Dienstag, 11. September 2018

JIM MARSHALL: JOHNNY CASH AT FOLSOM & SAN QUENTIN


Credit Bild: © Jim Marshall 
Es ist zweifelsohne eine der bekanntesten Aufnahmen vom Man in Black: Johnny Cash steht auf der Bühne, seine Akustikgitarre um die Schulter geschlungen und streckt einem Fotografen den Mittelfinger entgegen. Entstanden ist dieser Schnappschuss hinter Gitter, in San Quentin, einem der härtesten Knasts der USA um genau zu sein. Eingefangen hat ihn der legendäre Jim Marshall, eine der Koryphäen der Musikfotografie, während eines der Prison-Konzerte Cashs, bei der dieser Gigs für die Insassen spielte. Marshall meinte damals zu Cash, er brauchte noch eine Aufnahme "für die Wachen" und die bekam er auch.
Cash subsumierte mit dieser "Fuck You"-Geste - die natürlich im krassen Gegensatz zum oftmals konservativen Image des Country-Genres stand - die Gefühle seines inhaftierten Publikums und legte damit auch eine der ganz großen ikonischen Fotografien der Outlaw-Bewegung der Country Music hin. Und diese sowie viele andere faszinierende Aufnahmen von Cashs historischen Sessions in San Quentin und Folsom kann man in einem neuen Coffee Table Bildband (erschienen bei Reel Art Press) sehen.
Credit Bild: © Jim Marshall 
Mit den Gastspielen für die schweren Jungs läutete Cash nach der frühen Legendenwerdung mit den Sun Sessions und seinen Sixties-Hits eine weitere Hochphase seiner Karriere ein, die ihm auch außerhalb des Genres große Beachtung brachte. Die durchaus kontroversen Auftritte - immerhin kommt man nicht für Bagatelldelikte nach Folsom oder San Quentin - für die Ausgestoßenen und von der Gesellschaft Vergessenem passten einerseits perfekt in die damalige von zunehmender „social consciousness“ geprägten Zeit und liefen analog zu einer der Haupt-Message Cashs, der ja schwarz trug um ein bisschen des kollektiven Leides auf seine Schultern zu laden. Die Live-Gigs hinter Gefängnismauern zählen jedenfalls zu den wichtigsten in Cashs langer Karriere, die dabei entstandenen Livealben sind Meilensteine, die in keiner Plattensammlung fehlen dürfen.
Credit Bild: © Jim Marshall 

Credit Bild: © Jim Marshall 
Credit Bild: © Jim Marshall 
Credit Bild: © Jim Marshall 
Die bei diesen ungewöhnlichen Konzerten entstandenen Schnappschüsse Marshalls sind Bilder von geradezu archaischer Kraft. Im Stil einer Sozialreportage fangen sie gekonnt das beklemmende Gefühl hinter den kalten und unüberwindlichen Mauern der Strafvollzugsanstalten ein, gleichzeitig sind sie aber auch perfekte Momentaufnahmen einer Legende: ein Blick auf die Miene Cashs genügt um zu wissen- er IST genau jener Man in Black, von dem er in seinen Liedern gesungen hat.
Marshall expressionistische Bildsprache und seine durchkomponierten Fotografien sind zurecht legendär - und dass man sie nun in gesammelter Form in einem coffee table-Bildband sehen kann, macht dieses Release nicht nur für Cash-Aficionados sondern auch für Bewunderer der klassischen Ära der Rock N' Roll-und Music Photography interessant.
Das Vorwort zu diesem Buch stammt by the way vom langjährigen Cash-Gitarristen und Telecaster Twanger Extraordinaire Marty Stuart.
Credit Bild: © Jim Marshall 
Credit Bild:© Jim Marshall 
Credit  Coverbild:© Jim Marshall   Reel Art Press 

JOHNNY CASH AT FOLSOM & SAN QUENTIN
Fotografien von Jim Marshall
Vorwort von Marty Stuart, Text von Scott Bomar
Deutsch
25 x 33,5 cm
Hardcover
144 Seiten
70 Abbildungen
€ 49,95
ISBN 978-3-981889-02-4
Reel Art Press / BMG Books

Montag, 10. September 2018

MERT & MARCUS



Copyright: © 2018 Mert Alas & Marcus Piggott  Taschen Verlag
Wer sich für Fashion interessiert und die einschlägigen Zeitschriften von der Vogue bis zu Numero regelmäßig liest, weiß, dass man auf den Hochglanzseiten dieser Publikationen immer die absolute Spitzenklasse der aktuellen Fotokunst sehen kann.
Und zu den spannendsten und ungewöhnlichsten Visionären an der Ästhetik-Grenze zwischen Mode und Erotic Art zählt eindeutig das Kreativduo Mert Alas & Marcus Piggott. Der gebürtige Türke und der aus Wales stammende Piggott sind genau jene Fotografen, die angerufen werden, wenn es um ungewöhnliche und vor allem edgy Editorials geht – oder wenn sich eine Ikone wie Kate Moss für den Playboy entblättert.
Copyright: © 2018 Mert Alas & Marcus Piggott
Nun ist im Taschen Verlag die erste große Karriere-Rückschau des gefragten Duos erschienen, die auf  408 Hochglanzseiten eine gelungene Auswahl provokativer Aufnahmen von Celebs und den besten Topmodels unserer Zeit (von  Moss über Anja Rubik, und Daria Werbowy zu Lara Stone und dem Insta-Phänomen Gigi Hadid) vereint.
Die Bilder von M & M sind  ebenso unterkühlt wie heiß, ihr Stil ist modern und retro zugleich. Auf Bezüge zur Post-Supermodel-Ära (Stichwort: Heroin Chic) treffen Anklänge auf die 70s und 80s. Unverkennbar insbesondere  der Einfluss von Guy Bourdin und Helmut Newton. Die Querverweise auf diese Großmeister gleichen einem roten Faden, der sich durch das Werk von M & M zieht.
Copyright: © 2018 Mert Alas & Marcus Piggott
Wobei dieses Buch auch die Wandelbarkeit von Piggott und Alas deutlich unterstreicht: von Aufnahmen in LaChapelle-artiger Grellheit zu reduzierten, „very graphic“ Shots in lasziver Schwarzweiß-Ikonographie. Immer wiederkehrende Hauptdarstellerin ist dabei die unvergleichliche Kate Moss, die auch das stylische Spiegelcover dieses Bandes ziert. In der Britin als wandelnde Verkörperung von Rock Chic, haben Mert & Marcus auch die ideale Projektionsfläche für ihre dunklen Phantasien gefunden.
Copyright: © 2018 Mert Alas & Marcus Piggott
Diese Retrospektive verdeutlicht insgesamt warum M & M seit Jahren zu Fixgrößen in der Szene der „beautiful people“ gehören und zählt fraglos zum Besten, was es momentan im Bereich Glamour Photography zu sehen gibt.

Hörtipp:
Der ideale Soundtrack beim Durchblättern dieses stylischen Bandes wären übrigens die Velvet Underground & Nico mit ihrer Vertonung der Erzählung eines gewissen österreichischen Adeligen: Venus in Furs.
Copyright: © 2018 Mert Alas & Marcus Piggott
Copyright: © 2018 Mert Alas & Marcus Piggott
TASCHEN
Mert Alas and Marcus Piggott
Charlotte Cotton
Hardcover, 408 Seiten 

€ 60

Sonntag, 9. September 2018

Der amerikanische Alptraum: „American Psycho“ als limitiertes Steelbook


Credit Bild: © Koch Media
Eigentlich hat Patrick Bateman alles, was er sich immer erträumte – er ist ein überaus erfolgreicher Investmentbanker mit geradezu unanständig gutem Gehalt und frönt als wandelnder Inbegriff eines Achtziger Jahre-Yuppies einem exzessiv-hedonistischen Lifestyle zwischen Luxusdinners, Parties in angesagten Szeneclubs, leichtem Drogenkonsum und Sex mit blasierten, wenngleich heißen Uperclass-Girls.
Die von Pete Townshend einst besungenen „Eminence Front“ – Batemans Leben ist die Personifizierung dessen. In dieser sozialen Schicht ist die schöne Oberfläche alles was zählt, die Designer-Kleidung des Gegenübers wird beinhart taxiert und  mit seinen Schnösel-Kumpels wird der Wettstreit um die teuerste und stylischte Visitenkarte zum existenziellen Kampf. Doch was seine Umgebung aufgrund ihres snobistischen Desinteresses nicht ahnt: unter der Oberfläche des aalglatten, vermeintlich netten Bateman lauert ein Monster. Denn der junge Banker verliert zunehmend den Bezug zur Realität und ergeht sich in abartigen Gewalt-und Mordfantasien, die er auch alsbald versucht in die Tat umzusetzen…. 
Credit Bild: © Koch Media
Mit „American Psycho“ gelang dem amerikanischen Autor Bret Easton Ellis im Jahr 1991 etwas, was im Literatursektor eigentlich gar nicht mehr möglich war: ein waschechter Skandal. Kritiker zeigten sich vom Buch mit dem X-Rated Content geradezu angewidert, Buchhandlungen boykottierten sein Werk, in Deutschland war es gar einige Zeit indiziert.
Der Roman erlangte – wohl nicht zuletzt aufgrund der riesigen Kontroverse, aber auch aufgrund der neuartigen literarischen Qualität – absoluten Kultstatus. Seinen bei „Below Zero“ begonnen selbstreferenziellen Stil verfeinerte Ellis hier und wurde zu einem der ersten postmodernen Popliteraten. Sein zynischer Blick auf emotionale Verwahrlosung und Identitätsverlust im Großstadtdschungel fesselt auch anno 2018 – auffallend sind an der von Ellis geschilderten US-Society insbesondere auch die gerade jetzt offensichtlich werdenden Parallelen zum (Trump-) Amerika von heute. 
Credit Bild: © Koch Media
Lange Zeit galt „American Psycho“ als komplett unverfilmbar – wie sollte man auch die konsumkritischen, seitenlangen Monologe über fetischisierte Luxusbrands, die exploitation-artigen Gewaltexzesse und die immer wiederkehrenden höchst expliziten Sexszenen auf die Leinwand bringen ? Fast 10 Jahre nach dem US-Release des Buchs  und nachdem eine früher geplante Filmversion mit Bret Easton Ellis als Regisseur nicht zustande kam, erschien dann doch noch die Kinoversion. Anstelle eines Routiniers oder High Profile-Directors (Oliver Stone war im Gespräch) verpflichtete man für den oft als machoid und misogyn kritisierten Ellis-Stoff die relative Newcomerin Mary Harron. Diese schrieb zusammen mit Guinevere Turner auch das Drehbuch und umschiffte gekonnt all die heißen Eisen der Vorlage. Die beinharte Buchvorlage wurde beträchtlich abgemildert, der eiskalt-düstere Grundton von Ellis Werk wich einer grellen, teils überzeichneten Satire.
So wurde die Handlung des Films zwar auch für ein Mainstream-Kinopublikum leichter verdaulich, gleichzeitig nahm man dem Stoff aber auch seine Spitzen. 
Credit Bild: © Koch Media
Harrons „American Psycho“ wurde zum seltsamen Fall einer misslungenen Buchadaption , die – wenn man sie als völlig eigenständiges Werk betrachtet – aber erstaunlich gut funktioniert - und auch durchaus sehenswert ist. Denn der überaus wandelbare Christian Bale als Patrick Bateman ist eine echte Idealbesetzung, in seiner für ihn typischen method acting-Manier verkörpert er im Wortsinn das glatte Scheusal. Auch die Nebenrollen sind mit Stars von Reese Whiterspoon über Willem Dafoe bis zu Jared Leto hochkarätig besetzt. 

Seine Höhepunkte hat der Streifen immer dann, wenn  mit fetzigem 80s Soundtrack unterlegt, der Yuppie-Alltag mit beißender Ironie unter die Lupe genommen wird. Doch sobald es um die tiefergehende Psychologisierung des amerikanischen Psychopathen Bateman oder den düsteren Subtext von Ellis´ Geselschaftsanalyse geht, offenbart der Film seine Schwächen  - und auch seine Mutlosigkeit in der Konventionalität seiner Umsetzung.
Credit Bild: © Koch Media
Auch wenn "American Psycho" als Film im Gegensatz zur literarischen Vorlage eher solide als aussergewöhnlich ist, lohnt sich  ein „revisited“-Besuch durchaus - insbesondere da der Streifen nun bei Koch Media in seiner bislang besten Form erschienen ist. Die limitierte  Steelbook Version ist nicht nur ein ungemein stylishes Sammlerstück mit dem ungeschnittenen Film in Blu ray und DVD-Version in perfekter Qualität sondern ergänzt die Buchadaption um einige sehenswerte Bonsufeatures(zahlreiche  Dokus sowie geschnittene Szenen).
Nettes Gimmick für Fans: eine Visitenkarte Batemans  - eines der Statussymbole und Fetischobjekte im Buch wie im Film-  ist in diesem limitierten Steelbook ebenfalls enthalten !

Mittwoch, 29. August 2018

Rock N´ Roll in der Kunstgalerie: Hipgnosis Werkschau Vinyl. Album. Cover. Art


Credit  Coverbild: © Edel Books 
Kurz nach dem historischen, wenngleich eher symbolischen Treffen von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Diktator Kim Jong-un tauchte ein originelles und sehr bezeichnendes Bild in den Social Media-Kanälen auf. Trump und Kim stehen inmitten einer von weißen Häusern gesäumten Straße, reichen sich die Hand und einer geht in Flammen auf. Classic Rock Fans assoziieren sofort: das ist doch eine Variante des legendären „Wish You Were Here“ Covers von Pink Floyd von 1974.
Für dieses und zahllose andere Albumcover zeichnete sich die irrsinnig produktive Künstlergruppe Hipgnosis verantwortlich, die zahllose Platten der Musikgeschichte mit einem bemerkenswertesten Kunstwerk versahen.
Nun ist bei bei Edel Books die vom  Hipgnosis-Mitbegründer Aubrey Powell herausgegebene Retrospektive (inkl. Vorwort von niemand Geringerem als Peter Gabriel) auf das außergewöhnliche Schaffen der Gruppe erschienen. 
Pink Floyd, Atom Heart Mother 1970
Photography: S. Thorgerson © Pink Floyd Music Ltd
Der Aufstieg von Hipgnosis zur Fixgrößen der Rockszene koinzidierte mit der in den späten Sechzigern vollzogenen Abkehr vom Single-Markt hin zu einem Fokus auf Alben. Die LP wurde nun als eigenständige Kunstform angesehen – und ein Gesamtkunstwerk brauchte natürlich auch ein imposantes Coverbild. Powell und sein Kollektiv waren da an vorderster Front und  begriffen das LP-Cover Leinwand auf die sie ihre traumartigen, teils rätselhaften Bilder projizieren konnten: Kunstwerke, die oft psychedelisch und eigenwillig retro-futuristisch sind, anspruchsvoll und rätselhaft – Zwischen Dalí und Sci-Fi. Wobei Hipgnosis nicht einen einzelnen klar definierbaren Stil verfolgten sondern vielmehr eine ziemliche Bandbreite aufwiesen– vom reduziert-ikonografischen wie Marc Bolan vorm Verstärkerturm beim Glam Rock-Epos „Electric Warrior“  zu den surrealistischen Entwürfen aus dem Prog Rock-Bereich.
T - Rex, Electric Warrior 1971
Photography: K. ‘Spud’ Murphy © 2017 Hipgnosis Ltd
Blättert man dieses aufschlussreiche Buch durch und sieht sich das Kaleidoskop an ungewöhnlichen Motiven an, fragt sich der Betrachter innerlich mehr als einmal fragt am sich Was? Das haben Hipgnosis auch gemacht?
Durch den natürlich themenbedingten Fokus auf reine Plattencover wirkt der Band zwar eine Spur nüchtern, doch für für Vinyl-Sammler und Classic Rock-Fans ist dieses Buch auf jeden Fall interessant. 
Led Zeppelin, Presence  1976Cover design: Hipgnosis/G. Hardie Photography: A. Powell © Mythgem Ltd
Wer Aubrey Powell persönlich treffen will, sollte sich den 29. September rot im Kalender anstreichen, Denn da eröffnet im Rahmen des europäischen Monats der Fotografie in Berlin eine  große Ausstellung über Hipgnosis namens  "Daring to Dream. 50 Years of Hipgnosis. Photo Design and Album Cover Art by Aubrey Powell and Storm Thorgerson";
Zu sehen in THE BROWSE GALLERY Berlin von 30.9. – 28.10.2018 in der Bergmannstraße 5, 10965  - und am Eröffnungstag wird Aubrey Powell anwesend sein und  sein Buch signieren.
  
Bibliografische Angaben:
Aubrey Powell. Vorwort von Peter Gabriel: Vinyl. Album. Cover. Art
Das Hipgnosis-Gesamtwerk
320 Seiten, Hardcover Mit zahlreichen Abbildungen 978-3-8419-0608-3 € 35 (D) / € 36 (A)
Edel Books – Ein Verlag der Edel Germany GmbH

Freitag, 10. August 2018

Träume aus Maranello: Ein Ferrari-Buch wie ein 488er

Credit Bild: © Taschen Verlag
Legende, Kult, Technikwunder, Statussymbol, Sehnsuchtsobjekt:
Der Faszination Ferrari kann man sich nur sehr schwer entziehen - allerspätestens dann nicht, wenn man erst einmal die ästhetischen Designs und den knurrigen Sound der Geschosse aus dem italienischen Maranello live erlebt hat. Ähnlich wie Rolex bei Uhren oder Harley Davidson bei Bikes schaffte es Ferrari zur universell anerkannten Ikone zu werden; das schwarze Pferd auf gelbem Grund kennen selbst überzeugte Motorsportverweigerer. Im 71. Jahr des Bestehens der Scuderia wird quasi ein neues Kapitel aufgeschlagen  bzw. ein weiterer Meilenstein gesetzt: Denn am 14. August – genau zum 30. Todestag von Firmengründer Enzo Ferrari – erscheint im Taschen Verlag  eine überbordende, bibliophile Huldigung auf die sagenumwobene Automarke, die an Exklusivität schwer zu überbieten ist. 
Credit Coverbild: © Taschen Verlag
Credit Bild: © Taschen Verlag
Wer über die Welt von Ferrari und den damit einhergehenden Lifestyle  zumindest en passant Bescheid weiß, kann sich ungefähr ausmalen, dass auch bei diesem Buch an keiner Ecke gespart wurde  und mehr ganz einfach mehr ist. Denn ähnlich luxuriös wie die italienischen Sportwagen selbst präsentiert sich auch dieser Prachtband,  der eine komplette Retrospektive auf die bisherigen 7 Jahrzehnte der Ikone entwirft.
Der Autor - Schriftsteller und Sportjournalist Pino Allievi – zeichnet mithilfe von exklusivem Archivmaterial eine beeindruckendes Portrait der beispiellosen Erfolgsgeschichte der Traditionsmarke. Gerade die zahlreichen, seltenen historischen Fotos gepaart mit den kunstvollen Zeichnungen aus dem Privatarchiv des Rennstalls verdeutlichen die ganze Tradition und Handwerkskunst dieser Firma.
Credit Bild: © Ferrari S.p.A. / Foto Strazza
Credit Bild: © Francesco Reggiani
Dieser Band ist in jeder Hinsicht ein Buch der Superlative – preislich wie gestalterisch.
Angelehnt an das Gründungsjahr Ferraris (1947) wird es genau 1,947 Exemplare der handgefertigten, ledergebundenen  und handvernähten Sammlerstücke geben:
250 Stück in der sog. Art Edition (in einer Preisklasse von 25.000 € ) und einer nicht weniger edlen Collectors Edition mit einer Auflage von 1.697 Exemplaren (schlägt mit 5.000 €  zu Buche). 
Beide Versionen kommen – wie man das von Taschen bereits gewohnt ist – in einer dekorativen Box; wobei diese diesmal vom australischen  Stardesigner Marc Newsome entworfen, aus Alu gefertigt und einem V 12 Motor nachempfunden wurde. Signiert wurden sie von Piero Ferrari, dem einzigen Sohn des Firmengründers.
Die Art Edition kommt überdies mit den Unterschriften von (dem unlängst leider verstorbenen) Sergio Marchionne und John Elkann sowie einem  skulpturalen, wieder von Newsom designten  Buchständer in Form eines Abgaskrümmers.
Credit Bild: © Taschen Verlag

Credit Bild: © Taschen Verlag

Credit Bild: ©Taschen Verlag

Credit Bild: © Taschen Verlag

Das alles ist natürlich Luxus pur und die Sphären eines normalen coffee table-Bandes wurden hier längst verlassen. Ich persönlich war beim Preview vor allem von dem beeindruckenden Design dieser Chronik fasziniert. Denn eigentlich ist das in erster Linie ein Kunstgegenstand und erst in zweiter Linie ein Buch - eine bibliophile Hommage und ein Prestige-Release, dass sich an die ganz beinharten Hardcore-Tifosi richtet, die - so sie schnell sind - ein Buch erstehen können, das nicht viel weniger edel als eine hochoktanige Kreation aus Maranello ist.

Montag, 6. August 2018

Die große Gossen-Symphonie: Die Neuauflage des GUNS N´ ROSES –Klassikers APPETITE FOR DESTRUCTION


Credit Bild: © Ross Halfin    Universal Music
Vor 31 Jahren wussten überwiegend die eingeweihten Insider der L.A. Hard Rock Szene Bescheid: In den Clubs des Sunset Strips gab es da eine kleine Band, die wilder, unberechenbarer und schlichtweg besser war als so gut wie alles was in Sachen R N´R seit den späten Siebzigern aus Kalifornien gekommen war. Guns N´ Roses, aus den Überresten der Lokalgrößen L.A. Guns und Hollywood Rose entstanden, hatten sich einen Ruf als großartiger Liveact in den verrufenen Teilen der Stadt erspielt und standen an der Schwelle zum Durchbruch. Der sollte ihnen dann mehr oder minder über Nacht auch gelingen und zwar gleich mit ihrem Major Label Debut, dem programmatisch betitelten „Appetite For Destruction“. Die Platte machte sie zu absoluten Superstars und gilt vielen bis heute als ihr Magnum Opus sowie als einer der besten Alben der 80er.

Der Gunners-Sound war so dreckig wie die Straßen vor den Strip Clubs von L.A.:
Ein Gemisch aus Bekanntem - Stones, Blues und klassischem Hard Rock sowie Punk- jedoch mit einer solchen Intensität und Originalität dargeboten, dass die Band eine eigene Klangidentität kreieren konnte: Axl Roses Oszillieren zwischen teils orgiastischem Kreischen und klassischem Rock-Balladeer; der ungemein räudige Gitarrensound von Hutmeister Slash und Izzy Stradlin, der erdige, songdienliche Bass Duff McKagans und die durchschlagenden Drum Fills von Steven Adler - ja, damals war keiner besser als G N´R.
Die handwerklich erstklassigen Songs über billigen Alkohol, Heroin, gescheiterte Existenzen und  ganz generell die Schattenseiten der glitzernden Stadt der Engel machten „Appetite“ zum Epos aus der Gosse, der rauen ungebügelten Antithese zum  ungleich glatteren Hair Metal-Mainstream. Dank dem Hitsingle-Triumvirat aus „Welcome To The Jungle“, „Sweet Child O´Mine“ und „Paradise City“ wurde die Platte zum Superseller und machte G N´R zur größten Hardrock-Band des Planeten; zumindest für kurze Zeit, denn der Höhenflug sollte nur wenige Jahre andauern. Nun - im Jahr nach dem eigentlichen großen Jubiläum dieser wegweisenden Platte und  während die an ehemals heillos zerstrittene Band wieder auf der „Not In This Lifetime“-Tour ist - wird der Klassiker reissued.

Auch Retrospektiv betrachtet verliert das Album nichts von seinem rauen Charme und die Reissue ist großartig gemacht und wird auch jenen langjährigen Fans gefallen, die bereits mehrere Versionen des Albums im Plattenschrank haben.  Die attraktive Deluxe Version erinnert an eine Vinyl im Miniaturformat; Zieht man das Slipcase aus dem Hochglanzschuber kommt das berüchtigte und einst zensierte „Robot Rape „-Cover zum Vorschein (das ebenfalls ikonisch gewordene Cover mit dem Kreuz und den Totenköpfen wurde seinerzeit nur genommen, da man das ursprünglich intendierte Gemälde als zu kontroversiell ansah). In diesem Slipcase mit Gatefold stecken zwei Disc und ein Booklet mit einigen Shots aus der Frühphase der Band
Disc 1 enthält das bereits bekannte Album in neu remasterter Version; bereits dieursprüngliche LP klang ja sehr gut, die neue Reissue ist aber klanglich ebenfalls ausgezeichnet, ganz ohne den Höreindruck verfälschende Änderungen (Stichwort: loudness wars). Disc 2 heißt „B-Sides, Eps & More" und enthält genau, was der Titel verspricht: gesammelte Raritäten: Live Tracks (wie etwa das Abrissbirnen-AC/DC-Cover "Whole Lotta Rosie", die 1986er "Sound City Sessions, frühe Akustik-Versionen bekannter Songs (wie etwa "Move To The City" sowie das bislang offiziell unveröffentlichte„Shadow Of Your Love“, der es damals nie auf ein reguläres Release der Band schaffte.
Credit Coverbild: © Universal Music 
Die nachfolgenden Alben "Use Your Illusion I + II" waren sicher die noch ambitionierteren und abwechslungsreicher Werke, doch die hatten  nicht die kompakten Hits wie man sie auf „Appetite“ findet. Ähnlich wie das erste Van Halen Album fast 10 Jahre zuvor, öffnete „Appette“ nicht nur den Weg zum Ruhm für die Band selbst sondern wurde zum Referenzwerk, das die Schleuse für unzählige Epigonen des Sunset Strips öffnete.
Es ist fraglos eines der besten Debutalben ever und bleibt auch 3 Jahrzehnte nach dem Release eines der komplettesten Werke der letzten Hochphase des Hard Rock.
Das oft bemühte Klischee „still sounds fresh today“ trifft hier vollends zu.

Montag, 30. Juli 2018

Die Crossroads einer Legende: Eric Clapton Doku LIFE IN 12 BARS


Credit Bild: © Getty Images              Universum Film GmbH
Mit seiner speziellen Spielweise legte er die Blaupause dafür vor, wie man bluesgetränkten Rock ab den 60ern spielt. Die Wahl seiner ikonischen Instrumente löste nicht nur Trends aus sondern sorgte auch für die Entdeckung bis dato ungekannter Klangkombinationen (Stichwort: die Freuden der zum Standard gewordenen Gibson und Marshall-Kombi). Die lebende Legende Mr. Slowhand Eric Clapton prägte ab den 60ern fraglos einen neuen Typus des Gitarrenhelden, „Clapton Is God“ sprühten die ganz fanatischen Zeugen seiner frühen Gigs seinerzeit in London an die Wände. Diesen unbestrittenen künstlerischen Triumphen standen jedoch immer wieder private Krisen und persönliche Tragödien gegenüber. Und genau diese Crossroads im Leben des EC stehen neben der zeitlosen Musik im Mittelpunkt der neuen high profile Showtime-Doku „Life in 12 Bars“ – die nun auch auf DVD und Blu ray released wurde.
Credit Bild: © Getty Images       Universum Film GmbH
Es ist ja generell gerade die  Zeit der hochkarätigen Musikdokus (siehe etwa Keith Richards, Frank Sinatra, James Brown oder Jeff Beck) und auch das Clapton-Portrait reiht sich hier nahtlos ein:Der Titel - ein Leben in 12 Takten, dem typischen Blues-Schema - ist dabei überaus passend gewählt, widmete Clapton doch seine ganze Karriere der Ausübung dieser uramerikanischen Musikrichtung.
Die Regisseurin Lili F. Zanuck, Witwe nach dem berühmten Hollywood-Producer Richard D. Zanuck, arbeitete mit EC bereits in der Vergangenheit zusammen (u.a. bei einer Crossroads-Festival-Produktion und bei ihrer ersten Regiearbeit, dem ´91er Drama „Rush“ für das Clapton den Soundtrack beisteuerte). In „Life in 12 Bars“ geht es ihr nicht ausschließlich um den Kult um die Gitarrenikone, sondern vor allem um die Person hinter dem Mythos. Dabei ist der Film jedoch keine allumfassende Karriereretrospektive im Zeitraffer geworden, sondern vielmehr ein Persönlichkeitsprofil des Ausnahmemusikers und dessen prägender Schlüsselmomente im Leben.  
Credit Bild: © Getty Images         Universum Film GmbH
Im Zentrum stehen vor allem die 60er und  70er und später die Nineties  - untrennbar mit einem der dunkelsten Kapitel im Leben Claptons, dem Unfalltod des Sohnes Connor, verbunden.An sich wurde ECs Karriere in der Vergangenheit, nicht zuletzt durch die „Day By Day“-Chroniken und die Autobiographie des Musikers schon sehr ausführlich behandelt. Zanuck gelingt jedoch das Kunststück in dieser ihrer ersten Doku einige weniger bekannte Facetten Claptons näher zu beleuchten. Dabei geht sie überaus nuanciert vor; die Doku wirkt im Gegensatz zu vielen anderen Filmen dieses Genres nie überhastet oder übertrieben komprimiert.
So zeigt „Life in 12 Bars“ die ganze Vielschichtigkeit eines sensiblen Künstlers und zeichnet ein sehr vollständiges Portrait einer singulären Figur der Musikgeschichte.
Auf der Bühne entfachte Clapton regelmäßig einen Orkan, im Film wird den leisen Tönen ebenso viel Platz eingeräumt - und dies ermöglicht Einblicke, die den  Film zu den interessantesten Releases im Doku-Genre der letzten Jahre machen.
Credit Coverbild: © Universum Film GmbH
Life in 12 Bars (2017)
Regie: Lili F. Zanuck
VÖ: 29. Juni 2018
Universum Film

Dienstag, 17. Juli 2018

Monte Hellman´s ASPHALTRENNEN – TWO-LANE BLACKTOP Mediabook

Credit Coverbild: © Koch Media
Scheinbar ziellos cruisen „The Driver“( James Taylor) und „The Mechanic“ (Beach Boy Dennis Wilson in seiner einzigen Filmrolle)  in ihrem titelgebenden Blacktop durch den Südwesten der USA. Die beiden haben sich nicht viel zu sagen und meistens beschränken sich ihre Dialoge, die oft eher in Monologe abgleiten, auf Details über ihr Auto oder die Gefährte anderer ebenso anonymer Personen. So tingeln die beiden in ihrem alten und abgewrackten Auto, das jedoch ordentlich PS unter der Haube hat, herum, immer auf der Suche nach einem schnellen Straßenrennen um so ein bisschen Geld fürs nächste Mittagessen in einem schäbigen Diner oder Roadhouse zusammenzubekommen. Begleitet werden sie dabei von dem „Girl“(Laurie Bird), ebenso eine Ausgestoßene die sich mit kleinen Gaunereien über Wasser hält. Als diese illustre Gruppe auf „GTO“ (Warren Oates) trifft, kommt es zu einem Wettrennen quer durch den Südwesten um die Fahrzeugpapiere des Verlierers.
Credit Bild: © Koch Media
„Freedom´s just another word for nothing left to lose“ wusste schon Kris Kristofferson in seiner Ballade von Booby McGhee. Und diese aussichtslose Form (vermeintlicher) Freiheit ist auch das beherrschende Thema in Monte Hellmans desillusioniertem Roadmovie von 1971. Die Straße auf der „The Driver“ und „The Mechanic“ unterwegs sind führt nicht ins gelobte Land sondern direkt ins Nirgendwo, wonach die beiden überhaupt suchen erfährt der Zuschauer ebensowenig wie ihre  „echten“ Namen, Identitäten scheinen austauschbar.
Während Peter Fondas und Dennis Hoppers  Biker in „Easy Rider“ aus der Gesellschaft aussteigen wollten, bleibt die Motivation der Hauptfiguren bei Hellman nebulös.
Überhaupt sind die Autos wichtiger als alles andere in diesem Film: sie sind wichtiger als Frauen und auch wichtiger als Worte und Taten. Dennoch geht es dem Regisseur zu keinem Zeitpunkt um „high octane car“-Action, der deutsche Titel „Asphaltrennen“ ist daher auch ein wenig irreführend.
Credit Bild: © Koch Media
Hellman  ist weniger im Grindhouse als im Independent Arthouse zuhause; furios gefilmte Stunts wie in „Vanishing Point“ aus dem selben Jahr gibt es hier somit nicht. Sämtliche Rennsequenzen sind unspektakulär gefilmt, der Soundtrack (trotz hoher Qualität der Interpreten wie z.B. Kris Kristofferson) bleibt stets im Hintergrund und wird durch die Dialoge überschattet. „Two Lane Blacktop“ ist die ganz große  Road Move-Elegie. Die obligatorischen Versatzstücke und Topoi des Genres weichen einer Camus-artigen existenzialistischen Beobachtung von trostlosen Existenzen und gescheiterten Personen( ähnlich wie in „Der Fremde“). Am Schluss fühlt sich der Zuseher genauso wie die Charaktere im Film, die halb gelangweilt halb antriebslos durch den Film schleichen bzw. tuckern.Und auch wenn der Film stellenweise an eine extreme Geduldsprobe grenzt - als unromantische Betrachtung der Post-68er und Versinnbildlichung der Ziellosigkeit einer ganzen Generation funktioniert diese frühe Errungenschaft des Independent-Kinos perfekt. 
Credit Bild: © Koch Media
Uneingeschränkt gelungen ist hingegen die neue Mediabook-Version dieses Kleinods. In der von Koch Media bereits bekannten Sammleraufmachung kommt Hellmans Film erstmals als Blu ray heraus; eine Bonus DVD mit Extras wie Trailer, Audiokommentar, Featurettes, Videopiece "Sure Did Talk to You", Screentests, Bildergalerie sowie eine weitere Disc dem Film in der DVD-Variante sind ebenso dabei wie ein nettes Booklet.
Die HD-Version präsentiert den Streifen in hervorragender Qualität und macht das Release zum Must für Kult-Enthusiasten, auch wenn sie schon frühere Versionen von Hellmans Straßen-Elegie zuhause haben.

Sidney Pollacks „Der elektrische Reiter“ als Blu ray Reissue

Credit Bild: © Koch Media
Seine große Zeit hat der ehemalige Rodeo-Weltmeister Sonny (Robert Redford) schon sehr lange hinter sich. Körperlich ist er durch berufsbedingte Verletzungen leicht abgewrackt und an der Flasche hängt er überdies: so ist er gezwungen seinen Lebensunterhalt als lebende Werbefigur für einen Lebensmittelkonzern zu fristen: In einer beinahe grotesk überzeichneten Version der klassischen Nashville-Nudie Suit ist er der glitzernde „electric horseman“, die Jahrmarkt-Version eines amerikanischen Helden.
Als er sich beinahe schon mit seinem Los abgefunden hat, kommt unverhofft die Chance sein altes Leben zurückzugewinnen: Als Akt des Widerstandes  stiehlt er den ungemein wertvollen Hengst „Rising Star“ aus den Fängen seiner Arbeitgeber und flieht mit ihm Richtung Utah. Dicht auf seinen Fersen ist bald nicht nur die Staatsgewalt sondern auch die junge Reporterin Hallie (Jane Fonda), die zunehmend die nötige Distanz in ihrer Berichterstattung über Bord wirft und mit ihren Beiträgen nicht nur am Mythos des rebellischen Cowboys arbeitet, sondern  sich  auch in den romantischen Sonny verliebt… 
Credit Bild: © Koch Media
Credit Bild: © Koch Media
Credit Bild: © Koch Media
Freiheit und der Widerstand des Einzelnen gegen den allumfassenden Kapitalismus;
Hommage an ein unamerikanisches Filmgenre, Medienkritk , Drama mit romantischen Unertönen: Oscar-Preisträger Sidney Pollack ("Jenseits von Afrika") verarbeitete in seiner durchaus kritischen Fabel vom „elektrischen Reiter“ eine ganze Reihe großer Themen und bewegt sich dabei mühelos zwischen den Genres.
Die hier behandelten Themen sind typisch für das Kino jener Zeit und wirken gerade jetzt wieder erstaunlich aktuell. Insbesondere Refords Charakter - der Teil eines Amerikas, das schon zum Release-Datum des Films Ende der Siebziger untergegangen war - sowie die Wandlung von Fondas Reporterin sind sehr vielschichtig.
Auch wenn der Film aus heutiger Sicht ein paar Längen aufweist und nicht zu den ganz großen Klassikern des Seventies-Kinos zählt – die Chemie zwischen Redford und Fonda (wie schon bei „Barfuß im Park“) ist bestechend – und die die HD-Variante aus dem Hause Koch zeigt den Streifen in Top-Qualität. Wiederentdecken lohnt sich.
Credit Coverbild: © Koch Media

Samstag, 14. Juli 2018

Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band - Das Album, die Beatles und die Welt 1967


Credit Coverbild : ©  Edition Olms
Zwischen „Summer Of Love, Vietnam-Demos, Sechstage-Krieg und gesellschaftlicher Bewusstseinserweiterung: Die Hintergrundgeschichte zu einer wegweisenden LP und einer Welt im Aufruhr.

Es gilt als eines der wichtigsten Werke der Rock-und Pophistorie und vereint in sich fast alle Attribute des Zeitgeists der zweiten Hälfte der Sixties: Nachdem sie bereits mit „Revolver“ in tiefste psychedelische Sphären getaucht waren, schufen die Fab Four mit „Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band“ eines der Schlüsselalben der Dekade.
Ein Album, das den Hörer einer Zeitkapsel gleich in ein Swinging London mitnimmt, in dem den Experimenten und dem Bewusstsein keine Grenzen gesetzt waren. Produzent George Martin und Lennon, McCartney, Harrison und Starr begriffen das Abbey Road Studio als eigenes Instrument und malten ein Klanggemälde an Effekten und Soundkreationen: ein Kaleidoskop nicht nur bei einem gewissen Mädchen mit ebensolchen Augen sondern auch was die Klangvielfalt anbelangt.
Die Entstehungsgeschichte dieser wegweisenden Aufnahmen ist auch der zentrale Aspekt in Brian Southalls äußerst lesenswertem Buch über die psychedelische Inkarnation der Liverpooler „Beat“-Band und das ereignisreiche Jahr ´67.

Southall schreibt nicht nur seit Jahrzehnten über Musik, (u.a. für den britischen Melody Maker) sondern blickt auch auf eine 30-jährige Karriere im Business bei EMI, A&M, Tamla Motown und Warner zurück. Passend zu seiner Beatles-Affinität war er in seiner Zeit bei EMI auch  für die Solo-Projekte der Liverpooler zuständig. Diesen Insider-Zugang merkt man seinem Buch beim Lesen auch an.
Originellerweise ist der Band nicht nur vom Cover her an eine alte Schallplatte angelehnt – auch der Inhalt selbst ist in eine A und B Seite eingeteilt. Auf Seite A widmet sich Southall dem Album und der Backstory, wie es zu einem der wichtigsten Longplayer im Pantheon der Rockmusik werden konnte. Auf Seite B wird schließlich eingehend das Jahr 1967 und die weltpolitischen Ereignissen zwischen Love & Peace-Bewegung, Krieg, kultureller Grenzüberschreitung und individuellem Freiheitsstreben beleuchtet.
 Southall  betrachtet das „Peppers“ Album somit nicht isoliert aus einem rein musikalischen Blickwinkel sondern bettet es in einen breiteren, gesamtgesellschaftlichen Kontext ein.
Dadurch wird dieser reich bebilderte Band nicht nur zu einem gelungenen Werk über die Beatles, sondern auch zu einem popkulturellen Geschichtsbuch.

Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band
Das Album, die Beatles und die Welt 1967
Übersetzung aus dem Englischen von Michael Auwers.
192 Seiten mit über 150 meist farbigen Fotos.
Fester Einband im Format 25 × 25 cm
ISBN-10: 3-283-01281-4
€ (D): 29,95
€ (A): 30,80

Donnerstag, 5. Juli 2018

Rock Classics Nr. 22 The Rolling Stones - Das Sonderheft


Credit Coverbild: © Universal Music  Slam Media GmbH
Stones fever all over again – während die Fans bei der aktuellen No Filter-Tour die Steine tatsächlich „ungefiltert“ bewundern können, ist die neueste Ausgabe der Rock Classics erschienen.
Die Nr. 22  steht ganz im Zeichen der Zunge und bietet in bewährter Slam Zine-Manier
einen Crash Kurs bzw. Kompaktüberblick in Sachen „dienstälteste Rockband des Planeten“.
Anhand Features zu allen Alben wird eine recht umfassende Chronik der mittlerweile im 56. Jahr ihres Bestehens angekommenen Kultgruppe entworfen. Zusätzlich erhält man einen Überblick über Film-Releases und Devotionalien – von denen es bei den Stones so einige gibt.
Zwar muss man im Gegensatz zu einigen früheren Rock Classics-Nummern diesmal  ohne Bonus Disc oder Poster-Goodies auskommen, doch das macht nicht viel , denn auf knapp 100 Seiten
wird all jenen neuen Fans, die die Band erst kürzlich kennengelernt haben, ein Fülle an Trivia geboten – und  alteingesessene Stonesologen bekommen mit diesem Hochglanzheft eine unterhaltsame (Strand-) Lektüre: Was nicht nur an den gut geschriebenen Features sondern auch an den sehr unterhaltsamen Interviews und der gewohnt guten Fotoauswahl liegt.