1-EMU zudem
deutlich von simpleren Saturation-Plugins abhebt, ist die umfangreiche
Filterarchitektur. Hier merkt man schnell, dass Freqport nicht bloß „Vintage
Mojo“ liefern wollte sondern ein ernstzunehmendes Klangbearbeitungswerkzeug.
Die Kombination aus
Wet- und Dry-Filterpfaden erlaubt bemerkenswert präzise Eingriffe. Lowpass-,
Highpass-, Peaking- oder Bandpass-Charakteristika können separat auf
unterschiedliche Signalanteile wirken, wodurch sich sehr gezielt bestimmte
Frequenzbereiche sättigen oder harmonisch anreichern lassen.
Gerade im Parallelbetrieb entstehen dadurch extrem musikalische Ergebnisse. Man kann beispielsweise lediglich die oberen Mitten aggressiv sättigen während die Tiefen kontrolliert und sauber bleiben. Oder umgekehrt gezielt Sub-Bereiche andicken ohne den Rest des Signals komplett zu verschmieren. In Verbindung mit den verschiedenen Filterflanken und Resonanzoptionen entwickelt FT1-EMU stellenweise fast schon den Charakter eines experimentellen Sounddesign-Tools statt bloß eines klassischen Mixing-Prozessors.
Wer die FreqTube FT 1
Hardware sein Eigen nennt, kann dieses Plugin btw auch direkt mit dem analogen
Gerät verbinden und so einen Hybrid-Worklflow realisieren.
Fazit:
In einem von
Sättigungs-Plugins übersättigten Markt liefert FreqTube einen weiteren Flavor
analoger Wärme in die Heimstudio-Recordings. Das erfindet zwar im Endergebnis
das Rad nicht vollends neu, liefert aber dennoch extrem gute Sounds, die man –
wenn man sie einmal angewendet hat – nicht mehr missen möchte. Hinzu kommen clevere Ergänzungen, die nicht jedes Stauration-Plugin mitbringt und die beim Mixing & Mastering äußerst gute Resultate liefern. Gerade die Möglichkeit die Harmonics gezielt zu steuern und die Röhrentypen zu wählen machen dieses gut klingende und optisch ebenso attraktive Plugin zu einem Leckerbissen für Sound-Connoiseure die in Sachen Saturation noch nicht satt sind.
