Dienstag, 6. Oktober 2026

NEURAL DSP ARCHETYPE: MISHA MANSOOR X Test – Das Plugin für außergewöhnliche Djentlemen

Credit Bild: © Neural DSP
Gitarrist, Synth-Aficionado, maßgeblicher Wegbereiter eines ganzen Subgenres, Sportwagen-Enthusiast – Misha Mansoor ist eine der vielseitigsten und herausragendsten Persönlichkeiten der zeitgenössischen Heavy-Szene und des Progressive Metal. Mit seiner Band Periphery lotet er klangliche Grenzen aus. Zudem gilt er als einer der maßgeblichen Vertreter des Djent – jener Spielart des modernen Metal, deren charakteristisches Fundament aus tief gestimmten Gitarren, perkussiven Palm-Mutes, komplexen Rhythmen und einer geradezu chirurgischen Präzision besteht. Wie ein Heavy-Sound im aktuellen Zeitalter klingen muss, darüber weiß der Vielbeschäftigte also ein oder zwei Dinge. 

Dies kulminiert nun im Archetype: Misha Mansoor X Plugin von Neural DSP, einem der größten Player im Modeling-Land. Die Archetype-Reihe ist dabei immer prominenten Gitarristen gewidmet und destilliert den jeweiligen Signature Sound in eine Plugin-Suite. Das Ergebnis ist also nicht einfach eine weitere virtuelle Amp-Sammlung, sondern der Versuch, eine sehr spezifische Klangästhetik in ein flexibles Software-Instrument zu übersetzen.

Amps und Cabs

Drei Amps stehen im Zentrum des Plugins – und interessanterweise handelt es sich dabei nicht einfach um digitale 1:1-Abbilder einzelner Verstärker. Vielmehr hat Mansoor unterschiedliche Amp-DNA-Stränge miteinander gekreuzt und daraus drei eigene Designs geschaffen. Das macht den Archetype besonders, denn statt lediglich bekannte Klassiker virtuell nebeneinanderzustellen, geht es hier um jene Kombinationen, die Mansoor für seinen eigenen Sound interessant findet.

Der Clean Amp basiert auf einem Mesa/Boogie Lonestar und deckt entsprechend die deutlich zahmere Seite des Plugins ab. Viel Headroom, ein voller, hochwertiger Grundcharakter und genügend Dynamik sorgen dafür, dass hier nicht bloß der obligatorische Clean-Kanal geliefert wird. Dreht man ihn weiter auf, bewegt er sich angenehm in Richtung Crunch und leichter Overdrive – und liefert damit bereits den ersten Hinweis darauf, dass dieser Archetype wesentlich mehr kann als ausschließlich Djent.

Beim Rhythm Amp wird es erwartungsgemäß deutlich rabiater. Hier treffen Peavey 5150 beziehungsweise Mansoors Invective und Omega Ampworks Granophyre aufeinander – also gleich mehrere moderne High-Gain-Schwergewichte. Und diese Kombination macht auf dem Papier genauso viel Sinn wie unter den Fingern: Der aggressive Attack und der extrem kontrollierte Punch der Peavey-DNA verbinden sich mit der massiven Gewalt des Granophyre. Das Ergebnis ist jener charakteristisch trockene und präzise High-Gain-Sound, bei dem selbst tief gestimmte Akkorde nicht einfach zu einer Wolke aus Verzerrung zerfallen. Palm-Mutes kommen mit Nachdruck aus den Speakern, komplexe Akkorde bleiben erstaunlich transparent und schnelle Riffs wirken beinahe maschinell exakt.

Amp Nummer drei verschiebt den Schwerpunkt schließlich von maximalem Rhythmus-Punch in Richtung Sustain und Lead. Hier lautet die  Gleichung Friedman HBE meets Bogner Snorkler. Die britisch geprägte Friedman-DNA trifft damit auf einen der begehrtesten modifizierten Bogner-Sounds – und entsprechend geschmeidiger präsentiert sich das Ergebnis. Der Amp singt stärker, komprimiert musikalisch und liefert reichlich Sustain. Gerade Leads erhalten dadurch jene Mischung aus cremiger Oberfläche und bissiger Präsenz, die sich auch in dichten Arrangements noch durchsetzen kann.

Die drei Amps sind weniger drei isolierte Klangwelten als drei unterschiedliche Perspektiven auf Mansoors Vorstellung eines modernen Gitarrensounds: Clean, Rhythm und Lead das ist  die erwartbare Trifekta der meisten Amp-Sims, hier erhalten sie jedoch eine besonders deutliche und eigenwillige Note, die man so in keiner anderen Suite findet.

Das Entscheidende dabei: Selbst bei stark verzerrten Sounds bleibt das Plugin crisp und präzise, der Anschlag geht nie unter.Gerade im Djent- und Progressive-Metal-Kontext ist das keine Nebensächlichkeit. Wo viel Gain, tiefe Tunings und komplexe Riffs zusammenkommen, kann ein Gitarrensound schnell zu einer amorphen Wand aus Verzerrung werden. Der Archetype: Misha Mansoor geht den entgegengesetzten Weg. Trotz der massiven Zerre bleibt die Ansprache kontrolliert, die Transienten sind präsent und selbst schnelle, rhythmisch hochkomplexe Figuren behalten ihre Kontur.

Das ist letztlich genau die Ästhetik, für die Mansoor steht: massiv, tight und präzise, ohne dass die Gitarre dabei an physischer Präsenz verliert.

Auch die Cab-Sektion fügt sich entsprechend in dieses Konzept ein und macht aus dem Amp-Signal einen Sound, der ohne große Verrenkungen mix-ready aus dem Plugin kommt. Jedem Amp steht dabei ein passendes Cabinet gegenüber: ein 1x12 mit Eminence-Speaker für den Clean Amp sowie zwei 4x12-Cabs mit Vintage 30s beziehungsweise Greenbacks für Rhythm und Lead. Insgesamt stehen 378 von Adam „Nolly“ Getgood aufgenommene Impulse Responses sowie sieben frei positionierbare virtuelle Mikrofone zur Verfügung.Gerade für moderne Produktionen ist das ein wichtiger Punkt: Der Sound soll nicht erst nach einer halben Stunde EQ-Arbeit funktionieren, sondern bereits beim ersten Anschlag eine klare Richtung vorgeben.

Effekte

Hier holt das Plugin mit Horizon Devices einen entscheidenden Teil von Mansoors eigener Hardware-Welt in die Software. Sowohl der Horizon Devices Compressor als auch der Precision Drive wurden detailgetreu nachmodelliert. Gerade Letzterer gehört praktisch zum Grundvokabular moderner High-Gain-Gitarren und sorgt dafür, das Low End vor dem Amp zu straffen und den Anschlag noch stärker nach vorne zu holen.

Die Effektsektion geht damit jedoch deutlich über das hinaus, was man von einem klassischen Amp-Sim erwarten würde, und orientiert sich konsequent an der modernen Gitarrenproduktion.

Ebenso ungewöhnlich sind die experimentelleren Pitch- und Special-FX. Laser kombiniert Ringmodulation und Pitch-Shifting und lässt sich unter anderem via Expression-Pedal steuern – ideal für Breakdowns, Übergänge und Noise-Experimente im zeitgenössischen Metal. Hinzu kommen der Dual Octaver sowie der granulare Glitch-Effekt, der das Gitarrensignal zerlegt und in Stutter-, Pitch- und Textur-Effekte verwandelt.

Und genau hier wird aus dem Signature-Amp langsam ein richtiges Sound-Design-Tool. Denn die Effekte sind nicht bloß dekoratives Beiwerk, sondern erweitern den musikalischen Spielraum des Plugins erheblich. Pitch-Shifting, abgefahrene Modulationen und die charakteristischen Noise-Spielereien gehören schließlich längst zum Vokabular moderner Heavy-Produktionen. Das passt wiederum hervorragend zu Mansoor, dessen musikalischer Ansatz nie ausschließlich auf möglichst brutale Gitarren beschränkt war. Zwischen Metal, Progressive Rock, Elektronik und Sound-Experimenten existieren zahlreiche Schnittstellen – und genau diese Offenheit findet sich auch im Plugin wieder.

Soundtrack

Ich selbst spiele eher nicht im Djent-Bereich, und dennoch hat mich dieses Plugin begeistert. Das ist ganz im Sinne Mansoors, der dieses Plugin als Sandbox und Starting Point für Experimentation sieht. Entsprechend flexibel ist es dann auch ausgelegt.Man ist hier keineswegs auf Metal abonniert, sondern kann das Plugin für eine Vielzahl von Rock-Sounds verwenden. Die kreativen Glitch- und Noise-Effekte und der sustainreiche Grundcharakter, der stets edel und präzise artikuliert rüberkommt, machen das Ganze auch für heftige Gitarrensounds im Scoring/Soundtrack-Bereich praktikabel. Zumal dieses Plugin bei aller Modernität auchs ehr klassich klingen kann, 

Und plötzlich funktioniert der Archetype in einem völlig anderen Kontext.Wie geschmolzene Lava schieben sich Riffs selbst über dichte Synth-Flächen, während die kontrollierte Ansprache dafür sorgt, dass auch bei enormer Klangdichte noch eine erstaunliche Definition erhalten bleibt. Gerade im Zusammenspiel mit elektronischen Sounds entsteht dabei eine interessante Spannung: Die Gitarre muss nicht zwingend als klassische Rockgitarre im Vordergrund stehen, sondern kann selbst zum Sound-Design-Element werden.

Mit den kreativen Delays und Effekten sind atmosphärische, noisige Leads selbst über dichten Orchesterarrangements kein Problem. Was normalerweise schnell nach klanglichem Matsch klingt, lässt sich hier erstaunlich kontrolliert in den Mix integrieren. Das macht das Plugin auch für Filmmusik, Trailer und andere cineastische Anwendungen interessant, bei denen Gitarren weniger die Rolle einer klassischen Band-Gitarre übernehmen als vielmehr Textur, Bewegung und Energie liefern sollen.

ICONIC INSTRUMENTS DETROIT DRUMS & DETROIT FX Test: Motown, British Invasion und der Sound der Sixties

Credit Bild: © Iconic Instruments
Detroit hatte schon immer ein besonderes Verhältnis zu Rhythmus. In den Fabrikhallen stampften Pressen und Fließbänder im Takt, ein paar Straßenzüge weiter entstanden Grooves, die wenig später die halbe Popwelt bewegen sollten. 

Der Detroit Drum Sound war direkt, kompakt und unverschämt effektiv: eine Snare mit Biss, eine Kick mit Schub, kurze Toms, trockene Räume und genau die richtige Portion Dreck zwischen den Transienten. Nicht groß, nicht luxuriös, nicht auf Hochglanz poliert – dafür mit einem Groove, der Songs innerhalb weniger Takte auf Betriebstemperatur brachte.

Und natürlich entstand dieser ganz spezielle Charakter nicht allein am Schlagzeug.  Stimmung, Mikrofone, Preamps, Bandmaschinen, Kompression, Raum und allerlei technische Eigenheiten verschmolzen zu einer klanglichen Handschrift, die heute geradezu ikonisch ist. Gerade weil damals vieles aus heutiger Sicht limitiert war, besitzen diese Aufnahmen etwas, das modernen Produktionen trotz praktisch unbegrenzter Möglichkeiten erstaunlich oft fehlt: Identität.

Genau hier setzen ICONIC INSTRUMENTS DETROIT DRUMS & DETROIT FX an. Das eine Plugin liefert das rhythmische Fundament, das andere soll die passende Produktionsästhetik rundherum beisteuern. Gemeinsam wollen sie also nicht einfach ein paar Vintage-Drums und Retro-Effekte in die DAW stellen, sondern eine ganze Ära klanglich rekonstruieren.

Detroit Drums: Motown ohne Museum

Detroit Drums besteht aus zwei separaten Drum-Modellen, schlicht L-Model und S-Model betitelt. Beide entstanden in Zusammenarbeit mit dem Good Hands Drum Shop in New York und basieren auf originalen Kits aus den Sechzigern, bestückt mit zeitgenössischen beziehungsweise heute kaum noch erhältlichen Original-Fellen und Cymbals. Selbst die Tuning-Methoden orientieren sich an der damaligen Praxis.

Das ist wesentlich wichtiger, als es zunächst klingt. Ein Vintage-Drum-Sound entsteht nämlich nicht dadurch, dass man ein modernes Kit durch eine Tape-Simulation jagt. Die Instrumente selbst waren anders dimensioniert, anders gestimmt und oftmals erheblich stärker gedämpft als das, was man heute aus Rock- und Pop-Produktionen kennt. Detroit Drums trifft diese Ästhetik ausgesprochen gut. Die Sounds wirken kompakt, warm und sofort älter, ohne nach einem übertriebenen Lo-Fi-Filter zu klingen.

Dampening – the lost art

Eines der interessantesten Features ist die individuelle Kontrolle über Tuning und Dampening jedes Drums.Gerade die Dämpfung ist für Sixties-Sounds essenziell.

Ein Tea Towel, ein Stück Tape oder andere Formen der Fell-Dämpfung verändern Sustain, Attack, Obertöne und letztlich die komplette Rolle der Trommel im Arrangement. Iconic Instruments macht diesen Bereich direkt spielbar.Ein offenerer Sound bewegt sich stärker in Richtung Jazz, frühes R&B oder akustischere Produktionen; mit zunehmender Dämpfung landen Snare und Toms schneller in jener kurzen, fokussierten Welt klassischer Soul- und Pop-Records.Gerade dadurch ist Detroit Drums erheblich flexibler, als der Name vermuten lässt.Natürlich ist Motown der offensichtliche Ausgangspunkt.Aber nicht die Endstation.

Genau deshalb funktioniert die Library auch ausgezeichnet für Beat Music und British Invasion.Die frühen britischen Bands entwickelten ihre Sprache schließlich keineswegs in einem Vakuum. Amerikanischer Rhythm & Blues, Soul, Rock ’n’ Roll und Motown waren wesentliche Bezugspunkte jener Musiker, die wenige Jahre später von Liverpool und London aus die Popwelt veränderten. Selbst der internationale Erfolg des Motown-Sounds nahm während der British-Invasion-Ära weiter zu.Für einen frühen Charlie Watts-Sound muss man bei Detroit Drums deshalb gar nicht besonders viel verbiegen.

Zwei Kits, zwei Perspektiven

Die beiden Modelle unterscheiden sich genug, um nicht wie reine Variationen desselben Kits zu wirken.

Das L-Model besitzt nach meinem Eindruck etwas mehr Offenheit und den klassischeren großen Pop-/R&B-Charakter. Die Snare wirkt detailreicher, während das Kit insgesamt etwas universeller erscheint.

Das S-Model kommt dunkler und etwas kompakter daher. Gerade für Funk, engere Soul-Grooves oder stärker gedämpfte Beat-Sounds ist das ausgesprochen reizvoll.

Beide Instrumente sind multisampled und unterstützen Round Robins. Zusätzlich gibt es ungewöhnlich viele Artikulationen: sechs Snare-Varianten, unterschiedliche Kick- und Tom-Zonen, mehrere Cymbal-Artikulationen und sechs Öffnungsgrade der Hi-Hat, die sich sogar kontinuierlich per Controller durchfahren lassen. General MIDI und ein erweitertes chromatisches Mapping stehen ebenfalls zur Verfügung.

Dadurch bleibt Detroit Drums trotz seines Retro-Konzepts tatsächlich ein spielbares Drum-Instrument und nicht nur eine Kollektion hübscher One-Shots.

Der eigentliche Star sitzt hinter dem Kit

Mindestens genauso wichtig wie die Samples ist allerdings die integrierte Mixing-Umgebung.Und hier beginnt Detroit Drums richtig interessant zu werden. Iconic Instruments hat eine komplette Sixties-artige Recording Chain eingebaut: Vintage-Mikrofonierung, Tube-Preamp-Färbung für verschiedene Mic-Busse, Plate Reverb, 660-style Vari-Mu Compression, einfacher Shelving EQ und Tape Processing. Über eine Routing-Matrix kann das komplette Kit intern gemischt oder für externe Bearbeitung auf einzelne DAW-Ausgänge verteilt werden.

Damit verändert sich die Arbeitsweise fundamental.Man lädt nicht einfach „Vintage Snare 01“ und klebt anschließend fünf Retro-Plugins dahinter.Die Drum-Library wurde von Anfang an mit der Aufnahmekette als Teil des Instruments gedacht.Denn wer einen alten Record reproduzieren möchte, braucht eben nicht nur das Instrument, sondern die gesamte Strecke zwischen Fell und Master Tape.

Die im Drum-Instrument integrierten Processing-Module sind bewusst reduzierte Versionen eigenständiger Iconic-Instruments-Plugins. Im Detroit FX Bundle bekommt man diese Tools in vollständiger Form – und kann damit natürlich nicht nur die Drums bearbeiten.

Der Model 350 Tube Preamp orientiert sich an der Input-Stufe eines Ampex-350-Tape-Systems. Statt daraus eine komplizierte Vintage-Laborstation zu machen, konzentriert sich das Plugin auf den musikalisch relevanten Teil: Record Level für die Röhrenfärbung, High- und Low-Pass-Filter zur Eingrenzung der Saturation, paralleles Mixing sowie Playback Level. Iconic hat sogar bewusst mehr Drive zugelassen, als mit dem historischen Gerät normalerweise möglich gewesen wäre.

Klanglich ist genau das die Art Plugin, die man schnell auf zu saubere digitale Spuren wirft.

Nicht um hörbare Distortion zu erzeugen, sondern um den Transienten ein wenig Härte zu nehmen und dem Signal jene subtile Verdichtung zu geben, die man meist erst bemerkt, wenn man das Plugin wieder deaktiviert.

Der Transport Vintage Tape setzt diesen Gedanken konsequent fort. Neben klassischer Tape-Saturation und Compression lassen sich Low- und High-Frequency-Drive separat beeinflussen, ein Head-Bump erzeugen und die Höhen nach der Bearbeitung wieder kontrolliert zurückholen. Besonders clever finde ich den HF-Bypass, mit dem sich die Tape-Färbung auf bestimmte Frequenzbereiche konzentrieren lässt.

Damit kann man Vintage bekommen, ohne automatisch Blanket-over-the-speakers zu erzeugen.

Exciting Compression – Detroit Parallel Processing

Besonders passend zur ganzen Motown-Thematik ist der Model 660 X Exciting Compressor.

Die Grundlage bildet ein klassischer 660-artiger Vari-Mu-Compressor. Iconic Instruments greift darüber hinaus aber eine Technik auf, die mit Motown-Engineer Lawrence Horn verbunden ist: Ein paralleler, stark komprimierter Signalweg wurde zusätzlich massiv in den oberen Frequenzen angehoben und dem unbearbeiteten Signal lediglich beigemischt. Ziel war mehr Präsenz und Excitement, ohne den natürlichen Haupttrack komplett plattzumachen.Model 660 X integriert genau diesen Gedanken direkt.

Neben Input, Threshold und Time Constant gibt es einen separaten Excitement-Bereich, Drive, regelbares Knee und Mix.Auf Drums funktioniert das hervorragend.Ein trockener Beat bekommt plötzlich mehr Snap und Forward Motion, ohne dass man die natürlichen Transienten des Originals komplett opfert.Auch auf Vocals macht das historische Konzept nach wie vor Sinn.

ParametrEQ – sieben musikalische Entscheidungen

Der ParametrEQ rekonstruiert wiederum einen modifizierten Detroit-EQ mit sieben festgelegten Frequenzbändern. Jedes lässt sich um acht Dezibel anheben oder absenken; besonders interessant ist die variable Q-Struktur, die bei kleineren Eingriffen breit und musikalisch bleibt, mit zunehmendem Boost beziehungsweise Cut aber selektiver wird.Das fühlt sich vollkommen anders an als ein moderner grafischer Analyzer-EQ mit 24 frei platzierbaren Nodes.Und gerade deshalb ist er interessant.

SP140 – put it on a plate

Mit dem SP140 kommt schließlich eine der wichtigsten Zutaten klassischer Studioproduktion hinzu: Plate Reverb.Enthalten sind fünf unterschiedliche 140-artige Steel Plates, ergänzt um Pre-Delay, fünf Density-Stufen, Filter, Tube Drive und Stereo-Width-Kontrolle.Gerade auf Detroit Drums ist der Effekt beinahe sofort verständlich.Ein trockener Snare-Schlag bekommt jene leicht metallische, dichte räumliche Fahne, die man mit unzähligen Produktionen der Sechziger und Siebziger verbindet. Und hier führt der Weg wieder weg von Motown und hin zu Phil Spector – und zu  „Be My Baby“, zu den Ronettes, aber auch zur Intro-Sequenz von Martin Scorseses „Mean Streets“Der Song entstand zwar nicht in Detroit, sondern in Gold Star, wo Spectors berühmte Echo Chambers einen wesentlichen Teil der Wall-of-Sound-Ästhetik lieferten. Doch der Grundgedanke ist derselbe: Raum war ein Produktionsmittel, nicht nachträgliche Dekoration.

Vintage ist nicht automatisch vielseitig

Ein kleiner Reality Check gehört dennoch dazu. Detroit Drums besitzt eine sehr klare ästhetische Identität.Wer riesige moderne Rock-Kicks, hyperrealistische 20-Tom-Kits oder maximal offene Cinematic-Percussion sucht, ist hier vollkommen falsch. Auch hinsichtlich der schieren Anzahl an Kit Pieces und Artikulationen können große aktuelle Drum-Libraries natürlich mehr bieten.Aber genau diese Beschränkung empfinde ich fast als Stärke.Dieses Instrument möchte nicht jedes Drumkit zwischen 1950 und heute abbilden.Es möchte eine bestimmte Ära glaubwürdig reproduzieren.Und das gelingt.

Auch das FX Bundle ist stärker Charakter-Sammlung als Universal-Mixing-Suite.

Fazit

Iconic Instruments Detroit Drums und Detroit FX funktionieren für mich besonders gut, weil sie Vintage-Sound nicht auf Tape Flutter und ein vergilbtes GUI reduzieren. Hier wurde verstanden, dass eine Ära aus einer Kette von Entscheidungen besteht.Detroit Drums bringt einen erstaunlich großen Teil der klassischen Drum Recording-Chain bereits innerhalb eines einzigen Instruments zusammen. Die zwei Kits klingen glaubwürdig nach Sixties, lassen sich über Tuning und Dampening aber weit genug formen, um nicht ausschließlich für Motown-Pastiches interessant zu sein.

Das Resultat ist weniger Drum Library plus Effektpaket als eine kleine virtuelle Zeitmaschine. Destination: 1964.

BABYAUDIO SUBCULTURE Test: Plugin mit Tiefgang

Credit Bild: © Babyaudio 
Frequenzen können beim Recording schnell zum Problem werden. Das gilt ganz besonders für jenen Bereich des Spektrums, den man nicht nur hört, sondern geradezu körperlich wahrnimmt. Gerade die tiefe Frequenzen gehören zu den schwierigsten Bereichen eines Mixes. Zu viel davon und Bassdrum und Bass verwandeln sich in undefinierten Matsch. Zu wenig davon und einer Produktion fehlt buchstäblich das Fundament. Zusätzlich muss ein vernünftiger Low-End-Mix vom großen Studiomonitor bis zum Laptop zumindest halbwegs übersetzbar bleiben.

Kein Wunder also, dass sich immer mehr Plugins nicht mehr nur dem gesamten Frequenzspektrum widmen (wie herkömmliche Equalizer und Enhancer), sondern gezielt einzelne Bereiche formen. Baby Audio nimmt sich mit dem neu erschienenen SubCulture nun explizit des Kellergeschosses an.

Drei Wege nach unten

Das Plugin analysiert die Tonhöhe eines monophonen Eingangssignals in Echtzeit und passt seine Bearbeitung permanent an die jeweils gespielte Note an. Statt beispielsweise stumpf 60 Hz anzuheben, wandert die Bearbeitung mit dem musikalischen Material mit. Das klingt zunächst nach einem technischen Detail, ist aber exakt jener Ansatz, der SubCulture von einem simplen EQ unterscheidet.

Im Zentrum stehen drei unterschiedliche Processing Engines: Sub Layer, Root Boost und Resonance.

Der Sub Layer erzeugt aus dem Eingangsmaterial eine zusätzliche tonale Ebene, deren Pitch bis zu zwei Oktaven ober- oder unterhalb des Originals liegen kann. Der entscheidende Unterschied zu einem normalen Pitch Shifter besteht darin, dass nicht bloß ein Signal nach unten transponiert wird. Die komplette Verarbeitung reagiert auf die erkannte Tonhöhe und soll dadurch gerade im Subbereich gleichmäßiger und musikalischer bleiben.

Das ist besonders interessant, wenn einer Bassaufnahme zwar Definition, aber schlicht etwas physische Masse fehlt. Statt den bestehenden Frequenzbereich mit einem EQ immer weiter aufzublasen, kann darunter eine zusätzliche Schicht erzeugt werden.

Root Boost verfolgt wiederum einen anderen Ansatz. Hier folgt ein dynamischer EQ-Prozess der Grundfrequenz der jeweils gespielten Note. Ein statischer Boost würde zwangsläufig immer denselben Frequenzbereich anheben – unabhängig davon, ob gerade ein E, A oder C gespielt wird. Root Boost bewegt sich dagegen mit der Basslinie.

Gerade das macht SubCulture zu einem ausgesprochen praktischen Utility Plugin: Man arbeitet musikalisch mit dem Signal und nicht gegen seine wechselnden Frequenzen.

Als dritte Komponente kommt Resonance hinzu. Dahinter steckt ein parallel arbeitendes, analog inspiriertes Filternetzwerk, das ebenfalls auf die erkannte Tonhöhe abgestimmt wird und zusätzliche Wärme und harmonische Struktur erzeugt.

Die drei Module lassen sich unabhängig voneinander einsetzen und kombinieren.Und genau hier wird es interessant.

Bass Management

Denn SubCulture funktioniert am besten, wenn man es nicht als großen roten MORE BASS-Knopf missversteht.

Ein bereits guter Bass-Sound braucht mitunter überhaupt keine zusätzliche Sub-Oktave. Vielleicht fehlt lediglich etwas Fokus auf der Fundamental oder ein wenig harmonische Unterstützung, damit die Linie in einem dichten Arrangement besser wahrgenommen wird.

Umgekehrt kann ein dünner Synth-Bass durch den Sub Layer plötzlich jene physische Größe bekommen, die ihm vorher gefehlt hat.

Baby Audio ergänzt diese drei zentralen Engines deshalb sinnvollerweise um weitere Werkzeuge. Eine analog modellierte Saturation kann Obertöne erzeugen, während ein integrierter Compressor für zusätzlichen Punch und Kontrolle sorgt. Am Ende der Signalkette lassen sich die Verteilung des Low Ends weiter formen, ein globaler High-Pass einsetzen und die tiefen Frequenzen in Mono überführen. Hinter den kleinen Gear-Symbolen der einzelnen Module verstecken sich zudem weiterführende Parameter für User, die genauer eingreifen möchten.

Das Interface bleibt dabei erfreulich Baby-Audio-typisch, will heißen:Man kommt schnell zu einem Resultat, kann bei Bedarf aber tiefer einsteigen.

Going Underground

Das Pitch Tracking funktioniert auf monophonen Signalen, weshalb sich beispielsweise auch Kick Drums, einzelne Drum-Hits, Vocals oder Synth-Leads bearbeiten lassen. Bei polyphonem Material kann die Tonhöhe statisch vorgegeben beziehungsweise via MIDI gesteuert werden.

Gerade bei einer Kick kann das ausgesprochen wirkungsvoll sein. Fehlt einer Aufnahme der wirklich tiefe Ausklang, lässt sich dieser gezielter ergänzen, anstatt mit drastischen EQ-Boosts Frequenzen hervorzuheben, die im Ausgangssignal möglicherweise kaum vorhanden sind. Baby Audio nennt selbst die Erweiterung tiefer Drum-Resonanzen als einen der möglichen Einsatzzwecke.

Interessanter werden allerdings die weniger naheliegenden Anwendungen. Ein Vocal kann mit einer dezenten unteren Oktave plötzlich körperlicher wirken, während sich Synths oder Leads durch das gleichzeitige Stimmen der verschiedenen Engines in ziemlich extreme Sounddesign-Gefilde schicken lassen. SubCulture besitzt deshalb trotz seines Utility-Charakters durchaus eine kreative Seite.