Von Zebra 2 zu
Zebra 3: Kann ein Kult-Synth neu erfunden werden? U-he baut seinen legendären Softsynth
komplett neu – mit modernerem Touch, Physical Modeling, FM, Spline-Oszillatoren
und einer gehörigen Portion Zukunftsmusik.
Credit Bild: © u-he
Aufmerksame
Leser dieser Website wissen, dass ich die Klassiker aus dem u-he den Zebra 2/Zebra HZ sowie den Diva bereits ausführlich unter die Lupe genommen habe: Zwei
absolute Standard-Plugins im Bereich Softsynths, die ihren guten Ruf völlig zu
Recht genießen und trotz ihres Alters nicht bloß Legacy-Status genießen,
sondern im Arsenal vieler Komponisten, Produzenten und Synth-Heads nicht
wegzudenken sind. Mit dem erst unlängst erschienenen Zebra 3 legt die Mannschaft um Mastermind Urs
Heckmann nun einen brandneuen Synthesizer vor, der ein ziemlich großes Erbe mit
sich trägt und in sehr große Fußstapfen treten muss.
Shades of
Zebra
Und dieser
Softsynth ist vieles gleichzeitig: Zebra 3 ist Sequel, logische
Weiterentwicklung, Neuanfang, Reimagination, Rebuild und, wenn man so will, ein
Statement darüber, wie ein moderner Software-Synthesizer im Jahr 2026 aussehen und
vor allem klingen kann. Denn während Zebra 2 über die Jahre selbst zum
Klassiker avanciert ist, hat sich der Markt massiv verändert. Allein in den
vergangenen Jahren sind zahlreiche hochkarätige Premium-Synths erschienen, die
ihrerseits analoge Authentizität, digitale Synthese und immer komplexere
Sounddesign-Konzepte unter einer Oberfläche zu vereinen.
u-he geht bei Zebra
3 deshalb nicht den einfachen Weg. Das deutsche „Traditionsunternehmen“ mit
besten Verbindungen nach Hollywood – die Hans-Zimmer-Connection habe ich
bereits im Zusammenhang mit Zebra 2 ausführlicher beschrieben – gehört seit vielen Jahren zu den
ersten Adressen, wenn es um Software-Instrumente geht, die klanglich einem
Hardware-Synthesizer nicht nur Paroli bieten können, sondern längst eine eigene
Liga bilden. Ob Zebra 3 großartig klingt, stellt sich daher beinahe nicht als
Frage. Kleiner Spoiler: Er tut es, und wie. Die wesentlich interessantere Frage
lautet vielmehr: Ist Zebra 3 ein würdiger Nachfolger für einen Synthesizer, der
selbst bereits geradezu legendären Status genießt und über Jahre
Klangmöglichkeiten bot, die in dieser Form kaum ein anderes Produkt vereinen
konnte? Die Frage die sich vielmehr stellt, wie gut er ist, wie innovativ
und ob er ein würdiger Nachfolger für ein kultiges Software-Instrument ist das
man selbst in Blockbuster-Filmen hören konnte.
Erstkontakt
u-he selbst
beschreibt den Synth als komplette Neuentwicklung, die den Zebra-Gedanken in
die nächste Generation überführt. Und das merkt man bereits beim ersten
Kontakt. 2026 Oder das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen – zumindest mit
diesem Synth. Der erste Eindruck nach ungefähr fünf Sekunden in meiner
Pro-Tools-Session und einem beherzten Druck aufs extra böse klingendes C0 am
linken Ende meines Keyboards: Yup. Es ist ein Zebra mit all den typischen Eigenschaften,
die man von diesem u-he-Flagship-Plugin erwarten kann: Dunkel, tonnenschwer,
grollend, plastisch in seiner dreidimensionalen Klangformung. Auch die
2026er-Version des Zebra besitzt diese brachiale Wucht, die nach Epos,
Christopher Nolan und modernem Blockbuster-Scoring klingt. Die DNA des
Originals wird nie verleugnet wird, sie wird nur in ein deutlich moderneres,
gestreamlintes Design transportiert - sowohl as die weitaus modernere GUI anbelangt
als auch im Berich des Sounds.
Die Oberfläche
wurde aufgeräumt, ist nun mitunter intuitiver.. Das reduziert zumindest optisch
die Komplexität eines Synthesizers, der unter der Haube alles andere als simpel
ist. Denn wie sein Vorgänger ist auch Zebra 3 ein echtes Powerhouse, das
unterschiedliche Syntheseformen und Herangehensweisen unter einem Dach vereint.
Die inhärente Komplexität dieses Synths bleibt also bestehen.
Meister der
Module
Im Kern ist er ein modularer Synth bei der man wie bei
den alten Moog-Ungetümen oder bei Euroracks selbst komplexe Einstellungen vornehmen
kann – nur dass die „Patchkabel“ eben digital sind bzw die Verschaltung der unterschiedlichen
Module und generösen Effektracks hier sogar wireless funktioniert. Das bedeutet: Module werden innerhalb
der sogenannten Grid-Struktur zusammengestellt und miteinander verbunden, ohne
dass man sich durch ein Meer aus virtuellen Patchkabeln kämpfen muss.Und dann
ist man „off to the races“ wie es so schön heißt. Denn so wie der Diva oder der
OG Zebra – dies ist ein Synth der ebenso komplex wie wandlungsfähig ist – gibt es
hier doch unterschiedliche Syntehseformen ( von FM über additive Synthese hin zu wavetable-artigen
Arbeitsweisen…).
Das Interessante daran: Zebra 3 versucht nicht, all diese Bereiche in voneinander isolierten Abteilungen unterzubringen. Die verschiedenen Module können miteinander kombiniert und moduliert werden. Genau dadurch entsteht diese typische Zebra-Qualität.Ein Patch kann klassisch beginnen und irgendwo völlig anders enden. Zebra ist so ein Synthesizer mit vielen Gesichtern, der sich nicht einer Art von Synth zuordnen lässt, er ist eben sehr eigenständig. Ein Zebra kann seine Streifen nicht ändern? Dem wird hier widersprochen. Zebra 3 ein Synthesizer, der sich nicht auf eine einzige Klangästhetik festlegen lässt.Er kann cinematic.Er kann Lo-Fi.Er kann klassische Synth-Sounds.Er kann moderne elektronische Texturen.Er kann Noise.Er kann Bässe und Pads.
Klassische
Sounds lassen sich mit entsprechenden Programmierfähigkeiten problemlos bauen –
und Zebra 3 besitzt genügend Filter, Oszillator- und Modulationsmodelle, um
sich in Richtung verschiedenster vintage-orientierter analoger und digitaler
Klangwelten zu bewegen. Gleichzeitig geht das Instrument weit darüber hinaus
und kann wie zuvor erwähnt sehr modern klingen – dies macht in zu einem Synth,
der selbst in zeitgenössischen EDM-Subgenres einsatzbereit ist.
Dass Zebra 3
keinen klassischen Arpeggiator oder dedizierten Step-Sequencer besitzt, hat
mich durchaus gewundert. Zwar lassen sich mit den Mappern und MSEGs durchaus
rhythmische und pitchbasierte Sequenzen bauen. Wer jedoch einen klassischen
Arpeggiator erwartet, wird ihn hier nicht finden Für mich persönlich ist das
schade. Gerade bei einem derart tiefgehenden Synthesizer hätte ein
ausgewachsener Arpeggiator und Sequencer hervorragend ins Konzept gepasst. ERs
ist ein Detail, dass ihn davon abhält ein totaler Allrounder zu sein. Immerhin:
in einem kommenden Update könnte dieses Feature nachgereicht werden.
Fazit
Wird Zebra 3 so
langlebig sein und seinerseits Filmmusikgeschichte schreiben? Dafür ist es noch
zu früh, die Zeit wird es zeigen. Das Potential dafür hat er durchaus. Für mich
persönlich ersetzt Zebra 3 den Zebra 2 nicht, er ergänzt ihn bzw. ist ein
eigenständiger Synth der einerseits vieles anders macht als sein Urahn und
dessen Konzept deutlich erweitert und modernisiert.
Andererseits vereint dieses Powerhouse vieles von dem was klassische und neuere
Synths so großartig macht: fraglos eines der Synth-Releases 2026.