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| Credit Bild: © XilsLab |
Und tatsächlich: Dem
CS-80 wohnt ein Geist inne, den kaum ein anderes Instrument jemals wieder
einfangen konnte. Der französische Plugin-Hersteller Xils-Lab hat nun seine eigene, digitale Emulation vorgelegt, die mit allen Eigenheiten, kleinen
„Quirks“ und einem verblüffend analogen Klangbild aufwartet. Unter dem
selbstbewussten Namen The Eighty offeriert dieser Synthesizer authentische
CS-80-Sounds und zelebriert den Sound der späten Siebzigerjahre (1977 erblickte
der Bolide das Licht der Welt) sowie der frühen Achtziger in einer Präzision,
die den Puristen aufatmen lässt.
Der CS-80: Ein
Monolith zwischen Pop und Filmmusik
Auch wenn der CS-80
auf diversen großen Pop-Produktionen zu hören ist, ein klassischer, leicht zu
bändigender Pop-Synth ist er eigentlich nicht. Ihm wohnt immer etwas Cinematic
inne. Sein Klang ist breit, organisch und wirkt fast schon lebendig – er „atmet“
in einer Weise, die moderne, klinisch reine VST-Instrumente oft vermissen
lassen. XILS-lab hat eine Emulation geschaffen, bei der man in
jeder Sekunde merkt, dass hier regelrechte Synthesizer-Maniacs am Werk waren,
die das Original nicht nur als Datenblatt, sondern als Instrument verstanden
haben.
Die Software-Version
liefert eine schwindelerregende Anzahl an Reglern und ist mit so viel Liebe zum
Detail erstellt worden, dass man sich beim ersten Laden der GUI fast schon in
den Gorbals Sound Studios oder bei Vangelis im Heimstudio wähnt. Alles wirkt
haptisch, alles wirkt nach einer Epoche, in der Synthesizer noch physikalische
Monster waren, die man zähmen musste. Während andere Emulationen oft nur an der
Oberfläche kratzen, hat XILS-lab die komplexe Architektur der zwei parallelen
Synthesizer-Stimmen akribisch abgebildet. Man hört förmlich das Rauschen der
virtuellen Komponenten, die feinen Instabilitäten der Oszillatoren, die dem
Sound diese organische „Brüchigkeit“ verleihen, die man heute so schmerzlich
vermisst. Es ist eben nicht nur ein statischer Sound, sondern ein lebendiges
System, das auf jeden Druck auf das Modulationsrad und – sofern ein
entsprechender Controller vorhanden ist – auf den polyphonen Aftertouch
reagiert.
Die Architektur des
Eigenwilligen: Handling und Spielweise
Das Original war ein
eigenwilliger, äußerst komplexer Synthesizer, dessen spezifische
Schiebeschalter und die archaisch anmutende Bedienoberfläche einiges an Übung
erforderten, um wirklich komplexe Sounds zu kreieren. Der Softsynth von
XILS-lab ist nun eine 1:1-Kopie – sowohl vom Design als auch vom spezifischen
Handling. Wer hier schnelle „Preset-Hopping“-Erfolge sucht, wird zunächst
vielleicht an seine Grenzen stoßen, denn dieses Plugin möchte erlernt werden.
Doch genau das ist
seine Stärke: Er erzwingt eine Beschäftigung mit der Materie. Wer die
Funktionsweise der zwei parallelen Synthesizer-Stimmen, der Ringmodulation und
der berühmten, polyphonen Aftertouch-Steuerung verstanden hat, wird mit
Texturen belohnt, die an organischer Tiefe kaum zu überbieten sind. Die
Schiebeschalter und Regler reagieren dabei so direkt, wie man es von einem
modernen Plugin kaum erwartet – die Programmierung eines Sounds fühlt sich hier
fast schon wie eine haptische Erfahrung an.
Was The Eighty von
anderen Emulationen abhebt, ist die Art und Weise, wie die verschiedenen Ebenen
des Sounds ineinandergreifen. Man kann hier nicht einfach „Presets
durchklicken“ – man muss verstehen, wie der CS-80 funktioniert, um seine volle
Magie freizusetzen. Es ist ein Instrument für Entdecker. Die subtile
Modulation, die man über die unzähligen Schieberegler im „Performance“-Bereich
erreicht, ermöglicht es, den Klangcharakter während des Spielens völlig zu
transformieren – von einem sanften, fast flüsternden Pad bis hin zu einem
brachialen, röhrenden Brass-Sound, der durch Mark und Bein geht. Die Lernkurve
ist steil, das ist unbestritten, aber der Lohn für diese Mühe ist eine
klangliche Souveränität, die man sonst nur bei analogen Veteranen findet. Man
lernt hier nicht nur ein Plugin kennen, man lernt die Philosophie der
klassischen Synthese.
Modernisierung in
homöopathischen Dosen
Um den Ur-Synth für den modernen Workflow zu rüsten, wurde er mit einigen wenigen, aber sehr durchdachten Änderungen erweitert. Es gibt eine Handvoll Effekte wie Reverb oder Phaser; diese verfälschen den Grundsound jedoch zu keinem Zeitpunkt. Sie sind optional und zudem eher dezent abgestimmt. Für manche User mag das mitunter fast zu dezent sein – wer dramatischere oder extremere FX wünscht, muss sich zwangsläufig anderer Plugins als Ergänzung bedienen.
Das ist jedoch kein
Manko, sondern eine Entscheidung für die Integrität. Da dieser Softsynth trotz
seiner logischerweise digitalen Herkunft extrem analog und „echt“ tönt,
harmoniert er wunderbar mit externen Effektketten. Er bleibt dem originären
CS-80-Signature-Sound jederzeit treu, ohne in den „Plugin-Brei“ abzudriften.
The Eighty ist damit kein Allrounder für den schnellen EDM-Beat, sondern ein
hochspezialisiertes Instrument für alle, die das cineastische Breitwand-Epos
suchen.
Darüber hinaus hat
XILS-lab sinnvoll an der „User-Experience“-Schraube gedreht, ohne den
historischen Kontext zu verwässern. Die Modulationsmöglichkeiten wurden
erweitert, was es ermöglicht, den Sound in Richtungen zu bewegen, von denen ein
CS-80-Besitzer in den Siebzigern nur hätte träumen können. Dennoch bleibt der
Charakter stets erhalten: Es ist und bleibt eine „große“ Maschine, die einen
ganzen Song tragen kann, ohne den Mix zu überladen.
Fazit
Wer den Geist von
Blade Runner in seiner eigenen DAW einfangen will, kommt an diesem Tool
schlichtweg nicht vorbei. XILS-lab ist es gelungen, den CS-80 nicht nur zu
kopieren, sondern ihn in die digitale Ära zu übersetzen, ohne ihn zu
„entseelen“. Es ist ein Instrument für den Synth-Connaisseur, die
bereit sind, Zeit in das Sounddesign zu investieren. In einer Welt von
schnellen Sample-Packs und tausenden „Instant-Gratification“-Presets ist The Eighty ein erfrischend anspruchsvoller, komplexer und zutiefst musikalischer
Ankerpunkt. Ein Meisterwerk der Emulationskunst, das den Namen der japanischen
Legende mit Stolz trägt. Wer einmal die monumentale Breite dieser Brass-Sounds
gehört oder die schwebenden, beinahe unendlichen Pads eines gut programmierten
Patches erlebt hat, der weiß: THE EIGHTY ist mehr als nur Software – es ist
eine Zeitmaschine, die die goldene Ära der Synthesizer direkt auf das eigene
Masterkeyboard holt.
