Dienstag, 3. November 2026

DER HERR DER RINGE – Die Entstehung der Filmtrilogie: Die Gefährten hinter der Kamera

Credit Coverbild: © Hannibal Verlag
In J. R. R. Tolkiens generationenübergreifend faszinierendem Fantasy-Magnum-Opus „Der Herr der Ringe“ begeben sich der Hobbit Frodo und seine Gefährten auf eine Reise von geradezu odysseehaften Ausmaßen, um Mittelerde vor dem Untergang zu bewahren. Eine Unternehmung, deren Ausmaß durchaus ihre Entsprechung in der ambitionierten Verfilmung dieses Werks fand. Denn Peter Jackson machte sich daran, einen Stoff auf die Leinwand zu bringen, der lange als kaum bewältigbar galt. Und ausgerechnet der Mann, der mit anarchischen Splatter-Eskapaden wie Bad Taste und Braindead bekannt geworden war, sollte nun das große Fantasy-Epos stemmen. 

Im neu erschienenen Taschenbuch „Der Herr der Ringe – Die Entstehung der Filmtrilogie“ zeichnet der britische Journalist Sam Moore diesen Weg nach. Dafür versammelt er die Erinnerungen jener Menschen, die aus Tolkiens imaginierter Welt einen der aufwendigsten filmischen Kosmen der Kinogeschichte machten. 

Ein Ring, beinahe hundert Stimmen: Moore wählt dafür die Form der Oral History. Die Produktionsgeschichte entfaltet sich über die Aussagen ihrer Beteiligten: Elijah Wood, Ian McKellen, Orlando Bloom, John Rhys-Davies und Andy Serkis gehören zu den prominenten Stimmen. Hinzu kommen Jackson sowie zahlreiche Kreative und Techniker, deren Namen dem Publikum deutlich weniger geläufig sein dürften. Insgesamt greift der Autor auf Interviews mit beinahe hundert Mitwirkenden zurück.

Gerade diese breite Perspektive ist eine Stärke des Buches. Im Kino richtet sich die Aufmerksamkeit zwangsläufig auf die Gesichter vor der Kamera. Wie viel Arbeit in einer Maske, einer Kulisse oder einem scheinbar beiläufigen Ausstattungsdetail steckt, fällt vielen wohl nicht auf. Bei Jacksons Trilogie bestand die Leistung wesentlich darin, all diese Einzelteile so zusammenzuführen, dass man an die Welt dahinter glaubte. Moore lässt entsprechend auch jene zu Wort kommen, die diesen Eindruck überhaupt erst ermöglichten. Daraus ergibt sich ein vielstimmiges Making-of, das den Begriff der „Gefährten“ gewissermaßen auf die gesamte Produktion ausdehnt. Ein solches Vorhaben braucht schließlich erheblich mehr als einen Regisseur mit großen Plänen und ein paar überzeugend behaarte Hobbitfüße.

Der Band folgt den verschiedenen Etappen des Projekts: von den Verhandlungen mit den Studios über die Drehbuchadaption und das Casting bis zu Ausstattung, Maske und den eigentlichen Dreharbeiten. Gollum erhält ebenso Aufmerksamkeit wie Schnitt, Ton, Musik und schließlich die Veröffentlichung der Filme. Der Blick reicht damit weit über die üblichen Anekdoten vom Set hinaus.

Dabei wird deutlich, dass bereits die Arbeit im landschaftlich so eindrucksvoll an Mittelerde erinnernden Neuseeland ein Abenteuer für sich war. Die Natur lieferte imposante Voraussetzungen; eine glaubwürdige Filmwelt musste daraus dennoch erst entstehen. Schauspiel, handwerkliche Gestaltung und technische Entwicklung griffen ineinander, während aus einer zunächst zusammengewürfelten Besetzung ein Ensemble mit dauerhaftem Zusammenhalt wurde.

Hier liegt auch der eigentliche Erkenntnisgewinn solcher Produktionsgeschichten: Was auf der Leinwand selbstverständlich erscheint, erweist sich im Rückblick als Ergebnis zahlloser schwieriger Entscheidungen. Die fertigen Filme kennt man. Interessant ist, wie wenig selbstverständlich ihr Zustandekommen war.

Der ausführliche Detailgrad richtet sich allerdings vornehmlich an jene Fans, für die selbst die Extended Edition DVDs mit ihren Making Ofs noch Fragen offenlassen. Wer einzelne  Entwicklungsschritte genau nachvollziehen möchte, bekommt reichlich Stoff. Für gelegentliche Mittelerde-Besucher kann diese Fülle stellenweise auch etwas kleinteilig werden.

Große Bilder, nüchterne Seiten: Leider bleibt die Präsentation hinter der visuellen Opulenz ihres Gegenstands zurück. Bildmaterial sucht man vergebens. Gerade bei einer Filmtrilogie, deren Wirkung so eng mit Landschaften, Entwürfen, Kostümen und Spezialeffekten verbunden ist, fällt das durchaus ins Gewicht. Einige Setfotografien, Designskizzen oder Gegenüberstellungen von praktischer Umsetzung und fertiger Einstellung hätten hier mehr geleistet als bloße Auflockerung. Sie hätten die beschriebenen Arbeitsprozesse unmittelbar nachvollziehbar gemacht. Wer über die Entstehung einer Filmwelt liest, möchte schließlich gelegentlich auch sehen, wie sie gebaut wurde.

So bleibt der Band in seiner Aufmachung ausgesprochen nüchtern. Die Vielzahl an Erinnerungen vermittelt viel Wissen, erreicht aber nicht durchgehend jene Anschaulichkeit, die man sich bei diesem Thema wünschen würde. 

Sam Moores „Der Herr der Ringe – Die Entstehung der Filmtrilogie“ ist eine ergiebige Lektüre für Leser, die genauer verstehen möchten, welcher gemeinsame Kraftakt hinter diesen Filmen steckte. Bekannte Darsteller und weniger bekannte Mitstreiter tragen zu einer Produktionschronik bei, deren besondere Qualität in der Vielzahl ihrer Perspektiven liegt.Ein wenig mehr visuelle Großzügigkeit hätte dieser Reise gutgetan. Moore verdeutlicht eindrucksvoll, wie viel Arbeit nötig war, um Mittelerde sichtbar zu machen. Schade nur, dass sein Buch uns davon so wenig zeigt.

Der Herr der Ringe – Die Entstehung der Filmtrilogie Die inoffizielle Geschichte eines Blockbusters, erzählt von jenen, die dabei waren, erschienen im Hannibal Verlag