Donnerstag, 10. September 2026

METALLICA – RELOAD(Remastered)

Credit Coverbild:© Universal Music
ReMastered and ReLoaded: Vieles war 1997 bei „ReLoad“, dem Follow-Up zu „Load“, dazu angetan, konservative Hörer unter den Metal-Fans zu verstören. Ein Cover, das der Kunstleidenschaft von Drummer Lars Ulrich geschuldet war, kurze Haare, Flirt mit Androgynität, Riffs, die eher bluesig als thrashig waren, James Hetfields immer stärker durchscheinende Liebe zur Country-Musik – und dann noch ein Gastauftritt von Sixties-Ikone Marianne Faithfull im artsy Video zu „The Memory Remains“. „ReLoad“ war zwar kommerzielle erfolgreich, zählte jedoch  rasch zu den kontroverseren Einträgen in der Diskografie der Metal-Heroen aus San Francisco – zumindest bis „St.-Anger“ nach dem Beinahe-Split der Band für Verwunderung sorgte.

Nach der 2025 erschienenen Deluxe-Neuauflage von „Load“ folgt nun konsequenterweise „ReLoad“. Das Album wurde von Reuben Cohen bei Lurssen Mastering neu gemastert, wobei Greg Fidelman die Produktion überwachte. Erhältlich ist das Album in mehreren Formaten, u.a. einer 3CD Expanded Edition. Klanglich ist der Unterschied dieser neuen Version natürlich keine Revolution – und das soll er vermutlich auch gar nicht sein. Das ohnehin gut klingende Album wirkt in der remasterten Version jedoch gefühlt noch etwas druckvoller, ohne dass dabei die charakteristische, leicht düstere und teilweise bluesige Klangästhetik des Originals verloren geht. Gerade im direkten Vergleich mit vielen späteren Metal-Produktionen fällt auf, wie wenig „ReLoad“ eigentlich nach klinischem, modernen Metal klingt. Das ist eine Platte, die atmet.

Tracks wie „Fuel“, „The Memory Remains“ oder „The Unforgiven II“ zählen längst zu den wiederkehrenden Evergreens im Setlist-Kanon der geradezu liturgischen Konzerte der Band. Und überhaupt wirkt vieles, was Ende der Neunziger noch als Abkehr vom Metallica-Mythos wahrgenommen wurde, heute deutlich weniger radikal. „ReLoad“ ist ein ausgesprochenes 90s-Album – und genau darin liegt mittlerweile auch ein Teil seines Reizes.„ReLoad“ ist kein „Master of Puppets“ und will es auch gar nicht sein. Vielmehr steht das Album für jene merkwürdige Zwischenphase, in der Metallica bereits Superstars des Mainstream waren, sich musikalisch aber noch immer nicht damit abfinden wollten, auf einen bestimmten Sound festgelegt zu werden.

Die 3CD Expanded Edition erweitert das Originalalbum um bislang unveröffentlichte Demos, Rough Mixes und Live-Tracks und kommt mit einem 36-seitigen Booklet. Für die Hardcore-Fans ist das natürlich das wesentlich interessantere Material, denn hier wird aus dem fertigen Album plötzlich wieder ein Work in Progress. Man hört die Riffs, Skizzen und frühen Versionen und bekommt damit einen Einblick in die Entstehung eines Albums, das in seiner endgültigen Form deutlich kontrollierter und homogener wirkt, als der Produktionsprozess vermutlich tatsächlich war.Besonders spannend ist dabei wieder das Riff-Material. Wie schon bei der „Load“-Neuauflage bekommt man hier einen Blick in die musikalische Werkstatt der Band. Aus kleinen Gitarrenideen werden später „Fuel“, „The Memory Remains“, „Devil's Dance“, „Slither“ oder „Fixxxer“. Man hört also nicht nur Metallica, sondern Metallica beim Entstehen.Gerade für die Gitarristen unter den Hörern dürfte das interessant ein.

Die „ReLoad“-Reissue eröffnet zwar keine grundlegend neue Perspektive auf dieses Album, unterstreicht jedoch den Eindruck, dass dies eine einst unterschätzte Platte war. Denn man muss fraglos konstatieren: Die Jahre sind mit diesem Album erstaunlich gnädig gewesen

Credit Bild:© Danny Clinch Universal Music