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| Credit Bild: © Mercuriall Audio Software |
Es gibt Verstärker, die einfach nur gut klingen – und es gibt jene, die eine ganze Ära mitdefinieren. Der vom deutschen Amp Guru Reinhold Bogner entwickelte Bogner Ecstasy gehört zweifellos in beide Kategorien. In einer Zeit, in der Gitarrensounds zunehmend zwischen Vintage-Romantik und kompromisslosem High-Gain-Exzess polarisierten, gelang Bogner Anfang der 1990er-Jahre ein bemerkenswerter Balanceakt: ein Verstärker, der in all diesen Metiers gleichermaßen reüssieren konnte – und noch deutlich mehr.
Mit der Amp Sim
„Euphoria“ der russischen Entwickler von Mercuriall Audio gibt es nun digitale
Interpretation dieses Amps – inklusive austauschbarer Front Grill-Designs und
all jener Schalter, Optionen und Eigenheiten, die den Bogner seit Jahrzehnten
zum Favoriten unzähliger Tweaker machen. Doch vermag es diese digitale Rekreierung
tatsächlich auch, die komplexen Eigenheiten des sehr speziellen
Bogner-Signature-Sounds überzeugend einzufangen und damit für die titelgebende
Euphorie zu sorgen?
Die Geburt eines
modernen Klassikers
Der Ecstasy war nie
nur als bloße Weiterentwicklung
bestehender Konzepte gedacht, sondern vielmehr als eigenständiges Design, das zwar
auf d en Schultern von Riesen stand, gleichzeitig aber auch die ureigene Vision
Reinhold Bogners, eines Mannes mit ebenso ausgeprägten technischen Fähigkeiten
wie klanglichen Visionen umsetzte. Drei Kanäle, umfangreiches Tone Shaping,
schaltbare Voicings – ein Baukasten für professionelle Gitarristen, die
maximale Kontrolle bei gleichzeitig musikalischer Ansprache suchten und genau
wussten, was sie taten. Denn der Bogner gab Musikern mit seinen unzähligen
Reglern und Schaltern zwar einerseits nahezu grenzenlose Möglichkeiten der
Klangformung in die Hände, gleichzeitig mussten sie diesen für damalige
Verhältnisse relativ komplexen Amp aber auch beherrschen lernen.
Digital Euphoria
Mit Mercuriall Audios Euphoria wird genau dieses Klangideal erstaunlich
präzise eingefangen. Die gesamten Sounds, die man von einem solchen Amp
erwartet, sind sofort präsent: der rotzige, rauchige Blues Rock-Ton wie man ihn
etwa von Audley Freed in seiner Zeit bei den Black Crowes kennt (nachzuhören
auf dem genialen Album „Live At The Greek“, zusammen mit Jimmy Page), der edle,
fast schon flüssige Lead-Ton a la Steve Lukather und dieser massive
Heavy-Riff-Sounds mit enormem Druck, der nach Neunziger schreit und noch heute
ein Referenz-Sound ist.
Hier spielt das extrem
komplexe Modeling-Konzept von Mercuriall seine größten Stärken aus. Das
bedeutet konkret: Die internen Abläufe des Röhrenverstärkers wurden auf
Schaltkreisebene modelliert. Nichtlineare Verzerrungen, Interaktionen zwischen
einzelnen Bauteilen sowie dynamische Abhängigkeiten von Signalpegeln und
Reglerstellungen wurden dabei detailliert berücksichtigt. Der Verstärker wird bei
diesem Verfahren nicht einfach oberflächlich „nachgebaut“, sondern in seiner
eigentlichen Funktionsweise digital rekonstruiert. Und genau das hört man. Selbst
stark verzerrte Sounds lassen sich bemerkenswert gut allein über das
Volume-Poti der Gitarre cleaner einstellen – eine Eigenschaft, die gerade bei
digitalen Amp-Simulationen noch immer keineswegs selbstverständlich ist, zumindest
nicht in jener Güte die Mercuriall bewerkstelligt.
Besonders
beeindruckend ist außerdem, wie deutlich hörbar die jeweiligen Switches und
Voicing-Schalter tatsächlich arbeiten. Jede Änderung greift spürbar in das
Spielgefühl und die Klangstruktur ein, anstatt lediglich minimale klangkosmetische
Unterschiede zu erzeugen. Auch die integrierten Boosts des Ampbox-Ecosytsems in
das dieser Amp eingebettet ist, sowie das hauseigene IR-System interagieren
vorbildlich mit dem Amp und tragen entscheidend zum authentischen Gesamtbild
bei.
Fazit
Mit Euphoria gelingt
Mercuriall Audio eine weitere bemerkenswert präzise digitale Nachbildung
eines berühmten Verstärkers. Gerade die Eigenheiten und charakteristischen
Stärken des Bogner Ecstasy – seine Dynamik, seine Tiefe und sein enorm
wandelbarer Grundcharakter – werden hier erstaunlich organisch und inspirierend
eingefangen. Der Bogner Amp lebt nicht nur von seinem Gain, sondern von seiner
Ansprache. Von der Art, wie der Ton unter den Fingern reagiert. Genau dieses
Gefühl transportiert Euphoria mehr als überzeugend in die digitale Welt.
