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| Credit Bild: © Mercuriall Audio Software |
Nicht nur puristisch
Fast jeder Amp-Sim-Hersteller hat einen 800er im Programm.
Dementsprechend hoch ist die Konkurrenz. Mercuriall hat mit ihrem Spark fraglos
ein Plugin geschaffen, das sehr nah am Original ist. Hier bekommt man einen
ungeschönten, rohen Sound, „warts and all“. Das ist ein flexibler Klang, der
vom Hard Rock-Solo mit der Superstrat, twangigen Riffs mit Tele oder Les Paul
in Mittelposition (ideal für Southern Rock) bis hin zu semi-cleanen Arpeggios
mit zurückgeregeltem Volume-Poti eine beträchtliche Bandbreite abdeckt. Der
Klang ist sehr puristisch – vielleicht nicht unbedingt außergewöhnlich, aber
wer den Klang eines Stock-800ers sucht, wird hier fündig.
Doch hierbei belässt es Mercuriall nicht. Mit zwei optional
zuschaltbaren Modifikationen öffnet Spark vielmehr die Tür zu jenen Hot Rodded-
Varianten des klassischen Marshall-Sounds, die im Laufe der Rockgeschichte
ihren ganz eigenen Mythos entwickelt haben. Genau hier wird es interessant,
denn diese zusätzlichen Voicings liefern Klangvarianten, die deutlich über das
hinausgehen, was eine konventionelle JCM800-Emulation zu bieten hat. Dies ist
auch insofern besonders und bemerkenswert, als dass jene Mods in keinem anderen
Plugin abrufbar sind.
Der „Sir“ unter den 800ern
So großartig der JCM 800 klang, für viele Gitarristen
begann die eigentliche Magie erst bei den legendären Hot-Rod-Modifikationen. Eine
der berühmtesten Varianten entstand bei Studio Instrument Rentals – kurz S.I.R.
– in Los Angeles. Viele Spieler wollten mehr: mehr Gain, mehr Sustain und mehr
Sättigung – ohne den unmittelbaren Punch des Marshalls zu verlieren. Genau hier
kamen die Modifikationen von S.I.R. ins Spiel. Techniker wie Frank Levi und Tim
Caswell trieben die Schaltung mit zusätzlichen Gain-Stufen und verändertem
Voicing noch weiter in Richtung High Gain. Das Ergebnis war ein dichterer,
satterer und zugleich weiterhin ausgesprochen dynamischer Rock-Sound. Diese Mods
sind selbst legendär geworden, vor allem weil ein gewisser Saul Hudson, besser bekannt
als Slash sie in den Glanzzeiten von Guns N´ Roses eingesetzt hat,
Der optionale #34-Mod liefert eine deutlich heißere
Variante, die hörbar in Richtung des legendären Slash-Sounds geht: bissig,
offen, durchsetzungsstark und mit jener Mischung aus britischer Aggressivität
und geschmeidiger Lead-Ansprache.
Der #36-Mod geht noch einen Schritt weiter. Die Gain-Struktur wird dichter und satter, die Sättigung nimmt zu und der Amp entwickelt jene fast schon singende Qualität, die man mit modifizierten Achtziger-Marshalls verbindet. Zwei unterschiedliche Interpretationen Praktisch dass im üppigen Menü von „Spark“ gleich an „Appette For Destruction“ und „Use Your Illusion“-angelehnte Presets verfügbar sind.
Wie alle anderen Mercuriall-Plugins ist auch Spark in das
hauseigene Ampbox-Ökosystem eingebettet und profitiert von der leicht zu
handhabenden Benuzeroberfläche und der Fülle an Cab-Simulationen und Effekten– wie beim 1987X
hat auch hier der legendäre Steve Stevens Presets beigesteuert.
Fazit
„Spark“ ist weit mehr als einfach eine weitere
Marshall-Emulation im. Das Plugin versteht es erstaunlich gut die raren S.I.R.-Mods
in den digitalen Bereich zu transportieren. Auch bei jenen Playern, die schon eine
Armada von britisch-inspirierten Ampsims besitzen, dürfte so der titelegebende Funke
überspringen.
