Mittwoch, 27. Mai 2026

PSP LEXICON PSP42 Test – Vom Rack ins Plugin

Credit Bild: © PSP 
Sieht man sich historische Aufnahmen von Session-Hero Michael Landau aus der großen 80s- und 90s-Studiozeit – der Rack-Ära –- an, fällt einem immer wieder ein ganz spezielles Modul in den Kühlschrank-Setups und Bradshaw-Racks der Session-Ikonen auf: ein blau schwarzes Kästchen mit roten Knöpfen – das Lexicon  PCM 42 Delay. Heute schwer zu bekommen, seinerzeit ein State-of-the-Art-Delay, das es nun von den polnischen Developern PSP Audioware für das eigene Rack… äh, die eigene DAW gibt.

Zwischen Digitalpräzision und analogem Gefühl

Was den Reiz des ursprünglichen PCM 42 ausmachte, war nie bloß die Delay-Zeit oder die reine Funktionalität – es war dieses schwer greifbare „Feel“ und ganz eigenem sound diese Mischung aus digitaler Klarheit und organischer Unschärfe. Genau hier setzt das PSP42 an.Die Emulation bildet nicht nur die grundlegenden Parameter des Originals ab, sondern geht einen entscheidenden Schritt weiter: Features wie erweiterte Delay-Zeiten, Tempo-Sync, interne Modulationen und zusätzliche Klangformungsoptionen erweitern das Konzept behutsam, ohne den Charakter zu verwässern.

Gerade diese Balance ist bemerkenswert. Das Plugin fühlt sich nie wie ein steriles, überoptimiertes Modern-Tool an, sondern eher wie ein Stück Vintage Studio-Hardware, das zufällig in die Gegenwart gefallen ist.

Klang: Dichte, Tiefe, Bewegung

Klanglich spielt das PSP42 genau dort, wo man es sich erhofft – und vielleicht sogar ein Stück darüber hinaus. Die Delays sind präsent, aber nie aufdringlich. Sie sitzen im Mix, ohne ihn zuzukleistern, und entwickeln mit zunehmendem Feedback eine fast dreidimensionale Tiefe.

Besonders auffällig ist die interne Modulation: Subtile Pitch-Schwankungen, leichte Instabilitäten im Zeitverhalten – all das sorgt für Bewegung im Signal. Das Resultat sind Delays, die leben. Keine statischen Wiederholungen, sondern organische Echos, die sich ständig minimal verändern.Dreht man die Feedback-Schleifen weiter auf, bewegt man sich schnell in Richtung Selbstoszillation – ein Bereich, den das Plugin kontrollierbar, aber nie komplett zähmt. Genau diese leicht unberechenbare Komponente macht den Reiz aus.

Bedienung & Workflow: Old School trifft DAW-Komfort

Die Oberfläche orientiert sich stark am Original – inklusive jener leicht kryptischen Logik, die man von Vintage-Geräten kennt. Wer Plug-and-Play erwartet, wird hier nicht sofort abgeholt. Wer sich jedoch einarbeitet, wird belohnt.Parameter wie Delay Time, Feedback, Input Level oder die charakteristische „Infinite Repeat“-Funktion sind direkt zugänglich, während zusätzliche Features wie Filtering und Modulation dem Sound gezielt Form geben.Der Workflow fühlt sich dabei erstaunlich „hands-on“ an – fast so, als würde man tatsächlich an einem Rackgerät drehen. Ein nicht zu unterschätzender Faktor in einer Welt, in der viele Plugins eher wie sterile Interfaces als wie Instrumente wirken.

Fazit

Natürlich: Im Vergleich zu modernen Multitap-Delays oder granularen Effektmonstern wirkt das PSP42 fast schon reduziert. Keine endlosen Routing-Möglichkeiten, keine überladenen Feature-Menüs. Das Lexicon war einst State of the Art. Im Direktvergleich bieten moderne Delay-Kandidaten natürlich mehr Flexibilität. Andererseits: Fast alle schulden dem Ur-Lexicon-Design etwas oder haben viel davon in ihrer DNA.  Das Lexicon von PSP ist ein großartig klingendes Plugin, das zwar schon einige Jahre auf dem Buckel hat, aber dennoch nach wie vor seine Berechtigung im eigenen Plugin-Ordner hat: eine ausgesprochen gut klingende und liebevoll gestaltete digitale Version dieses Kulteffekts.