Sonntag, 16. Juli 2023

OSCARS - GLAMOUR AUF DEM ROTEN TEPPICH: Eine Fashiongeschichte der Academy-Awards

Credit Coverbild: © Prestel Verlag
Die Historie des unbestritten größten Filmpreises der Welt ist ebenso so lang wie facettenreich. Unterschiedlichen Kameraperspektiven gleich kann man sie unter völlig verschiedenen Blickwinkeln betrachten: die Oscar-Geschichte ist sowohl eine von bemerkenswerten Konstanten als auch von sich wandelnden Trends und Genre-Strömungen. Sie ist eine von Triumphen genauso wie von "Snubs", also jenen  Filmen und Künstlern, die unerklärlicherweise übergangen wurden. An den jeweiligen Verleihungsabenden wurden Weltkarrieren zementiert und andere verblassten kurz nachdem die Gravur in der Platte am Sockel der Oscar-Statue angebracht wurde. Auch haben die Oscars eine lange Tradition politsicher Statements, ebenso wie von Skandalen oder auch ganz einfach nur Schlagzielen machenden Dankesreden. 

Man kann sich ihnen jedoch noch von einer anderen völlig Seite her nähern: nämlich einer sartorialen, haben die Academy Awards doch auch alljährlich den vielleicht wichtigsten Red Carpet der Unterhaltungsindustrie. Im neuen Bildband "Oscars-Glamour auf dem roten Teppich" macht Modejournalistin, Stylistin und Designerin Dijanna Mulhearn genau dies und lenkt den Lichtkegel des Scheinwerfers auf zeitlose Styles und große Roben der Stars - sowie auf jene Kreationen die statt einem Goldjungen wohl eher einen Razzie, eine goldene Himbeere, verdient hätten.

Mulhearn spannt den Bogen von der 1. Verleihung 1929 bis zur 94. im Jahre 2022. Jedes Jahr wird von einem kurzen Text und einer reichhaltigen Auswahl an Bildern begleitet. Dabei wird schnell klar, dass dieses Buch viel mehr als nur ein Fashion-Band und modischer Streifzug durch vergangene Epochen ist. Mode spielt zwar eine Leading Role, doch hat man es hier auch mit einer Chronik sich wandelnder gesellschaftlicher Normen und Werte zu tun. Auch die zunehmende Kommerzialisierung des roten Teppichs als Teil der groß angelegten Marketingkampagnen der Modehäuser sowie das Aufkommen von Stylisten verdeutlichen diesen Zeitenwandel. 
Diese Reise durch fast 100 Jahren ist auch ein Wiedersehen mit noch lebenden und verstorbenen  Legenden und Ikonen der Leinwand, großen und weniger großen Schauspiel-Stars und auch beinahe vergessenen Gesichtern "Tinseltowns". 

Mode ist  immer schon ein nicht unwesentlicher Teil der Glamour-Metropole an der Westküste gewesen und Mulhearn zeigt in ihrer Glamour-Retrospektive, dass Zelluloid nicht der einzige Stoff ist, aus dem Träume in der Traumfabrik gemacht sein können.

OSCARS - GLAMOUR AUF DEM ROTEN TEPPICH: Eine Fashiongeschichte der Academy-Awards, erschienen im Prestel Verlag

Freitag, 14. Juli 2023

ENNIO MORRICONE - DER MAESTRO

Ennio Morricone Conducts
Credit Bild: © Plaion Pictures
Kein anderer zeitgenössischer Komponist vermochte es so gekonnt Emotionen zu vertonen, wie Ennio MorriconeIn seinem ungewöhnlichen Signature-Sound verschmolz er in progressiver Weise sowohl Elemente aus der E-Musik als auch der U-Musik. Typische Orchesterinstrumente trafen auf moderne elektrische Instrumente, die in der Klassik sonst überhaupt keine Rolle spielten. Selbst Geräusche und Laute konnten bei ihm zur Musik werden. Morricone prägte nachhaltig wie der historische amerikanische Western klang, setzte in Sachen Suspense, Dramatik bis Melancholie neue Maßstäbe in Sachen "Scoring" und hob Filmmusik so auf ein neues Level.  

In der bei den 78. Filmfestspielen von Venedig im Jahr 2021 erstmals vorgestellten und nun auf Blu ray veröffentlichten Doku mit dem passenden Titel „Der Maestro" wird nun der Lebensweg dieses Genies nachgezeichnet. Regie führte dabei kein klassischer Dokumentarfilmer sondern Giuseppe Tornatore, einer der prominentesten Gegenwarts-Filmemacher Italiens. Morricone und ihn verband eine fast vierzigjährige innige Freundschaft und Arbeitsbeziehung ( "Cinema Paradiso", oder "Der Zauber von Malèna"). 

156 epische Minuten nimmt sich Tornatore Zeit, die unterschiedlichen Stationen in der langen Karriere Morricone zu beleuchten und den legendären Komponisten, der kurz nach Fertigstellung verstarb, in  Interviews auf sein Lebenswerk zurückblicken. Dabei ist die Gestaltungsweise  recht zurückgenommen, gelegentlich werden einige interessante Einstellungen eingewoben, großteils folgt dieser Film jedoch den Konventionen der High Profile-Doku im Talking Heads-Format. Dies könnten jedoch nicht prominenter sein: Clint Eastwood, Quentin TarantinoDario Argento, Kris Kristofferson, James Hetfield, Hans Zimmer, Bernardo Bertolucci, Bruce Springsteen.... 

Ihnen allen ist die Faszination für den Maestro gemein. Hier wird erneut deutlich wie sehr Morricone Genre-Grenzen überwand. Während andere Dokumentationen oft etwa distanziert wirken, merkt man hier die persönliche Note Tornatores und sein Näheverhältnis zum Maestro. Wo sonst würde man derart detaillierte Einblicke in die  Wohnung Morricones bekommen oder den Komponisten beim Stretching in einer Arbeitspause sehen? 

Dass die Italowestern nicht das  Zentrum und Details dieser ikonischen Aufnahmen nicht den bestimmenden Hauptteil dieser Dokumentation darstellen hätte Morricone, der sich nie auf diese Soundtracks reduzieren lassen wollte, sicher gefallen - mag mitunter jedoch nicht deren historischer Bedeutung gerecht werden. Viele Fakten wird der Fan schon kennen, doch dass Kunststück Tornatores offenbart sich in den Details, den kleinen persönlichen Einblicken in Leben und Personality des Künstlers und der Beleuchtung weniger bekannter Filmmusik-Arbeiten oder Zusammenarbeiten (Chet Baker!). So ist dieses ruhige, teils intime Portrait nicht einfach nur eine Retrospektive sondern eine liebevolle Hommage auf den Ausnahme-Komponisten. 

Ennio Morricone Blu ray Cover Der Maestro
Credit Coverbild: © Plaion Pictures



Donnerstag, 13. Juli 2023

VOLKER HINZ - CARROUSEL

Karl Lagerfeld
Credit Bild:  © Copyright: BSB Bildarchiv Volker Hinz, Hartmann Books, 2023
Andy Warhol oder Bryan Ferry in der Front Row, beim Kostümball mit Kaiser Karl, Helmut Newton mit High Heels am Tisch, auf einer der legendären Yves Saint Laurent-Parties oder halbnackte Models kurz vor dem großen Catwalk-Moment: Wo anderen kein Zutritt gewährt wurde, war der deutsche Starfotograf Volker Hinz (1947–2019) im Auftrag des Stern mit seiner Hasselblad dabei. Im neuen Bildband "Carrousel", dem Mittelteil einer von Hinz' Witwe Henriette Väth-Hinz herausgegebenen retrospektivischen Buch-Trilogie über das umfangreiche Werk ihres Mannes, sieht man nun eine Auswahl dieser beeindruckenden Aufnahmen einer vergangenen Fashion-Ära. Die hier gezeigten Bilder hatte der Fotokünstler noch selbst für eine Ausstellung im Jahr 2015 selektiert.

Mit der ihm eigenen "hinzigen" effektvoll-dynamischen Bildsprache zwischen Kunst- und Reportage-Fotografie lichtete er ein veritables Who is Who der Branche ab und blickte hinter die Kulissen dieser glamourösen Parallelwelt zwischen überirdischer Schönheit, sartorialen Extravaganzen und  allgegenwärtiger Dekadenz. Hinz hatte einen Radar für die kleinen, jedoch besonderen Momente. Augenblicke, die im Trubel leicht untergehen konnten, die jedoch mitunter viel über die Ausübenden der High Glamour-Industry aussagen. Er sah das Altman-eske und Fellini-eske im titelgebenden Mode-Karussell, das niemals still steht. Nicht nur einmal wird man beim Betrachten der Bilder an "La Dolce Vita" und „Prêt-à-porter" erinnert. Hinz blickte dorthin wo etwa aktuelle Fashion-Backstage-Fotografen ihren Blick abwenden. 
Gerade die Momente vor der am Laufsteg gezeigten Perfektion sind es, die ihn interessieren. Da Hinz die Modeszene über mehrere Jahrzehnte dokumentierte sieht man hier auch die Transformation der Branche: was sich im Siegeszug der Ready To Wear-Kollektionen zeigt oder auch im Aufkommen der damals jungen Grade von  John Galliano bis Jean-Paul Gaultier.
Hinz folgte stets dem Credo „Der Fotograf darf nicht langweilen. Langweilige Bilder gibt es genug.“ Für diesen Ansatz, sind die in "Carrousel" gezeigten Aufnahmen absolute Paradebeispiele, zeigen sie doch die Modeszene sowohl "ungeschminkt" als auch in all ihrer endlos faszinierenden Pracht.  

 Ein exklusiver Blick ins Buch:

Credit Bild:  © Copyright: BSB Bildarchiv Volker Hinz, Hartmann Books, 2023

Credit Bild:  © Copyright: BSB Bildarchiv Volker Hinz, Hartmann Books, 2023

Credit Bild:  © Copyright: BSB Bildarchiv Volker Hinz, Hartmann Books, 2023

Credit Bild:  © Copyright: BSB Bildarchiv Volker Hinz, Hartmann Books, 2023

Credit Bild:  © Copyright: BSB Bildarchiv Volker Hinz, Hartmann Books, 2023

Credit Coverbild:  © Copyright: Hartmann Books BSB Bildarchiv Volker Hinz, Hartmann Books, 2023

Volker Hinz - Carrousell , von Henriette Väth-Hinz Hrsg.:, erschienen bei Hartmann Books

Dienstag, 11. Juli 2023

JIMI: OFFICIAL 80th BIRTHDAY EDITION

Credit Coverbild: © Chronicle Chroma/Abrams & Chronicle
Am 27. November ´22 wäre James Marshall "Jimi" Hendrix 80 Jahre alt geworden. Anlässlich dieses großen Anniversaries ist mit "Jimi" ein neuer Prachtband erschienen, in dem seine Schwester Janie und John McDermott von der Experience Hendrix L.L.C das Leben und einflussreiche Schaffen dieser Legende beleuchten. 

Trotz seines frühen Todes mit nur 27 Jahren hinterließ Hendrix ein Werk, das so dermaßen komplex und vielfältig war, dass es von Gitarristen aller Welt bis heute regelrecht studiert wird - bzwm werden muss, will man sich diesen so expressionistischen wie impressionistischen Klanggebilden nähern. Was Hendrix im Studio, dass er als eigenes Instrument begriff und auf der Bühne, bei der er seine Gitarren- und Amp-Opferungen schamanisch anmuteteb-  war damals revolutionär und ist es noch.

Dieses neue offizielle "commemorative " Release im Coffe Table-Format versucht nun sowohl dem Phänomen als auch dem Menschen Hendrix gerecht zu werden - was auch gelingt, wird der legendäre Musiker hier doch überaus detailreich portraitiert und sowohl seine Eigen-und Fremdsicht beleuchtet. Die Autoren wollen dieses Buch als "visual celebration" verstanden wissen: Text- und Bildcontent  sind hier nahezu gleich gewichtet. Es gibt schon viele Bücher über die Ausnahmeerscheinung Hendrix, dieses zählt mit seinem konsequenten Sixties-Styling (knallige Farben und immer wieder ein Retro-Schriftfont, der an Vintage-Plakate gemahnt)  jedoch fraglos zu den schönsten Releases
Die informativen Texte, bekannte sowie bislang ungesehenen Aufnahmen, Memorabilia, handgeschriebene Lyrics und Zitate von Hendrix selbst zeichnen den Lebensweg dieser Ikone nach, O-Töne legendärer Zeitgenossen wie Paul McCartney, Keith Richards, Ronnie Wood sowie von jüngeren Artists wie Rapper Drake verdeutlichen wiederum den  generationenübergreifenden Appeal des Musikers aus Seattle. 

Diese wunderbare bibliophile Würdigung eines der ganz  großen Gamechanger ist auch für Leute mit gut gefüllter Hendrix-Bibliothek ein echtes Highlight.

Ein Blick ins Buch -  Jimi throughout the years:

All-American Boy: Jimi im Football-Outfit zuhause in Seattle , circa 1956, Washington.        Credit Bild: ©: Photo from JIMI by Janie Hendrix and John Mc Dermott. Published by Chronicle Chroma. Courtesy James "Al" Hendrix Collection / © Authentic Hendrix, LLC


Jimi vor seinem Haus - mit Danelectro-Gitarre, ca. August 1960
Credit Bild: ©: Photo from JIMI by Janie Hendrix and John Mc Dermott. Published by Chronicle Chroma. Courtesy James "Al" Hendrix Collection / © Authentic Hendrix, LLC

Jimi in Nottingham, England, 20.April 1967
Credit Bild: ©: Photo from JIMI by Janie Hendrix and John Mc Dermott. Published by Chronicle Chroma. Courtesy James "Al" Hendrix Collection / © Authentic Hendrix, LLC

Jimi mit der späteren Autorin dieses Buchs, seiner Schwester Jnaie, backstage in der Seattle Center Arena, Seattle, WA, February 12, 1968
Credit Bild: ©
: Photo from JIMI by Janie Hendrix and John Mc Dermott. Published by Chronicle Chroma. Ulvis Alberts / MoPOP / Authentic Hendrix, LLC

In der Royal Albert Hall, 18. Februar 1969
Credit Bild: ©: Photo from JIMI by Janie Hendrix and John Mc Dermott. Published by Chronicle Chroma. Graham F. Page / MoPOP / Authentic Hendrix, LLC

1969;: Woodstock Festival
Credit Bild: ©: Photo from JIMI by Janie Hendrix and John Mc Dermott. Published by Chronicle Chroma. Allan Koss © Authentic Hendrix, LLC
JIMI: Official 80th Birthday Edition von Janie Hendrix und John McDermott, erschienen bei Chronicle Chroma/Abrams & Chronicle


Montag, 10. Juli 2023

PINK FLOYD - THE DARK SIDE OF THE MOON: Das offizielle Buch zum 50. Jubiläum

Credit Coverbild: © Edel  Books
Große Alben der Musikgeschichte gibt es so einige, diverse Top 100-Listen zehren seit Ewigkeiten von diesem Umstand. Doch nur eine Handvoll dieser Werke haben den Status inne regelrechte "Initiations-Platten " zu sein, die jede Generation neu für sich entdeckt und die in ihrer ungebrochenen Faszinationskraft  zeitlos geworden sind.

Das am 3. März 1973 erstveröffentlichte „The Dark Side Of The Moon“ von Pink Floyd ist ein solches Album. Ein ausgewachsener Klassiker gespickt mit legendären Songs,darüber hinaus ein  Referenzwerk in Sachen Klang. Fraglos auch einer der wichtigsten  Meilensteine in der Entwicklung Floyds. Einerseits kommerziell, denn dieses achte Studioalbum machte aus der Band endgültig Platin-ausgezeichnete und Stadium-füllende Superstars. Andererseits künstlerisch, denn auf der dunklen Seite des Mondes fanden Roger Waters, David Gilmour, Nick Mason und Richard Wright endgültig zu ihrem Sound.

Anlässlich des 50 Jahr-Jubiläums dieser LP ist nun ein offizieller, in enger Abstimmung mit der Band gestalteter Jubiläumsband erschienen. Dieser zeigt bisher ungesehene Fotografien, die in den Jahren 1972 und 1975 während der Aufnahmen des Albums und der anschließenden Tourneen in Europa, den Staaten und Nippon entstanden sind. Überdies liefert dieses Buch Schritt für Schritt Einblicke in die Entwicklung des ikonischen Prismen-Motivs auf dem selbst zum Kult gewordenen Albumcover, das vom Künstlerkollektiv Hipgnosis entworfen wurde und in abgewandelter Form auch spätere Projekte der Band zierte.

So reduziert wie das ikonische Artwork ist auch dieser Band gestaltet. Hier gibt es keine Schnörkel und noch weniger begleitende Information. Lediglich ganz am Schluss gibt es ein paar Seiten mit Bildkommentaren. Das ist doch etwas spartanisch, zumal es natürlich so Einiges über die Genesis dieses Meisterwerks zu berichten gäbe. Ein Bild sagt nicht immer mehr als tausend Worte, auch weil die hier gezeigten Aufnahmen im Vergleich zu anderen Bildbände etwas kleiner ausgefallen sind, es bleibt also recht viel "Weiß" auf den Hochglanzseiten dieses Bands in Schallplattenhüllen-Größe über. Gerade aufgrund der Rarität der  hier zu sehenden Fotografien ist dieses Buch für den Hardcore-Floyd-Fan aber dennoch ein Muss für die Sammlung und erweist sich für jenen Kreis, die ohnehin schon alles über diese einflussreiche Band wissen, als kleine Fundgrube seltener Schnappschüsse.

Pink Floyd – The Dark Side of the Moon  Das offizielle Buch zum 50.Jubiläum, erschienen bei Edel Books

Samstag, 8. Juli 2023

EXTREME-SIX

Credit Bild: © Jesse Lirola earMusic Edel 
Geschmäht, als nicht trendy verunglimpft, bewusst vermieden, als Relikt einer testosteron-geschwängerten Ära verschrien oder von Musikern, die einfach zu faul zum Üben waren, als nicht mehr nötig abgetan - das Gitarrensolo hatte seit der Grunge-Zeit auch innerhalb der Musiker-Szene nicht immer den leichtesten Stand und war indes natürlich dennoch nie totzukriegen. Dass ein solcher Ausdruck von Passion und Virtuosität für Schlagzeilen sorgt und monatelang diskutiert wird, ist also eine Seltenheit und zudem schon etwas länger her - insgesamt wohl einige Jahrzehnte. Beim Song „Rise“, genauer gesagt seinem Tendinitis-induzierenden Höhepunkt, bei dem Nuno Bettencourt wieder einmal die vollkommene Beherrschung des Instruments demonstriert, ist jedoch genau das passiert.

Der Lead Part der Lead-Off-Single des ersten Extreme-Albums seit geschlagenen 15 Jahren ließ die Wenigsten kalt. Prominente Kollegen wie Steve Lukather oder Zakk Wylde zeigten sich ob dieses hoch-technisierten Schaustücks höchst beeindruckt. Im Total Guitar-Magazin belegte „Rise“ nur wenige Monate nach der Erstveröffentlichung gar den Spitzenplatz des „Soli des 21.Jahrhunderts“-Rankings.  Kurzum, wer sich nur peripher mit Rockmusik beschäftigt kam an dieser Mischung aus Bends, Speed Licks und einer an den Grenzen des Möglichen kratzenden Hammer On und Pull Off-Passage schlichtweg nicht vorbei. Eine solche Resonanz ist an sich schon ein Phänomen, dennoch stellt sich die  Frage ob das gerade veröffentlichte dazugehörige Studioalbum "Six" mehr ist als bloß ein beeindruckendes Gitarrensolo.

Und hier gibt es klare Entwarnung, „Rise“ ist womöglich gar nicht das beste Solo auf dieser eklektischen Platte, die von Beginn an eine Fülle an teils mitreißenden, catchy Songs aufweist und ein Comeback mit dem man nicht unbedingt rechnen konnte. Extreme waren immerhin sehr lange weg. Natürlich sind es  es vor allem, immer wieder die Riffs und ausgeklügelten  Solo-Parts Bettencourts, einem Gitarristen der Eddie Van Halen und Brian May-Schule. Doch neben den Zauberticks des Saitenmagiers ist es auch die schiere Energie dieser Band, die beeindruckt und die  weitaus größer zu sein scheint als bei vielen jüngeren Gruppen. Besonders Sänger Gary Cherone ist hier hervorzuheben, röhrt dieser doch so dermaßen, dass man sich fragt, wieso echtes Frontman-Tum ein ähnliches Schicksal wie Gitarren-Soli fristete.

Insgesamt wirkt "Six"  als hätte es diese Pause von 15 Jahren nicht gegeben - for better or worse. Denn einerseits zeigt sich die Band so angriffslustig und hungrig wie der das Cover zierende Gorilla. Andererseits haben manche Songs etwas vom beliebigen Mainstream-Rock der Noughties.  Extreme zählten ohnehin immer schon zu den großen Eklektikern unter den Hard Rock-Bands, mannigfaltige Einflüsse und Experimente sind dann auch auf dieser Platte omnipräsent - stets ohne Furcht vorm Flirt mit Pop-Musik, nicht umsonst ist ihr größter Hit die Cat Stevens-artige Ballade "More Than Words“. Auf "Six" vermeint man überdies Bettencourts lange Zeit als Gitarrist bei Rihanna herauszuhören -  nicht zuletzt der Beinahe-Millennial Woop bei „Rise“ lässt darauf schließen. Insgesamt gibt es auf „Six“ allerdings natürlich mehr R N´R als Ri Ri - und dieser ist breitbeinig, lässig. Eine Mischung aus Heaviness und Leichtfüßigkeit. Doch nach der das Album eröffnenden  Dreifachsalve von „Rise“, „#Rebel“ und „Banshee“ diversifiziert sich die Platte stilistisch zunehmend, allerdings nicht immer mit gleich gutem Ergebnis: „Small Town Beautiful“ wäre auch neben den glatteren Proponenten des amerikanischen Country Format-Radio nicht Fehl am Platz. „Beautiful Girls“  ist kein Van Halen- Cover wirft jedoch die Frage auf, ob dieser Song einfach nur beliebig ist oder aber der catchieste Sommer-Hit, der Mitte der Neunziger nicht veröffentlicht wurde. Selbst vor Experimenten mit zeitgenössischen Elektro-Sounds scheuen Bettencourt und Co. nicht zurück („Thicker Than Blood“).

So ist "Six" metallisch, hard rockend. poppig, allzu smooth, schmutzig,  - und das alles zur gleichen Zeit. Obwohl nicht  alle Experimente funktionieren, macht dieses Werk einfach Spaß und inspiriert die Gitarristen unter den Zuhörern wohl unweigerlich schleunigst selbst zum eigenen Instrument zu greifen. Überdies ist diese Platte soundtechnisch eine Wucht und insbesondere was die Aufnahmen von Bettencourts Gitarrenspuren anbelangt eines der am besten klingenden Alben der letzten Zeit.

Beweisstück 1: -das Solo zum borderline-unspielbaren Solo des Jahres:

 
Credit Coverild: © earMusic Edel 

Dienstag, 4. Juli 2023

HOLLYWOOD VAMPIRES - LIVE IN RIO

Credit Coverbild: © earMusic Edel 
Am Höhepunkt seiner Karriere als Trinker formierte Schockrocker Alice Cooper einst die Hollywood Vampires, einen Club prominenter Gentlemen, die ähnlich wie ihre Kollegen aus dem Bram Stoker-Roman oder den Hammer Films-Produktionen die Nacht zum Tage machten. Entgegen den Cooper´schen Bühnengepflogenheiten stand ihnen der Sinn jedoch keineswegs nach Blut sondern vielmehr nach Hochprozentigem, handelte es sich damals in jener Hochphase der Rock N´Roll-Exzesse doch um einen illustren „Celebrity Drinking Club“ dem u.a. Ringo Starr, Keith Moon, Micky Dolenz of The Monkees oder auch mal John Lennon angehörten. Fast Forward ins Jahr 2015: da wurden die Vampires, die bis dato eher dem trivia-interessierten Rock-Fan ein Begriff waren, reaktiviert. Diesmal jedoch - die harten Zeiten liegen längst hinter Cooper - nicht als Party-Gesellschaft sondern als Band, als Supergroup um genau zu sein. Zusammen mit Joe Perry, ehemals ebenfalls kein Kostverächter, Hollywood-Superstar Johnny Depp sowie einer Reihe wechselnder Mitmusiker wurde verstorbenen Weggefährten aus der vergangenen Rock-Ära musikalisch Tribut gezollt.

2015 entstand auch der erst jetzt veröffentlichte Konzertmitschnitt „Live In Rio“ bei dem neben Cooper, Depp, Perry und Gitarrist Tommy Henriksen auch Duff McKagan (Guns N' Roses, Ex-Velvet Revolver), Matt Sorum (ebenfalls Ex-G N´R und Velvet Revolver) und Bruce Witkin (Grammy-nominierter Produzent) dabei waren. Zu den besonderen Gästen des Abends gehören Lzzy Hale (Halestorm), der brasilianische Lokalmatador Andreas Kisser (Sepultura) sowie Zak Starkey (The Who / Oasis).

Eine ähnlich prominent besetzte Supergroup operiert derzeit nur in Form von Ringo Starrs All Starr Band. Doch ergibt das bei den Vampires mehr als die Summe der einzelnen, teils legendären Teile? Nun, hier wird fraglos ein routiniertes Rock-Feuerwerk abgebrannt, das - gerade jetzt anno ´23 sind die Vampires wieder auf Tour - im aktuellen Konzertbetriebe seines Gleichen sucht. Der Sound der aktuellen Version der Cooper-Band ist dabei stets dominierend. Dies sorgt zwar für eine recht heavy High Energy-Show, die dargebotenen Klassiker werden jedoch auch relativ gleichförmig, wenig nuanciert und wenig subtil gespielt. Dies sorgt dann gar für wundersame, im Original nicht vorhandene Ähnlichkeiten zwischen „Break On Through To The Other Side“ der Doors, Led Zeppelins „Whole Lotta Love“ und Cooper-Klassikern wie „Schools Out“. Dem über 100.000 köpfigen Publikum in Rio - bekannt dafür zahlreich und enthusiasmiert bei Open Airs zu erscheinen  ists herzlich egal, es feiert R ´ R-Freibeuter Depp und die Haudegen auf der Bühne frenetisch. Die wiederum haben sichtlich Spaß daran, in dieser hochkarätigen Coverband zu spielen. 

„Live In Rio“ erscheint in diversen Formaten, darunter auch als limitierte 250g Vinyl, in  der das Cover-Artwork natürlich am Besten zur Geltung kommt, sowie als audiovisuelle Vollbedienung in einer CD und Blu ray-Kombi. Letztere Version fängt den schweißtreibenden Abend am Zuckerhut wohl am besten ein.

VAMPIRE AM TAGE: PERRY, DEPP, COOPER, HENRIKSEN
Credit Bild: © Ross Halfin earMusic Edel 


Montag, 12. Juni 2023

THE BIRTH OF ROCK N´ROLL: 70 YEARS OF SUN RECORDS

Credit Coverbild: © Edition Olms
Obwohl es eine ganze Reihe bekannter und legendärer Plattenlabels gibt, die größer, kommerziell erfolgreicher und mitunter länger aktiv waren oder sind,
nimmt Sam Philips Sun Record Company fraglos eine außergewöhnliche Sonderstellung ein.

Was sich dort in den kleinen Räumlichkeiten mit dem charakteristischen Klang an der 706 Avenue in Memphis, Tennessee  zugetragen hat, war nichts weniger als eine Revolution - wurden hier doch nicht nur große Aufnahmen eingespielt, sondern gleich der ganze Lauf der Musikgeschichte nachhaltig geändert. Die Sonne im Label repräsentierte einen neuen Tag, eine neue Chance - und letztlich den Sonnenaufgang eines neuen bisher nie dagewesenen Sounds; die Verbindung weißer und schwarzer Musiktraditionen im damals noch segregierten Süden. Bei Sun machte der "Man who would be King", Elvis Presley, seine ersten Recordings. Wenig später folgten Jerry Lee Lewis, Carl Perkins, Johnny Cash, Roy Orbison. Auch Blues-Artists wie Howlin´ Wolf und B.B. King war Sun Records zeitweise eine Heimat.

Anlässlich des 70th Anniversary von Sun erzählen Autor Peter Guralnick (der zu den wichtigsten und prominentesten Chronisten amerikanischer Musik gehört und mit seiner zweibändigen Elvis-Biographie ein Standardwerk vorgelegt hat) und Journalist Colin Escott die faszinierende Stories dieses Labels, seines visionären Gründers, seiner Mitarbeiter und der bedeutenden Künstler, die dort den Grundstein einer neuen Musikform gelegt haben. 

"The Birth Of Rock N' Roll" ist ein wunderschöner Coffee Table-Bildband und gleichzeitig ein detaillierteres Geschichtsbuch - das den Leser mit in den Kreißsaal nimmt. Nur dass jener Saal in diesem Fall ein ikonisches Studio ist und man hier nachvollziehen kann, wie ein neuer Sound das Licht der Welt erblickte. Eine tolle Ergänzung für die eigene Musikbibliothek -  noch dazu mit einem Vorwort des im Oktober des Vorjahres leider verstorbenen "Killers" Jerry Lee Lewis. 

The Birth Of Rock N´Roll: 70 Years of Sun Records von Peter Guralnick und Colin Escott, erschienen bei Edition Olms

Donnerstag, 8. Juni 2023

SHOT! BY ROCK

Credit Coverbild: © Edition Olms
Der Fotograf als Beobachter und das Objekt in seinem Kameraobjektiv - durch diese Konstellation  entsteht meist automatisch eine gewisse Distanz. Zumal ein großer Teil selbst gut vernetzter Fotokünstler nur peripher selbst Teil der von Ihnen dokumentierten Szenen und Subkulturen ist. Ganz anders war dies bei Mick Rock, der jenes Genre, das Ihn berühmt machen sollte bereits im Namen trug. Seine Karriere ist die Geschichte eines Mannes, der auszog um ein Abenteuer zu suchen - und es auch fand. 

Die Initialzündung kam für Rock in Studentenzeiten bei einem ersten Ausflug in den die kommenden Dekaden bestimmenden Hedonismus: auf einem LSD-Trip an der Uni Cambridge in den Sixties entdeckte er die Kamera eines Freundes und begann damit zu experimentieren. Unterstützt durch die chemischen Errungenschaften Albert Hofmanns entdeckte er das Kreativ-Kaleidoskop, das dem Fotoapparat innewohnte für sich - und damit gleich die eigene Bestimmung.

Inpiriert vob Surrealsimus und Symbolismus und Bonvivant-Dichtern wie Rimbaud oder Lord Byron entwickelte Rock seinen eigenen Stil und Bildsprache, die Pop (Art) und Kunst verschmolz. Rock hatte nicht nur einen ähnlichen Look wie viele der Bühnen-Heroes, er war auch Fixgröße in der Szene und schoss Bilder die genauso aussahen, wie die Musik klang: laut, bunt, lasziv, erotisch, dangerous. Mit seinem expressiven Stil wurde er einer der einflussreichsten Musikfotografen und zum Chronisten  und gleichzeitigem Partizipant des Rock N´ Roll-Lifestyles.

Bowie, Queen (in Marlene Dietrich-Pose fürs Cover des zweiten Albums), Iggy Pop, Tina Turner, Debbie Harry, Mötley Crüe oder später Miley Cyrus - Rock war über Jahrzehnte der Mann fürs Ikonische, fürs Wilde, fürs Sinnliche. Das Buch „Shot! By Rock“ ist sein Vermächtnis (der Künstler starb 2021). Die hier zu sehenden Fotos wurden noch von ihm persönlich ausgewählt und mit eigenen, extrem aufschlussreichen und unterhaltsamen Kommentaren versehen.

Dieser Großformat-Bildband ist ein mitreißender Streifzug durch „Dekaden der Dekadenz“, der auch weniger bekannte Facetten des "Man Who Shot The Seventies" beleuchtet, wie etwa jene der erotischen Fotografie, seine Kokain-Stillleben oder seine Arbeiten für Hochglanzmagazine.

Blättert man durch dieses karriereumspannende Buch wird nicht nur deutlich, dass "SHOT!" zu den besten Monographien dieser Art zählt, sondern auch wieviele zeitgenössische Fotografen sich von Rock inspirieren haben lassen.

SHOT! By Rock, erschienen bei Edition Olms

RONNIE SPECTOR-MEIN LEBEN

Credit Coverbild: © Hannibal Verlag
Ich erinnere mich noch gut an jenen Moment, in dem ich zum ersten Mal die Ronettes hörte. Es war jene Anfangsszene in Martin Scorseses "Mean Streets" als Harvey Keitel, zuvor schockartig aufgewacht, nun in Zeitlupe zurück auf sein Kissen sinkt und das legendäre Drum Intro von "Be My Baby" eine zerrbildartige Variation einer "Happy Days"-Sequenz einleitete. Diese  Melodie! Auch Jahrzehnte nachdem dieser Song erstmals ein Hit gewesen ist, einfach zu "catchy" um sie zu vergessen. Und dann diese Stimme von Ronnie Spector - bis heute bleibt es mehr als fraglich, ob es je einen Zuhörer gegeben hat, der nicht ihr "Baby" sein wollte, wenn diese zarte und gleichzeitige kraftvolle Voice die Verheißung von immerwährendem Glück aus den Boxen hauchte. 

Doch gehen wir noch weiter zurück zum Anfang des Phänomens Ronnie Spector:
Rock N´ Roll war die erste eigene Musik für die junge Generation. Nicht nur im Klang, sondern auch in den Thematiken, die in den Lyrics behandelt wurden sowie dem Alter der meisten ausübendwn Musiker. Die musikgewordene Elektrizität für eine neue Hörerschaft nach dem zweiten Weltkrieg. 
Einige Jahre nach der ersten Welle des Rock N´ Roll und den Pionieraufnahmen des Genres arbeitete Komponist und Produzent Phil Spector - zunächst nur berühmt, später auch berüchtigt  - an seiner legendären Wall Of Sound: einem dichten Klang für seine „kleinen Opern für Teenager“, Wagner aus der Jukebox, über-orchestrierte Erzählungen über Trennungen und den Rausch junger Liebe. Zu seinen kongenialen Partnerinnen bei der Realisierung dieses Klangideals zählten die Ronettes - mit ihrer Leadstimme Veronica Yvette Bennett, später Ronnie Spector, die im Vorjahr leider verstorben ist.

Ronnie war eine unverwechselbare Ikone- sowohl gesanglich als auch in ihrem Signature-Style mit den Kajal-Cat Eyes und der Turmfrisur, die später u.a. Amy Winehouse inspirieren sollte.  

Die Autobiographie „Mein Leben“ zählt fürs Rolling Stone-Magazin zu den besten Büchern des Genres und wartet mit einem Vorwort von Rolling Stone Keith Richards auf, auch er einer der vielen prominenten Bewunderer dieser aussergewöhnlichen Sängerin. Diese Biographie ist eine ebenso dramatische wie  packende (Emanzipations-)Geschichte über eine so kometen- wie wechselhafte Karriere und eine der großen Frauen der Musikgeschichte.

Mein Leben von Ronnie Spector mit Vince Waldron, erschienen im Hannibal Verlag

ROCK CLASSICS Nr.38: KISS - Das Sonderheft

Credit Coverbild: ©  Universal  Rock Classics/ Slam Media GmbH 
War bei den letzten Ausgaben der Rock Classics-Reihe der Anlass für eine Retrospektive meist ein großes Rock-Jubiläum, ist der Grund für die aktuelle Rückschau ein weniger schöner: denn die legendären Kiss befinden sich derzeit auf ihrer "End Of The Road"-Tour. Aufgrund Corona-bedingter Konzertabsagen läuft diese länger als ursprünglich geplant, findet im Sommer 2023 jedoch nun offenbar wirklich ihren Abschluss – passenderweise zum 50-jährigen Gründungsjubiläum der selbsternannten heißesten Band der Welt.

Die Slam Media-Redaktion legt ob dieses Anniversaries und des bevorstehenden Schlussstrichs unter eine der  erfolgreichsten Geschichten im Rock-Biz ihr vergriffenes Sonderheft (die Erstausgabe erschien bereits 2019) in upgedateter Version neu auf - und wirft auch hier einen genauen Blick hinter die Schminke. Für den Leser gibt es quasi alles was sie schon immer über Starchild, The Demon,  den Spaceman oder The Cat wissen wollten, eine Retrospektive auf die großen und weniger großen Alben, Backstories sowie die wechselvollen Besetzungen und natürlich Streifzüge durch die schier endlosen Weiten des Merchandising - eine Disziplin die  KISS seit ihrem Durchbruch in den Seventies perfektionieren. Dass der Fokus dabei nicht nur auf den bekanntesten Klassikern von "Destroyer" bis "Alive" liegt, sondern auch weniger beachtete Werke eingehend beleuchtet werden und sich zudem einige rare Fotos sowie interessante Interviews auf den Hochglanzseiten finden, macht das Heft auch für langjährige Kiss-Fans lesenswert.

Sonntag, 4. Juni 2023

STREAMS FÜR DICH - 1000 TV-SERIEN FÜR JEDE STIMMUNG

Credit Coverbild: © Edition Olms
Bei einem Blick auf viele der aktuellen Serien-Neuerscheinungen könnte man den Eindruck gewinnen, dass wir den Höhepunkt des "Peak TV" (also jener hochqualitativen TV-Produktionen, die Big Budget-Filmen in nichts nachstehen) bereits hinter uns haben. Nach einigen Jahren auf sehr hohem Niveau scheinen viele Stories einfach schon (aus-)erzählt, die spannendsten Topics längst abgehandelt.

Dennoch war die Auswahl an parallel verfügbaren alten und neuen, hochwertigen Serien noch nie so groß wie jetzt: Von Pionierwerken („Twin Peaks“) über moderne Klassiker („Mad Men“ oder "Sopranos“) hin zu neuen Kleinoden („Blackbird“).

Den Überblick über zig Streamingdienste und Serien zu behalten ist selbst für Vielseher und "Binge Watch"-Junkies so zu einer echten Herausforderung geworden. Das Buch "1000 TV-Serien für jede Stimmung“ versucht nun auf 512 Seiten ein Guide durch diesen Streaming- (und DVD/Blu ray-)Dschungel zu sein. Eingeteilt wird hier weniger nach strikten Genres sondern nach den titelgebenden "Moods" - also Kriterien wie "Wenn du lachen willst" oder "Wenn du schreien willst" etc. 

Das mag zwar doch allzu breitgefasst sein, die Kurz-Artikel mit einer knappen Synopsis weisen dem geneigten Leser und potentiellen Zuschauer dennoch zweckmäßig den Weg. Der Mangel an tiefgehenden Infos ersetzt zwar nicht die eigene Recherche,  macht diesen "Serien-Kanon" jedoch zu einem schnellen Emergency-Ratgeber,.wenn man vor der notorisch unübersichtlichen Netflix-Startseite sitzt.

 STREAMS FÜR DICH - 1000 SERIEN FÜR JEDE STIMMUNG, erschienen bei Edition Olms

Freitag, 26. Mai 2023

QUENTIN TARANTINO - CINEMA SPECULATION

Credit Coverbild: © Reproduced by permission of Harper/an imprint of Harper Collins  
Ein entscheidendes Wesensmerkmal des Kinos im Allgemeinen und Hollywood im Speziellen war immer, dass eine der wenigen Konstanten der Wandel war. Stete Weiterentwicklung, niemals stillstehen, „the revolution will be projected onto the big screen“. Gerade jetzt befinden wir uns wieder in einer derartigen Umbruchphase: das klassische Kinoerlebnis steckt in der Krise, zunehmend austauschbarer werdende Franchise-Movies und „Lowest Common Denominator“-Machwerke, so blutleer wie von einer A.I. ersonnen, sind zunehmend die Norm geworden - eine Revolution die keine ist. Manche sprechen davon, dass die Schlacht bereits geschlagen ist und der Angriff der Intellectual Property-Klonkrieger (auf Kosten originärer Auteur-Werke) schon „erfolgreich“ war. Egal wie man zu der aktuellen Lage stehen mag, die Filmindustrie befindet sich jedenfalls zweifelsohne an einem Scheideweg - wie schon so oft in ihrer Geschichte. 

Des Gefühls dass hier gerade eine richtiggehende Wachablöse stattfindet kann man sich nicht erwehren. Auch weil Quentin Tarantino, jener Regisseur, der das moderne Kino und dessen (Bild-)sprache in den letzten 30+ Jahren wie kein zweiter geprägt und verändert hat, nun mit seinem schon länger angekündigten Rückzug aus Hollywood ernst macht. Nach 10 Filmen soll Schluss sein, das lässt nun nur noch einen finalen Film übrig, der sich gerade in der Vorbereitungsphase befindet. Oft hat QT in Interviews davon gesprochen, dass Regisseure nicht besser werden und es einen gewissen „Tipping Point“ gibt, an dem die Qualität ihrer Filme merklich nachlässt - die Anschauungsbeispiele hierfür liefert die lange Geschichte des Kinos, die Tarantino so gut kennt wie wenig andere. Obwohl man beim Kultregisseur bei weitem nicht von schwindender Kreativität sprechen kann, hat er letztlich schon alles erreicht und auch  das Hollywood 2.0 hat nicht mehr viel mit jenem Ort gemein, dem er in den Neunzigern eine bitter nötige Adrenalinspritze verabreichte.

Dieses wohl wirklich letzte Kinoprojekt (potentielle Serienproduktionen dürften nicht nur Gerüchte, sondern eine realistische Zukunftsoption sein) wird 1977 spielen und eine historische Persönlichkeit , die aber nichts zu den bekannten Protagonisten der damaligen Zeit zählt, als eine der Hauptfiguren haben und - hier schließt sich der Kreis zur bislang jüngsten Release aus der Casa Tarantino - den Titel  „The Movie Critic“ tragen. Denn als ebensolcher betätigt sich auch der Regisseur in seinem neuesten Buch „Cinema Speculation“, das ein Bindeglied zu seinem letzten Film sein dürfte.  

Das Follow Up zur Novelization von „Once Upon A Time In Hollywood“ ist das erste Full Length Non-Fiction-Werk des Autors, im Zentrum stehen Essays über die Filme aus der Ära einer echten cineastischen Revolution, als das „New Hollywood“ das im Studiosystem erstarrte „Old Hollywood“ ablöste. Es ist die Zeit als die Bilder schmutzig und die Hauptfiguren meist entweder gebrochen, Antihelden oder beides waren. Neue Erzählstrukturen, das Aufgreifen der Counterculture-Zeitströmungen veränderte die Art wie Movies gemacht und Stories erzählt wurden – sowohl in den großen Studioproduktionen als auch in den B-Movies. Es ist dies nicht nur die Zeit der Movie Brats wie Martin Scorsese, Steven Spielberg oder Brian De Palma sondern auch die Zeit des cineastischen Sozialisation Tarantinos. Beleuchtet werden Werke, die ihn nie losgelassen haben, wie etwa John Boormans „Deliverance“ oder John Flynns „Rolling Thunder“, Don Siegels „Dirty Harry“, Sam Peckinpahs „Getaway“ oder Martin Scorseses „Taxi Driver“. In einem Gedankenexperiment nicht unähnlich zu den Alternate History-Elementen in „Inglourious Basterds“ oder „Once Upon A Time In Hollywood“ spekuliert Tarantino wie „Taxi Driver“ wohl ausgesehen hätte, wenn Brian De Palma ihn directed hätte. 

 Als  Filmkritiker trat Tarantino schon in Beiträgen für die Website seines „New Beverly Cinema“ sowie für den „Video Archives“-Podcast mit seinem Freund Roger Avary in Erscheinung. Es ist eine weitere Rolle für den Mann der Schauspieler, Auteur, Autor und nun auch Analyst und Historiker ist. Das später bekannte Filmregisseure zunächst als Filmkritiker gerabeitet haben ist in der Geschichte des Kinos gar nicht so selten: Die Gründungsväter der Nouvelle Vague François Truffaut, Claude Chabrol, Éric Rohmer, Jacques Rivette und Jean-Luc Godard waren vor ihrem Durchbruch für die „Cahiers Du Cinema“ tätig. Auch Peter Bogdanovich oder Dario Argento schrieben zunächst Film-Reviews. Der umgekehrte Weg, also dass sich Regisseure nach ihrem Durchbruch öffentlich in filmkritischer Manier mit den Werken ihrer Zeitgenossen auseinandersetzen ist weitaus seltener. Truffaut tat dies in „Mr. Hitchcock wie haben sie das gemacht“ und „Die Filme meines Lebens“. Zu letzterem Werk werden auch bei der Lektüre von Tarantinos Buch Assoziationen wach. Bloß dass Truffaut eher nicht die Atmosphäre eines nur von Schwarzen besuchten Kinos bei einer frenetisch gefeierten Vorführung eines „Blaxploitation“-Films aufgesogen hat oder die Klimax von „Taxi Driver“ mit einem kollektiven Orgasmus für das Publikum verglichen hätte. 

And that´s the thing, man: Tarantino hat hier - wie könnte es anders sein - einen erfrischend unorthodoxen Filmkritik-Band veröffentlicht. Das für derartige Bücher ungewöhnliche, dynamische Tempo (Rückblenden und wilde Tangenten) sind für derartige Werke ungewöhnlich, für den Autor jedoch typisch. Was QT mit Truffaut gemeinsam hat, ist die Verknüpfung lebensgeschichtlicher Elemente und Kunstkonsum.  Denn „Cinema Speculation ist nicht nur ein mit Trivias und Querverweisen gespicktes Werk, sondern auch ein autobiographisches - beinahe ein biographischer Entwicklungsroman. War „Once Upon A Time In Hollywood“ schon QTs „Memory Piece“ so geht er hier nun noch einen Schritt weiter. Der erwachsene Tarantino - nun selbst zweifacher Familienvater - erinnert sich an seine Kindheit, die schon früh maßgeblich von Filmen geprägt wurde.

Ein allzu oft übersehener Aspekt in den Filmen Tarantinos ist ihr hohes Maß an Emotionalität und Sensitivität, ein Element dass gerade in den bittersüßen Elementen von „Cinema Speculation“ zutage tritt, bei der Suche nach Vaterfiguren oder den Enttäuschungen die der kleine Quentin erlebte, etwa durch Floyd einem Ordell-Robbie-artigen Vagabunden, der zwar seine Film-Faszination teilte, sich jedoch nicht als verlässlicher Kumpel für den Kinobesuch erwies.

In „Cinema Speculation“ geht es Tarantino oft ums Close-Up nicht um die Totale, Details stehen im Vordergrund, seien sie nun persönlicher Natur oder im Bezug auf „Filme seines Lebens“.  Hier mischt sich Biographische mit Anekdotischem, Fakten über Klassiker und Kleinode mit alltäglichen Situationen, wie Diskussion über das eben gesehene auf dem „ride home“. In diesen Momenten wendet sich die Kamera von der Leinwand ab, fährt wie in einer Plansequenz heraus aus dem Kinosaal, und fokussiert auf die Kulissen oder hält darauf auf „little q watching big movies“ und fängt dabei jene Momente ein, in der der spätere Kultregisseur geboren wurde. Beim Lesen hat man so immer wieder „Deja Vu“-Momente die einene zu QTs eigener Fiilmographie bringen sowie ein Gefühl, das man nur als „Foreshadowing“ bezeichnen kann und das prägend für zahlreiche Künstlerbiographien ist  (siehe etwa auch Steven Spielbergs „The Fabelmans“): etwa wenn Tarantino einen Dialog mit seiner Mutter Connie, über das Ende von „Butch Cassidy And The Sundance Kid“, ein prototypisches Finale für die damalige Zeit, sowohl formal als auch ins einer Vermeidung eiens „Happy Ends– das legendäre „freeze frame“, das den Moment vor dem Tod der Hauptfiguren festhält – und der Meinung ist, anstatt das blutige Schicksal der von Robert Redford und Paul Newman verkörperten Figuren nicht  zu zeigen - „they shoulda shown it“

„Cinema Speculation“ ist ein Fest für Filmfans - allerdings eines, bei dem sich nur jene amüsieren werden, die zu den Cracks und Auskennern gehören und so über einen reichen Wissensschatz in Sachen Movie History verfügen um den intertextuellen Analysen Tarantinos auch folgen können. Dieser hat ein Werk geschrieben, dass so meta und leidenschaftlich ist, wie seine Filme; das Buch eines Mannes, den die Passion für die bewegten Bilder nie losgelassen hat und dessen Leben und Werdegang letztlich selbst wie der Stoff einer märchenhaften „Es war einmal in Hollywood“-Erzählung anmutet.

Cinema Speculation von Quentin Tarantino, erschienen bei Harper

Mittwoch, 10. Mai 2023

DEPECHE MODE - MEMENTO MORI

Credit Bild: © Anton Corbijn  Sony Muisc
Im Musikvideo zu „Ghosts Again“, der ersten Singleauskopplung des mittlerweile 15.Albums der Elektro-Pioniere Depeche Mode sitzen sich Dave Gahan und Martin Gore schachspielend gegenüber- wie einst Max Von Sydow als Ritter Antonius Block und Bengt Ekerodt als "Der Tod" in Ingmar Bergmans "Das siebente Siegel". Es ist das Spiel der Könige um mehr Lebenszeit, Zug um Zug, das Schachmatt am Ende ist letztlich gewiss. Diese Unausweichlichkeit spiegelt sich nicht nur in der selbst für Depeche Mode-Verhältnisse gedämpften Stimmung dieser Platte sondern auch im Albumtitel wider: Memento Mori - der ewig niederschmetternde Satz der Gewissheit vom Ende, der vom Kalenderspruch bis zum Tattoo-Motiv allzu präsent ist, und dennoch unweigerlich eine ganz neue Bedeutung gewinnt, sobald Individuen mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert werden. So muss es auch  Gahan und Gore gegangen sein als 2022  Keyboarder und Gründungsmitglied Andy Fletcher vollkommen unerwartet verstarb.

Die Songs von "Memento Mori" entstanden zwar vor dem Tod Fletchers, dennoch klingen die neuen Stücke über weite Strecken wie in einer nach dem tragischen Verlust  tattgefundenen, therapeutischen Songwriting-Session ersonnen. Wehmut und permanentes Dunkelgrau sind zwar Trademarks des DM-Stils, Happy Sound war nie die Devise der Band - doch an die Stelle der weltvergessenen Euphorie vieler früherer Werke tritt nun Dysphorie. Gahan/Gore das dynamische Duo,  einst die jungen Wilden der Szene nun die Grand Signeurs des EDM. Das wird auch bei den neuen Songs deutlich  die ohne das komplette Selbstzitat zu wagen, doch sehr an die Vergangenheit gemahnen und insbesondere Anklänge an die "early days" durchschimmern lassen.

Zu dieser Rückbesinnung auf die Anfangsjahre scheint auch eine zumindest temporäre Abkehr von einem der wesentlichsten Genres, welches die Basis vieler  großer Depeche-Hits bildete: Blues-orientiert ist "Memento Mori" nicht. Dafür klingen DM hier noch cineastischer als sonst, viele Song-Parts muten wie der Soundtrack zu einem Film an, den es noch nicht gibt. Die großen Hymnen bleiben dabei jedoch aus. Dieses zurückgenommene Album changiert zwischen dem Erwartbaren und überraschen großen und tragisch-emotionalen Elementen und schließt mit seinen offensichtlichen 80s-Bezügen auch den Kreis zu den Anfangsjahren der Band - zu einem Zeitpunkt als ein prägendes Mitglied, "Fletch" mit seinen atmosphärischen Klangteppichen, fehlt. Vielleicht ist dieser Fokus auf Soundscapes, anstatt auf Riffs von Gores Gretsch-Gitarre ein bewusster Tribute an den verstorbenen Fletcher. An das "Bedenken" dass alle Menschen sterblich sind, tritt auf diesem ruhigen Album ein "Gedenken" an einen verlorenen Freund und ein Verfolgen des roten Fadens der die Synth Pop-Band der beginnenden Achtziger-Jahre mit den Elektro-Legenden von heute verbindet.

Credit Bild: © Sony Music



Dienstag, 9. Mai 2023

BLACKMORE´S NIGHT - SHADOW OF THE MOON 25th ANNIVERSARY EDITION

Credit Bild: © earMusic Edel 
Als Saitenmagier Ritchie Blackmore 1997 mit „Shadow Of The Moon“ das Debütalbum seines Mittelalter-Projekts mit Gattin Candice Night veröffentlichte, war das eine Platte auf die streng genommen wohl die Wenigsten so richtig gewartet hatten. Denn der damals bereits legendäre Virtuose  musizierte hier nicht nur im titelgebenden Schatten des Mondes. sondern auch in jenem seiner übergroßen vormaligen Bands.
Während eine nicht unerhebliche Anzahl an Fans eine Reunion mit Deep Purple (die Mitte der Neunziger auch nicht eben am Höhepunkt ihres Schaffens standen) oder zumindest mit Rainbow herbeisehnten, ging der immer schon eigensinnige Blackmore justament (s)einen eigenen Weg. Das Ergebnis war ein anachronistisch anmutendes Selbstverwirklichungsvorhaben, das als bewusster Stilbruch zu seinen früheren Bands fungierte. Gleichzeitige setzte dieses in sich komplett stimmige Werk einen neuen Maßstab in Sachen authentischer Renaissance-und Medieval-Musik.

Nun wird dieses Album zum 25th Anniversary neu aufgelegt. Das märchenhafte Artwork kommt in der LP Version besonders schön zur Geltung, die Ausstattung und das Bonusmaterial ist "Deluxe": Zwei bisher unveröffentlichte Akustik-Songs sind Teil dieser Neuauflage : „Spirit Of The Sea“ und „Shadow Of The Moon“, beide aufgenommen in einer Home Recording Session von Candice und Ritchie in diesem Jahr. Alle physischen Erstauflagen werden außerdem eine exklusive "Shadow Of The Moon"-Dokumentation auf DVD enthalten. Im Zuge des Jubiläums werden zudem zwei limitierte Black LP-Editionen mit jeweils einem „Golden Ticket“ ausgestattet: zwei glückliche Fans können eine Fender Ritchie Blackmore Signature Stratocaster-Gitarre gewinnen.

Auf "Shadow Of The Moon" wird Medieval und Renaissance-Musik -  der Vorläufer einer wesentlichen Folk-Spielart aus der Frühphase des Sixties-Rock -  in Perfektion zelebriert.  Ritchie Blackmore liefert als Multi-Instrumentalist mit seiner Band (und auf einem Track auch mit In Anderson von Jethro Tull) den Backdrop für die ätherische Stimme seiner Frau Candice Knight. Dabei wird in gekonnter Weise eine längst vergangene Zeit evoziert was gerade auf diesem Erstlingswerk, das fraglos zu den besten Werken von Blackmore´s Night zählt, eine besonders mediative Kraft entfaltet - und dieses in der Vergangenheit verhaftete Album letztlich zeitlos werden lässt.

THE DAMNED - DARKADELIC

Credit Bild: © earMusic Edel / Martin Gooch
Blickt man auf die „First Wave“ der britischen Punkbands ergibt sich ein eher tragisches bis betrübliches Bild: Anders als viele der von ihnen seinerzeit verachteten und heute unter Classic Rock firmierenden Gruppen erwiesen die meisten geringe „Staying Power“. Verblichen, implodiert, aufgelöst, zerstritten -  lauten die Diagnosen zu den protagonisten der einstigen Revolution. Oder beinahe beim Song Contest gelandet - wie im Falle von John Lydon aka Johnny Rotten, der damit nicht gerade an seiner Street Credibility arbeitete, aber gut, er war ja auch schon in der UK-Version des Dschungelcamp.

Nur jene die einst die Ersten waren, machen nun scheinbar als Letzte das Licht aus: The Damned aus London, die 1976 mit „New Rose“ die erste offizielle Punk-Single veröffentlichten. Mit dieser brünftig-anarchistischen Hymne hat das nun veröffentlichte neue Studioalbum wenig gemein. Ein Umstand der langjährige Fans nicht überrascht, drifteten die Mannen um Sänger Dave Vanian doch schon vor langer Zeit in Gothic und Wave-Gefilde ab. 
„Darkadelic“ ist dann auch eine eklektische Mischung diverser Stilrichtungen die den Punk-Ur-Sound beeinflussten oder sich als Subszene aus ihm heraus entwickelten.
Dies macht die Platte zwar sehr abwechslungsreich, sorgt allerdings auch dafür, dass die Ergebnisse eher wechselhaft ausfallen - von atmosphärischen Rockabilly-Anklängen über Punk-Reminiszenzen hin zu etwas bemüht und hüftsteif wirkenden Pop-und Rock Versatzstücken.  Dies alle macht aus „Darkadelic“ kein verdammt gutes Album - solide ist es für Fans aber immerhin.
Credit Bild: © earMusic  Edel