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Allerdings
gehört zum professionellen Arbeiten auch, die Möglichkeiten eines solchen
Programms möglichst unmittelbar unter den Fingern zu haben.Und genau hier wird
ein Stück Studio-Equipment interessant, das neben Mikrofonen, Audio-Interfaces
und den neuesten Plugins vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit bekommt: die
Computertastatur. So findet man in mindestens ebenso vielen Studios inzwischen
auch speziell auf die jeweilige Software zugeschnittene Tastaturen.
Wer täglich
aufnimmt, editiert und mischt, verbringt schließlich einen beträchtlichen Teil
dieser Zeit damit, Befehle auszulösen. Ein Fenster wechseln, einen Clip
schneiden, die Aufnahme starten, eine Auswahl verändern – lauter kleine
Handgriffe, die möglichst selbstverständlich ablaufen sollten. Muss man
zwischendurch überlegen, welche Tastenkombination jetzt gefragt war, oder sich
durch Menüs bewegen, gerät der kreative Fluss schnell ins Stocken.
Entsprechend
sinnvoll sind speziell auf die jeweilige Software zugeschnittene, farblich
codierte Tastaturen. Ihr Prinzip ist ebenso einfach wie ausgeklügelt: Die
Beschriftung und die farbliche Hervorhebung macht wichtige Shortcuts direkt auf
den Tasten sichtbar und bindet die Hardware damit enger in den
Software-Workflow ein.
Eine solche
Tastatur kommt vom dänischen Hersteller Logickeyboard.
Die hier getestete TITAN für Avid Pro Tools für Windows verbindet dieses
Konzept mit Hintergrundbeleuchtung sowie USB- und Bluetooth-Betrieb. Und sie
liegt gerade vor mir, während ich diese Zeilen tippe.
Stellt sich die
Frage: Kann eine DAW-Tastatur den Studio-Workflow tatsächlich verändern?
Shortcuts
statt Maus- und Tastenkombinationsakrobatik
Wer regelmäßig
mit Pro Tools arbeitet, kennt das Problem: Die Software ist mächtig,
entsprechend umfangreich fällt die Zahl ihrer Tastaturbefehle aus. Vieles davon
geht irgendwann in Fleisch und Blut über. Andere Shortcuts kennt man zwar
theoretisch, sucht sie im entscheidenden Moment aber trotzdem im Menü.
Genau hier
setzt Logickeyboard an. Die TITAN trägt mehr als 70 Pro-Tools-Shortcuts
auf ihren Tasten. Beschriftung und Farbcodierung helfen dabei, sich im
Befehlsvorrat der DAW zu orientieren. Technisch bleibt sie eine reguläre
Computertastatur; ihre besondere Stärke liegt darin, die vorhandenen
Steuerungsmöglichkeiten von Pro Tools unmittelbar sichtbar zu machen.
Das ist ein
kleiner, aber nicht zu unterschätzender Unterschied. Man muss sich nicht
jederzeit an jede einzelne Funktion erinnern. Häufig genügt ein Blick auf das
Layout, um den gesuchten Befehl wiederzufinden und direkt auszuführen.
Und das
erleichtert die Arbeit ungemein – so sehr, dass man sich schon nach kurzer Zeit
fragt, weshalb man eigentlich so lange ohne Shortcut-Keyboard gearbeitet hat.
Letztlich geht
es um jene wiederkehrenden
Bedienvorgänge, die sich über einen langen Recording-, Editing- oder Mixing-Tag
summieren. Ein Tastendruck statt Menüsuche, ein griffbereiter Befehl statt
eines weiteren Weges über den Bildschirm: Jede einzelne Abkürzung mag
unspektakulär wirken. In ihrer Gesamtheit verändern sie den Arbeitsfluss
durchaus.
Gerade beim
Editing wird das interessant. Wer viele Takes schneidet, Clips bearbeitet,
Spuren organisiert oder zwischen Werkzeugen und Ansichten wechselt, entwickelt
ohnehin seine persönliche Shortcut-Routine. Das Logickeyboard unterstützt diese
Arbeitsweise und macht zugleich auf Befehle aufmerksam, die bislang vielleicht
noch gar nicht zum eigenen Repertoire gehörten. Ein echtes Pro-Tools-Tool
also.
Das
Handling: Erstaunlich schnell selbstverständlich
Das Handling
ist intuitiv, weil man sich grundsätzlich in vertrautem Terrain bewegt. Eine
Computertastatur muss man schließlich nicht erst bedienen lernen. Auch die
TITAN benötigt keine speziellen Treiber; sie wird per USB oder Bluetooth
verbunden und als normale Tastatur verwendet.
Die
Eingewöhnung betrifft vor allem die zusätzliche Beschriftung und die farbliche
Orientierung. Nach kurzer Zeit beginnt man, bestimmte Funktionen automatisch an
ihrer Position wiederzufinden. Aus dem anfänglichen Nachsehen wird allmählich
eine Handbewegung, über die man kaum noch nachdenkt.Natürlich bleiben die
Bedienregeln von Pro Tools erhalten. Manche Befehle benötigen weiterhin
zusätzliche Tasten wie Strg, Alt oder Shift.
Der Charme des
Logickeyboards liegt dagegen darin, sich in eine ohnehin bestehende
Arbeitsweise einzufügen. Man ersetzt seine gewohnte Tastatur und bekommt genau
dort zusätzliche Orientierung, wo die Hände bereits arbeiten.
Das ist bei
Studio-Hardware keineswegs selbstverständlich. Ein Produkt kann auf dem Papier
noch so sinnvoll sein: Verlangsamt oder verkompliziert es den Ablauf,
verschwindet es nach kurzer Zeit wieder vom Schreibtisch. Hier ist das
Gegenteil der Fall. Die TITAN wird erstaunlich schnell selbstverständlich.
Verarbeitung und Design

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Haptisch und
optisch hat man es hier fraglos mit einem Premium-Produkt zu tun. Das ist ein
professionelles Werkzeug mit Stil. Schon die attraktive Verpackung
vermittelt einen wertigen ersten Eindruck, den die Tastatur selbst dann ohne
Weiteres bestätigt.
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Das TITAN-Design
ist schlichtweg sexy: flach, aufgeräumt und mit einem titangrauen Gehäuse, auf
dem sich die farbigen Tasten deutlich abheben. Die Beschriftung wirkt wie ein
integraler Bestandteil des Produkts. Das gesamte Erscheinungsbild passt zu
einem Arbeitsgerät, das seinen festen Platz im Studio beansprucht.
Das
Aluminiumgehäuse und die flachen Tasten mit Scherenschalter-Mechanik
bilden die konstruktive Grundlage. Die Bauhöhe beträgt lediglich rund 13
Millimeter. Im Gebrauch vermittelt das Keyboard ein präzises, angenehm
direktes Tippgefühl. Es ist flach, ohne dabei billig oder klapprig zu wirken.
Diese Qualität
ist im Alltag mindestens ebenso wichtig wie die aufgedruckten Shortcuts. Eine
Tastatur liegt permanent vor einem, wird unzählige Male am Tag berührt und muss
sich auch dann gut anfühlen, wenn gerade keine Session läuft.
Wie eingangs angedeutet, habe ich einen Großteil dieses Reviews tatsächlich auf der TITAN geschrieben. Nach einer kurzen – und ich betone: wirklich kurzen – Umgewöhnung funktioniert auch das Tippen von Fließtext tadellos. Die voneinander abgesetzten Chiclet-Tasten bieten genügend Orientierung, um zwischen Tracknamen, Session-Notizen, E-Mails und längeren Absätzen zu wechseln.
Für sehr große
Textmengen würde ich persönlich zwar weiterhin zu meiner bevorzugten
Schreib-Tastatur greifen oder die Tastatur des Laptops zum Glühen bringen. Das
ist aber eine Frage der Gewohnheit. Für das Beschriften von Tracks, fürs Surfen
und für den üblichen Schreiballtag ist die TITAN ausgesprochen gut geeignet.
Sie bleibt
damit eine vollwertige Computertastatur, deren Spezialisierung genau dort einen
Mehrwert bietet, wo Pro Tools ins Spiel kommt.
Back to where the Music is: Die Tastatur als Teil des
Studios
Letztlich soll
eine Shortcut-Tastatur dafür sorgen, dass man möglichst wenig über ihre
Bedienung nachdenken muss. Der Blick bleibt bei der Session, die Aufmerksamkeit
beim musikalischen Geschehen. Gerade beim Editing ist das wertvoll: Man hört
eine Stelle, erkennt, was zu tun ist, und setzt den entsprechenden Handgriff
um.
Muss man
stattdessen zunächst nach einer Funktion suchen, wird aus einer musikalischen
Entscheidung schnell eine kleine Bedienaufgabe. Einzeln betrachtet dauert das
vielleicht nur Sekunden. Über einen längeren Arbeitstag entstehen daraus jedoch
wiederkehrende Unterbrechungen.
Die farbliche
Orientierung und die Beschriftung der TITAN verkürzen diese Wege. Insofern
lässt sich das Logickeyboard durchaus als eine physische Benutzeroberfläche
für Pro Tools verstehen. Ein Teil dessen, was sonst am Bildschirm oder im
Gedächtnis organisiert werden muss, bekommt einen festen Platz auf dem
Schreibtisch.
Und vielleicht
ist genau das die größte Stärke des Konzepts: Es erleichtert die Arbeit, ohne
sich selbst ständig in den Vordergrund zu drängen.
USB-C,
Bluetooth und Akku: Flexibilität mit kleinem Schlafbedürfnis
Ein weiterer
Pluspunkt ist die Möglichkeit, die Tastatur sowohl kabelgebunden als auch
kabellos zu betreiben. Die TITAN unterstützt USB und Bluetooth 5.1; ein USB-C-auf-USB-C-Kabel
gehört zum Lieferumfang. Zwischen beiden Verbindungsarten lässt sich per Taste
wechseln.
Das ist
insbesondere dann praktisch, wenn das Keyboard nicht permanent an derselben
Stelle liegen soll. An einem größeren Studioarbeitsplatz kann man es zur Seite
nehmen, näher an ein anderes Instrument rücken oder beim Editing eine andere
Sitzposition wählen, ohne sofort über die Kabelführung nachdenken zu müssen.
Die integrierte
Batterie hält in meinem Nutzungsszenario solide durch, ohne allerdings
Marathon-Ausdauer zu besitzen. Nach gut zwei bis zweieinhalb Wochen muss
ich nachladen. Insgesamt eine ordentliche Leistung, die für meinen Geschmack aber
durchaus noch höher ausfallen dürfte.
Dabei spielt
die Beleuchtung eine wesentliche Rolle. Die Tasten lassen sich in fünf
Helligkeitsstufen beleuchten – ausgesprochen angenehm im abgedunkelten
Studio, im kabellosen Betrieb allerdings mit entsprechendem Energiebedarf
verbunden. Der Hersteller nennt bis zu 300 Stunden ohne Beleuchtung
beziehungsweise bis zu 40 Stunden auf der niedrigsten Beleuchtungsstufe.
Eine Spur
übereifrig ist das Energiesparverhalten: Die Beleuchtung erlischt nach zwei
Minuten ohne Eingabe, und im kabellosen Betrieb verabschiedet sich die Tastatur
nach Inaktivität in den Ruhezustand – auch wenn man gerade konzentriert über einen
längeren Zeitraum eine Passage abhört. Ein Tastendruck weckt sie wieder auf;
wer das kleine Schlafbedürfnis grundsätzlich unterbinden möchte, verbindet das
Keyboard mit einer externen Stromversorgung, an der es auch bei
Bluetooth-Nutzung wach bleibt.
Fazit
Die
entscheidende Frage lautet natürlich: Braucht man das? Für meinen Workflow:
ja, unbedingt.
Ich hatte
durchaus erwartet, mit dem Logickeyboard ein gutes und praktikables Werkzeug zu
bekommen. Wie schnell es sich im täglichen Arbeiten etabliert, hat mich dann
aber doch überrascht. Der unmittelbare Zugriff auf den Aufnahmebefehl und die
verschiedenen Editing-Shortcuts ist nach kurzer Zeit so selbstverständlich
geworden, dass ich die Tastatur aus meinem Studio-Workflow kaum noch wegdenken
möchte.
Die TITAN macht
die Bedienung von Pro Tools zugänglicher und übersichtlicher. Nach einer kurzen
Eingewöhnungsphase geht sie mir damit auch schneller von der Hand. Besonders
interessant ist das für Anwender, die sich die Pro-Tools-Shortcuts erst
systematisch aneignen oder zwischen verschiedenen DAWs wechseln und deren
Tastaturbefehle nicht jederzeit auseinanderhalten.
Die
Beschriftung dient dabei als Gedächtnisstütze direkt am Arbeitsplatz. Statt ein
Cheat Sheet hervorzuholen, genügt häufig der Blick nach unten.
Das Logickeyboard
TITAN für Pro Tools übersetzt einen Teil der Softwarelogik in ein
physisches Interface. Die Idee wirkt zunächst beinahe zu einfach, um einen
größeren Unterschied zu machen. Im täglichen Arbeiten zeigt sich jedoch, wie
angenehm es ist, wichtige Befehle unmittelbar vor sich zu haben und sie
zunehmend selbstverständlich abzurufen.
Der größte
Vorteil zeigt sich ohnehin erst nach einigen Tagen: Man denkt irgendwann nicht
mehr darüber nach. Die Hand wandert zur entsprechenden Taste, der Befehl wird
ausgeführt und man arbeitet weiter. Genau so sollte sich ein Werkzeug
verhalten, das den kreativen Prozess unterstützen will.
Und vielleicht
ist das auch das beste Kompliment, das man einer solchen Spezialtastatur machen
kann: Nach kurzer Zeit fühlt sie sich nicht mehr wie ein Zubehörteil an,
sondern wie ein Teil von Pro Tools selbst.
Quasi: Ein Shortcut, der bleibt.Und um die Frage ob eine dezidierte DAW-Tastatur den Studio-Workflow tatsächlich verändern kann zu beantworten: sie kann es tatsächlich.
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