![]() |
| Credit Bild: © Crow Hill Company |
Denn gerade
beim Scoring sind jene Klänge besonders reizvoll, die vertraut genug
erscheinen, um unmittelbar etwas auszulösen, sich aber keiner eindeutigen
Schublade zuordnen lassen. Ein bisschen Harfe, eine Ahnung von gezupfter
Gitarre, dazu metallisch schimmernde Noises. Musik für einen Märchenwald,
dessen Bewohner man vielleicht lieber bei Tageslicht kennenlernt.
Waldklang
Gefunden hat
Christian Henson das ungewöhnliche Harfeninstrument in einem Folk-Musikgeschäft
gegenüber dem Crow-Hill-Studio. Zum Glück besitzt die Konstruktion einen
Tonabnehmer, denn akustisch ist sie ausgesprochen leise. Neben der
Mikrofonierung kamen deshalb ein kleiner Verstärker und schließlich ein langsam
rotierendes Leslie zum Einsatz (dennoch ist diese Library generell sehr leise, ein
Pegel-Boost via Limiter ist in der Praxis also vonnöten)
Gerade diese
Entscheidung ist musikalisch interessant. Die Bewegung des rotierenden
Lautsprechers erweitert den gezupften Ton um eine räumliche Unruhe, die sich
für schwebende Begleitfiguren anbietet. Die Psalterien ergänzen feinere,
metallische Konturen; eines der beiden ist eigentlich zum Streichen gedacht,
wurde hier aber ebenfalls gezupft.
Daraus
entstehen zwölf Klangprogramme: solistische Varianten, unterschiedliche
Ensemble-Kombinationen und sechs atmosphärische Pads. Die Zahl bezeichnet also
verschiedene Aufbereitungen derselben drei Ausgangsinstrumente. Darin liegt
eine Stärke des Konzepts: Einzelne Zupftöne und stärker bearbeitete Flächen
bleiben klanglich miteinander verwandt und lassen sich als unterschiedliche
Ebenen eines Arrangements denken.
Für einen intimen Indie-Folk-Song wäre etwa eine sparsame Begleitfigur naheliegend; in einem Fantasy-Score könnte dieselbe Klangfamilie anschließend den atmosphärischen Hintergrund übernehmen.
Bewegung
zwischen den Saiten
Besonders
spannend ist der TREMS-Regler. Er mischt bei vielen akustischen Klängen
unregelmäßige Tonwiederholungen hinzu, deren Geschwindigkeit zwischen den
einzelnen Noten variiert. Ein gehaltener Akkord kann dadurch kleine, wechselnde
Figuren hervorbringen: Mal tritt dieser Ton hervor, dann ein anderer.
Für schwebende
Texturen ist das ein reizvoller Ansatz. Allerdings verlangt er auch nach
musikalischer Zurückhaltung. Wo bereits eine präzise rhythmische Begleitung
arbeitet, können zusätzliche, frei laufende Wiederholungen schnell zu viel des
Guten werden.
Filter sowie
die Makros für Leslie, Delay, Sparkles und Splosh erlauben weitere Eingriffe.
Interessant dürfte dabei gerade das Dosieren sein: genügend Bearbeitung für
räumliche Tiefe, aber noch ausreichend Kontur, damit die ungewöhnlichen
Saiteninstrumente ihren Charakter behalten.
Eigenwilliger
Spezialist mit klaren Grenzen
Die Begrenzung
von Forest Harps liegt vor allem in seiner bewusst engen Klangwelt. Aus der
kleinen Besetzung entstehen unterschiedliche Perspektiven, eine umfassende
Sammlung akustischer Instrumente sollte man hier aber keineswegs erwarten. Auch
für die detailgetreue Umsetzung einer klassischen Konzertharfenpartitur ist
dieses Konzept kaum die naheliegende Wahl.
Seine besondere
Farbe verlangt zudem nach Platz im Arrangement. Zwischen dichten Gitarren,
großen Streicherflächen und üppigen Synth-Layern dürften ausgerechnet jene
feinen Details in den Hintergrund geraten, die das Instrument interessant
machen. Als exponierte Stimme oder gezielt eingesetzte Ergänzung erscheint
Forest Harps deshalb besonders sinnvoll.
Fazit
Kleine
Besetzung, große Vorstellungskraft: Crow Hill Forest Harps überzeugt
durch eine ungewöhnliche, musikalisch schlüssige Idee. Die Verbindung aus
gezupften Naturmaterialien, metallischen Saiten und bewegten Texturen eröffnet
reizvolle Möglichkeiten für Folk, Ambient und atmosphärisches Scoring. Der extrem
begrenzte Umfang bleibt dabei ein Vorbehalt, die ausgeprägte Eigenart ein
überzeugendes Argument. In Summe ein kleines Instrumentarium mit genügend
Charakter, um aus einer unscheinbaren Begleitfigur den musikalischen
Fingerabdruck einer Szene zu machen.
