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| Credit Bild: © Mercuriall Audio Software |
Mit dem Mercuriall
6160III versucht Mercuriall Audio nun genau diese spezielle Mischung aus digital
einzufangen. Die spannende Frage dabei ist allerdings nicht bloß, ob der
typische Sound getroffen wird. Interessanter ist vielmehr, ob die Simulation
auch jenes unmittelbare Spielgefühl reproduzieren kann, das den 5150 seit
Jahrzehnten zu einem der wichtigsten modernen Amp-Designs überhaupt macht.
Digitale Präzision
Der Mercuriall 6160III
basiert auf dem EVH 5150III Stealth. Dieser bietet drei Kanäle und drei Klang-Charaktere:
Clean, Crunch und Lead. Was auf dem Papier zunächst vertraut wirkt, entfaltet
in der Praxis eine bemerkenswerte Bandbreite.Der Clean-Kanal bleibt klar,
druckvoll und direkt, ohne jene sterile Glätte vieler moderner Metal-Amps zu
entwickeln. Statt klinischer Sauberkeit erhält man hier einen Sound mit
Charakter. Der Crunch-Kanal liefert genau jene bissige, artikulierte Zerre, die
man für rhythmisches Spiel benötigt, hat aber soviele Gain-Reserven, dass er
auch für Leads problemlos funktioniert.Und schließlich der Lead-Kanal: dicht,
sustainreich,– aber eben nicht undefiniert oder matschig. Besonders interessant
ist dabei die interne Abstimmung der Gain-Struktur. Selbst bei extremen
Einstellungen bleibt der Sound erstaunlich kontrollierbar.
Modeling &
Spielgefühl
Wie schon bei anderen Mercuriall-Simulationen basiert auch der 6160III auf einem sehr tiefgehenden Modeling-Ansatz. Die Entwickler simulieren nicht bloß Frequenzgänge oder statische Verzerrungsprofile, sondern rekonstruieren das Verhalten der eigentlichen Schaltkreise. Und genau deshalb fühlt sich der 6160III weniger wie ein statisches Plugin und deutlich mehr wie ein echter Verstärker an.Besonders auffällig ist dabei das Verhalten beim Zurückdrehen des Volume-Potis. Selbst stark verzerrte Sounds reagieren äußerst organisch auf Pegelreduktionen. Palm Mutes kommen präzise und definiert. Selbst schnelle Riffpassagen behalten ihre Kontur. Leads schneiden mühelos durch den Mix, ohne unangenehm schrill zu wirken. Gleichzeitig bleiben selbst komplexe Arrangements transparent.
Der 6160III reagiert
dabei bemerkenswert sensibel auf Anschlagdynamik und Spielweise. Trotz hoher
Kompression bleibt die Artikulation erhalten. Schnelle
Alternate-Picking-Passagen bleiben differenziert, komplexe Akkorde matschen
nicht ineinander und selbst moderne Low-Tuning-Riffs behalten eine erstaunliche
Klarheit.
Stealth vs. Classic – zwei Gesichter desselben Amps
Ein besonders
spannendes Detail der Mercuriall-Umsetzung – bei dem sich die Entwickler sogar
gewisse Freiheiten gegenüber dem Original herausgenommen haben – ist die
Möglichkeit, zwischen Stealth- und Classic-Voicing im dritten Kanal zu
wechseln. Und genau dieses Feature verändert die Charakteristik des Amps
deutlich stärker, als man zunächst vermuten würde. Der Stealth-Mode klingt
moderner, aggressiver und dichter komprimiert. Das ist auch jener Modus, mit
dem sich der spätere EVH-Sound erstaunlich authentisch reproduzieren lässt –
jener fully saturated Ton, den Van Halen selbst in seinen späteren Jahren
bevorzugte. Der Classic-Mode hingegen geht klanglich einige Schritte zurück
Richtung Ursprung. Offener, luftiger, dynamischer und näher an den
traditionelleren High-Gain-Strukturen früherer 5150-Generationen.Man bewegt
sich hier gewissermaßen entlang einer Zeitachse moderner High-Gain-Geschichte.
Fazit
Mit dem 6160III
gelingt Mercuriall Audio eine der überzeugendsten digitalen Interpretationen
eines modernen High-Gain-Klassikers, der beine inflationär häufig gemodelt
wurde. Vor allem die Mischung aus massiver Sättigung, Tightness und
erstaunlicher Transparenz wird hier beeindruckend authentisch eingefangen. Dabei
reproduziert die Software nicht nur den Sound des EVH 5150III Stealth, sondern auch
das Spielgefühl.
