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Dienstag, 4. Mai 2021

DAS STAR WARS ARCHIV: EPISODE I-III 1999- 2005

Taschen Verlag    courtesy TASCHEN / © & TM 2020Lucasfilm. All Rights Reserved.  

Great Expectations – mit genau diesen zwei Worten könnte man das kollektive Gefühl von Millionen Kino-und Star Wars-Fans subsumieren, die in den späten Neunzigern der Veröffentlichung der Prequels zu George Lucas Sternen-Saga entgegenfieberten. Wie konnte es zum Aufstieg des Imperators und des galaktischen Imperiums kommen, wie wurde aus Anakin Skywalker der röchelnde Sith Lord Darth Vader und was genau passierte mit dem einst prosperierenden Orden der Jedi? Die neuen Filme versprachen Antworten auf all diese Fragen.

Lange vor Youtube und der großen Gleichzeitigkeit von Social Media schaffte es Lucas mit einem beispiellos gelungenen Marketing-Schachzug einen neuen Demand für filmische Einträge im Star Wars-Universum zu generieren: eine digital aufgemotzte Neuaufführung der Classic Trilogy, Action Figuren als Sneak Peeks der neuen Filme und ein geheimnisvoller Trailer, der als meist Gedownloadeter in die Geschichte eingehen sollte. Mit diesem vielleicht langanhaltendsten Tease der Kino-History  schürte der Regisseur und Franchise-Erfinder über Jahre hinweg eine ungeheure Erwartungshaltung für den Auftakt der Prequel-Trilogie. Eine Erwartungshaltung,  die letztlich ins Unermessliche anstieg und so selbst von Lucas, diesem kongenialen Erfinder eines modernen Mythos, nicht zur Gänze erfüllt werden konnte. Denn das Endergebnis -  drei mitunter kontrovers diskutierte Filme - spalten bis heute die Fan-Gruppen. 

Nun ist pünktlich zum heutigen Star Wars-Tag (May the 4th – May the Force…) im Taschen Verlag ein neuer XXL-Bildband erschienen, der die faszinierende Genesis dieses ehrgeizigen Großprojekts nacherzählt.

Episode III: Der Dreh des Triells von Anakin, Obi-Wan und Count Dooku
courtesy TASCHEN / © & TM 2020Lucasfilm. All Rights Reserved.

Episode III: Stunts vor dem Blue Screen
courtesy TASCHEN / © & TM 2020
Lucasfilm. All Rights Reserved.

George Lucas und der junge Anakin (Jake Llyod) am Tatooine-Set in Tunesien
courtesy TASCHEN / © & TM 2020
Lucasfilm. All Rights Reserved.
Wie man das vom Kölner Luxus-Verlag gewohnt ist, fällt auch dieser zweite Eintrag in der Star Wars-Retrospektiv-Reihe sehr aufwendig aus. Mit seinen wuchtigen Ausmaßen ist er definitiv wesentlich schwerer als ein Millenium Falcon-Modell mit voller Action Figuren-Besatzung und hebt sich auch vom Design her (roter Sternen Sparkle-Einband!) von den unzähligen Büchern zum Thema ab. Wie schon der erste Band zur Classic Trilogy ist auch der Neue  wiederum in enger Kooperation mit George Lucas und Lucasfilm entstanden. Dies garantierte einen äußerst umfangreichen Einblick ins Making von  „Episode I-III“ sowie zur Classic Trilogy-Neuauflage. Filmhistoriker Paul Duncan tauchte tief in das Archiv von Lucas´ Traumschmiede ein und förderte Unmengen an Fotos und Behind The Scenes-Material zu Tage: rare Dokumente, Drehbuchseiten, Produktionsunterlagen, Konzeptentwürfe, Storyboards , eine Fülle an Fotos aus den Filmen sowie ein extrem ausführliches Exklusivinterview mit dem Regisseur machen für den Leser den jahrelangen Entstehungsprozess nachvollziehbar.

Retrospektiv betrachtet und auch im Vergleich zur teils missglückten neuen „Sequel“-Trilogie fällt das Urteil über die Prequels wesentlich milder aus. Lucas zeigte sich hier erneut als Virtuose an der Klaviatur des Marketings sowie in der Erschaffung immersiver fiktiver Welten. Insbesondere „Episode I“ ist fraglos ein Schlüsselwerk des modernen Event-Kinos, wie man es heute etwa vom Marvel Cinematic Universe kennt. Der neue Bildband rehabilitiert die oft gescholtenen Filme nicht zur Gänze, verdeutlicht jedoch den enormen Aufwand der hinter diesen Werken steckte. Das macht dieses spannende Archiv-Buch nicht nur für die härtesten Star Wars-Fans interessant sondern auch für jene, die sich mit der Magie hinter den Kulissen der bewegten Bilder interessieren.

TASCHEN
The Star Wars Archives. 1999–2005  Paul Duncan
Hardcover, Halbleinen, 41,1 x 30 cm, 6,88 kg, 600 Seiten, 150 Euro
taschen.com

Samstag, 13. März 2021

JAMES DEAN: REBEL WITH A CAUSE

Credit Coverbild: © Bear Family

Am 8. Februar diesen Jahres wäre James Byron Dean 90 geworden.  Anlässlich dieses Anniversaries ist in der Memorial Series des Labels Bear Family ein CD-Tribute an den Film-Giganten erschienen. Eine CD?  Die Connection zur  Musik mag sich nicht jedem sofort erschließen,  in der Biographie Deans -  sowie in der posthumen Rezeption  -  findet sie sich jedoch sehr wohl, wenn auch teils eher indirekt.

Zum einen war Dean selbst großer Musikfan – gerade die dominierende Musik der Pre-Rock N´ Roll-Zeit, der Jazz, hatte es ihm angetan, legendär war zudem seine Freundschaft mit einem anderen „jungen Wilden“, Chet Baker. Und schließlich war Dean  -  als Ikone und Verkörperung des zu jung gegangen Heroen - auch immer wieder Thema von Songs. Die Bear Family-Compilation vereint nun eine Auswahl von insgesamt 28  teils bekannten, teils raren und teils erstmals auf Compact Disc veröffentlichten Aufnahmen: Man hört Dean im O-Ton beim Interview oder als Percussionist an den Congas (!) bei seltenen Aufnahmen mit Bob Romeo. Den Hauptteil machen jedoch Stücke der Scores zu den drei 
Am 8. Februar diesen Jahres wäre James Byron Dean 90 geworden. Mit nur drei Filmen – zwei davon nach seinem Unfalltod mit 24 Jahren veröffentlicht
 – wurde er zu einer der Ikonen von Tinseltown und zum ersten  früh verstorbenen Idol einer neuen Jugendgeneration. Anlässlich des Anniversaries ist in der Memorial Series des Labels Bear Family ein CD-Tribute an den Film-Giganten erschienen. Eine CD?  Die Connection zur  Musik mag sich nicht jedem sofort erschließen,  in der Biographie Deans -  sowie in der posthumen Rezeption  -  findet sie sich jedoch sehr wohl, wenn auch teils eher indirekt.

Dean Klassikern „Rebel Without A Cause“, „East Of Eden“ und „Giant“ sowie zum posthumen Dokumentarfilm ”The James Dean Story“ aus. Die Kompositionen  aus seiner „Klassiker-Trilogie“ zeigen vor allem ein Spannungsfeld im Ouvre Deans auf: Einerseits war Dean zusammen mit Marlon Brando einer der ersten Actors einer neuen Schule, seine Filme zeigten als eine der ersten vielschichtige jugendliche Charaktere mit all ihren Problemen und Ambivalenzen. Die Outfits Deans – gerade in „Rebel…“  mit weißem T-Shirt, roter Jacke, Jeans und Pompadour-Frisur machten ihn auch zu einer stilbildenden Figur für die Rock N´ Roll-Ära – doch die Filme und allen voran ihre Soundtracks waren weniger „Blackboard Jungle“ oder „Jailhouse Rock“ sondern mehr „Old School“ Hollywood.

 Jene Songs, welche die musikalische Auseinandersetzung mit der Popkultur-Legende Dean aufzeigen sollen zeigen zwar eine gewisse Bandbreite und spezialisieren sich auf obskurere Tracks – von den 50s mit den Four Tunes und ihrer „Ballad Of James Dean“ hin zu den 90s und Bonnie Tyler  - doch kratzen die paar Songs gerade mal an der Oberfläche dieser an sich spannenden Thematik. Dies führt dazu, dass die Zusammenstellung etwas beliebig wirkt – hier hätte man sich durchaus mehr gewünscht, zumal Dean ja auch in Song der jüngeren Vergangenheit Einzug in die Lyrics gehalten hat (Stichwort: Lana Del Rey). 

Da die Aufmachung der „Rebel With a Cause“-Zusammenstellung wie man das vom Label mit dem Bären gewohnt ist jedoch gut gelungen ist (schöner Digipak mit 36 seitigem Booklet) und die O-Töne und Songs durchaus Seltenheitswert haben, ist dieses Commerative-Release für den Dean-Sammler dennoch interessant.

Dienstag, 1. November 2016

JUNIOR BONNER

Während die Steel Guitar ihr klagendes Lied spielt, geht es für die Männer beim Rodeo-Wettkampf  um alles.Junior Bonner (Steve Mc Queen) ist einer von ihnen.
Der Haudegen hat seine besten Tage schon hinter sich. Er ist völlig pleite und driftet von einem Wettkampf zum anderen.Er kommt ganz nach seinem Vater Ace,w ie dieser  hat Junior nie ein stetes Leben gekannt. Obwohl die körperliche Anstrengung der er bei jedem Wettkampf ausgesetzt ist,  langsam aber unaufhaltsam ihren Tribut fordert, gibt es für ihn kein anderes Leben.

Sam Peckinpahs fast schon dokumentarisch anmutender 1972er Film begleitet Bonner auf seiner Reise  durch ein Amerika, das zwischen Tradition und Moderne geradezu zerrissen scheint.Es ist ein unsagbar melancholischer Film, der eines von Peckinpahs liebsten Themen aufgreift:den Abgesang auf den alten Westen und die Werte die mit ihm einhergehen.Diese Thematik zieht sich wie ein roter Faden durch zahlreiche Werke des amerikanischen Filmemachers:
In  “Pat Garrett jagt Billy The Kid” wurde Kris Kristofferson, der sich nicht anpassen konnte, gnadenlos verfolgt und in “The Wild Bunch” geht der Haufen der alternden Revolverhelden lieber in den sicheren Tod als sich den neuen Zeiten unterzuordnen.
So erzählt auch „Junior Bonner“ als elegischer „Neo-Western“ ,vom dem Niedergang einer Ära.Und Steve Mc Queens Figur des Junior steht ganz in der Tradition dieses „peckinpah´schen“ Helden. Er ist noch einer vom „alten Schlage“, dem der eigene Stolz und Ideale wichtiger sind als das schnelle Geld.

In den Rodeo-Reitern sieht Peckinpah  die letzten Cowboys. Doch auch von seinen Berufskollegen unterscheidet sich der einsame Held Junior. Wo andere Bestechungsgeld zahlen, damit sie nicht auf dem gefürchteten Bullen Sunrise reiten müssen ist Bonner davon besessen das widerspenstigen Tier zu bezwingen und den Quasi-Rekord aufzustellen und 8 Sekunden lang nicht vom rasenden Stier abgeworfen zu werden.Mit dieser Einstellung zähl er zu einer aussterbenden Spezies.Sein von Joe Don Baker verkörperter Bruder Curly  hingegen  symbolisiert den Fortschritt. Der Geschäftsmann hat mit den Idealen für die sein Vater und Junior stehen nichts mehr am Cowboyhut.Wo sein  Bruder die Rodeos als Übelebensgrundlage braucht, er an seiner ersten Million.Er lässt das Grundstück seines eigenen Vaters, das er für einen Spottpreis erworben hat, einfach abreißen.Die Zerstörung des alten Hauses wird in Zeitlupe zelebriert. Die Tradition wird brutal von Maschinen zerstört. Bonner kann dem nur fassungslos gegenüber stehen.Immerhin findet er bei einem sexy Cowgirl ( Barabara Leigh)Zerstreuung.

Ein Großteil der Handlung wurde bei echten Rodeos gefilmt. Nicht umsonst mutet der Film stellenweise wie eine Doku über den Sport an. Das führt leider zu einigen Längen. Dafür ist der Film formal unglaublich stark. Die Zeitlupeneinstellungen, für die Peckinpah so berühmt ist, werden hier wieder ausgiebig zelebriert. Der Sabber spritzt aus den Mäulern der Stiere. Der Dreck wird effektvoll aufgewirbelt. Und offensichtlich machte Teufelskerl McQueen viele Stunts selber.Allein schon für Mc Queen-Fan eine klare Empfehlung Denn er hat den typischen „cowboy swagger“ einfach 1A drauf.

Sonntag, 30. Oktober 2016

Throwback Sunday: VENUS IN FURS von JESS FRANCO

Jess Franco. Ein Name der bei Freunden derber Exploitation-Kost ein Lächeln auf die Lippen zaubert und bei allen anderen entweder auf Unkenntnis oder auf totale Ablehnung stößt.
Wer den „Meister des Perversen“ bis jetzt nicht mochte wird auch mit „Venus in Furs“ , der bei uns unter dem Titel „Paroxismus“ bekannt ist, auch kein neuer Anhänger .
Dafür ist der Film nämlich viel zu typisch „Jess Franco“, was wiederum bedeutet dass der Film komplett untypisch verglichen mit anderen Streifen ähnlicher Genres ist und ihn letztlich somit jeglicher herkömmlicher (Film-)betrachtungsweise enthebt.


Der Jazzer (James Darren, bekannt aus „The Guns of Navarrone“) wird Zeuge eines SM-Rituals in der Villa eines pervertierten Adeligen(gespielt von, wie könnte es anders sein, Klaus Kinski). Dabei wird die „Hauptakteurin“ jedoch ins Jenseits befördert.
Das Gesehene lässt den von Selbstzweifeln geplagten Musiker nicht mehr los und als schließlich eines Tages der Leichnam der Ermordeten an den Strand angespült wird und einer der Mörder nach dem Anderen auf mysteriöse Art und Weise ins Gras beißt, glaubt er den Verstand zu verlieren….

Soviel zu Handlung, die sich jedoch mit fortschreitender Spielzeit des Films immer mehr verdichtet bzw. immer vielschichtiger wird - beinahe ist man geneigt von einer Exploitation-Variante von „Blow-Up“ zu sprechen. Francos Vorliebe für psychedelische Kameraeinstellungen und eine teils seltsam anmutende „rastlose“ Kamera, die scheinbar unwichtige Dinge mit hektischen Schwenks in den Fokus und damit ins Auge des Betrachters rückt, ist auch hier vertreten, wenn auch nicht in dem Ausmaße wie in „Vampyros Lesbos“ vom gleichen Regisseur.
Dennoch ist der Rausch aus Bildern und Musik (die Manfred Mann komponiert hat) noch abgedreht genug, dass man sich nach gut einer Dreiviertelstunde Spielzeit in einem ähnlich delirierenden Zustand wie der Hauptakteur wähnt.
Die Hauptdarsteller agieren ansprechend, allen voran natürlich Kinski(der allerdings nicht allzu viel Screentime bekommt) und Blickfang Maria Rohm.

Der ambitionierte Plot ist, leider wieder typisch für Franco, nicht ganz konsequent umgesetzt und bietet etliche Längen, die sogar die gerade mal 83 Minuten Spielzeit lang erscheinen lassen.
Sleaze-Fans, die eher des Regisseurs späteren Output bevorzugen, werden vermutlich auch etwas enttäuscht sein-Denn Franco gibt sich hier (noch ) nicht so exploitation-freudig wie in seinen Filmen einige Jahre später.
Mit Leopold von Sacher-Masochs Buch „Venus im Pelz“ hat der Film übrigens bis auf eine Frau die sich nackt im Pelz räkelt nicht viel zu tun.

Ob es sich bei „Venus in Furs“ um Francos Meisterwerk handelt, muss jeder nach dem Sehen des Streifens für sich selbst entscheiden.
Sehenswert ist der Film-Trip allemal und besonders der starke Schluss weiß zu überzeugen -  Hängen bleiben aber letztlich nur die psychedelischen Kamerafahrten und der interessante Soundtrack, dem aber vermutlich nur Jazzliebhaber etwas abgewinnen können.

Throwback Sunday: THE WILD ANGELS von ROGER CORMAN

Von allen Bikergangs (wobei Gang eigentlich der falsche Ausdruck ist, immerhin sehen sich die Members als Zugehörige eines Motorcycle CLUBS) sind die Ende der 40er Jahre gegründeten Hells Angels mit ihrem Anführer Sonny Barger sicher die Bekannteste und vor allem die Berüchtigtste. Was wenig verwundert. DEnn insbesondere in den sonst so friedlichen und rückblickend verklärten Sechzigern gewannen die Angels an fragwürdiger Bekanntheit durch ihren rauen, zügellosen Lebensstil, der Stilisierung als letzte Outlaws Amerikas und eine Reihe tragischer, gewaltsamer Zwischenfälle.

Trash-Papst Roger Corman näherte sich zusammen mit seinem Regieassistenten Peter Bogdanovich dem Stoff aus der Sicht des Exploitationfilmers und schuf damit einen seiner besten und vor allem denkwürdigsten Filme sowie einen waschechten Kultflick der Sechziger, der ein ganzes Lebensgefühl einfängt( wenn auch nicht unbedingt ein positives).

Jahre bevor er sich unter der Regie Dennis Hoppers in „Easy Rider“ als Captain America in den Sattel eines Choppers schwingen sollte, war Peter Fonda schon einmal in einer Hauptrolle als Biker zu bewundern. Er spielt den Anführer des fiktiven San Pedro Chapters der Hells Angels, Heavenly Blues.Ganz in schwarz gewandet cruised er durch die Straßen wie Marlon Brando zu seinen besten Zeiten.
Bei einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd mit der Polizei, die zum Alltag der Angels gehört, bleibt sein Kumpel Loser (Bruce Dern, bekannt aus „Driver“),von Polizeikugeln getroffen, schwer verletzt zurück.
Der Rest der Bande kann noch rechtzeitig die Fliege machen.
Doch Blues vergisst seinen Freund nicht und ist wild entschlossen ihn aus dem Gefängniskrankenhaus zu befreien. Dass dabei keine Gefangenen gemacht werden, versteht sich von selbst….

Die Gewaltbereitschaft seiner Protagonisten erklärt sich Corman mit dem Auftreten eines „Generation Gaps“: Die Jungen können sich in keinster Weise mit ihren stockkonservativen Eltern identifizieren.
Die Folge ist Rebellion, die zum benebelten Hippietum oder eben zu den Gesetzlosen auf ihren heißen Öfen führt.
Die Angels lehnen sich gegen das System auf, indem sie sich mit Naziorden behängen um ihre Väter, die im Krieg gedient haben, zu verschrecken und veranstalten als Bürgerschrecks Wettrennen genau da wo strikte Geschwindigkeitsbegrenzungen gelten.
Die echten Hells Angels waren mit der Darstellung ihres Alltags nicht gerade glücklich.
Sie vertraten die Ansicht, dass sie als eine Bande gewaltbereiter Rüpel im Dauerstoned - Zustand rüberkamen.
Eine Klage gegen Corman folgte.
Schon während den Dreharbeiten hatten sich erste Probleme mit seinem Cast gezeigt der teilweise aus echten Hells Angels vom kalifornischen Venice - Chapter bestand.
Darsteller Bruce Dern wurde von nicht am Dreh beteiligten Hells Angels - Mitgliedern brutal zusammengeschlagen, da sie dachten der Mime würde ich zu Unrecht mit den Colours (quasi die „Uniform“, die einen echten Angel für die eingeschworene Gemeinde sofort als solchen erkenntlich macht) des Clubs schmücken.

Doch auch sonst kehrte abseits des Filmsets keine Ruhe ein:
Bereits nach seiner Erstaufführung sorgte der Film für einigen Wirbel.
In England wurde ihm gar eine Freigabe verweigert. Zu brutal und nihilistisch war den Behörden zufolge das wüste Treiben auf der Leinwand.
Das sollte Corman finanziell jedoch nicht schaden. Ganz im Gegenteil: der Streifen war ein großer Erfolg.
Wen wunderts, bei solch einer Publicicty.
Der Staub hat sich mittlerweile gelegt. Von der 18er Freigabe nahm man Abstand, den Film gibt’s jetzt erstmals ungeschnitten mit einer 16er Freigabe in einer exzellenten DVD-Version von Pierrot Le Fou.

Hauptdarsteller Fonda kam durch den Film auf die Idee eines Roadmovies über zwei Biker, weswegen Cormans Werk gleich eine doppelt wegweisende Bedeutung erhielt.
Für Filmkritiker Leonard Maltin war der Film zwar nur nach 24 Bieren erträglich und auch sonst stieß der Film auf ein eher verhaltenes Kritikerecho, doch trotz der stellenweise holprigen Inszenierung (und der lächerlichen dt. Synchro - aber für die kann der gute Corman ja nun nichts) muss man „Wild Angels“ als wegweisenden Meilenstein für ein ganzes Genre und das Werk Cormans anerkennen.
Exploitation-typisch wirkt das Endresultat ein wenig ziellos und episodenhaft-daran kann man nicht rütteln.
Spätestens wenn aber Fonda unglaublich lässig im Sattel seines hochgezüchteten Feuerstuhls sitzt und der geniale Soundtrack aus den Speakern schallt, ist alles wieder gut.

Sonntag, 23. Oktober 2016

Martin Scorseses TAXI DRIVER : 40th ANNIVERSARY


Regisseur Martin Scorsese mit seinem Hauptdarsteller Robert De Niro
Credit Bild : © Steve Schapiro TASCHEN Verlag
„You talkin´ to me ?“ 
Mit von beinhartem Workout gestähltem Körper und dem Blick eines immer entrückter werdenden, jedoch ungemein entschlossenen Mannes steht der von Insomnie geplagte Vietnamveteran und Taxifahrer Travis Bickle (Robert De Niro) vor seinem Spiegel. Mit der Waffe in der Hand ist er, nachdem es ihm nicht gelingt sich in die zivile Gesellschaft einzugliedern, auf seiner ganz persönlichen Mission, den Großstadtmoloch vom „Abschaum“ zu säubern - ganz so wie der von ihm bei seinen nokturnen Fahrten durch das Herz der New Yorker Finsternis herbeigesehnte „große Regen“.

Es ist dies nur einer der vielen eindringlichen Szenen aus Martin Scorseses 1976er Kultfilm „Taxi Driver“, die sich unauslöschlich in das kollektive Gedächtnis von Filmfans auf der ganzen Welt  eingebrannt haben. Jetzt feiert dieses Schlüsselwerk des amerikanischen Seventies-Kinos sein 40-jähriges Jubiläum.
Dass Scorseses fünfte Regiearbeit so gut gealtert ist, auch 4 Jahrzehnte nach seiner Uraufführung noch immer fasziniert und im Gegensatz zu manch anderem New Hollywood-Streifen noch immer begeistert, hat eine Vielzahl von Gründen.



Taxifahrer Bickle mit prominentem Fahrgast
Credit Bild: © Steve Schapiro TASCHEN Verlag

Einerseits ist die Geschichte Travis Bickles filmhistorisch bedeutsam, markierte sie doch den endgültigen Durchbruch sowohl für Hauptdarsteller Robert De Niro in einer seiner intensivsten Performances als auch für den Regisseur selbst.
Andererseits zählt „Taxi Driver“ auch zu Scorseses vielschichtigsten Werken:
Während die Filme aus seiner Paradedisziplin, den epischen Gangsterdramen, vom amerikanischen Traum, dargestellt durch den Zerrspiegel einer kriminellen Welt, erzählen,
vereint „Taxi Driver“ gleich mehrere, ganz unterschiedliche Handlungsstränge und Topoi in sich.

Travis Bickle wird immer entrückter
Credit Bild: © Steve Schapiro TASCHEN Verlag
In jenem Teil der Story, die man als „Hauptplot“ bezeichnen könnte, folgt der Zuseher Travis Bickle in seinem fortschreitenden Wahn in den Schlund New Yorks auf seinem Weg zur Befreiung der minderjährigen Prostituierten (Jodie Foster) aus den Klauen des Pimps (Harvey Keitel).
Neben dieser „crime“-Handlung ist „Taxi Driver“ jedoch auch ein intensives Außenseiterportrait (siehe der Subplot mit Wahlkampfhelferin Cybil Shepherd) , das mit seiner sensiblen, genauen Figurenzeichnung, die introspektiven Frühwerke Scorseses zitiert. Überdies ist Scorseses Film auch ein beinahe dokumentarisch anmutendes Zeitportrait eines New York, dass sein wahres, verzerrtes Antlitz erst zeigt, wenn die Sonne versunken ist. Martin Scorsese und Drehbuchautor Paul Schrader zeichneten das unglaublich dichte Bild einer im Verfall begriffenen Stadt, lange vor jeglicher „Zero Tolerance“-Politik oder  Verbrechensbekämpfung  eines Rudy  Giuilani.
Ähnlich wie Michael Ciminos „The Deer Hunter“, ist „Taxi Driver“ zudem auch eine filmische Auseinandersetzung mit dem „Shellshock“-Phänomen (Kriegsveteranen-Traumata) und dem für viele Ex-Soldaten unbewältigbaren Kontrast zwischen dem Leben in Uniform und der Welt außerhalb des Schlachtfelds.
Zuletzt ist Scorseses aufwühlender Streifen jedoch auch eine bemerkenswert ausgefeilte psychologische Studie über (politischen) Extremismus- und Fanatismus - eine Thematik, die heute beinahe beängstigend aktuell wirkt.

Buch-Tip:


Credit Coverbild: © Steve Schapiro TASCHEN Verlag
Steve Schapiro. Taxi Driver
Paul Duncan (Hrsg.)
Hardcover 24,6 x 37,4 cm
400 Seiten
19,99 €
Das unglaublich schmutzig-authentische Feeling des „Taxi Driver-New Yorks“ ist nicht nur im Film präsent, sondern auch in den faszinierenden Fotos des Pressefotografen Steve Schapiro, der seinerzeit live bei den Dreharbeiten mit dabei war und mit seiner Kamera den Entstehungsprozess eines zukünftigen Kultwerks einfing. Seine Impressionen präsentiert er in einem im TASCHEN Verlag erschienenen  Bildband, aus dem die Fotos dieses Artikels stammen. Das attraktiv aufgemachte, gut 400 seitige Hardcover-Buch zeigt Fotos aus dem Privatarchiv Shapiros, die dem Betrachter einen detaillierten Blick hinter die Kulissen gewähren. Die Bilder sind dabei so brutal authentisch wie der Film selbst  - intensiv etwa die Eindrücke der finalen Schießerei, bei der ein blutüberströmtes Opfer Bickles genau in Shapiros Linse blickt. Neben den  Fotos gibt es noch ein Vorwort von Martin Scorsese und zahlreiche Texte und Interviews mit dem Regisseur, Drehbuchautor Schrader und De Niro.