Freitag, 28. Juni 2024

QUEEN HAUTNAH

Credit Coverbild: © Peter Hince  Hannibal Verlag
Jahrhundert-Frontman Freddie Mercury, der die Bühne „owned“ und zum treibenden Drum N´ Bass-Rhythmus Roger Taylors und John Deacons die Treppe herunterstolziert um seinen Kollegen Brian May, optisch beinahe ein Wiedergänger Ludwig XIV., vor seiner Wand von Vox-Verstärkern  zu treffen. Dazu noch oft extravagante Outfits und als Klimax die britische Nationalhymne sowie Mercury mit Krone und standesgemäßem Hermelin-Mantel…Der Pomp und die Theatralik waren ein wesentlicher Bestandteil der Band Queen. Ihre damit einhergehende Fotogenität machte sie zum beliebten Motiv für Rock Photographers, die nicht lange darauf warten mussten, bis sich Diva Freddie wieder in eine Pose für die Ewigkeit warf.

Dementsprechend gut sind die knapp zwei Jahrzehnte, die zwischen dem selbstbetitelten Debütalbum und dem frühzeitigen Tode Mercurys liegen dokumentiert. Als geneigter Fan kann man also durchaus meinen, schon so gut wie alles von dieser Band gesehen zu haben. Doch weit gefehlt! Ein neu erschienener Hochglanz-Bildband belehrt einen eines Besseren. Darin öffnet der britische Fotograf Peter Hince sein extensives Bild-Archiv und zeigt seitenweise rare, bislang ungesehene Aufnahmen aus jener Zeit, in der er Queen so nah kam, wie es der Titel dieses Buchs andeutet.

Hince war eigentlich Werbefotograf, bevor er Queen  11 Jahre lang als Member der Roadcrew  begleitete und so auch dort Zutritt erhielt, wo es sonst „No Trespass“ hieß. Seinen ursprünglichen Brotberuf merkt man als Betrachter seiner oft durchkomponierten Bilder deutlich (das beginnt schon beim geradezu filmischen Buchcover, das einen ein Shot wie aus einem Scorsese-Film zeigt). Das Buch verspricht „Noch nie gezeigte Fotos, Raritäten und faszinierende Einblicke in das Leben der Rockband" und das ist nicht übertrieben. Ob es um das Equipment Mays abseits seiner Red Special Gitarre, spektakuläre Gigs oder Candid-Shots aus dem Studio geht -  selbst der langjährige Fan wird in diesem empfehlenswerten Bildband etwas Neues entdecken.

QUEEN HAUTNAH von Peter Hince, erschienen im Hannibal Verlag


Donnerstag, 27. Juni 2024

MUSIC AMERICA: Iconic Objects from America's Music History - Ausstellung in Austin, Texas

Flying V Gibson MUSIC AMERICA: Iconic Objects from America's Music History - Ausstellung in Austin, Texas
Credit Bild: © LBJ Library, Jay Godwin
Wie man die eigene popkulturelle Vergangenheit ausführlich dokumentiert und gebührend zelebriert, das wissen die Amerikaner. So bleiben selbst ikonische Instrumente und Memorabilia im Wert mehrerer Millionen oft nicht dauerhaft in Vaults verstaut, sondern können in regelmäßigen Abständen in größeren und kleineren Ausstellungen bewundert werden. Ganz nah dran an Stage Outfits oder Gear, auf der bedeutende Aufnahmen eingespielt wurde ? Das ist im Land des Spektakels durchaus möglich. Eine ganz besondere Gelegenheit dazu gibt es gerade jetzt in hochoffiziellem Rahmen in Austin, Texas.

Denn die Lyndon B. Johnson  Presidential Library feiert in ihren Hallen in Zusammenarbeit mit dem Bruce Springsteen Archives & Center for American Music at Monmouth University zeigt noch bis 11. August hunderte Objekte, die nicht legendärer sein könnten:

Stevie Ray Vaughans „First Wife“- Strat sowie die weiße Fender seines Bruders Jimmie, einen Brief von Janis Joplin, rote Boots des ewigen „Singing Cowboy“ Gene Autry, eine der vielen Exemplare von B.B. Kings „Lucille“, eine Statue von RCA Victor-Hund Nipper,  eine Trompete von Dizzy Gillespie und und und….Die schiere Menge an Raritäten sowie ihre historische und ideelle Bedeutung sind beeindruckend, viele dieser Exponate erwecken geradezu Ehrfrucht im Betrachter. 

Wer sich also diesen Sommer auf Südstaaten-Trip in den USA befindet, sollte dem Lone Star State unbedingt einen Besuch abstatten und sich diese Exhibition nicht entgehen lassen.

Mehr Infos unter: Music America: Iconic Objects from America's Music History (lbjlibrary.org)

Ein exklusiver Rundgang durch die Ausstellung:
MUSIC AMERICA: Iconic Objects from America's Music History - Ausstellung in Austin, Texas Jimmie Vughan Texas Blues Strat Fender Stratocaster White Weiß
Credit Bild: © LBJ Library, Jay Godwin


MUSIC AMERICA: Iconic Objects from America's Music History - Ausstellung in Austin, Texas BB KING Lucille Gibson
Credit Bild: © LBJ Library, Jay Godwin


MUSIC AMERICA: Iconic Objects from America's Music History - Ausstellung in Austin, Texas Synth
Credit Bild: © LBJ Library, Jay Godwin


MUSIC AMERICA: Iconic Objects from America's Music History - Ausstellung in Austin, Texas  Nipper RCA DOG
Credit Bild: © LBJ Library, Jay Godwin


MUSIC AMERICA: Iconic Objects from America's Music History - Ausstellung in Austin, Texas Nipper RCA DOG
Credit Bild: © LBJ Library, Jay Godwin


MUSIC AMERICA: Iconic Objects from America's Music History - Ausstellung in Austin, Texas  John Lee Hooker Guitar
Credit Bild: © LBJ Library, Jay Godwin


MUSIC AMERICA: Iconic Objects from America's Music History - Ausstellung in Austin, Texas  Dizzy Gillespie Jazz
Credit Bild: © LBJ Library, Jay Godwin



Montag, 24. Juni 2024

JEFF BECK 80

 


Jeff Beck Hollywood Live Guitar Cover
Credit Coverbild: © Universal Music  Eagle Rock Entertainment
Heuet wäre Jeff Beck 80 Jahre alt geworden. Anlässlich des Geburtstages dieser leider im Vorjahr verstorbenen Legende ein #Throwback zu zwei Features, die einerseits ein Retrospektiv-Konzert in Los Angeles als auch eine Dokumentation über das Leben und die Karriere Becks beleuchten.

JEFF BECK LIVE AT THE HOLLYWOOD BOWL: Ein Brite und die Entdeckung der Mikrotonalität: 

Er ist ein quintessentieller „guitarist´s guitarist“ - ein Virtuose, dessen beeindruckende Beherrschung der sechs Saiten in Musikerkreisen Ehrfurcht und Bewunderung erzeugt, dem jedoch der ganz große Erfolg im Mainstream immer verwehrt geblieben ist.
Vielleicht war es genau dieser Umstand, der den britischen Ausnahmegitarristen Jeff Beck rastlos und experimentierfreudig bleiben ließ. Becks idiosynkratrischer, gänzlich unorthodoxer Spielstil ist eine faszinierende Benchmark in Sachen Ton-Manipulation: Seine Fender Stratocaster lässt er im wahrsten Sinne des Wortes einmal singen, plötzlich wimmern und im nächsten Moment kreischen. Beck balanciert auf der feinen Linie zwischen kontrollierter Aggression und Melodik. Mit seiner Kombination aus Volume-Swells, Whammy-Techniken und präzisen, mikrotonalen Bends und Tonverschiebungen nähert er sich auf instrumentalem Wege dem Ideal des menschlichen Gesangs an.

Dass sich Beck im Laufe seiner Karriere nie lange in eine Genre-Schublade zwängen ließ,
und mit Blues Rock, Rockabilly, Fusion-Jazz oder zeitgeistigem Electronic Rock experimentierte machte seine ohnehin anspruchsvolle, häufig instrumentale Musik für viele nicht eben zugänglicher. Jene Vielfältigkeit spiegelt sich auch in der Setlist des anlässlich des 50-jährigen Karriere-Jubiläums Becks in L.A. abgehaltenen Gigs wieder, dessen Mitschnitt nun von Universal/Eagle Rock released wird.
Unterstützt von einer  verhältnismäßig jungen Band (u.a. mit der hippen Gitarristin Carmen Vandenberg) spielt sich Beck durch eine Retrospektive seiner 5 Jahrzehnte andauernden Karriere und spannt den Bogen von frühen Yardbirds-Psychedelia-Hits („Heart Full Of Soul“ oder „For Your Love“) über robusten Blues-Rock („Beck´s Bolero“) und unterkühltem Fusion Jazz bis zum – nun ja, gewöhnungsbedürftigen – jüngsten Noise-Album „Loud Hailer“.
Das Bühnenbild der Konzert-Venue - der berühmte Hollywood Bowl in der Stadt der Engel - ist äußerst reduziert, geradezu nüchtern. Auf Showeffekte wird gänzlich verzichtet;  Let the music do the talking. Da es sich um ein Anniversary-Konzert handelt, dürfen natürlich auch prominente Gäste nicht fehlen: Mit Steven Tyler spielt er „Train Kept A-Rollin´“ – das seit Jahrzehnten zu einem Fixpunkt bei Aerosmith-Gigs zählt und das Jeff in der von Rockabilly zum Bluesrock-Stampfer umgedeuteten Version seinerzeit mit den Yardbirds spielte - verewigt u.a. in Michelangelo Antonionis Sixties-Kultfilm „Blow Up“.

Zum Blues und den frühen Inspirationsquellen des Jeff B. schließt sich auch der Kreis, wenn Beck mit  Buddy Guy eine besonders ruppig-ungeschliffene Version von „Let Me Love You Baby“ raushaut. Mit Keyboarder Jan Hammer duelliert er sich wie in den 70s im Fusion Bereich und mit Billy F. Gibbons von ZZ TOP gibt’s zwar leider keinen Texas Shuffle, dafür eine gefühlvolle 80s Ballade („Rough Boy“). Sänger Jimmy Hall (man hörte ihn auf dem 1985er Beck-Album „Flash“) wurde ebenso eingeladen, genauso wie Soul-Röhre Beth Hart, die bei  „I´d Rather Go Blind“ und „Purple Rain“  - als Tribute an den zum Zeitpunkt des Konzerts erst unlängst verstorbenen Prince – alle Register der Honky-Tonk-Koloratur zieht.

Fazit: „Live At The Hollywood Bowl“ ist eine schöne Werkschau einer wechselvollen Karriere. Gerade die DVD bzw. Blu ray des Hollywood Bowl Konzertes erlaubt es Gitarristen  dem Meister ganz genau auf die Finger zu schauen um herauszufinden, wie die Grenzen dessen ausloten ließ, was auf einer Gitarre überhaupt machbar ist.

 STILL ON THE RUN - THE JEFF BECK STORY


Jeff Beck Garage Doku Documentary Still On The Run Cover Blu ray
Credit Coverbild: © Universal Music
Der Titel dieses Dokumentarfilms ist programmatisch: „Still On The Run“ –  Beck war stets ein Suchender, ein unruhiger Geist, der nur im permanenten Experiment seine Erfüllung fand und nie still stand. Inspiriert von den frühen Pionieren des Rock N´ Roll und ihrem revolutionären Erfindungsreichtum tüftelte er stets an neuen Klängen. Die psychedelisch-experimentellen Sixties waren für diesen passionierten Klangforscher der ideale Nährboden und Backdrop. Dass er immer auf der Suche – bzw. eben still on the run ist – sorgte dafür, dass es ihn nicht lange beim Blues- und Psychedelic-Rock hielt und er sich  in den Siebzigern dem rein instrumentalem Jazz Rock zuwandte und bis heute konstant die Grenzen avantgardistischer Musik auslotet.
Jeff Beck  Doku Documentary Still On The Run
Credit Bild: © Universal Music
Jeff Beck Garage Doku Documentary Still On The Run
Credit Bild: © Universal Music
Neben seiner Passion für die Sechssaitige ist Beck auch ein ausgewiesener "grease monkey",  ein Autoschrauber, der gern selbst seine teuren Vintage Vehikel zerlegt (siehe Bild oben). Die sich hier offenbarende Parallele zu seinem unorthodoxen Spiel mit musikalischen Normen oder sog. Regeln ist evident.
Wie einflussreich dieses Spiel ist, zeigt sich auch wieder einmal in den zahlreichen All Star-Interviews mit prominenten Freunden, Zeitgenossen und Bewunderern, die für "Still On The Run" geführt wurden.  
Sie verdeutlichen den Ausnahmestatus den Beck bei seinen Kollegen wie EC, Jimmy Page, Joe Perry, Billy Gibbons  oder Slash genießt. Nicht ohne Grund gilt Beck – ein Mann der stets etwas im Schatten des Mainstreams stand – als ein quintessentieller "guitarist's guitarist".
Credit Bild: © Universal Music
Jeff Beck Garage Doku Documentary Still On The Run
Credit Bild: © Universal Music
Jeff Beck Guitar Darrel Higham
Credit Bild: © Universal Music
"Still On The Run" ist ein temporeicher, Film, der ein ziemlich  genaues, detailliertes Portrait der Legende zeichnet. Als Zuseher hat man das Gefühl Beck nun besser zu vestehen und ev. auch seine Karrierentscheidungen nachvollziehen zu können. Für mich als jahrelangen Beck-Fan war diese Dokumentation daher ungemein  faszinierend: Ein komplexes Portrait eines Individualisten, der sich nie anpassen konnte und wollte und ein wirklich empfehlenswerter Film.

Samstag, 22. Juni 2024

ABBEY ROAD - Die Geschichte des berühmtesten Musikstudios der Welt

Abbey Road Buch Buchcover Studio Legendary Beatles John Paul Geoge Ringo David Hepworth Wall
Credit Coverbild: © HannibalVerlag
Was haben Pink Floyds „Dark Side Of The Moon“, Yehudi Menuhins frühe Aufnahmen mit Sir Edward Elgar, Krzysztof Komedas Wiegenlied aus Roman Polanskis „Rosemary´s Baby“, John Williams “Star Wars“-Score und Lady Gagas “Born This Way“ gemeinsam ? Nun, sie alle wurden am selben Ort aufgenommen und so für die Ewigkeit konserviert: in den heiligen Hallen von Abbey Road im Londoner Stadtteil Westminster. Es ist ein Studio, das neben seinen berühmten, von Fachleuten geschätzten akustischen Eigenschaften auch ideell gesehen nicht legendärer sein könnte und dessen Historie so vielschichtig und weitreichend ist, dass sein geradezu magischer „Pull“ bis in die Neuzeit reicht - und auch eine neue erschienene 376-seitige "Biographie eines Gebäudes" locker füllt.

Auch ohne Google Maps oder Ortskenntnis kann man Abbey Road schwer verfehlen, dafür sorgen schon unzählige Musikfans und Touristen, die alle auf den idealen Moment warten, um ungestört den wohl berühmtesten Zebrastreifen der Welt zu überqueren und so auf den Spuren von John, Paul, George und Ringo zu wandeln - die einst für das Cover ihres nach dem legendären Studio benannten Album ebenjenen Weg zu ihrer Arbeitsstätte passierten. Zusammen mit ihrem Produzenten George Martin definierten die Fab Four dereinst neu, was ein Studio überhaupt sein kann: Nicht bloß ein Ort, an dem qualitativ hochwertige Aufnahmen unter möglichst guten Bedingungen gemacht werden, sondern ein eigenes Musikinstrument, das man in kreativer Art und Weise spielen bzw. einsetzen kann. 

Es sind jedoch nicht "nur" die Beatles-Recording Sessions, welche dieses Studios während seines beinahe einhundertjährigen Bestehens zu dem gemacht haben was es ist , wenngleich man anmerken muss, dass wenn  s um den Titel des berühmtesten Studios geht,  auch Sun Records in Memphis, das Sunset Sound Studio in L.A. oder das RCA Studio B in Nashville ein Wörtchen mitzureden haben. Eingeleitet vom Vorwort Sir Paul McCartneys,dokumentiert Hepworth wirtschaftliche Querelen (auch an einem so sagenumwobenen Ort wie Abbey Road kam es mitunter zu Zerwürfnissen und nicht eben hilfreicher Erbsenzählerei) und genre-übergreifend bedeutsame Aufnahmen. Dabei fördert er auch  wenig bekannte Fakten zu Tage, wie etwa dass dort Widerstandlieder gegen Nazi-Deutschland aufgenommen wurden.

Hepworth ist derzeit einer der besten Autoren, die über Populärmusik schreiben. Jedes seiner Bücher ist eine kunstvoll geschriebene Zeitreise und auch sein "Abbey Road"-Buch bildet da keine Ausnahme, wenngleich sein virtuoser Einsatz von Sprache und sein trockener britischer Wortwitz in der deutschen Übersetzung ein wenig leiden. Dennoch ist seine Chronik dieses ikonischen Studios ein unterhaltsamer und informativer Streifzug durch einen magischen Ort der Musikgeschichte. 

ABBEY ROAD - Die Geschichte des berühmtesten Musikstudios der Welt, von David Hepworth erschienen im Hannibal Verlag

Mittwoch, 19. Juni 2024

INTO THE GROOVE - Vinyl-Kult: Die Geschichte der Schallplatte

Into The Groove Vinyl Kult Buch Book Cover Schallplatte Platte Prestel Verlag Records
Credit Coverbild: © Prestel Verlag
Extrem rückläufige CD-Verkäufe, der frühzeitig ausgerufene Tod des Albums, Verschiebung des Umsatzes in den digitalen Bereich der Streaming-Plattformen, Artists, die nur mehr durch Tourneen Umsatz machen und dann noch Fans, die Playlists und Flatrate-Abos einem physischen Tonträger-Kunstwerk vorziehen: die Anzeichen für die Krise der Musikbranche sind mannigfaltig und schwer zu übersehen.

In einem Bereich sieht es jedoch gänzlich anders aus, hier werden sogar Zuwächse verzeichnet. Ausgerechnet der lange Zeit vernachlässigte Vinyl-Sektor erweist sich in den letzten Jahren als gallisches Dorf. Zwar wurde die gute alte Schallplatte schon oft für obsolet erklärt und  aussortiert, doch Totgesagte leben bekanntlich länger. Getreu dem Motto „Back In Black“ ist das schwarze Gold gefragt wie seit den frühen Achtzigern nicht mehr und damit ein gutes Beispiel für die Gültigkeit des Riepl´schen Gesetzes, das besagt, dass kein Medium je vollständig von einem anderen verdrängt wird. Während die widerstandsfähigere Compact Disc, die ja einst die Schallplatte ablösen sollte, umsatztechnisch strauchelt, werden alte Werke für Schallplattenproduktion aufgerüstet um der großen Nachfrage Herr zu werden.  Dabei ist die Platte nicht nur für Nostalgiker oder audiophile Hardcore-Sammler, die ihren warmen Klang schätzen, interessant. Auch als hippes Lifestyle-Produkt für eine neue Generation, die in einer Zeit des Ephemeren das Authentische und Echte sucht, erfreut sie sich zunehmender Beliebtheit (dass ein Teil dieser Kunden ihre Platten mehr als Deko-Gegenstand (v)ersteht und sie gar nicht abspielt, steht wiederum auf einem anderen Blatt).

Anlässlich des 75. Jubiläums dieses Tonträgers (anno 1948 brachte Columbia Records die ersten Langspielplatten auf Vinyl auf den Markt ) nehmen im Buch „In the Groove“ fünf renommierte Musik-Journalisten die Geschichte des runden Kultobjekts unter die Lupe. Und diese Geschichte hat so einiges zu bieten: technische Errungenschaften, ikonische Plattencover (die natürlich im Großformat am besten zur Geltung kommen), legendäre Labels und eine ganze Subkultur von Aficionados. Der kompakte Bands ist ein veritables Nachschlagewerk voll von mitunter faszinierenden Trivias . Wer nach der Lektüre keine Lust bekommt entweder seine Vinyls abzuspielen oder aber eine Collection zu starten, dem ist nicht zu helfen. Denn das inhärent sinnliche im Ritual des Auflegens einer Platte (Bedächtigkeit, das ASMR-artige Knistern, das Zelebrieren des Audio-Genusses) unterstützt die ohnehin schon eine neuroplastische Erfahrung von Musik. "Into The Groove" ist eine gelungene Ode an einen Tonträger, der noch lange nicht zum alte Eisen gehört und eine regelrechte Celebration des Vinyl-Fetischismus.

Into the Groove. Vinyl-Kult: Die Geschichte der Schallplatte von Gillian G. Gaar, Martin Popoff, Richie Unterberger, Matt Anniss und Ken Micallef, erschienen im Prestel Verlag

Dienstag, 18. Juni 2024

ROY LICHTENSTEIN - MONOGRAPHIE ZUM 100.GEBURTSTAG

Roy Lichtenstein Albertina Buch Book Cober Blonde Man Kiss Popart Pop Art Kunst Modern Fifties Vinatge Retro
Credit Coverbild: © Prestel Verlag
Mickey Mouse, Onomatopoesie, knallige Farben, markante Ben-Day Dots, Don Draper-artige Business-Supermänner, archetypische Blondinen und Raketen als Zeichen des Space Age der Eisenhower-Ära. Die Kunst Roy Lichtensteins, einem der Hauptvertreter der Pop Art, die den Kunstmarkt ab den 50ern revolutionierte, ist nicht nur "as american as apple pie", sondern auch vollkommen unverwechselbar. Trotz seiner Omnipräsenz auf Postern und Merchandising und einer vermeintlich leichten Zugänglichkeit, die ihn selbst bei Kunstlaien populär gemacht hat, verbirgt sich eine ungewöhnliche Tiefe in seinen Werken, in denen er Kommerz und Wegwerfkultur ebenso mythisch überhöhte wie hinterfragte. 

Im letzten Oktober wäre Lichtenstein, dessen Karriere erst mit Ende Dreißig abhob, 100 Jahre geworden. Anlässlich dessen fokussiert ein neuer Bildband, der begleitend zu einer großen Ausstellung in der Wiener Albertina erschienen ist, auf sein ungemein vielschichtiges Schaffen und versucht neben einer klassischen „Greatest Paintings“-Werkschau auch weniger bekannte Facetten dieses einflussreichen Künstlers zu beleuchten - und so auch den Mann hinter den überlebensgroßen Kunstwerken zu zeigen.

Die Pop Art, einst als Gegenbewegung zum oft als intellektueller angesehenen abstrakten Expressionismus gegründet, wandte sich Themen zu, die eher im Trivialen angesiedelt waren. Damit spiegelte sie die neue Lebensrealität der Konsumgesellschaft im wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg wider und kreierte eine neue Bildsprache. Personen und Sujets aus der Populärkultur sowie Alltagsprodukte konnten nun zum Kunstwerk werden. Lichtenstein selbst sagte einmal, dass ein großer Teil der menschlichen Kommunikation auf die eine andere Weise von Werbung beeinflusst wird - dies ist zwar typisch für den Zeitgeist der  "Mad Men"-Epoche, mutet angesichts der heutigen Medien-Kultur allerdings auch prophetisch an. 

Zeitgenössische Kunstkritiker stieß all dies jedoch oft vor den Kopf. Berüchtigt ist etwa die Headline eines Times-Artikels, der fragte ob Lichtenstein „The Worst Artist in the U.S.?" sei. Heute wundert man sich ob solcher Fehlinterpretationen  gehört doch die von Künstlern wie Lichtenstein propagierte Verschmelzung von Low und High Art längst zum Standard in den Galerien. Allerdings muss man sich vergegenwärtigen wie radikal anders Lichtensteins Kunst damals war und wie sehr er in den 50ern mit Sehgewohnheiten brach. Comics hatten zu jener Zeit einen völlig anderen Stellenwert als heute. Weit davon entfernt als Kunst angesehen zu werden, wurden diese Heftchen von Älteren oft belächelt, ein Wegwerfprodukt für Kids (nicht viele hatten etwa die Voraussicht die erste DC Comics oder Action Comics Ausgabe mit den ersten Auftritten von  Batman oder Superman, die heute für Unsummen gehandelt werden, aufzuheben).                                                                                                      Lichtenstein nahm die kleinen Comic-Panele, blies sie auf und machte sie zum Monument. Durch den  geradezu filmischen Zoom auf Hyper-Details (etwa Münder oder tränende Augen) übersteigerte er die ohnehin plakative Bildsprache der Comics noch zusätzlich und arbeitet so neue Interpretationsmöglichkeiten heraus. Hinzu kommt sein modernes Spiel mit Intertextualität, wenn er etwa bewusst Werke von  Pablo Picasso oder Piet Mondrian zitiert und sie mit seinem eigenen Stil verschmilzt.

Diese Zeitlosigkeit und (Post-)Modernität ist es auch, die in dieser Jubiläums-Monographie besonders gut herausgearbeitet wird. In die Tiefe gehende Essays setzen sich etwa mit Lichtensteins Verbindung zur Popkultur, seinem Frauenbild oder seinen "Impersonal Paintings" auseinander. Zahlreiche qualitativ hochwertige Abbildungen zeigen die Entwicklung seines Stils von den persönlichen Sourcebooks über Frühwerke hin zu den allgemein bekannten Werken. Die Herausgeber achteten dabei sehr genau darauf auch darauf Arbeiten zu zeigen, die man mitunter selten sieht, wie etwa die "Nudes" oder Skulpturen. Der Bildband zum "Centennial" wird dadurch zu einer der bisher komplettesten Werkschauen eines Künstlers, der die ewige Frage von "Kunst oder Kommerz"  auf seine ganz eigene Weise beantwortete.

Roy Lichtenstein von Gunhild Bauer (Hrsg.) und Klaus Albrecht Schröder (Hrsg.), erschienen im Prestel Verlag

Sonntag, 16. Juni 2024

AC/DC - For Those About To Rock 50th Anniversary Edition

AC/DC  For Those About To Rock Jubiläum Buch Book Cover Blitz Paul Elliott Edition Olms Rock N´ Roll
Credit Coverbild: © Edition Olms

Es gibt da eine ganze Reihe von launigen Zitaten, in denen Angus Young, der Gibson SG-schwingende Lead Gitarrist der australischen Hardrock-Legenden AC/DC, den Vorwurf von Kritikern aufgreift, der Sound der Band aus Down Under wäre monoton, derivativ und zu simpel: „Meine Frau sagt, sie erkennt ein Riff der Rolling Stones sofort an den klassischen drei Akkorden. Sehr schön, sag’ ich dazu, aber viel zu aufwendig“.  Ein anderes historisches Zitat schlägt in dieselbe Kerbe: „Ich kann es nicht mehr hören, wenn die Leute sagen, wir hätten elf Alben gemacht, die alle gleich klingen. Es waren zwölf.“

Nun gut, die (mittlerweile) 17 Studio- und 4 Live-Alben von AC/DC weisen sicher nicht die Varianz der Diskographie eines  avid Bowie auf. Doch Young kokettiert hier selbstironisch damit, dass diese Band eben genau das hat, von dem viele Musiker träumen: einen auditiven Fingerabdruck. Einen Signature-Sound der in seiner unverwechselbaren Mischung aus präzisen Riffs, eruptiven Soli, treibenden Rhythmen und Reibeisen-Gesang zu den großen Trademarks im Rock-Genre zählt. Wenn man in Musikerkreisen  vom zigfach kopierten „australischen Sound“ spricht ist eben meist das uhrwerkartige Zusammenspiel der Gebrüder Young und weniger Dance-Pop von Kylie Minogue gemeint. Und dies ist ein wesentlicher Aspekt des Erfolgsrezepts dieser seit etwas mehr als 50 Jahren bestehenden Band, die  mit „Back In Black“ das weltweit zweitmeistverkaufte Album (nach Michael Jacksons „Thriller“) im Backkatalog hat.

All diese Superlative spielen natürlich auch in der neu erschienenen, äußerst umfangreichen  Jubiläums-Chronik „For Those About To Rock“ eine gewichtige Rolle. Sie allein würden diesen Band jedoch noch nicht unbedingt besonders machen, denn Biographien über AC/DC gibt es schon so einige. Es ist die Mischung aus Hochglanzbildern gepaart mit zahllosen, von Autor Paul Elliott im Superzoom herausgearbeiteten Details und plastischen Anekdoten (etwa über die mitunter autobiographische Färbung der berüchtigten dirty Lyrics der Band), die hier präsentiert werden, die selbst dem jahrzehntelangen Fan ein Lächeln ins Gesicht zaubern.  

Elliott ist Veteran des Musikjournalismus und ausgewiesener Genre-Experte, der seine Karriere 1985 als Autor fürs legendäre „ Sounds“-Magazin begann und nach Stationen bei „Kerrang!“, „Q“, oder dem „Metal Hammer“ nun für „Total Guitar“ und „Classic Rock“ schreibt, sowie als Verfasser einschlägiger Fachliteratur tätig ist. Dies merkt man auch deutlich, wenn man durch die 240 reich bebilderten Seiten dieses Buchs blättert: exzellent recherchiert und ebenso gut geschrieben liest man von Triumphen und Tragödien, Besetzungswechseln und Konstanten seit dem Debüt „High Voltage“, von Marksteinen und Exzessen und vom Kunststück als Gruppe über Jahrzehnte relevant und stadionfüllend populär zu bleiben.

„For Those About To Rock“ ist somit eine gelungene Retrospektive auf eine der einflussreichsten Bands des harten Rock.

AC/DC - For Those About To Rock von Paul Elliott, erschienen bei Edition Olms

AC/DC  For Those About To Rock Buch Bon Scott Blitz Paul Elliott Edition Olms
Credit Bild: © Edition Olms

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AC/DC  For Those About To Rock Buch Book Chuck Berry  Blitz Paul Elliott Edition Olms
Credit Bild: © Edition Olms

AC/DC  For Those About To Rock Buch Book  Blitz Paul Elliott Edition Olms
Credit Bild: © Edition Olms

Freitag, 31. Mai 2024

CLINT EASTWOOD - Der legendäre Filmemacher und sein Werk

Clint Eastwood Cover Buch Filmemacher
Credit Coverbild: © Edition Olms
Er verkörperte zwar den „Man With No Name“, der als schweigsamer Fremder mit Worten sparsamer als mit seinen Patronenkugeln umging und in den Sechzigern zum Synonym für den modernen Westernhelden wurde - doch der Name „Clint Eastwood“ selbst ist fraglos eine der wenigen Marken, die in Hollywood über Jahrzehnte Bestand haben - wie seine ungebrochene Popularität, eine ungemein extensive Filmographie oder Oscars für so unterschiedliche Werke wie "Erbarmungslos" und "Million Dollar Baby" verdeutlichen. Heute, am 31. Mai 2024,  wird The Man, The Myth, The Legend unglaubliche 94 Jahre alt. Anlässlich dessen ist im Olms Verlag eine kompakte Retrospektive auf das vielfältige Schaffen Eastwoods, das keine Genre-Grenzen kennt, erschienen.

Dabei wagt Autor Ian Nathan, der Chefredakteur und Herausgeber des renommierten  Empire Filmmagazins war und heute als gefragter Autor mit einer Buch-Reihe über bekannte Directors tätig ist, einen kleinen Kunstgriff. Wie schon der Titel andeutet geht es hier nicht vornehmlich um die ikonischsten Rollen Eastwoods sondern vor allem um seine Arbeit als Regisseur. Fraglos zieht es viele Actors auch hinter die Kamera auf den Stuhl des Regisseurs, doch so gut wie keinem  ist dies so gut gelungen wie Eastwood.

Die Frühzeit im TV („Rawhide“ war der Start seiner Karriere im Western-Genre ehe er nach Italien ging und mit den "Dollar"-Filmen seinen Durchbruch feierte)  und die Arbeiten mit Leone und Don Siegel kommen zwar vor, sind allerdings nicht der Hauptfokus dieses Bands. Natürlich muss man sich die Frage stellen inwiefern man dem Phänomen Eastwood wirklich gerecht wird, wenn man Parts die nicht bloß Rollen sondern Ikonen geworden sind mit nur wenigen Absätzen abhandelt. Dies ist auch das einzige Manko dieses gut geschriebenen  Buchs, denn gerade  diese Rollen waren es, die sich als so immens einflussreich erwiesen. 

Auch wenn man diesen Fokus (der letztlich eine gewisse Limitation in der Auseinandersetzung mit dem vielseitigen Künstler darstellt) durchaus etwas kritisch sehen kann, muss man anerkennen, dass dieses Buch exzellent recherchiert ist . Den journalistischen Background des Autors merkt man in jedem Kapitel, auch weil er sich durchaus (film-)kritisch mit dem Werk Eastwoods auseinandersetzt.  Zahleiche Bilder und teils weniger bekannte Trivia-Fakten (wie etwa dass Clint im Rock Hudson-Streifen "Nur Du Allein"  mitgespielt hat oder bei welchen Filmen er, ohne dass es im Anspann erwähnt wurde, die (Co-)Regie übernommen hat) runden den Eindruck ab.

Eastwoods fast sieben Jahrzehnte in der Filmindustrie lassen sich natürlich schwer auf den lediglich 176 Seiten dieses Bands zusammenfassen - zumal man es hier mit einem Multitalent zu tun hat, das auch noch Musiker, Komponist und Produzent, mit einem Händchen für gute Stoffe ist.  Doch Ian schafft es in diesem Buch dennoch einen sehr kompakten Karriereüberblick über die vielen Stationen dieser Legende zu geben und insgesamt ein gutes Portrait eines großen amerikanischen Storytellers zu entwerfen.

Happy Birthday, Mr. Eastwood !

Clint Eastwood - Der legendäre Filmemacher und sein Werk von Ian Nathan, erschienen bei Edition Olms 

Ein Blick ins Buch:
Clint Eastwood Inside Buch Filmemacher
Credit Bild: © Edition Olms

Clint Eastwood Inside Buch Filmemacher
Credit Bild: © Edition Olms

Clint Eastwood Inside Buch Filmemacher
Credit Bild: © Edition Olms

Clint Eastwood Inside Buch Filmemacher
Credit Bild: © Edition Olms

Clint Eastwood Inside Buch Filmemacher
Credit Bild: © Edition Olms

Clint Eastwood Inside Buch Filmemacher
Credit Bild: © Edition Olms

Clint Eastwood Inside Buch Filmemacher
Credit Bild: © Edition Olms

Clint Eastwood Inside Buch Filmemacher
Credit Bild: © Edition Olms


Mittwoch, 29. Mai 2024

JIMI AND ME - The Experience Of A Lifetime

Jimi Hendrix Jimi And Me Stathakis Cover Book Strat Hendrix at Woodstock Live 1969
Credit Coverbild: © Permuted Press
Ein junger Drehbuchautor am Anfang seiner Karriere, ein ungewöhnliches experimentelles Western-Filmprojekt, eine blühende Counterculture-Szene, faszinierende Groupies und ein Gitarrengott. Was sich liest wie die Ingredienzen einer „Almost Famous“-artigen Geschichte über die wilden Sechziger ist der Kern jener filmreifen Memoiren, die Jonathan Stathakis in seinem autobiographischen Buch „Jimi and Me“ entwirft. 

Anno 1969 ist die Hippiewelle am Höhepunkt und kurz davor ihren Zenit zu überschreiten, Stathakis steht mit Anfang Zwanzig erst am Anfang seiner Karriere und verfügt nur über einen einzigen Filmcredit: der schon damals obskure und heute verschollene Independent Film „Awakening Urge". Nun wäre dieser höchst mysteriöse Streifen schon für sich genommen ein lohnenswertes Thema für ein Buch. Doch noch interessanter ist, dass dieses Werk einen legendären Bewunderer hatte, der davon sogar so angetan war, dass er mit dessen Screenwriter in einem Musik und Film verbindenden Projekt zusammenarbeiten wollte. Der Name des berühmten Fans...Jimi Hendrix.

Das Ende der Sechziger war eine Phase in der Hendrix am Scheideweg stand. Retrospektiv drängt sich natürlich jene große Frage auf, die aufgrund des frühzeitigen Todes der Legende mit nur 27 Jahren auf ewig unbeantwortet bleiben muss: in welche künstlerische Richtung wollte er gehen ? Einen interessanten und bis dato unbekannten Hinweis darauf liefert Stathakis in seinem temporeich geschriebenen Buch, denn Hendrix dachte darüber nach einen Western-Film zu drehen, hätte also womöglich einen Meilenstein im Genre des progressiven Rock-Films gesetzt. Zwischen dem jungen Filmschaffenden und dem damals schon legendären Gitarristen entwickelte sich nach dem ersten Treffen, in dem dieses Unterfangen besprochen wurde, rasch eine offenbar tiefere Freundschaft.

 „Jimi and Me“ versucht zu keinem Zeitpunkt eine vollständige oder allumfassende Hendrix-Biographie zu sein. Vielmehr hat man es hier mit einem höchst subjektiven Bericht über zwei äußerst intensive Jahre zu tun. Das Ganze liest sich äußerst flüssig und ist mit Anekdoten gespickt.  Der schnoddrige Erzählton erinnert dabei an zeitgenössische amerikanische Literatur der Sechziger und Siebziger, ungefiltert und ganz im Jargon der damaligen Zeit: Old School im positivsten Sinne.

Die hier erzählte Geschichte ist eine, die bislang unbeleuchtet geblieben ist - und das obwohl es einen durchaus reichen Fundus an Büchern über diese Ikone gibt. Der Name Stathakis tauchte bislang im Zusammenhang mit Jimi zwar beim Lesen der Bildcredits  mancher Woodstock-Bilder auf  (bei jenem legendären Festival war der Drehbuchautor neben der Bühne und schoss Fotos seines Kumpels), doch das wars dann auch schon. Im Großen und Ganzen betrachtet mögen die neuen Informationen, die dieses Büchlein bietet zwar eher auf der Detail-Ebene angesiedelt sein, doch gerade diese raren Infos (inklusive einiger bislang unveröffentlichter Fotos) sowie die Nacherzählungen der "Hangouts with Hendrix", in der man durchaus Einiges über die Personality der Gitarren-Ikone abseits der Bühne erfährt, machen "Jimi and Me" zur Fundgrube für Fans. 

Jimi and Me, von Jonathan Stathakis mit Chris Eptig, erschienen bei Permuted Press

Sonntag, 26. Mai 2024

BOB WILLOUGHBY: AUDREY HEPBURN - Photographs 1953 - 1966

Audrey Hepburn Cover Bob Willoughby Elegance Pink Dress Star
Credit Coverbild: © Bob Willoughby Taschen Verlag
Als sich Audrey Hepburn in "Ein Herz und eine Krone" mit der ihr ureigenen Mischung aus Eleganz, Unbekümmertheit und Unschuld dem Hofprotokoll widersetzte, verliebte sich nicht nur der von Gregory Peck verkörperte amerikanische Reporter Hals über Kopf in sie - ein Millionenpublikum in den Kinosälen tat es ihm gleich. Ihren auf diesen Streifen, der den Durchbruch für Hepburn in Hollywood markierte, folgenden Filmpartnern ging es „on screen“ oder auch „off screen“ mitunter ähnlich. Dem Charme dieser für damalige Verhältnisse neuen Art weiblichen Stars, der weder Femme Fatale noch kurvige Sirene war, konnte sich niemand entziehen.

Einer der vielen platonischen Bewunderer Hepburns war auch der Fotograf Robert Hanley „Bob“ Willoughby. Mit Aufnahmen von Jazz-Musikern hatte er sich einen Namen gemacht, in Hollywood wurde er rasch zum ersten externen Setfotografen, der von Filmstudios speziell dazu engagiert wurde, während der Drehs Aufnahmen für Promozwecke zu machen. Der gebürtige Angeleno Willoughby avancierte in der Filmmetropole Nr.1 zu einem der gefragtesten Fotokünstler, der es vermochte das Wesen von Stars abseits ihrer Rollen einzufangen. Im Laufe seiner erfolgreichen Karriere machte  Willoughby legendäre Aufnahmen von Richard Burton, Dustin Hoffman, Marilyn Monroe, Elizabeth Taylor oder Jane Fonda - doch ein Star war ganz ohne jeden Zweifel sein absoluter Favorit. 
Als Willoughby 1953 angeheuert wurde, um ein gerade frisch in Hollywood angekommenes Starlet namens Audrey Hepburn abzulichten, war dies für ihn potentiell business as usual….eigentlich. Tatsächlich beeindruckte ihn diese Begegnung nachhaltig, fand er in der zierlich-anmutigen Schauspielerin doch sein erklärtes Lieblingsmotiv.
Schon beim ersten Treffen war er vollends hingerissen: „Sie gab mir die Hand wie… nun, wie eine Prinzessin und blendete mich mit diesem Lächeln, das Gott erschuf, um Männerherzen zum Schmelzen zu bringen“, erinnerte er sich. „Audrey gekannt zu haben, war eine Gnade“  beschrieb er seine Zeit mit dieser - O-Ton ahead – „zauberhaften Elfe“.

Nun gut, all dies hört sich zugegebenermaßen nicht so ganz platonisch an, doch wer würde angesichts von "Holly Golightly herself" nicht ins Schwärmen kommen?  Jedenfalls entwickelte sich eine freundschaftliche (Arbeits-)Beziehung zwischen den beiden, die Jahrzehnte andauerte. 
Im Bildband „Audrey Hepburn Photographs 1953 - 1966“ kann man nun eine Auswahl von Willoughbys Bildern in typsicher Taschen-High Quality bewundern. Der Einband ist ganz im markanten Türkis eines gewissen legendären, amerikanischen Traditions-Juwelierhauses gehalten, natürlich eine Anspielung auf "Frühstück bei Tiffany". Die hier gesammelten Aufnahmen decken den Großteil von Hepburns Filmkarriere ab, ehe sich der Star nach 1967 weitgehend aus Hollywood zurückzog und nur mehr in wenigen Rollen in den 70ern und 80ern in Erscheinung trat. 

Man sieht sie am Set mit Kollegen, aber auch in völlig privatem Rahmen. Willoughbys Stärke war es immer die wahre Personality von Stars abzulichten und dies kommt hier voll zur Geltung. Das sind Aufnahmen die nur entstehen können, wenn sich Fotograf und "Model" auf einer ganz persönlichen Ebene schätzen und einander vertrauen. Vom ätherisch Überhöhten (Hepburn mit einem Rehkitz in den Armen) bis zum Power Nap in den eigenen vier Wänden, beim Spielen mit ihren Kindern oder unglaublich elegant beim Stretching - die Fotos dokumentieren die bekannte Fotogenität Hepburns, haben jedoch– wenn man die Hintergrundgeschichte kennt - einen ganz eigenen Vibe. Denn neben dem Motiv ist es dieser liebevolle Blick mit dem Willoughby sein Motiv betrachtet, ja geradezu bewundert. 
Hepburn wiederum merkt man an, dass sie sich in der Gegenwart des Fotografen wohl fühlte - das Ergebnis sind einige der natürlichsten und intimsten Star-Aufnahmen aus dem Hollywood der Fünfziger und Sechziger. Die Chronik einer großen platonischen Liebe und die Geschichte einer Beziehung, die selbst durchaus filmreif anmutet.

Bob Willoughby. Audrey Hepburn. Photographs 1953–1966, Hardcover, 23.9 x 30 cm, 1.94 kg, 280 Seiten, erschienen im Taschen Verlag

Ein exklusiver Blick ins Buch:
Audrey Hepburn Black And White Movie Star Bob Willoughby Taschen Verlag
Credit Bild: © Bob Willoughby Taschen Verlag

Audrey Hepburn Black And White Movie Star Bob Willoughby Taschen Verlag
Credit Bild: © Bob Willoughby Taschen Verlag

Audrey Hepburn Black And White Movie Star Bob Willoughby Taschen Verlag
Credit Bild: © Bob Willoughby Taschen Verlag

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Credit Bild: © Bob Willoughby Taschen Verlag

Audrey Hepburn Movie Star Bob Willoughby Taschen Verlag
Credit Bild: © Bob Willoughby Taschen Verlag

Audrey Hepburn Movie Star Bob Willoughby Taschen Verlag
Credit Bild: © Bob Willoughby Taschen Verlag


Freitag, 17. Mai 2024

ALICE COOPER - BREADCRUMBS EP

Alice Cooper Breadcrums Eyes Augen Cover
Credit Coverbild: © earMusic Edel
Während andere Kollegen von Alice Cooper bereits ihre Farewell-Tourneen zelebrieren, bringt der ewige Schockrocker in den letzten Jahren eine Platte nach der anderen heraus. Erst im Vorjahr legte der beständig rockende und extrem aktive Musiker mit „Road“ ein viriles Album vor - und auch 2024 ebbt die Veröffentlichungsflut aus dem (Horror-)Hause Coopers nicht ab. Zwar gibt es - zumindest vorerst - kein vollständiges Studioalbum, aber dafür erscheint die zuvor nur als limitierte Vinyl erhältliche "Breadcrumbs EP“ nun auch in CD-Form.

Stellt sich nur die Frage: Handelt es sich dabei lediglich um Brotkrumen, die darbende Fans bis zur nächsten Albumveröffentlichung  hinwegtrösten sollen oder doch um rare Kleinode?

Nun speziell ist an dieser EP zunächst einmal dass Cooper hierfür einige raue Interpretationen klassischer Detroit-Songs eingespielt hat: Die Motor City war einst ja der Nährboden für die erste Inkarnation der Cooper-Band. Und wie das mit amerikanischen Städten so ist, jede hat ihren ganz eigenen Sound. Die jeweilige  Umgebung spiegelt sich im Klang wider. In Detroit fand der Lärm der Autowerkstätten in rauer Industrieumgebung im ungestümen Garage Rock von Musikern wie eben Alice Cooper oder MC 5 seine Entsprechung. 

Auf „Breadcrumbs“, das so etwas wie ein Prequel zu „Detroit Stories“ ist, zollt Alice diesem Sound mit einigen interessanten und durchweg soliden Coverversionen Tribut: Allen voran ist hier MC5s „Sister Anne”  zu erwähnen, auf dem man noch der dieses Jahr verstorbene Wayne Kramer als Gast dabei ist. Weiter gibt es Bob Segers „East Side Story”, „Your Mama Won’t Like Me” von Suzi Quatro, Shorty Longs „Devil With A Blue Dress On” und The Dirtbombs „Chains of Love” zu hören.

Reichlich klischeehaft ist hingegen der Opening Track „Detroit City 2020“ geraten, eine Eigenkomposition neueren Datums. Die Namedropping-Hommage an die Heimatstadt erinnert doch stark an die generischeren Momente der Hollywood Vampires, einer weiteren aktuellen Cooper-Kombo. Als Bonustracks gibt es mit "Don't Give Up" eine vertonte Durchhalte-Parole/Botschaft an die Fans während der COVID-19-Pandemie, sowie eine Live-Version von "Go Man Go" vom Hellfest 2022.

Die „Breadcrums EP“ mag zwar nicht die ganz großen Raritäten und Killer Tracks enthalten, für beinharte Fans stellt sie dennoch ein Muss dar – zumal die Schallplatten-Version dieser EP mittlerweile längst vergriffen ist.

Montag, 8. April 2024

75 JAHRE FENDER - Chronik einer amerikanischen Ikone

Rote Fender Stratocaster Gitarre 75 Jahre Fender Chronik Buch Cover
Credit Coverbild: © Hannibal Verlag
Ergonomisch perfekt geformt schmiegt sich ihr schlanker, geradezu aerodynamischer Korpus an den Musiker. Ihr heller charakteristischer Signature-Klang ist zwar unverkennbar und dennoch so adaptiv, dass er in jedem Genre zu reüssieren vermag - selbst in jenen musikalischen Spielarten, die zum Zeitpunkt ihrer Kreation noch gar nicht geboren waren. Ihr Design steht noch heute im starken Kontrast zu den Instrumenten des ewigen Konkurrenten Gibson, erwies sich jedoch als nicht minder zeitlos - nicht umsonst wird dieses Instrument bis zum heutigen Tage im Kern unverändert gebaut. Die Rede ist von der Fender Stratocaster die vor genau 70 Jahren im April 1954 in Serienproduktion ging.
Passend dazu hat die Firma Fender das „Year Of The Strat“ ausgerufen, das mit Jubiläumsmodellen sowie einer äußerst emotionalen Werbekampagne den geradezu mythischen Charakter dieser legendären Erfindung feiert.

Kult aus Kalifornien: Leo Fenders Vermächtnis

Die Strat spielt natürlich auch in der offiziellen Chronik die zum Dreivierteljahrhundert-Jubiläum der Firma Fender erschienen ist eine Hauptrolle. Passend zu diesem besonderen Anlass ist dann auch diese bibliophile Festschrift zur Geschichte der Kultmarke sowohl äußerst umfangreich als auch besonders attraktiv gestaltet. Geschrieben hat sie eine absolute Koryphäe auf dem Gebiet der Gitarrenkunde: Dave Hunter, einer der anerkanntesten Experten auf diesem Gebiet, der sich mit zahlreichen ähnlichen Veröffentlichungen und Beiträgen in der Fachpresse einen Namen gemacht.

Die Historie der Fender Musical Instruments Corporation ist natürlich auch die Geschichte ihres Gründers Leo Fender. Dieser konnte zwar selbst kein Instrument spielen, implementierte jedoch zahlreiche, für Musiker ungemein sinnvolle Innovationen in seinen Kreationen. Darüber hinaus setzte der "Henry Ford der Gitarrenbaukunst" auch in Sachen ökonomisch-effizienter und robuster Fertigung Maßstäbe. Die Erfolgsgeschichte dieses Unternehmens ist neben der klanglichen Komponente ("That Great Fender Sound") auch ein Beispiel für eine Revolution er Ästhetik: Gitarren in Farben der Straßenkreuzer der Fünfziger und Formen, die ihrer Zeit einerseits weit voraus waren und gleichzeitig  prototypische Produkte des Space Age der Nachkriegsjahre darstellen.

Designikonen

Dem Umstand, dass die Produkte aus dem Hause Fender von Telecaster, Stratocaster oder Jazzmaster bis zu den Verstärkern auch amerikanische Designikonen sind wird auch in der Aufmachung des 75 Jahr-Buchs Rechnung getragen:  Ein stylisher Schuber in Tweed Optik schützt den Band und gemahnt an die Fifties Amps und Koffer Fenders. Gut, aus echtem Tweed-Stoff hätte dieser für den letzten Schliff an Exklusivität schon sein dürfen, die Idee ist aber dennoch originell und sorgt dafür,  dass Buch nicht nur ein schöner Bildband sondern auch ein Sammelstück ist. 
Im Inneren erwarten den Leser neben tiefgehenden Texten die von der Fender-Frühzeit bis zur Gegenwart alles abdecken auch zahlreiche, teils seltene Bilder aus dem firmeneigenen Archiv und ein Layout das an die kultigen Vintage Kataloge und Werbemittel der Firma erinnert. Mad Men lässt grüßen. Diese Ads mit ihrer charmanten Retro-Ästhetik machen auch einen gewichtigen Teil des Anschauungsmaterials dieses Bands aus, selten hat man so viele dieser Sujets an einem Ort versammelt gesehen. Neben den zahlreichen Entwicklungsstufen und Variationen der Fender-Produkte fokussiert dieser Band natürlich auch auf jene Ikonen, die diese Instrumente erst unsterblich gemacht haben: von Buddy Holly zu Jimi HendrixEric Clapton oder Stevie Ray Vaughan.

Retrospektiven auf Fender, die es sehr gut verstehen ihre Jubiläen zu feiern, gibt es nicht wenige - dieser 75th Anniversary Band zählt jedoch fraglos zu den schönsten seiner Art, der eine gelungene Hommage an Instrumente und Verstärker darstellt, die den Lauf der Musikgeschichte maßgeblich mitgeprägt haben. 

75 Jahre Fender von Dave Hunter, erschienen in deutscher Übersetzung im Hannibal Verlag