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| Credit Bild: © Synape Audio |
Die
Interpretation des ikonischen OB-Xa aus der Hand der Software-Schmiede Synapse
Audio präsentiert sich stilvoll retro im Design und bemerkenswert authentisch
im Klang. Die charakteristische Architektur und Soundästhetik des Originals
wurden mit großer Detailtreue digital nachgebildet. Zwei Oszillatoren bilden
die klangliche Grundlage, ergänzt durch ein umschaltbares Tiefpassfilter mit
zwei oder vier Polen, zwei ADSR-Hüllkurven sowie zwei LFOs. Die Engine basiert auf
einer modellierten Emulation analoger Schaltungen, um die typischen klanglichen
Eigenschaften der historischen Hardware möglichst originalgetreu zu
reproduzieren.
Jump!
Im Praxis-Test
zeigt sich schnell, dass Synapse Audio hier alles andere als zu viel
versprochen hat. Das berühmte Brass-Ensemble – einer der Signature-Sounds der
Original-Hardware, etwa zu hören in Jump von Van Halen – wird unglaublich
authentisch und mit diesem subtilen Synth-Brass-Growl reproduziert.30 Minuten
später, nachdem man sich längst in diesem authentischen Eighties-Sound verloren
hat, fällt einem plötzlich auf: Da gibt es noch viel mehr Presets zu entdecken.
Extrem gute Strings, warme Pads und druckvolle Bässe sorgen ebenso für
Begeisterung wie rhythmische Presets, die sofort Assoziationen an klassischen
Synth-Pop hervorrufen.
Ein zentrales
Merkmal von Obsession ist die Simulation individueller Stimmenkarten („Voice
Boards“). Jede einzelne Stimme kann leichte Abweichungen bei Parametern wie
Filter-Cutoff oder Hüllkurvenzeiten aufweisen. Genau diese minimalen
Unterschiede erzeugen jene lebendige, organische Klangcharakteristik, die
analoge Poly-Synthesizer bis heute so faszinierend macht.
Technisch
bietet der virtuelle Synthesizer eine Engine mit wahlweise acht oder sechzehn
Stimmen. Zusätzlich stehen verschiedene Spielmodi wie Single-, Dual- und
Split-Konfigurationen zur Verfügung, mit denen mehrere Sounds kombiniert oder
über unterschiedliche Tastaturbereiche verteilt werden können. Moderne
Produktionsanforderungen berücksichtigt das Instrument zudem durch
MPE-Unterstützung sowie die Integration in das
Native-Kontrol-Standard-Ökosystem.
Obsessive
Attention to Detail
Effektseitig liefert Synapse Audio absolute Spitzenklasse ab. Besonders hervorzuheben sind der fast schon vokalartige Hall – hier und da beinahe chorartig schimmernd – sowie der extrem fette Chorus, der vielen Sounds erst diese majestätische Breite verleiht. Manche Presets sorgen regelrecht für Gänsehaut.
Dass ein
Arpeggiator fehlt, ist zwar historisch korrekt, als zusätzlicher Bonus wäre er
dennoch eine willkommene Ergänzung gewesen.
Ein sogenannter
„Organic“-Regler simuliert temperaturbedingte Schwankungen analoger Bauteile
und sorgt dadurch für zusätzliche klangliche Bewegung und noch mehr
Vintage-Charakter. Darüber hinaus verfügt Obsession über erweiterte
Modulationsmöglichkeiten, darunter Step-LFOs und frei editierbare
Modulationskurven, mit denen sich nahezu jeder Parameter rhythmisch oder
dynamisch beeinflussen lässt. Mehrere hundert Presets liefern bereits ab Werk
eine breite Auswahl an klassischen Synth-Flächen, Bässen, Leads und
experimentellen Klangtexturen.
Fazit
Frei nach dem
schöngeistig-dekadenten Dichterfürsten Axl Rose handelt es sich bei „Obsession“
aus dem Hause Synapse Audio mitnichten um eine „bad obsession“ – vielmehr um
eine ausgesprochen süße Versuchung für Anhänger der legendären
Oberheim-Klangphilosophie und Freunde vielseitiger Vintage-Synthesizer. Eindeutig
eine der besten Oberheim-Emulationen am Markt.
