Mittwoch, 27. Mai 2026

GFORCE SOFTWARE ODDITY 3 Test: Die digitale Rückkehr eines Synthesizer-Rebellen

Credit Bild: © GForce Software
 „Oddity 3“ – nein, hier geht es nicht um David Bowies „Space Oddity“, Auch wenn sich der hier rezensierte Synthesizer eindeutig für abgespacete Klänge empfiehlt. Hinter dem „seltsamen“ Namen verbirgt sich eine allseist egfierte digitale Emulation des gelinde gesagt ikonischen ARP Odyssey.

Die Klänge des kultigen Droiden R2-D2 aus Star Wars stammen ebenfalls von einem ARP – GForce hat hier netterweise gleich ein passendes Preset inkludiert.
Schon der „Init“-Patch evoziert einen legendären Sound: den ABBA-„Gimme! Gimme! Gimme!“-Lead-Synth.
Trent Reznor ist schon seit Jahren bekennender Fan dieser Emulation. Schon nach kurzem Anspielen weiß man auch warum. Dieser Odyssey knarzt ungehobelt und düster – genau so, wie man es sich wünscht.

ARP Legacy

Während viele klassische Synthesizer der 1970er-Jahre darauf ausgelegt waren, möglichst „saubere“ Klänge zu erzeugen, hatte der Odyssey immer etwas Ungezähmtes. Sein Sound konnte aggressiv sein, schmutzig, manchmal sogar leicht chaotisch – und genau deshalb liebten ihn Generationen von Musikern.

Mit dem Oddity3 bringt die britische Softwarefirma GForce Software eine moderne Softwareinterpretation in die DAWm die sich nicht nur als  Emulation, sondern als umfassende digitale Weiterentwicklung eines der spannendsten Synthesizer der Analogära versteht.

Die Geburt eines Rivalen zum Minimoog

Um zu verstehen, warum dieses Instrument bis heute Kultstatus genießt, lohnt sich allerdings zunächst ein Blick in seine Geschichte.Anfang der 1970er-Jahre befand sich die Welt der Synthesizer noch in einer Art experimenteller Frühphase. Firmen wie Moog Music hatten mit Instrumenten wie dem Minimoog Model D bereits Maßstäbe gesetzt. Doch ein Unternehmen wollte zeigen, dass es auch anders ging: ARP Instruments.Der ARP Odyssey erschien 1972 und war in vielerlei Hinsicht eine direkte Antwort auf den Minimoog. Beide Instrumente waren kompakte, monophone Performance-Synthesizer – gedacht für Live-Musiker, nicht nur für Studios.Doch während der Minimoog für seinen warmen, runden Klang bekannt war, besaß der Odyssey einen deutlich bissigeren Charakter. Seine Architektur erlaubte extreme Modulationen, aggressive Filterfahrten und eine sehr flexible Klanggestaltung.

Ein Synth für Experimentierer

Technisch bot der Odyssey zwei Oszillatoren, ein resonanzfähiges Filter, Ringmodulation, Sample & Hold sowie eine ungewöhnlich flexible Modulationsmatrix. Besonders der Ringmodulator machte das Instrument für experimentelle Sounds interessant. Metallische Texturen, Sci-Fi-Effekte und radikale Klangverformungen waren damit problemlos möglich.

Auch das Sample-&-Hold-Modul eröffnete neue Klangwelten. Zufällige Tonfolgen, rhythmische Modulationen oder chaotische Filterbewegungen gehörten schnell zum typischen Repertoire vieler Odyssey-User.

Gerade diese Mischung aus musikalischer Spielbarkeit und klanglicher Wildheit machte den Synthesizer für viele Künstler attraktiv.

Im Laufe der 1970er- und 1980er-Jahre tauchte der ARP Odyssey in zahllosen Produktionen auf. Musiker schätzten vor allem seine Fähigkeit, sich im Mix durchzusetzen.Seine Leads konnten schneiden, seine Bässe hatten Punch und seine Effektsounds klangen oft futuristisch. Gerade in Progressive Rock, Funk und früher elektronischer Musik fand das Instrument schnell seine Nische.

Der Odyssey wurde außerdem mehrfach überarbeitet. Verschiedene Revisionen unterschieden sich vor allem im Filterdesign – ein Detail, das unter Synthesizer-Fans bis heute leidenschaftlich diskutiert wird. Diese unterschiedlichen Filtervarianten spielen auch in modernen Emulationen eine wichtige Rolle.

Third Encounter

Bereits frühere Versionen der Oddity-Reihe galten als sehr überzeugende Softwareinterpretationen. Die dritte Generation geht nun noch einen Schritt weiter. Zum einen wurden die unterschiedlichen Filterrevisionen des Originals modelliert. Nutzer können damit verschiedene historische Varianten des Odyssey nachbilden – von früheren, etwas raueren Filtern bis hin zu späteren Versionen mit etwas kontrollierterem Verhalten .Zum anderen erweitert die Software das Instrument um moderne Funktionen, die im analogen Original nie existierten.

Mehr Stimmen, mehr Möglichkeiten: Während der historische Odyssey strikt monophon war, erlaubt der Oddity3 polyphones Spiel. Dadurch eröffnen sich völlig neue Klangmöglichkeiten. Plötzlich werden aus klassischen Lead-Synths auch Pads oder komplexe Akkordstrukturen möglich. Gerade für moderne Produktionen ist das ein enormer Vorteil. Darüber hinaus bietet das Plugin zusätzliche Modulationsquellen, eine flexible Effektsektion und einen komfortablen Preset-Browser. Das alles integriert sich nahtlos in den klassischen Signalfluss des Instruments.Der Grundcharakter des Odyssey bleibt dabei erstaunlich gut erhalten.

Zwischen Vintage-Sound und moderner Produktion

Klanglich bewegt sich der Oddity3 genau auf jener schmalen Linie, die viele Softwareemulationen anstreben: möglichst authentisch, aber gleichzeitig praxistauglich im heutigen Produktionsumfeld. Die Oszillatoren liefern druckvolle Bässe und aggressive Leads, während das Filter jene typische ARP-Rauheit besitzt, die Fans des Originals so schätzen.

Gerade bei modulierenden Sounds zeigt sich die Stärke des Instruments. Ringmodulation, Sample-&-Hold-Experimente und extreme Filterbewegungen erzeugen schnell jene leicht anarchische Klangästhetik, die den Odyssey berühmt gemacht hat.In der Praxis fühlt sich der Oddity3 weniger wie ein steriles Softwareinstrument an – und eher wie eine moderne Version eines klassischen Hardware-Synthesizers.

Man beginnt mit einem simplen Patch, dreht ein paar Regler, moduliert ein Filter – und plötzlich entsteht ein Sound, der sofort nach analogem Synth klingt.Genau dieser Moment macht den Reiz vieler klassischer Instrumente aus.Und ja: Auch für moderne EDM-Spielarten funktioniert dieses Prinzip erstaunlich gut, weil der Klang eben nicht glattgebügelt, sondern bewusst kantig bleibt.

Fazit

Der Oddity3 ist weit mehr als nur eine weitere Vintage-Emulation. Er ist eine sorgfältig entwickelte digitale Hommage an einen der eigenwilligsten Synthesizer der 1970er-Jahre. Gleichzeitig erweitert er das historische Instrument um moderne Funktionen, die den Workflow heutiger Produktionen deutlich erleichtern.

Damit gelingt GForce eine überzeugende Balance: analoger Charakter, kombiniert mit zeitgemäßer Flexibilität. Oder anders gesagt: Wer den rebellischen Klang des ARP Odyssey sucht – jenen leicht wilden, manchmal unberechenbaren Synth-Sound – findet im Oddity3 eine der gelungensten Softwareinterpretationen dieses Klassikers.