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| Credit Bild: © Polyfreq |
Klang-Konzept
Ein Phonon ist
allgemein die elementare Anregung (Quant) einer harmonischen Schwingung. Dieser
wissenschaftliche Konnex offenbart sich auch beim spielen dieses ganz im spartanischen
Retro-Look gehaltenen Sofstsynth-Plugins
Das grundlegende
Konzept hinter Phonon unterscheidet sich wohltuend von vielen Mitbewerbern auf
dem Markt. Wo andere granulare Synthesizer allzu oft auf den reinen Zufall,
unkontrollierte Randomisierung oder die mathematische Schichtung multipler
Audioquellen setzen, bricht Phonon eine Lanze für die absolute Kontrolle.
Das Herzstück seiner
Engine ist ein extrem hochwertiger Sample-Granulations-Algorithmus, der mit
einer Sub-Sample-Grain-Planung operiert. Durch die getrennte Steuerung von
Grain-Rate und Grain-Dichte eröffnen sich dem Anwender völlig neue Horizonte,
um Klangfarbe und Tempo sowohl im Makro- als auch im Mikrobereich absolut
wiederholbar und präzise zu formen. Unterstützt wird diese Herangehensweise
durch eine automatische Grundton-Erkennung (Root Note Detection) sowie vier
clevere Keyboard-Follow-Modi inklusive Legato-Funktion. Das Ergebnis? Phonon
fühlt sich auf Anhieb wie ein echtes, ausdrucksstarkes Instrument an und
verkommt nicht zur bloßen Drone-Maschine für Ambient-Flächen. Die Bandbreite
reicht hier nahtlos von klassischen, diffusen Texturwolken bis hin zu extrem
formbaren, messerscharfen Wellenformen. Es ist, um im Bild des Herstellers zu
bleiben, zu gleichen Teilen ein analytisches Labor und ein inspirierender
kreativer Spielplatz.
„Phonons Entwicklung
wurde von der enormen Kreativität früher granularer Arbeiten von Komponisten
wie Trevor Wishart und Curtis Roads sowie dem Deep Listening einer Pauline
Oliveros inspiriert. Unser Wunsch war es, dieses wilde, kreative Territorium
für die elektronische Musikproduktion und das Sounddesign zugänglicher zu
machen – ohne ihm das wegzunehmen, was es so seltsam und inspirierend macht.“ Erzählt
Nick Mariette, Gründer von PolyFreq.
Workflow: Komplexe
Synthese, intuitiv gelöst
Man merkt dem Plugin
an jeder Ecke an, dass hier ein Entwickler mit tiefer Verwurzelung in der
Audiotechnologie am Werk war. Nick Mariette hat über zwei Jahrzehnte an
vorderster Front der modernen Raumklang-Forschung verbracht – seine Vita reicht
von einer Promotion im Bereich Audio Augmented Reality bis hin zu wegweisenden
Arbeiten in den Teams hinter Industriestandards wie Audinate Dante, Dolby Atmos
und Lake Technology. Diese fundierte Expertise spiegelt sich glücklicherweise
nicht in einem überladenen, kryptischen Interface wider, sondern in einem
angenehm geradlinigen Workflow.
Das vollständig
skalierbare Interface setzt auf maximale Übersichtlichkeit: Die meisten
Features sind sofort sichtbar, verschachtelte Menüs oder versteckte
Unteroptionen sucht man hier vergeblich. Modulationen werden ganz intuitiv via
Drag-and-Drop zugewiesen. Dahinter schlummert ein beachtliches Arsenal an
Modulationsquellen, die mit Audio-Rate operieren und dafür sorgen, dass Patches
lebendig reagieren und organisch evolvieren.
Klanglich abgerundet
wird das Signal durch eine Charakter-getriebene Effektkette. Ein sättigendes
Drive-Modul sorgt bei Bedarf für analogen Schmutz und harmonische
Oberschwingungen, während ein resonantes Filter den Frequenzraum aufräumt oder
dramatisch zuspitzt. Ein extrem musikalischer Utility-Reverb dient schließlich
als klanglicher Klebstoff und verleiht den granularen Fragmenten die nötige
räumliche Tiefe, ohne den Mix zu matschen.
Besonders praxisnah zeigt sich Phonon auch bei der Verwaltung der eigenen Kreationen: Dank des integrierten Preset-Managements inklusive Sample-Embedding lassen sich Sounds mitsamt dem Ausgangsmaterial kinderleicht exportieren und teilen. Über ein cleveres Snapshot-System können zudem bis zu acht verschiedene Klangzustände innerhalb eines Presets eingefroren und miteinander verglichen werden – ein unschätzbares Feature für das vertiefte Sounddesign im Studio-Alltag.
In der Praxis: Von
organischen Beats bis zu ätherischen Sphären
In der Produktion
erweist sich Phonon als echtes Schweizer Taschenmesser mit einer nahezu
endlosen Liste an Einsatzmöglichkeiten. Mit acht Stimmen Polyphonie und satten
256 Grains pro Stimme stößt das Plugin auch bei dichten Arrangements so schnell
an keine Grenzen. Wer das Plugin mit Beats füttert, kann Rhythmen komplett
deformieren, Audiomaterial neu timen oder klassisches Time-Stretching und
Pitch-Shifting in einer algorithmischen Qualität betreiben, die aufhorchen
lässt. Füttert man die Engine hingegen mit Vocal-Fetzen oder akustischen
Instrumenten, entstehen im Handumdrehen synchrone, perfekt gestimmte
Synthesizer-Leads oder jene unendlich tiefen, ätherischen Granular-Atmosphären,
in denen man beim Schrauben komplett die Zeit vergessen kann.
Phonon schließt die
Lücke zwischen klassischer Texturarbeit und moderner Synthese auf eine
erfrischend unorthodoxe Weise. Es lädt den Nutzer explizit dazu ein, anders
hinzuhören und die verborgenen „Sounds innerhalb der Sounds“ zu entdecken.
Fazit
PolyFreq liefert mit
Phonon ein beachtliches Debüt ab, das in einem oft übersättigten Plugin-Markt
echte Akzente setzt. Es ist kein reines Preset-Spielzeug, sondern ein Werkzeug
für Sounddesigner, Filmkomponisten und experimentierfreudige Produzenten, die
vibrierende Materie schlichtweg anders erleben wollen.
