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| Credit Bild: © Plaion Pictures |
Regisseur Bernard MacMahon, der sich bereits für die allseits gefeierte
Roots-Doku „American Epic“ verantwortlich zeichnete, widmet sich in „Becoming
Led Zeppelin“ den frühen Jahren der Band. Es ist eine Origin-Story oder auch
ein Entwicklungsroman im Doku-Format. Denn MacMahon beleuchtet die Kindheit und
Jugend von Robert Plant, John Paul Jones, Jimmy Page und John Bonham und
zeichnet nach, wie aus vier völlig unterschiedlichen Musikern jene kreative
Explosion entstand, die den Rock und weite Teile der modernen Popkultur
nachhaltig verändern sollte. Die Nachkriegskindheit der Musiker hierbei eine
große Rolle und wie amerikanischer Blues und Rock ’n’ Roll zum Kontrastprogramm
zur Tristesse eines teils noch zerstörten Englands nach 1945 wurden. Bevor
jedoch die Treppe zur Hymne „Stairway To Heaven“ erklommen wird, ist hier
Schluss – trotz der beachtlichen Überlänge von mehr als zwei Stunden. Die
eigentliche Transformation steht im Zentrum: Wie aus den New Yardbirds Led
Zeppelin wurden. Der Film für musikalische Sozialisation, kulturelle Einflüsse
und die DNA dieser Band.
Obwohl Led Zeppelin für Experimentierfreude und Progressivität bekannt
sind, ist diese Doku zwar edel produziert, aber eher konventionell inszeniert.
In gewohnter Talking-Heads-Manier gibt es Interviews mit den verbliebenen
Mitgliedern, die reflektiert und analytisch über die Entstehung ihres Sounds
sprechen.Eine besondere emotionale Wirkung entfalten die Bonham-Passagen. Der
1980 verstorbene Drummer kommt in O-Tönen aus dem Off selbst zu Wort.
Konventionell ist „Becoming Led Zeppelin“ also durchaus. Wer
experimentelle Formen oder dekonstruktive Musikdokumentationen erwartet, wird
hier nicht fündig werden. MacMahon ist fraglos ein guter Dokumentarfilmer, dass
diese Doku jedoch nicht von Martin Scorsese umgesetzt wurde, merkt man
trotzdem. MacMahon setzt vielmehr auf einen sehr klassischen Aufbau mit
chronologischer Struktur, restauriertem Archivmaterial und einem starken Fokus
auf Musik und Atmosphäre.
Interessant ist, dass diese Doku weniger bekannte Anekdoten offenbart
und bislang ungesehenes Bildmaterial verwendet. Gerade die frühen England- und
US-Tourneen entwickeln durch die seltenen Fotografien und Backstage-Aufnahmen
eine enorme Sogwirkung. Nur in Sachen Live-Videos gibt es etwas weniger
Material, als manche Fans vielleicht erwartet hätten. Zwar sind die
restaurierten Konzertsequenzen audiovisuell beeindruckend und besitzen enorme
Kraft, allerdings hätte man sich stellenweise noch mehr vollständige
Performance-Passagen gewünscht. Aber gut – die gibt es offenbar schlicht nicht.
Und die vor über 20 Jahren veröffentlichte Led-Zeppelin-DVD bleibt in Sachen
Konzertmitschnitte ohnehin das Nonplusultra.
Außergewöhnlich für eine Doku ist jedoch die Aufmachung der umfangreichen Collector’s Edition: Die Blu-ray kommt in einem attraktiv hochwertigen Sammlerschuber daher. In einer Steelbook-Blu-ray-Hülle befinden sich sowohl die kristallklare 4K-UHD- als auch die reguläre Blu-ray-Version des Films. In einer zweiten Box befinden sich zudem allerlei Goodies für Sammler: ein Brief vom Regisseur, vier Fotokarten, ein Patch, Sticker sowie zwei Plektren.
Gerade physische Veröffentlichungen wie diese erinnern daran, dass
Musik- und Filmkultur immer auch etwas Haptisches hatten. Etwas Kuratiertes.
Etwas, das man ins Regal stellt, aufklappt, betrachtet und sammelt – und nicht
bloß durch einen Algorithmus serviert bekommt. Hier ist diese Doku fraglos eines
der schönsten Releases der letzten Jahre,
Für Musikfans, Rockhistoriker und Liebhaber klassischer,
albumorientierter Musik ist „Becoming Led Zeppelin“ daher Pflichtprogramm.
Gerade weil der Film die frühen Jahre der Band nicht als nostalgische Folklore
behandelt, sondern als den Moment dokumentiert, in dem sich die Sprache der
Rockmusik neu erfand.
