Samstag, 29. Mai 2021

PUCCI: Updated Edition

Credit Bild: ©Taschen  Emilio Pucci  Archive, Florence

Es ist dem Wesen der Mode geradezu immanent: Trends verschwinden manchmal ebenso rasch wie sie auf den internationalen Laufstegen erschienen sind. Manches setzt sich eben durch und wird in den allgemeinen Kleidungskanon übernommen, anderes  wird in der nächsten oder spätestens der übernächsten Saison womöglich nicht mal mehr als Füller im Mittelteil des Defilees genommen. Doch eines ändert sich scheinbar nie und ist eine echte Konstante in der Branche – nämlich dass auf jeder Mailänder Modewoche, ganz gleich ob Spring/Summer oder Autumn/Winter, das Haus Pucci vertreten ist und mit knalligen Farbe und unverwechselbaren Prints und Jetset- Flair den „ewigen Sommer“ feiert.

Doch wer ist sie, die archetypische Pucci-Woman ? Für sie haben die Sechziger und Siebziger Jahre im Grunde nie wirklich geendet – zumindest der damit verbundene free-spirited Lifestyle. Sie ist das reiche hippieske Jet Set-Girl, das in seiner Kleidung und dem Schmuck den Chic jener Zeit verkörpert, allerdings nicht am Bazar in Marokko shoppt, sondern sich ihr Outfit aus dem Hause Pucci holt.

Pucci, das steht für Extravaganz mit Retro-Touch ohne dabei ins angestaubt Elitäre zu driften. Pucci war stets eines der It-Labels der internationalen Prominenz wie etwa Jacqueline Kennedy, Marilyn Monroe oder Liz Taylor. Gegründet wurde das Label vom Marchese Emilio Pucci di Barsento, dem „Prinz der Prints“. Der italienische Aristokrat traf mit seinen psychedelischen Prints den Nerv der Zeit, war aber nicht nur was seine Designs anbelangt ein Pionier, sondern auch beim  Ausbau der Marke ein Visionär. So gab es bei ihm gesondert Linien für Sportkleidung, Wohnen und Accessoires (was ja heute absolut usus im Business ist), überdies war Pucci eine der ersten Marken mit einem eigenen Logo.

Ein Strandoutfit der Spring/Summer Collection von 1954.
Credit Bild: ©
Emilio Pucci  Archive, Florence

Pyjama a la Pucci, Fall/Winter 1969
Credit Bild: ©Gian Paolo Barbierei

Die Schauspielerin Goya Toledo in Pucci, Fotoshooting für die spanische ELLE September 2021
Credit Bild: © Bernardo Doral, Elle Spain

Im Taschen Verlag ist nun eine aktualisierte Neuauflage der umfassenden Retrospektive und Hommage an den adeligen Labelgründer und seine Kultmarke erschienen: eine interessante und mit hunderten Archivfotos, Skizzen, Designs und anderen stimmungsvollen Ephemera illustrierte Reise durch die Geschichte einer Marke, die es geschafft relevant zu bleiben, auch dank kleiner Updates und Zugeständnisse an den Zeitgeist. Jeder Band hat dabei ein eigenes Coverdesign mit einem ausgewählten Originalmuster aus der Emilio-Pucci-Kollektion. Dadurch wird dieser schwere XL-Band, wenn man ihn im Wohnzimmer liegen hat, beinahe zum Einrichtungsgegenstand aus der Pucci Home Collection: ein echtes Liebhaberstück und nicht nur ein Buch - sondern ein Designstück über einen Designer.

Pucci. Updated Edition 
Vanessa Friedman, Alessandra Arezzi Boza, Armando Chitolina
Hardcover, 36 x 36 cm, 5,45 kg, 448 Seiten, 200 Euro
taschen.com

Freitag, 28. Mai 2021

MARILLION – WITH FRIENDS AT ST. DAVID´S

Credit Bild: ©Anne-Marie Forker  earMusic   

Anders als bei der nach wie vor gegen die Überalterung der Audience kämpfenden Klassik-Szene erfreut sich die breitenwirksame Verflechtung von E- und U- Musik in Form des Crossovers von Pop/Rock und Klassik ungebremster Beliebtheit. Und das sowohl beim Publikum,  das diese Amalgamationen regelmäßig in lichte Charts-Höhen katapultiert als auch bei den Künstlern selbst. Denn obwohl dieser Trend der Genre-Verflechtung nicht eben neu ist, wagen sich regelmäßig Bands in diesen Bereich vor, trotz der bei solchen Experimenten gegebenen, beträchtlichen Fallhöhe, denn allzu oft kommt es zu einem Abdriften ins tiefe Tal des Kitschs oder des über-orchestrierten Chaos.

Die Progressive Rocker Marillion zeigen mit ihrem heute veröffentlichten Live-Mitschnitt wie man es richtig macht und legen quasi ein Best Practice-Beispiel vor. 2019 wagten sich die britischen Musiker ins Reich der klassischen Instrumente und spielten zusammen mit dem Streichquartett „In Praise of Folly”, sowie Horn und Querflöte Neuinterpretationen ihrer Songs für das Album “With Friends From The Orchestra” ein. Das nun erschienene, darauf aufbauende “With Friends At St David's“ wurde bei der anschließenden Tour aufgenommen und zeigt einen Gig in Cardiff, bei dem die Verquickung der Genres sehr gut gelungen ist. Das mag zum einen an der Beschaffenheit des Ausgangsmaterials liegen - viele Marillion-Stücke weisen mit ihrer melodischen, dennoch komplexen Struktur einen ausgeprägten Hang dzum Bombast und zur großen Geste auf – ein Umstand, der durch die klassische Orchestrierung noch verstärkt wird. Dass dies gerade bei den balladesken Stücken gut funktioniert verwundert nicht.

Doch auch bei härter rockenden Nummern fügen die klassischen Instrumente interessante Akzente hinzu  – Highlight hierbei: der Led Zeppelin-Tribute, „Zeperated Out“, bei dem die „Kashmir“-artigen Streicher-Riffs zum integralen Bestandteil der Komposition werden. Die Band selbst ist von diesem Experiment - zurecht – begeistert, Sänger Steve Hogarth meint zur Tour und zum Album: “Das war vielleicht unsere Lieblings-Tour bisher. Sie bot uns die Gelegenheit, von Zeit zu Zeit innezuhalten und uns darin zu verlieren, wie sechs “klassische” Musiker die wundervollen Arrangements unseres Produzenten Mike zum Leben erwecken. Das hat wirklich eine andere emotionale Ebene und oft auch eine spielerische Freude an unserer Musik erzeugt.” 

“With Friends At St David's“ zeigt gerade in der Blu ray-Variante – die neben dem atmosphärischen Konzertfilm noch eine für Fans interessante Dokumentation enthält – wie gut  Prog Rock und klassischen Motive harmonieren können.
Credit Coverbild: © EarMusic   


Dienstag, 4. Mai 2021

DAS STAR WARS ARCHIV: EPISODE I-III 1999- 2005

Taschen Verlag    courtesy TASCHEN / © & TM 2020Lucasfilm. All Rights Reserved.  

Great Expectations – mit genau diesen zwei Worten könnte man das kollektive Gefühl von Millionen Kino-und Star Wars-Fans subsumieren, die in den späten Neunzigern der Veröffentlichung der Prequels zu George Lucas Sternen-Saga entgegenfieberten. Wie konnte es zum Aufstieg des Imperators und des galaktischen Imperiums kommen, wie wurde aus Anakin Skywalker der röchelnde Sith Lord Darth Vader und was genau passierte mit dem einst prosperierenden Orden der Jedi? Die neuen Filme versprachen Antworten auf all diese Fragen.

Lange vor Youtube und der großen Gleichzeitigkeit von Social Media schaffte es Lucas mit einem beispiellos gelungenen Marketing-Schachzug einen neuen Demand für filmische Einträge im Star Wars-Universum zu generieren: eine digital aufgemotzte Neuaufführung der Classic Trilogy, Action Figuren als Sneak Peeks der neuen Filme und ein geheimnisvoller Trailer, der als meist Gedownloadeter in die Geschichte eingehen sollte. Mit diesem vielleicht langanhaltendsten Tease der Kino-History  schürte der Regisseur und Franchise-Erfinder über Jahre hinweg eine ungeheure Erwartungshaltung für den Auftakt der Prequel-Trilogie. Eine Erwartungshaltung,  die letztlich ins Unermessliche anstieg und so selbst von Lucas, diesem kongenialen Erfinder eines modernen Mythos, nicht zur Gänze erfüllt werden konnte. Denn das Endergebnis -  drei mitunter kontrovers diskutierte Filme - spalten bis heute die Fan-Gruppen. 

Nun ist pünktlich zum heutigen Star Wars-Tag (May the 4th – May the Force…) im Taschen Verlag ein neuer XXL-Bildband erschienen, der die faszinierende Genesis dieses ehrgeizigen Großprojekts nacherzählt.

Episode III: Der Dreh des Triells von Anakin, Obi-Wan und Count Dooku
courtesy TASCHEN / © & TM 2020Lucasfilm. All Rights Reserved.

Episode III: Stunts vor dem Blue Screen
courtesy TASCHEN / © & TM 2020
Lucasfilm. All Rights Reserved.

George Lucas und der junge Anakin (Jake Llyod) am Tatooine-Set in Tunesien
courtesy TASCHEN / © & TM 2020
Lucasfilm. All Rights Reserved.
Wie man das vom Kölner Luxus-Verlag gewohnt ist, fällt auch dieser zweite Eintrag in der Star Wars-Retrospektiv-Reihe sehr aufwendig aus. Mit seinen wuchtigen Ausmaßen ist er definitiv wesentlich schwerer als ein Millenium Falcon-Modell mit voller Action Figuren-Besatzung und hebt sich auch vom Design her (roter Sternen Sparkle-Einband!) von den unzähligen Büchern zum Thema ab. Wie schon der erste Band zur Classic Trilogy ist auch der Neue  wiederum in enger Kooperation mit George Lucas und Lucasfilm entstanden. Dies garantierte einen äußerst umfangreichen Einblick ins Making von  „Episode I-III“ sowie zur Classic Trilogy-Neuauflage. Filmhistoriker Paul Duncan tauchte tief in das Archiv von Lucas´ Traumschmiede ein und förderte Unmengen an Fotos und Behind The Scenes-Material zu Tage: rare Dokumente, Drehbuchseiten, Produktionsunterlagen, Konzeptentwürfe, Storyboards , eine Fülle an Fotos aus den Filmen sowie ein extrem ausführliches Exklusivinterview mit dem Regisseur machen für den Leser den jahrelangen Entstehungsprozess nachvollziehbar.

Retrospektiv betrachtet und auch im Vergleich zur teils missglückten neuen „Sequel“-Trilogie fällt das Urteil über die Prequels wesentlich milder aus. Lucas zeigte sich hier erneut als Virtuose an der Klaviatur des Marketings sowie in der Erschaffung immersiver fiktiver Welten. Insbesondere „Episode I“ ist fraglos ein Schlüsselwerk des modernen Event-Kinos, wie man es heute etwa vom Marvel Cinematic Universe kennt. Der neue Bildband rehabilitiert die oft gescholtenen Filme nicht zur Gänze, verdeutlicht jedoch den enormen Aufwand der hinter diesen Werken steckte. Das macht dieses spannende Archiv-Buch nicht nur für die härtesten Star Wars-Fans interessant sondern auch für jene, die sich mit der Magie hinter den Kulissen der bewegten Bilder interessieren.

TASCHEN
The Star Wars Archives. 1999–2005  Paul Duncan
Hardcover, Halbleinen, 41,1 x 30 cm, 6,88 kg, 600 Seiten, 150 Euro
taschen.com

Donnerstag, 15. April 2021

VOLKER HINZ – HELLO. AGAIN

© Volker Hinz, Hartmann Books 2021

Der Fotograf darf nicht langweilen. Langweilige Bilder gibt es genug.“ Dieses Zitat des  deutschen Fotografen Volker Hinz kommt einem Credo gleich, dem sich der weitgereiste Bildjournalist zeitlebens verschrieben hatte. Denn egal ob er internationale Stars vor seiner Hasselblad hatte oder scheinbar alltägliche Impressionen seiner Roadtrips festhielt – langweilig waren seine aufwendigen Aufnahmen zu keinem Zeitpunkt. Der 2019 verstorbene Hinz zählte zu den ganz großen Persönlichkeiten der deutschen Fotografenszene, dessen Karriere genau ins goldene Magazin-Zeitalter fiel. Nach Anfängen bei der Bonner Sven Simon Agentur wechselte er 1974 zum Stern,  für den er in den darauffolgenden Jahrzehnten unzählige  Foto- und Reisereportagen und Prominenten-Portraits realisierte. Es war die Zeit der großen Bildstrecken. Nach amerikanischem Vorbild lieferten auch deutschsprachige Medien qualitativ hochwertige Lang-Reportagen mit ausladenden Bildstrecken, die für die Leser ein Tor zu oft unerreichbaren Welten darstellten. Gerade der Stern hatte in dieser Ära eine Exklusiv-Story nach der anderen. Die entsprechenden Budgets und die Zeit um Langfeatures überhaupt umzusetzen gab es damals noch und  Fotografen konnten ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Paradebeispiel hierfür sind die beeindruckenden Aufnahmen Hinz'. Beruf: Fotograf mag die Job Description gewesen sein, doch neben dem journalistischen Handwerk fiel immer auch seine ausgeprägt künstlerische Komponente auf.

Über Hinz wird gesagt, dass man ihn nie ohne seine Kamera antraf – was durchaus plausibel erscheint  – anders wären die zu gleichen Teilen spontan und durchkomponiert wirkenden Aufnahmen, die im neu erschienen Bildband „Hello. Again“ (Hartmann Books) präsentiert werden, wohl nicht möglich gewesen. In einer Zeit in der nationale und internationale Stars noch die Aura des Unnahbaren umgab, war Hinz teilweise hautnah dabei - was mitunter im wörtlichen Sinne zu verstehen ist: Franz Beckenbauer und Pelé  „full frontal“ in der Dusche nach dem Spiel; die steirische Eiche Arnold Schwarzenegger im "Conan"-Modus beim "pumping iron" im Gym Anfang der 80er; Modezar Karl Lagerfeld im Auge des Sturms des Modezirkus; Beat-Kultautor William S. Burroughs - mit Flinte! - auf seiner Veranda; den Schneider von Nashville Nudie Cohen in seinem extravaganten Gefährt;  "Mutti" Angela Merkel und ihre fast schon ikonische Raute; Helmut Schmitt und der Rauch seiner - what else ? - Mentholzigarette;  Newton'sche Laszivitäten im Nachtclub;  eine unbekannte Sonnenanbeterin auf der Haube eines Autos in Key West.... 

© Volker Hinz, Hartmann Books 2021

© Volker Hinz, Hartmann Books 2021

© Volker Hinz, Hartmann Books 2021
Alle Snapshots haben eins gemeinsam : sie funktionieren als journalistisches Portrait ebenso wie als Foto-Kunstwerk. Nicht von ungefähr sagte man ihnen nach, dass sie „hinzig“ waren - so stark war die Handschrift des Volker Hinz.

"Hello.Again" zeigt in retrospektivischer Manier einen  passionierten Geschichtenerzähler, der mit seiner Kamera nicht nur geniale Promi-Bilder schoss sondern - ein sehr moderner Ansatz, wenn man sich die aktuelle "school of photography" vergegenwärtigt- auch im Alltäglichen, vermeintlich Banalen, etwas Besonderes entdeckte. 
Gleichzeitig erzählt dieser gelungene Bildband  aber auch von einer untergegangenen Presse- und Medienlandschaft - und verdeutlicht wie selten die echten Scoops und auch Fotoreporter vom Format eines Volker Hinz geworden sind.

Volker Hinz – Hello Again
Einleitung von Henriette Väth-Hinz, Texte von David Burnett, Ulrich Rüter und Nina Venus
Hardcover, Leinen mit Prägung und eingeklebtem Bild, 24 x 26,5 cm
192 Seiten,232 Abbildungen, ISBN 978-3-96070-062-3
Hartmann Books

Donnerstag, 1. April 2021

STONES UNZIPPED im GRONINGER MUSEUM: BUCH + AUSSTELLUNG

Credit Bild:© Helmut Newton
Can´t Stop The Rock: Obwohl die Stones den Fans auch in der düsteren und von Stillstand geprägten Krisenzeit einige physische Events boten, stand keines davon unter einem guten Stern: Der eigene Store in der Londoner Carnaby Street sperrte kurz vor den ansteigenden Inzidenzzahlen auf der Insel auf und die große Retrospektiv-Ausstellung „Unzipped“ im niederländischen Groningen musste aufgrund neuer Lockdown-Bestimmungen vorzeitig schließen.

Dennoch gibt es eine Möglichkeit sich diese karriereumspannende Exhibition anzusehen - und zwar ganz corona-konform und aus der Sicherheit des eigenen Zuhauses heraus. Denn noch bis zum 18. April kann man um 9,50 Euro auf der Website des Groninger Museums ein Ticket lösen und „Stones Unzipped“ virtuell besuchen -  und das auch für alle deren Niederländisch nicht so gut ist, denn die Ausstellung ist multi-lingual und damit auch in Englisch und Deutsch.

Wie funktioniert´s ? Mit Hilfe einer aufwendigen 360°-Fotografie wurde ein Großteil von "Unzipped" digitalisiert (aufgrund rechtlicher Restriktionen und einiger  technischer Barrieren kann man zwar nicht alle Fragmente, Videos und Musikclips aus der Ausstellung sehen, ein Großteil der Exponate ist jedoch auch online erlebbar). Per Maus bewegt man sich als Online-Besucher durch die Räume und klickt auf Hotspots um sich mit Fotografien, Kostümen oder Instrumenten näher zu beschäftigen.

Nach dem ersten Einloggen - via nach dem Kauf per Mail zugesandten Code und Link - hat man  48 Stunden Zeit, sich die Online-Ausstellung anzusehen.

Zu den speziellen Highlights unter den Exponaten zählen Vintage Gitarren, Jaggers Kostüme (wie das weiße Hyde Park-Ensemble oder das Omega-Shirt und Cape) sowie maßstabsgetreue Nachbauten eines Tonstudios und der berüchtigten Edith Grove-Wohnung - in der Mick, Keith und Brian in dem frühen Sechzigern lebten.

UPDATE: Im Shop gibt es zudem einen ganz besonderen "Ausstellungskatalog" zu erwerben. Dieser ist eigentlich gar kein Katalog im herkömmlichen Sinne, sondern ein ausgewachsener, stylisher Coffee Table-Band - der auch bislang das einzig offizielle Buch zum großen Stones-Jubiläum darstellt. Anhand der in der Schau gezeigten Exponate und zahlreicher Fotografien (geschossen von einem Who Is Who der Rock N´ Roll Photographer) lässt sich die ganze Geschichte der Steine nachvollziehen - und das in einem toll gestalteten Hochglanz-Buch, das noch dazu in einer deutschsprachigen Version erhältlich ist.

Nachdem die Stones-Schau im Groninger Museum corona-bedingt früher als geplant beendete wurde, wird sie 2023 zurückkehren. More Infos to come...

Weitere Infos + Tickets: Das Groninger Museum online | Groninger Museum

LESLIE MANDOKI - MUSIC IS THE GREATEST UNIFIER! BRIDGING THE GAP AROUND THE WORLD

 

Online-Konzerte und Streaming-Events sind Teil des „New Normal“ geworden. Zunächst waren diese meist noch reichlich improvisiert, doch mittlerweile sind zunehmend komplexere Setups möglich. So konnte auch der umtriebige und gerade in der Corona-Krise zu besonderer kreativer Höchstform aufgelaufene Leslie Mandoki seine  fast eineinhalbstündige Prog Rock-Suite „Hungarian Pictures“ als Youtube-Event realisieren.

Basierend auf Béla Bartóks Glauben an die verbindende, grenzüberschreitende Kraft der Musik, wollten Mandoki und seine All Star-Band, die Soulmates, symbolisch Brücken über die ganze Welt bauen. Leslie Mandoki sieht in der Corona-Krise „einen Charaktertest für uns alle“ und sendet eine musikalische „Osterbotschaft“ gegen die Spaltung und für den Zusammenhalt.

In Mandokis Studio am Starnberger See musizierte er mit Tony Carey und Peter Maffay gemeinsam mit den Münchner Soulmates-Bandmusikern. Auf mehreren im Raum verteilten Screens wurden per Video die mitwirkenden Soulmates live dazu geschaltet -  aus L.A., NYC, Boston, Miami, Nashville, London, Berlin und eigens für dieses Konzert auch Musiker in Tokio, Shanghai, Peking, Delhi und Moskau.

Mit dabei: Ian Anderson (Jethro Tull), Nick van Eede (Cutting Crew), Till Brönner, Szakcsi, Jane Xie, John Helliwell (Supertramp), Steve Bailey, Al Di Meola, Jesse Siebenberg (Supertramp), Cory Henry, Deobrat Mishra, Mike Stern, Margarita, Randy Brecker, Bill Evans, Sirreal, Richard Bona, Moto Fukushima, Tony Carey, Julia Mandoki.

Mittwoch, 24. März 2021

TIME IS ON THEIR SIDE: Neuauflage der ROLLING STONES Band-Chronik

Credit Coverbild: © Taschen Verlag

Am 12. Juli des Jahres 1962 fand sich eine Gruppe junger britischer Musiker, die später zu Megastars aufsteigen sollten, zum damaligen Zeitpunkt jedoch noch ganz am Anfang ihrer Karriere standen, in der Londoner Oxford Street ein, um ihren ersten Auftritt hinzulegen. Die Venue: der legendäre Marquee Club, die Band: The Rolling Stones. Dass dies der Startschuss für eine unglaubliche Karriere werden sollte, konnte damals noch keiner wissen. Was folgte war eine Reihe  beeindruckender Mark-Steine einer mittlerweile bald 6 Jahrzehnte andauernden Erfolgsgeschichte: zur Ikone gewordene Musiker,  die dienstälteste Rock N´ Roll-Band der Welt, Klassikeralben, Riffs für die Ewigkeit, ein in die Popkultur eingegangenes Logo…

Passend zum 58. Jubiläum der Stones ist im Taschen Verlag ein Bildband erschienen, der diese lange Karriere eindrucksvoll Revue passieren lässt. Fans wissen: dieses von Reuel Golden herausgegebene und in Zusammenarbeit mit den Stones entstandene Buch ist nicht gänzlich neu, die Originalausgabe erschien  2015. Schon damals handelte es sich nicht um die erste offizielle Stones-Rückschau in Buchform – es war jedoch mit Sicherheit die Umfangreichste. Nicht nur aufgrund der schieren Mammut-Ausmaße war dieser Band für den stabilen coffee table das Nonplusultra in Sachen Stones – sondern auch aufgrund seiner luxuriösen Aufmachung mit einem Einband in lila Reptil-Prägung. Die neue, aktualisierte Version verzichtet darauf und ist insgesamt etwas zurückgenommener, um nicht zu sagen „stripped“.

Am Inhalt selbst hat sich jedoch nicht viel geändert. Noch immer ist dieser Band eine extensive Retrospektive, die wie eine Greatest Hits-Compilation eine Auswahl der besten Aufnahmen von Jagger, Richards, Jones, Watts, Taylor und Wood versammelt. Die Stones waren ja immer auch Kunstobjekt, von der Fotogenität der Band selbst über das ikonische Lippen-und Zungen-Logo hin zu Plattencovern wie dem kultigen „Sticky Fingers“ von 1971. Die Namen hinter der Kamera lesen sich dann auch wie ein Who Is Who der internationalen Fotografen-Szene: Bailey, Newton, Corbijn, Ritts, Richardson oder Leibovitz.

Credit Bild: © Taschen Verlag

Credit Bild: © Taschen Verlag

Credit Bild: © Taschen Verlag
Der Hauptteil des Buches ist in drei, jeweils nach Song-Klassikern benannte Akte unterteilt, welche die ganze Schaffensperiode der Stones vom Beginn bis in die Gegenwart nachzeichnen. Dadurch entsteht quasi eine Biographie in Bildern. Die chronologische Reise durch die Jahrzehnte zeigt zudem im Zeitraffer die „changing times“, gesellschaftliche Umbrüche (etwa das gewaltsame Ende des Flower Power-Dreams ua. symbolisiert durch die Altamont-Tragödie) und die Veränderung der Band.

Akt 1 „Time Is On My Side“ beleuchtet die Jahre 1962 - 1969. Es ist die Brian Jones-Zeit, die nicht nur auf dem Cover hervorgehoben wird, sondern der im Band selbst auch besonders viel Platz eingeräumt wird. Akt 2 „Wild Horses“ setzt nach dem tragischen Tode Jones´ ein und beleuchtet die Phase von 1969 - 1978. Dieser Teil fällt ein bisschen kürzer als das vorherige Kapitel aus und auch Ausnahmegitarrist Mick Taylor kommt verhältnismäßig selten vor.  Akt 3 „Mixed Emotions“ fokussiert schließlich auf die lange Zeitspanne von 1978  bis in die Jetztzeit. Einen Einblick in die Sessions zu „Blue & Lonesome“, dem genialen 26. Studioalbum aus dem Jahre 2016, erhält man jedoch leider nicht.

Insgesamt ist diese Neuauflage weniger Kunstobjekt als vielmehr „normaler“ Bildband. Die Dichte an großartigen Aufnahmen macht das Buch jedoch trotzdem zu einer essenziellen Ergänzung der eigenen Stones-Bibliothek - zumal die Erstauflage, abgesehen von einigen Art Editions, schon lange vergriffen ist.  

The Rolling Stones. Aktualisierte Ausgabe 
Reuel Golden
Hardcover mit Ausklappseiten, 30 x 30 cm, 3,78 kg, 466 Seiten

BLACKMORE´S NIGHT - NATURE´S LIGHT

Credit Coverbild: © earMusic

Nach den weihnachtlichen Grüßen mit der X-MAS-EP „Here We Come A-Caroling“, die man als Appetizer zum neuen Full Length-Album verstehen konnte, kommt mit „Nature´s Light“ nun ein Frühlingsbote aus Blackmore Castle. v

War die Vorgänger-Scheibe noch eine teils allzu gediegene, meditative Angelegenheit hält mit dem neuen Album etwas mehr Schwung Einzug -  und auch Ritchie  Blackmores  verzerrte E-Gitarre feiert ein Comeback, wenn auch sehr understated. Denn die „No Hard Rock“-Policy wird auch auf dem 10. Blackmore´s Night Opus hochgehalten und stattdessen die Medieval und Renaissance-Musik -  der Vorläufer einer wesentlichen Folk-Spielart aus der Frühphase des Sixties-Rock - zelebriert. Das Rezept ist bekannt – Ritchie Blackmore liefert als Multi-Instrumentalist mit einer Minstrel-Band den Backdrop für die ätherische Stimme seiner Frau Candice Knight. Dabei wird in gekonnter Weise eine längst vergangene Zeit evoziert. Die stimmungsvollen Arrangements, dominiert von Mandoline, Drehleier, Nyckelharpa und Gitarre, liefern den idealen Soundtrack für das nächste Mittelalter-Event oder „Outlander“-Fantreffen, wann auch immer dieses stattfinden mag. Was nicht von ungefähr kommt: Denn Ritchie Blackmore zufolge ist bspw. das titelgebende Lied unter anderem der einzigartigen Magie von Mittelaltermärkten gewidmet. Für mich repräsentiert der Song die Menschen auf dem Weg zum Jahrmarkt, zur damaligen Zeit etwas sehr Zeremonielles, bei dem auch der König und die Königin anwesend sein würden. Es musste ein bombastisch-feierlicher Festumzug sein; eine majestätische Ankündigung, dass die königliche Familie in die Stadt kommen wird.“

Faktum ist, dass derzeit niemand dieses Subgenre in so guter Form bedient wie Blackmore und seine Gattin.  Wahr ist aber auch, dass auch dieses neue Werk bei aller Kunstfertigkeit nicht an die Intensität früherer Purple-Zeiten - selbst in den stillen Momenten - anknüpfen kann.

ROCK CLASSICS - JUDAS PRIEST

Credit Coverbild: © SlamZine 
Nach dem Special zu Motörhead geht es bei den Rock Classics heavy weiter – denn die neueste Ausgabe widmet sich den Metal Gods aus Birmingham, Judas Priest.

Das Cover ist ganz im Design des 82er-Klassikers „Screaming For Vengeance“ gehalten – im Zentrum prangt jedoch ein Bild der aktuellen Besetzung mit Gitarrist Richie Faulkner. Dementsprechend karriereumspannend ist auch diese Hochglanz-Retrospektive ausgefallen. Selbst die oft vergessene Pre-„Rocka Rolla“-Zeit, also die ganz frühe Phase vor dem Debut – wird hier beleuchtet. Wie man das von dieser Sonderheftreihe gewohnt ist, bekommt der Leser auch hier wieder einen Crash-Kurs in Sachen Priest mit der Backstory zur kompletten Diskografie, Bios der Bandmembers, ein Interview mit Glenn Tipton sowie den Überblick über so gut wie alle erhältlichen Sammlerstücke und Fanartikel.

Somit ist auch die  mittlerweile 31. Ausgabe der Rock Classics ein ebenso gelungenes wie empfehlenswertes Magazin.

Dienstag, 16. März 2021

JIMMY PAGE - THE ANTHOLOGY

Jimmy Page live auf der Bühne des Madison Square Garden 1977
Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019

Gitarren-Ikone, Effekt-Pionier, Archetypus des Rockstars, Produzent, Arrangeur, Studio-Musiker - es ist eine Vielzahl an Rollen, die James Patrick „Jimmy“ Page im Laufe seiner langen Karriere von der Zeit als Session-Man in der Frühzeit des britischen Sixties-Rock, als Yardbird oder als Zeremonienmeister von Led Zeppelin einnahm. In den letzten gut zwei Jahrzehnten kamen noch die Parts des Buch-Autors und des Verwalters seines eigenen Vermächtnisses hinzu (siehe etwa die Reissues seines Backkatalogs oder den Retrospektiv-Band zum 50. Zeppelin-Jubiläum). Auch im neuen Coffee Table-Buch „Jimmy Page - The Anthology“, erschienen beim englischen Verlag Genesis Publications, präsentiert sich die Rock-Legende als gewissenhafter Archivar des eigenen Lebens und Chronist seiner Vergangenheit.  

Dabei ist dieses Buch so ganz anders als die meisten Rockstar-Bücher. Es ist die chronologische Nacherzählung eines faszinierenden Lebens und zeichnet nach wie aus einem Chorknaben der Mann in der Dragon Suit wurde - ohne dabei die mittlerweile zum Standard geworden Künstlerbio zu sein. Vielmehr hat man es hier mit einer besonders interessanten Variante der Retrospektive zu tun - einer losen Biographie anhand von Gegenständen. Obwohl der Band auch voll von seltenen Jugendaufnahmen und Livebildern ist, ist diese Anthologie vor allem ein Streifzug durch Pages Karriere entlang ästhetischer Aufnahmen seiner berühmten Instrumente, sartorialen Extravaganzen, Session-Notizen und Memorabilia. Auch wenn dieser Prachtband keine herkömmliche „Tell All“-Story darstellt, offenbaren Pages detailreiche Begleittexte, die mit geballter Rock N´ Roll-Geschichte aufgeladenen Artefakte und die bis ins kleinste durchkomponierte Machart viel über die faszinierende Personality des Autors.

Eine Reihe von Double Necks
Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019

Die Number One Les Paul, kunstvoll drapiert auf dem The Song Remains The Same-Jacket
Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019

Das Madison Square Garden - Rig
Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019
Page öffnete für dieses Buchprojekt die Pforten zu seinem umfangreichen Archiv und seiner extensiven Collection und nimmt den Leser mit auf eine 400-seitige Tour durchs Privatmuseum einer Rock-Ikone. Er fungierte dabei nicht nur als Autor sondern auch als Art Director, arrangierte seine Instrumente für die Fotoshootings, wählte die richtige Beleuchtung aus und sorgte dafür, dass die „Gear Pics“  künstlerisch anspruchsvoll ausfielen. Hier wird nicht einfach eine Gitarre auf einen Ständer gestellt und der Auslöser gedrückt sondern die historischen Instrumente regelrecht zelebriert. Page wollte dabei auch Aufnahmen realisieren, die es in der gut 50-jährigen Tradition der Gitarren-Fotografie so noch nicht gab - ein gutes Beispiel ist die rote Doubleneck-Armada auf dem Bild oben. Bessere Gear Pictures hat man weder bei den Ads der amerikanischen Instrumentenhersteller noch in Gitarrenmagazinen gesehen.

Der Einblick der in „The Anthology“ gewährt ist auch deshalb so speziell, weil sich um Page nach wie vor zahlreiche Mythen ranken. Selbst die jahrzehntelange journalistische Aufarbeitung seiner Karriere hat nichts daran geändert , dass ihn noch immer die Aura des Geheimnisvollen umgibt. In der Peergroup der großen Rockstars gehört Page damit zu einem kleinen Zirkel  Auserwählter, der  universell respektiert ist, geradezu kultisch verehrt wird und deren Aufnahmen und Equipment bis heute lebhaft diskutiert werden.

Schon in der 2019er "Play It Loud "-Ausstellung im New Yorker Metropolitan Museum zeigte Page einige seiner Instrumente und aufwendigen Setups. In der Anthology geht er noch einen Schritt weiter und zeigt die „details behind the details“. Welcher Amp kam auf „Whole Lotta Love“ zum Einsatz ? Was sind die Unterschiede und wie ist das Spielgefühl der Number One und der Number Two Les Pauls ? Ihr wollt die Dragon- und die Poppy Suit „up close“ sehen ? Das „Stairway To Heaven“-Rig ebenso ? Alles da in der “Anthology“. Welche Saiten spielte er in den „early days“ bevor er in den USA die Ernie Ball Strings entdeckte? Und was genau war das für eine Superstrat zu Outrider“-Zeiten, seinem bislang letzten Soloalbum ? Auch diese Fragen und noch sehr viel mehr, werden in diesem faszinierenden Buch beantwortet. 

Dass dieser Einblick überhaupt möglich ist, liegt daran, dass Page genauestens (Tage-)Buch geführt  hat, so konnte er selbst Jahrzehnte  zurückliegende Sessions rekonstruieren. Zudem wusste er immer, was er an seinem erstklassigen Equipment hatte, und pflegte es dementsprechend gewissenhaft. Anders als bei einigen seiner Kollegen sind weder Amps, Gitarren, noch das notorisch heikle Echoplex Kollateralschäden des Rock N´ Roll geworden, verschwunden oder in den Händen reicher Privatsammler gelandet – sondern über all die Jahrzehnte in seinem Besitz gebelieben. 

Der Detailgrad dieses Buchs ist enorm, damit richtet es sich natürlich in erster Linie an die Zielgruppe der absoluten Hardcore-Zeppelin- und Page-Fans. Musiker und vor allem Gitarristen, die sich technisch auskennen, sind hier eindeutig im Vorteil. Die schiere  Dichte an Informationen und fachspezifischen Insights machen „The Anthology“ zu einer regelrechten Fundgrube für den Gitarre-Connaisseur und Gear Nerd. Doch auch ganz allgemein betrachtet hat man es hier mit einem der packendsten Bücher über Page und Zeppelin zu tun – in jedem Fall ist es das speziellste und detailreichste Werk bis dato. Und auch wenn die Songs die gleichen bleiben mögen, so ändert sich nach der Lektüre mitunter der Blickwinkel auf diese Klassiker.

Jimmy Page - The Anthology
Genesis Publications
400 Seiten, 250 mm x 310 mm
ISBN: 9781905662616
www.genesis-publications.com
Credit Bild: © Jimmy Page Archive 2019   Genesis Publications


Montag, 15. März 2021

JIMI HENDRIX - BURNING DESIRE: Feuerzeugbenzin und ein Streichholz

Credit Bild: © Ed Caraeff  ACC Art Publishing
Flamme vs. Stratocaster. Feuerzeugbenzin und ein Streichholz – mehr brauchte es nicht für einen der ganz großen Rock N' Roll-Momente zu schaffen.

Schon bevor der überirdische Gitarrenmagier James Marshall Hendrix seine Fender beim ersten großen Rock-Festival der Geschichte den Flammen übergab hatten Rockstars ihre Instrumente in Brand gesteckt. Der Killer Jerry Lee Lewis etwa entzündete schon mal sein Piano an und Pete Townshend donnerte seine Gitarre auf den Boden oder spießte gleich seinen Marshall Verstärkerturm auf. Doch was Hendrix da beim Monterey Festival machte kam einem semi-religiösen Akt gleich – eine Opferung, ein Ritual: "sacrifice what you love"...
In der Front Row von Monterey war damals auch ein 17-jähriger Fotograf der jene Momente festhielt und sich so alsbald in der illustren Riege der Rock N' Roll Photographer wiederfinden sollte. Hendrix auf den Knien wie er die Flammen geradezu beschwört - ein Bild für die Ewigkeit war geschaffen; es findet sich auch im Bildband "Burning Desire - Jimi Hendrix: The Jimi Hendrix Experience Through the Lens of Ed Caraeff(ACC Art Publishing) wieder in dem Caraeff eindrucksvolle Momentaufnahmen seiner Begegnungen mit der Jimi Hendrix Experience Revue passieren lässt. Der Clou , dieser großartige Band zeigt lauter unpublished photos aus dem Archiv des Fotografen. 

Folgende Gigs (1967-1969) der Band wurden fotografisch in beeindruckendem Detailgrad festgehalten:

Monterey International Pop Music Festival: June 18, 1967
Hollywood Bowl: August 18, 1967
Anaheim Convention Center: February 9, 1968
Ackerman Union Ballroom: February 13, 1968
Hollywood Bowl: September 14, 1968
Whiskey-A-Go-Go: October 1968
Newport '69: June 20-22, 1969
Credit Bild: © Ed Caraeff  ACC Art Publishing
Credit Bild: © Ed Caraeff  ACC Art Publishing

Samstag, 13. März 2021

JAMES DEAN: REBEL WITH A CAUSE

Credit Coverbild: © Bear Family

Am 8. Februar diesen Jahres wäre James Byron Dean 90 geworden.  Anlässlich dieses Anniversaries ist in der Memorial Series des Labels Bear Family ein CD-Tribute an den Film-Giganten erschienen. Eine CD?  Die Connection zur  Musik mag sich nicht jedem sofort erschließen,  in der Biographie Deans -  sowie in der posthumen Rezeption  -  findet sie sich jedoch sehr wohl, wenn auch teils eher indirekt.

Zum einen war Dean selbst großer Musikfan – gerade die dominierende Musik der Pre-Rock N´ Roll-Zeit, der Jazz, hatte es ihm angetan, legendär war zudem seine Freundschaft mit einem anderen „jungen Wilden“, Chet Baker. Und schließlich war Dean  -  als Ikone und Verkörperung des zu jung gegangen Heroen - auch immer wieder Thema von Songs. Die Bear Family-Compilation vereint nun eine Auswahl von insgesamt 28  teils bekannten, teils raren und teils erstmals auf Compact Disc veröffentlichten Aufnahmen: Man hört Dean im O-Ton beim Interview oder als Percussionist an den Congas (!) bei seltenen Aufnahmen mit Bob Romeo. Den Hauptteil machen jedoch Stücke der Scores zu den drei 
Am 8. Februar diesen Jahres wäre James Byron Dean 90 geworden. Mit nur drei Filmen – zwei davon nach seinem Unfalltod mit 24 Jahren veröffentlicht
 – wurde er zu einer der Ikonen von Tinseltown und zum ersten  früh verstorbenen Idol einer neuen Jugendgeneration. Anlässlich des Anniversaries ist in der Memorial Series des Labels Bear Family ein CD-Tribute an den Film-Giganten erschienen. Eine CD?  Die Connection zur  Musik mag sich nicht jedem sofort erschließen,  in der Biographie Deans -  sowie in der posthumen Rezeption  -  findet sie sich jedoch sehr wohl, wenn auch teils eher indirekt.

Dean Klassikern „Rebel Without A Cause“, „East Of Eden“ und „Giant“ sowie zum posthumen Dokumentarfilm ”The James Dean Story“ aus. Die Kompositionen  aus seiner „Klassiker-Trilogie“ zeigen vor allem ein Spannungsfeld im Ouvre Deans auf: Einerseits war Dean zusammen mit Marlon Brando einer der ersten Actors einer neuen Schule, seine Filme zeigten als eine der ersten vielschichtige jugendliche Charaktere mit all ihren Problemen und Ambivalenzen. Die Outfits Deans – gerade in „Rebel…“  mit weißem T-Shirt, roter Jacke, Jeans und Pompadour-Frisur machten ihn auch zu einer stilbildenden Figur für die Rock N´ Roll-Ära – doch die Filme und allen voran ihre Soundtracks waren weniger „Blackboard Jungle“ oder „Jailhouse Rock“ sondern mehr „Old School“ Hollywood.

 Jene Songs, welche die musikalische Auseinandersetzung mit der Popkultur-Legende Dean aufzeigen sollen zeigen zwar eine gewisse Bandbreite und spezialisieren sich auf obskurere Tracks – von den 50s mit den Four Tunes und ihrer „Ballad Of James Dean“ hin zu den 90s und Bonnie Tyler  - doch kratzen die paar Songs gerade mal an der Oberfläche dieser an sich spannenden Thematik. Dies führt dazu, dass die Zusammenstellung etwas beliebig wirkt – hier hätte man sich durchaus mehr gewünscht, zumal Dean ja auch in Song der jüngeren Vergangenheit Einzug in die Lyrics gehalten hat (Stichwort: Lana Del Rey). 

Da die Aufmachung der „Rebel With a Cause“-Zusammenstellung wie man das vom Label mit dem Bären gewohnt ist jedoch gut gelungen ist (schöner Digipak mit 36 seitigem Booklet) und die O-Töne und Songs durchaus Seltenheitswert haben, ist dieses Commerative-Release für den Dean-Sammler dennoch interessant.

Samstag, 27. Februar 2021

ALICE COOPER - DETROIT STORIES

Credit Coverbild: © earMusic Edel
Detroit City ist in Not, ruft Alice…Assoziationen, die sich zumindest beim Betrachten des Plattencovers des neuen Cooper-Albums aufdrängen, zumal dieses Opus auch eine Ode an die einstmals boomende Industriestadt und ihre glorreiche musikalische Vergangenheit darstellt. Die Stadt im Südosten Michigans – in den letzten Jahren eher Sinnbild für wirtschaftlichen Verfall im Zuge der Automobilkrise-  war einmal ein absolutes Epizentrum der amerikanischen Musikszene.

Hier heulten in den Sechziger- und Siebzigerjahren nicht nur die Motoren der Boliden aus den auf Hochtouren laufenden Fabriken – auch als musikalisches „Hotbed“ konnte sich die Motorcity neben NYC, LA oder den zahlreichen Musikhauptstädten im Süden behaupten -  von poliertem Motown-Soul über dreckigen (Garage-)Rock  hin zum Protopunk, von Mitch Ryder mit seinen Detroit Wheels,  MC 5, Iggy Pop und den Stooges, Ted Nugent, Bob Seger hin zur frühen  Alice Cooper-Band – sie alle waren Proponenten dessen, was als Detroit-Sound die lichten Höhen der Billboard-Charts und FM Radio-Playlists erklomm. Für Cooper waren die early 70s mit Alben wie „Love It To Death“, „Killer“, „School´s Out“ oder „Billion Dollar Babies“  eine der erfolgreichsten Zeiten, vielen gilt sie in kreativer Hinsicht auch als seine beste - und genau diesem Sound zollt der ewige Schockrocker mit „Detroit Stories“ Tribut. „Detroit war wirklich der Ort für Heavy Rock,” erklärt Cooper. „Im Eastown zum Beispiel konnte man an einem Abend Alice Cooper, Ted Nugent, The Stooges und The Who sehen, und das alles für 4$! Dann am nächsten Wochenende im Grande standen MC5, Brownsville Station und Fleetwood Mac auf der Bühne, oder auch Savoy Brown und die Small Faces. Als Soft-Rock-Band hatte man da echt nichts verloren.“ 

Cooper setzt genau dort an wo der Vorgänger „Paranormal“ aufgehört hat. Markierte schon dieses Album eine Rückbesinnung auf alte Tugenden -  weniger Wacken und mehr Vintage - so geht er auf diesem, seinem 28. Studioalbum noch einen Schritt weiter. Mit einem gelungenen Cover des Lou Reed/Velvet Underground-Klassikers “Rock N´ Roll” eröffnet Cooper eine Platte, die musikalisch in gekonnter weise frühere Großtaten und Riffs evoziert sowie augenzwinkernde Querverweise, Inside Jokes und sarkastische Weltbeobachtungen verbindet.

Als Songwriting-Partner, Produzent und Mitmusiker an der Orgel fungierte hier wieder Produzentenlegende Bob Ezrin, der schon bei allen zuvor genannten Seventies-Cooper-Alben mitarbeitete. Eine illustre Riege an Gaststars  - darunter Joe Bonamassa, Johnny "Bee" Badanjek von den Detroit Wheels und  Steve Hunter und Wayne Kramer – sorgen für prominente Unterstützung. Das vermutlich nicht zufällige ironische Highlight in der Gastriege:  Larry Mullen, Jr. von U2 sitzt ausgerechnet  beim Song “Shut up And Rock“ an den Drums, einem Lied, das mit der  Textzeile  “Don’t want to hear about your politics....“ aufwartet…

Cooper gibt auf „Detroit Stories“ generell weniger den Gruselfürst mit Serienkiller-Kurzgeschichten  sondern erzählt  vom „walk on the wild side“ in Detroit und von skurrilen, verirrten Existenzen  -  der Motor City-Moloch fungiert hier als pars pro toto für die aktuelle aus den Fugen geratene Welt. Die teils punkigen Riffs krachen, die Soli sind pentatonisch-blues getränkt … all das wird die Old School-Fans fraglos ansprechen und macht das jüngste Cooper-werk zu einem seiner besseren Alben der letzten Jahre. Mit fortschreitender Spieldauer fällt jedoch auch die Austauschbarkeit eines Großteils der Songs auf. Cooper ist bei aller Kunstfertigkeit nicht davor gefeit ins Klischeehafte, mitunter Repetitive abzudriften – was auch daran liegt, dass „Detroit Stories“ mit 15 Songs nicht zu den kürzesten Alben gehört. Mehr Straffung und das Weglassen von Ideen, die wie Outtakes aus „Hollywood Vampire“-Sessions anmuten, hätten hier durchaus gut getan. 

Als Bonus gibt es in der limitierten Deluxe Edition von „Detroit Stories“ eine Seltenheit in diesen Tagen: ein Live-Konzert, und zwar den Mitschnitt eines Gigs aus Paris. Diesen kennt man schon von einer 2018 veröffentlichten Live-CD, hier gibt es die DVD-Version. Zwar bietet dieser „Paranormal Evening“  keinerlei Überraschungen sondern „nur“ die erwartbare Horror-Show mit Guillotine und Schock-Theater sowie einer veritablen Greatest Hits-Setlist, doch gewinnt der Abend  durch die visuelle Komponente natürlich ungemein.

Montag, 18. Januar 2021

TASCHEN VERLAG - SALE 2021


©Taschen Verlag
Von Normalität kann - so wie es leider zu erwarten war - auch zu Beginn des Neuen Jahres keine Rede sein. Einige wenige  Fixpunkte die man in Pre-Corona-Zeiten stets im persönlichen Kulturkalender notiert hatte, finden allerdings dennoch statt - so auch der 
traditionelle  "Winter Sale" des Kölner Luxusverlags Taschen - bei dem es für alle  Coffee Table-Fans und Liebhaber luxuriöser Bildbände  wieder einige Schnäppchen zu ergattern gibt

Wer also ob trüber Aussichten lieber in die Vintage Glamourwelt von Helmut Newton flüchtet, zusammen mit Mario Testino oder Supermodels der "Sprezzatura" frönt oder sich "Schöner Wohnen"-Inspo bei Architektur-Legenden holen will, kann Ende Jänner bis zu - 75 % Rabatt auf Display- Exemplare der aufwendigen Collectors Bildbände bekommen.

When & Where ? Der Sale findet sowohl in den beiden deutschen Flagshipstores in Berlin und Köln sowie in der Social Distancing-Variante im Web statt:
  
Hier die genauen Daten & Adressen: 

Warehouse Sale 27. bis 31. Januar 2021
in den Flagship-Stores 
Taschen Store Berlin (Schlüterstraße 39)
Taschen Store Köln (Neumarkt 3)

Online
www.taschen.com

Very graphic: Inside the Flagship Store in Berlin
©Taschen Verlag

Mittwoch, 30. Dezember 2020

SEEING STEVIE RAY von TRACY ANNE HART

Credit Coverbild: © Tracy Anne Hart     Texas A & M University Press
Fährt man die musikalische Landkarte der USA ab, so offenbaren sich von Küste zu Küste zahlreiche Epizentren und ausgeprägte  „Hotbeds“ der unterschiedlichsten Genres. Gerade im Blues gibt es eine Vielzahl regionaler Spielarten, die ausgehend von derselben formalen Basis zahlreiche Eigenheiten entwickelten. Dem Lone Star State Texas kommt hier  eine ganz besondere Bedeutung zu, die sich bis in die Zeit vor der Großen Depression zurückverfolgen lässt. Entlang der Highways und den teils kargen Landschaften des zweitgrößten Bundestaates entstand eine fruchtbare Szene, die einige der größten Namen des Genres hervorgebracht hat. Und unter den vielen großen Söhnen des Lone Star States zählt Stevie Ray Vaughan fraglos zu den absoluten Ikonen. Nach Vaughan gelang es keinem kontemporären Bluesgitarristen mehr diesen absoluten Legendenstatus zu erreichen. Für das Blues Revival der Eighties war er ein wesentlicher Initiator, seine Roots-Alben waren Chart-Erfolge, selbst zu einem Mainstream-Publikum gelang ihm der Crossover (Stichworte: Aufnahmen mit David Bowie oder Zucchero), sein Gitarrensound – so groß wie sein Heimatland – ist bis heute eine Benchmark, sein hochoktaniger Spielstil inspirierte Legionen von Epigonen. Heuer jährte sich der Todestag SRVs, der 1990 bei einem tragischen Helikopterunfall in Alpine Valley ums  Leben kam zum 30. Mal. 

Bedenkt man den Stellenwert SRVs so verwundert es, dass der neue Bildband „Seeing Stevie Ray“  das erste Buch dieser Art über den Gitarristen  ist. Erschienen ist der kompakte Bildband  nicht bei einem der großen Coffee Table-Publisher sondern  beim Uni-Verlag Texas A & M University Press. Interessantes Trivia und eine SRV-Connection am Rande: auf dem Campus der Texas A &M  fand  Ex-Präsident George Bush Senior seine letzte Ruhe gefunden und 1989 spielten bei  dessen Inauguration Concert SRV & seine Band Double Trouble.

Credit Bild: © Tracy Anne Hart     
Zurück zum  Buch: Die Bilder in „Seeing Stevie Ray“  stammen von Fotografin Tracy Anne Hart, die seit den  80ern Teil jener Szene ist, deren Renaissance sie mit ihren Leica Kameras für die Ewigkeit festhielt und die in diesem Buch neben SRV eine Hauptrolle spielt. Überhaupt fällt bei der Lektüre der Anekdoten und dem Betrachten der vielen großartigen Bilder eines auf:  Anders als es der Titel dieses Bands vermuten lässt, ist „Seeing Stevie Ray“ nicht ausschließlich eine liebevolle Ode an die verstorbene Legende sondern auch eine leidenschaftliche Liebeserklärung an jene „local scene“ , in der SRVs Weg zum Superstar begann. Dementsprechend blättert man sich durch ein texanisches Who Is Who von Billy Gibbons über Doyle Bramhall II und Charlie Sexton hin zu Gary Clark Jr. Auch angesichts des Umfangs von nur 166 Seiten hätte man sich zwar durchaus noch mehr Bilder von SRV gewünscht, doch die hier gezeigten überwiegend monochromen Aufnahmen sind schlichtweg ikonisch. Zudem gelingt es der Autorin/Fotografin einen Bogen über mehrere Jahrzehnte texanischer Musikgeschichte zu spannen und dabei den Aufstieg SRVs sowie seinen Einfluss, der bis heute überdeutlich zu spüren ist, zu illustrieren.

Erhältlich u.a.  via: TheHeightsGallery.com - Home