Montag, 4. März 2019

DIKTATOREN IM KINO


Credit Coverbild: ©Zsolnay Verlag
Ebenso interessant wie eigentümlich war die Beziehung der gefürchteten Diktatoren und Propagandisten der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts zum damals noch jungen Medium Film. Einige von ihnen waren selbst Fans der bewegten Bilder auf der Leinwand: Ähnlich wie bei der Opernfigur des letzten Tribunen Rienzi fand sich Adolf Hitler etwa im Pancho Villa im u.a . unter der Regie von Howard Hawks entstandenen „Viva Villa“ wieder. Josef Stalin entwickelte sich zwar erst mit fortgeschrittenem Alter zum Cineasten (und Zensor der Kunstform) hatte jedoch skurrilerweise eine Vorliebe für westliche Filme, darunter auch für das ur-amerikanische Genre des Western. In Italien wiederum schuf sich Benito Mussolini für die Produktion italienischer Filmwerke gleich eine eigene Stadt: Cinecittà.
Die Symbiose zwischen den Diktatoren und der Kunstform ging jedoch weit über die persönliche Begeisterung hinaus. Kino war immer auch eine wirksame Propaganda-Waffe, nicht nur zur überlebensgroßen Selbstinszenierung sondern auch zur perfiden Beeinflussung der Massen.
Lenin etwa hatte zwar nicht unbedingt viel für das Künstlerische im Film über, erkannte jedoch das edukative Potential für die Arbeiter in Russland. Der Chefpropagandist des „Dritten Reichs“ Joseph Goebbels schwärmte nicht nur aus weniger cineastischen Gründen für zahlreiche Starlets von Babelsberg sondern instrumentalisierte rücksichtslos Schauspieler wie Regisseure und lenkte die gesamte Filmproduktion in Deutschland. Vor diesem Hintergrund ist es eine interessante Fußnote der Geschichte, dass gerade in solch dunklen Zeiten technische wie inszenatorische Pionierleistungen fielen (Stichworte: Riefenstahl und Eisenstein).

All diese unterschiedlichen Aspekte - von den Genre-Vorlieben der Despoten über die Rolle bekannter Filmschaffender in totalitären Systemen zur Instrumentalisierung eines ganzen Massenmediums zur Beeinflussung des Volks  - stehen im Zentrum der Neuerscheinung „Diktatoren im Kino“ des renommierten Literaturwissenschaftlers Peter Demetz. Dieser beleuchtet ein ungemein faszinierendes Gebiet, das noch nicht so erschöpfend erforscht wurde, wie man vielleicht annehmen könnte. Der hier gegebene Überblick ist kompakt, ohne dabei oberflächlich zu wirken. Demetz findet interessante, wenig bekannte Details in den Biographien der Diktatoren - das macht dieses Buch einerseits für jene spannend, die sich erstmalig mit dieser  besonderen Thematik auseinandersetzen, es langweilt jedoch andererseits nicht die historisch versierten Leser. 

Zwar könnte man das Thema sicherlich noch ausführlicher behandeln als es hier auf gut 256 Seiten geschieht, doch es ist dem Autor sehr zugute zu halten, dass er nicht den Fehler so mancher seiner Kollegen begeht und sich in Nebensächlichkeiten verzettelt, die dann in einer wenig mitreißenden Aufzählung mehr oder minder bedeutsamer Zahlen mündet. Dieses  Buch liest sich stets flüssig, was auch an der immer wieder durchscheinenden Begeisterung des Cineasten Demetz liegt. Nur die  Aufmachung ist etwas nüchtern ausgefallen: Ein paar vereinzelte, kleine Schwarzweiß-Fotos illustrieren das Büchlein; die Thematik und die visuelle Natur des Mediums Film hätten durchaus eine größere Aufmachung mit ganzseitigen Fotos und Bilderstrecken für eine  tiefergehende Analyse von Propaganda-Machwerken nahegelegt.

Ungeachtet dessen ist „Diktatoren im Kino“ ein - im besten Sinne - „old school“-Geschichtsbuch, das mit einer Fülle an Infos nicht nur als Quelle für eigene wissenschaftliche Arbeiten fungieren kann sondern zu den interessantesten kommunikationshistorischen wie kinogeschichtlichen Releases der jüngeren Vergangenheit zählt.

Freitag, 1. März 2019

TOM PETTY & THE HEARTBREAKERS – THE BEST OF EVERYTHING

Credit Coverbild: © Universal Music
Eine so vielfältige Karriere wie die des 2017 verstorbenen Tom Petty auf zwei Discs und 38 Tracks zusammenzufassen, ist ein mitunter schwieriges Unterfangen. Das neu erschienene Doppelalbum „The Best Of Everything“ versucht jedoch genau dies und wirft einen karriereumspannenden Retrospektiv-Blick auf über 4 Jahrzehnte im musikalischen Leben des amerikanischen Individualisten.

Es ist bei weitem nicht die erste Petty-Best Of, diese hier wurde jedoch
von Toms Family und Bandkollegen selbst zusammengestellt. Ungeachtet dieses Umstandes hat man es jedoch nicht mit einer reinen Raritäten-Rückschau zu tun. Neben einigen, auch neueren „choice cuts“ aus dem Backkatalog stehen vor allem einige der ganz großen Hits („Refugee“, „I Won´t Back Down“, „Runing Down A Dream“ , „Free Fallin“´ oder die ewige Bad Girl-Hymne „Mary Jane´s Last Dance“) im Zentrum. Die Fans haben diese  unbestritten großartigen Songs natürlich längst zu Hause, auch auf eine aufwendige Sammleraufmachung wie man sie von solchen Commemorative-Zusammenstellungen kennt, muss man verzichten.

Auf der Haben-Seite  stehen demgegenüber ein lesenswertes , längeres Essay von Cameron Crowe im Booklet und die Inklusion  einer Alternativ-Version des titelgebenden  „The Best Of Everything“ vom  ´85er „Southern Accents“-Album sowie der ebenfalls bislang unveröffentlichte Song „For Real“. Es ist ein zutiefst autobiographisch gefärbtes Stück, bei dem viele der Stärken Pettys deutlich werden: von der catchy-Melodie zum literarisch anmutenden Storytelling im Songwriting – he did it for real,  dieser Song subsumiert quasi die Karriere Pettys: ganz stark!

Bei einem gelungenen Best Of, das ja ein möglichst komplettes Bild eines Künstlers zeichnen soll sind die inkludierten Tracks meist ebenso wichtig, wie jene die weggelassen werden. Die hier getroffene Auswahl ist durchaus gut gelungen, trotzdem fehlen zahlreiche Songs, die viel über Petty und seine Roots/Inspirationen aussagten (man denke an die inspirierten Rock N´ Roll-Live-Covers oder einige der bluesigen Nummern von der "Wildflowers"-LP).  Abgesehen davon gelingt dieser Greatest Hits jedoch eine sehr gut kuratierte Einführung in das Oeuvre eines „American Poet“.  

Montag, 18. Februar 2019

LED ZEPPELIN LIVE 1975-1977


© ACC Art Books  Terry O´Neill
Pomp & Circumstance auf der Konzertbühne

Ganz objektiv betrachtet: geht es eigentlich noch cooler und ikonischer als Jimmy Page als Inkarnation des archetypischen Rockstars oder Wiedergänger des Niccolo Paganini am Cover des neuen Led Zeppelin-Bildbandes im Halbdunkel der Bühne mit seiner legendären Gibson Les Paul und dem Geigenbogen ?

erschienene Bildband (ACC Art Publishing) zeigt die Gruppe in all ihrer ausschweifenden Dekadenz und ihrem Glanz & Gloria. Es ist die Chronik der Jahre 1975 - 1977, man sieht eine Band am Zenit, viele wegweisenden Alben  (I - IV) lagen bereits hinter ihnen, es gab damals schlichtweg keine größere Hard Rock-Band. 
Gezeigt wird der bleierne Zeppelin beim Fliegen, sprich mit der Ausnahme von ein paar Shots abseits der Bühne hauptsächlich in einem Live-Setting on stage. Etwaige 
berüchtigte Tour-Exzesse werden ausgespart, es geht hier weniger um einen Behind The Scenes-Look als vielmehr um die Dokumentation typischer Liveshows der Band.
Eingefangen wurden diese von drei Fotografen, die Zeppelin einst in ihrem "Heyday" begleiteten: Terry O´Neill, Michael Brennan un Baron Wolman - sie alle zählen zu den besten der Zunft der Musikfotografie, mit ihren Bildern wurde das überlebensgroße Image der Band natürlich maßgeblich mitgeprägt.

Obwohl der langjährige Fan fraglos einige der hier gezeigten Aufnahmen kennt und es zudem nicht gerade einen Mangel an coffee table-Bänden über Led Zep gibt, präsentiert sich die hier getroffene Auswahl von Bildern als besonders gelungen: Wer also Pages kunstvolle Bühnenoutfits oder sein Gitarren-Arsenal  genauer studieren will, ist hier richtig - insbesondere dank dem großen Format und den hochqualitativen Reproduktionen.
 "Led Zeppelin Live 1975-1977" wird so zur guten Ergänzung der eigenen  Rock N´Roll Kunst-Bibliothek.

Freitag, 15. Februar 2019

GROUPIES AND OTHER ELECTRIC LADIES


© ACC Art Books  Baron Wolman
Im großen Rock N´ Roll-Theater zählen sie ähnlich wie der dunkle, geheimnisvolle Gitarrist, der löwenmähnige, extrovertierte Frontman oder der Svengali-artige Manager zu den wiederkehrenden Arche- und Prototypen: die Groupies. Jene Mädels, die es ich in den Kopf gesetzt haben, ihren Idolen näher zu kommen, als die normalen Adoranten – sehr viel näher.
Ein Klischee, klar, aber gleichzeitig auch ein unauslöschlicher Teil der Rock-Mythologie.
Jahrzehnte vor jeglichen  Reflexionen der #metoo-Ära und Gender-Debatten lebten Groupies wie Miss Pamela und ihre GTO (Girls Together Outrageously) oder die Plaster Casters (die Gipsabdrücke von den Gemächten der Rockstars nahmen) ihre ganz persönliche Interpretation von der freien Liebe und der sexuellen Revolution und wurden im Zuge dessen selbst bis zu einem gewissen Grad berühmt.
Kritiker des Phänomens warnten nicht nur vorm damit einhergehen Sittenverfall sondern sahen naturgemäß immer schon das "Exploitation"-Potential im Vordergrund, für sie war eindeutig, dass die teils sehr jungen Mädels ihre Tugendhaftigkeit am Altar dekadenter Rockgötter opferten.

Während fraglose manche der Girls nur die schnelle Nummer im Backstage-Bereich suchten, sahen sich viele mehr im Sinne der griechischen Mythologie als Musen. Wie drückt ees Kate Hudson als prototypisches Groupie in Cameron Crowes „Almost Famous“ aus ? Sie inspirieren die Musiker -  sei es im Sinne eines libidinösen Funkens zur Entfachung der Kreativität oder schlicht als #Fashion-Inspo :-) Ihr spezieller Style beeinflusste seinerzeit selbst so manch gestandenen Rocker, der daraufhin Kleidungsstücke einer Kurzzeit-Flamme in die eigene gender-flexible Bühnengarderobe einbaute.

Im Jahr 1969 wurde dieses Groupie-Phänomen - das zwar schon lange vor den Swingin´ Sixties existierte, in dieser Zeit jedoch erstmals die publicity-trächtige Prominenz für die Girls nach sich zog - auch durch einen Artikel in der „Super Duper“-Ausgabe des Rolling Stone, damals noch das Sprachrohr der Counterculture, bekannt. Ein aus heutiger Sicht extrem langer und ausführlicher Artikel der mehr oder weniger bekannte Groupies portraitierte und diese auch in  Interviews zu Wort kommen ließ: Ein Inside-Report einer abgeschlossenen Szene, in dem man völlig unverblümt von intimen Begegnung mit Musik-Ikonen lesen konnte. Das passte natürlich perfekt in den damaligen Zeitgeist
Die dazugehörigen Bilder schoss die Fotografie-Legende Baron Wolman - der immer schon ein spezielles Gespür für eine Inszenierung mit dezidierter Mode-Ästhetik hatte und nicht umsonst zu den  wichtigsten  Vertretern der Rock N´Roll-Photography zählt.

Im neuen, bei ACC Art Publishing erschienenen Bildband „Groupies and Other Electric Ladies“ kann man nun den "uncut" Originalartikel und die komplette Fotostrecke erleben: ein kleiner Trip  in das mittlerweile längst untergegange Rock N´Roll-Babylon.
Das Buch wird zum Zeitdokument mit einem noch heute lesenswerten Essay über die kultigen Groupies und tollen Fotos wie aus einem französischen Film - zusammen mit den Büchern von Miss Pamela Des Barres sicherlich das Standardwerk zum Thema Groupies.

Mittwoch, 13. Februar 2019

Ein persönliches Portrait der Punk-Pioniere: MY RAMONES von DANNY FIELDS

Credit Coverbild: © Danny Fields   Reel Art Press
Road To Ruin: Die komplett abgewohnten Häuserzeilen, die baufälligen und dreckigen Gehsteige, die berüchtigten "Mean Streets" wie aus einem Scorsese-Film...fast könnte man meinen, dass in Kürze Travis Bickle mit seinem Taxi um die Ecke biegt. Wir befinden uns im New York der Siebziger-Jahre, lange vor allen Reformen, Stadtsanierungen und Aufräumarbeiten. Dies ist die atmosphärische Kulisse für die Bilder von Rock N´ Roll-Photographer Danny Fields, der die Ramones in ihrer Frühphase begleitete und eindrückliche Aufnahmen dieser ebenso legendären wie einflussreichen Punk-Pioniere machte.

Im Bildband „My Ramones“ zeigt Fields nun seine sehr persönliche Sicht auf die Band. Während Fotografen wie Neal Preston, Braon Wolman, Terry O´Neill oder Jim Marshall in ihren  Bildern von Jagger, Richards, Plant, Page oder Townshend das Überirdische der Rockstars herausstrichen, wählt Fields einen völlig anderen Zugang.
Seine Bilder sind – passend zum Punk-Ethos, das sich ja als Antithese zur Gigantomanie des stadion-erschütternden, klassischen Rock verstand - zurückhaltend, schnörkellos,  reduziert. Dabei wirken diese Aufnahmen, in denen man der Band quasi durch ihren Alltag folgen kann, auf ihre eigene Art ikonenhaft -  immerhin, ein Bild aus der hier versammelten Fotoserie wurde dann ja das legendäre Cover des ersten Ramones-Album.

Mit seinen kompakten Maßen und überschaubarem Umfang wirkt  auch der Bildband  „My Ramones“ im Vergleich zu ausladenden Werken wie der unlängst veröffentlichten „Led Zeppelin“-Retrospektive  oder „Exhilarated & Exhausted“ wie das bibliophile Pendant zu einem Punk-Song – kurz und knackig. Die persönliche Beziehung Fields zu den Hauptdarstellern seiner großartigen Bilder und das Gefühl, hier Zeitdokumente der Sturm & Drangperiode einer neuen, rebellischen Musikrichtung auf dem coffe table zu haben, machen dieses Buch jedoch nicht nur für die härtesten Ramones-Fans interessant.

Bibliographische Angaben: My Ramones - Photography by Danny Fields
Englisch, 23 x 27,5 cm, 176 Seiten, 225 Abbildungen,Hardcover
ISBN: 978-1-909526-55-6 Reel Art Press

Sonntag, 10. Februar 2019

THE GREAT TRAGEDY: WINTER DANCE PARTY 1959


Credit Bild: © Bear Family
Es war „The Day The Music Died“: Vor 60 Jahren - am 3. Februar 1959 um genau zu sein - kamen die Rock N´ Roller Buddy Holly, Ritchie Valens und J. P. „The Big Bopper“ Richardson bei einem fatalen Flugzeugabsturz in Iowa ums Leben.
Diese Tragödie stand am Ende der „Winter Dance Party“-Konzertreihe, die als „Tour From Hell“ in die Geschichtsbücher des Rock eingehen sollte. Von Beginn stand diese Reise unter keinem guten Stern, die beteiligten Musiker  - Holly frisch getrennt von den Crickets, mit neuer Backing-Band, der u.a,. der spätere Country-Superstar Waylon Jennings angehörte, Valens der mit „La Bamba“ den Chicano Rock bekannt gemacht hatte, der Big Bopper, Frankie Sardo, Debbie Stevens sowie Dion And The Blemonts -  hatten mit widrigsten Umständen in den unwirtlichen, eisigen Bedingungen im Mittleren Westen der USA zu kämpfen. Andauernde Busprobleme führten schließlich dazu, dass ein Teil der Musiker ein Privatflugzeug charterte, das nur kurze Zeit nach dem Abheben abstürzte.
Das tragische Unglück war die erste Zäsur in der noch jungen Geschichte des Rock N´ Roll,
es war der Tag, an dem die Musik starb, wie Don McLean einst in  „American Pie“ sang.

Zum Jahrestag der Ereignisse und dem 60. Todestag von Buddy Holly, Ritchie Valens und dem Big Bopper ist beim Sammler-Label Bear Family nun eine neue Compilation erschienen, die viele der großen R N´R-Klassiker der jung verblichenen, jedoch unsterblichen Ikonen wie etwa „That´ll Be the Day“, natürlich „Peggy Sue“, „Chantilly Lace“, „La Bamba“ oder „Maybe Baby“  neben historischen Promospots der Winter Dance-Tour, Nachrichtenbeiträgen über das Unglück sowie Tribute Songs, die die Ereignisse thematisieren (wie „Three Stars“ vom ebenfalls viel zu jung verstorbenen Eddie Cochran) vereint.

Von Bear Family ist man normalerweise besonders aufwendig gestaltete  Liebhaber-Editionen (wie etwa die „highly collectible“ Country Rock-Rückschau „Truckers,Kickers, Cowboy Angels“) gewohnt. Die „Winter Dance“-Retrospektive im Standard-Jewel Case ist da vergleichsweise unauffällig, wartet jedoch immerhin mit einem dicken 24 seitigen Booklet mit Liner Notes und zahlreichen Fotos auf. Auch wurden die Aufnahmen neu gemastert und erfreuen mit exzellentem Vintage-Klang.

Alte und junge Rock N´ Roller werden viele der hier vertretene Aufnahmen längst zu Hause haben, zählen diese doch zu den Schlüsselaufnahmen aus dem goldenen Zeitalter des Genres. Diese „Commemorative CD“ ist jedoch ungeachtet dieses Umstandes eine sehr schlüssig gestaltete und schön kuratierte Zusammenstellung mit  sowohl musikhistorischem wie archivarischem Charakter, die sich besonders an Komplettisten und Sammler richtet.

Freitag, 1. Februar 2019

DAS STAR WARS ARCHIV 1977-1983


Credit Bild: © Taschen Lucasfilm
"Es war einmal in den Siebzigern des vorigen Jahrhunderts in einer gar nicht weit entfernten Galaxis..."

So oder so ähnlich könnte eine Rekapitulation der geradezu märchenhaft anmutenden Erfolgsgeschichte von Regisseur George Lucas beginnen, der mit seiner Sternen-Saga vom immerwährenden und stets aktuellen Kampf "Gut gegen Böse" - also von den Jedi-Rittern gegen die Sith und das galaktische Imperium - einen gleicher-maßen modern-futuristischen wie zeitlosen Mythos schuf. Ein Mythos der alters- und generationsübergreifend eine ungebrochene Faszination  ausübt -  außer Lucas gelang dies nur Tolkien und seinem Ringzyklus.

In jüngerer Vergangenheit hat dieses makellose Milliarden-Franchise um Luke Skywalker, Yoda, Obi-Wan Kenobi, Lord Vader & Co. zwar  durch eine wohlintendierte, jedoch missglückte Prequel-Trilogie, die neuen, noch schlimmeren Fortsetzungen sowie Substandard-Spinoffs wie „Rogue One“ oder die 2018er Han Solo-Story (der erste richtige Flop in der Geschichte von "Krieg der Sterne") ein paar Dellen abbekommen - doch all dies spielt beim gerade neu erschienenen „Star Wars Archiv“ aus der Filmreihe des Taschen Verlags überhaupt keine Rolle. Denn diese ausladende, schwelgerische Bildband-Retrospektive im Umfang eines Bantams, dreht sich nur um die Classic Trilogy - die Episoden IV -VI mit den SF-Klassikern  "A New Hope" , "The Empire Strikes Back" und "Return of the Jedi". Ewoks und Javas statt Jar Jar Binks also.
Damit richtet sie sich nicht ausschließlich, aber besonders auch an alle alten Fans, die wie so ich das Planetensystem des George Lucas in Kindheitstagen entdeckt haben.
Credit Bild: © Taschen Lucasfilm
Credit Bild: © Taschen Lucasfilm
Credit Bild: © Taschen Lucasfilm
 Waren schon die ähnlich gelagerten Releases über Pedro Almodóvar oder James Bond-Ausgaben aus dieser Buchreihe sehr aufwendig, so ist dieser Band sogar noch eine Spur luxuriöser (und schwerer). Öffnet man die Schutzbox aus Karton, so offenbart sich einem ein wohlbekannter Anblick: der Galaxy-Shot mit dem seit 1977 jede Episode beginnt-  inklusive Sternenglitzer all over im Einband!
Das Star Wars-Archiv ist jedoch nicht nur ein Schmuckstück, das als stylisher Einrichtungsgegenstand durchgeht sondern auch ein extrem gehaltvolles und informatives Buch für Cineasten. Denn das Herzstück dieses in enger Kooperation mit George Lucas und Lucasfilm entstandenen Bandes ist ein extrem langes und äußerst ausführliches Interview mit dem visionären Regisseur und Schöpfer der Filmreihe.
Einen tieferen Einblick in die Entstehungsgeschichte der Originaltrilogie hat man auch dank der zahllosen selten gezeigten Dokumente, Drehbuchseiten, Produktionsunterlagen, Konzeptentwürfe, Storyboards und unzähligen Fotos aus den Filmen und den Dreharbeiten selten bekommen.
Der Herausgeber und Filmexperte Paul Duncan entwarf hier ein Kompendium mit der sich die gesamte Entwicklung dieses Kults nachvollziehen lässt - von den Inspirationen Lucas' zu den Skizzen hin zur schlussendlichen Realisation im Film.

Zwar ist dieses neue Star Wars-Archiv bei weitem nicht das erste bibliophile Werk über die Kult-Trilogie – doch durch seinen schieren Umfang wird man wohl die gesamte Galaxis vom Wüstenplaneten Tatooine bis zur Eiswelt Hoth durchsuchen können und kein besseres Buch über das Phänomen finden.
  
Bibliographische Angaben:
Das Star Wars Archiv: 1977–1983 von Paul Duncan
Hardcover, Halbleinen, 41,1 x 30 cm, 604 Seiten
ISBN 978-3-8365-6340-6, Ausgabe: Englisch

Montag, 28. Januar 2019

BLACK & PROUD

Credit Coverbild:  © Avant Verlag Bourhis Brüno
Von der traditionellen 12 Takte-Form des Blues zum Mainstream-Pop von Rihanna und Beyoncé. Vom tremologetränkten Sixties-Soul über den Funk und Blaxploitation Cinema-Soundtracks der Siebziger hin zu Disco,Hip Hop und Gangster-RAP.
Es ist diese vielfältige, in unzählige Subgenres verzweigte Entwicklung der schwarzen Musik ohne die - auch ungeachtet der derzeitigen, völligen Mainstream-Dominanz zeitgenössischer R & B Artists  - die gesamte Populärmusik ab den späten 40ern völlig undenkbar ist. Diese ungemein faszinierende Geschichte bildet auch das  Herzstück des Comic-Projekts „Black & Proud“  von Hervé Bourhis und Brüno, in dem ein kompakter und gleichzeitig detailreicher Überblick über die Spielarten der Black Music gegeben wird.
Credit Bild:  © Avant Verlag Bourhis Brüno
Credit Bild:  © Avant Verlag Bourhis Brüno
Dass die Schöpfer dieses „Comic-Geschichtsbuchs“ glühende Verehrer afroamerikanischer Klänge sind merkt man bei diesem liebevollen Buch auf jeder Seite, mehr als einmal drängt sich die Erinnerung an die berühmten, klassischen Blues-Comics eines Robert Crumb auf.
In witzigen, locker-lässigen Zeichnungen und temporeich- kurzweiliger Manier  reist das französische Autoren/Zeichner-Duo durch die prägenden Jahrzehnte dieser Musikrichtungen. Ohne jedoch einen  Anspruch auf Vollständigkeit zu erhoben, ihr Fokus liegt  ausschließlich auf Amerika, die Jazz Ära wird weitgehend  ausgespart und auch die Roots die man etwa im 19. Jahrhundert findet, werden nur oberflächlich gestreift.
Hauptaugenmerk liegt auf der Zeit von 1945 – 2015, jedem Jahr ist eine Doppelseite gewidmet, vorgestellt werden wissenswerte Facts, Landmark-Ereignisse und herausragende Alben – ein Ansatz der gleichermaßen ein musikhistorischer wie kulturgeschichtlicher ist.
 
Credit Bild:  © Avant Verlag Bourhis Brüno
Als Leser sollte man jedoch schon ein beträchtliches Vorwissen mitbringen, denn Bourhis und Brüno halten sich nicht lange mit Expositionen und einleitenden Erklärungen auf. Wobei es ihnen dennoch recht gut gelingt, dem Neuling die ungemeine Vielfalt afroamerikanischer Musik und die Zusammenhänge der einzelnen Genres zu verdeutlichen – immerhin, im Gespräch mit jüngeren Musikfans ist mir persönlich schon öfter aufgefallen, dass diese über die eigentlichen Wurzeln ihrer Spotify-Playlist wenig wissen. Doch selbst gestandene Musiknerds erfahren nicht nur Bekanntes: Oder wusstet ihr, dass Soul-Star Solomon Burke mit seiner Band einst ausgerechnet bei einem Treffen des Ku Klux-Klans spielte, wann sich erste Belege für den Begriff "funky" finden oder wo genau das Twerken erfunden wurde.
 
Credit Bild:  © Avant Verlag Bourhis Brüno
Credit Bild:  © Avant Verlag Bourhis Brüno
Der Fokus in „Black & Proud“ ist naturgemäß ein sehr subjektiver -  teils vielleicht allzu selektiv, so werden etwa die Synergien mit weißen Musikern und die gegenseitige Beeinflussung  völlig ausgespart (man denke bspw. an die Brit-Szene der Sixties).
Dennoch ist dieser Comic mit Sachbuch-Charakter informativ und vor allem inspirierend - ein ideales  Begleitbuch zum Erweitern oder Durchhören der eigenen Plattensammlung.

Freitag, 25. Januar 2019

JEAN-MICHEL BASQUIAT: RETROSPEKTIVE IN STYLE


Credit Coverbild: © Taschen  The Estate of Jean-Michel Basquiat
Blättert man die neue Riesen-Monographie über Kunstphänomen Jean-Michel Basquiat durch, so kann man sich nur schwerlich des Gedanken erwehren, dass man es hier mit einer nahezu idealen Rezeptions-Situation seiner vielschichtigen, vor „versteckten“ Botschaften nur so strotzenden Gemälde zu tun hat. Denn es gibt ja gewisse Künstler, deren Werke so voll Details sind, dass man schon eine Privatführung in einer Galerie braucht um wirklich alle Nuancen zu erfassen. Der Neo- Popart- und Graffiti-Superstar der 80er Basquiat (1960 – 1988) ist so ein Fall. Seine kurze Karriere führte ihn von der aufkeimenden Graffitiszene in den Straßen des Big Apple in die höchsten Sphären der Kunstszene (Warhol!) und die angesagtesten Galerie der Eastcoast-Elite.

Seine unkonventionellen Bilder in die er sowohl sozialkritische Diskurse (Stichwort: James Baldwin) sowie kunsthistorische Bezüge einbaute, trafen den Nerv einer Zeit als die Street- und Hip Hop-Kultur erstmals vom Mainstream beachtet wurde.
Der Einfluss Basquiats – der allein schon aufgrund seines unverwechselbaren Äußeren eine Kunst-Kult-Figur ist – hält sich bis heute und findet sich insbesondere in jüngerer Vergangenheit in der High Fashion-Szene wieder.
 Anthony Clarke, 1985
Acrylic, oil, oilstick, and photocopy collage on wood, 244 x 139 cm / 96 x 54 3/4 inches
Photo: Courtesy Lio Malca Copyright: © The Estate of Jean-Michel Basquiat. Licensed by Artestar, New York
Der nun erschienene, ausladende XL-Bildband aus dem Hause Taschen erfasst das gesamte Werk - und ist noch dazu fast "all over" im speziellen, bunten Basquiat-Stil gehalten. Dies macht ihn zum Sammlerstück für Kunsthistorisch Interessierte, das sich gleichermaßen als Einführung in das Werk des US-Künstlers als auch als retrospektivische Würdigung zum Wiederentdecken eignet.

Bibliographsiche Angaben:
Jean-Michel BasquiatHans Werner Holzwarth, Eleanor Nairne, Hardcover, 29 x 39,5 cm, 500 Seiten
ISBN 978-3-8365-7487-7, Ausgabe: Deutsch

HEART – LIVE IN ATLANTIC CITY

Credit Coverbild: © earmusic Edel
Lange vor jeglichen „She Rocks“-Initiativen bildete die Led Zeppelin-verehrende US-Band Heart, angeführt von den Schwestern Ann und Nancy Wilson, einen Kontrapunkt zum sonst von Männern dominierten Genre des klassischen Hard Rock. Mit geballter Girl-Power und Hits wie dem Flanger-getränkten „Barracuda“ etablierten sie sich in den Siebzigern, touren bis heute und sind insbesondere in den USA nicht mehr aus dem Formatradio wegzudenken.

Der neu erschienene Live-Mitschnitt „Live In Atlantic City“ - entstanden im Rahmen des VH1 Decades Rock -  liefert nun eine veritable Rückschau mit nahezu allen Greatest Hits.
Ähnlich wie das im Vorjahr veröffentlichte Live-Dokument von Lynyrd Skynrd aus der selben Konzertreihe ist auch dieser Mitschnitt nicht mehr ganz taufrisch, stammt er doch aus dem Jahre 2006. Doch anders als bei den Southern Rockern sind die Gäste, die zu den Wilson Sisters auf die Bühne kommen durchwegs hochkarätig: Dave Navarro (Janes Addiction), Jerry Cantrall und seine Alice In Chains-Kollegen, Country Röhre Gretchen Wilson (besonders imposant beim hier zu hörenden Zep-Cover „Rock And Roll“)
Südstaaten-Fee Carrie Underwood, Guns N´ Roses Bassman Duff McKagan und Rufus Wainwright. Die Genregrenzen überwindende Bandbreite dieser Künstler illustriert recht gut, welchen Appeal Heart in den Staaten haben.

Der Atlantic City-Gig ist zwar verhältnismäßig kurz, vereint jedoch mit den Hochglanz-Balladen, Verbeugungen vor Plant & Page sowie den obligatorischen Heavy-Krachern so gut wie alles, was Heart ausmacht - ein gutes Package für AOR-Fans, zumal dieser Mitschnitt  im attraktiven Doppelslipcase mit dickem Booklet erscheint.

Tracklist der Blu ray/CD-Kombi:

1. Bébé Le Strange (mit Dave Navarro)
2. Straight On (mit Dave Navarro)
3. Crazy On You (mit Dave Navarro)
4. Lost Angel
5. Even It Up (mit Gretchen Wilson)
6. Rock And Roll (mit Gretchen Wilson)
7. Dog & Butterfly (mit Rufus Wainwright)
8. Would? (mit Alice In Chains & Duff McKagan) *
9. Rooster (mit Alice In Chains & Duff McKagan)
10. Alone (mit Carrie Underwood)
11. Magic Man
12. Misty Mountain Hop (mit Dave Navarro)
13. Dreamboat Annie
14. Barracuda

*nur auf der CD vertreten. 

Hier könnt ihr in Hearts Groupie-Hymne "Bébé Le Strange" reinhören:

Donnerstag, 17. Januar 2019

Bruegel - Jahr: Das vollständige Werk


Die Dulle Griet (auch: Die Tolle Grete), 1563  Antwerpen, Museum Mayer van den Bergh        Taschen
Über sein genaues Geburtsjahr herrscht ebenso Uneinigkeit wie über weiterführende Details seiner Biographie: Pieter Bruegel der Ältere ist nicht nur ein faszinierendes Mysterium der Kuntgeschichte um dessen Leben und Wirken sich der Mantel der Ungewissheit hüllt sondern auch nach wie vor einer der populärsten Superstars der alten Meister: Als ungeschminkter Chronist der damaligen Lebensrealität zeigte er in seinen aufwändigen, detailverliebten Gemälden das Leben im Herzogtum Brabant in all seiner Armut und Derbheit. Gleichzeitig war der „Bauernbruegel“ in seiner Kunst aber auch ein apokalyptischer Visionär dessen Bilder ihn  als legitimen Nachfolger des „Alptraummalers“ Hieronymus Bosch etablierten  - siehe etwa "Die Dulle Griet" am Beginn dieses Artikels oder auch das heute noch unheimlich anmutende  „Der Triumph des Todes“, beides Meisterwerke Bruegels die einem Still aus einem Horrorfilm gleichen.
Der Turmbau zu Babel (Wiener Fassung), 1563 Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie
Copyright: © Kunsthistorisches Museum, Vienna, Photo: Luciano Romano
Passend zum "Bruegel-Jahr" 2019, in dem sich der Todestag des flämischen Künstlers zum 450. Mal jährt, ist im Taschen Verlag nun eine umfangreiche Monographie über den großen Meister erschienen.Dieser zeigt im XL-Format in der typischen Luxusausführung des Kölner Verlags die gesamte Bandbreite des Schaffens des Renaissancekünstlers.
Der Engelsturz (auch: Der Sturz der rebellierenden Engel), 1562 Brüssel, Royal Museums of Fine Arts of Belgium
Copyright: © Royal Museums of Fine Arts of Belgium, Brüssel / image by Google
Der Vorteil dieses 492 seitigen Mammutwerks ist natürlich, dass man durch die hochwertigen Reproduktionen die extrem facettenreichen Bilder ganz genau studieren kann. Immerhin handelt es sich bei dem flämischen Künstler um einen jener Maler der den Betrachter oft mit seinen Darstellungen förmlich bombardiert. So erschließt sich Manches erst bei genauem Studium der teils realistischen, teils surrealen Darstellungen.
So man also nicht das Glück einer Privatführung im Museum hat wird man die detailreichen Werke Bruegels  wohl kaum genauer unter die Lupe nehmen können als mit diesem Prachtband. 
Credit Bild: © Taschen Verlag
TASCHEN
Pieter Bruegel. Das vollständige Werk
Jürgen Müller, Thomas Schauerte
Hardcover mit Ausklappseiten, 492 Seiten 
€ 150

BLACK SABBATH – THE END

Credit Coverbild: © Universal Music
Es endete wie es einst begann und der Fan kann ob der schieren Konzentration an bedeutungsschwangeren Vorzeichen geradezu philosophisch werden: Prasselnder Regen und unheimliche Glocken läuteten anno 1969 eines der Grundstein-Alben des Metal ein. Sie tun dies auch bei diesem 2017er Gig in Birmingham - jenem Ort ein, wo einst die Karriere von Black Sabbath begann. Den schroffen Industriesound der Arbeiterstadt im Black Country goss die Band einst in ihre ultra-heavy Musik und hier wurde auch das Abschlusskonzert ihrer "Farewell"-Tour gespielt und aufgenommen.

Das u.a. Blu ray releasede, folgerichtig „The End“ betitelte Konzertdokument dieses wirklich letzten Gigs der Metalpioniere fängt diesen denkwürdigen Gig in einer etwas steril wirkenden Konzerthalle gekonnt ein. Dass es das für Gitarrist Tony Iommi, Bassist Geezer Butler und Frontman Ozzy Osbourne (Drummer Bill Ward war nicht mit dabei) als Kollektiv nun wirklich gewesen sein soll,  kann schon wehmütig stimmen - immerhin beendet damit eine der prägendsten und einflussreichsten Metal-Formationen ihre Karriere. Von einem rein kreativen Standpunkt aus betrachtet, ist jedoch der Birminghamer Stahlofen schon lange aus. Ein neues Album ist auch eher nicht mehr zu erwarten und als längstdienende Metalband bzw. Gründungväter des Genres haben sie den Ruhestand natürlich verdient; auch wenn Ozzy nach wie vor solo tourt und sich bei diesem Gig  stimmlich nahezu nicht gealtert präsentiert: Generell merkt man hier nichts von irgendwelchen Ermüdungserscheinungen. Vielmehr quillt der unheilvoll dräuende Sabbath-Sound so gewaltig wie eh und je aus den Boxen. Selbst Ozzys an sich karrierschädigende Auftritte in den Untiefen des Reality TV scheinen ob der metallischen Wucht dieses Gigs beinahe vergessen. 
Iommi, Osbourne und Butler
Credit Bild:© Ross Halfin  
Die Setlist speist sich vornehmlich aus den ganz frühen Sabbath-LPs wie dem gleichnamigen Debut, " "pPranoid" und "Master Of Reality: soll heißen Tritonus/Diabolus In Musica in Reinkultur. Dies beschert dem Zuhörer zwar viel frühe Fan Favourites (von "Fairies Wear Boots" über "War Pigs" zu "Iron Man" ), allerdings werden auch viele Großtaten wie bspw. "Symptom Of The Universe"  weggelassen. Zudem zeigt die hier getroffene Songauswahl nicht eben stilistische Varianz.
Der Birminghamer-Abgesang präsentiert sich so als ein grundsolider Gig, der vornehmlich durch den historischen Anlass eine historische Note verliehen bekommt.

Als Bonus kann man bei den sog. "Angelic Sessions" einen hochinteressanten Blick in Studio werfen - man hört hier die letzten offiziellen Studioaufnahme Sabbaths inklusive der Überballade  "Chages" und dem unerklärlicherweise beim Konzert fehlenden "Sweet Leaf".

Mittwoch, 16. Januar 2019

Chronik der Metal-Paten: Sabbath Bloody Sabbath

Credit Coverbild: © Bosworth
Tonnenschwere Riffs von Gitarrist Tony Iommi, der atmosphärisch gekonnt eingesetzte Tritonus (dem musikalischen „Teufelsintervall“), die wiederkehrende okkulte Bildsprache und natürlich Ozzy Osbournes Texte zB. über  den Verfall in den Wahnsinn.
Die Rede ist natürlich von Black Sabbath, die in den späten Sechzigern den Heavy Metal zwar nicht -  wie immer wieder behauptet wird - im Alleingang erfunden hat, für diese Genre jedoch fraglos höchst einflussreich und wegweisend war.
Wo manche vermeintlich als ultra-heavy geltende moderne Metalbands mit ihrem pseudo-bösen Image und den gutturalen Grunz-Vocals oftmals eher lächerlich und belustigend wirken,sind die Alben der Band aus dem englischen Birmingham gut gealtert und wirken noch heute düster und eben heavy.

 In „Sabbath Bloody Sabbath“, dessen Titel natürlich vom  legendären Sabbath-Song vom gleichnamigen  Album entlehnt ist, einwirft  Autor Joel Mc Iver nun eine ausführliche Chronik dieser Band von 1968 bis in die Gegenwart.
Wobei diese auf dem Cover genannte Zeitspanne unterschlägt, dass der Leser auch  einige Details etwa zur Kindheit Ozzys erfährt. Zudem beschränkt sich McIver nicht nur auf die History der Band selbst in ihren unterschiedlichen Besetzungen,  sondern liefert gleichzeitig auch eine Biographie von Madman Ozzy Osbourne und dessen Solokarriere. Neben der Entstehung von heavy Klassikern und dem zunehmend exzessiver werdenden Tourleben sowie etlichen Skandalen und Eskapaden, kann man die Wandlung  Osbournes  vom einstigen „Prince Of Darkness“ zum mitunter wirr-wunderlichen Reality-TV-Star nachvollziehen (oder es zumindest versuchen……..).

Das Buch wartet mit einer geballten Ladung an Informationen auf und ist mit zahllosen Zitaten nicht nur von den Bandmitgliedern sondern auch von Zeitgenossen und Weggefährten gespickt. Mit einer ausladenden Länge  von über 400 Seiten  liefert McIvers unauthorisierte Biographie so massig Lesestoff für Die Hard-Sabbath-Anhänger. Ein paar – teilweise selten gesehene Fotos – illustrieren das ansonsten etwas nüchterne Softcover-Buch.