Mittwoch, 27. Mai 2026

BECOMING LED ZEPPELIN – Die Geburt einer Rocklegende in 4K

 

Credit Bild: © Plaion Pictures
Musik-Dokus feiern nicht unbedingt immer auf der großen Filmfestival-Bühne Premiere. Bei Led Zeppelin und dem Kurator des Vermächtnisses dieser stilprägenden Rockband, Jimmy Page himself, ist dies jedoch anders. So erblickte eine Work-in-Progress-Fassung unter großem Medienecho und Standing Ovations bei den 78. Filmfestspielen von Venedig im Jahr 2021 das Licht der Öffentlichkeit. Bis der Film schließlich international in die Kinos kam und später auch auf Netflix landete, dauerte es allerdings noch einige Jahre.Nun ist er Film bei Plaion Pictures in einer luxuriösen Sammleredition erschienen, die die Dokumentation sowohl in kristallklarem 4K als auch im herkömmlichen Blu-ray-Format enthält – inklusive hochwertigem Sammlerschuber und allerlei cooler Goodies für Zeppelin-Aficionados und Sammler.

Regisseur Bernard MacMahon, der sich bereits für die allseits gefeierte Roots-Doku „American Epic“ verantwortlich zeichnete, widmet sich in „Becoming Led Zeppelin“ den frühen Jahren der Band. Es ist eine Origin-Story oder auch ein Entwicklungsroman im Doku-Format. Denn MacMahon beleuchtet die Kindheit und Jugend von Robert Plant, John Paul Jones, Jimmy Page und John Bonham und zeichnet nach, wie aus vier völlig unterschiedlichen Musikern jene kreative Explosion entstand, die den Rock und weite Teile der modernen Popkultur nachhaltig verändern sollte.  Die  Nachkriegskindheit der Musiker hierbei eine große Rolle und wie amerikanischer Blues und Rock ’n’ Roll zum Kontrastprogramm zur Tristesse eines teils noch zerstörten Englands nach 1945 wurden. Bevor jedoch die Treppe zur Hymne „Stairway To Heaven“ erklommen wird, ist hier Schluss – trotz der beachtlichen Überlänge von mehr als zwei Stunden. Die eigentliche Transformation steht im Zentrum: Wie aus den New Yardbirds Led Zeppelin wurden. Der Film für musikalische Sozialisation, kulturelle Einflüsse und die DNA dieser Band.

Obwohl Led Zeppelin für Experimentierfreude und Progressivität bekannt sind, ist diese Doku zwar edel produziert, aber eher konventionell inszeniert. In gewohnter Talking-Heads-Manier gibt es Interviews mit den verbliebenen Mitgliedern, die reflektiert und analytisch über die Entstehung ihres Sounds sprechen.Eine besondere emotionale Wirkung entfalten die Bonham-Passagen. Der 1980 verstorbene Drummer kommt in O-Tönen aus dem Off selbst zu Wort.

Konventionell ist „Becoming Led Zeppelin“ also durchaus. Wer experimentelle Formen oder dekonstruktive Musikdokumentationen erwartet, wird hier nicht fündig werden. MacMahon ist fraglos ein guter Dokumentarfilmer, dass diese Doku jedoch nicht von Martin Scorsese umgesetzt wurde, merkt man trotzdem. MacMahon setzt vielmehr auf einen sehr klassischen Aufbau mit chronologischer Struktur, restauriertem Archivmaterial und einem starken Fokus auf Musik und Atmosphäre.

Interessant ist, dass diese Doku weniger bekannte Anekdoten offenbart und bislang ungesehenes Bildmaterial verwendet. Gerade die frühen England- und US-Tourneen entwickeln durch die seltenen Fotografien und Backstage-Aufnahmen eine enorme Sogwirkung. Nur in Sachen Live-Videos gibt es etwas weniger Material, als manche Fans vielleicht erwartet hätten. Zwar sind die restaurierten Konzertsequenzen audiovisuell beeindruckend und besitzen enorme Kraft, allerdings hätte man sich stellenweise noch mehr vollständige Performance-Passagen gewünscht. Aber gut – die gibt es offenbar schlicht nicht. Und die vor über 20 Jahren veröffentlichte Led-Zeppelin-DVD bleibt in Sachen Konzertmitschnitte ohnehin das Nonplusultra.

Außergewöhnlich für eine Doku ist jedoch die Aufmachung der umfangreichen Collector’s Edition: Die Blu-ray kommt in einem attraktiv hochwertigen Sammlerschuber daher. In einer Steelbook-Blu-ray-Hülle befinden sich sowohl die kristallklare 4K-UHD- als auch die reguläre Blu-ray-Version des Films. In einer zweiten Box befinden sich zudem allerlei Goodies für Sammler: ein Brief vom Regisseur, vier Fotokarten, ein Patch, Sticker sowie zwei Plektren.

Gerade physische Veröffentlichungen wie diese erinnern daran, dass Musik- und Filmkultur immer auch etwas Haptisches hatten. Etwas Kuratiertes. Etwas, das man ins Regal stellt, aufklappt, betrachtet und sammelt – und nicht bloß durch einen Algorithmus serviert bekommt. Hier ist diese Doku fraglos eines der schönsten Releases der letzten Jahre,

Für Musikfans, Rockhistoriker und Liebhaber klassischer, albumorientierter Musik ist „Becoming Led Zeppelin“ daher Pflichtprogramm. Gerade weil der Film die frühen Jahre der Band nicht als nostalgische Folklore behandelt, sondern als den Moment dokumentiert, in dem sich die Sprache der Rockmusik neu erfand.