Freitag, 16. Oktober 2026

LOGICKEYBOARD TITAN PRO TOOLS Test: Mehr Musik, weniger Umwege

Credit Bild: © 6strings24frames
In so gut wie jedem professionellen Studio dieser Welt findet man den unbestrittenen Industriestandard unter den Recording-Softwares: Pro Tools, die Pionier-DAW von Avid. Der Autor dieser Zeilen ist – ist – wie hier im ausführlichen Pro Tools Ultimate Test nachzulesen ist – selbst großer Fan dieser Software, die ihrem Namen alle Ehre macht

Allerdings gehört zum professionellen Arbeiten auch, die Möglichkeiten eines solchen Programms möglichst unmittelbar unter den Fingern zu haben.Und genau hier wird ein Stück Studio-Equipment interessant, das neben Mikrofonen, Audio-Interfaces und den neuesten Plugins vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit bekommt: die Computertastatur. So findet man in mindestens ebenso vielen Studios inzwischen auch speziell auf die jeweilige Software zugeschnittene Tastaturen.

Wer täglich aufnimmt, editiert und mischt, verbringt schließlich einen beträchtlichen Teil dieser Zeit damit, Befehle auszulösen. Ein Fenster wechseln, einen Clip schneiden, die Aufnahme starten, eine Auswahl verändern – lauter kleine Handgriffe, die möglichst selbstverständlich ablaufen sollten. Muss man zwischendurch überlegen, welche Tastenkombination jetzt gefragt war, oder sich durch Menüs bewegen, gerät der kreative Fluss schnell ins Stocken.

Entsprechend sinnvoll sind speziell auf die jeweilige Software zugeschnittene, farblich codierte Tastaturen. Ihr Prinzip ist ebenso einfach wie ausgeklügelt: Die Beschriftung und die farbliche Hervorhebung macht wichtige Shortcuts direkt auf den Tasten sichtbar und bindet die Hardware damit enger in den Software-Workflow ein.

Eine solche Tastatur kommt vom dänischen Hersteller Logickeyboard. Die hier getestete TITAN für Avid Pro Tools für Windows verbindet dieses Konzept mit Hintergrundbeleuchtung sowie USB- und Bluetooth-Betrieb. Und sie liegt gerade vor mir, während ich diese Zeilen tippe.

Stellt sich die Frage: Kann eine DAW-Tastatur den Studio-Workflow tatsächlich verändern?

Shortcuts statt Maus- und Tastenkombinationsakrobatik

Wer regelmäßig mit Pro Tools arbeitet, kennt das Problem: Die Software ist mächtig, entsprechend umfangreich fällt die Zahl ihrer Tastaturbefehle aus. Vieles davon geht irgendwann in Fleisch und Blut über. Andere Shortcuts kennt man zwar theoretisch, sucht sie im entscheidenden Moment aber trotzdem im Menü.

Genau hier setzt Logickeyboard an. Die TITAN trägt mehr als 70 Pro-Tools-Shortcuts auf ihren Tasten. Beschriftung und Farbcodierung helfen dabei, sich im Befehlsvorrat der DAW zu orientieren. Technisch bleibt sie eine reguläre Computertastatur; ihre besondere Stärke liegt darin, die vorhandenen Steuerungsmöglichkeiten von Pro Tools unmittelbar sichtbar zu machen.

Das ist ein kleiner, aber nicht zu unterschätzender Unterschied. Man muss sich nicht jederzeit an jede einzelne Funktion erinnern. Häufig genügt ein Blick auf das Layout, um den gesuchten Befehl wiederzufinden und direkt auszuführen.

Und das erleichtert die Arbeit ungemein – so sehr, dass man sich schon nach kurzer Zeit fragt, weshalb man eigentlich so lange ohne Shortcut-Keyboard gearbeitet hat.

Letztlich geht es  um jene wiederkehrenden Bedienvorgänge, die sich über einen langen Recording-, Editing- oder Mixing-Tag summieren. Ein Tastendruck statt Menüsuche, ein griffbereiter Befehl statt eines weiteren Weges über den Bildschirm: Jede einzelne Abkürzung mag unspektakulär wirken. In ihrer Gesamtheit verändern sie den Arbeitsfluss durchaus.

Gerade beim Editing wird das interessant. Wer viele Takes schneidet, Clips bearbeitet, Spuren organisiert oder zwischen Werkzeugen und Ansichten wechselt, entwickelt ohnehin seine persönliche Shortcut-Routine. Das Logickeyboard unterstützt diese Arbeitsweise und macht zugleich auf Befehle aufmerksam, die bislang vielleicht noch gar nicht zum eigenen Repertoire gehörten. Ein echtes Pro-Tools-Tool also.

Das Handling: Erstaunlich schnell selbstverständlich

Das Handling ist intuitiv, weil man sich grundsätzlich in vertrautem Terrain bewegt. Eine Computertastatur muss man schließlich nicht erst bedienen lernen. Auch die TITAN benötigt keine speziellen Treiber; sie wird per USB oder Bluetooth verbunden und als normale Tastatur verwendet.

Die Eingewöhnung betrifft vor allem die zusätzliche Beschriftung und die farbliche Orientierung. Nach kurzer Zeit beginnt man, bestimmte Funktionen automatisch an ihrer Position wiederzufinden. Aus dem anfänglichen Nachsehen wird allmählich eine Handbewegung, über die man kaum noch nachdenkt.Natürlich bleiben die Bedienregeln von Pro Tools erhalten. Manche Befehle benötigen weiterhin zusätzliche Tasten wie Strg, Alt oder Shift.

Der Charme des Logickeyboards liegt dagegen darin, sich in eine ohnehin bestehende Arbeitsweise einzufügen. Man ersetzt seine gewohnte Tastatur und bekommt genau dort zusätzliche Orientierung, wo die Hände bereits arbeiten.

Das ist bei Studio-Hardware keineswegs selbstverständlich. Ein Produkt kann auf dem Papier noch so sinnvoll sein: Verlangsamt oder verkompliziert es den Ablauf, verschwindet es nach kurzer Zeit wieder vom Schreibtisch. Hier ist das Gegenteil der Fall. Die TITAN wird erstaunlich schnell selbstverständlich.

Verarbeitung und Design

Credit Bild: © 6strings24frames

Credit Bild: © 6strings24frames
Haptisch und optisch hat man es hier fraglos mit einem Premium-Produkt zu tun. Das ist ein professionelles Werkzeug mit Stil. Schon die attraktive Verpackung vermittelt einen wertigen ersten Eindruck, den die Tastatur selbst dann ohne Weiteres bestätigt.

Das TITAN-Design ist schlichtweg sexy: flach, aufgeräumt und mit einem titangrauen Gehäuse, auf dem sich die farbigen Tasten deutlich abheben. Die Beschriftung wirkt wie ein integraler Bestandteil des Produkts. Das gesamte Erscheinungsbild passt zu einem Arbeitsgerät, das seinen festen Platz im Studio beansprucht.

Das Aluminiumgehäuse und die flachen Tasten mit Scherenschalter-Mechanik bilden die konstruktive Grundlage. Die Bauhöhe beträgt lediglich rund 13 Millimeter. Im Gebrauch vermittelt das Keyboard ein präzises, angenehm direktes Tippgefühl. Es ist flach, ohne dabei billig oder klapprig zu wirken.

Diese Qualität ist im Alltag mindestens ebenso wichtig wie die aufgedruckten Shortcuts. Eine Tastatur liegt permanent vor einem, wird unzählige Male am Tag berührt und muss sich auch dann gut anfühlen, wenn gerade keine Session läuft.

Wie eingangs angedeutet, habe ich einen Großteil dieses Reviews tatsächlich auf der TITAN geschrieben. Nach einer kurzen – und ich betone: wirklich kurzen – Umgewöhnung funktioniert auch das Tippen von Fließtext tadellos. Die voneinander abgesetzten Chiclet-Tasten bieten genügend Orientierung, um zwischen Tracknamen, Session-Notizen, E-Mails und längeren Absätzen zu wechseln.

Für sehr große Textmengen würde ich persönlich zwar weiterhin zu meiner bevorzugten Schreib-Tastatur greifen oder die Tastatur des Laptops zum Glühen bringen. Das ist aber eine Frage der Gewohnheit. Für das Beschriften von Tracks, fürs Surfen und für den üblichen Schreiballtag ist die TITAN ausgesprochen gut geeignet.

Sie bleibt damit eine vollwertige Computertastatur, deren Spezialisierung genau dort einen Mehrwert bietet, wo Pro Tools ins Spiel kommt.

Back to where the Music is: Die Tastatur als Teil des Studios

Letztlich soll eine Shortcut-Tastatur dafür sorgen, dass man möglichst wenig über ihre Bedienung nachdenken muss. Der Blick bleibt bei der Session, die Aufmerksamkeit beim musikalischen Geschehen. Gerade beim Editing ist das wertvoll: Man hört eine Stelle, erkennt, was zu tun ist, und setzt den entsprechenden Handgriff um.

Muss man stattdessen zunächst nach einer Funktion suchen, wird aus einer musikalischen Entscheidung schnell eine kleine Bedienaufgabe. Einzeln betrachtet dauert das vielleicht nur Sekunden. Über einen längeren Arbeitstag entstehen daraus jedoch wiederkehrende Unterbrechungen.

Die farbliche Orientierung und die Beschriftung der TITAN verkürzen diese Wege. Insofern lässt sich das Logickeyboard durchaus als eine physische Benutzeroberfläche für Pro Tools verstehen. Ein Teil dessen, was sonst am Bildschirm oder im Gedächtnis organisiert werden muss, bekommt einen festen Platz auf dem Schreibtisch.

Und vielleicht ist genau das die größte Stärke des Konzepts: Es erleichtert die Arbeit, ohne sich selbst ständig in den Vordergrund zu drängen.

USB-C, Bluetooth und Akku: Flexibilität mit kleinem Schlafbedürfnis

Ein weiterer Pluspunkt ist die Möglichkeit, die Tastatur sowohl kabelgebunden als auch kabellos zu betreiben. Die TITAN unterstützt USB und Bluetooth 5.1; ein USB-C-auf-USB-C-Kabel gehört zum Lieferumfang. Zwischen beiden Verbindungsarten lässt sich per Taste wechseln.

Das ist insbesondere dann praktisch, wenn das Keyboard nicht permanent an derselben Stelle liegen soll. An einem größeren Studioarbeitsplatz kann man es zur Seite nehmen, näher an ein anderes Instrument rücken oder beim Editing eine andere Sitzposition wählen, ohne sofort über die Kabelführung nachdenken zu müssen.

Die integrierte Batterie hält in meinem Nutzungsszenario solide durch, ohne allerdings Marathon-Ausdauer zu besitzen. Nach gut zwei bis zweieinhalb Wochen muss ich nachladen. Insgesamt eine ordentliche Leistung, die für meinen Geschmack aber durchaus noch höher ausfallen dürfte.

Dabei spielt die Beleuchtung eine wesentliche Rolle. Die Tasten lassen sich in fünf Helligkeitsstufen beleuchten – ausgesprochen angenehm im abgedunkelten Studio, im kabellosen Betrieb allerdings mit entsprechendem Energiebedarf verbunden. Der Hersteller nennt bis zu 300 Stunden ohne Beleuchtung beziehungsweise bis zu 40 Stunden auf der niedrigsten Beleuchtungsstufe.

Eine Spur übereifrig ist das Energiesparverhalten: Die Beleuchtung erlischt nach zwei Minuten ohne Eingabe, und im kabellosen Betrieb verabschiedet sich die Tastatur nach Inaktivität in den Ruhezustand – auch wenn man gerade konzentriert über einen längeren Zeitraum eine Passage abhört. Ein Tastendruck weckt sie wieder auf; wer das kleine Schlafbedürfnis grundsätzlich unterbinden möchte, verbindet das Keyboard mit einer externen Stromversorgung, an der es auch bei Bluetooth-Nutzung wach bleibt.

Fazit

Die entscheidende Frage lautet natürlich: Braucht man das? Für meinen Workflow: ja, unbedingt.

Ich hatte durchaus erwartet, mit dem Logickeyboard ein gutes und praktikables Werkzeug zu bekommen. Wie schnell es sich im täglichen Arbeiten etabliert, hat mich dann aber doch überrascht. Der unmittelbare Zugriff auf den Aufnahmebefehl und die verschiedenen Editing-Shortcuts ist nach kurzer Zeit so selbstverständlich geworden, dass ich die Tastatur aus meinem Studio-Workflow kaum noch wegdenken möchte.

Die TITAN macht die Bedienung von Pro Tools zugänglicher und übersichtlicher. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase geht sie mir damit auch schneller von der Hand. Besonders interessant ist das für Anwender, die sich die Pro-Tools-Shortcuts erst systematisch aneignen oder zwischen verschiedenen DAWs wechseln und deren Tastaturbefehle nicht jederzeit auseinanderhalten.

Die Beschriftung dient dabei als Gedächtnisstütze direkt am Arbeitsplatz. Statt ein Cheat Sheet hervorzuholen, genügt häufig der Blick nach unten.

Das Logickeyboard TITAN für Pro Tools übersetzt einen Teil der Softwarelogik in ein physisches Interface. Die Idee wirkt zunächst beinahe zu einfach, um einen größeren Unterschied zu machen. Im täglichen Arbeiten zeigt sich jedoch, wie angenehm es ist, wichtige Befehle unmittelbar vor sich zu haben und sie zunehmend selbstverständlich abzurufen.

Der größte Vorteil zeigt sich ohnehin erst nach einigen Tagen: Man denkt irgendwann nicht mehr darüber nach. Die Hand wandert zur entsprechenden Taste, der Befehl wird ausgeführt und man arbeitet weiter. Genau so sollte sich ein Werkzeug verhalten, das den kreativen Prozess unterstützen will.

Und vielleicht ist das auch das beste Kompliment, das man einer solchen Spezialtastatur machen kann: Nach kurzer Zeit fühlt sie sich nicht mehr wie ein Zubehörteil an, sondern wie ein Teil von Pro Tools selbst.

Quasi: Ein Shortcut, der bleibt.Und um die Frage ob eine dezidierte DAW-Tastatur den Studio-Workflow tatsächlich verändern kann zu beantworten: sie kann es tatsächlich.