Montag, 14. September 2026

EASTWEST COMPOSERCLOUD + : Das Flatrate-Orchester

Credit Bild: © EastWest
Es gibt diesen besonderen Moment, wenn eine wirklich gute Orchester-Library zum ersten Mal erklingt. Plötzlich stehen da nicht mehr nur ein paar Samples auf der „Bühne der Festplatte“, sondern Streicher, die atmen. Blechbläser, die sich gegenseitig beeinflussen, ein Chor, der tatsächlich nach einem Raum klingt – kurz: eine Klangwelt, die der eigenen Komposition eine Dimension gibt, die mit einem normalen Software-Instrument nur schwer zu erreichen ist. Gute Sample-Libraries können genau das: Sie verzaubern. Sie lassen einen mit wenigen Mausklicks plötzlich dort landen, wo sonst ein komplettes Ensemble, ein großes Studio und eine ziemlich aufwendige Recording-Session nötig wären.

Und dann ist da der Elefant im Raum: der Preis. Denn man muss aus der Sache keinen Hehl machen: Gute Sample-Libraries sind teuer. Und wer schon einmal ein wirklich hochwertiges Orchester, eine aufwendig gesampelte Gitarre oder ein entsprechend tief produziertes Instrument gekauft hat, weiß auch warum. Hinter diesen Libraries stecken riesige Aufnahmesessions, Musiker, Studios, Mikrofonierungen, Editing, Programming und nicht zuletzt Terabytes an Audio. Billig geht das nur selten, wenn es am Ende auch wirklich gut klingen soll.

East West mischt im Segment der High profile-Samples schon seit vielen Jahren mit, und geht mit ihrem Subscription-Service ComposerCloud +  deshalb einen sehr zeitgemäßen Weg: Flatrate statt Einzelkauf. Für eine monatliche beziehungsweise jährliche Subscription erhält man Zugriff auf das komplette, hochpreisige Library-Universum des Herstellers – und zwar nicht als abgespeckte Player-Version, sondern in vollem Umfang. Das ist durchaus eine Ansage.

Und eine, die vor allem für viele Composer interessant wird. Denn niemand braucht zwangsläufig jeden Monat dieselbe Library. Heute steht vielleicht ein orchestraler Auftrag an, morgen eine elektronische Produktion, übermorgen ein Trailer, eine Filmmusik oder schlicht ein Projekt, für das plötzlich eine Steel Guitar, ein Chor oder ein exotisches Instrument gefragt ist. Über das eigene Download Center lässt sich gezielt installieren, was gerade benötigt wird. Oder anders formuliert: Man kauft nicht mehr das Instrument für das Projekt, sondern bekommt eine ziemlich große Instrumentenwelt zur Verfügung und entscheidet erst danach, was davon tatsächlich auf die Platte kommt.

Von der Koloratur-Arie zu Hollywood-Streichern

Und diese Welt ist groß. Sehr groß.

Von charaktervollen Einzelinstrumenten über Gitarren und Bässe bis hin zu Chören, Synths und ausgewachsenen Orchester-Libraries reicht das Angebot; mit Produkten von Künstlern und Produzenten finden sich dabei ebenso spezialisierte Klangwelten wie klassische Studio-Werkzeuge. Eine E-Gitarre (eines der Legacy-Produkte mit einer von Steve Stevens eingespielten  virtuellenGitarre) steht hier neben außergewöhnlichen Instrumenten-Libraries, experimentelleren Konzepten wie dem „Typewriter“ von Steven Wilson und schließlich dem großen Hollywood-Orchester.

Gerade diese Mischung macht die ComposerCloud+ interessant. Sie ist weniger eine einzelne Library als vielmehr ein Werkzeugkasten für unterschiedliche musikalische Situationen. Natürlich wird nicht jede einzelne Library für jeden Anwender gleich relevant sein – das wäre bei diesem Umfang auch schlicht unrealistisch. Aber genau darin liegt der Charme des Modells: Die Wahrscheinlichkeit, dass man irgendwann vor einem Projekt sitzt und denkt „Dafür könnte ich jetzt genau dieses Instrument gebrauchen“, ist ziemlich hoch.

Opus als Dach über der Klangbibliothek

Technisch läuft das Ganze über den Opus Player, der als zentrale Oberfläche für die East-West-Libraries fungiert. Wer mit Native Instruments Kontakt vertraut ist, erkennt das Prinzip sofort: Das Plugin bildet gewissermaßen das Dach, unter dem die einzelnen Instrumente geladen, verwaltet und innerhalb der DAW gespielt werden.

Ich habe das Ganze in  Pro Tools ausprobiert – und genau hier zeigt sich eine angenehme Seite der ComposerCloud+. Trotz des teilweise absurden Umfangs der Libraries fühlt sich das System nicht wie ein digitaler Schwertransporter an. Download, Installation und Laden der Instrumente funktionieren schnell und unkompliziert; auch innerhalb der DAW bleibt das Ganze erfreulich flüssig.

Und eil sich so ein Abo-Service natürlich auch an aufstrebende, junge Komponisten und Musiker in Ausbildung richtet, die erst am Amfang ihrer Laufbahn stehen: eine externe SSD ist Pflicht. Nicht allein wegen der Geschwindigkeit, die eine solche Festplatte im Vergleich zu den älteren und für Sample Libraries vollkommen ungeeigneten (weil zu langsamen) externen HDDs -  sondern weil East West Libraries im Programm hat, deren Speicherbedarf sich problemlos im sehr hohen Gigabyte-Bereich bewegen. Wer die komplette Klangwelt erkunden möchte, sollte also entsprechend dimensionierten Massenspeicher einplanen. Denn irgendwo müssen diese Samples ja hin.

Viel Material, wenig Schnickschnack

Bemerkenswert ist dabei, dass die schiere Größe des Angebots nicht automatisch in komplizierte Bedienung übersetzt wird. Gerade bei Orchester-Libraries kann man sich schließlich hervorragend in Menüs, Artikulationen, Keyswitches und Unterseiten verlieren. East West hält die eigentliche Performance dagegen vergleichsweise schnörkellos.Gut, das Interface mag design-mäßig ein wenig in die Jahre gekommen sein und einige der in der Composer Cloud erhältlichen Libraries haben schon etliche Jahre auf dem Buckel – die nach wie vor hohe Audio-Qualität und die schiere Masse überzeugen dennoch

Fazit

Wer nur zwei oder drei ganz bestimmte Libraries benötigt und diese über Jahre verwenden möchte, fährt mit einem klassischen Kauf unter Umständen besser. Die Flatrate spielt ihre Stärke dort aus, wo musikalische Anforderungen wechseln, viele unterschiedliche Projekte entstehen oder man schlicht keine Lust hat, für jedes neue Klangproblem wieder eine vierstellige Summe an Sample-Libraries zusammenzukaufen.

Für Composer, Produzenten und Musiker, die regelmäßig zwischen E-Gitarre, Chor, Synth und vollwertigem Hollywood-Orchester wechseln, kann das ausgesprochen sinnvoll sein. Und wer gerne ausprobiert, bevor das nächste Projekt überhaupt feststeht, bekommt mit der ComposerCloud+ etwas, das klassische Library-Käufe naturgemäß nicht bieten können: eine riesige Klangbibliothek, die sich dem Projekt anpasst – und nicht umgekehrt.

Direktlink: https://www.soundsonline.com/composercloud