Montag, 28. Januar 2019

BLACK & PROUD

Credit Coverbild:  © Avant Verlag Bourhis Brüno
Von der traditionellen 12 Takte-Form des Blues zum Mainstream-Pop von Rihanna und Beyoncé. Vom tremologetränkten Sixties-Soul über den Funk und Blaxploitation Cinema-Soundtracks der Siebziger hin zu Disco,Hip Hop und Gangster-RAP.
Es ist diese vielfältige, in unzählige Subgenres verzweigte Entwicklung der schwarzen Musik ohne die - auch ungeachtet der derzeitigen, völligen Mainstream-Dominanz zeitgenössischer R & B Artists  - die gesamte Populärmusik ab den späten 40ern völlig undenkbar ist. Diese ungemein faszinierende Geschichte bildet auch das  Herzstück des Comic-Projekts „Black & Proud“  von Hervé Bourhis und Brüno, in dem ein kompakter und gleichzeitig detailreicher Überblick über die Spielarten der Black Music gegeben wird.
Credit Bild:  © Avant Verlag Bourhis Brüno
Credit Bild:  © Avant Verlag Bourhis Brüno
Dass die Schöpfer dieses „Comic-Geschichtsbuchs“ glühende Verehrer afroamerikanischer Klänge sind merkt man bei diesem liebevollen Buch auf jeder Seite, mehr als einmal drängt sich die Erinnerung an die berühmten, klassischen Blues-Comics eines Robert Crumb auf.
In witzigen, locker-lässigen Zeichnungen und temporeich- kurzweiliger Manier  reist das französische Autoren/Zeichner-Duo durch die prägenden Jahrzehnte dieser Musikrichtungen. Ohne jedoch einen  Anspruch auf Vollständigkeit zu erhoben, ihr Fokus liegt  ausschließlich auf Amerika, die Jazz Ära wird weitgehend  ausgespart und auch die Roots die man etwa im 19. Jahrhundert findet, werden nur oberflächlich gestreift.
Hauptaugenmerk liegt auf der Zeit von 1945 – 2015, jedem Jahr ist eine Doppelseite gewidmet, vorgestellt werden wissenswerte Facts, Landmark-Ereignisse und herausragende Alben – ein Ansatz der gleichermaßen ein musikhistorischer wie kulturgeschichtlicher ist.
 
Credit Bild:  © Avant Verlag Bourhis Brüno
Als Leser sollte man jedoch schon ein beträchtliches Vorwissen mitbringen, denn Bourhis und Brüno halten sich nicht lange mit Expositionen und einleitenden Erklärungen auf. Wobei es ihnen dennoch recht gut gelingt, dem Neuling die ungemeine Vielfalt afroamerikanischer Musik und die Zusammenhänge der einzelnen Genres zu verdeutlichen – immerhin, im Gespräch mit jüngeren Musikfans ist mir persönlich schon öfter aufgefallen, dass diese über die eigentlichen Wurzeln ihrer Spotify-Playlist wenig wissen. Doch selbst gestandene Musiknerds erfahren nicht nur Bekanntes: Oder wusstet ihr, dass Soul-Star Solomon Burke mit seiner Band einst ausgerechnet bei einem Treffen des Ku Klux-Klans spielte, wann sich erste Belege für den Begriff "funky" finden oder wo genau das Twerken erfunden wurde.
 
Credit Bild:  © Avant Verlag Bourhis Brüno
Credit Bild:  © Avant Verlag Bourhis Brüno
Der Fokus in „Black & Proud“ ist naturgemäß ein sehr subjektiver -  teils vielleicht allzu selektiv, so werden etwa die Synergien mit weißen Musikern und die gegenseitige Beeinflussung  völlig ausgespart (man denke bspw. an die Brit-Szene der Sixties).
Dennoch ist dieser Comic mit Sachbuch-Charakter informativ und vor allem inspirierend - ein ideales  Begleitbuch zum Erweitern oder Durchhören der eigenen Plattensammlung.