Freitag, 31. Mai 2024

CLINT EASTWOOD - Der legendäre Filmemacher und sein Werk

Clint Eastwood Cover Buch Filmemacher
Credit Coverbild: © Edition Olms
Er verkörperte zwar den „Man With No Name“, der als schweigsamer Fremder mit Worten sparsamer als mit seinen Patronenkugeln umging und in den Sechzigern zum Synonym für den modernen Westernhelden wurde - doch der Name „Clint Eastwood“ selbst ist fraglos eine der wenigen Marken, die in Hollywood über Jahrzehnte Bestand haben - wie seine ungebrochene Popularität, eine ungemein extensive Filmographie oder Oscars für so unterschiedliche Werke wie "Erbarmungslos" und "Million Dollar Baby" verdeutlichen. Heute, am 31. Mai 2024,  wird The Man, The Myth, The Legend unglaubliche 94 Jahre alt. Anlässlich dessen ist im Olms Verlag eine kompakte Retrospektive auf das vielfältige Schaffen Eastwoods, das keine Genre-Grenzen kennt, erschienen.

Dabei wagt Autor Ian Nathan, der Chefredakteur und Herausgeber des renommierten  Empire Filmmagazins war und heute als gefragter Autor mit einer Buch-Reihe über bekannte Directors tätig ist, einen kleinen Kunstgriff. Wie schon der Titel andeutet geht es hier nicht vornehmlich um die ikonischsten Rollen Eastwoods sondern vor allem um seine Arbeit als Regisseur. Fraglos zieht es viele Actors auch hinter die Kamera auf den Stuhl des Regisseurs, doch so gut wie keinem  ist dies so gut gelungen wie Eastwood.

Die Frühzeit im TV („Rawhide“ war der Start seiner Karriere im Western-Genre ehe er nach Italien ging und mit den "Dollar"-Filmen seinen Durchbruch feierte)  und die Arbeiten mit Leone und Don Siegel kommen zwar vor, sind allerdings nicht der Hauptfokus dieses Bands. Natürlich muss man sich die Frage stellen inwiefern man dem Phänomen Eastwood wirklich gerecht wird, wenn man Parts die nicht bloß Rollen sondern Ikonen geworden sind mit nur wenigen Absätzen abhandelt. Dies ist auch das einzige Manko dieses gut geschriebenen  Buchs, denn gerade  diese Rollen waren es, die sich als so immens einflussreich erwiesen. 

Auch wenn man diesen Fokus (der letztlich eine gewisse Limitation in der Auseinandersetzung mit dem vielseitigen Künstler darstellt) durchaus etwas kritisch sehen kann, muss man anerkennen, dass dieses Buch exzellent recherchiert ist . Den journalistischen Background des Autors merkt man in jedem Kapitel, auch weil er sich durchaus (film-)kritisch mit dem Werk Eastwoods auseinandersetzt.  Zahleiche Bilder und teils weniger bekannte Trivia-Fakten (wie etwa dass Clint im Rock Hudson-Streifen "Nur Du Allein"  mitgespielt hat oder bei welchen Filmen er, ohne dass es im Anspann erwähnt wurde, die (Co-)Regie übernommen hat) runden den Eindruck ab.

Eastwoods fast sieben Jahrzehnte in der Filmindustrie lassen sich natürlich schwer auf den lediglich 176 Seiten dieses Bands zusammenfassen - zumal man es hier mit einem Multitalent zu tun hat, das auch noch Musiker, Komponist und Produzent, mit einem Händchen für gute Stoffe ist.  Doch Ian schafft es in diesem Buch dennoch einen sehr kompakten Karriereüberblick über die vielen Stationen dieser Legende zu geben und insgesamt ein gutes Portrait eines großen amerikanischen Storytellers zu entwerfen.

Happy Birthday, Mr. Eastwood !

Clint Eastwood - Der legendäre Filmemacher und sein Werk von Ian Nathan, erschienen bei Edition Olms 

Ein Blick ins Buch:
Clint Eastwood Inside Buch Filmemacher
Credit Bild: © Edition Olms

Clint Eastwood Inside Buch Filmemacher
Credit Bild: © Edition Olms

Clint Eastwood Inside Buch Filmemacher
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Clint Eastwood Inside Buch Filmemacher
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Clint Eastwood Inside Buch Filmemacher
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Clint Eastwood Inside Buch Filmemacher
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Clint Eastwood Inside Buch Filmemacher
Credit Bild: © Edition Olms

Clint Eastwood Inside Buch Filmemacher
Credit Bild: © Edition Olms


Mittwoch, 29. Mai 2024

JIMI AND ME - The Experience Of A Lifetime

Jimi Hendrix Jimi And Me Stathakis Cover Book Strat Hendrix at Woodstock Live 1969
Credit Coverbild: © Permuted Press
Ein junger Drehbuchautor am Anfang seiner Karriere, ein ungewöhnliches experimentelles Western-Filmprojekt, eine blühende Counterculture-Szene, faszinierende Groupies und ein Gitarrengott. Was sich liest wie die Ingredienzen einer „Almost Famous“-artigen Geschichte über die wilden Sechziger ist der Kern jener filmreifen Memoiren, die Jonathan Stathakis in seinem autobiographischen Buch „Jimi and Me“ entwirft. 

Anno 1969 ist die Hippiewelle am Höhepunkt und kurz davor ihren Zenit zu überschreiten, Stathakis steht mit Anfang Zwanzig erst am Anfang seiner Karriere und verfügt nur über einen einzigen Filmcredit: der schon damals obskure und heute verschollene Independent Film „Awakening Urge". Nun wäre dieser höchst mysteriöse Streifen schon für sich genommen ein lohnenswertes Thema für ein Buch. Doch noch interessanter ist, dass dieses Werk einen legendären Bewunderer hatte, der davon sogar so angetan war, dass er mit dessen Screenwriter in einem Musik und Film verbindenden Projekt zusammenarbeiten wollte. Der Name des berühmten Fans...Jimi Hendrix.

Das Ende der Sechziger war eine Phase in der Hendrix am Scheideweg stand. Retrospektiv drängt sich natürlich jene große Frage auf, die aufgrund des frühzeitigen Todes der Legende mit nur 27 Jahren auf ewig unbeantwortet bleiben muss: in welche künstlerische Richtung wollte er gehen ? Einen interessanten und bis dato unbekannten Hinweis darauf liefert Stathakis in seinem temporeich geschriebenen Buch, denn Hendrix dachte darüber nach einen Western-Film zu drehen, hätte also womöglich einen Meilenstein im Genre des progressiven Rock-Films gesetzt. Zwischen dem jungen Filmschaffenden und dem damals schon legendären Gitarristen entwickelte sich nach dem ersten Treffen, in dem dieses Unterfangen besprochen wurde, rasch eine offenbar tiefere Freundschaft.

 „Jimi and Me“ versucht zu keinem Zeitpunkt eine vollständige oder allumfassende Hendrix-Biographie zu sein. Vielmehr hat man es hier mit einem höchst subjektiven Bericht über zwei äußerst intensive Jahre zu tun. Das Ganze liest sich äußerst flüssig und ist mit Anekdoten gespickt.  Der schnoddrige Erzählton erinnert dabei an zeitgenössische amerikanische Literatur der Sechziger und Siebziger, ungefiltert und ganz im Jargon der damaligen Zeit: Old School im positivsten Sinne.

Die hier erzählte Geschichte ist eine, die bislang unbeleuchtet geblieben ist - und das obwohl es einen durchaus reichen Fundus an Büchern über diese Ikone gibt. Der Name Stathakis tauchte bislang im Zusammenhang mit Jimi zwar beim Lesen der Bildcredits  mancher Woodstock-Bilder auf  (bei jenem legendären Festival war der Drehbuchautor neben der Bühne und schoss Fotos seines Kumpels), doch das wars dann auch schon. Im Großen und Ganzen betrachtet mögen die neuen Informationen, die dieses Büchlein bietet zwar eher auf der Detail-Ebene angesiedelt sein, doch gerade diese raren Infos (inklusive einiger bislang unveröffentlichter Fotos) sowie die Nacherzählungen der "Hangouts with Hendrix", in der man durchaus Einiges über die Personality der Gitarren-Ikone abseits der Bühne erfährt, machen "Jimi and Me" zur Fundgrube für Fans. 

Jimi and Me, von Jonathan Stathakis mit Chris Eptig, erschienen bei Permuted Press

Sonntag, 26. Mai 2024

BOB WILLOUGHBY: AUDREY HEPBURN - Photographs 1953 - 1966

Audrey Hepburn Cover Bob Willoughby Elegance Pink Dress Star
Credit Coverbild: © Bob Willoughby Taschen Verlag
Als sich Audrey Hepburn in "Ein Herz und eine Krone" mit der ihr ureigenen Mischung aus Eleganz, Unbekümmertheit und Unschuld dem Hofprotokoll widersetzte, verliebte sich nicht nur der von Gregory Peck verkörperte amerikanische Reporter Hals über Kopf in sie - ein Millionenpublikum in den Kinosälen tat es ihm gleich. Ihren auf diesen Streifen, der den Durchbruch für Hepburn in Hollywood markierte, folgenden Filmpartnern ging es „on screen“ oder auch „off screen“ mitunter ähnlich. Dem Charme dieser für damalige Verhältnisse neuen Art weiblichen Stars, der weder Femme Fatale noch kurvige Sirene war, konnte sich niemand entziehen.

Einer der vielen platonischen Bewunderer Hepburns war auch der Fotograf Robert Hanley „Bob“ Willoughby. Mit Aufnahmen von Jazz-Musikern hatte er sich einen Namen gemacht, in Hollywood wurde er rasch zum ersten externen Setfotografen, der von Filmstudios speziell dazu engagiert wurde, während der Drehs Aufnahmen für Promozwecke zu machen. Der gebürtige Angeleno Willoughby avancierte in der Filmmetropole Nr.1 zu einem der gefragtesten Fotokünstler, der es vermochte das Wesen von Stars abseits ihrer Rollen einzufangen. Im Laufe seiner erfolgreichen Karriere machte  Willoughby legendäre Aufnahmen von Richard Burton, Dustin Hoffman, Marilyn Monroe, Elizabeth Taylor oder Jane Fonda - doch ein Star war ganz ohne jeden Zweifel sein absoluter Favorit. 
Als Willoughby 1953 angeheuert wurde, um ein gerade frisch in Hollywood angekommenes Starlet namens Audrey Hepburn abzulichten, war dies für ihn potentiell business as usual….eigentlich. Tatsächlich beeindruckte ihn diese Begegnung nachhaltig, fand er in der zierlich-anmutigen Schauspielerin doch sein erklärtes Lieblingsmotiv.
Schon beim ersten Treffen war er vollends hingerissen: „Sie gab mir die Hand wie… nun, wie eine Prinzessin und blendete mich mit diesem Lächeln, das Gott erschuf, um Männerherzen zum Schmelzen zu bringen“, erinnerte er sich. „Audrey gekannt zu haben, war eine Gnade“  beschrieb er seine Zeit mit dieser - O-Ton ahead – „zauberhaften Elfe“.

Nun gut, all dies hört sich zugegebenermaßen nicht so ganz platonisch an, doch wer würde angesichts von "Holly Golightly herself" nicht ins Schwärmen kommen?  Jedenfalls entwickelte sich eine freundschaftliche (Arbeits-)Beziehung zwischen den beiden, die Jahrzehnte andauerte. 
Im Bildband „Audrey Hepburn Photographs 1953 - 1966“ kann man nun eine Auswahl von Willoughbys Bildern in typsicher Taschen-High Quality bewundern. Der Einband ist ganz im markanten Türkis eines gewissen legendären, amerikanischen Traditions-Juwelierhauses gehalten, natürlich eine Anspielung auf "Frühstück bei Tiffany". Die hier gesammelten Aufnahmen decken den Großteil von Hepburns Filmkarriere ab, ehe sich der Star nach 1967 weitgehend aus Hollywood zurückzog und nur mehr in wenigen Rollen in den 70ern und 80ern in Erscheinung trat. 

Man sieht sie am Set mit Kollegen, aber auch in völlig privatem Rahmen. Willoughbys Stärke war es immer die wahre Personality von Stars abzulichten und dies kommt hier voll zur Geltung. Das sind Aufnahmen die nur entstehen können, wenn sich Fotograf und "Model" auf einer ganz persönlichen Ebene schätzen und einander vertrauen. Vom ätherisch Überhöhten (Hepburn mit einem Rehkitz in den Armen) bis zum Power Nap in den eigenen vier Wänden, beim Spielen mit ihren Kindern oder unglaublich elegant beim Stretching - die Fotos dokumentieren die bekannte Fotogenität Hepburns, haben jedoch– wenn man die Hintergrundgeschichte kennt - einen ganz eigenen Vibe. Denn neben dem Motiv ist es dieser liebevolle Blick mit dem Willoughby sein Motiv betrachtet, ja geradezu bewundert. 
Hepburn wiederum merkt man an, dass sie sich in der Gegenwart des Fotografen wohl fühlte - das Ergebnis sind einige der natürlichsten und intimsten Star-Aufnahmen aus dem Hollywood der Fünfziger und Sechziger. Die Chronik einer großen platonischen Liebe und die Geschichte einer Beziehung, die selbst durchaus filmreif anmutet.

Bob Willoughby. Audrey Hepburn. Photographs 1953–1966, Hardcover, 23.9 x 30 cm, 1.94 kg, 280 Seiten, erschienen im Taschen Verlag

Ein exklusiver Blick ins Buch:
Audrey Hepburn Black And White Movie Star Bob Willoughby Taschen Verlag
Credit Bild: © Bob Willoughby Taschen Verlag

Audrey Hepburn Black And White Movie Star Bob Willoughby Taschen Verlag
Credit Bild: © Bob Willoughby Taschen Verlag

Audrey Hepburn Black And White Movie Star Bob Willoughby Taschen Verlag
Credit Bild: © Bob Willoughby Taschen Verlag

Audrey Hepburn Black And White Movie Star Bob Willoughby Taschen Verlag
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Audrey Hepburn Movie Star Bob Willoughby Taschen Verlag
Credit Bild: © Bob Willoughby Taschen Verlag

Audrey Hepburn Movie Star Bob Willoughby Taschen Verlag
Credit Bild: © Bob Willoughby Taschen Verlag


Freitag, 17. Mai 2024

ALICE COOPER - BREADCRUMBS EP

Alice Cooper Breadcrums Eyes Augen Cover
Credit Coverbild: © earMusic Edel
Während andere Kollegen von Alice Cooper bereits ihre Farewell-Tourneen zelebrieren, bringt der ewige Schockrocker in den letzten Jahren eine Platte nach der anderen heraus. Erst im Vorjahr legte der beständig rockende und extrem aktive Musiker mit „Road“ ein viriles Album vor - und auch 2024 ebbt die Veröffentlichungsflut aus dem (Horror-)Hause Coopers nicht ab. Zwar gibt es - zumindest vorerst - kein vollständiges Studioalbum, aber dafür erscheint die zuvor nur als limitierte Vinyl erhältliche "Breadcrumbs EP“ nun auch in CD-Form.

Stellt sich nur die Frage: Handelt es sich dabei lediglich um Brotkrumen, die darbende Fans bis zur nächsten Albumveröffentlichung  hinwegtrösten sollen oder doch um rare Kleinode?

Nun speziell ist an dieser EP zunächst einmal dass Cooper hierfür einige raue Interpretationen klassischer Detroit-Songs eingespielt hat: Die Motor City war einst ja der Nährboden für die erste Inkarnation der Cooper-Band. Und wie das mit amerikanischen Städten so ist, jede hat ihren ganz eigenen Sound. Die jeweilige  Umgebung spiegelt sich im Klang wider. In Detroit fand der Lärm der Autowerkstätten in rauer Industrieumgebung im ungestümen Garage Rock von Musikern wie eben Alice Cooper oder MC 5 seine Entsprechung. 

Auf „Breadcrumbs“, das so etwas wie ein Prequel zu „Detroit Stories“ ist, zollt Alice diesem Sound mit einigen interessanten und durchweg soliden Coverversionen Tribut: Allen voran ist hier MC5s „Sister Anne”  zu erwähnen, auf dem man noch der dieses Jahr verstorbene Wayne Kramer als Gast dabei ist. Weiter gibt es Bob Segers „East Side Story”, „Your Mama Won’t Like Me” von Suzi Quatro, Shorty Longs „Devil With A Blue Dress On” und The Dirtbombs „Chains of Love” zu hören.

Reichlich klischeehaft ist hingegen der Opening Track „Detroit City 2020“ geraten, eine Eigenkomposition neueren Datums. Die Namedropping-Hommage an die Heimatstadt erinnert doch stark an die generischeren Momente der Hollywood Vampires, einer weiteren aktuellen Cooper-Kombo. Als Bonustracks gibt es mit "Don't Give Up" eine vertonte Durchhalte-Parole/Botschaft an die Fans während der COVID-19-Pandemie, sowie eine Live-Version von "Go Man Go" vom Hellfest 2022.

Die „Breadcrums EP“ mag zwar nicht die ganz großen Raritäten und Killer Tracks enthalten, für beinharte Fans stellt sie dennoch ein Muss dar – zumal die Schallplatten-Version dieser EP mittlerweile längst vergriffen ist.

Montag, 8. April 2024

75 JAHRE FENDER - Chronik einer amerikanischen Ikone

Rote Fender Stratocaster Gitarre 75 Jahre Fender Chronik Buch Cover
Credit Coverbild: © Hannibal Verlag
Ergonomisch perfekt geformt schmiegt sich ihr schlanker, geradezu aerodynamischer Korpus an den Musiker. Ihr heller charakteristischer Signature-Klang ist zwar unverkennbar und dennoch so adaptiv, dass er in jedem Genre zu reüssieren vermag - selbst in jenen musikalischen Spielarten, die zum Zeitpunkt ihrer Kreation noch gar nicht geboren waren. Ihr Design steht noch heute im starken Kontrast zu den Instrumenten des ewigen Konkurrenten Gibson, erwies sich jedoch als nicht minder zeitlos - nicht umsonst wird dieses Instrument bis zum heutigen Tage im Kern unverändert gebaut. Die Rede ist von der Fender Stratocaster die vor genau 70 Jahren im April 1954 in Serienproduktion ging.
Passend dazu hat die Firma Fender das „Year Of The Strat“ ausgerufen, das mit Jubiläumsmodellen sowie einer äußerst emotionalen Werbekampagne den geradezu mythischen Charakter dieser legendären Erfindung feiert.

Kult aus Kalifornien: Leo Fenders Vermächtnis

Die Strat spielt natürlich auch in der offiziellen Chronik die zum Dreivierteljahrhundert-Jubiläum der Firma Fender erschienen ist eine Hauptrolle. Passend zu diesem besonderen Anlass ist dann auch diese bibliophile Festschrift zur Geschichte der Kultmarke sowohl äußerst umfangreich als auch besonders attraktiv gestaltet. Geschrieben hat sie eine absolute Koryphäe auf dem Gebiet der Gitarrenkunde: Dave Hunter, einer der anerkanntesten Experten auf diesem Gebiet, der sich mit zahlreichen ähnlichen Veröffentlichungen und Beiträgen in der Fachpresse einen Namen gemacht.

Die Historie der Fender Musical Instruments Corporation ist natürlich auch die Geschichte ihres Gründers Leo Fender. Dieser konnte zwar selbst kein Instrument spielen, implementierte jedoch zahlreiche, für Musiker ungemein sinnvolle Innovationen in seinen Kreationen. Darüber hinaus setzte der "Henry Ford der Gitarrenbaukunst" auch in Sachen ökonomisch-effizienter und robuster Fertigung Maßstäbe. Die Erfolgsgeschichte dieses Unternehmens ist neben der klanglichen Komponente ("That Great Fender Sound") auch ein Beispiel für eine Revolution er Ästhetik: Gitarren in Farben der Straßenkreuzer der Fünfziger und Formen, die ihrer Zeit einerseits weit voraus waren und gleichzeitig  prototypische Produkte des Space Age der Nachkriegsjahre darstellen.

Designikonen

Dem Umstand, dass die Produkte aus dem Hause Fender von Telecaster, Stratocaster oder Jazzmaster bis zu den Verstärkern auch amerikanische Designikonen sind wird auch in der Aufmachung des 75 Jahr-Buchs Rechnung getragen:  Ein stylisher Schuber in Tweed Optik schützt den Band und gemahnt an die Fifties Amps und Koffer Fenders. Gut, aus echtem Tweed-Stoff hätte dieser für den letzten Schliff an Exklusivität schon sein dürfen, die Idee ist aber dennoch originell und sorgt dafür,  dass Buch nicht nur ein schöner Bildband sondern auch ein Sammelstück ist. 
Im Inneren erwarten den Leser neben tiefgehenden Texten die von der Fender-Frühzeit bis zur Gegenwart alles abdecken auch zahlreiche, teils seltene Bilder aus dem firmeneigenen Archiv und ein Layout das an die kultigen Vintage Kataloge und Werbemittel der Firma erinnert. Mad Men lässt grüßen. Diese Ads mit ihrer charmanten Retro-Ästhetik machen auch einen gewichtigen Teil des Anschauungsmaterials dieses Bands aus, selten hat man so viele dieser Sujets an einem Ort versammelt gesehen. Neben den zahlreichen Entwicklungsstufen und Variationen der Fender-Produkte fokussiert dieser Band natürlich auch auf jene Ikonen, die diese Instrumente erst unsterblich gemacht haben: von Buddy Holly zu Jimi HendrixEric Clapton oder Stevie Ray Vaughan.

Retrospektiven auf Fender, die es sehr gut verstehen ihre Jubiläen zu feiern, gibt es nicht wenige - dieser 75th Anniversary Band zählt jedoch fraglos zu den schönsten seiner Art, der eine gelungene Hommage an Instrumente und Verstärker darstellt, die den Lauf der Musikgeschichte maßgeblich mitgeprägt haben. 

75 Jahre Fender von Dave Hunter, erschienen in deutscher Übersetzung im Hannibal Verlag

Dienstag, 26. März 2024

WILDE KREATUREN: WALTON FORD signiert im TASCHEN Store Köln

 

Credit Bild: © Walton Ford Taschen Verlag 
Musik- und Stones-Fans kennen den amerikanischen Künstler Walton Ford wohl vor allem wegen seines "King Kong"-Covers für die Greatest Hits-Compilation "GRRR!". In der Kunstwelt ist er insbesondere für seine detailreichen Tier-Aquarelle berühmt. Auf den ersten Blick mögen seine Arbeiten sehr klassisch anmuten, erinnern sie doch stark an die historischen Bilder von John James Audubon. Auf den zweiten Blick offenbaren sich jedoch zahlreiche versteckte Anspielungen, witzige bis düstere Details und Symbole-  ein anthropomorphes Schauspiel der Hintergründigkeit.

Nun ist eine kompakte, aktualisierte Neuauflage von Waltons Werkschau "Pancha Tantra" erschienen - und diese wird der Künstler persönlich im April in Köln signieren, allerdings nicht im Zoo sondern ...

WO ?

TASCHEN Store Neumarkt 3 (50667 Köln) 

WANN ?

                                         Samstag 20.April 2024, von 17 bis 18 Uhr


Credit Coverbild: © Walton Ford Taschen Verlag 


Walton Ford. Pancha Tantra 40th Edition
Walton FordBill Buford
Hardcover, 15,6 x 21,7 cm, 3,89 kg, 512 Seiten
taschen.com

Sonntag, 11. Februar 2024

BOB DYLAN - MIXING UP THE MEDICINE

Credit Coverbild: © Droemer Knaur
Seit Jahrzehnten arbeiten sich Heerscharen von Dylanologen an der Deutung der vielschichtigen und oft interpretationsoffenen Songtexte des Robert Allen Zimmerman ab. Beinahe ebenso viele Biografen, Filmemacher und Fotografen beschäftigten sich mit dem legendären Künstler, der nie Sprachrohr einer ganzen Generation sein wollte und dennoch zu einer ihrer prägendsten Gallionsfiguren wurde. Dylan und die auch von ihm veränderte Pop- und Counterculture, das ist schlichtweg untrennbar miteinander verbunden, seine Bedeutung für ebendiese kann man folglich kaum überschätzen. Den Gipfel dieser anhaltenden, an Obsession grenzenden Faszination stellt fraglos das Bob Dylan Center in Tulsa, Oklahoma dar.

Tulsa, das weiß der Amerika-Kenner , ist ein Ort, von dem es heißt, er habe seine eigene Zeitrechnung. „Tulsa Time“, dort ticken die Uhren noch etwas anders. Je nachdem wen man fragt, ist es das „Oil Capital Of the World“ oder der „Buckle Of the Bible Belt“. Für Dylan und seine Vita haben Orte wie dieser mitunter eine besondere Bedeutung. Einerseits wurde er in Minnesota geboren. Dort im anderen Amerika abseits der Küstenstädte fand man historisch gesehen oft den Nährboden für musikalische Revolutionen. Dylan  als Künstler früh in den mannigfaltigen Traditionen seines Heimatlandes verhaftet, war früh an den schwarzen und weißen Strömungen vom Delta bis zu den Appalachen interessiert und sammelte einem Lepidopterologen gleich musikalische Eindrücke, die später Eingang in seine postmoderne Musik fanden. In einem frühen Interview mit dem Playboy sagte Dylan einst im Hinblick, dass  alles anders gekommen wäre wenn er in New York oder Kansas City geboren worden wäre.

Dort in Tulsa also, unweit des Museums für einen anderen großen Songwriter Amerikas, Woody Guthrie, baute Finanzier und Milliardär George Kaiser, einer der 500 reichsten Männer der Welt, mit seiner Foundation ein altes Industriegebäude zum Dylan-Schrein um. Der Künstler selbst war zwar wie kolportiert wurde persönlich relativ wenig involviert, das Team rund um den enigmatischen Songwriter stand jedoch in engem Kontakt mit den Machern des Museums, das sowohl eine eigene Forschungsstätte als auch eine Dauerausstellung beherbergt.

 Das neu erschienene Buch "Mixing Up The Medicine" ist nun die die offizielle Publikation dieses Archivs. Der Titel wurde aus dem Dylan-Song "Subterranean Homesick Blues" entlehnt. Anders als beim dazugehörigen Clip (eines der der ersten Musikvideos der Geschichte btw)  gibt es hier zwar keine weißen Papptafeln, aber dafür Seite um Seite viel zu entdecken. So wird es dem Leser erlaubt in das Archiv einzutauchen - ganz ohne sich in die Nähe des Arkansas River zu begeben. 

"Mixing Up The Medicine“ ist dabei Bildband und Biographie in einem. Anhand der hier zu sehenden Exponate - und derer gibt es unzählige zu bestaunen – werden die einzelnen Station in der Vita Dylans beleuchtete und gleichzeitig die Legendenbildung vorangetrieben: Da ein Bild aus Dylans Kindheitstagen oder ein Blick ins High School-Jahrbuch, in dem der junge Robert selbstbewusst verkündetet, dass sein Zukunftsplan nach der Graduation beinhaltete, such Little Richards Band anzuschließen. Dort eine Aufnahme aus der Studiozeit mit Gitarrenlegende Michael Bloomfield. Da ein  Fan-Brief vom Boss Bruce Springsteen, der sich selbst in seinen Lyrics mitunter von Dylan beeinflussen ließ. Dann eine Vinyl von "All Along The Watchtower", die einst Jimi Hendrix gehörte, der den Song bekanntermaßen unsterblich machte.

Hinzu kommen Essays von Dylan-Kennern wie Greil Marcus, Ed Rusha, Richard Hell, Michael Ondaatje oder Amanda Petrusich. Als Leser fühlt sich die geballte Informationsdichte an, als würde man sich tatsächlich durch ein Archiv graben. Geradezu als befände man sich in einem labyrinthischen Song, bei dem an jeder Ecke Querverweise warten. 

Bekanntes wird hier in ansprechender Weise neu aufbereitet und viel Rares zu Tage gefördert. Gute Biographien und Nachschlagewerke über Dylan gibt es nicht gerade Wenige, dieses hier hat den Anspruch zu den definitiven Werken über die Legende zu zählen - und schafft dies auch. Was die "Basement Tapes" ( in musikalischer Hinsicht ist, stellt dieses Werk für die bibliophile Auseinandersetzung mit „His Bobness“ dar. Ein 600 Seiten langer Streifzug durch Dylans "Back Pages". 

Bob Dylan - Mixing Up The Medicine, von Mark Davidson und Parker Fishel, erschienen bei Droemer Knaur

Sonntag, 21. Januar 2024

TASCHEN NEW YEAR SALE 2024

TASCHEN VERLAG NEW YEAR SALE 2024
Credit Bild:©Taschen Verlag

TASCHEN VERLAG NEW YEAR SALE 2024
Credit Bild: ©Taschen Verlag
Ein Neues Jahr geht gemeinhin auch mit neuen Vorsätzen einher: Standard-Intentionen für 2024 wie Fitness oder asketische Selbstkasteiung wird so manchen jedoch eher die Augen verdrehen lassen. Doch wie wäre es stattdessen mit dem Vorsatz dem grauen Wetter mit bibliophilem Eskapismus beim Blättern durch einen Coffee Table-Bildband entgegenzutreten? Dort kann man etwa mit Modelikone Kate Moss zum 50er anstoßen, in die fantastischen Welten von Frank Frazetta eintauchen oder der aktuellen Kälte entfliehen und einen Abstecher in George Lucas weit weit enfernte Galaxis machen. Auf dem Wüstenplaneten Tatooine gibt es ja bekanntlich gleich zwei Sonnen. Und da der traditionelle Sale des Kölner Luxusverlags unmittelbar vor der Tür steht, hat man nun auch wieder die Möglichkeit bei der Erweiterung der eigenen Hausbibliothek zu sparen.

Sowohl in den beiden deutschen Flagshipstores in Berlin und Köln als auch im Web gibt es bis zu - 75 % Rabatt auf Display- und Mängel- Exemplare dieser aufwendigen Bildbände mit stets hohem Sammelfaktor.  Am ersten Tag des Sale wird es im Berliner Store überdies ein spezielles Preview inklusive Drinks geben.

Hier die genauen Daten & Adressen: 

 Mittwoch 31. Januar bis Samstag 03. Februar 2024
Taschen Store Berlin (Schlüterstraße 39)
Taschen Store Köln (Neumarkt 3)

Online Donnerstag 01. Februar bis Sonntag 04. Februar 2024
                                                       auf www.taschen.com                                                             
INSIDE TASCHEN STORE KÖLN
DESIGN und STYLISCHE BÜCHER: Ein Einblick in den Taschen Store Köln 
Credit Bild: © Taschen Verlag

Samstag, 20. Januar 2024

METALLICA - ALLE SONGS Die Geschichten hinter den Tracks

Credit Coverbild: © Delius Klasing
Seit ein paar Jahren haben sich die Autoren der „Alle Songs“-Bücher die geradezu wissenschaftliche Aufarbeitung der jüngeren Musikgeschichte zur Aufgabe gemacht. Von Bob Dylan und der British Invasion (Beatles und Rolling Stones) über Jimi Hendrix und Pink Floyd hin zu Led Zeppelin entwarfen sie so eine umfangreiche Topographie britischer und amerikanischer Musik, die jeweils stilbildend war bzw. ist. Gemein war all diesen Werken die immense Informationsdichte. Anders als es der Titel suggerieren mag wurden so bei weitem nicht nur nur einzelne Lieder analysiert, sondern vielmehr umfassende Biographien und Facts & Trivia-Sammlungen über die portraitierten Künstler entworfen.

Auch der neueste Eintrag in dieser Reihe bildet da keinerlei Ausnahme. Dieser widmet sich erneut Musikern, die längst ein Phänomen geworden sind - einer Gruppe, die über die Jahrzehnte zur größten Band jenes Genres, das sie im Namen trägt, aufgestiegen ist: Metallica. Autor Benoit Clerk nimmt den Leser mit in die Bay Area San Franciscos der  frühen Achtziger des vergangenen Jahrhunderts. Im Hard ´ Heavy-Breich war die Westküste der USA damals fraglos einer fruchtbarsten Nährboden, in der Gegend um die Bucht entstand eine Subkultur-Szene, in der ein neuer, härterer und schnellerer  Metal Sound geschaffen wurde. Die Genesis von Metallica liest sich dabei beinahe mythisch: Drummer Lars Ulrich inserierte dereinst im südkalifornischen Lokalblatt "The Recycler" um gleichgesinnte Metal Musiker mit einer Vorliebe für NWOBHM-Heroen wie Iron Maiden, Tygers Of Pan Tang oder Diamond Head zu finden - was ihm auch mit nicht gerade geringem Erfolg gelang.

Der Rest ist Geschichte und diese wird von Clerk umfassend beleuchtet. So umfassend dass er alle Alben von "Kill Em All"  bis zum im Vorjahr veröffentlichten „72 Seasons“ unter die Lupe nimmt und dabei so sehr ins Detail geht, dass man hier Equipment-Details, die jeweiligen Aufnahmestudios, ja sogar die technischen Teams mit Toningenieuren und Assistenten nachlesen kann. Vor so einer Rechercheleistung müssen dann sogar langjährige Metallica-Fans den Hut ziehen. Trotz des gewaltigen Umfangs dieses Buchs findet man alle Infos schnell und kompakt, weshalb auch dieser "Alle Songs"-Band den lexikalen Anspruch mehr als erfüllt - ein Band, den man immer wieder zur Hand nehmen kann um bei der nächsten Listening Session neue Hintergrundstories zu den Aufnahmen zu ergründen.

METALLICA - ALLE SONGS  Die Geschichten hinter den Tracks von Benoit Clerc, erschienen im Delius Klasing Verlag

Freitag, 22. Dezember 2023

MESSENGERS - THE GUITARS OF JAMES HETFIELD

Coverbild Metallica James Hetfield Messengers Flying V Metal Cover Book
Credit Coverbild: © Permuted Press
Zahllose Gigs haben auf ihrem Korpus unauslöschliche Spuren hinterlassen, der Lack blättert an vielen Stellen ab und gibt den Blick auf ihr nacktes Holz frei. Patronen-Gürtel, ein typischer Bestandteil der Metal-Uniform, haben ihren Rücken gezeichnet und ihr Original-Tailpiece ist mittlerweile entzwei gebrochen. Einerseits hat die derart ramponierte "OGV", eine Flying V Kopie der Firma Electra, schon bessere Tage gesehen. Andererseits zeugen diese Abnutzungserscheinungen von leidenschaftlichem Spiel und jahrelangen treuen Diensten, die dieses Instrument ihrem prominenten Besitzer James Hetfield geleistet hat. Der ideelle Wert einer solchen Gitarre übersteigt bei weitem ihren pekuniären. Und dann ist da noch etwas anderes...etwas nicht direkt Greifbares, das liebgewonnene Instrumente auszeichnet.

Mehr als "Wood and Wire"

Denn trotz ihrer gut dokumentierten und von Fachleuten bis ins beinahe letzte Teil durchleuchteten und erforschten Bestandteile wie Holz, Metall oder Plastik wohnt Gitarren immer noch etwas geradezu Mystisches inne. Es ist dieses nicht quantifizierbare Element, das Nicht-Musiker kaum nachvollziehen können und dennoch gewiss ist: sie sind weitaus mehr als nur "Wood And Wire" bzw. 
mehr als lediglich die Summe ihrer Einzelteile. Ein Umstand, der auch in der speziellen Beziehung die viele Musiker zu ihren auserkorenen Instrumenten haben, deutlich wird - ein Aspekt, der nicht zuletzt auf den Seiten dieses Blogs ein immer wiederkehrendes Thema ist. Auch Für Metallica-Frontmann James Hetfield, der wie er selbst es formuliert, erst durch die Musik seine eigene Stimme und Bestimmung fand, sind Gitarren nicht nur die Werkzeuge mit denen er seine Sounds erzeugt. Vielmehr sind sie für ihn auch Freund, Stimmungsaufheller, Schutzschild, musikalische Waffe (wer je seine präzise gespielten Riffs Hetfields vernommen hat, weiß was er damit meint) und auch Botschafter. 

Montag, 11. Dezember 2023

JIMMIE VAUGHAN - STRANGE PLEASURE Vinyl Reissue

Credit Bild: © Bear Family Records
Als das Album „Strange Pleasure“ im Jahre 1994 veröffentlicht wurde war Jimmie Vaughan längst ein etablierter Veteran der amerikanischen Blues-Szene. Als Lokalmatador in Austin, Texas hatte er sich schon in den Sixties einen Namen gemacht, als Gründer der Fabulous Thunderbirds spielte er dann ab den Siebzigern eine gewichtige Rolle im traditionellen wie kontemporären Blues. Trotz dieser zum damaligen Zeitpunkt schon einige Jahrzehnte umfassenden Karriere stellte "Strange Pleasure" sein Debüt als Solo-Artist dar. Für den Künstler selbst fielen die Aufnahmen in eine ganz spezielle und schwierige Phase, war es doch das erste Album nach dem tragischen Tod seines Bruders Stevie Ray, dem dieses Album neben Albert Collins auch gewidmet ist.

Jimmie Vaughan arbeitete auf dieser Platte wieder mit Funk-Legende und Hitproduzent Nile Rodgers (Chic, David Bowie´s "Let´s Dance") zusammen, der schon bei den Recordings Sessions zu „Family Style“, dem einzigen gemeinsamen Album der Vaughan Brothers, hinter dem Mischpult gesessen hatte. Als Kontrast zu der düsteren persönlichen Zeit in Vaughans Leben evozieren die Songs auf „Strange Pleasure“ großteils  die „carefree attitude“ der Fünfziger. Bis auf eine Ausnahme: die traurige Gänsehaut-Nummer "Six Strings Down", die ein musikalischer Nachruf auf SRV ist.

Mit seiner einerseits kontemporären und gleichzeitig traditionellen Mixtur unterschiedlicher Einflüsse Vaugahns - von Rock N´ Roll zu puristischem Blues und homöopathischen Latin-Anklängen - war dieses Album eines der Letzten aus jener Blues-Revival-Ära, welche die Vaughan Brüder entscheidend mitgeprägt hatten. Ab Mitte der Neunziger erlebte der Blues dann zwar kein Schicksal wie der Jazz, verschwand jedoch zunehmend aus dem Blickfeld des Mainstreams. „Strange Pleasure“ war seinerzeit völlig zurecht Grammy-nominiert und hätte ihn auch gewinnen sollen, denn neben der kompositorischen Qualität der Songs sind es Vaughans unverkennbare Stimme und Laid Back-Licks, bei denen jede sparsam eingesetzte Note zählt, die schlichtweg faszinieren.

Obwohl dieses Album also zu den besten Blues-Platten der letzten Dekaden zählt, ist es recht schwer zu bekommen - zumindest bislang. Zwar findet man "Strange Pleasure" auf Spotify, doch in analoger Form sieht es da schon wesentlich schlechter aus: Die CD ist vergriffen und als Schallplatte erschien es überhaupt nur in einer kleinen niederländischen Auflage in den Neunzigern. Das auf Vintage-Raritäten spezialisierte Bear Family Label beseitigt nun diesen Missstand und bringt dieses Album in einer hochattraktiven, audiophilen Sammler-Edition erneut auf den Markt - und sorgt so dafür dass dieses geniale Album erstmals weltweit auf Vinyl erscheint. Die elf Songs der Original-CD werden um eine etwas längere Version des Songs "Boom-Bapa-Boom" ergänzt, was für sich genommen schon reichen würde um alle Sammler anzusprechen: Zusätzlich ist diese Vinyl-Ausgabe mit Gatefold-Cover allerdings auch nummeriert und auf insgesamt 1.500 Stück limitiert.  Damit der warme Sound dieses einst von Bob Ludwig gemasterten Werks optimal abgetastet werden und Vaughans Gitarren-Sound transparent aus den Speakern ertönen kann, erscheint dieses Release als schwere, auf 180-Gramm-Vinyl gepresste LP, die mit 45RPM abgespielt wird: eine großartige Neuauflage und ein Fest für Vinyl-Enthusiasten.

Freitag, 8. Dezember 2023

THE BIG BOOK OF LEGS

Bettie Page  Dian Hanson Big Book Of Legs Taschen Verlag Vintage Pin-Up Retro Inside
Pinup-Legende Bettie Page am Strand, fotografiert von Bunny Yaeger
Credit Bild: © Taschen Verlag
In den Fünfzigern war man von "Long Tall Sallies", also großgewachsenen Frauen mit langen Beinen mitunter derartig fasziniert, dass sich diese Begeisterung in zahlreichen Songtexten niederschlug: Neben dem eingangs erwähnten Klassiker sang auch Rockabilly-Pionier Johnny Burnette von einer über 1,80 großen Angebeteten, deren Beine so lang waren, dass ihre Füße im Vorzimmer herausschauten wenn sie  in der Küche schlief. Nun mag dies nicht der bequemste Ort für die Nachtruhe sein, sein Genre-Kollege Billy Lee Riley tat es ihm mit einer fast identischen lyrischen Beschreibung in „Red Hot“ jedoch gleich und sang von einer ebenso langbeinigen Gazelle. Ein paar Jahrzehnte später machten dann "Hot Legs"  Rod Stewart im gleichnamigen Song vollkommen fertig. Billy Gibbons, Dusty Hill und Frank Beard von ZZ Top beschrieben im programmatisch betitelten „Legs“ die Vorzüge einer Frau, die ebenjene gekonnt einzusetzen wusste - und David Lee Roth dozierte untermalt von den lasziven Riffs Edward Van Halen gar über „Drop Dead Legs“ .

Eine gewisse lyrische Tendenz lässt sich hier also durchaus ablesen, die Liste an „Songs About Gams“ könnte man jedenfalls noch beliebig lange fortführen. Doch auch abseits der Recording Industry waren es interessanterweise immer wieder Beine - und weniger die -ähem- offensichtlicheren Busen & Pos -  auf die der Fokus gerichtet wurde. Ein Blick durch unterschiedliche Epochen der Geschichte zeigt, dass dieser Körperteil immer wieder im Fokus stand: In viktorianischen Zeiten, gemeinhin eine Ära schwelender Prüderie und noch stärkerer Doppelmoral, barg schon die bloße Erwähnung des Wortes „Beine“ die Gefahr, die Gentlemen des Empire in Raserei zu versetzen und sollte daher - Etikette ist schließlich alles - tunlichst vermieden werden. So will es zumindest die Legende. Die Befreiung des Beins - auch durch die sich ändernde Damenmode - war wiederum ein Teilaspekt der Emanzipationsbewegung und veränderter Sexualmoral. 

Im Hollywood zu Zeiten der Selbstzensur des Motion Picture Production Codes, auch als Hays-Code bekannt, durfte man wiederum auf dem Silver Screen wenig zeigen, das (nur vermeintlich) unverfänglich-unschuldige Bein war davon jedoch nicht betroffen, was für einige erotisch aufgeladene Szenen sorgte, die nicht den Scheren der Sittenwächter zum Opfer fielen. Tänzerin Cyd Charisse wiederum war nicht nur für ihre komplexen und eleganten Tanzchoreographien mit Fred Astaire berühmt, sondern auch für ihre  48,5 Millionen Dollar Beine . Und die Spinde und Kriegsgeräte zierenden Pinup-Girls der amerikanischen GIs waren für ihre "Legginess" berühmt.

Man sieht: Die (Pop-)Kulturgeschichte dieser Körperteile ist so lang wie die unteren Extremitäten einer Laufstegschönheit nach Pariser Gardemaß. Dementsprechend umfangreich und schwer (372 Hochglanz-Seiten im XL-Format) ist dann auch  "The Big Book Of Legs" ausgefallen, das nun in einer Neuauflage erschienen ist. Darin entwirft Autorin Dian Hanson (als ehemalige Herausgeberin des „Leg Show“-Magazins eine Kapazität auf dem Gebiet anatomischer Forschung unter ästhetischen Gesichtspunkten)  anhand von teils rarem Bildmaterial und witzigen Essays eine soziokulturelle Chronik sich wandelnder Körper-(Selbst-)Bilder und Schönheitsideale. 

Der Fokus liegt dabei vor allem auf Vintage-Aufnahmen mit historischen Aufnahmen von 20er Jahre-Flapper Girls oder  klassischen Pinup-Bilder von Bettie Page. Man sieht Arbeiten der Fotografie-Pioniere Bunny Yaeger, Elmer Batters oder Peter Gowland. Es sind dies teils seltene Aufnahmen, die auch eine Geschichte der sexuellen Revolution erzählen. Beim Gipfel jener Bewegung  endet dieses Buch jedoch, der Bogen wird nur bis zu dem Ende der 60er gespannt, vor den 70ern ist kurioserweise Schluss.

Dienstag, 5. Dezember 2023

STATUS QUO - OFFICIAL ARCHIVE SERIES VOL. 2 - LIVE IN LONDON 2012

Credit Bild: © Christie Goodwin earMusic/Edel
Erst im Sommer startete die groß angelegte Status Quo Archive-Reihe und schon folgt die nächste Volume dieser Livekonzert-Retrospektive. Passend zur aktuellen Season nicht nur in festlichem Rot gehalten sondern auch mit einem Konzertmitschnitt von der 2012er "Quo Festive"-Tour aus der Vorweihnachtszeit. 

Farblich wie ein Krampuspackerl, allerdings gefüllt wie vom Nikolo: Das limitierte Release erscheint sowohl in einer Vinyl Edition (180g 3 LP- Gatefeold-Version ) als auch als Doppel-CD-Digipak und dürfte darob bei Quo-Anhängern für leuchtende Augen sorgen.
Auch wenn dieser Gig wie schon bei Vol. 1 nicht wirklich den ganz großen Seltenheitswert oder den Kultfaktor eines Seventies-Konzerts hat. Aber wie dem auch sei: Die Aufmachung ist auch hier wieder sehr gelungen und klanglich ist diese Aufnahme ebenfalls einwandfrei. Auch die Setlist dieses Heimspiel-Gigs für Francis Rossi, Rick Parfitt Andrew Bown, John "Rhino" Edwards und Matt Letley (in seiner letzten UK-Show als Quo-Schlagzeuger) 
hält neben den erwartbaren Gassenhauern wie „Rockin All Over The World", „Whatever You Want, oder „In The Army Now “ auch selteneres Material wie ein Weihnachtsmedley, mit Evergreens wie "Walking In A Winter Wonderland", oder „ Around The Christmas Tree" und den Quos eigenen Weihnachtssong „It's Christmas Time" bereit.

Dieses Release richtet sich freilich ausschließlich an die Hardcore-Sammler, bietet für jene jedoch genug Anreiz , den Status Quo der eigenen Boogie Rock-Sammlung zu überdenken - sprich zu erweitern.

Credit Coverbild: © earMusic/Edel

Montag, 4. Dezember 2023

BEARTOOTH - THE SURFACE

Beartooth The Surface Album Cover Metalcore
Credit Coverbild: © Red Bull Records
Fröhlichkeit zählt nicht unbedingt zu den bestimmenden Attributen des Metal-Genres: Stets aktuelle Themen wie das Triumvirat aus „Tod, Destruction und gepflegter Misanthropie“, vor denen der „Heile Welt“-Mainstream-Pop oft die Augen verschließt, prägen die Lyrics der Sparte „Hard N´ Heavy“. Die US Metalcore-Band Beartooth versucht dem mit ihrem neuen Album „The Surface“ einen Kontrapunkt entgegenzusetzen.

Das Plattencover wird neben dem Sensenmann von pudrigem Rosa dominiert, die Gitarren riffen zwar heavy, manchmal kurz vorm Djent, ohne dass es dabei je sinister wird. Lyrisch steht hier Lebensbejahung statt Nihilismus im Vordergrund - also Happy Metal mit positiver Botschaft, oder auch: Urschrei-Selbsttherapie. Denn jene Message - man könnte es aufgrund der für den Metalcore typischen Schreianfälle in der vokalen Darbietung auch als aggressive Fröhlichkeit interpretieren - hat einen ernsten Hintergrund. Frontman Caleb Shomo kämpft seit langem mit Depressionen und anderen Mental Health-Problemen, auf „The Surface“ beschreibt er seinen Weg heraus aus dem finsteren Loch hin zu einem positiveren Selbstbild. 

Beartooth sind zwar beim 2007 von Didi Mateschitz gegründeten und was den Artist Roster anbelangt, sehr hippen Red Bull Records Label unter Vertrag, doch trotz dieser Österreich-Komponente ist die Band hierzulande noch etwas weniger bekannt. In der Szene sind die Amerikaner allerdings längst kein Geheimtipp mehr: 800.000 verkaufte Platten, Milliarden von Streams, mehrere Award-Auszeichnungen, die Spitze der Billboard Mainstream Rock & US Active Rock Radio-Charts und dann auch noch eine zweimonatige Co-Headlining Tour mit Trivium zeigen dass diese Band offenbar einen Nerv trifft.

Trotz einiger groovender, guter Riffs ist  „The Surface“ - wieder mitunter typisch für den Metalcore -  nicht gerade ein Wunderwerk an Abwechslung und Ideenreichtum, weshalb sich schon nach wenigen Nummern Ermüdung einstellt. Die in den Songtexten behandelten Themen unserer Zeit werden wohl dennoch auf Resonanz bei der geneigten Hörerschaft treffen und der kontemporäre Formatradio-freundliche Sound mit  poppigen Elementen hat sowohl mehr Mainstream-Appeal als die Vorgängerscheiben aus dem Hause Beartooth als auch das Potential die beachtliche Fanschar noch zu erweitern.

Sonntag, 24. September 2023

ERIC CLAPTON - 24 NIGHTS: BLUES

Eric Clapton with Fender Stratocaster live on stage in Royal Albert Hall in England
Credit Bild: © Warner Music, Carl Studna
Trotz der seit Jahrzehnten in ihren altehrwürdigen Hallen stattfinden Populärmusik-Konzerten ist die Royal Albert Hall im Londoner Stadtteil Kensington mit ihren gediegenen roten Sitzreihen und ihrer einem römischen Amphitheater nachempfunden Architektur nicht eben das, was man unter einem Blues-Club versteht. Anfang der Neunziger war dies jedoch etwas anders. Der majestätische, einst zum Andenken an Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha errichtete Kuppelbau verwandelte sich beinahe in eine Venue, die an der South Side Chicagos oder im tiefen Süden weit unterhalb der Mason Dixon Line gelegen sein könnte. Der Grund dafür: Mr. Slowhand Eric Clapton gastierte für seine ausgedehnte „24 Nights“-Konzertreihe in der RAH und spielte eine Serie monothematischer Abende, die unter den Mottos „Rock“, „Orchestral“ und „Blues“ standen.

Zwar gibt es schon seit Jahren ein Live-Album und eine DVD dieser legendären Konzerte, allerdings fassten diese die „24 Nights“ sehr kompakt zusammen. Die nun neu erschienenen Doppel CD-und DVD-Kombis präsentieren nun eine Extended Versionen dieser Abende, die zu den besten in Claptons langer Karriere zählen.

Die Blues Nights waren für Clapton so etwas wie ein Homecoming, nach den eher zeitgenössisch orientierten Werken „August“ und “Behind The Sun“ kehrte Clapton mit „Journeyman“ zu alten Tugenden zurück. In jene Phase fallen auch die "24 Nights"-Gigs. Clapton spielte seine damals noch recht neue Signature Stratocaster und Soldano Amps – soundtechnisch fraglos eine ganz besondere Ära Claptons, das „24 Nights Rig“ ist nicht ohne Grund bis heute ein absoluter Referenz-Sound.

Die im „24 Nights: Blues“-Set dokumentierten Nächte wirken wie ein Vorgriff auf die ein paar Jahre später stattfindenden „From the Cradle“-Sessions. Mit prominenten Gaststars wie Buddy Guy (der mit seinem Leoparden-Trainingsanzug die ohnehin laxen Garderobe-Vorschriften der Royal Albert Hall doch ein wenig strapazierte), „Iceman“ Albert Collins, Jimmie Vaughan, Robert Cray sowie Muddy Waters´ Mann an den Tasten Jimmie Johnson, spielte  EC puren Blues: "Key To The Highway"  "Sweet Home Chicago", "Have You Ever Loved A Woman" oder "Worried Life Blues" sind nur einige der zu hörenden Klassiker. Hier offenbart sich erneut die besondere Kunst von Musikern wie Clapton, Guy oder Vaughan - denn die Jams sind hier kein Wettbewerb, sondern eine musikalische  Konversation zwischen „Brothers in Blues“. 

Wie schon das im Vorjahr veröffentlichte "Nothing But The Blues" zeigt auch die erweiterte „24 Nights“-Neuauflage Clapton an einem absoluten Karrierehöhepunkt und stellt eine  essenzielle Erweiterung der Diskographie dieser Legende dar.

Credit Bild: © Warner Music, Carl Studna
Credit Coverbild: © Warner Music