Sonntag, 13. September 2026

MERCURIALL SPARK Test: Britischer Mythos in seiner rohsten Form

Credit Bild: © Mercuriall Audio Software
Der Marshall JCM800 gehört seit Jahrzehnten unbestritten zu den prägendsten Gitarrenverstärkern überhaupt. Instantly recognizable ist er ein prototypischer Rock-Amp und Dauergast auf Bühnen vom Stadion bis zum örtlichen Konzertkeller. Er steht synonym für die Härte, Aggression und den charakteristischen, schneidenden Gitarrensound der Achtzigerjahre. Mit dem auf dieser Ikone basierenden, schlicht „Spark“ betitelten Plugin widmet sich die Modeling-Experten von Mercuriall diesem archetypischen Verstärker und bringt ihre Interpretation eines der meistkopierten Sounds der Amp-History in die heimische DAW.

Nicht nur puristisch

Fast jeder Amp-Sim-Hersteller hat einen 800er im Programm. Dementsprechend hoch ist die Konkurrenz. Mercuriall hat mit ihrem Spark fraglos ein Plugin geschaffen, das sehr nah am Original ist. Hier bekommt man einen ungeschönten, rohen Sound, „warts and all“. Das ist ein flexibler Klang, der vom Hard Rock-Solo mit der Superstrat, twangigen Riffs mit Tele oder Les Paul in Mittelposition (ideal für Southern Rock) bis hin zu semi-cleanen Arpeggios mit zurückgeregeltem Volume-Poti eine beträchtliche Bandbreite abdeckt. Der Klang ist sehr puristisch – vielleicht nicht unbedingt außergewöhnlich, aber wer den Klang eines Stock-800ers sucht, wird hier fündig.

Doch hierbei belässt es Mercuriall nicht. Mit zwei optional zuschaltbaren Modifikationen öffnet Spark vielmehr die Tür zu jenen Hot Rodded- Varianten des klassischen Marshall-Sounds, die im Laufe der Rockgeschichte ihren ganz eigenen Mythos entwickelt haben. Genau hier wird es interessant, denn diese zusätzlichen Voicings liefern Klangvarianten, die deutlich über das hinausgehen, was eine konventionelle JCM800-Emulation zu bieten hat. Dies ist auch insofern besonders und bemerkenswert, als dass jene Mods in keinem anderen Plugin abrufbar sind.

Der „Sir“ unter den 800ern

So großartig der JCM 800 klang, für viele Gitarristen begann die eigentliche Magie erst bei den legendären Hot-Rod-Modifikationen. Eine der berühmtesten Varianten entstand bei Studio Instrument Rentals – kurz S.I.R. – in Los Angeles. Viele Spieler wollten mehr: mehr Gain, mehr Sustain und mehr Sättigung – ohne den unmittelbaren Punch des Marshalls zu verlieren. Genau hier kamen die Modifikationen von S.I.R. ins Spiel. Techniker wie Frank Levi und Tim Caswell trieben die Schaltung mit zusätzlichen Gain-Stufen und verändertem Voicing noch weiter in Richtung High Gain. Das Ergebnis war ein dichterer, satterer und zugleich weiterhin ausgesprochen dynamischer Rock-Sound. Diese Mods sind selbst legendär geworden, vor allem weil ein gewisser Saul Hudson, besser bekannt als Slash sie in den Glanzzeiten von Guns N´ Roses eingesetzt hat,

Der optionale #34-Mod liefert eine deutlich heißere Variante, die hörbar in Richtung des legendären Slash-Sounds geht: bissig, offen, durchsetzungsstark und mit jener Mischung aus britischer Aggressivität und geschmeidiger Lead-Ansprache.

Der #36-Mod geht noch einen Schritt weiter. Die Gain-Struktur wird dichter und satter, die Sättigung nimmt zu und der Amp entwickelt jene fast schon singende Qualität, die man mit modifizierten Achtziger-Marshalls verbindet. Zwei unterschiedliche Interpretationen Praktisch dass im üppigen Menü von „Spark“ gleich an „Appette For Destruction“ und „Use Your Illusion“-angelehnte Presets verfügbar sind.

Wie alle anderen Mercuriall-Plugins ist auch Spark in das hauseigene Ampbox-Ökosystem eingebettet und profitiert von der leicht zu handhabenden Benuzeroberfläche und der Fülle an  Cab-Simulationen und Effekten– wie beim 1987X hat auch hier der legendäre Steve Stevens Presets beigesteuert.

Fazit

„Spark“ ist weit mehr als einfach eine weitere Marshall-Emulation im. Das Plugin versteht es erstaunlich gut die raren S.I.R.-Mods in den digitalen Bereich zu transportieren. Auch bei jenen Playern, die schon eine Armada von britisch-inspirierten Ampsims besitzen, dürfte so der titelegebende Funke überspringen.