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| Credit Bild: © Two Notes Audio Engineering |
Entsprechend heiß
umkämpft und mittlerweile gesättigt ist der Plugin-Markt – in diesem Umfeld
noch echte Begeisterung hervorzurufen, ist schwierig. Der renommierte französische Hersteller Two Notes, bekannt für seine
Lautsprecher-Simulations-Soft- und Hardware, versucht es dennoch und wirft mit
der komplexen Plugin-Suite Genome seinen Hut in den Ring – und das nicht
halbherzig. Denn der Anspruch, der hier verfolgt wird, ist ebenso groß wie
überaus ambitioniert.
Genome soll nicht
weniger als eine umfassende All-in-One-Lösung für Gitarristen (und Bassisten)
sein, mit der die gesamte Signalkette abgedeckt wird – und die mit Expansion
Packs sowie künftigen Updates kontinuierlich erweitert wird. Während die
meisten Amp-Sims eine klar umrissene Aufgabe erfüllen – ein Genre, ein paar
Amps, ein paar Effekte – und andere Komplettlösungen nicht selten „jack of all
trades, but master of none“ sind, hat Two Notes einen anderen Weg gewählt:
nicht nur ein einzelnes Glied der Signalkette abzubilden, sondern dem Player
ein gesamtes Ökosystem zur Verfügung zu stellen – genreübergreifend. Von Pedals
über Amps, hauseigene DynIRs, Studio-Effekte bis hin zu Postproduktions-Tools.
Der Versuch, alles zu vereinen – kann so etwas gelingen? Finden wir es heraus.
The Theory of
Everything
| Credit Bild: © Two Notes Audio Engineering |
Im übersichtlichen
Interface kann man sich seinen eigenen Signalstrang aus unterschiedlichen
Komponenten zusammenstellen. Die klanglichen DNA-Experimente können dabei
durchaus „Jurassic Park“-artige Dimensionen erreichen. Denn Multi-Amp-Setups
sind bei Genome kein Problem. Zehn Slots stehen dabei unmittelbar zur
Verfügung. Zudem kann man das Signal stereo splitten – was die Anzahl der
Klangformungs-Slots effektiv verdoppelt. Gerade die optionalen Dual-Lanes
eröffnen Möglichkeiten, die über Standard-Amp-Setups hinausgehen – etwa für
Layering, Stereo-Designs oder komplexe Hybrid-Sounds.
Amps, Amps, Amps
| Credit Bild: © Two Notes Audio Engineering |
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Vom ultracleanen California-Modell über britische Rock-Standards bis hin zum US-High-Gain-Monster ist alles vertreten. So weit, so konventionell. Das Spezielle an Genome ist jedoch, dass es Klasse und Masse vereint. Neben den üblichen Verdächtigen – Blackface-, Clean- und britische Plexi-/JCM-inspirierte Sounds – gibt es auch speziellere und seltenere Modelle, alle optisch äußerst ansprechend umgesetzt.Die schiere Anzahl ist schlichtweg beeindruckend – hier gibt’s nicht nur einen Plexi-Style-Amp, sondern gleich mehrere Varianten, ebenso wie etwa einen Super Bass oder auch eine digitale Interpretation des Marshall Astoria. Auch Metal-Fans kommen auf ihre Kosten: So ist etwa eine Version von Ola Englunds Satan-Amp vertreten sowie eine Reihe von Mesa-Amps. Hinzu kommen Eigenkreationen von Amps, die so nicht außerhalb von Genome existieren – und einfach großartig sind.
On top gibt es bei
einigen dieser Modelle die Möglichkeit, die Röhren selbst zu wechseln (Two
Notes nennt das „Tube-Stage Modeling“, kurz TSM). Vier unterschiedliche
Röhrentypen (6L6, EL34, EL84, KT88) stehen zur Verfügung, kombiniert mit
verschiedenen Betriebsarten – von klassischem Push-Pull (Class AB) bis hin zu
Single-Ended (Class A). Auch die Umschaltung zwischen Pentode und Triode ist
möglich. Das eröffnet eine bemerkenswerte klangliche Bandbreite.
Pedals und Effekte
| Credit Bild: © Two Notes Audio Engineering |
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Fuzz-Pedale gibt es
gleich mehrere, und sie alle bringen die nötige Körnigkeit und Charakterstärke
mit, die diese notorisch schwer zu digitalisierenden Effekte auszeichnet. Alle
Effekte wirken dabei nicht nur als Beigabe, sondern als ernstzunehmende Werkzeuge.
Neben den üblichen Verdächtigen – Tubescreamer, Super-Overdrive und Co. –
gibt’s hier auch ein paar echte Schmankerl, darunter einen exzellenten
Klon-Klon. Dazu kommen moderne Klassiker wie OCD und Timmy – und auch kleinere
Raritäten, die man nicht in jeder Suite findet, wie etwa Effekte aus dem Hause
Dirty Boy, die man als Expansion zusätzlich erwerben kann.
Auch beim Chorus ist
das nicht einfach „irgendein Chorus“, sondern ein Effekt, der den legendären
Modulationscharakter klassischer Roland-Juno-Synths einfängt. Das Ergebnis:
Effekte, die sich nicht nach Pflichtprogramm anfühlen, sondern nach echten
Klangwerkzeugen.
In der Praxis heißt
das: Wenn ich mir ein ikonisches Rig nachbauen bzw. klonen will, komme ich hier
erstaunlich weit – ohne sofort auf externe Plugins ausweichen zu müssen.
Malmsteen-Sound mit Plexi plus DOD-Style-Boost? Alles da. Das „wickedly good“
klingende Setup aus frühen Lynch-Mob-Zeiten von Mr. Scary George Lynch himself kann man
hier sogar näher kommen als mit jedem anderen Plugin. Klassischer Blues-Rock?
Gleich mehrere Tweed-Amps stehen zur Verfügung. Und und und … – inklusive
Kompressor und den Finishing-Touches am Ende mit der hauseigenen Two Notes Wall of Sound (inkl. Effects wie Kompression und Studio Hall) sowie einem eigenen Exciter-Pedal.
DynIR-Technologie:
Rockstar Cabs
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Die DynIR Engine
bildet auch in Genome das Rückgrat dieses Bereichs. Statt statischer Impulse
Responses kommt ein dynamisches System zum Einsatz, das Mikrofonpositionen und
-konfigurationen in Echtzeit abbildet. Mehrere Mikrofone, variable
Positionierung, feinste Abstufungen im Raum – alles ist detailliert
einstellbar. Das Ergebnis: mehr Tiefe, mehr Räumlichkeit, mehr Kontrolle über
den finalen Sound.
Hier kann man sich
auch Cabinets von prominenten Musikern wie George Lynch, Steve Stevens oder
Phil X dazukaufen. Dual-Amp- und Dual-Cab-Setups sind problemlos möglich – und
liefern entsprechend massive, breite Sounds. Gerade diese Superstar-Cabs
liefern enormen Mehrwert und klingen zum Niederknien gut.
CODEX Engine: Die
Schnittstelle zur Capture-Welt
Als wäre das noch nicht genug, integriert Genome zusätzlich die sogenannte CODEX Engine. Damit erweitert Two Notes ihr klassisches Component Modeling umCapture-Technologien. Denn Codex ermöglicht die Integration von Amp- und Pedal-Captures, kompatibel mit Formaten wie NAM, AIDA-X oder Proteus. In der Praxis bedeutet das: Man kann auf eine riesige Menge frei verfügbarer Captures zurückgreifen (etwa von Tone3000.com ) und diese direkt in Genome weiterverarbeiten. Die importierten Sounds bleiben dabei nicht statisch. Verschiedene EQ-Modelle greifen tief ins Klangbild ein, mit den Effekten der Genome Suite kann man die Captures weiter veredeln.
Fazit
Die Two Notes Genome Suite ist kein Plugin, das sich auf eine einzelne Kernfunktion reduzieren
lässt. Sie ist ein umfassender Ansatz, Gitarren- und Bass-Sounddesign neu zu
denken – modular, offen und zukunftsorientiert. Totale Einsteiger oder Leute,
die schlicht Plug-and-Play betreiben wollen, könnten sich mit diesem „Open-World“-Ansatz
anfangs ein bisschen „zu frei“ fühlen. Wer jedoch weiß, was er tut und ein
professionelles Setup in Plugin-Form sucht, erhält ein Werkzeug, das weit über
klassische Amp-Simulation hinausgeht. Denn in fast jedem Bereich liefert Genome
Komponenten, die man so nicht an jeder Ecke bekommt: rare Lautsprecherboxen, exotische Pedale, kreative Effekte und richtig gute
Studio-Tools.
Für sich genommen ist fast jede einzelne Komponente klanglich auf einem Niveau, das auch kritische Ohren zufriedenstellt. Das Zukunftsversprechen durch Updates und Expansion Packs macht diese Komplettlösung zu einer der vielseitigsten und klanglich überzeugendsten Optionen im Feld der digitalen Amp- und Rig-Simulation. Genome ist ein Ökosystem, das den User nicht einengt, sondern ihm größtmögliche Freiheit gibt: vom Klonen der Rigs der eigenen Idole bis hin zum Entwurf komplett eigener Setups. Und genau dieser Non-Mainstream-Ansatz – mit selteneren Amps, Fuzzes, kreativen Effekten und Studio-Mojo – füllt einige der typischen Fehlstellen vergleichbarer Produkte.
Ein ambitionierter Versuch, "straight out of the box" einsatzbereit zu sein und gleichzeitig mannigfaltige Features "all in the box" zu vereinen, der geglückt ist. Oder anders formuliert: Two Notes haben die digitale DNA des guten Tons auf ihre eigene Art entschlüsselt.
