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Dienstag, 16. März 2021

JIMMY PAGE - THE ANTHOLOGY

Jimmy Page live auf der Bühne des Madison Square Garden 1977
Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019

Gitarren-Ikone, Effekt-Pionier, Archetypus des Rockstars, Produzent, Arrangeur, Studio-Musiker - es ist eine Vielzahl an Rollen, die James Patrick „Jimmy“ Page im Laufe seiner langen Karriere von der Zeit als Session-Man in der Frühzeit des britischen Sixties-Rock, als Yardbird oder als Zeremonienmeister von Led Zeppelin einnahm. In den letzten gut zwei Jahrzehnten kamen noch die Parts des Buch-Autors und des Verwalters seines eigenen Vermächtnisses hinzu (siehe etwa die Reissues seines Backkatalogs oder den Retrospektiv-Band zum 50. Zeppelin-Jubiläum). Auch im neuen Coffee Table-Buch „Jimmy Page - The Anthology“, erschienen beim englischen Verlag Genesis Publications, präsentiert sich die Rock-Legende als gewissenhafter Archivar des eigenen Lebens und Chronist seiner Vergangenheit.  

Dabei ist dieses Buch so ganz anders als die meisten Rockstar-Bücher. Es ist die chronologische Nacherzählung eines faszinierenden Lebens und zeichnet nach wie aus einem Chorknaben der Mann in der Dragon Suit wurde - ohne dabei die mittlerweile zum Standard geworden Künstlerbio zu sein. Vielmehr hat man es hier mit einer besonders interessanten Variante der Retrospektive zu tun - einer losen Biographie anhand von Gegenständen. Obwohl der Band auch voll von seltenen Jugendaufnahmen und Livebildern ist, ist diese Anthologie vor allem ein Streifzug durch Pages Karriere entlang ästhetischer Aufnahmen seiner berühmten Instrumente, sartorialen Extravaganzen, Session-Notizen und Memorabilia. Auch wenn dieser Prachtband keine herkömmliche „Tell All“-Story darstellt, offenbaren Pages detailreiche Begleittexte, die mit geballter Rock N´ Roll-Geschichte aufgeladenen Artefakte und die bis ins kleinste durchkomponierte Machart viel über die faszinierende Personality des Autors.

Eine Reihe von Double Necks
Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019

Die Number One Les Paul, kunstvoll drapiert auf dem The Song Remains The Same-Jacket
Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019

Das Madison Square Garden - Rig
Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019
Page öffnete für dieses Buchprojekt die Pforten zu seinem umfangreichen Archiv und seiner extensiven Collection und nimmt den Leser mit auf eine 400-seitige Tour durchs Privatmuseum einer Rock-Ikone. Er fungierte dabei nicht nur als Autor sondern auch als Art Director, arrangierte seine Instrumente für die Fotoshootings, wählte die richtige Beleuchtung aus und sorgte dafür, dass die „Gear Pics“  künstlerisch anspruchsvoll ausfielen. Hier wird nicht einfach eine Gitarre auf einen Ständer gestellt und der Auslöser gedrückt sondern die historischen Instrumente regelrecht zelebriert. Page wollte dabei auch Aufnahmen realisieren, die es in der gut 50-jährigen Tradition der Gitarren-Fotografie so noch nicht gab - ein gutes Beispiel ist die rote Doubleneck-Armada auf dem Bild oben. Bessere Gear Pictures hat man weder bei den Ads der amerikanischen Instrumentenhersteller noch in Gitarrenmagazinen gesehen.

Der Einblick der in „The Anthology“ gewährt ist auch deshalb so speziell, weil sich um Page nach wie vor zahlreiche Mythen ranken. Selbst die jahrzehntelange journalistische Aufarbeitung seiner Karriere hat nichts daran geändert , dass ihn noch immer die Aura des Geheimnisvollen umgibt. In der Peergroup der großen Rockstars gehört Page damit zu einem kleinen Zirkel  Auserwählter, der  universell respektiert ist, geradezu kultisch verehrt wird und deren Aufnahmen und Equipment bis heute lebhaft diskutiert werden.

Schon in der 2019er "Play It Loud "-Ausstellung im New Yorker Metropolitan Museum zeigte Page einige seiner Instrumente und aufwendigen Setups. In der Anthology geht er noch einen Schritt weiter und zeigt die „details behind the details“. Welcher Amp kam auf „Whole Lotta Love“ zum Einsatz ? Was sind die Unterschiede und wie ist das Spielgefühl der Number One und der Number Two Les Pauls ? Ihr wollt die Dragon- und die Poppy Suit „up close“ sehen ? Das „Stairway To Heaven“-Rig ebenso ? Alles da in der “Anthology“. Welche Saiten spielte er in den „early days“ bevor er in den USA die Ernie Ball Strings entdeckte? Und was genau war das für eine Superstrat zu Outrider“-Zeiten, seinem bislang letzten Soloalbum ? Auch diese Fragen und noch sehr viel mehr, werden in diesem faszinierenden Buch beantwortet. 

Dass dieser Einblick überhaupt möglich ist, liegt daran, dass Page genauestens (Tage-)Buch geführt  hat, so konnte er selbst Jahrzehnte  zurückliegende Sessions rekonstruieren. Zudem wusste er immer, was er an seinem erstklassigen Equipment hatte, und pflegte es dementsprechend gewissenhaft. Anders als bei einigen seiner Kollegen sind weder Amps, Gitarren, noch das notorisch heikle Echoplex Kollateralschäden des Rock N´ Roll geworden, verschwunden oder in den Händen reicher Privatsammler gelandet – sondern über all die Jahrzehnte in seinem Besitz gebelieben. 

Der Detailgrad dieses Buchs ist enorm, damit richtet es sich natürlich in erster Linie an die Zielgruppe der absoluten Hardcore-Zeppelin- und Page-Fans. Musiker und vor allem Gitarristen, die sich technisch auskennen, sind hier eindeutig im Vorteil. Die schiere  Dichte an Informationen und fachspezifischen Insights machen „The Anthology“ zu einer regelrechten Fundgrube für den Gitarre-Connaisseur und Gear Nerd. Doch auch ganz allgemein betrachtet hat man es hier mit einem der packendsten Bücher über Page und Zeppelin zu tun – in jedem Fall ist es das speziellste und detailreichste Werk bis dato. Und auch wenn die Songs die gleichen bleiben mögen, so ändert sich nach der Lektüre mitunter der Blickwinkel auf diese Klassiker.

Jimmy Page - The Anthology
Genesis Publications
400 Seiten, 250 mm x 310 mm
ISBN: 9781905662616
www.genesis-publications.com
Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019   Genesis Publications


Samstag, 13. März 2021

JAMES DEAN: REBEL WITH A CAUSE

Credit Coverbild: © Bear Family

Am 8. Februar diesen Jahres wäre James Byron Dean 90 geworden.  Anlässlich dieses Anniversaries ist in der Memorial Series des Labels Bear Family ein CD-Tribute an den Film-Giganten erschienen. Eine CD?  Die Connection zur  Musik mag sich nicht jedem sofort erschließen,  in der Biographie Deans -  sowie in der posthumen Rezeption  -  findet sie sich jedoch sehr wohl, wenn auch teils eher indirekt.

Zum einen war Dean selbst großer Musikfan – gerade die dominierende Musik der Pre-Rock N´ Roll-Zeit, der Jazz, hatte es ihm angetan, legendär war zudem seine Freundschaft mit einem anderen „jungen Wilden“, Chet Baker. Und schließlich war Dean  -  als Ikone und Verkörperung des zu jung gegangen Heroen - auch immer wieder Thema von Songs. Die Bear Family-Compilation vereint nun eine Auswahl von insgesamt 28  teils bekannten, teils raren und teils erstmals auf Compact Disc veröffentlichten Aufnahmen: Man hört Dean im O-Ton beim Interview oder als Percussionist an den Congas (!) bei seltenen Aufnahmen mit Bob Romeo. Den Hauptteil machen jedoch Stücke der Scores zu den drei 
Am 8. Februar diesen Jahres wäre James Byron Dean 90 geworden. Mit nur drei Filmen – zwei davon nach seinem Unfalltod mit 24 Jahren veröffentlicht
 – wurde er zu einer der Ikonen von Tinseltown und zum ersten  früh verstorbenen Idol einer neuen Jugendgeneration. Anlässlich des Anniversaries ist in der Memorial Series des Labels Bear Family ein CD-Tribute an den Film-Giganten erschienen. Eine CD?  Die Connection zur  Musik mag sich nicht jedem sofort erschließen,  in der Biographie Deans -  sowie in der posthumen Rezeption  -  findet sie sich jedoch sehr wohl, wenn auch teils eher indirekt.

Dean Klassikern „Rebel Without A Cause“, „East Of Eden“ und „Giant“ sowie zum posthumen Dokumentarfilm ”The James Dean Story“ aus. Die Kompositionen  aus seiner „Klassiker-Trilogie“ zeigen vor allem ein Spannungsfeld im Ouvre Deans auf: Einerseits war Dean zusammen mit Marlon Brando einer der ersten Actors einer neuen Schule, seine Filme zeigten als eine der ersten vielschichtige jugendliche Charaktere mit all ihren Problemen und Ambivalenzen. Die Outfits Deans – gerade in „Rebel…“  mit weißem T-Shirt, roter Jacke, Jeans und Pompadour-Frisur machten ihn auch zu einer stilbildenden Figur für die Rock N´ Roll-Ära – doch die Filme und allen voran ihre Soundtracks waren weniger „Blackboard Jungle“ oder „Jailhouse Rock“ sondern mehr „Old School“ Hollywood.

 Jene Songs, welche die musikalische Auseinandersetzung mit der Popkultur-Legende Dean aufzeigen sollen zeigen zwar eine gewisse Bandbreite und spezialisieren sich auf obskurere Tracks – von den 50s mit den Four Tunes und ihrer „Ballad Of James Dean“ hin zu den 90s und Bonnie Tyler  - doch kratzen die paar Songs gerade mal an der Oberfläche dieser an sich spannenden Thematik. Dies führt dazu, dass die Zusammenstellung etwas beliebig wirkt – hier hätte man sich durchaus mehr gewünscht, zumal Dean ja auch in Song der jüngeren Vergangenheit Einzug in die Lyrics gehalten hat (Stichwort: Lana Del Rey). 

Da die Aufmachung der „Rebel With a Cause“-Zusammenstellung wie man das vom Label mit dem Bären gewohnt ist jedoch gut gelungen ist (schöner Digipak mit 36 seitigem Booklet) und die O-Töne und Songs durchaus Seltenheitswert haben, ist dieses Commerative-Release für den Dean-Sammler dennoch interessant.

Mittwoch, 5. Oktober 2016

STONES-SPECIAL: THE ROLLING STONES - TOTALLY STRIPPED

Credit Coverbild: Eagle Rock Entertainment  EDEL
Einer der größten Trends der an Trends nicht gerade armen Neunziger Jahre war die Idee, Rockstars ihre Elektrifizierung zu nehmen und jene, die sonst nur in Stadien oder auf den größten Bühnen des Erdballs weilten, in intimen Rahmen auftreten zu lassen. Etwa um Mitte der Nineties hatte diese Unplugged-Welle ihren absoluten Höhepunkt erreicht -  dank Grunge und erfolgreicher Formate wie VH 1 Storytellers und natürlich vor allem MTV Unplugged, in dessen Rahmen Mr. Slowhand Eric Clapton und Kurt Cobain mit Nirvana denkwürdige Auftritte absolvierten. Auch die Rolling Stones gingen 1995 in diese Unplugged-Richtung, allerdings nicht für einen der großen Musiksender, sondern für eine Konzertreihe und Studio-Sessions. Das Ergebnis: das „Stripped“-Album, produziert von Don Was, das die Stones mit sparsamer Instrumentierung zeigt und wenngleich nicht durchgehend ohne in den Amp gestöpselte Gitarre zumindest semi-akustisch, mit viel Westerngitarre und zurückgenommenen Arrangements.

Woods, Jagger und Richards in Action
Credit Bild: © Ilpo Musto  Eagle Rock Entertainment  EDEL
Der Stretch in diese „(semi-)unplugged“-Richtung  war bei den Stones weniger weit als bei manch anderem Künstler, waren doch schon Klassiker der Bandgeschichte wie „Beggars Banquet“ oder „Let It Bleed“ maßgeblich mit akustischen Instrumenten eingespielt worden
Dennoch markiert die kurze „Stripped“-Phase einen interessanten Zeitpunkt in der Karriere von Jagger, Richards, Watts und Wood: Die Stones waren schon in ihrem heutigen Entwicklungsstadium angekommen, - sprich auf dem Status eines Mega-Acts mit gigantischen Touren durch die größten Stadien der Welt. „Stripped“ stellte da ein regelrechtes Kontrastprogramm dar: die Gigs  fanden in wesentlich kleineren Clubs vor deutlich weniger Leuten statt und die Arrangements waren „bare bones“ oder auch „back to the roots“. Auch der damals mehr oder minder in Stein gemeißelten Setlist aus Klassikern wurden noch interessante Raritäten hinzugefügt.

Credit Bild: © Ilpo Musto  Eagle Rock Entertainment  EDEL
Die Blu ray „Totally Stripped“ dokumentiert nun in Spielfilmlänge die Studio-Sessions und Aufritte der „Stripped“-Phase. Als Zuseher gewinnt man gerade bei den Studio-Segmenten des Films erfährt man einiges über die lockere Arbeitsweise der Band.
Die Live-Gigs finden in einem Rahmen statt, wie man ihn heute eigentlich nur mehr bei Spontan-Gigs wie dem letztjährigen „Sticky Fingers“-Überraschungs-Gig in L.A., miterleben kann - die Steine auf kleiner Bühne und im Publikum u.a. ein Hollywood-Star wie Jack Nicholson, der Backstage vorbeischaut und sich über „seinen“ „ Song „Jumping Jack Flash“ freut. Schade ist nur, dass in der Doku nicht alle Lieder voll ausgespielt werden - etwa wenn Jagger zum furiosen Harmonika-Solo in „The Spider And The Fly“ ansetzt wird  zur nächsten Szene geschnitten.

Credit Bild: © Ilpo Musto  Eagle Rock Entertainment  EDEL
Der für Fans interessanten Mixtur aus Konzertfilm und Doku merkt man das Entstehungsjahr stellenweise an - etwa was die Nineties-Style Kameraführung bei den Gigs betrifft. Das Highlight von „Totally Stripped“ stellen jedoch insbesondere die Studio Sessions dar, die einen interessanten Einblick in den Studioalltag von Legenden liefern.

Mittwoch, 20. April 2016

CHRIS ISAAK - FIRST COMES THE NIGHT


Credit Coverbild: Warner/Vanguard Records/Wicked Game Records/Rhino UK
Auf seinem ersten Album seit sechs Jahren pflegt Chris Isaak routiniert seinen bereits in den Achtzigern etablierten Sound - und legt damit eine der schönsten Platten des bisherigen Jahres vor.

Das Album beginnt zunächst  recht ruhig mit dem titelgebenden Song „First Comes The Night“ - ein durchaus atmosphärischer und solider, allerdings nicht wirklich aufregender Opener. Doch schon ab dem zweiten Track wird die Platte immer besser.
Isaaks Trademarks sind alle vorhanden, der 59-jährige Kalifornier verzichtet auf Experimente und bleibt seinem Stil treu: die in Reverb gebadeten Gitarren, die twangigen Riffs, die Balance zwischen tief empfundener Melancholie und Hochgefühl, zwischen Late 50s/Early 60s Elvis-Style Rock N´ Roll und Roy Orbison-Balladen.
Hinzu kommen auch recht deutliche, reine Country-Einflüsse und natürlich Isaaks samtweiche Stimme,  der man letztlich keine „Abnutzung“ oder Alterserscheinungen anmerkt  - nach wie vor unglaublich klar sowohl in den hohen wie in den tieferen Lagen,  mit diesem gewissen melancholischen Twang, der sowohl in den das Album dominierenden Balladen als auch in Up Tempo-Nummern wie „Insects“ glänzt.

Einerseits mag „First Comes The Night“ keine neuen Mega-Hits a la  „Wicked Game“ beinhalten - andererseits findet sich auf Isaaks 13. Studioalbum auch kein richtig schlechter Song. Isaak-Fans sollten unbedingt die Deluxe-Version von „First Comes The Night“ checken-
denn in dieser Version wird das Album beträchtlich erweitert - und zwar um gleich 5 Songs, die alles andere als Outtakes sind sondern den übrigen 12 Tracks in nichts nachstehen und den positiven Eindruck, den diese Platte auch nach mehrmaligem Hören hinterlässt, nur verstärken.

 „First Comes The Night“ bietet dem Zuhörer zwar keine wirklichen Überraschungen - aber das muss es letztlich auch nicht. Isaak hat seine Nische immerhin schon vor Jahrzehnten gefunden und ist heute einer der wenigen Vertreter eines in dieser Qualität gespielten puristischen Rock N´ Rolls - so ist seine 12. Studioplatte Classic-Issak mit der vertonten Schönheit gebrochener Herzen in einem Ozean von Reverb.