![]() |
| Credit Bild: © Synapse Audio |
Im direkten Vergleich
zum weitaus berühmteren großen Bruder, dem
legendären Prophet-5, fristete der Prophet-600 in der öffentlichen
Wahrnehmung ein Schattendasein. Dabei gebührt genau diesem Instrument ein
historischer Ehrenplatz im Pantheon der Musiktechnologie: Als er Anfang der
Achtzigerjahre auf den Markt kam, war er der allererste kommerzielle
Synthesizer überhaupt, der eine serienmäßige MIDI-Schnittstelle aufzuweisen
hatte. Zudem war er preislich deutlich erschwinglicher kalkuliert als der für
viele unlesitbare Nobel-Kultsynth Prophet-5. Damit stieß er die Studiotüren
weit auf und ebnete einer ganzen Generation von Musikern den Weg in die
polyphone, vernetzte Studio-Zukunft.
Dunkle Schwere und
Achtziger-Nostalgie
Dass Synapse Audio ein
goldenes Händchen für die Rekonstruktion analoger Schaltkreise besitzt, haben
sie in der Vergangenheit oft genug bewiesen – man denke an Hans
Zimmers Cinematic Synth The
Legend HZ oder ihre Oberheim-Emulation
namens Obsession. Auch beim Proxima wird diese Expertise sofort spürbar.
Jene charakteristische dunkle Bassigkeit und die physisch greifbare, analoge
Schwere - die man getrost als klangliche Signature und Qualitätsmerkmal der
Synthesizer-Designs von Synapse Audio bezeichnen darf - dominiert und zeichnet
auch dieses Plugin in exemplarischer Weise aus. Der Proxima klingt nicht nach
sterilem Code, er atmet den ungeschminkten, leicht unberechenbaren Geist echter
Vintage Hardware.
Die popkulturellen
Referenzen springen einen beim ersten Anspielen der Presets geradezu an. Die
Synth-Pioniere der US-Band Mr. Mister sollen den Original-Synth angeblich
intensiv bei ihrem Welthit „Kyrie“ eingesetzt haben - und exakt so klingt die
Engine des Plugins auch: unverhohlen und kompromisslos nach den glorreichen
Eighties. Das ist Nostalgie pur, allerdings ohne den typischen, dünnen
Plastik-Beigeschmack.
Der „kleine“
Prophet
Hinter der nostalgischen Fassade verbirgt sich jedoch noch mehr: nämlich ein beachtliches Arbeitspferd für den modernen Studioalltag. Die dem Original inhärente Flexibilität wurde von Synapse Audio perfekt in die digitale Domäne übersetzt und erweitert, etwa um die bekannten Modulationseffekte des Herstellers. Der Proxima erweist sich als erstaunlich vielseitiges Chamäleon: Charakteristische, wunderbar schräge „Faux Strings“, dichte, analog flirrende Pads und markerschütternde Bass-Strukturen, die im Low-End wunderbar aufräumen - hier ist schlicht alles da, was das Producer-Herz begehrt. Der Synth lädt mit seiner aufgeräumten Oberfläche dazu ein, zu experimentieren. Es ist faszinierend, wie mühelos der Spagat zwischen historisch akkurater Retro-Ästhetik und modernem, Mix-ready-Sounddesign gelingt. Jedes Filter-Routing und jede Modulationsstufe verhält sich so organisch, wie man es von erstklassigen analogen Emulationen erwartet.
Besonders hervorzuheben:
das Original ermöglichte dank integriertem Arpeggiator und Sequencer die typischen
Eighties-Rhythmus - Sounds – und dies ist auch hier abrufbar und zudem eine
Forte dieses Plugins: Klänge als würde man den Score für einen von italienischen
Galli beeinflussten Eighties-Slasher schrieben, sind instantly abrufbar.
Fazit
Der Sequential
Circuits Prophet-600 ist ein klanglich ungemein interessantes Gerät – und Synapses
Emulation steht dem in nichts nach und beweist dass es sich lohnt, die
ausgetretenen Pfade der bekannten Synth-Klassiker zu verlassen. Ein eigentlich übersehener
Synth wird hier nicht nur vor dem digitalen Vergessen bewahrt, sondern als
hochgradig produktives Werkzeug für das zeitgenössische Studio wiedergeboren.
