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Dienstag, 4. Mai 2021

DAS STAR WARS ARCHIV: EPISODE I-III 1999- 2005

Taschen Verlag    courtesy TASCHEN / © & TM 2020Lucasfilm. All Rights Reserved.  

Great Expectations – mit genau diesen zwei Worten könnte man das kollektive Gefühl von Millionen Kino-und Star Wars-Fans subsumieren, die in den späten Neunzigern der Veröffentlichung der Prequels zu George Lucas Sternen-Saga entgegenfieberten. Wie konnte es zum Aufstieg des Imperators und des galaktischen Imperiums kommen, wie wurde aus Anakin Skywalker der röchelnde Sith Lord Darth Vader und was genau passierte mit dem einst prosperierenden Orden der Jedi? Die neuen Filme versprachen Antworten auf all diese Fragen.

Lange vor Youtube und der großen Gleichzeitigkeit von Social Media schaffte es Lucas mit einem beispiellos gelungenen Marketing-Schachzug einen neuen Demand für filmische Einträge im Star Wars-Universum zu generieren: eine digital aufgemotzte Neuaufführung der Classic Trilogy, Action Figuren als Sneak Peeks der neuen Filme und ein geheimnisvoller Trailer, der als meist Gedownloadeter in die Geschichte eingehen sollte. Mit diesem vielleicht langanhaltendsten Tease der Kino-History  schürte der Regisseur und Franchise-Erfinder über Jahre hinweg eine ungeheure Erwartungshaltung für den Auftakt der Prequel-Trilogie. Eine Erwartungshaltung,  die letztlich ins Unermessliche anstieg und so selbst von Lucas, diesem kongenialen Erfinder eines modernen Mythos, nicht zur Gänze erfüllt werden konnte. Denn das Endergebnis -  drei mitunter kontrovers diskutierte Filme - spalten bis heute die Fan-Gruppen. 

Nun ist pünktlich zum heutigen Star Wars-Tag (May the 4th – May the Force…) im Taschen Verlag ein neuer XXL-Bildband erschienen, der die faszinierende Genesis dieses ehrgeizigen Großprojekts nacherzählt.

Episode III: Der Dreh des Triells von Anakin, Obi-Wan und Count Dooku
courtesy TASCHEN / © & TM 2020Lucasfilm. All Rights Reserved.

Episode III: Stunts vor dem Blue Screen
courtesy TASCHEN / © & TM 2020
Lucasfilm. All Rights Reserved.

George Lucas und der junge Anakin (Jake Llyod) am Tatooine-Set in Tunesien
courtesy TASCHEN / © & TM 2020
Lucasfilm. All Rights Reserved.
Wie man das vom Kölner Luxus-Verlag gewohnt ist, fällt auch dieser zweite Eintrag in der Star Wars-Retrospektiv-Reihe sehr aufwendig aus. Mit seinen wuchtigen Ausmaßen ist er definitiv wesentlich schwerer als ein Millenium Falcon-Modell mit voller Action Figuren-Besatzung und hebt sich auch vom Design her (roter Sternen Sparkle-Einband!) von den unzähligen Büchern zum Thema ab. Wie schon der erste Band zur Classic Trilogy ist auch der Neue  wiederum in enger Kooperation mit George Lucas und Lucasfilm entstanden. Dies garantierte einen äußerst umfangreichen Einblick ins Making von  „Episode I-III“ sowie zur Classic Trilogy-Neuauflage. Filmhistoriker Paul Duncan tauchte tief in das Archiv von Lucas´ Traumschmiede ein und förderte Unmengen an Fotos und Behind The Scenes-Material zu Tage: rare Dokumente, Drehbuchseiten, Produktionsunterlagen, Konzeptentwürfe, Storyboards , eine Fülle an Fotos aus den Filmen sowie ein extrem ausführliches Exklusivinterview mit dem Regisseur machen für den Leser den jahrelangen Entstehungsprozess nachvollziehbar.

Retrospektiv betrachtet und auch im Vergleich zur teils missglückten neuen „Sequel“-Trilogie fällt das Urteil über die Prequels wesentlich milder aus. Lucas zeigte sich hier erneut als Virtuose an der Klaviatur des Marketings sowie in der Erschaffung immersiver fiktiver Welten. Insbesondere „Episode I“ ist fraglos ein Schlüsselwerk des modernen Event-Kinos, wie man es heute etwa vom Marvel Cinematic Universe kennt. Der neue Bildband rehabilitiert die oft gescholtenen Filme nicht zur Gänze, verdeutlicht jedoch den enormen Aufwand der hinter diesen Werken steckte. Das macht dieses spannende Archiv-Buch nicht nur für die härtesten Star Wars-Fans interessant sondern auch für jene, die sich mit der Magie hinter den Kulissen der bewegten Bilder interessieren.

TASCHEN
The Star Wars Archives. 1999–2005  Paul Duncan
Hardcover, Halbleinen, 41,1 x 30 cm, 6,88 kg, 600 Seiten, 150 Euro
taschen.com

Dienstag, 16. März 2021

JIMMY PAGE - THE ANTHOLOGY

Jimmy Page live auf der Bühne des Madison Square Garden 1977
Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019

Gitarren-Ikone, Effekt-Pionier, Archetypus des Rockstars, Produzent, Arrangeur, Studio-Musiker - es ist eine Vielzahl an Rollen, die James Patrick „Jimmy“ Page im Laufe seiner langen Karriere von der Zeit als Session-Man in der Frühzeit des britischen Sixties-Rock, als Yardbird oder als Zeremonienmeister von Led Zeppelin einnahm. In den letzten gut zwei Jahrzehnten kamen noch die Parts des Buch-Autors und des Verwalters seines eigenen Vermächtnisses hinzu (siehe etwa die Reissues seines Backkatalogs oder den Retrospektiv-Band zum 50. Zeppelin-Jubiläum). Auch im neuen Coffee Table-Buch „Jimmy Page - The Anthology“, erschienen beim englischen Verlag Genesis Publications, präsentiert sich die Rock-Legende als gewissenhafter Archivar des eigenen Lebens und Chronist seiner Vergangenheit.  

Dabei ist dieses Buch so ganz anders als die meisten Rockstar-Bücher. Es ist die chronologische Nacherzählung eines faszinierenden Lebens und zeichnet nach wie aus einem Chorknaben der Mann in der Dragon Suit wurde - ohne dabei die mittlerweile zum Standard geworden Künstlerbio zu sein. Vielmehr hat man es hier mit einer besonders interessanten Variante der Retrospektive zu tun - einer losen Biographie anhand von Gegenständen. Obwohl der Band auch voll von seltenen Jugendaufnahmen und Livebildern ist, ist diese Anthologie vor allem ein Streifzug durch Pages Karriere entlang ästhetischer Aufnahmen seiner berühmten Instrumente, sartorialen Extravaganzen, Session-Notizen und Memorabilia. Auch wenn dieser Prachtband keine herkömmliche „Tell All“-Story darstellt, offenbaren Pages detailreiche Begleittexte, die mit geballter Rock N´ Roll-Geschichte aufgeladenen Artefakte und die bis ins kleinste durchkomponierte Machart viel über die faszinierende Personality des Autors.

Eine Reihe von Double Necks
Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019

Die Number One Les Paul, kunstvoll drapiert auf dem The Song Remains The Same-Jacket
Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019

Das Madison Square Garden - Rig
Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019
Page öffnete für dieses Buchprojekt die Pforten zu seinem umfangreichen Archiv und seiner extensiven Collection und nimmt den Leser mit auf eine 400-seitige Tour durchs Privatmuseum einer Rock-Ikone. Er fungierte dabei nicht nur als Autor sondern auch als Art Director, arrangierte seine Instrumente für die Fotoshootings, wählte die richtige Beleuchtung aus und sorgte dafür, dass die „Gear Pics“  künstlerisch anspruchsvoll ausfielen. Hier wird nicht einfach eine Gitarre auf einen Ständer gestellt und der Auslöser gedrückt sondern die historischen Instrumente regelrecht zelebriert. Page wollte dabei auch Aufnahmen realisieren, die es in der gut 50-jährigen Tradition der Gitarren-Fotografie so noch nicht gab - ein gutes Beispiel ist die rote Doubleneck-Armada auf dem Bild oben. Bessere Gear Pictures hat man weder bei den Ads der amerikanischen Instrumentenhersteller noch in Gitarrenmagazinen gesehen.

Der Einblick der in „The Anthology“ gewährt ist auch deshalb so speziell, weil sich um Page nach wie vor zahlreiche Mythen ranken. Selbst die jahrzehntelange journalistische Aufarbeitung seiner Karriere hat nichts daran geändert , dass ihn noch immer die Aura des Geheimnisvollen umgibt. In der Peergroup der großen Rockstars gehört Page damit zu einem kleinen Zirkel  Auserwählter, der  universell respektiert ist, geradezu kultisch verehrt wird und deren Aufnahmen und Equipment bis heute lebhaft diskutiert werden.

Schon in der 2019er "Play It Loud "-Ausstellung im New Yorker Metropolitan Museum zeigte Page einige seiner Instrumente und aufwendigen Setups. In der Anthology geht er noch einen Schritt weiter und zeigt die „details behind the details“. Welcher Amp kam auf „Whole Lotta Love“ zum Einsatz ? Was sind die Unterschiede und wie ist das Spielgefühl der Number One und der Number Two Les Pauls ? Ihr wollt die Dragon- und die Poppy Suit „up close“ sehen ? Das „Stairway To Heaven“-Rig ebenso ? Alles da in der “Anthology“. Welche Saiten spielte er in den „early days“ bevor er in den USA die Ernie Ball Strings entdeckte? Und was genau war das für eine Superstrat zu Outrider“-Zeiten, seinem bislang letzten Soloalbum ? Auch diese Fragen und noch sehr viel mehr, werden in diesem faszinierenden Buch beantwortet. 

Dass dieser Einblick überhaupt möglich ist, liegt daran, dass Page genauestens (Tage-)Buch geführt  hat, so konnte er selbst Jahrzehnte  zurückliegende Sessions rekonstruieren. Zudem wusste er immer, was er an seinem erstklassigen Equipment hatte, und pflegte es dementsprechend gewissenhaft. Anders als bei einigen seiner Kollegen sind weder Amps, Gitarren, noch das notorisch heikle Echoplex Kollateralschäden des Rock N´ Roll geworden, verschwunden oder in den Händen reicher Privatsammler gelandet – sondern über all die Jahrzehnte in seinem Besitz gebelieben. 

Der Detailgrad dieses Buchs ist enorm, damit richtet es sich natürlich in erster Linie an die Zielgruppe der absoluten Hardcore-Zeppelin- und Page-Fans. Musiker und vor allem Gitarristen, die sich technisch auskennen, sind hier eindeutig im Vorteil. Die schiere  Dichte an Informationen und fachspezifischen Insights machen „The Anthology“ zu einer regelrechten Fundgrube für den Gitarre-Connaisseur und Gear Nerd. Doch auch ganz allgemein betrachtet hat man es hier mit einem der packendsten Bücher über Page und Zeppelin zu tun – in jedem Fall ist es das speziellste und detailreichste Werk bis dato. Und auch wenn die Songs die gleichen bleiben mögen, so ändert sich nach der Lektüre mitunter der Blickwinkel auf diese Klassiker.

Jimmy Page - The Anthology
Genesis Publications
400 Seiten, 250 mm x 310 mm
ISBN: 9781905662616
www.genesis-publications.com
Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019   Genesis Publications


Samstag, 13. März 2021

JAMES DEAN: REBEL WITH A CAUSE

Credit Coverbild: © Bear Family

Am 8. Februar diesen Jahres wäre James Byron Dean 90 geworden.  Anlässlich dieses Anniversaries ist in der Memorial Series des Labels Bear Family ein CD-Tribute an den Film-Giganten erschienen. Eine CD?  Die Connection zur  Musik mag sich nicht jedem sofort erschließen,  in der Biographie Deans -  sowie in der posthumen Rezeption  -  findet sie sich jedoch sehr wohl, wenn auch teils eher indirekt.

Zum einen war Dean selbst großer Musikfan – gerade die dominierende Musik der Pre-Rock N´ Roll-Zeit, der Jazz, hatte es ihm angetan, legendär war zudem seine Freundschaft mit einem anderen „jungen Wilden“, Chet Baker. Und schließlich war Dean  -  als Ikone und Verkörperung des zu jung gegangen Heroen - auch immer wieder Thema von Songs. Die Bear Family-Compilation vereint nun eine Auswahl von insgesamt 28  teils bekannten, teils raren und teils erstmals auf Compact Disc veröffentlichten Aufnahmen: Man hört Dean im O-Ton beim Interview oder als Percussionist an den Congas (!) bei seltenen Aufnahmen mit Bob Romeo. Den Hauptteil machen jedoch Stücke der Scores zu den drei 
Am 8. Februar diesen Jahres wäre James Byron Dean 90 geworden. Mit nur drei Filmen – zwei davon nach seinem Unfalltod mit 24 Jahren veröffentlicht
 – wurde er zu einer der Ikonen von Tinseltown und zum ersten  früh verstorbenen Idol einer neuen Jugendgeneration. Anlässlich des Anniversaries ist in der Memorial Series des Labels Bear Family ein CD-Tribute an den Film-Giganten erschienen. Eine CD?  Die Connection zur  Musik mag sich nicht jedem sofort erschließen,  in der Biographie Deans -  sowie in der posthumen Rezeption  -  findet sie sich jedoch sehr wohl, wenn auch teils eher indirekt.

Dean Klassikern „Rebel Without A Cause“, „East Of Eden“ und „Giant“ sowie zum posthumen Dokumentarfilm ”The James Dean Story“ aus. Die Kompositionen  aus seiner „Klassiker-Trilogie“ zeigen vor allem ein Spannungsfeld im Ouvre Deans auf: Einerseits war Dean zusammen mit Marlon Brando einer der ersten Actors einer neuen Schule, seine Filme zeigten als eine der ersten vielschichtige jugendliche Charaktere mit all ihren Problemen und Ambivalenzen. Die Outfits Deans – gerade in „Rebel…“  mit weißem T-Shirt, roter Jacke, Jeans und Pompadour-Frisur machten ihn auch zu einer stilbildenden Figur für die Rock N´ Roll-Ära – doch die Filme und allen voran ihre Soundtracks waren weniger „Blackboard Jungle“ oder „Jailhouse Rock“ sondern mehr „Old School“ Hollywood.

 Jene Songs, welche die musikalische Auseinandersetzung mit der Popkultur-Legende Dean aufzeigen sollen zeigen zwar eine gewisse Bandbreite und spezialisieren sich auf obskurere Tracks – von den 50s mit den Four Tunes und ihrer „Ballad Of James Dean“ hin zu den 90s und Bonnie Tyler  - doch kratzen die paar Songs gerade mal an der Oberfläche dieser an sich spannenden Thematik. Dies führt dazu, dass die Zusammenstellung etwas beliebig wirkt – hier hätte man sich durchaus mehr gewünscht, zumal Dean ja auch in Song der jüngeren Vergangenheit Einzug in die Lyrics gehalten hat (Stichwort: Lana Del Rey). 

Da die Aufmachung der „Rebel With a Cause“-Zusammenstellung wie man das vom Label mit dem Bären gewohnt ist jedoch gut gelungen ist (schöner Digipak mit 36 seitigem Booklet) und die O-Töne und Songs durchaus Seltenheitswert haben, ist dieses Commerative-Release für den Dean-Sammler dennoch interessant.

Sonntag, 30. Oktober 2016

Throwback Sunday: HARLEY DAVIDSON 344 - ELECTRA GLIDE IN BLUE

John Wintergreen ist ein typischer amerikanischer Motorcycle Cop, dessen Einsatzgebiet das Monument Valley ist.
Auf seiner Harley Davidson durchquert  er die endlosen Highways, immer auf der Suche nach ein wenig Abwechslung.
Denn so wunderschön die nicht enden wollende  Landschaft auch ist, so trostlos wirkt sie auf den gelangweilten  Polizisten. Nichts passiert, der Cop ist frustriert.
Dabei nimmt er seine monotone Tätigkeit überaus ernst.
Seine einzige Freude abseits dem Schikanieren von Hippies und Schnellfahrern ist die Affäre mit einer Bardame , die es scheinbar mit den gesamten Polizeieinsatzkräften treibt.
John hat seinen Job satt und träumt von einem beruflichen Aufstieg .
Er möchte endlich  zur Mordkommission versetzt werden, doch seine Vorgesetzten verfolgen dieses Ziel mit weniger Elan als Wintergreen.
Zu allem Überfluss leidet er unter einem Minderwertigkeitskomplex aufgrund seiner geringen Größe.
Als in seinem Einsatzbereich ein scheinbarer Selbstmord geschieht, sieht er seine große Chance, auf die er Jahre gewartet hat, endlich gekommen. Er möchte beweisen, dass es sich nicht um einen Selbstmord gehandelt hat und dass er ein fähiger Mann für die Mordkommission wäre……

Regisseur James William Guercio entwirft ein pessimistisches Zeitportrait, das nicht unähnlich zu (Counterculture- ) Kultfilmen wie Dennis Hopper´s „Easy Rider“ oder „Fluchtpunkt: San Franciso“ ist.
Nur das der Film diesmal den Blickwinkel der „anderen“ Seite einnimmt.
Nämlich die jener Personengruppe, die Richard Nixon einst als die silent majority beschrieb- also jenen die in den 60en und 70ern mit ihrer Regierung ganz zufrieden waren oder zumindest ihren Protest nicht, wie die vom Establishment verhassten Hippies, in die Straßen trugen.
Ja, der Hauptcharakter in Guericos Film nimmt sogar ein Bild der beiden von Peter Fonda und Dennis Hopper dargestellten Hauptfiguren aus „Easy Rider“ als Zielscheibe im Schießstand des örtlichen Polizeireviers.
Doch Guerico geht es natürlich nicht darum, den erzkonservativen Lebensstil zu glorifizieren.
Der Film ist vielmehr eine ironische Abrechnung mit Kleingeistern wie sie eben Wintergreen und besonders dessen dümmlich-primitive Kollegen darstellen, bei der aber auch die Hippiekommunen ihr Fett abbekommen.
1973  wurde der Film im Rahmen der Filmfestsiele von Cannes gezeigt.
Dort hasste man den Streifen und ein Verriss folgte auf den nächsten.
Obwohl nicht alle Kritiker so hart mit ihm ins Gericht gingen war dem Film ken großer finanzieller Erfolg beschieden.
Zu Unrecht, wie man nach dem Genuss der neu erschienenen DVD von AT-Medien/Pierrot Le Fou, sagen muss-obwohl der Film nicht ganz mit den oben genannten Filmen mithalten kann. James William Guercio macht seine Sache jedenfalls sehr gut. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass Guercio „hauptberuflich“ eigentlich gar kein Regisseur ist. Sein Ausflug ins Land des Zelluloids war folglich nur kurz, den meisten ist er vielleicht eher als Produzent er Band Chicago bekannt.
Einige Chicago-Musiker haben dann auch gleich Gastauftritte im Film und im Soundtrack sind sie ebenfalls vertreten.
Guercio hat ein sicheres Gespür für gute Bildkompositionen, besonders gelungen hat er die langen Fahrten durch den Grand Canyon und die teils in Slow Motion ablaufenden Action-Sequenzen eingefangen.

Hautdarsteller Robert Blake ist die Idealbesetzung als der Komplexer, dessen einziger Stolz sein Beruf ist, zu dem ihn eine seltsame Hassliebe verbindet.
Auch sonst ist „Electra Glide….“ gut besetzt worden:„ Der Malteser Falke“-Star Elisha Cook Jr. Hat einen Auftritt als verrückter Alter und Mitch Ryan ist spitze als der präpotente Harvey Poole. Berechtigte Kritik muss man hingegen an der stellenweisen Behäbigkeit der Handlung üben.
Fazit: Ein kleiner Kultfilm -  für Freunde typischen 70er Jahre Kinos eine klare Empfehlung!

Throwback Sunday: VENUS IN FURS von JESS FRANCO

Jess Franco. Ein Name der bei Freunden derber Exploitation-Kost ein Lächeln auf die Lippen zaubert und bei allen anderen entweder auf Unkenntnis oder auf totale Ablehnung stößt.
Wer den „Meister des Perversen“ bis jetzt nicht mochte wird auch mit „Venus in Furs“ , der bei uns unter dem Titel „Paroxismus“ bekannt ist, auch kein neuer Anhänger .
Dafür ist der Film nämlich viel zu typisch „Jess Franco“, was wiederum bedeutet dass der Film komplett untypisch verglichen mit anderen Streifen ähnlicher Genres ist und ihn letztlich somit jeglicher herkömmlicher (Film-)betrachtungsweise enthebt.


Der Jazzer (James Darren, bekannt aus „The Guns of Navarrone“) wird Zeuge eines SM-Rituals in der Villa eines pervertierten Adeligen(gespielt von, wie könnte es anders sein, Klaus Kinski). Dabei wird die „Hauptakteurin“ jedoch ins Jenseits befördert.
Das Gesehene lässt den von Selbstzweifeln geplagten Musiker nicht mehr los und als schließlich eines Tages der Leichnam der Ermordeten an den Strand angespült wird und einer der Mörder nach dem Anderen auf mysteriöse Art und Weise ins Gras beißt, glaubt er den Verstand zu verlieren….

Soviel zu Handlung, die sich jedoch mit fortschreitender Spielzeit des Films immer mehr verdichtet bzw. immer vielschichtiger wird - beinahe ist man geneigt von einer Exploitation-Variante von „Blow-Up“ zu sprechen. Francos Vorliebe für psychedelische Kameraeinstellungen und eine teils seltsam anmutende „rastlose“ Kamera, die scheinbar unwichtige Dinge mit hektischen Schwenks in den Fokus und damit ins Auge des Betrachters rückt, ist auch hier vertreten, wenn auch nicht in dem Ausmaße wie in „Vampyros Lesbos“ vom gleichen Regisseur.
Dennoch ist der Rausch aus Bildern und Musik (die Manfred Mann komponiert hat) noch abgedreht genug, dass man sich nach gut einer Dreiviertelstunde Spielzeit in einem ähnlich delirierenden Zustand wie der Hauptakteur wähnt.
Die Hauptdarsteller agieren ansprechend, allen voran natürlich Kinski(der allerdings nicht allzu viel Screentime bekommt) und Blickfang Maria Rohm.

Der ambitionierte Plot ist, leider wieder typisch für Franco, nicht ganz konsequent umgesetzt und bietet etliche Längen, die sogar die gerade mal 83 Minuten Spielzeit lang erscheinen lassen.
Sleaze-Fans, die eher des Regisseurs späteren Output bevorzugen, werden vermutlich auch etwas enttäuscht sein-Denn Franco gibt sich hier (noch ) nicht so exploitation-freudig wie in seinen Filmen einige Jahre später.
Mit Leopold von Sacher-Masochs Buch „Venus im Pelz“ hat der Film übrigens bis auf eine Frau die sich nackt im Pelz räkelt nicht viel zu tun.

Ob es sich bei „Venus in Furs“ um Francos Meisterwerk handelt, muss jeder nach dem Sehen des Streifens für sich selbst entscheiden.
Sehenswert ist der Film-Trip allemal und besonders der starke Schluss weiß zu überzeugen -  Hängen bleiben aber letztlich nur die psychedelischen Kamerafahrten und der interessante Soundtrack, dem aber vermutlich nur Jazzliebhaber etwas abgewinnen können.

Throwback Sunday: THE WILD ANGELS von ROGER CORMAN

Von allen Bikergangs (wobei Gang eigentlich der falsche Ausdruck ist, immerhin sehen sich die Members als Zugehörige eines Motorcycle CLUBS) sind die Ende der 40er Jahre gegründeten Hells Angels mit ihrem Anführer Sonny Barger sicher die Bekannteste und vor allem die Berüchtigtste. Was wenig verwundert. DEnn insbesondere in den sonst so friedlichen und rückblickend verklärten Sechzigern gewannen die Angels an fragwürdiger Bekanntheit durch ihren rauen, zügellosen Lebensstil, der Stilisierung als letzte Outlaws Amerikas und eine Reihe tragischer, gewaltsamer Zwischenfälle.

Trash-Papst Roger Corman näherte sich zusammen mit seinem Regieassistenten Peter Bogdanovich dem Stoff aus der Sicht des Exploitationfilmers und schuf damit einen seiner besten und vor allem denkwürdigsten Filme sowie einen waschechten Kultflick der Sechziger, der ein ganzes Lebensgefühl einfängt( wenn auch nicht unbedingt ein positives).

Jahre bevor er sich unter der Regie Dennis Hoppers in „Easy Rider“ als Captain America in den Sattel eines Choppers schwingen sollte, war Peter Fonda schon einmal in einer Hauptrolle als Biker zu bewundern. Er spielt den Anführer des fiktiven San Pedro Chapters der Hells Angels, Heavenly Blues.Ganz in schwarz gewandet cruised er durch die Straßen wie Marlon Brando zu seinen besten Zeiten.
Bei einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd mit der Polizei, die zum Alltag der Angels gehört, bleibt sein Kumpel Loser (Bruce Dern, bekannt aus „Driver“),von Polizeikugeln getroffen, schwer verletzt zurück.
Der Rest der Bande kann noch rechtzeitig die Fliege machen.
Doch Blues vergisst seinen Freund nicht und ist wild entschlossen ihn aus dem Gefängniskrankenhaus zu befreien. Dass dabei keine Gefangenen gemacht werden, versteht sich von selbst….

Die Gewaltbereitschaft seiner Protagonisten erklärt sich Corman mit dem Auftreten eines „Generation Gaps“: Die Jungen können sich in keinster Weise mit ihren stockkonservativen Eltern identifizieren.
Die Folge ist Rebellion, die zum benebelten Hippietum oder eben zu den Gesetzlosen auf ihren heißen Öfen führt.
Die Angels lehnen sich gegen das System auf, indem sie sich mit Naziorden behängen um ihre Väter, die im Krieg gedient haben, zu verschrecken und veranstalten als Bürgerschrecks Wettrennen genau da wo strikte Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten.
Die echten Hells Angels waren mit der Darstellung ihres Alltags nicht gerade glücklich.
Sie vertraten die Ansicht, dass sie als eine Bande gewaltbereiter Rüpel im Dauerstoned - Zustand rüberkamen.
Eine Klage gegen Corman folgte.
Schon während den Dreharbeiten hatten sich erste Probleme mit seinem Cast gezeigt der teilweise aus echten Hells Angels vom kalifornischen Venice - Chapter bestand.
Darsteller Bruce Dern wurde von nicht am Dreh beteiligten Hells Angels - Mitgliedern brutal zusammengeschlagen, da sie dachten der Mime würde ich zu Unrecht mit den Colours (quasi die „Uniform“, die einen echten Angel für die eingeschworene Gemeinde sofort als solchen erkenntlich macht) des Clubs schmücken.

Doch auch sonst kehrte abseits des Filmsets keine Ruhe ein:
Bereits nach seiner Erstaufführung sorgte der Film für einigen Wirbel.
In England wurde ihm gar eine Freigabe verweigert. Zu brutal und nihilistisch war den Behörden zufolge das wüste Treiben auf der Leinwand.
Das sollte Corman finanziell jedoch nicht schaden. Ganz im Gegenteil: der Streifen war ein großer Erfolg.
Wen wunderts, bei solch einer Publicicty.
Der Staub hat sich mittlerweile gelegt. Von der 18er Freigabe nahm man Abstand, den Film gibt’s jetzt erstmals ungeschnitten mit einer 16er Freigabe in einer exzellenten DVD-Version von Pierrot Le Fou.

Hauptdarsteller Fonda kam durch den Film auf die Idee eines Roadmovies über zwei Biker, weswegen Cormans Werk gleich eine doppelt wegweisende Bedeutung erhielt.
Für Filmkritiker Leonard Maltin war der Film zwar nur nach 24 Bieren erträglich und auch sonst stieß der Film auf ein eher verhaltenes Kritikerecho, doch trotz der stellenweise holprigen Inszenierung (und der lächerlichen dt. Synchro - aber für die kann der gute Corman ja nun nichts) muss man „Wild Angels“ als wegweisenden Meilenstein für ein ganzes Genre und das Werk Cormans anerkennen.
Exploitation-typisch wirkt das Endresultat ein wenig ziellos und episodenhaft-daran kann man nicht rütteln.
Spätestens wenn aber Fonda unglaublich lässig im Sattel seines hochgezüchteten Feuerstuhls sitzt und der geniale Soundtrack aus den Speakern schallt, ist alles wieder gut.