Es gibt diesen
besonderen Moment, wenn eine wirklich gute Orchester-Library zum ersten Mal
erklingt. Plötzlich stehen da nicht mehr nur ein paar Samples auf der „Bühne
der Festplatte“, sondern Streicher, die atmen. Blechbläser, die sich
gegenseitig beeinflussen, ein Chor, der tatsächlich nach einem Raum klingt –
kurz: eine Klangwelt, die der eigenen Komposition eine Dimension gibt, die mit
einem normalen Software-Instrument nur schwer zu erreichen ist. Gute Sample-Libraries
können genau das: Sie verzaubern. Sie lassen einen mit wenigen Mausklicks
plötzlich dort landen, wo sonst ein komplettes Ensemble, ein großes Studio und
eine ziemlich aufwendige Recording-Session nötig wären..jpg)
Credit Bild: © EastWest
Und dann ist da der
Elefant im Raum: der Preis. Denn man muss aus der Sache keinen Hehl machen: Gute
Sample-Libraries sind teuer. Und wer schon einmal ein wirklich hochwertiges
Orchester, eine aufwendig gesampelte Gitarre oder ein entsprechend tief
produziertes Instrument gekauft hat, weiß auch warum. Hinter diesen Libraries
stecken riesige Aufnahmesessions, Musiker, Studios, Mikrofonierungen, Editing,
Programming und nicht zuletzt Terabytes an Audio. Billig geht das nur selten,
wenn es am Ende auch wirklich gut klingen soll.
East West mischt im Segment
der High profile-Samples schon seit vielen Jahren mit, und geht mit ihrem Subscription-Service
ComposerCloud + deshalb
einen sehr zeitgemäßen Weg: Flatrate statt Einzelkauf. Für eine
monatliche beziehungsweise jährliche Subscription erhält man Zugriff auf das
komplette, hochpreisige Library-Universum des Herstellers – und zwar nicht als
abgespeckte Player-Version, sondern in vollem Umfang. Das ist durchaus eine
Ansage.
Und eine, die vor
allem für viele Composer interessant wird. Denn niemand braucht zwangsläufig
jeden Monat dieselbe Library. Heute steht vielleicht ein orchestraler Auftrag
an, morgen eine elektronische Produktion, übermorgen ein Trailer, eine
Filmmusik oder schlicht ein Projekt, für das plötzlich eine Steel Guitar, ein
Chor oder ein exotisches Instrument gefragt ist. Über das eigene Download
Center lässt sich gezielt installieren, was gerade benötigt wird. Oder
anders formuliert: Man kauft nicht mehr das Instrument für das Projekt, sondern
bekommt eine ziemlich große Instrumentenwelt zur Verfügung und entscheidet erst
danach, was davon tatsächlich auf die Platte kommt.
Von der
Koloratur-Arie zu Hollywood-Streichern
Und diese Welt ist
groß. Sehr groß.
Von charaktervollen
Einzelinstrumenten über Gitarren und Bässe bis hin zu Chören, Synths und
ausgewachsenen Orchester-Libraries reicht das Angebot; mit Produkten von
Künstlern und Produzenten finden sich dabei ebenso spezialisierte Klangwelten
wie klassische Studio-Werkzeuge. Eine E-Gitarre (eines der Legacy-Produkte mit
einer von Steve Stevens eingespielten virtuellenGitarre) steht hier neben
außergewöhnlichen Instrumenten-Libraries, experimentelleren Konzepten wie dem „Typewriter“
von Steven Wilson und schließlich dem großen Hollywood-Orchester.
Gerade diese Mischung
macht die ComposerCloud+ interessant. Sie ist weniger eine einzelne Library als
vielmehr ein Werkzeugkasten für unterschiedliche musikalische Situationen.
Natürlich wird nicht jede einzelne Library für jeden Anwender gleich relevant
sein – das wäre bei diesem Umfang auch schlicht unrealistisch. Aber genau darin
liegt der Charme des Modells: Die Wahrscheinlichkeit, dass man irgendwann vor
einem Projekt sitzt und denkt „Dafür könnte ich jetzt genau dieses Instrument
gebrauchen“, ist ziemlich hoch.
Opus als Dach über
der Klangbibliothek
Technisch läuft das
Ganze über den Opus Player, der als zentrale Oberfläche für die
East-West-Libraries fungiert. Wer mit Native Instruments Kontakt vertraut ist,
erkennt das Prinzip sofort: Das Plugin bildet gewissermaßen das Dach, unter dem
die einzelnen Instrumente geladen, verwaltet und innerhalb der DAW gespielt
werden.
Ich habe das Ganze in Pro Tools ausprobiert – und genau hier zeigt
sich eine angenehme Seite der ComposerCloud+. Trotz des teilweise absurden
Umfangs der Libraries fühlt sich das System nicht wie ein digitaler
Schwertransporter an. Download, Installation und Laden der Instrumente
funktionieren schnell und unkompliziert; auch innerhalb der DAW bleibt das
Ganze erfreulich flüssig.
Und eil sich so ein Abo-Service natürlich auch an aufstrebende, junge Komponisten und Musiker in Ausbildung richtet, die erst am Amfang ihrer Laufbahn stehen: eine externe SSD ist Pflicht. Nicht allein wegen der Geschwindigkeit, die eine solche Festplatte im Vergleich zu den älteren und für Sample Libraries vollkommen ungeeigneten (weil zu langsamen) externen HDDs - sondern weil East West Libraries im Programm hat, deren Speicherbedarf sich problemlos im sehr hohen Gigabyte-Bereich bewegen. Wer die komplette Klangwelt erkunden möchte, sollte also entsprechend dimensionierten Massenspeicher einplanen. Denn irgendwo müssen diese Samples ja hin.
Viel Material,
wenig Schnickschnack
Bemerkenswert ist dabei, dass die schiere Größe des Angebots nicht automatisch in komplizierte Bedienung übersetzt wird. Gerade bei Orchester-Libraries kann man sich schließlich hervorragend in Menüs, Artikulationen, Keyswitches und Unterseiten verlieren. East West hält die eigentliche Performance dagegen vergleichsweise schnörkellos.Gut, das Interface mag design-mäßig ein wenig in die Jahre gekommen sein und einige der in der Composer Cloud erhältlichen Libraries haben schon etliche Jahre auf dem Buckel – die nach wie vor hohe Audio-Qualität und die schiere Masse überzeugen dennoch
Fazit
Wer nur zwei oder drei
ganz bestimmte Libraries benötigt und diese über Jahre verwenden möchte, fährt
mit einem klassischen Kauf unter Umständen besser. Die Flatrate spielt ihre
Stärke dort aus, wo musikalische Anforderungen wechseln, viele unterschiedliche
Projekte entstehen oder man schlicht keine Lust hat, für jedes neue
Klangproblem wieder eine vierstellige Summe an Sample-Libraries
zusammenzukaufen.
Für Composer,
Produzenten und Musiker, die regelmäßig zwischen E-Gitarre, Chor, Synth und vollwertigem Hollywood-Orchester wechseln, kann das
ausgesprochen sinnvoll sein. Und wer gerne ausprobiert, bevor das nächste
Projekt überhaupt feststeht, bekommt mit der ComposerCloud+ etwas, das
klassische Library-Käufe naturgemäß nicht bieten können: eine riesige
Klangbibliothek, die sich dem Projekt anpasst – und nicht umgekehrt.
Direktlink: https://www.soundsonline.com/composercloud