Mittwoch, 4. März 2026

SYNAPSE AUDIO – THE LEGEND HZ Test: Ein Synthesizer für Blockbuster

Hans Zimmer Synapse Audio The Legend HZ Signature Plugin Front View in der DAW
Credit Bild: 6strings24frames / Synapse Audio
Die Geschichte der Synthesizer ist untrennbar mit jener des Kinos verbunden. Obwohl diese Instrumente ursprünglich nicht dezidiert fürs Scoring erfunden wurden, entwickelten sie sich schnell zur Vervollkommnung der ursprünglichen Idee der historischen Kinoorgel. Mit ihrem charakteristischen und zugleich enorm wandlungsfähigen Sound prägten sie zahlreiche Kultfilme und ganze Epochen der Filmmusik. Insofern ist das neue Premium-Plugin „The Legend HZ“ aus dem Hause Synapse Audio nur folgerichtig: Hier treffen zwei Legenden und zwei Welten – klassische Synthese und moderne Filmmusik-Klangästhetik – in exemplarischer Weise aufeinander.

Auf der einen Seite steht der Minimoog Model D – erstmals 1970 veröffentlicht und bis heute der Archetyp des kompakten, analogen Synthesizers. Drei Oszillatoren, kompromissloser Sound, ikonischer Charakter. Entworfen von Bob Moog selbst, wurde der Model D zur Blaupause zahlloser Synth-Designs und ist bis heute einer der beliebtesten und meist-emulierten Klassiker überhaupt. Auf der anderen Seite: Hans Zimmer, seit den 1990er-Jahren einer der prägendsten Filmkomponisten unserer Zeit. Zimmer steht für extreme stilistische Bandbreite: vom Carl-Orff-inspirierten „True Romance“-Score über Mainstream-Blockbuster wie „Fluch der Karibik“, radikalem Sounddesign in Christopher Nolans Batman-Filmen oder „Blade Runner 2049“ hin zur Synth-/Gitarre-getriebenen Live-Performance seien Werke. Zimmers Soundästhetik ist genreübergreifend, stilbildend und sofort wiedererkennbar.

Mehr als Moog

Dieser Vielseitigkeit trägt The Legend HZ Rechnung. Denn das grundlegende Konzept der Minimoog-Emulation bildet hier lediglich die Ausgangsbasis. Darauf aufbauend erweiterten Zimmer, sein Sounddesigner Kevin Schröder sowie das Synapse-Audio-Team die Möglichkeiten dieses Designs konsequent.Mit „The Legend“ legte Synapse Audio vor einigen Jahren eine der besten Software-Interpretationen des ikonischen Instruments vor. Die neue HZ-Version geht deutlich weiter als der Vorgänger und auch weiter als der Großteil der Konkurrenz: Hier trifft eine extrem authentisch klingende Emulation eines geliebten Klassikers auf sinnvolle, progressive Erweiterungen. Das Ergebnis ist kein reines Retro-Plugin, sondern ein modernes Instrument, das sich genreübergreifend einsetzen lässt – von klassischer Berlin School über Progressive Rock bis hin zu moderner Filmmusik, zeitgenössischem Sounddesign oder Production Music.

Filmkomponist Hans Zimmer mit seinem Synapse Audio The Legend HZ Signature Plugin in seinem Studio
Sichtlich zufrieden mit seinem gelungenen Plugin: Hans Zimmer in seinem Studio
Credit Bild: © Synapse Audio
Bass, Druck und Durchsetzungskraft im Mix

Klanglich ist The Legend HZ mächtig und durchsetzungsstark – fett, dreidimensional und Moog-typisch bassbetont. Sein Sound ist stets präsent und organisch-analog. Das gilt auch für die Optik: Vom sichtbaren Stromkabel bis zur einstellbaren Körnung der Oberfläche wird hier dem Skeuomorphismus gehuldigt. Das Plugin ist dermaßen feature-rich, dass die mitgelieferte Dokumentation ein rund 80-seitiges Manual füllt. Statt hier jede Funktion kleinteilig aufzuzählen, lohnt es sich, den Scheinwerfer auf einige der zentralen Alleinstellungsmerkmale zu richten.

Was sofort ins Auge – beziehungsweise ins Ohr – fällt: sechs Oszillatoren und  Polyphonie, die neue Welten öffnen. Während der originale Minimoog strikt monophon war, erschließt The Legend HZ völlig neue Klangräume. Vangelis-artige Pads, schwebende Flächen, beidhändige Bass-und-Lead-Kombinationen oder komplexe Akkorde sind hier nicht nur möglich, sondern ausdrücklich erwünscht. Dazu kommen exzellente Hall- und Echo-Effekte, die diesen Soft Synth sofort in Richtung Filmmusik und Ambient-Sounddesign verschieben. Selbst ohne externe Effekte klingt das Instrument erstaunlich „produziert“ ohne steril zu zu sein und ist  absolut mix-ready – ein Punkt, der in professionellen Workflows nicht zu unterschätzen ist. In der Praxis reicht ein bisschen Feintuning mit dem favorisierten Mastering-Kompressor und eine Aufnahme „auf Tape“ (wie bei den von mir eingespielten Sound-Beispielen am Ende dieses Reviews) und das Ergebnis steht.

Die Legend HZ verfügt zudem über eine spezielle Fixed Filterbank, nachempfunden nach Hans Zimmers persönlicher 914 Fixed Filter Bank – einem außergewöhnlichen und äußerst seltenen Vintage-Hardware-Schmuckstück, dessen Klangcharketistika man nun mit diesem Synth nutzen kann: Vibes Vibes Vibes.

Sequencer, Berlin School & Sounddesign

Ein weiteres Highlight sind der integrierte Arpeggiator und Sequencer. Damit wird die Berliner Schule quasi mitgeliefert – kein Zufall, denn Hans Zimmer ist erklärter Fan dieses Stils. Sounds, die man sonst eher aus modularen Setups kennt, sind hier direkt abrufbar. Assoziationen zu Tangerine Dream stellen sich automatisch ein, denn hier findet man einen idealen Starting Point, um auf klanglichen Spuren von Edgar Froese, Christopher Franke oder Klaus Schulze zu wandeln – oder den Score für einen noch unveröffentlichten futuristischen Heist-Thriller zu kreieren.

Schon die Werks-Presets landen mitten im Soundtrack-Territorium – irgendwo zwischen Vangelis’scher Sphärik und brachialer Synth-Wucht. Schwebende Richard Wright-Pads, massive John Carpenter-Bässe, Vintage-Leads, düstere Goblin-Texturen. pumpende Sequenzen oder moderne Club-Sounds: Von Moroder-Vintage bis zeitgenössischem House deckt dieses Instrument wirklich alles ab. Ein klarer Traum für Sounddesigner, die sich nicht auf ein Genre festlegen wollen.

Mit dem sogenannten „Genetics“-Feature lassen sich überdies Presets miteinander kreuzen und zu neuen Hybriden verschmelzen, als kreativer Ideengenerator funktioniert diese Funktion hervorragend.

Hans Zimmer Synapse Audio The Legend HZ Signature Plugin Back View in der DAW
Credit Bild: 6strings24frames / Synapse Audio
Hollywood Sound

Natürlich stellt sich für User, die sich ein Zimmer-branded Plugin kaufen, die Frage: Klingt das auch wirklich nach Hans Zimmer? Die ehrliche Antwort lautet: Ja – man findet hier viele seiner typischen Klangfarben, Texturen und Signatures wieder. Die eigentliche Stärke dieses Software-Instruments ist jedoch gar nicht nur das Faktum, dass man hier „Interstellar“-Sounds reproduzieren kann, sondern dass The Legend HZ eine intelligent designte  Sandbox für Klangexperimente ist. 

Zimmer, der selbst Synth-Aficionado ist, legt dem Musiker ein extrem kraftvolles Werkzeug in die Hände, das jedoch auch beherrscht werden will. Synthesizer sind komplexe Werkzeuge – dieser hier ganz besonders. Mit bis zu sechs Oszillatoren, unzähligen Feinjustierungen und tiefgehenden Modulationsmöglichkeiten braucht man Zeit um sich mit dem komplexen The Legend HZ vertraut zu machen. Die Lernkurve ist je nachdem wie versiert man im Synth-Programming ist mehr oder minder steil. Wer sich jedoch die Zeit nimmt, bekommt ein echtes Schweizer Taschenmesser i. Synapse Audio sowie Hans Zimmer und Kevin Schröder liefern kein Preset-Spielzeug, sondern ein Instrument, das das klassische Moog-Konzept in kreative Höhen hebt. Die Grenzen setzt hier letztlich nur die Fantasie des Anwenders.

Fazit

The Legend HZ ist nicht bloß eines der besten Moog-Plugins auf dem Markt – es ist ganz generell einer der vielseitigsten Software-Synthesizer überhaupt. Synapse Audio The Legend HZ ist kein Nostalgie-Plugin, sondern ein zugleich klassisches wie modernes, cineastisches Powerhouse. Ein Minimoog, neu gedacht für Sounddesigner, Filmkomponisten und alle, die klanglich weiter gehen wollen. Der analoge Grundcharakter dieses Instruments trägt die Wärme und Charakterstärke des Vintage-Unikums in sich – erweitert um jene klanglichen Horizonte, die erst im digitalen Raum wirklich möglich werden. 

Vermutlich ist das größte Kompliment, das man Synapse Audio, Hans Zimmer und Kevin Schröder machen kann, folgendes: In einem völlig überladenen Plugin-Markt haben sie etwas geschaffen, das sich nicht wie ein weiteres Derivat anfühlt, sondern wie eine essenzielle Ergänzung. Ein Instrument, das inspiriert und einen Referenz-Sound bietet. 

Hier ein paar von mir eingespielte Sound-Beispiele: