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| Credit Bild: © Crow Hill Company |
Ein spezielles Quartett
Hintergrund: Das Spielen dieses Stücks liefert für das
Sampling genau jene Töne, die Henson vorschwebten. Resultat ist nun ein Virtual
Instrument, das besonders realistisch klingen soll, als würde man eine
Live-Band dirigieren. Ein vollmundiger Ansatz, doch während meine Finger über
die Tasten meines Keyboards gleiten, sind die ätherischen Töne, die Brother
Tree Sound zu evozieren vermag, tatsächlich sehr lebensecht, realistisch und
organisch.
Auf zweite Takes verzichtete man bei der Sampling-Session.
Erst nach der Aufnahme löste das Team die langen Töne aus den gespielten
Passagen heraus; die Bogenansätze nahm man separat auf. Darin steckt der
eigentliche Charme dieser Streicher-Library: Wie bestimmt oder zaghaft ein Ton
beginnt, entscheidet man beim Einspielen selbst. Was danach an Bewegung in ihm
steckt, haben die vier Musiker bereits mitgebracht. Hensons persönlicher Favorit und den Werks-Presets, Fragile Moments, ist dafür ein besonders schönes Beispiel. Ein zarter Klang, der jedoch ungemein expressiv ist - wie überhaupt diese gesamte Library bei der Nebengeräusche (hier handelt es sich bewusst nicht um eine puristisch, klinisch-perfekte Collection), zarte Bogenstriche und Effekte ineinander zu fließen scheinen.
Kammer-Musik
Apropos Effekte: diese gibt e sin Form von Reverb, die in diesem Fall besonders hervorzuheben sind . Chamber
und Hall stehen für lange und kurze Noten getrennt zur Verfügung – keineswegs
selbstverständlich bei einer Streicher-Library. Gerade darin steckt für mich viel vom
filmischen Reiz des Plugins: Brother Tree kann ausgesprochen relativ straight
nach Kammermusik klingen oder mit denselben vier Musikern ziemlich rasch die
ausgetretenen Pfade traditionellerer String-Libraries verlassen.
Feathers, Longs und Shorts: Der Bogen macht den
Ton
Die drei Fader im Mixer regeln hier ausnahmsweise keine Mikrofonpositionen. Longs liefert die aus den Darbietungen gewonnenen Haltetöne. Mit Feathers dosiert man den separat aufgenommenen Bogenansatz, also jenes kurze, raue Geräusch, bevor die Saite frei schwingt. Wie entschieden ein Ton beginnt, lässt sich über den Tastenanschlag mitbestimmen. Das Modulationsrad führt währenddessen durch bis zu vier Dynamikstufen. So darf ein weich über dem Griffbrett gestrichenes Sul tasto auch einmal kräftiger werden, während sich über die Anschlagstärke eine Melodienote aus dem Akkord hervorheben lässt.
Praktisch ist der Shorts-Fader: Kurze Striche lassen
sich beimischen oder für sich spielen, ohne dass man mitten in der Phrase nach
dem richtigen Keyswitch fahndet. Bei einem raschen, messerscharf zum Bild
geschnittenen Ostinato wären mir manche davon eine Spur zu gemächlich. Crow
Hill lässt dem Bogen hörbar Zeit, die Saite in Bewegung zu setzen. Was beim
Sechzehntellauf ein wenig Attack kosten kann, macht ein paar vereinzelte
Akzente unter einer akustischen Gitarre umso glaubwürdiger. Da klingt
tatsächlich Holz mit.
Fazit
Die Unique Noises, die beim Spielen entstehen und Teil der Samples sind, verleihen dieser Library neben den otherworldly Reverbs eine ganz eigene Note. Es handelt sich hierbei nicht um die Allround-Cinematic-String-Library, aber der Ansatz, den Henson hier verfolgte – eine Storytelling-Library zu kreieren – geht durchaus auf.
Das Rad des Streicher-Samplings erfindet Crow Hill hier dennoch nicht vollends neu. Brother Tree Sound ist aber entschieden mehr als bloß eine gut klingende Quartettaufnahme mit ein paar schönen Hallräumen. Die 22 Spielweisen decken einiges ab; den bleibenden Eindruck hinterlassen für mich gerade jene kleinen Eigenheiten, die sich nicht per Fader bestellen lassen. Ein etwas spröder Ansatz, ein Ton, der sich innerhalb eines ruhigen Akkords kurz bemerkbar macht – bei vier Streichern haben solche Details musikalisches Gewicht. Für intime Scores und Songarrangements ist das eine der interessanteren Streicher-Libraries der letzten Zeit.
