Samstag, 9. Mai 2026

SYNAPSE AUDIO – OBSESSION Test: Oberklasse Oberheim

Credit Bild: © Synape Audio
Der Oberheim OB-Xa gehört zweifellos zu den ganz großen Klassikern der Synthesizer-Geschichte: brachiale Bässe, massive Pads und natürlich diese legendären Prince-Strings. Mit „Obsession“ bringt der Wiesbadener Software-Hersteller Synapse Audio einen virtuellen Synthesizer auf den Markt, der den Sound dieses klassischen analogen Poly-Synths beeindruckend authentisch in die moderne Musikproduktion überträgt.

Die Interpretation des ikonischen OB-Xa aus der Hand der Software-Schmiede Synapse Audio präsentiert sich stilvoll retro im Design und bemerkenswert authentisch im Klang. Die charakteristische Architektur und Soundästhetik des Originals wurden mit großer Detailtreue digital nachgebildet. Zwei Oszillatoren bilden die klangliche Grundlage, ergänzt durch ein umschaltbares Tiefpassfilter mit zwei oder vier Polen, zwei ADSR-Hüllkurven sowie zwei LFOs. Die Engine basiert auf einer modellierten Emulation analoger Schaltungen, um die typischen klanglichen Eigenschaften der historischen Hardware möglichst originalgetreu zu reproduzieren.

Jump!

Im Praxis-Test zeigt sich schnell, dass Synapse Audio hier alles andere als zu viel versprochen hat. Das berühmte Brass-Ensemble – einer der Signature-Sounds der Original-Hardware, etwa zu hören in Jump von Van Halen – wird unglaublich authentisch und mit diesem subtilen Synth-Brass-Growl reproduziert.30 Minuten später, nachdem man sich längst in diesem authentischen Eighties-Sound verloren hat, fällt einem plötzlich auf: Da gibt es noch viel mehr Presets zu entdecken. Extrem gute Strings, warme Pads und druckvolle Bässe sorgen ebenso für Begeisterung wie rhythmische Presets, die sofort Assoziationen an klassischen Synth-Pop hervorrufen.

Ein zentrales Merkmal von Obsession ist die Simulation individueller Stimmenkarten („Voice Boards“). Jede einzelne Stimme kann leichte Abweichungen bei Parametern wie Filter-Cutoff oder Hüllkurvenzeiten aufweisen. Genau diese minimalen Unterschiede erzeugen jene lebendige, organische Klangcharakteristik, die analoge Poly-Synthesizer bis heute so faszinierend macht.

Technisch bietet der virtuelle Synthesizer eine Engine mit wahlweise acht oder sechzehn Stimmen. Zusätzlich stehen verschiedene Spielmodi wie Single-, Dual- und Split-Konfigurationen zur Verfügung, mit denen mehrere Sounds kombiniert oder über unterschiedliche Tastaturbereiche verteilt werden können. Moderne Produktionsanforderungen berücksichtigt das Instrument zudem durch MPE-Unterstützung sowie die Integration in das Native-Kontrol-Standard-Ökosystem.

Obsessive Attention to Detail

Effektseitig liefert Synapse Audio absolute Spitzenklasse ab. Besonders hervorzuheben sind der fast schon vokalartige Hall – hier und da beinahe chorartig schimmernd – sowie der extrem fette Chorus, der vielen Sounds erst diese majestätische Breite verleiht. Manche Presets sorgen regelrecht für Gänsehaut.

Dass ein Arpeggiator fehlt, ist zwar historisch korrekt, als zusätzlicher Bonus wäre er dennoch eine willkommene Ergänzung gewesen.

Ein sogenannter „Organic“-Regler simuliert temperaturbedingte Schwankungen analoger Bauteile und sorgt dadurch für zusätzliche klangliche Bewegung und noch mehr Vintage-Charakter. Darüber hinaus verfügt Obsession über erweiterte Modulationsmöglichkeiten, darunter Step-LFOs und frei editierbare Modulationskurven, mit denen sich nahezu jeder Parameter rhythmisch oder dynamisch beeinflussen lässt. Mehrere hundert Presets liefern bereits ab Werk eine breite Auswahl an klassischen Synth-Flächen, Bässen, Leads und experimentellen Klangtexturen.

Fazit

Frei nach dem schöngeistig-dekadenten Dichterfürsten Axl Rose handelt es sich bei „Obsession“ aus dem Hause Synapse Audio mitnichten um eine „bad obsession“ – vielmehr um eine ausgesprochen süße Versuchung für Anhänger der legendären Oberheim-Klangphilosophie und Freunde vielseitiger Vintage-Synthesizer. Eindeutig eine der besten Oberheim-Emulationen am Markt.