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Jimmy Page live auf der Bühne des Madison Square Garden 1977 Credit Bild: © Jimmy
Page Archive 2019
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Gitarren-Ikone,
Effekt-Pionier, Archetypus des Rockstars, Produzent, Arrangeur, Studio-Musiker - es ist eine Vielzahl an Rollen, die James
Patrick „Jimmy“ Page im Laufe seiner langen Karriere von der Zeit als Session-Man
in der Frühzeit des britischen Sixties-Rock, als Yardbird oder als Zeremonienmeister
von Led Zeppelin einnahm. In den letzten gut
zwei Jahrzehnten kamen noch die Parts des Buch-Autors und des Verwalters seines eigenen
Vermächtnisses hinzu (siehe etwa die Reissues seines Backkatalogs oder den Retrospektiv-Band zum 50.
Zeppelin-Jubiläum). Auch
im neuen Coffee Table-Buch „Jimmy Page -
The Anthology“, erschienen beim englischen Verlag Genesis Publications,
präsentiert sich die Rock-Legende als gewissenhafter Archivar des eigenen Lebens
und Chronist seiner Vergangenheit. Dabei ist
dieses Buch so ganz anders als die meisten Rockstar-Bücher. Es ist die chronologische
Nacherzählung eines faszinierenden Lebens und zeichnet nach wie aus einem Chorknaben der Mann in der Dragon Suit wurde - ohne dabei die mittlerweile zum
Standard geworden Künstlerbio zu sein. Vielmehr
hat man es hier mit einer besonders interessanten Variante der Retrospektive zu
tun - einer losen Biographie anhand von Gegenständen. Obwohl der Band auch voll von seltenen Jugendaufnahmen und Livebildern ist, ist diese Anthologie vor allem
ein Streifzug durch Pages Karriere entlang ästhetischer
Aufnahmen seiner berühmten Instrumente,
sartorialen Extravaganzen, Session-Notizen und Memorabilia. Auch wenn
dieser Prachtband keine herkömmliche „Tell All“-Story darstellt, offenbaren Pages detailreiche Begleittexte, die mit geballter Rock N´ Roll-Geschichte aufgeladenen Artefakte und die bis ins kleinste durchkomponierte Machart viel über die faszinierende
Personality des Autors.
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Eine Reihe von Double Necks Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019 |
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Die Number One Les Paul, kunstvoll drapiert auf dem The Song Remains The Same-Jacket Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019 | Das Madison Square Garden - Rig Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019 |
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Page
öffnete für dieses Buchprojekt die Pforten zu seinem umfangreichen Archiv und seiner
extensiven Collection und nimmt den Leser mit auf eine 400-seitige Tour durchs Privatmuseum einer Rock-Ikone. Er fungierte dabei nicht nur als Autor sondern
auch als Art Director, arrangierte seine Instrumente für die Fotoshootings, wählte
die richtige Beleuchtung aus und sorgte dafür, dass die „Gear Pics“ künstlerisch anspruchsvoll ausfielen. Hier
wird nicht einfach eine Gitarre auf einen Ständer gestellt und der Auslöser
gedrückt sondern die historischen Instrumente regelrecht zelebriert. Page wollte dabei auch Aufnahmen realisieren, die es in der gut 50-jährigen Tradition der Gitarren-Fotografie so noch nicht gab - ein gutes Beispiel ist die rote Doubleneck-Armada auf dem Bild oben. Bessere Gear Pictures hat man weder bei den Ads der amerikanischen
Instrumentenhersteller noch in Gitarrenmagazinen gesehen.Der Einblick
der in „The Anthology“ gewährt ist auch deshalb so speziell, weil sich um Page
nach wie vor zahlreiche Mythen ranken. Selbst die jahrzehntelange journalistische
Aufarbeitung seiner Karriere hat nichts daran geändert , dass ihn noch
immer die Aura des Geheimnisvollen umgibt. In der Peergroup der großen
Rockstars gehört Page damit zu einem kleinen Zirkel Auserwählter, der universell respektiert ist, geradezu kultisch
verehrt wird und deren Aufnahmen und Equipment bis heute lebhaft diskutiert werden.
Schon in der 2019er "Play It Loud "-Ausstellung im New Yorker Metropolitan Museum zeigte Page einige seiner Instrumente und aufwendigen Setups. In der Anthology geht er noch einen Schritt weiter und zeigt die „details behind the details“. Welcher Amp kam auf
„Whole Lotta Love“ zum Einsatz ? Was sind die Unterschiede und wie ist das
Spielgefühl der Number One und der Number Two Les Pauls ? Ihr wollt die Dragon- und die Poppy Suit „up close“ sehen ? Das „Stairway To
Heaven“-Rig ebenso ? Alles da in der “Anthology“. Welche Saiten spielte
er in den „early days“ bevor er in den USA die Ernie Ball Strings entdeckte? Und was
genau war das für eine Superstrat zu Outrider“-Zeiten, seinem bislang letzten
Soloalbum ? Auch diese Fragen und noch sehr viel mehr, werden in diesem
faszinierenden Buch beantwortet.
Dass dieser
Einblick überhaupt möglich ist, liegt daran, dass Page genauestens (Tage-)Buch geführt
hat, so konnte er selbst Jahrzehnte zurückliegende Sessions rekonstruieren. Zudem
wusste er immer, was er an seinem erstklassigen Equipment hatte, und pflegte es
dementsprechend gewissenhaft. Anders als bei einigen seiner Kollegen sind weder
Amps, Gitarren, noch das notorisch heikle Echoplex Kollateralschäden
des Rock N´ Roll geworden, verschwunden oder in den Händen reicher
Privatsammler gelandet – sondern über all die Jahrzehnte in seinem Besitz gebelieben.
Der Detailgrad
dieses Buchs ist enorm, damit richtet es sich natürlich in erster Linie an die Zielgruppe
der absoluten Hardcore-Zeppelin- und Page-Fans. Musiker und vor allem Gitarristen,
die sich technisch auskennen, sind hier eindeutig im Vorteil. Die
schiere Dichte an Informationen und
fachspezifischen Insights machen „The Anthology“ zu einer regelrechten
Fundgrube für den Gitarre-Connaisseur und Gear Nerd. Doch auch
ganz allgemein betrachtet hat man es hier mit einem der packendsten Bücher über Page und Zeppelin
zu tun – in jedem Fall ist es das speziellste und detailreichste Werk bis dato. Und auch wenn die Songs die gleichen bleiben mögen, so ändert sich nach der Lektüre mitunter der Blickwinkel auf diese Klassiker.
Jimmy Page - The Anthology
Genesis Publications
400 Seiten, 250 mm x 310 mm
ISBN: 9781905662616