Frequenzen können beim
Recording schnell zum Problem werden. Das gilt ganz besonders für jenen Bereich
des Spektrums, den man nicht nur hört, sondern geradezu körperlich wahrnimmt. Gerade
die tiefe Frequenzen gehören zu den schwierigsten Bereichen eines Mixes. Zu
viel davon und Bassdrum und Bass verwandeln sich in undefinierten Matsch. Zu
wenig davon und einer Produktion fehlt buchstäblich das Fundament. Zusätzlich
muss ein vernünftiger Low-End-Mix vom großen Studiomonitor bis zum Laptop
zumindest halbwegs übersetzbar bleiben.
Credit Bild: © Babyaudio
Kein Wunder also, dass
sich immer mehr Plugins nicht mehr nur dem gesamten Frequenzspektrum widmen
(wie herkömmliche Equalizer und Enhancer), sondern gezielt einzelne Bereiche
formen. Baby Audio nimmt sich mit dem neu erschienenen SubCulture nun
explizit des Kellergeschosses an.
Drei Wege nach
unten
Das Plugin analysiert
die Tonhöhe eines monophonen Eingangssignals in Echtzeit und passt seine
Bearbeitung permanent an die jeweils gespielte Note an. Statt beispielsweise
stumpf 60 Hz anzuheben, wandert die Bearbeitung mit dem musikalischen Material
mit. Das klingt zunächst nach einem technischen Detail, ist aber exakt jener
Ansatz, der SubCulture von einem simplen EQ unterscheidet.
Im Zentrum stehen drei
unterschiedliche Processing Engines: Sub Layer, Root Boost und Resonance.
Der Sub Layer
erzeugt aus dem Eingangsmaterial eine zusätzliche tonale Ebene, deren Pitch bis
zu zwei Oktaven ober- oder unterhalb des Originals liegen kann. Der
entscheidende Unterschied zu einem normalen Pitch Shifter besteht darin, dass
nicht bloß ein Signal nach unten transponiert wird. Die komplette Verarbeitung
reagiert auf die erkannte Tonhöhe und soll dadurch gerade im Subbereich
gleichmäßiger und musikalischer bleiben.
Das ist besonders
interessant, wenn einer Bassaufnahme zwar Definition, aber schlicht etwas
physische Masse fehlt. Statt den bestehenden Frequenzbereich mit einem EQ immer
weiter aufzublasen, kann darunter eine zusätzliche Schicht erzeugt werden.
Root Boost verfolgt wiederum einen anderen Ansatz. Hier
folgt ein dynamischer EQ-Prozess der Grundfrequenz der jeweils gespielten Note.
Ein statischer Boost würde zwangsläufig immer denselben Frequenzbereich anheben
– unabhängig davon, ob gerade ein E, A oder C gespielt wird. Root Boost bewegt
sich dagegen mit der Basslinie.
Gerade das macht
SubCulture zu einem ausgesprochen praktischen Utility Plugin: Man
arbeitet musikalisch mit dem Signal und nicht gegen seine wechselnden
Frequenzen.
Als dritte Komponente
kommt Resonance hinzu. Dahinter steckt ein parallel arbeitendes, analog
inspiriertes Filternetzwerk, das ebenfalls auf die erkannte Tonhöhe abgestimmt
wird und zusätzliche Wärme und harmonische Struktur erzeugt.
Die drei Module lassen
sich unabhängig voneinander einsetzen und kombinieren.Und genau hier wird es
interessant.
Bass Management
Denn SubCulture
funktioniert am besten, wenn man es nicht als großen roten MORE BASS-Knopf
missversteht.
Ein bereits guter
Bass-Sound braucht mitunter überhaupt keine zusätzliche Sub-Oktave. Vielleicht
fehlt lediglich etwas Fokus auf der Fundamental oder ein wenig harmonische
Unterstützung, damit die Linie in einem dichten Arrangement besser wahrgenommen
wird.
Umgekehrt kann ein
dünner Synth-Bass durch den Sub Layer plötzlich jene physische Größe bekommen,
die ihm vorher gefehlt hat.
Baby Audio ergänzt
diese drei zentralen Engines deshalb sinnvollerweise um weitere Werkzeuge. Eine
analog modellierte Saturation kann Obertöne erzeugen, während ein
integrierter Compressor für zusätzlichen Punch und Kontrolle sorgt. Am
Ende der Signalkette lassen sich die Verteilung des Low Ends weiter formen, ein
globaler High-Pass einsetzen und die tiefen Frequenzen in Mono überführen.
Hinter den kleinen Gear-Symbolen der einzelnen Module verstecken sich zudem
weiterführende Parameter für User, die genauer eingreifen möchten.
Das Interface bleibt
dabei erfreulich Baby-Audio-typisch, will heißen:Man kommt schnell zu einem
Resultat, kann bei Bedarf aber tiefer einsteigen.
Going Underground
Das Pitch Tracking
funktioniert auf monophonen Signalen, weshalb sich beispielsweise auch Kick
Drums, einzelne Drum-Hits, Vocals oder Synth-Leads bearbeiten lassen. Bei
polyphonem Material kann die Tonhöhe statisch vorgegeben beziehungsweise via
MIDI gesteuert werden.
Gerade bei einer Kick
kann das ausgesprochen wirkungsvoll sein. Fehlt einer Aufnahme der wirklich
tiefe Ausklang, lässt sich dieser gezielter ergänzen, anstatt mit drastischen
EQ-Boosts Frequenzen hervorzuheben, die im Ausgangssignal möglicherweise kaum vorhanden
sind. Baby Audio nennt selbst die Erweiterung tiefer Drum-Resonanzen als einen
der möglichen Einsatzzwecke.
Interessanter werden allerdings die weniger naheliegenden Anwendungen. Ein Vocal kann mit einer dezenten unteren Oktave plötzlich körperlicher wirken, während sich Synths oder Leads durch das gleichzeitige Stimmen der verschiedenen Engines in ziemlich extreme Sounddesign-Gefilde schicken lassen. SubCulture besitzt deshalb trotz seines Utility-Charakters durchaus eine kreative Seite.
Tief, aber nicht
bodenlos
Das vielleicht wichtigste Feature ist letztlich jedoch nicht die Menge an erzeugbarem Bass, sondern dessen Kontrolle.Subfrequenzen sind schnell hinzugefügt. Gute Subfrequenzen sind schwieriger.Dass SubCulture die Bearbeitung kontinuierlich an die erkannte Tonhöhe koppelt, macht gerade bei melodischen Basslinien einen erheblichen Unterschied gegenüber statischem Processing. Die Verstärkung sitzt nicht einfach irgendwo im unteren Frequenzbereich, sondern bewegt sich mit der Musik.Natürlich kann auch SubCulture keine problematische Aufnahme magisch reparieren. Schlechte Raumakustik, falsche Balance oder ein bereits völlig überfülltes Low End verschwinden nicht, nur weil ein intelligentes Plugin auf dem Insert sitzt. Aber es liefert eine sehr effiziente Werkzeugkiste, um genau diesen schwierigen Bereich gezielt zu bearbeiten.
Fazit
Baby Audio SubCulture
ist eines jener Plugins, deren Konzept zunächst beinahe unspektakulär klingt
und deren Nutzen sich in der Praxis jedoch ziemlich schnell erschließt.Statt
einfach mehr Bass zu erzeugen, versucht SubCulture zu verstehen, welcher Bass
gerade gespielt wird und wie man das Signal verbessern kann.
Sub Layer, Root Boost
und Resonance reagieren auf die jeweilige Tonhöhe und erlauben dadurch eine
wesentlich musikalischere Bearbeitung des Low Ends als ein klassischer
statischer Boost. Saturation, Compression und die abschließenden Mixing Tools
machen daraus gleichzeitig ein erstaunlich vollständiges Bass-Processing-Paket.Das
Resultat kann subtil sein – ein Bass, der plötzlich etwas souveräner im Mix
steht – oder vollkommen überdimensioniert. Die Kunst liegt wie so oft
dazwischen.