Dienstag, 5. November 2019

BRUCE SPRINGSTEEN – WESTERN STARS SOUNDTRACK

Credit Bild: © Rob De Martin        Sony Music
Nachdem der Boss im Sommer dieses Jahres mit „Western Stars“  bereits introspektiven California-Country Sounds gefrönt hat, erscheint nun auch eine abendfüllende Musikdokumentation gleichen Namens, in der die Entstehung dieses Albums nachgezeichnet wird. Der Streifen ist zudem auch ein äußerst stimmungsvoller Konzertfilm, der Springsteen zeigt, wie er mit seiner kompletten Band und Orchester in der imposanten Kulisse einer über hundert Jahre alten Scheune die Lieder seiner jüngsten LP spielt.
Das dazugehörige Soundtrack-Album umfasst alle Songs der Studio-Platte – diesmal jedoch in Liveversionen  sowie einen Bonustrack: die Coverversion von Glen Campbells „Rhinestone Cowboy“. Im Grunde hat man es also mit dem bereits bekannten Album zu tun, doch wer den Boss schätzt,  weiß auch, dass er ein ebenso guter Album- wie  Live-Musiker ist. So haben die Einspielungen aus der Scheune ein ganz eigenes Flair, man könnte sagen die Arrangements mit dem Live-Orchester wirken hier noch expansiver, atmen noch mehr das Vintage-Flair der großen Aufnahmen aus den Sechzigern und Siebzigern. 
Credit Bild: ©  Rob De Martin Sony Music
Wir sind in Amerika, der letzten großen „Frontier“, politisches oder die Trump-Administration spielen hier dennoch keine Rolle. Im Mittelpunkt dieses musikalischen Neo-Western stehen keine aktuellen Zeitbezüge sondern ein Gefühl der literarischen Introspektion und der Verarbeitung universeller(der „American Dream“ im Heartland)  wie persönlicher (die Depression Springsteens).

Während die CD im Player rotiert und die kernige Stimme des Mannes aus New Jersey in den melancholischen  Streichern-Arrangements badet entstehen vor dem geistigen Auge des Zuhörers jedenfalls ganze Film-Szenen: ein gemächlich durch den Staub rollender Pickup-Truck, die schier endlos scheinende Straße ins Nirgendwo, das pulsierende Herz Amerikas, den Wilden Westen im Rückspiegel, die technisierte Zeit noch nicht ganz da, ein wilder Mustang, ….

Zwar ist „Western Stars“ auch gut 4 Monate nach dem ursprünglichen Release kein heimliches „Nebraska“ oder „Born To Run“- doch wer ruhige Americana-Exkurse schätzt, für den evoziert Springsteen ebenjene stimmungsvollen Bilder, die ebenso archaisch wie ikonisch anmuten.
Credit Coverbild: ©  Sony Music Rob De Martin