Sonntag, 24. September 2023

ERIC CLAPTON - 24 NIGHTS: BLUES

Eric Clapton with Fender Stratocaster live on stage in Royal Albert Hall in England
Credit Bild: © Warner Music, Carl Studna
Trotz der seit Jahrzehnten in ihren altehrwürdigen Hallen stattfinden Populärmusik-Konzerten ist die Royal Albert Hall im Londoner Stadtteil Kensington mit ihren gediegenen roten Sitzreihen und ihrer einem römischen Amphitheater nachempfunden Architektur nicht eben das, was man unter einem Blues-Club versteht. Anfang der Neunziger war dies jedoch etwas anders. Der majestätische, einst zum Andenken an Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha errichtete Kuppelbau verwandelte sich beinahe in eine Venue, die an der South Side Chicagos oder im tiefen Süden weit unterhalb der Mason Dixon Line gelegen sein könnte. Der Grund dafür: Mr. Slowhand Eric Clapton gastierte für seine ausgedehnte „24 Nights“-Konzertreihe in der RAH und spielte eine Serie monothematischer Abende, die unter den Mottos „Rock“, „Orchestral“ und „Blues“ standen.

Zwar gibt es schon seit Jahren ein Live-Album und eine DVD dieser legendären Konzerte, allerdings fassten diese die „24 Nights“ sehr kompakt zusammen. Die nun neu erschienenen Doppel CD-und DVD-Kombis präsentieren nun eine Extended Versionen dieser Abende, die zu den besten in Claptons langer Karriere zählen.

Die Blues Nights waren für Clapton so etwas wie ein Homecoming, nach den eher zeitgenössisch orientierten Werken „August“ und “Behind The Sun“ kehrte Clapton mit „Journeyman“ zu alten Tugenden zurück. In jene Phase fallen auch die "24 Nights"-Gigs. Clapton spielte seine damals noch recht neue Signature Stratocaster und Soldano Amps – soundtechnisch fraglos eine ganz besondere Ära Claptons, das „24 Nights Rig“ ist nicht ohne Grund bis heute ein absoluter Referenz-Sound.

Die im „24 Nights: Blues“-Set dokumentierten Nächte wirken wie ein Vorgriff auf die ein paar Jahre später stattfindenden „From the Cradle“-Sessions. Mit prominenten Gaststars wie Buddy Guy (der mit seinem Leoparden-Trainingsanzug die ohnehin laxen Garderobe-Vorschriften der Royal Albert Hall doch ein wenig strapazierte), „Iceman“ Albert Collins, Jimmie Vaughan, Robert Cray sowie Muddy Waters´ Mann an den Tasten Jimmie Johnson, spielte  EC puren Blues: "Key To The Highway"  "Sweet Home Chicago", "Have You Ever Loved A Woman" oder "Worried Life Blues" sind nur einige der zu hörenden Klassiker. Hier offenbart sich erneut die besondere Kunst von Musikern wie Clapton, Guy oder Vaughan - denn die Jams sind hier kein Wettbewerb, sondern eine musikalische  Konversation zwischen „Brothers in Blues“. 

Wie schon das im Vorjahr veröffentlichte "Nothing But The Blues" zeigt auch die erweiterte „24 Nights“-Neuauflage Clapton an einem absoluten Karrierehöhepunkt und stellt eine  essenzielle Erweiterung der Diskographie dieser Legende dar.

Credit Bild: © Warner Music, Carl Studna
Credit Coverbild: © Warner Music


Samstag, 23. September 2023

ELFIE SEMOTAN - ALL PERSONAL

Buch-Cover zeigt die österreichische Fotografin Elfie Semotan
Credit Coverbild: © Copyright: Elfie Semotan, FOTOHOFedition, 2023
Blickt man zurück in die Historie der Fotografie, so fallen die Ausübenden dieser Zunft fast ausnahmslos in eine von zwei Gruppen: jene, die selbst mitunter bereitwillig zum Objekt werden und das Scheinwerferlicht nicht scheuen. Und jene, die beinahe hinter ihrem Werk verschwinden und die eigene Person bzw. Privates eher aus der Öffentlichkeit heraushalten. Die österreichische Starfotografin Elfie Semotan zählt eher zu letzterer Kategorie.

Zwar begann ihre Karriere vor der Kamera (Semotan arbeitete als Model), der Platz dahinter lag ihr jedoch stets weitaus mehr. Ihre Arbeit ließ sie so stets für sich sprechen. Persönliches, so konnte man den Eindruck gewinnen, sollte bei ihr auch wirklich immer Persönlich und damit privat bleiben. Der neue Bildband „All Personal“ stellt nun jedoch ausgerechnet genau dies in den Vordergrund. Ihre hochgelobten Arbeiten - legendäre Sujets für heimische Produkte oder Fashion-Editorials für internationale Hochglanzmagazine - spielen hier, mitunter verblüffenderweise, nicht die Hauptrolle. So sieht man in diesem kleinformatigen Bildband vorwiegend Aufnahmen von Semotans Familienleben, aber auch Landschaften und Stillleben. Es sind Schnappschüsse der beiden Söhne, liebevolle Aufnahmen ihres ersten Ehemanns Kurt Kocherscheidt, der als Maler und Mitbegründer der Gruppe „Wirklichkeiten“ selbst bekannt war. Dann Dokumente der zweiten Ehe mit Martin Kippenberger, die aufgrund des frühen Todes dieses multi-talentierten Künstlers tragischerweise nur kurz währte.

Dieses Buch will Elfie Semotan als eine der frühen und wichtigsten Protagonistinnen der Autorinnenfotografie Österreichs würdigen und tatsächlich sieht man auch in diesen teils mitunter banaleren fotografischen Beobachtungen natürlich den professionellen Touch aufblitzen, selbst Urlaubsbilder wirken hier mitunter durchkomponiert. Gleichzeitig hat man als Betrachter, der nicht mit Semotan verwandt ist oder nicht in genau jener Szene verhaftet ist, wenig Bezug zu diesen intimen Aufnahmen. Zwar gibt es fraglos auch das Außergewöhnliche im Alltäglichen, doch zeigt dieser Band vor allem, dass ebenjener Alltag auch bei einer international gefragten Fotografin nicht so wahnsinnig anders aussieht als bei Nicht-Prominenten - wenn man einmal vom illustren künstlerischen Freundeskreis absieht.

So ist „All Personal“ ausgerechnet immer genau dann am Spannendesten, wenn auf einigen wenigen Seiten das Private in den Hintergrund rückt und man einen Einblick in die glamouröse Seite von Semotans Ouevre gewinnt - etwa wenn man kurz backstage bei den Models von Designer Helmut Lang, dem Phantom der österreichischen Modeszene, vorbeischaut.

Elfie Semotan. All Personal, erschienen bei Fotohof Edition

Ein Blick ins Buch:

Kein Bild aus einem Eddy Saller-Film, sondern Kurt Kochenscheidt  1973 in Wien
Credit Bild: © Copyright: Elfie Semotan, FOTOHOFedition, 2023

Martin Kippenberger 1996 in Venedig
Credit Bild: © Copyright: Elfie Semotan, FOTOHOFedition, 2023

Die Wiener Mariahilfer Straße anno 1973
Credit Bild: © Copyright: Elfie Semotan, FOTOHOFedition, 2023

Schreibmaschinen-Stillleben in Jennersdorf, ca. 1973
Credit Bild: © Copyright: Elfie Semotan, FOTOHOFedition, 2023

Sara Moon, Paris 1968
Credit Bild: © Copyright: Elfie Semotan, FOTOHOFedition, 2023

Freitag, 22. September 2023

ALICE COOPER - ROAD

Plattencover des neuen Alice Cooper-Albums zeigt den Schockrocker am Steuer eines Autos "on the road"
Credit Coverbild: © earMusic Edel 
Im Jahr 1970 verkündete Vincent Damon Furnier, der seine eigene Rock N´ Roll-Fantasie unter dem weitaus bekannteren Namen Alice Cooper auslebte und deshalb von bigotten Sittenwächtern beinahe steckbrieflich gesucht wurde: „I´m Eighteen“. Der Song war nicht nur der erste Top 40-Hit der Band sondern entwickelte sich über die Jahre zu einer der wohl beständigsten Hymnen auf den Gemütszustand "Teenage Angst“ - und gleichzeitig auch ein mit jedem ins Land ziehenden Jahr zum immer prägnanter werdenden Loblied auf den ewigen Jungbrunnen  Rockmusik - immerhin war Cooper bei der Aufnahme des Songs schon 23.
Erwachsenwerden das ist etwas für Spießer, davon sangen in fatalistischer Manier schon The Who in "My Generation". Doch Alter ist natürlich auch immer eine Frage der inneren Einstellung - und ist nicht eines der Urversprechen des Rock N´ Roll die immerwährende Adoleszenz (oder zumindest di Ausdehnung jugendlichen Hedonismus ins hohe Alter).

Anno 2023 ist Cooper 75 und selbst eine der besten Werbefiguren für ebenjene Verheißung. Im dritten Karrierefrühling ist er sowohl solo als auch mit den Hollywood Vampires vielbeschäftigt, Album reiht sich an Album, Tour folgt auf Tour - die Kunstfigur Cooper ist ohnehin alterslos und Furnier steht seinem Alter Ego in Sachen Virilität und Schaffensdrang in nichts nach. Davon zeugt auch sein neuestes Studiowerk "Road", vermutlich nach der letzten verlässlichen Einnahmequelle vieler Musiker benannt. 13 Songs - einer davon bezeichnenderweise ein Who Cover ("Magic Bus")-sind es geworden.
Die Überraschungen halten sich dabei in Grenzen bzw. sind nicht existent. Bob Ezrin nahm wieder am Produzentenstuhl Platz, man merkt dies vor allem an den teils an frühe Cooper-Tage erinnernden Garage Rock-Klängen, die so schroff daher kommen wie die Sounds der Straßen der Motor City Detroit, die einst der Nährboden für den „Schock Rock“ des ewig 18-Jährigen war.

Erfrischend ist, wie wenig zeitgeistig sich Cooper und seine Stammband hier geben, „Road“ bietet kompromisslos krachenden Rock, der sowohl die Grusel- (Alice der sich und seinen Fans versichert noch immer der „Master of Madness“ zu sein) als auch die hormonelle Schiene bedient("Big Boots" über eine Kellnerin deren faszinierendes Schuhwerk einen Gast fasziniert). All das wird energisch dargeboten und hat seinen eigenen Appeal, ist jedoch auch reichlich derivativ. So ist „Road“ zwar mehr als solide, aber keinesfalls ein großes Album-dafür fehlen die Hymnen oder das Hit-Gespür eines Desmond Child ( der das Achtziger-Comeback-Album „Trash“ produzierte). 

"Road" erscheint in mehreren Formaten, darunter als Vinyl+DVD, die das atmosphärische Cover mit Alice als "Hitcher-Der Highway Killer" besonders gut zur Geltung bringt, als auch als CD+DVD im Digipak. Beide Versionen erweitern das Studioalbum um einen Livemitschnitt des 2022er Hellfest-Gastspiels der Cooper-Band.

Credit Coverbild: © Jenny Risher

Donnerstag, 21. September 2023

STATUS QUO - Official Archive Series Vol. 1 - Live In Amsterdam 2010

Plattencover, Roadcase Status Quo
Credit Coverbild: © earMusic Edel 
Während das Archiv für Politiker die Rache des Journalisten repräsentiert, ist es für Musiker weitaus positiver konnotiert. Zumindest für jene Legenden mit dementsprechend weit zurückreichendem Backkatalog und daher gut gefüllten Lagerbeständen.
Zu jenem erlauchten Kreis zählen auch die  Boogie Rocker von Status Quo. Diese veröffentlichen mit „Live in Amsterdam“ einen 2 CDs bzw. 3 LPs umfassenden Konzertmitschnitt, der - die Vol. 1 im Titel verrät es schon - als Auftakt für eine groß angelegte Archiv-Reihe fungiert.

Bei solchen Projekten mag man zunächst reflexartig an Vintage Gigs aus den Seventies denken, doch der erste Eintrag dieser Reihe präsentiert einen Gig in der Heineken Hall in der niederländischen Hauptstadt vom 19.Oktober 2010.  Im Rahmen der „Pictures Exposed World Tour" präsentierten Quo einen mit zahlreichen Klassikern gespickten Abend, der wenn es nach der Audiospur des Publikums geht, frenetisch bejubelt wurde. Was durchaus verständlich ist, denn Francis Rossi und damals noch Rick Parfitt ließen es in den Grachten ordentlich krachen, so wie das bei einem Quo-Konzert eben so ist. 

Der hier präsentierte Gig hat zwar keinen klassischen Seltenheitswert (gut, das Jahr 2010 ist schon eine Weile her, aber immerhin gibt es von der "Pictures"-Tour bereits einen Live-Mitschnitt aus Montreux), aber der gute Sound, die Spielfreude sowie eine richtig gute Setlist machen diesen Gig aus Amsterdam für Fans dennoch interessant.

Credit Bild: © Christie Goodwin 


Sonntag, 10. September 2023

BRASILIANISCHE GEGENSÄTZE: BEATRIZ MILHAZES WERKSCHAU + SIGNIERSTUNDE

 

Einladung Taschen Verlag Brasilianische Künstlerin Beatriz Milhazes
Credit Bild:© Taschen Verlag
Tropische Klischees und harte Realität,Tradition und Fortschritt, Retro und Futuristik, Naturverbundenheit und durch die Politik befeuerte Umweltprobleme, extreme soziale Herausforderungen und dennoch scheinbar nie endende Lebensfreude - krasse Gegensätze liegen in Brasilien teils allzu dicht nebeneinander. Ein Umstand der sich auch in den abstrakten Werken einer der prominentesten Vertreterinnen der brasilianischen Kunstszene, Beatriz Milhazes, widerspiegelt.
In ihren  Werken verschmilzt sie sowohl südamerikanische als auch europäische Einflüsse und wirft beeinflusst von den Traditionen und Symbolen ihres Heimatlandes als auch von modernistischen Meistern wie etwa Henri Matisse oder Op-Art Star Bridget Riley einen ungewöhnlichen Blick auf ihr Heimatland.

Für ihre knalligen Bilder entwickelte die Künstlerin Ende Ende der Achtziger eine besondere Technik, bei der sie ihre Motive au Plastikfolien malt, diese  dann auf eine Leinwand klebt und nach dem Trocknen die Folie abzieht. Eine ausgeklügelte Methode, die es Milhazes ermöglicht Oberflächen übereinanderzuschichten  - versteckte und doch offensichtliche  Layers, welche die Widersprüche Brasiliens verdeutlichen.
So offenbaren die grafisch ausgeklügelten Farbexplosionen Milhazes´ bei näherer Betrachtung eine ungeahnte Doppelbödigkeit, ein künstlerischer Kommentar zu einem oft klischeehaft dargestellten Paradies. Erneut drängen sich Assoziationen zu einem anderen großen europäischen Meister auf, denn wie in den Werken Paul Gauguins zeigt sich auch bei Milhazes ein Paradise Lost. 

Event-Hinweis: Am Donnerstag, den 14.September wird Milhazes persönlich im Berliner Flagshipstore des Taschen Verlags (Schlüterstraße 39, 10629, Berlin) anwesend sein und ab 18  Uhr  ihre aktualisierte Werkschau im Coffee Table-Format signieren.
Der Band zeichnet anhand von über 300 Werkabbildungen den Werdegang der Künstlerin von den Anfängen bis inklusive 2020 nach. 

Credit Coverbild: © Taschen Verlag
Beatriz Milhazes-Hardcover, 25 x 33.4 cm, 3.83 kg, 528 Seiten erschienen im Taschen Verlag

Credit Bild: © Taschen Verlag

Sonntag, 20. August 2023

TASCHEN SALE Sommer 2023

Einladung Taschen Sale Bücher
©Taschen Verlag
Etwas später als es Coffee Table- und Kunstbuch-Fans sonst gewohnt sind findet der traditionelle Sommerabverkauf des Taschen Verlags auch heuer wieder statt. So gibt es den Sale zwar diesmal in einem anderen Monat, doch an der Tradition der teils drastisch reduzierten Preise hat sich nichts geändert.

So gibt es in den beiden deutschen Flagshipstores in Berlin und Köln sowie im Web auch jetzt wieder bis zu - 75 % Rabatt auf Display- und Mängel- Exemplare dieser aufwendigen Bildbände mit bleibendem (bzw. sich steigerndem) Wert und stets hohem Sammel-Faktor.

Wer angesichts der derzeitigen Temperaturen also beispielsweise einen dekadenten Sommer in Gesellschaft eisiger Amazonen in der schattigen Welt Helmut Newtons verbringen möchte oder die Kühle der bibliophilen "Kunstgalerie"  bei alten und neuen Meistern der Art-Welt vorzieht, sollte sich folgende Daten rot im Kalender anstreichen.
Am ersten Tag des Sales wird es im Berliner Store überdies ein spezielles Preview sowie Drinks geben.

 Mittwoch 30.08. bis Samstag 02. 09.
in den Flagship-Stores 
Taschen Store Berlin (Schlüterstraße 39)
Taschen Store Köln (Neumarkt 3)

Online Donnerstag 31.08.bis Sonntag 03.09.
www.taschen.com
©Taschen Verlag


Taschen Bookstore Köln
On Display: ein Blick in den Flagship Store in Köln
©Taschen Verlag

Samstag, 22. Juli 2023

108 ROCKSTAR GUITARS

Cover 108 Rocktstar Guitar Book
Credit Coverbild: © Lisa S. Johnson Rowman & Littlefeild Publishers / Hal Leonard
Die Formen attraktiver Instrumente, die an die Kurven einer Frau erinnern; Bendings, die wie die Stimme einer Opernsängerin klingen und die vollkommene Hingabe während die Finger über das Griffbrett gleiten: Gitarre spielen ist eine durch und durch sinnliche  Erfahrung, das können unzählige Musiker fraglos bestätigen - und so sieht es auch die US-Fotografin Lisa S. Johnson, die der Erotik der Gitarre mit einem innovativen Projekt ein Denkmal gesetzt hat.

17 Jahre dauerte es bis "108 Rockstar Guitars" fertiggestellt war - ein echtes Mammutprojekt, bei dem man allerdings auch das damit verbundene Herzblut merkt. Denn Johnson überließ nichts dem Zufall, vom zahlenmystischen Titel über die detailverliebte Gestaltung bis zum Arrangieren der Gitarren. Der Anspruch war hier nicht einfach einen weiteren Coffee Table-Bildband zu kreieren und das ist mehr als geglückt. Denn dieses Buch ist mehr als nur ein Bildband, es ist ein bibliophiles Kunstwerk: Roter Einband mit Prägedruck, goldumrandete Hochglanzseiten, stylishes Design. Nicht umsonst wurde dieses extrem schöne und extrem aufwendig gestaltete Buch mit dem Silver Graphis Award for Design ausgezeichnet.

Mit dem Auge einer Künstlerin portraitiert Johnson in  ästhetischen Bildern Instrumente von Stars wie Eric Clapton, den Stones, Brian Setzer, Brian May, Joe Bonamassa oder Rick Nielsen. Johnson begreift die Gitarren selbst nicht bloß als Objekte sondern als Kunstwerke, die so wie Exponate in Museen oft eine eigene Patina haben und dadurch wiederum eine Geschichte erzählen. 

Die Instrumente werden in Szene gesetzt als wären sie Models, die Kamera wandert  - teils im Close-Up - über ihre Korpusse. Bei all der auf jeder Seite gezeigten Liebe zum Detail fällt jedoch auf, dass es neben den Bildern wenig tiefergehende Infos über die einzelnen Instrumente gibt. Da sich dieser Band aber ohnehin vorwiegend an Experten und Aficionados richtet, die viele Fakten ohnehin schon kennen dürften, fällt das in diesem Fall nicht wirklich ins Gewicht.

"108 Rockstar Guitars" ist die perfekte Verbindung von Fotografie- und Gitarrenkunst: Guitar Art sozusagen  - Ein Buch für den Connaisseur und eine Hommage an einzigartige Instrumente und an den Rock und Blues selbst. 

Ein Teil der Erlöse dieses Buchs geht an die Les Paul Foundation

108 Rockstar Guitars von Lisa S. Johnson, erschienen bei Rowman & Littlefield Publishers / Hal Leonard

MICHAEL PUTLAND - MUSIKIKONEN: Von ABBA bis The Who

Cher, John Lennon, Bob Marley, Angus Young, AC/DC Tina Turner Van Morrison Rockstars Book Cover von Michael Putland
Credit Coverbild: © Delius Klasing Verlag
Über den britischen Fotografen Michael Putland (1974-2019) gibt es die Anekdote, dass er dermaßen vielbeschäftigt war, dass er in den Siebzigern keinen Tag frei hatte. Blättert man durch den neuen Retrospektiv-Band "Musikikonen", der eine extensive Werkschau seiner Arbeiten im "coffee table"-Format präsentiert, wundert einen dies überhaupt nicht.  

Der gewichtige Band liefert exakt, was der  geradezu programmatisch anmutende Titel verspricht und das sogar nicht nur von A(bba) bis W(ho) sondern sogar bis Z(appa). Seite um Seite gewinnt man den Eindruck dass Putland nicht nur ein "Rock N´ Roll Photographer" war sondern geradezu ein Zelig, der von der "Beat"-Zeit der Sixties bis zum Post-Punk vorne mit dabei war. Eine seiner  größten Stärken war dabei immer seine Vielseitigkeit: Putland zeigte sich in seinen Arbeiten einerseits als Meister des intimen, stillen Portraits als auch als Mann, der wohl einige spektakulärsten Live-Shots ever aufnahm. 
Diese Dichotomie zwischen dem Zurückgenommenen und dem Ikonisch-Überhöhten zieht sich dann auch quer durch dieses Buch. Der Betrachter wird auf der einen Seite Zeuge eines Moments, der nur einem prominenten Liebespaar gehört (ein unglaublich romantisches und zugleich lässiges Kussbild von Ringo Starr und seiner Ehefrau Barbara  Bach) hin zu einem Moment der Tausenden gehört (Tina Turner explosiv live on stage).  

Wie im zuvor erschienenen  "Stones By Putland"-Band  äußerst sich der Fotograf in ausführlichen, anekdotischen Begleittexten zu den Bildern und lässt dabei auch seine eigene jahrzehntelange Karriere Revue passieren - und das in einem faszinierenden Bildband, der erneut verdeutlicht, wieso er der ersten Riege der  R N´ R-Forografen gehörte.

Michael Putland - Musikikonen, erschienen im Delius Klasing-Verlag

Donnerstag, 20. Juli 2023

NOTHING BUT THE BLUES: The Music and the Musicians

Blues Musician Historical Photography
Credit Bild: © Edition Olms
Der Blues, dieser ebenso archaische wie zeitlose musikalische Ausdruck der "human condition" in all ihren Facetten von Freud bis Leid, durchlief in seiner langen und wechselvollen Geschichte unzählige Metamorphosen. Von den Baumwollfeldern und ruralen Gegenden des Südens (wo er bis zu seiner "Entdeckung" durch Leute wie W.C. Handy, der ihn dereinst als die seltsamste Musik, die er bis dahin je vernommen hatte, beschrieb, eher im Verborgenen gedieh) auf die großen Bühnen dieser Welt. 
Dieser immensen Vielschichtigkeit des Genres versuchen Lawrence Cohn und eine Riege von Mitautoren (darunter  „Living Blues“-Magazin-Journalistin und Samuel Charters, der selbst eine ganz frühe Blues-Chronik geschrieben hat) in dem den Neunzigern erstveröffentlichten und nun neu aufgelegten Band  „Nothing But The Blues“ gerecht zu werden.

Cohn war ehemals Vize-Präsident von CBS/Epic Records, Mitbegründer des Labels Legacy Recordings bei Sony Music und Produzent der Serie "Roots ’N’ Blues". Er erhielt acht Grammy Award Nominierungen und gewann diesen höchsten Preis der amerikanischen Musikindustrie im Jahr 1991 für das "Best Historical Album"für sein Projekt „Robert Johnson : The Complete Recordings“. Nach dem Vorwort von niemand Geringerem als B.B. King geht es auf eine Reise tief zu den Wurzeln dieser „Roots“-Musik. Cohns "Nothing But the Blues" ist dabei sowohl Würdigung dieses Genres duch Liebhaber dieser Musik als auch Geschichtsband und Chronik. Ein Werk, dass sowohl in seiner immensen Dichte an geflissentlich zusammengetragenen Infos als auch durch seine Ernsthaftigkeit einen geradezu wissenschaftlichen Anspruch hat.

Wie erwähnt erschien der Band bereits vor mehreren Jahrzehnten. Dieses Alter merkt man dem  Buch auch an. Einerseits ist seine Aufmachung und der Schreibstil eher nüchtern. Andererseits wirkt auch die Sichtweise auf den Blues allzu puristisch. Allgemein anerkannte wesentliche Wendepunkte, Erweiterungen und Strömungen des Blues und seine Protagonisten (vom Rock N' Roll der Fifties über den Blues Boom der Sixties hin zum Revival der Eighties) werden nur en passant gestreift, man könnte geradezu sagen: vermieden. Eine tiefergehende Auseinandersetzung mit der Rolle Elvis Presleys, Eric Claptons oder Stevie Ray Vaughan bleibt so aus. Blues-Erneuerer Jimi Hendrix wird beinahe argwöhnisch betrachtet. Diese Herangehensweise ist zu selektiv und dogmatisch. Dem Totalphänomen „Blues“ als Urgrund der Populärmusik des 20. Jahrhunderts wird das nicht wirklich gerecht.   

Aufgrund der vielen überaus raren Fotografien und detailreichen Ansichten über den traditionellen Blues ist dieses Buch dennoch eine interessante Lektüre und Recherche-Ressource für den Genre-Enthusiasten.

Credit Bild: © Edition Olms

Credit Bild: © Edition Olms

Credit Bild: © Edition Olms

Credit Bild: © Edition Olms
Nothing But the Blues: The Music And The Musicians von Lawrence Cohn, erschienen bei Edition Olms

Mittwoch, 19. Juli 2023

INNENANSICHTEN DER BEATLEMANIA: Paul McCartney - 1964: Augen des Sturms

Paul McCartney  Fans Beatlemania Sixties
Credit Bild: © Paul McCartney 
Wie muss es sich anfühlen an der Schwelle zum Weltruhm zu stehen und Teil der Speerspitze eines kulturellen Phänomens zu sein? Und was muss das für ein Gefühl sein, wenn der nächste Anruf und das nächste Engagement Platz 1 der Charts und das Erreichen eines Millionenpublikums bedeuten können? Dass dies nicht immer nur einem atemlosen Rausch gleichen muss, sondern mitunter auch surreal ruhig anmuten kann - ganz so als befände man sich im Auge eines Sturms - davon zeugen die jüngst wieder entdeckten, bislang unveröffentlicht gebliebenen und nun in Paul McCartneys neuem Buch gesammelten Aufnahmen.

 McCartney zeigt darin vorwiegend Schwarz-Weiß-Bilder, die er Ende 1963 und Anfang 1964 mit seiner neu erstandenen Pentax SLR Kamera geschossen hat und die „first hand“-Impressionen aus jener  Zeit liefen, als die Beatlemania global wurde. In Lokalitäten zwischen Liverpool und Hamburg hatten die Pilzköpfe bereits für Furore gesorgt, Anfang 1964 stand die Band an der Spitze der englischen Charts, nun ging es um den Rest der Welt. Der Auftritt in der Ed Sullivan Show im selben Jahr läutete endgültig die British Invasion ein und sorgte dafür, dass zahllose Jugendliche, die vor den Fernsehgeräten Zeugen dieses geschichtsträchtigen Auftritts wurden, ihre Lebensplanung über den Haufen warfen. 1964 brachen die Dämme endgültig und die Beatlemania griff international vollends um sich: dies bedeutete tumultartige Szenen bei jedem Auftritt, Fans im ekstatischen Verzückungszustand, der im extremsten Fall Kollaps und Beinahe-Ausschreitungen nach sich zog - oder dafür sorgte, dass das gellende Geschrei der Fans Ringo Starrs Drums, die Vox-Verstärker und die Mikrofone übertönte. Nein, dieses Jahr war für den jungen Paul wahrlich kein Gewöhnliches.

Doch nicht nur für ihn - was auch den bewusst gewählten Plural im Titel erklärt, wie McCartney erläutert:Ich dachte an „Auge des Sturms“, im Singular, da die Beatles sich im Auge eines von ihnen selbst entfachten Sturms befanden, aber als wir uns die Bilder ansahen, dachte ich, das sind eher viele Augen als nur eins. Es gab da ja auch  nicht nur einen einzigen Moment, sondern unzählige Momente im Zentrum dieses Sturms. Außerdem finden sich auf den Bildern sehr viele Augen. Das war ein verrückter Sturm, ein  irrer Wirbelwind, den wir erlebten, als wir tourten und mehr oder weniger jeden Tag gearbeitet haben, und dabei Leuten begegnet sind, die uns fotografieren wollten. Im Zentrum dieses Sturms gab es also sehr viele Augen und Kameras.

 Das Buch ist so etwas wie ein Sequel zum 2021 veröffentlichten „Lyrics“-Band.  Schon damals blickt die 81-jährige Legende auf ihr Leben zurück, hier wählt sie nur einen kleineren Zeitrahmen. McCartney ist natürlich kein professionalere Fotograf, man sieht hier also nicht am Laufenden Band ikonische Fotografien wie bei einem Alfred Wertheimer oder Harry Benson. Manche Bilder sind etwas „out of focus“ oder fallen eher unter die Kategorie „Schnappschüsse“. Doch hat der Beatle fraglos ein Talent fürs Fotografieren. Einerseits zeigt sich McCartney, ähnlich wie in seinen Songtexten als ruhiger und genauer Beobachter - sowohl von Alltagssituationen als auch von vermeintlichen Nebensächlichkeiten. Andererseits offenbaren insbesondere die Aufnahmen von den begeisterten Fans,  Portraits seiner Bandkollegen und die sinnlichen Bilder seiner Langzeitfreundin Jane Asher ein gutes Auge sowie ein beeindruckendes Gespür für Bildkomposition.

Was die Zukunft bringen sollte und welche Art von Karriere noch vor ihm lag, konnte McCartney zum damaligen Zeitpunkt noch nicht wissen. Uns, den Betrachtern, offenbart er hier Innenansichten der Beatlemania , die zwar unaufgeregt wirken, in ihrer unbekümmerten Unschuld dennoch die kribbelnde Spannung, die damals in der Luft gelegen haben muss, erahnen lassen. Einem Foto-Tagebuch gleich werden wir Zeugen von „A In the Life“, eines Alltags der trotz manch banaler Momente alles andere als gewöhnlich war.

Paul McCartney Beatlemania Sixties
Credit Bild: © Paul McCartney 

Ringo Starr Beatlemania Sixties
Credit Bild: © Paul McCartney 

Paul McCartney  Fans Beatlemania Sixties
Credit Bild: © Paul McCartney 

George Harrison Pool Paul McCartney  Fans Beatlemania Sixties
Credit Bild: © Paul McCartney 

John Lennon George Harrison Young Book Paul McCartney  Fans Beatlemania Sixties
Credit Bild: © Paul McCartney 

Cover Paul McCartney  Fans Beatlemania Sixties
Credit Coverbild: © C.H. Beck
Paul McCartney- 1964:Augen des Sturms. Fotografien und Betrachtungen, erschienen im C.H. Beck Verlag

Sonntag, 16. Juli 2023

OSCARS - GLAMOUR AUF DEM ROTEN TEPPICH: Eine Fashiongeschichte der Academy-Awards

Credit Coverbild: © Prestel Verlag
Die Historie des unbestritten größten Filmpreises der Welt ist ebenso so lang wie facettenreich. Unterschiedlichen Kameraperspektiven gleich kann man sie unter völlig verschiedenen Blickwinkeln betrachten: die Oscar-Geschichte ist sowohl eine von bemerkenswerten Konstanten als auch von sich wandelnden Trends und Genre-Strömungen. Sie ist eine von Triumphen genauso wie von "Snubs", also jenen  Filmen und Künstlern, die unerklärlicherweise übergangen wurden. An den jeweiligen Verleihungsabenden wurden Weltkarrieren zementiert und andere verblassten kurz nachdem die Gravur in der Platte am Sockel der Oscar-Statue angebracht wurde. Auch haben die Oscars eine lange Tradition politsicher Statements, ebenso wie von Skandalen oder auch ganz einfach nur Schlagzielen machenden Dankesreden. 

Man kann sich ihnen jedoch noch von einer anderen völlig Seite her nähern: nämlich einer sartorialen, haben die Academy Awards doch auch alljährlich den vielleicht wichtigsten Red Carpet der Unterhaltungsindustrie. Im neuen Bildband "Oscars-Glamour auf dem roten Teppich" macht Modejournalistin, Stylistin und Designerin Dijanna Mulhearn genau dies und lenkt den Lichtkegel des Scheinwerfers auf zeitlose Styles und große Roben der Stars - sowie auf jene Kreationen die statt einem Goldjungen wohl eher einen Razzie, eine goldene Himbeere, verdient hätten.

Mulhearn spannt den Bogen von der 1. Verleihung 1929 bis zur 94. im Jahre 2022. Jedes Jahr wird von einem kurzen Text und einer reichhaltigen Auswahl an Bildern begleitet. Dabei wird schnell klar, dass dieses Buch viel mehr als nur ein Fashion-Band und modischer Streifzug durch vergangene Epochen ist. Mode spielt zwar eine Leading Role, doch hat man es hier auch mit einer Chronik sich wandelnder gesellschaftlicher Normen und Werte zu tun. Auch die zunehmende Kommerzialisierung des roten Teppichs als Teil der groß angelegten Marketingkampagnen der Modehäuser sowie das Aufkommen von Stylisten verdeutlichen diesen Zeitenwandel. 
Diese Reise durch fast 100 Jahren ist auch ein Wiedersehen mit noch lebenden und verstorbenen  Legenden und Ikonen der Leinwand, großen und weniger großen Schauspiel-Stars und auch beinahe vergessenen Gesichtern "Tinseltowns". 

Mode ist  immer schon ein nicht unwesentlicher Teil der Glamour-Metropole an der Westküste gewesen und Mulhearn zeigt in ihrer Glamour-Retrospektive, dass Zelluloid nicht der einzige Stoff ist, aus dem Träume in der Traumfabrik gemacht sein können.

OSCARS - GLAMOUR AUF DEM ROTEN TEPPICH: Eine Fashiongeschichte der Academy-Awards, erschienen im Prestel Verlag

Freitag, 14. Juli 2023

ENNIO MORRICONE - DER MAESTRO

Ennio Morricone Conducts
Credit Bild: © Plaion Pictures
Kein anderer zeitgenössischer Komponist vermochte es so gekonnt Emotionen zu vertonen, wie Ennio MorriconeIn seinem ungewöhnlichen Signature-Sound verschmolz er in progressiver Weise sowohl Elemente aus der E-Musik als auch der U-Musik. Typische Orchesterinstrumente trafen auf moderne elektrische Instrumente, die in der Klassik sonst überhaupt keine Rolle spielten. Selbst Geräusche und Laute konnten bei ihm zur Musik werden. Morricone prägte nachhaltig wie der historische amerikanische Western klang, setzte in Sachen Suspense, Dramatik bis Melancholie neue Maßstäbe in Sachen "Scoring" und hob Filmmusik so auf ein neues Level.  

In der bei den 78. Filmfestspielen von Venedig im Jahr 2021 erstmals vorgestellten und nun auf Blu ray veröffentlichten Doku mit dem passenden Titel „Der Maestro" wird nun der Lebensweg dieses Genies nachgezeichnet. Regie führte dabei kein klassischer Dokumentarfilmer sondern Giuseppe Tornatore, einer der prominentesten Gegenwarts-Filmemacher Italiens. Morricone und ihn verband eine fast vierzigjährige innige Freundschaft und Arbeitsbeziehung ( "Cinema Paradiso", oder "Der Zauber von Malèna"). 

156 epische Minuten nimmt sich Tornatore Zeit, die unterschiedlichen Stationen in der langen Karriere Morricone zu beleuchten und den legendären Komponisten, der kurz nach Fertigstellung verstarb, in  Interviews auf sein Lebenswerk zurückblicken. Dabei ist die Gestaltungsweise  recht zurückgenommen, gelegentlich werden einige interessante Einstellungen eingewoben, großteils folgt dieser Film jedoch den Konventionen der High Profile-Doku im Talking Heads-Format. Dies könnten jedoch nicht prominenter sein: Clint Eastwood, Quentin TarantinoDario Argento, Kris Kristofferson, James Hetfield, Hans Zimmer, Bernardo Bertolucci, Bruce Springsteen.... 

Ihnen allen ist die Faszination für den Maestro gemein. Hier wird erneut deutlich wie sehr Morricone Genre-Grenzen überwand. Während andere Dokumentationen oft etwa distanziert wirken, merkt man hier die persönliche Note Tornatores und sein Näheverhältnis zum Maestro. Wo sonst würde man derart detaillierte Einblicke in die  Wohnung Morricones bekommen oder den Komponisten beim Stretching in einer Arbeitspause sehen? 

Dass die Italowestern nicht das  Zentrum und Details dieser ikonischen Aufnahmen nicht den bestimmenden Hauptteil dieser Dokumentation darstellen hätte Morricone, der sich nie auf diese Soundtracks reduzieren lassen wollte, sicher gefallen - mag mitunter jedoch nicht deren historischer Bedeutung gerecht werden. Viele Fakten wird der Fan schon kennen, doch dass Kunststück Tornatores offenbart sich in den Details, den kleinen persönlichen Einblicken in Leben und Personality des Künstlers und der Beleuchtung weniger bekannter Filmmusik-Arbeiten oder Zusammenarbeiten (Chet Baker!). So ist dieses ruhige, teils intime Portrait nicht einfach nur eine Retrospektive sondern eine liebevolle Hommage auf den Ausnahme-Komponisten. 

Ennio Morricone Blu ray Cover Der Maestro
Credit Coverbild: © Plaion Pictures



Donnerstag, 13. Juli 2023

VOLKER HINZ - CARROUSEL

Karl Lagerfeld
Credit Bild:  © Copyright: BSB Bildarchiv Volker Hinz, Hartmann Books, 2023
Andy Warhol oder Bryan Ferry in der Front Row, beim Kostümball mit Kaiser Karl, Helmut Newton mit High Heels am Tisch, auf einer der legendären Yves Saint Laurent-Parties oder halbnackte Models kurz vor dem großen Catwalk-Moment: Wo anderen kein Zutritt gewährt wurde, war der deutsche Starfotograf Volker Hinz (1947–2019) im Auftrag des Stern mit seiner Hasselblad dabei. Im neuen Bildband "Carrousel", dem Mittelteil einer von Hinz' Witwe Henriette Väth-Hinz herausgegebenen retrospektivischen Buch-Trilogie über das umfangreiche Werk ihres Mannes, sieht man nun eine Auswahl dieser beeindruckenden Aufnahmen einer vergangenen Fashion-Ära. Die hier gezeigten Bilder hatte der Fotokünstler noch selbst für eine Ausstellung im Jahr 2015 selektiert.

Mit der ihm eigenen "hinzigen" effektvoll-dynamischen Bildsprache zwischen Kunst- und Reportage-Fotografie lichtete er ein veritables Who is Who der Branche ab und blickte hinter die Kulissen dieser glamourösen Parallelwelt zwischen überirdischer Schönheit, sartorialen Extravaganzen und  allgegenwärtiger Dekadenz. Hinz hatte einen Radar für die kleinen, jedoch besonderen Momente. Augenblicke, die im Trubel leicht untergehen konnten, die jedoch mitunter viel über die Ausübenden der High Glamour-Industry aussagen. Er sah das Altman-eske und Fellini-eske im titelgebenden Mode-Karussell, das niemals still steht. Nicht nur einmal wird man beim Betrachten der Bilder an "La Dolce Vita" und „Prêt-à-porter" erinnert. Hinz blickte dorthin wo etwa aktuelle Fashion-Backstage-Fotografen ihren Blick abwenden. 
Gerade die Momente vor der am Laufsteg gezeigten Perfektion sind es, die ihn interessieren. Da Hinz die Modeszene über mehrere Jahrzehnte dokumentierte sieht man hier auch die Transformation der Branche: was sich im Siegeszug der Ready To Wear-Kollektionen zeigt oder auch im Aufkommen der damals jungen Grade von  John Galliano bis Jean-Paul Gaultier.
Hinz folgte stets dem Credo „Der Fotograf darf nicht langweilen. Langweilige Bilder gibt es genug.“ Für diesen Ansatz, sind die in "Carrousel" gezeigten Aufnahmen absolute Paradebeispiele, zeigen sie doch die Modeszene sowohl "ungeschminkt" als auch in all ihrer endlos faszinierenden Pracht.  

 Ein exklusiver Blick ins Buch:

Credit Bild:  © Copyright: BSB Bildarchiv Volker Hinz, Hartmann Books, 2023

Credit Bild:  © Copyright: BSB Bildarchiv Volker Hinz, Hartmann Books, 2023

Credit Bild:  © Copyright: BSB Bildarchiv Volker Hinz, Hartmann Books, 2023

Credit Bild:  © Copyright: BSB Bildarchiv Volker Hinz, Hartmann Books, 2023

Credit Bild:  © Copyright: BSB Bildarchiv Volker Hinz, Hartmann Books, 2023

Credit Coverbild:  © Copyright: Hartmann Books BSB Bildarchiv Volker Hinz, Hartmann Books, 2023

Volker Hinz - Carrousell , von Henriette Väth-Hinz Hrsg.:, erschienen bei Hartmann Books

Dienstag, 11. Juli 2023

JIMI: OFFICIAL 80th BIRTHDAY EDITION

Credit Coverbild: © Chronicle Chroma/Abrams & Chronicle
Am 27. November ´22 wäre James Marshall "Jimi" Hendrix 80 Jahre alt geworden. Anlässlich dieses großen Anniversaries ist mit "Jimi" ein neuer Prachtband erschienen, in dem seine Schwester Janie und John McDermott von der Experience Hendrix L.L.C das Leben und einflussreiche Schaffen dieser Legende beleuchten. 

Trotz seines frühen Todes mit nur 27 Jahren hinterließ Hendrix ein Werk, das so dermaßen komplex und vielfältig war, dass es von Gitarristen aller Welt bis heute regelrecht studiert wird - bzwm werden muss, will man sich diesen so expressionistischen wie impressionistischen Klanggebilden nähern. Was Hendrix im Studio, dass er als eigenes Instrument begriff und auf der Bühne, bei der er seine Gitarren- und Amp-Opferungen schamanisch anmuteteb-  war damals revolutionär und ist es noch.

Dieses neue offizielle "commemorative " Release im Coffe Table-Format versucht nun sowohl dem Phänomen als auch dem Menschen Hendrix gerecht zu werden - was auch gelingt, wird der legendäre Musiker hier doch überaus detailreich portraitiert und sowohl seine Eigen-und Fremdsicht beleuchtet. Die Autoren wollen dieses Buch als "visual celebration" verstanden wissen: Text- und Bildcontent  sind hier nahezu gleich gewichtet. Es gibt schon viele Bücher über die Ausnahmeerscheinung Hendrix, dieses zählt mit seinem konsequenten Sixties-Styling (knallige Farben und immer wieder ein Retro-Schriftfont, der an Vintage-Plakate gemahnt)  jedoch fraglos zu den schönsten Releases
Die informativen Texte, bekannte sowie bislang ungesehenen Aufnahmen, Memorabilia, handgeschriebene Lyrics und Zitate von Hendrix selbst zeichnen den Lebensweg dieser Ikone nach, O-Töne legendärer Zeitgenossen wie Paul McCartney, Keith Richards, Ronnie Wood sowie von jüngeren Artists wie Rapper Drake verdeutlichen wiederum den  generationenübergreifenden Appeal des Musikers aus Seattle. 

Diese wunderbare bibliophile Würdigung eines der ganz  großen Gamechanger ist auch für Leute mit gut gefüllter Hendrix-Bibliothek ein echtes Highlight.

Ein Blick ins Buch -  Jimi throughout the years:

All-American Boy: Jimi im Football-Outfit zuhause in Seattle , circa 1956, Washington.        Credit Bild: ©: Photo from JIMI by Janie Hendrix and John Mc Dermott. Published by Chronicle Chroma. Courtesy James "Al" Hendrix Collection / © Authentic Hendrix, LLC


Jimi vor seinem Haus - mit Danelectro-Gitarre, ca. August 1960
Credit Bild: ©: Photo from JIMI by Janie Hendrix and John Mc Dermott. Published by Chronicle Chroma. Courtesy James "Al" Hendrix Collection / © Authentic Hendrix, LLC

Jimi in Nottingham, England, 20.April 1967
Credit Bild: ©: Photo from JIMI by Janie Hendrix and John Mc Dermott. Published by Chronicle Chroma. Courtesy James "Al" Hendrix Collection / © Authentic Hendrix, LLC

Jimi mit der späteren Autorin dieses Buchs, seiner Schwester Jnaie, backstage in der Seattle Center Arena, Seattle, WA, February 12, 1968
Credit Bild: ©
: Photo from JIMI by Janie Hendrix and John Mc Dermott. Published by Chronicle Chroma. Ulvis Alberts / MoPOP / Authentic Hendrix, LLC

In der Royal Albert Hall, 18. Februar 1969
Credit Bild: ©: Photo from JIMI by Janie Hendrix and John Mc Dermott. Published by Chronicle Chroma. Graham F. Page / MoPOP / Authentic Hendrix, LLC

1969;: Woodstock Festival
Credit Bild: ©: Photo from JIMI by Janie Hendrix and John Mc Dermott. Published by Chronicle Chroma. Allan Koss © Authentic Hendrix, LLC
JIMI: Official 80th Birthday Edition von Janie Hendrix und John McDermott, erschienen bei Chronicle Chroma/Abrams & Chronicle