Mittwoch, 24. März 2021

TIME IS ON THEIR SIDE: Neuauflage der ROLLING STONES Band-Chronik

Credit Coverbild: © Taschen Verlag

Am 12. Juli des Jahres 1962 fand sich eine Gruppe junger britischer Musiker, die später zu Megastars aufsteigen sollten, zum damaligen Zeitpunkt jedoch noch ganz am Anfang ihrer Karriere standen, in der Londoner Oxford Street ein, um ihren ersten Auftritt hinzulegen. Die Venue: der legendäre Marquee Club, die Band: The Rolling Stones. Dass dies der Startschuss für eine unglaubliche Karriere werden sollte, konnte damals noch keiner wissen. Was folgte war eine Reihe  beeindruckender Mark-Steine einer mittlerweile bald 6 Jahrzehnte andauernden Erfolgsgeschichte: zur Ikone gewordene Musiker,  die dienstälteste Rock N´ Roll-Band der Welt, Klassikeralben, Riffs für die Ewigkeit, ein in die Popkultur eingegangenes Logo…

Passend zum 58. Jubiläum der Stones ist im Taschen Verlag ein Bildband erschienen, der diese lange Karriere eindrucksvoll Revue passieren lässt. Fans wissen: dieses von Reuel Golden herausgegebene und in Zusammenarbeit mit den Stones entstandene Buch ist nicht gänzlich neu, die Originalausgabe erschien  2015. Schon damals handelte es sich nicht um die erste offizielle Stones-Rückschau in Buchform – es war jedoch mit Sicherheit die Umfangreichste. Nicht nur aufgrund der schieren Mammut-Ausmaße war dieser Band für den stabilen coffee table das Nonplusultra in Sachen Stones – sondern auch aufgrund seiner luxuriösen Aufmachung mit einem Einband in lila Reptil-Prägung. Die neue, aktualisierte Version verzichtet darauf und ist insgesamt etwas zurückgenommener, um nicht zu sagen „stripped“.

Am Inhalt selbst hat sich jedoch nicht viel geändert. Noch immer ist dieser Band eine extensive Retrospektive, die wie eine Greatest Hits-Compilation eine Auswahl der besten Aufnahmen von Jagger, Richards, Jones, Watts, Taylor und Wood versammelt. Die Stones waren ja immer auch Kunstobjekt, von der Fotogenität der Band selbst über das ikonische Lippen-und Zungen-Logo hin zu Plattencovern wie dem kultigen „Sticky Fingers“ von 1971. Die Namen hinter der Kamera lesen sich dann auch wie ein Who Is Who der internationalen Fotografen-Szene: Bailey, Newton, Corbijn, Ritts, Richardson oder Leibovitz.

Credit Bild: © Taschen Verlag

Credit Bild: © Taschen Verlag

Credit Bild: © Taschen Verlag
Der Hauptteil des Buches ist in drei, jeweils nach Song-Klassikern benannte Akte unterteilt, welche die ganze Schaffensperiode der Stones vom Beginn bis in die Gegenwart nachzeichnen. Dadurch entsteht quasi eine Biographie in Bildern. Die chronologische Reise durch die Jahrzehnte zeigt zudem im Zeitraffer die „changing times“, gesellschaftliche Umbrüche (etwa das gewaltsame Ende des Flower Power-Dreams ua. symbolisiert durch die Altamont-Tragödie) und die Veränderung der Band.

Akt 1 „Time Is On My Side“ beleuchtet die Jahre 1962 - 1969. Es ist die Brian Jones-Zeit, die nicht nur auf dem Cover hervorgehoben wird, sondern der im Band selbst auch besonders viel Platz eingeräumt wird. Akt 2 „Wild Horses“ setzt nach dem tragischen Tode Jones´ ein und beleuchtet die Phase von 1969 - 1978. Dieser Teil fällt ein bisschen kürzer als das vorherige Kapitel aus und auch Ausnahmegitarrist Mick Taylor kommt verhältnismäßig selten vor.  Akt 3 „Mixed Emotions“ fokussiert schließlich auf die lange Zeitspanne von 1978  bis in die Jetztzeit. Einen Einblick in die Sessions zu „Blue & Lonesome“, dem genialen 26. Studioalbum aus dem Jahre 2016, erhält man jedoch leider nicht.

Insgesamt ist diese Neuauflage weniger Kunstobjekt als vielmehr „normaler“ Bildband. Die Dichte an großartigen Aufnahmen macht das Buch jedoch trotzdem zu einer essenziellen Ergänzung der eigenen Stones-Bibliothek - zumal die Erstauflage, abgesehen von einigen Art Editions, schon lange vergriffen ist.  

The Rolling Stones. Aktualisierte Ausgabe 
Reuel Golden
Hardcover mit Ausklappseiten, 30 x 30 cm, 3,78 kg, 466 Seiten

BLACKMORE´S NIGHT - NATURE´S LIGHT

Credit Coverbild: © earMusic

Nach den weihnachtlichen Grüßen mit der X-MAS-EP „Here We Come A-Caroling“, die man als Appetizer zum neuen Full Length-Album verstehen konnte, kommt mit „Nature´s Light“ nun ein Frühlingsbote aus Blackmore Castle. v

War die Vorgänger-Scheibe noch eine teils allzu gediegene, meditative Angelegenheit hält mit dem neuen Album etwas mehr Schwung Einzug -  und auch Ritchie  Blackmores  verzerrte E-Gitarre feiert ein Comeback, wenn auch sehr understated. Denn die „No Hard Rock“-Policy wird auch auf dem 10. Blackmore´s Night Opus hochgehalten und stattdessen die Medieval und Renaissance-Musik -  der Vorläufer einer wesentlichen Folk-Spielart aus der Frühphase des Sixties-Rock - zelebriert. Das Rezept ist bekannt – Ritchie Blackmore liefert als Multi-Instrumentalist mit einer Minstrel-Band den Backdrop für die ätherische Stimme seiner Frau Candice Knight. Dabei wird in gekonnter Weise eine längst vergangene Zeit evoziert. Die stimmungsvollen Arrangements, dominiert von Mandoline, Drehleier, Nyckelharpa und Gitarre, liefern den idealen Soundtrack für das nächste Mittelalter-Event oder „Outlander“-Fantreffen, wann auch immer dieses stattfinden mag. Was nicht von ungefähr kommt: Denn Ritchie Blackmore zufolge ist bspw. das titelgebende Lied unter anderem der einzigartigen Magie von Mittelaltermärkten gewidmet. Für mich repräsentiert der Song die Menschen auf dem Weg zum Jahrmarkt, zur damaligen Zeit etwas sehr Zeremonielles, bei dem auch der König und die Königin anwesend sein würden. Es musste ein bombastisch-feierlicher Festumzug sein; eine majestätische Ankündigung, dass die königliche Familie in die Stadt kommen wird.“

Faktum ist, dass derzeit niemand dieses Subgenre in so guter Form bedient wie Blackmore und seine Gattin.  Wahr ist aber auch, dass auch dieses neue Werk bei aller Kunstfertigkeit nicht an die Intensität früherer Purple-Zeiten - selbst in den stillen Momenten - anknüpfen kann.

ROCK CLASSICS - JUDAS PRIEST

Credit Coverbild: © SlamZine 
Nach dem Special zu Motörhead geht es bei den Rock Classics heavy weiter – denn die neueste Ausgabe widmet sich den Metal Gods aus Birmingham, Judas Priest.

Das Cover ist ganz im Design des 82er-Klassikers „Screaming For Vengeance“ gehalten – im Zentrum prangt jedoch ein Bild der aktuellen Besetzung mit Gitarrist Richie Faulkner. Dementsprechend karriereumspannend ist auch diese Hochglanz-Retrospektive ausgefallen. Selbst die oft vergessene Pre-„Rocka Rolla“-Zeit, also die ganz frühe Phase vor dem Debut – wird hier beleuchtet. Wie man das von dieser Sonderheftreihe gewohnt ist, bekommt der Leser auch hier wieder einen Crash-Kurs in Sachen Priest mit der Backstory zur kompletten Diskografie, Bios der Bandmembers, ein Interview mit Glenn Tipton sowie den Überblick über so gut wie alle erhältlichen Sammlerstücke und Fanartikel.

Somit ist auch die  mittlerweile 31. Ausgabe der Rock Classics ein ebenso gelungenes wie empfehlenswertes Magazin.

Dienstag, 16. März 2021

JIMMY PAGE - THE ANTHOLOGY

Jimmy Page live auf der Bühne des Madison Square Garden 1977
Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019

Gitarren-Ikone, Effekt-Pionier, Archetypus des Rockstars, Produzent, Arrangeur, Studio-Musiker - es ist eine Vielzahl an Rollen, die James Patrick „Jimmy“ Page im Laufe seiner langen Karriere von der Zeit als Session-Man in der Frühzeit des britischen Sixties-Rock, als Yardbird oder als Zeremonienmeister von Led Zeppelin einnahm. In den letzten gut zwei Jahrzehnten kamen noch die Parts des Buch-Autors und des Verwalters seines eigenen Vermächtnisses hinzu (siehe etwa die Reissues seines Backkatalogs oder den Retrospektiv-Band zum 50. Zeppelin-Jubiläum). Auch im neuen Coffee Table-Buch „Jimmy Page - The Anthology“, erschienen beim englischen Verlag Genesis Publications, präsentiert sich die Rock-Legende als gewissenhafter Archivar des eigenen Lebens und Chronist seiner Vergangenheit.  

Dabei ist dieses Buch so ganz anders als die meisten Rockstar-Bücher. Es ist die chronologische Nacherzählung eines faszinierenden Lebens und zeichnet nach wie aus einem Chorknaben der Mann in der Dragon Suit wurde - ohne dabei die mittlerweile zum Standard geworden Künstlerbio zu sein. Vielmehr hat man es hier mit einer besonders interessanten Variante der Retrospektive zu tun - einer losen Biographie anhand von Gegenständen. Obwohl der Band auch voll von seltenen Jugendaufnahmen und Livebildern ist, ist diese Anthologie vor allem ein Streifzug durch Pages Karriere entlang ästhetischer Aufnahmen seiner berühmten Instrumente, sartorialen Extravaganzen, Session-Notizen und Memorabilia. Auch wenn dieser Prachtband keine herkömmliche „Tell All“-Story darstellt, offenbaren Pages detailreiche Begleittexte, die mit geballter Rock N´ Roll-Geschichte aufgeladenen Artefakte und die bis ins kleinste durchkomponierte Machart viel über die faszinierende Personality des Autors.

Eine Reihe von Double Necks
Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019

Die Number One Les Paul, kunstvoll drapiert auf dem The Song Remains The Same-Jacket
Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019

Das Madison Square Garden - Rig
Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019
Page öffnete für dieses Buchprojekt die Pforten zu seinem umfangreichen Archiv und seiner extensiven Collection und nimmt den Leser mit auf eine 400-seitige Tour durchs Privatmuseum einer Rock-Ikone. Er fungierte dabei nicht nur als Autor sondern auch als Art Director, arrangierte seine Instrumente für die Fotoshootings, wählte die richtige Beleuchtung aus und sorgte dafür, dass die „Gear Pics“  künstlerisch anspruchsvoll ausfielen. Hier wird nicht einfach eine Gitarre auf einen Ständer gestellt und der Auslöser gedrückt sondern die historischen Instrumente regelrecht zelebriert. Page wollte dabei auch Aufnahmen realisieren, die es in der gut 50-jährigen Tradition der Gitarren-Fotografie so noch nicht gab - ein gutes Beispiel ist die rote Doubleneck-Armada auf dem Bild oben. Bessere Gear Pictures hat man weder bei den Ads der amerikanischen Instrumentenhersteller noch in Gitarrenmagazinen gesehen.

Der Einblick der in „The Anthology“ gewährt ist auch deshalb so speziell, weil sich um Page nach wie vor zahlreiche Mythen ranken. Selbst die jahrzehntelange journalistische Aufarbeitung seiner Karriere hat nichts daran geändert , dass ihn noch immer die Aura des Geheimnisvollen umgibt. In der Peergroup der großen Rockstars gehört Page damit zu einem kleinen Zirkel  Auserwählter, der  universell respektiert ist, geradezu kultisch verehrt wird und deren Aufnahmen und Equipment bis heute lebhaft diskutiert werden.

Schon in der 2019er "Play It Loud "-Ausstellung im New Yorker Metropolitan Museum zeigte Page einige seiner Instrumente und aufwendigen Setups. In der Anthology geht er noch einen Schritt weiter und zeigt die „details behind the details“. Welcher Amp kam auf „Whole Lotta Love“ zum Einsatz ? Was sind die Unterschiede und wie ist das Spielgefühl der Number One und der Number Two Les Pauls ? Ihr wollt die Dragon- und die Poppy Suit „up close“ sehen ? Das „Stairway To Heaven“-Rig ebenso ? Alles da in der “Anthology“. Welche Saiten spielte er in den „early days“ bevor er in den USA die Ernie Ball Strings entdeckte? Und was genau war das für eine Superstrat zu Outrider“-Zeiten, seinem bislang letzten Soloalbum ? Auch diese Fragen und noch sehr viel mehr, werden in diesem faszinierenden Buch beantwortet. 

Dass dieser Einblick überhaupt möglich ist, liegt daran, dass Page genauestens (Tage-)Buch geführt  hat, so konnte er selbst Jahrzehnte  zurückliegende Sessions rekonstruieren. Zudem wusste er immer, was er an seinem erstklassigen Equipment hatte, und pflegte es dementsprechend gewissenhaft. Anders als bei einigen seiner Kollegen sind weder Amps, Gitarren, noch das notorisch heikle Echoplex Kollateralschäden des Rock N´ Roll geworden, verschwunden oder in den Händen reicher Privatsammler gelandet – sondern über all die Jahrzehnte in seinem Besitz gebelieben. 

Der Detailgrad dieses Buchs ist enorm, damit richtet es sich natürlich in erster Linie an die Zielgruppe der absoluten Hardcore-Zeppelin- und Page-Fans. Musiker und vor allem Gitarristen, die sich technisch auskennen, sind hier eindeutig im Vorteil. Die schiere  Dichte an Informationen und fachspezifischen Insights machen „The Anthology“ zu einer regelrechten Fundgrube für den Gitarre-Connaisseur und Gear Nerd. Doch auch ganz allgemein betrachtet hat man es hier mit einem der packendsten Bücher über Page und Zeppelin zu tun – in jedem Fall ist es das speziellste und detailreichste Werk bis dato. Und auch wenn die Songs die gleichen bleiben mögen, so ändert sich nach der Lektüre mitunter der Blickwinkel auf diese Klassiker.

Jimmy Page - The Anthology
Genesis Publications
400 Seiten, 250 mm x 310 mm
ISBN: 9781905662616
www.genesis-publications.com
Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019   Genesis Publications


Montag, 15. März 2021

JIMI HENDRIX - BURNING DESIRE: Feuerzeugbenzin und ein Streichholz

Credit Bild: © Ed Caraeff  ACC Art Publishing
Flamme vs. Stratocaster. Feuerzeugbenzin und ein Streichholz – mehr brauchte es nicht für einen der ganz großen Rock N' Roll-Momente zu schaffen.

Schon bevor der überirdische Gitarrenmagier James Marshall Hendrix seine Fender beim ersten großen Rock-Festival der Geschichte den Flammen übergab hatten Rockstars ihre Instrumente in Brand gesteckt. Der Killer Jerry Lee Lewis etwa entzündete schon mal sein Piano an und Pete Townshend donnerte seine Gitarre auf den Boden oder spießte gleich seinen Marshall Verstärkerturm auf. Doch was Hendrix da beim Monterey Festival machte kam einem semi-religiösen Akt gleich – eine Opferung, ein Ritual: "sacrifice what you love"...
In der Front Row von Monterey war damals auch ein 17-jähriger Fotograf der jene Momente festhielt und sich so alsbald in der illustren Riege der Rock N' Roll Photographer wiederfinden sollte. Hendrix auf den Knien wie er die Flammen geradezu beschwört - ein Bild für die Ewigkeit war geschaffen; es findet sich auch im Bildband "Burning Desire - Jimi Hendrix: The Jimi Hendrix Experience Through the Lens of Ed Caraeff(ACC Art Publishing) wieder in dem Caraeff eindrucksvolle Momentaufnahmen seiner Begegnungen mit der Jimi Hendrix Experience Revue passieren lässt. Der Clou , dieser großartige Band zeigt lauter unpublished photos aus dem Archiv des Fotografen. 

Folgende Gigs (1967-1969) der Band wurden fotografisch in beeindruckendem Detailgrad festgehalten:

Monterey International Pop Music Festival: June 18, 1967
Hollywood Bowl: August 18, 1967
Anaheim Convention Center: February 9, 1968
Ackerman Union Ballroom: February 13, 1968
Hollywood Bowl: September 14, 1968
Whiskey-A-Go-Go: October 1968
Newport '69: June 20-22, 1969
Credit Bild: © Ed Caraeff  ACC Art Publishing
Credit Bild: © Ed Caraeff  ACC Art Publishing

Samstag, 13. März 2021

JAMES DEAN: REBEL WITH A CAUSE

Credit Coverbild: © Bear Family

Am 8. Februar diesen Jahres wäre James Byron Dean 90 geworden.  Anlässlich dieses Anniversaries ist in der Memorial Series des Labels Bear Family ein CD-Tribute an den Film-Giganten erschienen. Eine CD?  Die Connection zur  Musik mag sich nicht jedem sofort erschließen,  in der Biographie Deans -  sowie in der posthumen Rezeption  -  findet sie sich jedoch sehr wohl, wenn auch teils eher indirekt.

Zum einen war Dean selbst großer Musikfan – gerade die dominierende Musik der Pre-Rock N´ Roll-Zeit, der Jazz, hatte es ihm angetan, legendär war zudem seine Freundschaft mit einem anderen „jungen Wilden“, Chet Baker. Und schließlich war Dean  -  als Ikone und Verkörperung des zu jung gegangen Heroen - auch immer wieder Thema von Songs. Die Bear Family-Compilation vereint nun eine Auswahl von insgesamt 28  teils bekannten, teils raren und teils erstmals auf Compact Disc veröffentlichten Aufnahmen: Man hört Dean im O-Ton beim Interview oder als Percussionist an den Congas (!) bei seltenen Aufnahmen mit Bob Romeo. Den Hauptteil machen jedoch Stücke der Scores zu den drei 
Am 8. Februar diesen Jahres wäre James Byron Dean 90 geworden. Mit nur drei Filmen – zwei davon nach seinem Unfalltod mit 24 Jahren veröffentlicht
 – wurde er zu einer der Ikonen von Tinseltown und zum ersten  früh verstorbenen Idol einer neuen Jugendgeneration. Anlässlich des Anniversaries ist in der Memorial Series des Labels Bear Family ein CD-Tribute an den Film-Giganten erschienen. Eine CD?  Die Connection zur  Musik mag sich nicht jedem sofort erschließen,  in der Biographie Deans -  sowie in der posthumen Rezeption  -  findet sie sich jedoch sehr wohl, wenn auch teils eher indirekt.

Dean Klassikern „Rebel Without A Cause“, „East Of Eden“ und „Giant“ sowie zum posthumen Dokumentarfilm ”The James Dean Story“ aus. Die Kompositionen  aus seiner „Klassiker-Trilogie“ zeigen vor allem ein Spannungsfeld im Ouvre Deans auf: Einerseits war Dean zusammen mit Marlon Brando einer der ersten Actors einer neuen Schule, seine Filme zeigten als eine der ersten vielschichtige jugendliche Charaktere mit all ihren Problemen und Ambivalenzen. Die Outfits Deans – gerade in „Rebel…“  mit weißem T-Shirt, roter Jacke, Jeans und Pompadour-Frisur machten ihn auch zu einer stilbildenden Figur für die Rock N´ Roll-Ära – doch die Filme und allen voran ihre Soundtracks waren weniger „Blackboard Jungle“ oder „Jailhouse Rock“ sondern mehr „Old School“ Hollywood.

 Jene Songs, welche die musikalische Auseinandersetzung mit der Popkultur-Legende Dean aufzeigen sollen zeigen zwar eine gewisse Bandbreite und spezialisieren sich auf obskurere Tracks – von den 50s mit den Four Tunes und ihrer „Ballad Of James Dean“ hin zu den 90s und Bonnie Tyler  - doch kratzen die paar Songs gerade mal an der Oberfläche dieser an sich spannenden Thematik. Dies führt dazu, dass die Zusammenstellung etwas beliebig wirkt – hier hätte man sich durchaus mehr gewünscht, zumal Dean ja auch in Song der jüngeren Vergangenheit Einzug in die Lyrics gehalten hat (Stichwort: Lana Del Rey). 

Da die Aufmachung der „Rebel With a Cause“-Zusammenstellung wie man das vom Label mit dem Bären gewohnt ist jedoch gut gelungen ist (schöner Digipak mit 36 seitigem Booklet) und die O-Töne und Songs durchaus Seltenheitswert haben, ist dieses Commerative-Release für den Dean-Sammler dennoch interessant.

Samstag, 27. Februar 2021

ALICE COOPER - DETROIT STORIES

Credit Coverbild: © earMusic Edel
Detroit City ist in Not, ruft Alice…Assoziationen, die sich zumindest beim Betrachten des Plattencovers des neuen Cooper-Albums aufdrängen, zumal dieses Opus auch eine Ode an die einstmals boomende Industriestadt und ihre glorreiche musikalische Vergangenheit darstellt. Die Stadt im Südosten Michigans – in den letzten Jahren eher Sinnbild für wirtschaftlichen Verfall im Zuge der Automobilkrise-  war einmal ein absolutes Epizentrum der amerikanischen Musikszene.

Hier heulten in den Sechziger- und Siebzigerjahren nicht nur die Motoren der Boliden aus den auf Hochtouren laufenden Fabriken – auch als musikalisches „Hotbed“ konnte sich die Motorcity neben NYC, LA oder den zahlreichen Musikhauptstädten im Süden behaupten -  von poliertem Motown-Soul über dreckigen (Garage-)Rock  hin zum Protopunk, von Mitch Ryder mit seinen Detroit Wheels,  MC 5, Iggy Pop und den Stooges, Ted Nugent, Bob Seger hin zur frühen  Alice Cooper-Band – sie alle waren Proponenten dessen, was als Detroit-Sound die lichten Höhen der Billboard-Charts und FM Radio-Playlists erklomm. Für Cooper waren die early 70s mit Alben wie „Love It To Death“, „Killer“, „School´s Out“ oder „Billion Dollar Babies“  eine der erfolgreichsten Zeiten, vielen gilt sie in kreativer Hinsicht auch als seine beste - und genau diesem Sound zollt der ewige Schockrocker mit „Detroit Stories“ Tribut. „Detroit war wirklich der Ort für Heavy Rock,” erklärt Cooper. „Im Eastown zum Beispiel konnte man an einem Abend Alice Cooper, Ted Nugent, The Stooges und The Who sehen, und das alles für 4$! Dann am nächsten Wochenende im Grande standen MC5, Brownsville Station und Fleetwood Mac auf der Bühne, oder auch Savoy Brown und die Small Faces. Als Soft-Rock-Band hatte man da echt nichts verloren.“ 

Cooper setzt genau dort an wo der Vorgänger „Paranormal“ aufgehört hat. Markierte schon dieses Album eine Rückbesinnung auf alte Tugenden -  weniger Wacken und mehr Vintage - so geht er auf diesem, seinem 28. Studioalbum noch einen Schritt weiter. Mit einem gelungenen Cover des Lou Reed/Velvet Underground-Klassikers “Rock N´ Roll” eröffnet Cooper eine Platte, die musikalisch in gekonnter weise frühere Großtaten und Riffs evoziert sowie augenzwinkernde Querverweise, Inside Jokes und sarkastische Weltbeobachtungen verbindet.

Als Songwriting-Partner, Produzent und Mitmusiker an der Orgel fungierte hier wieder Produzentenlegende Bob Ezrin, der schon bei allen zuvor genannten Seventies-Cooper-Alben mitarbeitete. Eine illustre Riege an Gaststars  - darunter Joe Bonamassa, Johnny "Bee" Badanjek von den Detroit Wheels und  Steve Hunter und Wayne Kramer – sorgen für prominente Unterstützung. Das vermutlich nicht zufällige ironische Highlight in der Gastriege:  Larry Mullen, Jr. von U2 sitzt ausgerechnet  beim Song “Shut up And Rock“ an den Drums, einem Lied, das mit der  Textzeile  “Don’t want to hear about your politics....“ aufwartet…

Cooper gibt auf „Detroit Stories“ generell weniger den Gruselfürst mit Serienkiller-Kurzgeschichten  sondern erzählt  vom „walk on the wild side“ in Detroit und von skurrilen, verirrten Existenzen  -  der Motor City-Moloch fungiert hier als pars pro toto für die aktuelle aus den Fugen geratene Welt. Die teils punkigen Riffs krachen, die Soli sind pentatonisch-blues getränkt … all das wird die Old School-Fans fraglos ansprechen und macht das jüngste Cooper-werk zu einem seiner besseren Alben der letzten Jahre. Mit fortschreitender Spieldauer fällt jedoch auch die Austauschbarkeit eines Großteils der Songs auf. Cooper ist bei aller Kunstfertigkeit nicht davor gefeit ins Klischeehafte, mitunter Repetitive abzudriften – was auch daran liegt, dass „Detroit Stories“ mit 15 Songs nicht zu den kürzesten Alben gehört. Mehr Straffung und das Weglassen von Ideen, die wie Outtakes aus „Hollywood Vampire“-Sessions anmuten, hätten hier durchaus gut getan. 

Als Bonus gibt es in der limitierten Deluxe Edition von „Detroit Stories“ eine Seltenheit in diesen Tagen: ein Live-Konzert, und zwar den Mitschnitt eines Gigs aus Paris. Diesen kennt man schon von einer 2018 veröffentlichten Live-CD, hier gibt es die DVD-Version. Zwar bietet dieser „Paranormal Evening“  keinerlei Überraschungen sondern „nur“ die erwartbare Horror-Show mit Guillotine und Schock-Theater sowie einer veritablen Greatest Hits-Setlist, doch gewinnt der Abend  durch die visuelle Komponente natürlich ungemein.

Montag, 18. Januar 2021

TASCHEN VERLAG - SALE 2021


©Taschen Verlag
Von Normalität kann - so wie es leider zu erwarten war - auch zu Beginn des Neuen Jahres keine Rede sein. Einige wenige  Fixpunkte die man in Pre-Corona-Zeiten stets im persönlichen Kulturkalender notiert hatte, finden allerdings dennoch statt - so auch der 
traditionelle  "Winter Sale" des Kölner Luxusverlags Taschen - bei dem es für alle  Coffee Table-Fans und Liebhaber luxuriöser Bildbände  wieder einige Schnäppchen zu ergattern gibt

Wer also ob trüber Aussichten lieber in die Vintage Glamourwelt von Helmut Newton flüchtet, zusammen mit Mario Testino oder Supermodels der "Sprezzatura" frönt oder sich "Schöner Wohnen"-Inspo bei Architektur-Legenden holen will, kann Ende Jänner bis zu - 75 % Rabatt auf Display- Exemplare der aufwendigen Collectors Bildbände bekommen.

When & Where ? Der Sale findet sowohl in den beiden deutschen Flagshipstores in Berlin und Köln sowie in der Social Distancing-Variante im Web statt:
  
Hier die genauen Daten & Adressen: 

Warehouse Sale 27. bis 31. Januar 2021
in den Flagship-Stores 
Taschen Store Berlin (Schlüterstraße 39)
Taschen Store Köln (Neumarkt 3)

Online
www.taschen.com

Very graphic: Inside the Flagship Store in Berlin
©Taschen Verlag

Mittwoch, 30. Dezember 2020

SEEING STEVIE RAY von TRACY ANNE HART

Credit Coverbild: © Tracy Anne Hart     Texas A & M University Press
Fährt man die musikalische Landkarte der USA ab, so offenbaren sich von Küste zu Küste zahlreiche Epizentren und ausgeprägte  „Hotbeds“ der unterschiedlichsten Genres. Gerade im Blues gibt es eine Vielzahl regionaler Spielarten, die ausgehend von derselben formalen Basis zahlreiche Eigenheiten entwickelten. Dem Lone Star State Texas kommt hier  eine ganz besondere Bedeutung zu, die sich bis in die Zeit vor der Großen Depression zurückverfolgen lässt. Entlang der Highways und den teils kargen Landschaften des zweitgrößten Bundestaates entstand eine fruchtbare Szene, die einige der größten Namen des Genres hervorgebracht hat. Und unter den vielen großen Söhnen des Lone Star States zählt Stevie Ray Vaughan fraglos zu den absoluten Ikonen. Nach Vaughan gelang es keinem kontemporären Bluesgitarristen mehr diesen absoluten Legendenstatus zu erreichen. Für das Blues Revival der Eighties war er ein wesentlicher Initiator, seine Roots-Alben waren Chart-Erfolge, selbst zu einem Mainstream-Publikum gelang ihm der Crossover (Stichworte: Aufnahmen mit David Bowie oder Zucchero), sein Gitarrensound – so groß wie sein Heimatland – ist bis heute eine Benchmark, sein hochoktaniger Spielstil inspirierte Legionen von Epigonen. Heuer jährte sich der Todestag SRVs, der 1990 bei einem tragischen Helikopterunfall in Alpine Valley ums  Leben kam zum 30. Mal. 

Bedenkt man den Stellenwert SRVs so verwundert es, dass der neue Bildband „Seeing Stevie Ray“  das erste Buch dieser Art über den Gitarristen  ist. Erschienen ist der kompakte Bildband  nicht bei einem der großen Coffee Table-Publisher sondern  beim Uni-Verlag Texas A & M University Press. Interessantes Trivia und eine SRV-Connection am Rande: auf dem Campus der Texas A &M  fand  Ex-Präsident George Bush Senior seine letzte Ruhe gefunden und 1989 spielten bei  dessen Inauguration Concert SRV & seine Band Double Trouble.

Credit Bild: © Tracy Anne Hart     
Zurück zum  Buch: Die Bilder in „Seeing Stevie Ray“  stammen von Fotografin Tracy Anne Hart, die seit den  80ern Teil jener Szene ist, deren Renaissance sie mit ihren Leica Kameras für die Ewigkeit festhielt und die in diesem Buch neben SRV eine Hauptrolle spielt. Überhaupt fällt bei der Lektüre der Anekdoten und dem Betrachten der vielen großartigen Bilder eines auf:  Anders als es der Titel dieses Bands vermuten lässt, ist „Seeing Stevie Ray“ nicht ausschließlich eine liebevolle Ode an die verstorbene Legende sondern auch eine leidenschaftliche Liebeserklärung an jene „local scene“ , in der SRVs Weg zum Superstar begann. Dementsprechend blättert man sich durch ein texanisches Who Is Who von Billy Gibbons über Doyle Bramhall II und Charlie Sexton hin zu Gary Clark Jr. Auch angesichts des Umfangs von nur 166 Seiten hätte man sich zwar durchaus noch mehr Bilder von SRV gewünscht, doch die hier gezeigten überwiegend monochromen Aufnahmen sind schlichtweg ikonisch. Zudem gelingt es der Autorin/Fotografin einen Bogen über mehrere Jahrzehnte texanischer Musikgeschichte zu spannen und dabei den Aufstieg SRVs sowie seinen Einfluss, der bis heute überdeutlich zu spüren ist, zu illustrieren.

Erhältlich u.a.  via: TheHeightsGallery.com - Home

Montag, 21. Dezember 2020

ALFRED HITCHCOCK – ALLE FILME

Credit Coverbild: © Edition Delius Klasing

König der Suspense, Mitbegründer des modernen Kinos, treibende Kraft hinter einer Vielzahl von Klassikern für die Ewigkeit, Meister des gepflegten Cameos, Innovator der Inszenierung – Regisseur Alfred Hitchcock war vieles und bei vielem was mit Zelluloid zu tun hat, war er auch der erste. Ohne das britische Regie-Genie wäre nicht nur das Thriller-Kino wie wir es heute kennen undenkbar – dementsprechend frühe setzte auch die filmhistorische Auseinandersetzung mit dem Filmemacher ein (bis heute faszinierend etwa das Standardwerk „Mr. Hitchcock wie haben sie das gemacht ?“ von Francois Truffaut).

Anlässlich des 40. Todestages der Legende und dem 60th Anniversary des Tier-Horror-Klassikers „Die Vögel“ erscheint im Delius Klasing Verlag ein Band, der der extensiven Bibliographie über den Film-Pionier eine kontemporäre Würdigung hinzufügt. In „Hitchcock – Alle Filme“ analysieren die Autoren Bernard Benoliel, Murielle Joudet, Gilles Esposito und Jean-François Rauger auf über 600 Seiten alles was diesen legendären Regisseur ausmachte. Schlüsselszenen werden seziert, Filme in einen größeren biographischen wie zeitgeschichtlichen Kontext gesetzt und die mehr oder minder versteckten Cameo-Auftritte beleuchtet. Der gewichtige Band hat dabei nicht nur denen Anspruch einen Überblick über alle Filme vom Frühwerk „Irrgarten der Leidenschaft“ bis zum finalen Streifen  „Familiengrab“ zu geben sondern ist ein regelrechtes Lexikon voll von Facts & Trivias, das so reich bebildert ist wie ein Coffee Table-Band.

Das erinnert an die „Alle Songs“-Reihe vom gleichen Verlag und ebenso wie diese Bände ist auch dieses Buch ein nachhaltiges Nachschlagewerk oder anders gesagt, ein Wälzer mit Langzeit-Effekt: denn einerseits macht dieses Buch Lust darauf oft gesehenen Filme aus dem Oeuvre Hitchcocks einen „Revisited“-Besuch abzustatten und andererseits ist es der ideale Begleiter für  die Analyse und Interpretation der Klassiker – und das mitunter nicht nur für Neulinge auf dem Gebiet des englischen Thriller-Spezialisten.

Mittwoch, 9. Dezember 2020

DER BARDE IN DER STILLEN NACHT: Blackmore´s Night – Here We Come A-Caroling

Credit Bild:© earMusic Edel

Während seine ehemaligen Mitstreiter unlängst erfolgreich die eigene glorreiche Vergangenheit feierten, widersetzt sich Meister Ritchie Blackmore auch heuer wieder einmal erfolgreich allen Hoffnungen auf eine späte Deep Purple-Reunion. Er stimmt stattdessen die „Laute“ und macht seinerseits eine Zeitreise. Allerdings eben nicht wie Ian Gillan & Co. in die Siebziger sondern in die Epoche der Renaissance. Er kocht quasi seine eigene Festtagssuppe und feiert in trauter Zweisamkeit X-Mas mit Ehefrau Candice Night auf Blackmore Castle.
 

Das Ergebnis ist die streng limitierte 4 Song EP „Here We Come A-Caroling“ die sowohl Vorbote des kommenden Weihnachtsfests als auch des für 2021 geplanten neuen Studioalbums von Blackmore´s Night ist.Seit der Gründung der Band – in deren Zentrum trotz wechselnder Besetzungen stets die Blackmores stehen – sind der legendäre Gitarrist und seine Ehefrau keinen Millimeter von ihrem Plan abgerückt, den Leuten die Musik einer vergangene Epoche näherzubringen. Für die beiden ist das ein absolutes Herzensprojekt über das sie sagen: „Unsere Musik ist eine Flucht vor dem Stress und dem Druck der Neuzeit. Eine Reise zurück in eine einfachere, magische Zeit, in der Musik in unser Herz und unsere Seele dringt“. 

Die Einspielungen von „Oh Little Town Of Betlehem“, „Here We Come A-Caroling”, “It Came Upon A Midnight Clear” und dem ewigen Lied “Silent Night” haben nicht den Anspruch eine innovative Neudeutung von oft gehörten und noch öfter gecoverten Traditionals zu sein und wer Blackmore´s Night kennt, weiß, dass hier nicht die schmissige Folk Rockin´ Christmas zu erwarten ist - doch in diesem Subgenre des Folk findet man kaum Besseres. Manchem Hörer wird all das wohl dennoch zu besinnlich und traditionell-konventionell sein, doch geht von diesen atmosphärischen - um nicht zu sagen sphärischen- Darbietungen ein ganz eigener Reiz aus – der ein Weihnachten evoziert,  wie es ganz früher war.

WEIHNACHTS-CHARITY: LESLIE MANDOKI & FRIENDS „WE SAY THANK YOU“

Credit Bild: © Krisztian Miklos

Es gibt Künstler, die die Lockdown-Zeiten kreativ nutzen und im Laufe von 2020, diesem annus horribils, einen beachtlichen Output im vielleicht magersten Jahr der Musikindustrie veröffentlichen…und dann gibt es Leslie Mandoki. Der umtriebige Musiker setzt schon zuvor auf einen konstanten Stream an Releases (von der Live-DVD hin zu einem Doppelalbum). Und auch heuer kennt sein Schaffensdrang scheinbar keine Grenzen. 
Passend zur Charity-intensiven Zeit um Weihnachten bringt er den im ersten Lockdown veröffentlichten Song  »We Say Thank You” in einer Christmas Version mit Kinderchor heraus.

Alle Einnahmen werden an die „Tribute to Bambi“-Stiftung gespendet  (zusammen mit den  Erlösen aus 2 Versteigerungen).

Bereits imMärz dieses Jahres startete Mandoki gemeinsam mit seiner All Star-Gruppe Soulmates eine künstlerische Initiative, um den Alltagshelden im Gesundheitswesen, in der öffentlichen Ordnung und in der täglichen Versorgung ihre Wertschätzung und Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen. „Jeder ist von dieser Pandemie auf seine Art persönlich betroffen. Mit einer Ehefrau, die als Allgemeinmedizinerin an vorderster Front arbeitet, werden mir die Tragweite und die Konsequenzen der Pandemie überdeutlich vor Augen geführt….Wir sind sehr glücklich, mit unserem Song einen Charity-Beitrag leisten zu können und ein Zeichen der Hoffnung zu setzen. Wie wir eines Tages auf diese Zeit zurückblicken werden, ist völlig ungewiss. Welche Entscheidungen die richtigen waren, wird man auch erst im Nachhinein beurteilen können. Aber eines ist zweifelsfrei richtig, all diesen großartigen Menschen, die unser öffentliches Leben während dieser Krise am Laufen gehalten haben und noch immer halten, laut und vernehmlich „DANKE“ zu sagen.“, betont Mandoki. 

Her könnt ihr in die Weihnachtsversion von „We Say Thank You“ hineinhören:

Montag, 7. Dezember 2020

EISNER - AWARD 2020: ALLES FÜR DIE KRAZY KAT

 


Credit Coverbild: ©  Taschen Verlag  George Herriman
Während in hiesigen Breitengraden der „newspaper comic strip“, also der klassische Zeitungs-Comic, eher in der Nebenrollen-Kategorie unter ferner liefen zu finden ist, zählt dieses Subgenre seit jeher zu den absoluten  Fixpunkten in US-amerikanischen  Printmedien – und das seit mehr als 100 Jahren. Einer der ganz frühen Vertreter des Zeitungscomics modernen Zuschnitts ist die von George Herriman kreierte  Krazy Kat, die ihrem Namen stets alle Ehre machte. Dem alten Überthema „unrequited love" folgend, erzählen die kurzen Geschichten von einer schwarze Katze, die sich Hals über Kopf in eine weiße Maus verliebt hat. Dummerweise ist deren Antwort auf die Avancen jedoch oft ein Ziegelstein auf dem Kopf des Stubentigers.
Zu den prominentesten Fans von Herrimans Kätzchen zählten etwa Gertrude Stein, F. Scott Fitzgerald, Pablo Picasso, James Joyce, US-Präsident Woodrow Wilson, Jackson Pollock, Charlie Chaplin, Frank Capra, P.G. Wodehouse oder Willem de Kooning – was schon viel über den Appeal dieses kultigen Comics verrät, der von 1913 bis zum Tode Herrimans im Jahr 1944 erschien und in dem zuvor beschriebenen Hauptplot über  amourösen Begierden immer wieder auch traditionelle Wertvorstellungen hinterfragte.
Credit Bild: ©  George Herriman Taschen Verlag  
Dass diese teils absurden, teils melancholischen Strips so lange erscheinen konnten, lag vor allem am legendären Medien-Tycoon William Randolph Hearst, der ebenfalls ein Fan von Herrimans Geschichten war und dem Zeichner so gut wie alle Freiheiten ließ.
Dies führte dazu, dass Krazy Kat zu einem durchaus transgressiven Comic voll von Slang dadaistischen Szenerien und  Anspielungen auf die gender-fluide Orientierung der Krazy Kat wurde - und all das lange vor den „Counterculture“-Eskapaden eines Robert Crumb.
Der Werkschau-Band über die Jahre ´35-´44 vereint nun alles was die Krazy Kat so ausmachte  und huldigt in Taschen Verlag-typischem Luxusoutfit diesem unorthodoxen Vorläufern von Tom & Jerry.
Der aufwendige Band wurde unlängst prämiert und zwar mit dem "Comic-Oscar", dem Will Eisner Award 2020 in der Kategorie “Best Archival Collection/Project—Strips”.

George Herrimans "Krazy Kat". Die kompletten Sonntagsseiten in Farbe 1935–1944
Alexander Braun
In Leinen gebunden, 30 x 44 cm, 632 Seiten, in einem Karton mit Tragegriff
ISBN 978-3-8365-7194-4
Ausgabe: Deutsch
Taschen Verlag

Dienstag, 24. November 2020

BRUCE SPRINGSTEEN – LETTER TO YOU: Der Boss im Haus der 1000 Gitarren

Credit Bild: © Danny Clinch             Sony Music
Hochwertige Beständigkeit ohne sich dabei selbst zu plagiieren oder allzu oft zu wiederholen: es sind genau diese Tugenden welche  die lange Karriere des Bruce Springsteen prägen, seit er Mitte der Siebziger als die „Zukunft des Rock N´ Roll“ ausgerufen wurde. Was man von einem neuen Album des Boss erwarten kann, weiß man also eigentlich schon vorher, denn selbst die wenigen schwächeren Alben des Mannes aus New Jersey zeigten einen überaus treffsicheren Songwriter. Das jüngste, mittlerweile 20. Studioalbum „Letter To You” hält dennoch einige kleine Überraschungen parat. 

Denn es ist das erste mit seiner E-Street Band seit 2014 und auch thematisch geht es in eine andere Richtung als man annehmen konnte: Gerade im Election Year hätte man mit einer politischeren Platte gerechnet -  doch „Letter To You“ ist nicht die große Abrechnung mit Donald Trump geworden. Springsteen, immer schon hochpolitischer Künstler hält sich auffallend  zurück- wenn man mal von der durchaus als Seitenhieb aufs Oval Office zu verstehende Textzeile „the criminal clown has stolen the throne“ im Standout-Track  „House Of 1000 Guitars“ absieht.

Apropos 1000 Gitarren: Springsteen findet auf „Letter To You“ zum Sound früherer Alben zurück. Experimente waren keine zu erwarten, auf dem routiniert-unaufgeregten Album  dominieren zwei Dinge: ein paar gute (Song-)Geschichten und vor allem der typische E-Street-Klang  mit allem was dazu gehört: die dichten, fast schon überorchestrierten Wall Of Sound- Arrangements, durch die Dirigent Springsteen seine Band geleitet; die verspielten Klavierpassagen als Intro zur Dramatik und der großen Geste in Lyric-Form; die warmen Akustikgitarren aus den Eingeweiden des Dust Bowl – der langgediente Fan wird sich hier sofort heimisch fühlen, auch wenn der 2011 verstorbene Saxophonist Clarence Clemons nach wie vor eine Lücke hinterlässt.

Credit Bild: © Sony Music
Die Aufnahmen zur Platte entstanden in äußerst kurzer Zeit  im Springsteen´schen Home Studio in New Jersey. Der Boss sagt über die Tage im Studio: „Ich liebe die Emotionalität von ‚Letter To You‘“…und ich liebe den Sound der E Street Band, die komplett live im Studio spielt, so wie wir es noch nie zuvor gemacht haben, ganz ohne Overdubs. Wir haben das Album in nur fünf Tagen gemacht und es stellte sich als eines der größten Aufnahmeerlebnisse heraus, die ich je hatte.“  

Springsteen war immer schon Storyteller, ähnlich wie Bob Dylan in literarischer Tradition verhaftet - hier läuft er teilweise zu Hochform auf. Wie immer sind die Geschichten aus „Gods Own Country“ das Hauptthema seiner Songs Beinahe glaubt man das  Alter Ego Springsteens mit laufendem Automotor vor der Veranda seiner Angebeteten stehen zu sehen, ganz so wie in seinem ersten großen Opus „Thunder Road“. Ganz anknüpfen an solche Meilenstein können die Songs von  „Letter To You“ zwar nicht – doch verhält es sich mit diesem Album wie mit dem neuen Buch von Star-Autoren wie Philip Roth oder T.C. Boyle: dem Boss ist vielleicht nicht der nächste „große amerikanische Roman“ gelungen, wenn man sich darauf einlässt, entdeckt man jedoch nicht nur eine sehr gute Ergänzung der Springsteen-Diskographie sondern packende Geschichten aus dem so persönlich wie universellen  Amerika der Seele. 

Dienstag, 17. November 2020

BRUEGEL - DAS VOLLSTÄNDIGE WERK


Die Dulle Griet (auch: Die Tolle Grete), 1563  Antwerpen, Museum Mayer van den Bergh        Taschen
Über sein genaues Geburtsjahr herrscht ebenso Uneinigkeit wie über weiterführende Details seiner Biographie: Pieter Bruegel der Ältere ist nicht nur ein faszinierendes Mysterium der Kuntgeschichte um dessen Leben und Wirken sich der Mantel der Ungewissheit hüllt sondern auch nach wie vor einer der populärsten Superstars der alten Meister: Als ungeschminkter Chronist der damaligen Lebensrealität zeigte er in seinen aufwändigen, detailverliebten Gemälden das Leben im Herzogtum Brabant in all seiner Armut und Derbheit. Gleichzeitig war der „Bauernbruegel“ in seiner Kunst aber auch ein apokalyptischer Visionär dessen Bilder ihn  als legitimen Nachfolger des „Alptraummalers“ Hieronymus Bosch etablierten  - siehe etwa "Die Dulle Griet" am Beginn dieses Artikels oder auch das heute noch unheimlich anmutende  „Der Triumph des Todes“, beides Meisterwerke Bruegels die einem Still aus einem Horrorfilm gleichen.
Der Turmbau zu Babel (Wiener Fassung), 1563 Wien, Kunsthistorisches Museum, Gemäldegalerie
Copyright: © Kunsthistorisches Museum, Vienna, Photo: Luciano Romano
Im Taschen Verlag  ist eine umfangreiche Monographie über den großen Meister erschienen. Dieser zeigt im XL-Format in der typischen Luxusausführung des Kölner Verlags die gesamte Bandbreite des Schaffens des Renaissancekünstlers.
Der Engelsturz (auch: Der Sturz der rebellierenden Engel), 1562 Brüssel, Royal Museums of Fine Arts of Belgium
Copyright: © Royal Museums of Fine Arts of Belgium, Brüssel / image by Google
Der Vorteil dieses 492 seitigen Mammutwerks ist natürlich, dass man durch die hochwertigen Reproduktionen die extrem facettenreichen Bilder ganz genau studieren kann. Immerhin handelt es sich bei dem flämischen Künstler um einen jener Maler der den Betrachter oft mit seinen Darstellungen förmlich bombardiert. So erschließt sich Manches erst bei genauem Studium der teils realistischen, teils surrealen Darstellungen.
So man also nicht das Glück einer Privatführung im Museum hat wird man die detailreichen Werke Bruegels  wohl kaum genauer unter die Lupe nehmen können als mit diesem Prachtband. 
Credit Bild: © Taschen Verlag
TASCHEN
Pieter Bruegel. Das vollständige Werk
Jürgen Müller, Thomas Schauerte
Hardcover mit Ausklappseiten, 492 Seiten 
€ 150

Freitag, 30. Oktober 2020

MOTÖRHEAD – ACE OF SPADES 40th ANNIVERSARY

Credit Bild: © BMG Rights Warner

Vor 40 Jahren erschien mit “Ace Of Spades” ein Album, das in vielerlei Hinsicht in die Musikgeschichte eingehen sollte. Oberflächlich betrachtet ist es natürlich  das quintessenzielle Motörhead-Album, das nach den erfolgreichen “Bomber” und “Overkill”-LPs den endgültigen Durchbruch für die Band markierte und zu einem der wichtigsten Klassiker im Heavy-Genre wurde. Darüber hinaus war das was Motörhead 1980 auf ihrer vierten Platte ein paar Jahre vor der großen Zeit des Bay Area Thrash Metal abfackelten, aber auch ein Markstein für eine „neue Härte“, die sich in weiterer Folge als überaus einflussreich erweisen sollte (Stichwort : Metallica). 

Obwohl Motörhead für die erste Welle des Heavy Metal zu spät dran waren, für die zweite Welle zu früh und sich zudem nie richtig als Teil von NWOBHM & Co fühlten, fanden im rüden Klang des Trios  Fans diverser härterer Spielarten eine musikalische Heimat: Spätestens ab 1980 waren Motörhead Identifikations- und Integrationsfiguren für Metalheads, Punks und Old School-Rocker.  

Was machte „Ace Of Spades“ nun so speziell  ? Nun, alle Trademarks der lautesten Band der Welt waren hier in vollendeter Form vereint – ein Sound,  so dreckig wie die wenig um political correctness bemühten Lyrics, harte Speed Riffs mit einem Fuß im Blues, kreischende Soli und ein Dampframmen-Rhythmus der insbesondere vom idiosynkratrischen Bass-Stil von Ikone Lemmy Kilmister geprägt wurde. Dass die knackigen, Songs allen voran der legendäre gewordene Titeltrack dann auch noch Hitpotential aufwiesen katapultierte die im Kern komplett antikommerzielle Scheibe in die Stratosphäre (Gold etwa in Great Britain).„Born To Lose, Live To Win“  kann man da nur sagen. 

Die nun anlässlich des Jubiläums erschienene Neuauflage ist zwar bei weitem nicht die erste Reissue dieses Klassikers, wohl aber die bislang beste und aufwendigste. Die 2 CD-Version präsentiert das Kultalbum in einem ansprechenden Mediabook mit  reich bebildertem Booklet sowie einer Bonus Disc mit einem sehr rauen 1981er Gig aus Belfast. Es sind also nicht die seltensten Raritäten, die hier 4 Jahrzehnte später „unearthed“ wurden, sondern eher gelungener Bonus Content für Komplettisten. Doch runden diese Momentaufnahmen der Early Eighties-Phase der Band das in sich stimmige und attraktive Gesamtpackage ab. 

Blickt man heute auf die „drei Bandidos“ auf dem Spaghetti Western-inspirierten Albumcover, so schwingt einiges an Wehmut mit. Denn mit Fast Eddie Clarke starb 2018 nach Frontman, Sänger und Bassist Lemmy Kilmister  († 2015) und Drummer Phil „Philthy Animal“ Taylor (ebenfalls † 2015)  auch das letzte Mitglied der klassischen Motörhead-Besetzung. Doch „Ace Of Spades“ ist eine jener ewigen Platten, die bleiben und den Rang von Initiations-Alben im Rock-Genre innehaben. Die 2020er- Neuauflage des womöglich besten Werks der legendär Infernalischen unterstreicht erneut die Zeitlosigkeit dieses Albums.

Mit dem "Ace Of Spades"-Jubiläum koinzidierend erscheint mit "Motörhead- Das große Sonderheft" die mittlerweile 30. Ausgabe der Rock Classics-Reihe. Die aktualisierte und erweiterte Version einer früheren Rückschau auf die Karriee von Lemmy & Co. ist  wie schon die vorherigen Hefte ein  Hochglanz-Bookazine das einen  attraktiv gestalteter, kompakter Crashkurs über musikalische Legenden beinhaltet -  inklusive ausführlicher Band-Biographie und umfassender Diskographie-Retrospektive, was beim beachtlichen Output Motörheads eine ganz schöne Leistung ist. Die In Depth-Interviews ( darunter ein neues mit dem Musikjournalisten und Bandintimus Mick Wall und ein verschollen geglaubtes Gespräch mit Lemmy und Philthy Animal Taylor vom Februar 1981) die gewohnt gute Bildauswahl und eine Fülle an Trivias sorgen zudem dafür, dass auch die langjährigen Fan angesprochen werden. 

Credit Coverbild: © SlamZine