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| Credit Coverbild: © Prestel Verlag |
2026 wäre sie
100 geworden. Anlässlich dieses Jubiläums erscheint mit "Marilyn Monroe 100" ein hochwertiger Bildband, der sich nicht nur als Hommage
an eine Hollywood-Legende versteht, sondern zugleich als sorgfältig kuratierte
Zeitreise durch Leben, Karriere und öffentliche Wahrnehmung einer Frau, die
weit mehr war als die berühmteste Blondine der Filmgeschichte.
Bereits die
äußere Gestaltung macht deutlich, dass man es hier nicht mit einer gewöhnlichen
Bild-Biografie zu tun hat. Diese "Centennial Edition" präsentiert sich in einer
ausgesprochen edlen Aufmachung, deren hochwertige Verarbeitung dem Status ihres
Sujets gerecht wird. Der schwere Band ist ein bibliophiles Sammlerstück für
Liebhaber klassischer Hollywood-Fotografie.
Besonders beeindruckend ist die Qualität der Reproduktionen. Die Bilder erscheinen
in beeindruckender Brillanz und Detailtiefe. Die wahre Stärke des Bandes liegt
jedoch in seiner fotografischen Auswahl. Marilyn vor den Kameras der größten
Fotografen ihrer Zeit. Vertreten sind zahlreiche der bedeutendsten Bildkünstler
des 20. Jahrhunderts, darunter Eve Arnold, Richard Avedon, Henri
Cartier-Bresson oder Sam Shaw – jenes legendäre Foto eingeschlossen, das
Marilyn Monroe im weißen Kleid über dem U-Bahn-Schacht während der Dreharbeiten
zu „The Seven Year Itch“ zeigt und längst zur Ikone der Popgeschichte geworden
ist.
Dabei
beschränkt sich der Band erfreulicherweise nicht ausschließlich auf die
bekannten Motive. Auffallend viele Aufnahmen dürften selbst langjährigen
Monroe-Fans bislang kaum begegnet sein oder wurden nur äußerst selten
publiziert. Gerade diese Mischung aus ikonischen Bildern und weniger bekannten
Fotografien verleiht dem Buch seinen besonderen Reiz.
Vielleicht
liegt die größte Qualität dieses Buchs darin, dass es Marilyn
Monroe nicht ausschließlich als Verkörperung des amerikanischen
Nachkriegs-Glamours präsentiert. Autorin und Kulturkritikerin Rachel Syme
widmet sich in ihrem einfühlsamen Vorwort genau diesen Widersprüchen: Marilyn
war eine Frau, die zwar als „Blonde Bombshell“ weltberühmt wurde, gleichzeitig
jedoch leidenschaftlich Dostojewski las, Bücher sammelte, sich intensiv für
Literatur interessierte und weit gebildeter war, als ihr öffentliches Image
vermuten ließ. Monroe erscheint als jemand, der sich selbst immer wieder neu
erfand – aus Norma Jeane Baker wurde Marilyn Monroe, aus dem schüchternen
Waisenmädchen die wohl berühmteste Filmikone ihrer Generation. Gerade diese
Ambivalenz zwischen Kunstfigur und Privatperson zieht sich wie ein roter Faden
durch den gesamten Band.
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| Credit Bild: © Florea Diamonds |
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| Credit Bild: © Elliott Erwitt |
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| Credit Bild: © Sam Shaw |
vergleichsweise zurückhaltend behandelt werden. Dies hängt wohl auch damit zusammen, dass dieses Buch in enger Zusammenarbeit mit dem Marilyn Monroe Estate entstanden ist. Der Fokus liegt also weniger auf Sensationslust oder spekulativen Deutungen als vielmehr auf dem Lebenswerk und dem kulturellen Vermächtnis der Schauspielerin. Für Leser, die eine investigative Biografie erwarten, mag dies eine kleine Einschränkung darstellen.
Die
zahlreichen Fotosessions offenbaren eine erstaunliche Nähe. Manche Aufnahmen
wirken für ihre Entstehungszeit beinahe überraschend intim und persönlich. Sie
zeigen keine perfekte Leinwandgöttin, sondern eine nachdenkliche Frau, die
zwischen Unsicherheit, Selbstbewusstsein und Professionalität pendelt. Immer
wieder entsteht der Eindruck, als habe Marilyn den Fotografen bewusst Einblicke
hinter die sorgfältig aufgebaute Fassade gewährt. Diese Momente verleihen dem
Band eine bemerkenswerte emotionale Tiefe.
Auch textlich überzeugt die Centennial Edition. Die vielen Originalzitate und zeitgenössischen Aussagen vermitteln ein wesentlich differenzierteres Bild, als es populäre Monroe-Klischees vermuten lassen. Selbst wer bereits zahlreiche Biografien über Marilyn Monroe gelesen hat, wird hier zwar kaum revolutionär neue Fakten entdecken. Die zusammengestellten O-Töne eröffnen jedoch interessante Einblicke in ihr Innenleben und zeigen eindrucksvoll, wie reflektiert, intelligent und selbstkritisch sie tatsächlich war. In Zeiten permanenter Social-Media-Präsenz und ständiger öffentlicher Verfügbarkeit wirkt Marilyns sorgfältig kultivierter Mythos beinahe wie ein Relikt aus einer anderen Welt. Sie verkörpert den klassischen Hollywood-Star im ursprünglichen Sinn: geschaffen von den Studios, umgeben von Geheimnissen, stilisiert zur Legende. Eine vergleichbare Aura besitzen heutige Prominente kaum noch.
Gerade deshalb
entfalten diese Fotografien heute eine fast magische Wirkung. Dieser Band ist eine visuelle Liebeserklärung an eine Frau
voller Widersprüche. Ein prachtvolles Buch über einen Star, wie es ihn
wahrscheinlich nie wieder geben wird.
Marilyn Monroe 100,
erschienen im Prestel Verlag



