Dienstag, 7. Juli 2026

XILS-LAB THE EIGHTY Test: Vangelis, Toto und der Klang des digitalen Olymps

Credit Bild: © XilsLab
Vangelis, Blade Runner, Chariots of Fire, Toto, Africa – das sind die Assoziationen, die einem sofort in den Sinn kommen, wenn man an Yamahas einstiges Synth-Flaggschiff, den legendären CS-80, denkt. Das Original beschritt seinerzeit völlig neue Wege. Für Vangelis war es schlicht der beste Synthesizer, der jemals gebaut wurde; er wurde Teil seines Signature-Sounds und lieferte dem Klangmagier sein eigenes, digitales Orchester. Steve Porcaro von Toto – die weltberühmten, so charakteristischen Brass-Sounds auf dem Welthit „Africa“ stammen beispielsweise von einem CS-80 – liebt diesen Synthesizer bis heute und verlieh ihm das Prädikat, besonders „musikalisch“ zu sein.

Und tatsächlich: Dem CS-80 wohnt ein Geist inne, den kaum ein anderes Instrument jemals wieder einfangen konnte. Der französische Plugin-Hersteller Xils-Lab hat nun seine eigene, digitale Emulation vorgelegt, die mit allen Eigenheiten, kleinen „Quirks“ und einem verblüffend analogen Klangbild aufwartet. Unter dem selbstbewussten Namen The Eighty offeriert dieser Synthesizer authentische CS-80-Sounds und zelebriert den Sound der späten Siebzigerjahre (1977 erblickte der Bolide das Licht der Welt) sowie der frühen Achtziger in einer Präzision, die den Puristen aufatmen lässt.

Der CS-80: Ein Monolith zwischen Pop und Filmmusik

Auch wenn der CS-80 auf diversen großen Pop-Produktionen zu hören ist, ein klassischer, leicht zu bändigender Pop-Synth ist er eigentlich nicht. Ihm wohnt immer etwas Cinematic inne. Sein Klang ist breit, organisch und wirkt fast schon lebendig – er „atmet“ in einer Weise, die moderne, klinisch reine VST-Instrumente oft vermissen lassen. XILS-lab hat eine Emulation geschaffen, bei der man in jeder Sekunde merkt, dass hier regelrechte Synthesizer-Maniacs am Werk waren, die das Original nicht nur als Datenblatt, sondern als Instrument verstanden haben.

Die Software-Version liefert eine schwindelerregende Anzahl an Reglern und ist mit so viel Liebe zum Detail erstellt worden, dass man sich beim ersten Laden der GUI fast schon in den Gorbals Sound Studios oder bei Vangelis im Heimstudio wähnt. Alles wirkt haptisch, alles wirkt nach einer Epoche, in der Synthesizer noch physikalische Monster waren, die man zähmen musste. Während andere Emulationen oft nur an der Oberfläche kratzen, hat XILS-lab die komplexe Architektur der zwei parallelen Synthesizer-Stimmen akribisch abgebildet. Man hört förmlich das Rauschen der virtuellen Komponenten, die feinen Instabilitäten der Oszillatoren, die dem Sound diese organische „Brüchigkeit“ verleihen, die man heute so schmerzlich vermisst. Es ist eben nicht nur ein statischer Sound, sondern ein lebendiges System, das auf jeden Druck auf das Modulationsrad und – sofern ein entsprechender Controller vorhanden ist – auf den polyphonen Aftertouch reagiert.

Die Architektur des Eigenwilligen: Handling und Spielweise

Das Original war ein eigenwilliger, äußerst komplexer Synthesizer, dessen spezifische Schiebeschalter und die archaisch anmutende Bedienoberfläche einiges an Übung erforderten, um wirklich komplexe Sounds zu kreieren. Der Softsynth von XILS-lab ist nun eine 1:1-Kopie – sowohl vom Design als auch vom spezifischen Handling. Wer hier schnelle „Preset-Hopping“-Erfolge sucht, wird zunächst vielleicht an seine Grenzen stoßen, denn dieses Plugin möchte erlernt werden.

Doch genau das ist seine Stärke: Er erzwingt eine Beschäftigung mit der Materie. Wer die Funktionsweise der zwei parallelen Synthesizer-Stimmen, der Ringmodulation und der berühmten, polyphonen Aftertouch-Steuerung verstanden hat, wird mit Texturen belohnt, die an organischer Tiefe kaum zu überbieten sind. Die Schiebeschalter und Regler reagieren dabei so direkt, wie man es von einem modernen Plugin kaum erwartet – die Programmierung eines Sounds fühlt sich hier fast schon wie eine haptische Erfahrung an.

Was The Eighty von anderen Emulationen abhebt, ist die Art und Weise, wie die verschiedenen Ebenen des Sounds ineinandergreifen. Man kann hier nicht einfach „Presets durchklicken“ – man muss verstehen, wie der CS-80 funktioniert, um seine volle Magie freizusetzen. Es ist ein Instrument für Entdecker. Die subtile Modulation, die man über die unzähligen Schieberegler im „Performance“-Bereich erreicht, ermöglicht es, den Klangcharakter während des Spielens völlig zu transformieren – von einem sanften, fast flüsternden Pad bis hin zu einem brachialen, röhrenden Brass-Sound, der durch Mark und Bein geht. Die Lernkurve ist steil, das ist unbestritten, aber der Lohn für diese Mühe ist eine klangliche Souveränität, die man sonst nur bei analogen Veteranen findet. Man lernt hier nicht nur ein Plugin kennen, man lernt die Philosophie der klassischen Synthese.

Modernisierung in homöopathischen Dosen

Um den Ur-Synth für den modernen Workflow zu rüsten, wurde er mit einigen wenigen, aber sehr durchdachten Änderungen erweitert. Es gibt eine Handvoll Effekte wie Reverb oder Phaser; diese verfälschen den Grundsound jedoch zu keinem Zeitpunkt. Sie sind optional und zudem eher dezent abgestimmt. Für manche User mag das mitunter fast zu dezent sein – wer dramatischere oder extremere FX wünscht, muss sich zwangsläufig anderer Plugins als Ergänzung bedienen.

Das ist jedoch kein Manko, sondern eine Entscheidung für die Integrität. Da dieser Softsynth trotz seiner logischerweise digitalen Herkunft extrem analog und „echt“ tönt, harmoniert er wunderbar mit externen Effektketten. Er bleibt dem originären CS-80-Signature-Sound jederzeit treu, ohne in den „Plugin-Brei“ abzudriften. The Eighty ist damit kein Allrounder für den schnellen EDM-Beat, sondern ein hochspezialisiertes Instrument für alle, die das cineastische Breitwand-Epos suchen.

Darüber hinaus hat XILS-lab sinnvoll an der „User-Experience“-Schraube gedreht, ohne den historischen Kontext zu verwässern. Die Modulationsmöglichkeiten wurden erweitert, was es ermöglicht, den Sound in Richtungen zu bewegen, von denen ein CS-80-Besitzer in den Siebzigern nur hätte träumen können. Dennoch bleibt der Charakter stets erhalten: Es ist und bleibt eine „große“ Maschine, die einen ganzen Song tragen kann, ohne den Mix zu überladen.

Fazit

Wer den Geist von Blade Runner in seiner eigenen DAW einfangen will, kommt an diesem Tool schlichtweg nicht vorbei. XILS-lab ist es gelungen, den CS-80 nicht nur zu kopieren, sondern ihn in die digitale Ära zu übersetzen, ohne ihn zu „entseelen“. Es ist ein Instrument für den Synth-Connaisseur, die bereit sind, Zeit in das Sounddesign zu investieren. In einer Welt von schnellen Sample-Packs und tausenden „Instant-Gratification“-Presets ist The Eighty ein erfrischend anspruchsvoller, komplexer und zutiefst musikalischer Ankerpunkt. Ein Meisterwerk der Emulationskunst, das den Namen der japanischen Legende mit Stolz trägt. Wer einmal die monumentale Breite dieser Brass-Sounds gehört oder die schwebenden, beinahe unendlichen Pads eines gut programmierten Patches erlebt hat, der weiß: THE EIGHTY ist mehr als nur Software – es ist eine Zeitmaschine, die die goldene Ära der Synthesizer direkt auf das eigene Masterkeyboard holt.