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| Credit Bild: © Nigel Young / Foster + Partners |
Works
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| Credit Coverbild: © Taschen Verlag |
Die ikonischen
Projekte – seien es Flughäfen, Brücken, Parlamentsgebäude oder Firmenzentralen
– folgen einer klaren Logik die (sichtbare) Technik als wesentlichen Teil der
Ästhetik betrachtet. Nicht umsonst gilt Foster als Pionier der High
Tech-Architektur. Tragstrukturen werden exponiert, technische Systeme nicht
verborgen, sondern zelebriert. Bei Foster erlangt die an sich kühle Technik
eine beinahe poetische Qualität: wenn sich Stahl, Glas und Licht in einer
präzisen Choreografie begegnen, entsteht ein ästhetischer Mehrwert, der weit
über das rein Funktionale hinausgeht.
Auffällig ist zudem,
wie konsequent Foster das Thema Nachhaltigkeit – lange bevor es zum Buzzword
wurde – in seine Entwürfe integriert hat. Passive Belüftungssysteme,
intelligente Fassaden, die Nutzung natürlicher Lichtquellen: All das erscheint
nicht als nachträgliches Add-on, sondern als integraler Bestandteil eines
architektonischen Gesamtkonzepts. „Works“ macht deutlich, dass ökologische
Verantwortung bei Foster die logische Konsequenz seines systemischen Denkens.
Networks
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| Credit Coverbild: © Taschen Verlag |
So verlagert der zweite
Band Fosters die Perspektive vom Sichtbaren ins Konzeptionelle. In acht Essays
legt Foster selbst die gedanklichen und ästhetischen Grundlagen seiner Arbeit
offen und gibt Einblick in jene Inspirationsquellen, aus denen sich seine
Architektur speist. So entsteht nicht nur ein opulentes Bildarchiv, sondern
auch eine intellektuelle Kartografie dieses Architekten und seiner Arbeitsweise.
Gebäude erscheinen nicht als autonome Objekte, sondern als hochkomplexe
Systeme: energetisch optimiert, strukturell präzise, funktional
durchdekliniert. Der vielzitierte „High-Tech“-Ansatz, mit dem Foster &
Partners in den 1970ern und 1980ern assoziiert wurden, wird in „Networks“ als
das sichtbar, was er im Kern ist: nicht lediglich ein Stil als eine
Methodologie. Foster nähert sich Architekturen mit futuristischer Klarheit.
Seine Projekte – seien es urbane Masterpläne oder visionäre
Infrastrukturkonzepte – operieren auf einer Maßstabsebene, die weit über das
Einzelgebäude hinausgeht. Dabei wird deutlich, wie stark sein Denken von
interdisziplinären Ansätzen geprägt ist: Ingenieurwesen, Stadtplanung,
Umweltwissenschaften und digitale Technologien verschmelzen zu einem
holistischen Entwurfsprozess.
Besonders spannend
ist, wie „Networks“ die Rolle des Architekten definiert. Foster erscheint
weniger als klassischer Baumeister denn als Systemarchitekt, der komplexe
Zusammenhänge orchestriert. In einer Welt, die zunehmend von Vernetzung und
Beschleunigung geprägt ist, wird Architektur zur Schnittstelle – zwischen Mensch
und Maschine, zwischen lokalem Kontext und globalen Strömen. „Works“
und „Networks“ sind so weit mehr als
opulent bebilderte Werkschauen: Sie sind Versuchsanordnungen, die auch das
Selbstverständnis von Architektur im 20. und 21. Jahrhundert freilegen: Architektur
als System, als Haltung, als Zukunftsentwurf und kulturelle Praxis.
Norman Foster, Works und
Networks (2 Bände, Hardcover, 22.8 x 28.9 cm), erschienen im Taschen Verlag


