Mittwoch, 19. Juni 2019

SHREDDING THE BLUES

Credit Coverbild: © Alfred Music Publishing
Der Blues gilt als Inbegriff des emotionsgeladenen und seelenvollen Spiels, bei dem Instrumentalisten mit nunancierter Phrasierung und nur einer Handvoll Noten aus der Pentatonik eine ganze musikalische Geschichte zu erzählen vermögen. Shredding, das Spiel jenseits der Schallmauer und allen Geschwindigkeitsgrenzen, steht für viele Kritiker im krassen Gegensatz dazu: mit tausenden Noten pro Sekunde wird diese Standard-Spielweise der haarigen 80s als bloße Akrobatik  oder Fingerübung abgelehnt - mit vielen Worten wenig gesagt.

Vermeintlich sind dies also zwei vollkommen unvereinbare Spielarten - wie erst unlängst wieder bei der mitunter kontroversiellen Rezeption von Yngwie  Malmsteens Album  "Blue Lightning" offenbar wurde. Der Musikkenner weiß jedoch: "flashy playing" also der bewusste Einsatz aufmerksamkeitserregender musikalischer Pyrotechnik ist keineswegs eine Erfindung der Post-Van Halen-Zeit, vielmehr fand es sich schon im Spiel so mancher Legende des Chicago Blues Ende der 50er. Spätestens ab dem Britischen Blues Boom im Swingin' London der 60er etablierte sich auch das hochoktanige Preschen durch die 12 Takte - man denke nur an Eric Clapton und Cream, Jeff Beck oder Jimmy Page. Das gepflegte Shredden auf Bluesbasis ist seither nicht mehr wegzudenken aus dem Vokabular versierter Gitarreros, zumal es sich mit der Fähigkeit zum Shredden ja wie mit einem Auto mit ordentlich PS verhält: niemand muss oder soll ständig rasen, doch einen Geschwindigkeits-Boost im Ärmel zu haben kann nie schaden

Dieser Ansatz steht auch im Zentrum von "Shredding The Blues", einem Instructional-Buch von Gitarrenvirtuose Dave Martone der nach dem Motto
"Heavy Metal Guitar Meets The Blues" die akrobatische Seite des blauen Genres beleuchtet. Wobei er sich - anders als zuletzt etwa Greg Koch - mit mitunter ungewöhnlicher Gear (Parker Fly) einem sehr kontempotären und modernen Approach widmet.
Das Softcover-Buch kommt inkl. DVDs- die sowohl in Noten als auch Tabulatur notierten Beispiele kann man also sehr anschaulich in ausführlichen  Videos nachvollziehen.
Das  alles - richtet sich aber ausdrücklich nicht an Anfänger. Martone shreddet durch die Licks mit gehobenem Tempo, ideale Fingerings und Spielweisen muss man schon selber mitbringen, um die interessanten Ideen ins eigene Spiel zu inkorporieren. Zudem braucht man gut aufgewärmte Finger und mindestens fortgeschrittene Kenntnisse am Instrument, denn Martones Beipiele sind teilweise durchaus anspruchsvoll-beinhalten aber auch interessante Ideen für all jene die in Richtung zeitgenössichen Rock mit blauer Basis gehen wollen und dafür neue Techniken und Denkanstöße suchen.

 https://www.alfredmusic.de/shredding-the-blues.html